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Full text of "Das neue Musiklexikon"

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DAS NE'UE 
MUSIKLEXIKON 



NACH DEM 

DICTIONARY OF MODERN MUSIC 

AND MUSICIANS 

HERAUSGEGEBEN VON 

A. EAGLEFIELD-HULL 

UBERSETZT UND BEARBEITET 
VON 

ALFRED EINSTEIN 




19 2 6 



MAX HESSES YE EL AG, BERLIN W 15 



E i n b a n d e n t w u r f und Kontrolle 



Prof. Tiemann, Leipzig 



Copyright 1926 by Max Hesses Verlag, Berlin AV 15* 



Drucsk von 
C. Schulze A Co., 

G, in. b. H., 
GritfenhaiTnchen. 



Vorwort des englischen Herausgeberaii8sclmsses. 



Die politische Wirrnis, die 1914 begann, und aus der sich Europa audi 
heute noch nicht vollig herausgefunden hat, hat auch das Reich der Musik 
in verschiedener Richtung in ihre Wirbel gerissen. In einigen Landern hat 
sie das Yerlangen nach Musik, den Wunsch eine nationale Tonkunst zu 
schaffen, machtig gestarkt; in anderen hat sie in gewissem MaBe dazu bei- 
getragen, die Musik als eine Angelegenheit zweiten Ranges in den Hintergrund 
zu stellen. Die heftige Betonung des nationalistischen Sinnes, eine so wert- 
volle Triebfeder er in besonderen personlichen Fallen gewesen sein mag, 
hat jene freie Wechselwirkung musikalischer Stromungen gehindert, die 
bis auf 1914 durch Generationen hindurch entwickelt worden war. Das 
englische Publikum hatte jahrhundertelang eine gesunde WiBbegierde nach 
der Musik aller Kulturnationen gezeigt: Burney's Allgemeine Musik- 
geschichte vom Ende des 18. Jahrhunderts, und Grove's Musik-Lexikon, 
hundert Jahre spater begonnen, sind beide iiberall anerkannte beispiel- 
gebende Zeugnisse jenes Triebs nach universeller Kenntnis und Erkenntnis. 
Die letzten dreiBig Jahre haben in England, ungeachtet des schadigenden 
Einf hisses der politischen Ereignisse, ein gewaltiges Anwachsen des Anteils 
an der Musik und ein immer klareres BewuBtsein da von gebracht, daB Musik 
im hochsten Sinne eine Form der nationalen SelbstauBerung sein kann. 
Dabei ist es eins der erfreulichsten Zeichen unseres neuen musikalischen 
Lebens, daB wir nicht weniger als unsere Yorfahren noch immer das starke 
Yerlangen fiihlen, die Musik anderer Nationen kennen zu lernen. Jedoch — 
die gewohnlichen Quellen der Erkenntnis sind verschuttet gewesen, und 
der Musik liebhaber nicht nur in England, sondern in alien Landern, war 
von jeder unmittelbaren Nachricht abgeschnitten. 

Die Absicht dieses Neuen Lexikons ist, dem Musiker und Musik- 
liebhaber einen genauen und praktischen Uberblick iiber das gesamte musi- 
kalische Wirken von heute zu liefern. Seine Grenze gegen die Yergangenheit 
ist urn oder gegen 1880 gesetzt worden, das Jahr, in dem in England Parry's 
Entfesselter Prometheus den Beginn dessen bezeichnet, was man 
Englische Renaissance in der Musik nennt. Die so abgegrenzte Periode 
schliefit in den anderen Musiklandern solche ragende Merksteine ein wie 
Wagner's Parsifal, Verdi's Otello und Falstaff, die spateren Werke 
Brahms 1 und Cesar Franck's, so daB der Leser in diesem Buche Belehrung nicht 
bloB iiber die Musik der Gegenwart findet, sondern auch die geschichtlichen 
Wurzeln ihrer verschiedenen Stilarten verfolgen kann. Seit dem Beginn 
des 20. Jahrhunderts hat sich in unserem musikalischen Standpunkt ein 
entschiedener Wechsel vollzogen — leicht erkennbar nicht nur fur den 
Spezialisten sondern auch fur den Musikliebhaber im allgemeinen. Alle 



JY Vorwort des leitenden Herausgebers. 

Seiten dieses Wechsels, die talsachlichen wie die theoretischen, sind in deni 
vorliegendem neuen Lexikon sorgfaltig beach tet und zu beleuchten versucht 
worden. 

Der technische Hauptartikel ist der iiber Harmonik. Er hat zum 
Verfasser nicht einen einzelnen, dessen Standpunkt, so fesselnd er sein 
mochte, dennoch einseitig bleiben konnte, sondern verschiedene Mitarbeiter 
(Sir Hugh Allen. Bela Bartok, Arnold Bax, Eugene Goossens, Dr. Eaglefield- 
Hull, Prof. Tovey, Dr. Vaughan Williams, Granville Bantock, der fur die 
Fassung des Artikels im ganzen verantwortlich ist), die als Sonderausschuft 
rnehrmals ihn mundlich erortert und dem leitenden Herausgeber Stoff von 
verschiedenen Gesichtspunkten aus geliefert haben. Ein besonderes Gesicht 
erhalt das Werk durch eine Reihe von kritischen Artikeln iiber die Oper. 
Sinfonik, Kammermusik, das Lied usw.in einzelnen Landern. Die zahlreichen 
auslandischen Mitarbeiter sind vom HerausgeberausschuO mit groOem 
Bedacht ausgewahlt worden, und er hat ihnen fur die AuBerung kritischer 
Meinungen moglichst grofien Spielraum gelassen. Die Korrektur des gesamteu 
Werkes ist von alien Mitgliedern des Ausschusses gelesen Avorden, sie haben 
auch seine allgemeine Haltung bestimmt. 

Hugh E. Allen. Granville Bantock. Edward J. Dent. 
Herry J. Wood, A. Eaglefield-Hnll. 



Vorwort des leitenden Herausgebers- 

Der BeschluB des Herausgeberausschusscs, bei der Abgrenzuag 
der einzelnen europaischen Musiklander sich nach der Neuordnung des 
Versailler Obersten Rats zu richten, war weniger einfach zu befolgen als es 
anfanglich schien. Wenig bekannte Sprachen traten plotzlich hervor, und 
es muBte das groBte Gewicht auf ihre genaue Beaehtung in ihrem Bereich 
gelegt werden: viele ungewohnte Stadtenamen wurden wieder gebrauchlich: 
und so wurde 1922 eine Fahrt durch ganz Europa notwendig, uni mit den 
einzelnen Vertrauensleuten personlich zu verhandeln und verschiedene 
Fragen ins Reine zu bringen. 1923 besuchte ich die meisten europaischen 
Lander nochmals, urn das Fortschreiten des Werkes zu besprechen. Dennoch 
Avar der doppeltc Anspruch zweier Lander auf einen Komponisten, oder 
die Auslassung einiger Musiker von besonders kosmopolitischem Charakter 
nicht ganz zu verhuten. Die meisten dieser Artikel sind dann von mir selbst 
erganzt worden. 

Das notwendige Material wurde durch nationale Unterherausgeber 
erlangt, deren einige die Mehrzahl der Artikel selbst geschrieben haben 
{wie z. B. Dom. Alaleona fiir Italien, Alfr. Einstein fur Deutschland, Pedro 
G. Morales- fiir Spanien); andere haben wieder einen nationalen Ausschuil 
gebildet, unter den sie die Arbeit vertcilten. In Frankreich z. B. haben 



Vorworfc des Bear beiters. Y 

Henry Prunieres (Leiter), Andre Coeuroy und M. D. Calvocoressi die Kom- 
ponisten-Artikel geschrieben, Andre Schaeffner diejenigen iiber die Dirigenten, 
Andre Rigaud iiber die Sangei*, D . Lazarus iiber die Pianisten und Harfenisten, 
Felix Raugel iiber die Organisten, Marc Pincherle iiber die Violinisten, 
Cellisten usw., und Madem. M. L. Pereyra iiber die Musikforscher, Vereine usw. 

In den Artikeln, die mit den neuen Staatengebilden Polen,.Ungarn, 
Litauen, Tschechoslowakei usw. zu tun haben, ist der neue nationale Stadte- 
name gewahlt worden, oft mit dem bekannteren alten in Klammern. Bei 
der Anfiihrung von Titeln ist ebenfalis meist die originale Fassung beibeli alten 
worden, wo es notwendig schien, mit der Ubersetzung. Fur die Ubersetzung 
aller franzosischen und deutschen Artikel ist Mr. W. H. Kerridge, M. A., 
Mus. Bac. Cantab, verantwortlich, fiir die der italienischen Mifi E. J. Bray. 
Unter meinen vielen Helfern bin ich fur wertvolle Winke und Anregungen 
besonders Mr. Charles Lee von Letchworth und Mr. E. F. Bozman, B. A. 
verpflichtet. 

Die neu aufgelebten Sprachen haben fiir ihre genaue Wiedergabe 
die Anfertigung einer groBen Zahl von Spezialtypen notwendig gemacht. 
In diesem Punkt, wie in alien andern, haben die Verleger den groOten 
Spielraum gegeben. Es ist ihre Absicht, in kommenden Auflagen alle Ver- 
besserungen und Zusatze den einzelnen Artikeln einzufiigen und auf Nach- 
trage zu verzichten; zu diesem Zweck ist der Satz stehen geblieben. 

Alle die englische Ausgabe betreffenden Zuschriften sind an mich 
zu richten, c/o Messrs. J. M. Dent & Sons Ltd., 10—13, Bedford Street, 
London, W. C. 2. 

A, Eaglefield-HulL 



Vorwort des Bearbeiters. 



Das neue englische Musik-Lexikon, das hier in deutscher Ubersetzung 
und Bearbeitung vorgelegt wird, ist vielleicht gerade fiir uns Deutsche eine 
wertvolle Gabe. Es ist nicht zu befurchten, daB es zu der dem Deutschen 
angeblich eigenen Uberschatzung des Nicht- und AuBerdeutschen beitragen 
wird: dies AuBerdeutsche wird bei uns nicht nur keineswegs mehr iiber- 
schatzt, sondern nicht einmal gekannt, so sehr sich in diesem Punkt die 
Verhaltnisse seit einigen Jahren gebessert haben mogen. Aber unsere auBere 
und spater unsere innere Isolierung war unter alien Volkern seit 10 Jahren die 
vollstandigste und griindlichste, wir hatten unter dem Mangel am Austausch 
geistiger Giiter am meisten zu leiden. Ich weiB nicht, ob dieser Mangel uns 
geschadet hat. Vielleicht waren wir ohne ihn weiter, waren die Geburts- 
krampfe urn die Neue Musik weniger heftig, aber es liegt im deutschen 
Charakter, es sich schwer zu machen, auf dem Weg von der Negation zur 
Position sich keinen Schritt zu ersparen. Das Neue Musik-Lexikon ist jeden- 
ialls dazu angetan, unsere objektive Kenntnis und Erkenntnis der heutigen 



VI Vorworfc des Bearbeiters, 

musikalischen Welt zu bereichern: man clarf sagen, daB die englischen Heraus- 
geber keine Miihe gescheut haben, urn ein moglichst tatsachliches und 
authentisches, vollstandiges Bild dieser Welt zu erlangen, daB sie den richtigen 
Weg eingeschlagen haben, als sie fur jedes Musikland einen verantwortlichen 
Bearbeiter bestellten; die Summe von deren Zusammenarbeit muOte das. 
was ein einzelner leisten konnte, zu mindesten an Vollstandigkeit der Uber- 
schau weit ubertreffen. Als daher vor liber Jahresfrist der leitende Hera us*- 
geber die deutschen Rechte des Werkes anbot, war es dem Verlag und niii 
nicht zweifelhaft, daB wir zugreifen mufiten, obwohl oder vielmehr gerade 
weil in diesem Falle der Verlag und Bearbeiter mit dem Verlag und Heraus- 
geber von Riemann's Musik-Lexikon zusammenfielen. Das Riemann'sche 
Musik-Lexikon ist ein universelles W r erk, und es ist ganz klar, daB vor allem 
ein Teil des biographischen Materials des neuen Lexikons mit dem Riemamfs 
identisch ist; aber ebenso klar ist. daB das Neue Musik-Lexikon ganz andere 
Absichten verfolgt, dank seiner Begrenzung ganz andere Gebiete in seiu 
Bereich Ziehen, eine andere Genauigkeit im Bibliographischen (Verleger!) 
anstreben kann, und dazu geeignet ist, das altere Werk von manchem 
ungeeigneten Stoff zu befreien. Man wird mir glauben, daB dies neue Unter- 
nehmen mir nur anferlegt hat, an das Riemann'sche Vermachtnis die doppelte 
Sorgfalt und Treue zu wen den, es womoglich im Wert zu steigern; ich hoffe, 
daB die nachste Auflage das erweisen wird. 

Es liegt mir ob, iiber die Art meiner Bearbeitung kurz Rechenschaft 
zu geben. Bearbeitung ist immer audi Kritik der Vorlage; ich habe mit 
Rucksicht aui* deutsche Bediirfnisse und auf die Proportion des Ganzen 
manchen Artikel verktirzt oder verlangert, ausgeschieden und hinzugesetzt: 
im Biographischen waren vor allem die ,,zwischen den Nationen" stehenden 
Musiker zu stief miitterlich behandelt. Den in der englischen Vorrede erwalmlen 
Artikel iiber Harmonic muBte ich aus auBeren Griinden vollig weglassen. 
Hinzugekommen sind eine Reihe der nationalen Ubersichten und die Artikel 
iiber das Verhaltnis der Gegenwart zu den GroBmeistern der Vergangenheit. 
Im iibrigen habe ich nach meiner Kenntnis erganzt und mich, wo es mir 
notwendig schien, neu informiert: leider haben audi hier in manchen Fallen 
die direkten Quellen versagt, und manche Liicke — ich versage mir, Beispieie 
zu nennen — kommt audi hier nicht auf meine Rechnung. Urspriinglich 
stand, wie in der englischen Vorlage, unter jedem Artikel die Chiffer des 
Bearbeiters. Eine freundschaftliche Auseinandersetzung mit einemMitarbeiter, 
der an einer meiner Anderungen im Werturteil iiber einen Komponisten 
AnstoB nahm, hat mich jedoch belehrt, daB ich fiir die Fassung jedes Artikels 
der deutschen Ausgabe die eigentliche Verantwortung zu ubernehmen habe, 
so sehr ich mich in der Hauptsache audi urn treue Wiedergabe und Er- 
ganzung bemuht habe. Doch findet der Benutzer des Lexikons, in der der 
Vorrede beigegebenen Ubersicht, den Verfasser jedes einzelnen Artikels 
der englischen Vorlage durch seine Chiffer kenntlich gemacht, nur meine 
eigenen Artikel blieben ohne Kennzeichen. 

Nicht alle neuen Ortsnamen konnte ich identifizieren und daher. 
deutsch wiedergeben, ich bitte hier besonders urn Nachsicht: wie es audi 
keine Herausforderung nationaler Empfindlichkeiten sein soil, daB statt 
Petro- oder Leningrad noch immer Petersburg, statt des offiziellen Oslo 
noch immer Christiania steht. Die Ungleichheiten und Mangel meiner 
Bearbeitung kennt niemand besser als ich selbst: die groBte Un^leichheit 



Vorwort des Bearbeiters. VII 

ist die, daft die groBen Musiknationen im Vergleich zu manchen kleinerert 
— ich nenne Norwegen — uberhaupt zu kurz gekommen sind. Ein solches* 
Werk tut unabsichtlich, durch blofte Beriicksichtigung und Nichtberiick- 
sichtigung, oft aliein durch den verschiedenen Raum, den es den Auf- 
genommenen gonnt, Unrecht, das ich gerne immer mehr vermeiden mochte. 
Es ist ein Versuch, und ich bitte, mich bei seiner Erganzung und Ver- 
besserung zu unterstiitzen, wie ich bei dieser ersten Bearbeitung von vielen 
unterstiitzt worden bin — so vielen, daft ich sie kaum aufzahlen kann. Nur 
Dr. Stanislaus Ludkewycz in Lemberg, Dr. 0. M. Sandvik in Holmenkollen, 
Dr. Knud Jeppesen in Kopenhagen, Dr. Oskar v. Riesemann in Gaienhofen 
und Dr. Bruno Weigl und seine Gattin in Brunn mochte ich dankbar nament- 
lich anfuhren; von den Verlagen, die mir durch Zusendung ihrer neuen 
Verlagswerke die so notwendige Anschauung ermoglicht haben, vor allem 
N. Simrock in Berlin und Curwen & Sons in London. 

Von einem Nachtrag habe ich abgesehen; es ware sonst kein Ende 
zu finden gewesen. 

Munchen, im November 1925. 

Widenmayerstr. 39/4. Alfred Einstein. 



Errata. 

Abrahamsen. 4. Zeile: stud. 1910—17 . . . und war 1921/2 noch Schuler von Peter Wagner 

in Freiburg (Schw.). 
Anrooy. 2. Zeile lies 1879 statt 1897. 

Dahlke. geb. 1877. ' 

Horwitz. gest. 18. August 1925. 

Kon3ervatorien. Dir. des Briisseler Kons. seit 1925 Jos. Jongen, des Liitticher Fr. Rasse. 



Rationale Aussclinsse unci Unterherausgeber. 



Argentinien: Dr. Angelo Menchaca, Buenos 

Aires. 
Australien: Mr. Gibson Young, Melbourne 

Mr, F. Bennicke Hart, Melbourne. 

Mrs. Louise B. M. Dyer, Melbourne. 
Belgien: Dr. Charles Van den Borren, Brussel. 

Dr. Ernest Closson, Brussel. 

Mr. Joseph Jongen, Brussel. 
B r a s i 1 i e n : J. Armstrong Read , Rio de Janeiro. 

Oscar Guanobarino, Rio de Janeiro. 
Canada: Dr. A. S. Vogt, Toronto. 

Mr. H. F. Fricker, Toronto. 

Mr. Leo Smith, Toronto. 

Mis Helen Roberts, Chicago. 
Danemark: Dr. Angul Hammerich, Kopen- 
hagen. 

Dr. William Behrend, Kopenhagen. 
England: Prof. Sir Hugh Allen, London. 

Prof. Granville Bantock, Birmingham, 

Sir Henry Wood, London. 

Mr. Edward J. Dent, London. 

Dr. A. Eaglefield-Hull, London. 
Frankreieh: Dr. Henry Prunieres, Paris. 

Mr. Andre Coeuroy, Paris. 

Mr. M. D. Calvocoressi, London. 

Mr. Marc Pincherle, Paris. 

Mile. M. L. Pereyra, Paris. 

Mr. Felix Raugel, Paris. 

Mr. Andre Schaeffner, Paris. 

Mr. Joseph Bonnet, Paris. 
Deutschland: Dr. Alfred Einstein, Munchen. 

Dr. Hugo Leichtentritt, Berlin. 
Holland: Herr Willem Pijper, Bilthoven. 
Indien: Mr. A. K. Coomaraswamy, Boston, 

U. S. A. 
Irland: Mr. Hamilton Harty, Manchester. 

Dr. J. F. Larchet, Dublin. 

Prof. William Starkie, Dublin. 
Italien: Dr. Domenico Alaleona, Rom. 

Sig. Renato Fondi, Rom. 
Japan: Lord Raitai Tokuguwa, Tokio. 
Lettland: Herr K. Paucitis, Riga. 



Littauen: Herr H. Rabinavicius, London. 
Mexico, Cuba, Chile, Peru: Mr. Frederick 

H. Martens, New York. 
iNorwegen: Herr Reidar Mjoen, Christiania. 
I Herr Jens A. Arbo, Christiania. 
! Herr Ulrick Mork, Christiania. 

Dr. 0. M. Sandvik, Christiania. 

Herr Alfred Hurum, Christiania. 
Osterreich: Dr. Egon W T ellesz, Wien. 

Dr. Hugo Botstiber, Wien. 

Dr. Ernst Decsey, Wien. 

Dr. Wilhelm Fischer, Wien. 

Dr. Paul A. Pisk, Wien. 

Dr. Paul Stefan, Wien. 
Polen: Prof. Zdzislaw Jachimecki, Krakau. 
Portugal: Mr. Cecil Mackee, Lissabon. 
Rumanien: Mr. Cons taut in N. Brailoiu, 

Bukarest. 
RuBland: Herr Victor Belaiew, Moskau. 

Mr. M. D. Calvocoressi, London. 

Mr. Boris de Schloezer, Paris 

Mr. W. Bessel, Paris 
Schottland: Prof. Donald Tovey, Edinburgh 

Mr. Hugh S. Roberton, Glasgow. 

Mr. J. Petrie Dunn, Edinburgh. 

Mr. William Saunders, Edinburgh. 
Serbien: Mr. T. F. Dunhill, London. 
Siidafrika: Prof. W. H. Bell, Kapstadt. 

Mr. Theo Wendt, Kapstadt. 

Prof. Percival Kirby, Johannesburg. 

Mr. H. Lyell-Taylor, Durban. 
Spanien: Herr Pedro G. Morales, London. 
: Schweden: Dr. Patrick Vretblad, Stockholm. 
j Schweiz: Mr. Frederick Hay, Genf. 
Tschechoslowakei(B6hmen, Mahren, Schle- 

sien. Slova^ei): Dr. Erich Steinhard, Prag. 

Dr. Vaclav fetepan, Prag. 
Ungarn: Herr Bela Bartok, Budapest. 

Herr Zoltan Kodaly, Budapest. 
U.S.A.: Dr. Otto Kinkeldey Ithaca, N. Y. 

Mr. Julius Mattfeld, Public Library, N. Y. 



Mitarbeiter-Chiffern. 



A. B. 


Arnold Bax, London. 


F. R. 


A. C. 


Andre Coeuroy, Paris. 


G. B. 


A. CI. 


Alfred Clark, London. 


G. M. G. 


A. H. 


Angul Hammerich, Kopenhagen. 


G. 0. 


A.K.C. 


A.K. Coomaraswamy, Boston. 


G. Y. 


A.M. 


Angelo Menchaca, Buenos Aires. 


H. B. 


A.N. 


Anton Nauwelaerts, Brugge. 


H. G. 


A. R. 


Andre Rigaud, Paris. 


H.H. 


A. S. 


Andre Schaeffner, Paris. 


H. H. R. 


A. S. V. 


Augustus S. Vogt, Toronto. 


H. J. W. 


B. B. 


Bela Bartok, Budapest. 


H.L. 


B. de S. 


Boris de Schloezer, Paris. 


H. P. 


C.L. 


Charles Lee, Letchworth. 


H P. A. 


CM. 


Compton Mackenzie, London. 


H. R. 


C. M. B. 


C. M. Barbeau, Ottawa. 


H. S. W. 


C. N. B. 


Constantin N. Brailoiu, Bukarest. 


H. T. B. 


C.V.B. 


Charles van den Borren, Briissel. 


H.W. 


D. A. 


Domenieo Alaleona, Rom. 


H. W. D. 


D.L. 


D. Lazarus, Paris. 




D. T. 


Donald Tovey, Edinburgh. 


J. A. 


D.V. T. 


D. Vaughan Thomas, Swansea. 


J. A. F. 


E. C. 


Ernest Closson, Brussel. 


J. B. 


B. D. 


Ernst Decsey, Wien. 


J. B. R. 


E.E. 


Edwin Evans, London. 


J. C. McL 


E.G. 


Edward German, London. 


J. F. R. 


Eu. G. 


Eugene Goossens, London. 


J. G. 


E.-H. 


Arthur Eaglefield-Hull, Hudders- 


J. LI. W. 




field. 


J. M. 


E. J. D. 


Edward J. Dent, London. 


J. McD. 


E. R. D. 


Emily R. Daymond, London. 


J. M. L. 


E. S. 


Erich Steinhard, Prag. 


J. M. M. 


Eg. W. 


Egon Wellesz, Wien. 


J. P. D. 


F. A. H. 


Frank A. Hadland, London. 


K. P. 


F. C. 


Frederick Corder, London. 


L. F. 


F. G. S. 


Frederick G. Shinn, London. 


L. S. 


F.H. 


Frederick Hay, Genf. 


L. S. J. 


F. H. M. 


Frederick H. Martens, New York. 


M. Ba. 


£.K. 


Frank Kidson, Leeds. 


M. B. 



F. Raugel, Paris. 
Granville Bantock, Birmingham- 
Guido M. Gatti, Turin. 
George Osborne, Huddersfield. 
Gibson Young, Melbourne. 
Hugo Botstiber, Wien. 
Harvey Grace, London. 
Herbert Howells, London. 
Helen H. Roberts, Toronto. 
Sir Henry J. Wood, London. 
Hugo Leichtentrittj Berlin. 
Henry Prunieres, Paris. 
Sir Hugh P. Alien, London. 
H. Rabinavicius, London. 
H. Saxe Wyndham, London. 
H. T, Burleigh, New York. 
Hadley Watkins, Bournemouth. 
Sir Henry Walford Davies, 

Aberystwyth. 
Jens Arbo, Christiania. 
J. A. Forsyth, Manchester. 
Joseph Bonnet, Paris. 
J. B Richardson, Toronto 
J. C. McLean, Aberystwyth. 
J. F. Russell, Manchester. 
James Graham, London. 
J. Lloyd Williams, Aberystwyth. 
Julius Mattfeld, New York. 
J. MacDonagh, London. 
J. Mewburn Levien, London. 
J. M. Mitchell, Dunfermline. 
John Petrie Dunn, Edinburgh. 
K. Paucitis, Riga. 
Louis Fleury, Paris. 
Leo Smith, Toronto. 
L. Stanton Jefferies, London. 
Maurice Barbleau, Toronto. 
Maurice Bex, Paris. 



Mitarbeiter-Chiffern. 



M. D. C. 


M. D. Calvocoressi, London. 


R. V. W. 


M. K.-F. 


Maj ory Kennedy- Fraser, Edin - 


S. G. S. 




burgh. 


S. S. F. 


M. L. P. 


Marie Louise Pereyra, Paris. 


T. F. D. 


M.-L. 


H. H. Mischa-Leon, London. 


T.H. 


H. P. 


Marc Pincherle, Paris. 


U.M. 


O. G. 


Oscar Guanobarino, Rio de Ja- 


V. B. 




neiro. 


V.St. 


O.K. 


Otto Kinkeldey, New York. 


W. A. 


0. M. S. 


0. M. Sandvik, Christiania. 


W. B. 


P. B. R. 


P. B, Richardson, Toronto. 


W. F. 


P, C. H. 


Percy C. Hull, Hereford. 


W. H. B. 


P, E. W. 


Percy E. Watkins, Aberystwyth. 


W. H. K. 


P. G. M. 


Pedro G. Morales, London.* 


W. M. 


P. H. 


Philip Heseltine, London. 


W. P. 


P. K. 


Percival Kirkby, Johannesburg, 


W. S. 




S.-A. 


W. St. 


P.P. 


Paul Pisk, Wien. 


w. w. S. 


P. St. 


Paul Stefan, Wien. 




P. V. 


Patrik Vretblad, Stockholm 


Zd. J. 


. F. 


Renato Fondi, Rom, 


Z. K. 


R. M. 


Reidar Mjoen, Christiania. 





R. Vaughan Williams, London. 
S. Geoffrey Smith, Buenos Aires,. 
S. S. Forsyth, Glasgow. 
Thomas F. Dunhill, London. 
Toivo Haapanen, Helsingfors. 
Ulric Mork, Christiania. 
Victor Belajew, Moskau. 
Vaclav Stepan, Prag. 
Wilfred Arlom, Sydney, Australian 
William Behrend, Kopenhagen. 
Wilhelm Fischer, Wien. 
W. H. Bell, Kapstadt. 
W. H. Kerridge, London. 
William Murdoch, London. 
Willem Pijper, Im Haag. 
William Saunders, Edinburgh. 
Waiter Starkie, Dublin. 
W. Wooding S tanner, Tunbridge 

Wells. 
Zdzislaw Jachimecki, Krakau. 
Zoltan Kodaly, Budapest. 



Abkiirzungen 

(soweit sie sich nicht von selhst veratehen and allgemein gebraaohlich Bind). 



A. 

A. B. 

AfMW. 
Acad., Akad.: 
B. 
Bar. 

B. & B. 
Br.&H. 
B. N. O. C. 
Cantab, 
cath. 

ch. 

Cons. 

tie*. 

D., Dir. 

Dirig. 

DdT. 

DTB. 

BTO. 

DMV. 
Dunehn. 

n 

Fr.Ch. 

F. R. C. 0. 

G.-A. 
GMD. 
id. 
IMG. 

Inst. 

instr. 

Kb. 

Kl. 

K1.-A. 

Klar. 

Km. 

Komp. 

Kompos. 



: Alt. 

Artium Baccalaureus, 

Archiv fur Musikwissenschaf t . 
: Akademie. 

BaB. 

Bariton. 
: Bote & Bock, Berlin. 
: Breitkopf & Hartel, Leipzig. 
: British National Opera Co. 
: Cambridge. 
: Cathedral. 
: church, Kirche. 
: Conservatoire. 
= debutierte. 
= Direktor. 
: Dirigent. 

: Denkmalerdeutscher Tonkunst. 
: Denkm. d. Tonkunst in Bayern. 
: Denkm. d. Tonkunst in Dster- 

reich. 
: Drei Masken Verlag. 
: Durham. 
: Mote. 
: Frauenchor. 
: Fellow des Royal College of 

Organists. 
: Gesamt-Ausgabe(n). 
= Generalmusikdirektor. 
= ebenda. 
: Internationale Musikgesell- 

schaft. 
-. Institut. 
-. instrumental. 
= KontrabaB. 
= Klavier. 
= Klavierauszug. 
= Klarinette. 
= Kapellmeister. 
= Komponist. 
= Komposition. 



Kons. = Konservatorium. 

Kp. = Kontrapunkt. 

LL. D. — Doctor of Laws 

M. — Musik. 

MCh. = Mannerchor 

ms., Ms. = Manuscript. 

MS. — Mezzosopran. 

Mus. Bac. = Bachelor of Music. 

Mus. Doc. = Doctor of Music. 

MD. = Musikdirektor. 

MF. = Musikfest. 

MW. = Musikwissenschaf t. 

Ob. = Oboe. 

op. = opus. 

0. S. B. = Ordinis Sancti Benedicti. 

Orch. = Orchester. 

Org. = Orgel. 

Oxon. = Oxford. 

P. = Pater. 

Part. — Partitur. 

Philh. = Philharmonisch, Philharmonic. 

R.C.O. = Royal College of Organists. 

R. A. M. = Royal Academy of Music in 

London. 

R, C. M. = Royal College of Music in 

London. 

R. M. C. M. — Royal Manchester College of 

Music. 

R.m. it. = Rivista Musicale Italiana. 

S. — Sopran. 

Soc. = Society, Gesellschaft. 

T. = Tenor, Tenorist, 

Tromp. = Trompete. 

T.& J. — Tischer & Jagenberg, Coin. 

Tj. S. A. = Ver. Staaten von Nordamerika. 

V. = Violine. 

Va. = Viola. 

Vc. — Violoncell. 

ZfMW. — Zeitschr. f. Musikwissensch. 



Ubersicht der Verfasser der einzeliien Artikel. 



Abranyi. B. B. 
Aekte. T. H. 
Adams , John. E.-H. 
Adams, Suzanne. E.-H 
Adamus. Zd. J. 
Adler, Agnes. A. H. 
Adler, Guido. Eg. W 
Aerophor. E.-H. 
Afanassiew. M. D. C. 
Afferni. D. A. 
Agnew. E.-H. 
Agostini. D. A. 
Aguirre. A. M. 
Ahnger. T. H. 
Aitken. E.-H. 
Akimenko. M. D. C. 
Alabaxderos. P. G. M. 
Alaleona. R. F. 
Albanesi. E.-H, 
Albani. E.-H. 
Albeniz. P. G. M. 
Albinati. D. A. 
Albini. D. A. 
Alcock. E.-H. 
Alderighi. D. A. 
Aldrich. 0. K. 
Alessandrescu. C. Br. 
Alexander. E.-H. 
Alexandrow. V. B. 
Alfano. D. A. 
Alfonso. P. G. M. 
Alfven. P. V. 
Alio. P. G. M. 
Allen. E.-H. 
Allen, Maud. E.-H. 
AHende. A. M. 
Allin. E.-H. 
Alme. U. M. 
Alnaes. I. A. 
Alonso. P. G. M. 
Alpaerts. E. C. 
Altschuler. O. K. 
Alvarez. P. G. M. 
Alvarez Udell. P. G. M. 
Amato. D. A. 
Amelli. D. A. 
Amer. P. G. M. 
Ames. E.-H. 
AncelL A. M. 



Andersen, C. J. A, H. 
Andersen, Hildur. J. A. 
Andersen , Sophus. 

A. H. 
Andersen f Wingar. J. A. 
Andersson, Otto. T. H. 
Andersson, Richard. 

P. V. 
Anderton. E.-H. 
Andolfi. D. A. 
Andre. A. M. 
Andreae. F. H. 
Andree. P. V. 
Andreoli. D. A. 
Andrews. G. B. 
Andriessen, Willem. 

W. P. 
Anfossi. D. A. 
Angelelli. D. A. 
d'Annunzio, Antonio. 

D.A. 
D'Annunzio, Gabriele. 

D.A. 
Anrooy. W. P. 
Anselmi. D. A. 
Ansermet F. H. 
Antcliffe. E.-H. 
Antoine. C. V. B. 
Anzoletti. D. A. 
Appiani. D. A. 
Apthorp. 0. K. 
Aracena. A. M. 
d'Aranyi. B. B. 
Arbo. R. M. 
Arbos. P. G, M. 
Arensky. M. D. C. 
Ariani. D. A. 
Arin y Goenaga. 

P. G. M. 
Arkwright, Godfrey. 

E.-H. 
Arkwright, Marian Ur- 
sula. E.-H. 
Arlom E.-H. 
Armandoz. P. G. M. 
d'Ameiro. E.-H. 
Aroca y Ortega. 

P. G. M. 
Arregui Garay. P. G. M. 



Arrieta y Corera. 

P. G. M. 
Arriola. P. G. M. 
Arte di Stupore. E.-H. 
Artsy buschew. B. de S. 
Arveschoug. R. M. 
Arvesen. R. M. 
Ashdown. E.-H. 
Ashton. E.-H. 
Aspestrand. I. A. 
Atkins. E.-H. 
Atonalitat. Eg. W. u. 

E.-H. 
Atterberg. P. V. 
Aubert. M. D. C. 
Aubry. M. L. P. 
Audran. A. C 
Audsley. I. M. 
Auer. E.-H. 
Auffassung. M. D. C. 
Auge de Lassus. 

M. L. P. 
Augener. E.-H. 
Augusteo. D, A. 
Aula Guillen. P. G. M. 
Aulas. A. C. 
Auric. A. C. 
Austin, Ernest E.-H. 
Austin, Frederic. E.-H. 
Auteri-Manzocchi. 

D.A. 
Avison Edition. E.-H. 
Axman. V. St. 
Axtens. E.-H. 
Azkue. P. G. M. 

Bacarisse Chinoria. 

P. G. M. 
Baccara. D. A. 
Bach, David Josef. 

P.P. 
Bach, Fritz. F. H. 
Bach de Llobera. A. M. 
Bachelet. H. P. 
Backer- Grondahl , 

Agathe Ursula. J. A. 
Backer- Grondahl , 

Fridtjof. U. M. 
Backhouse. E.-H. 



Back. P. V. 
Baglioni. D. A. 
Bagnati. A. M. 
Baines. E.-H, 
Bainton. E.-H. 
Bairstow. E.-H. 
Baixuli. P. G. M. 
Bajardi. D. A. 
Baker, Dalton. L. S. 
Baker^ Theodore. 0. K. 
Balakirew. M. D. C. 
Baldanza. A. M. 
Baldassari. A. M. 
Balfour. E.-H. 
Ball. E.-H. 
Banda Municipal. 

P. G. M. 
Bandini. A. M. 
Bandrowski. Zd. J. 
Bang. U. M. 
Bantock. E.-H. 
Barbi. D. A. 
Barbier. C. V. B. 
Barbieri. P. G. M. 
Barblan, Otto. F. H. 
Barcewicz, Zd, J. 
Barilli. D. A. 
Barini. D. A. 
Barlow. E.-H. 
Barmotin. M. D. C\ 
Barnekow. A. H. 
Barratt, Edgar. W. S. 
Barratt, Mary Louise. 

U. M. 
Barrera. P. G. M. 
Barrientos. P. G, M. 
Barrios. P. G. M. 
Bartholdy. A. H. 
Bartok. Z. K. 
Bartos , Frantisek. 

V. St. 
Bartos, Josef. V. St 
Bas. D. A. 
Basabilbaso. A. M. 
Bassi. D. A. 
Bastianelli. R. F. 
Bates. E.-H. 
Bath. E.-H. 
Batka. P. St 



U bersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



XIII 



Battistini. D. A. 

Bauer, Harold. O. K. 

Bautista. P. G. M. 

Bax. E. E. 

Bazelaire. M. L. P. 

Bazzini. D. A. 

Beach. O. K. 

Bechgaard. A. H. 

Beck, Ellen. A. H. 

Beckman. P. V. 

Bedford. E.-H. 

Beecham. E.-H. 

Beggar's Opera. F. K. 

Behrend, William. 
A. H. 

BeigeL E.-H. 

Bekkevold. J. A. 

Belajew,M.P. M. D. G 

Belajew, V. M. E.-H. 

Belgische Kammer- 
musik. C. V. B. 

Belgische Oper. C.V.B. 

Belgien. C. V. B. 

Bell, George. W. S. 

Bell, William, Henry. 
E.-H. 

Bella, Johann Leopold. 
V. St. 

Bellaigue. M. L. P. 

Bellenot. F. R. 

Bellincioni. D. A. 

Bellucci. A. M. 

Bendix. A. H. 

Bendl. V. St. 

Bengtsson. % P. V. 

Benjamin. E.-H. 

Benner. F. H. 

Bennett. E.-H. 

Benoit. E. C. 

Benos. A. M. 

Benvenuti. D. A. 
Beobide. P. G. M. 
Berg, Alban. P. St. 
Berg, Maria, A. M. 
Berg, Natanael. P. V. 
Berg-Hansen. U. M. 
Berger, Francesco. 

E.-H. 
Bergh. A. H. 
Bergmans. C. V. B. 
Berlioz. H. P. 
Berners. E.-H. 
Berntsen. R. M. 
Bertelin. F. R. 
Bertram, Madge. W. S. 
Berutti, Arturo. A. M. 
Berutti, Pablo. A. M. 
Berwald, Astrid. P. V. 
Berwald, William 

Henry. O.K. 
Besly. E.-H. 
Besse. A. C. 



Bialkiewiczowna. Zd. J. 
Bianco-Lanzi. D. A. 
Biarent. E. C. 
Biernacki. Zd. J. 
Bifonia. E.-H. 
Billi. D. A, 
Binenbaum. M. D. C. 
Binyon. E.-H. 
Bird. O. K. 
Birmingham a. M. I. 
Sch. G. B. 

Birmingham Triennial 
Festival. G. B. 

Birnbaum. Zd. J. 

Bisgaard. U. M. 

Bispham. O. K. 

Bittner. P. St. 

Bizzozero. A. M. 

Black. E.-H. 

Blaha-Mike§. V. St. 

Blanch. P. G. M. 

Blanchet. F. H. 

Blanco. P. G. M. 

Blanco Recio. P. G.-M. 

Blaramberg. M. D. C. 

Blauwaert. 0. V. B. 

Blin. A. C. 

Blinder. V. B. 

Bliss. E.-H. 

Bloch. O. K. 

Blockx. E. C. 

Blom. E.-H. 

Blumenfeld. V. B. 

Boccaccini. D. A. 

Bonn. U. M. 

Boellmann. A. C. 

Borresen. A. H. 

Boezi. D. A. 

Boghen. D. A. 

Boito. D. A. 

Bolia. A. M. 
Bolstad. R. M. 

Bolzoni. D. A. 
Bonaventura. D. A. 
Bonci. D. A. 
Bonfiglioli. A. M. 
Boni. D. A. 
Bonicioli. A. M. 
Boninsegna. D. A. 
Bonnet. F. R. 
Boosey& Co. E.-H. 
Booth. E.-H. 
Borch. U. M. 
Borchman. V. B. 
Bordes. M. D. C. 
Borgatti. D. A. 
Borgstrom. R. M. 
Borkowiczowna. Zd. 
Borodin. M. D. 0. 
Borowski, Felix. O. K. 
Borwick. E.-H. 
Bosch. P. G. M. 



Boschbt. M. L. P. 

Boskdff. C. Br. 

Bosquet. C. V. B. 

Bossi, Costante Adolf o. 
D. A. 

Bossi, Enrico Marco. 
D. A. 

Bossi, Rinaldo Renzo. 
D. A. 

Bosworth& Co. E.-H. 

Botstiber. Eg. W. 

Bottaro. A. M. 

Botti. D. A. 

Boucher. A. C. 

Boucherit. M. P. 

Boughton. E.-H. 

Boulanger. H. P. 

Boulnois. A. C. 

Boult E.-H. 

Bourgault-Ducoudray. 
M. D.C. 

Bouriello. A. C. 

Bouvet. M. L. P. 

Bowden, Alfred H. E. 
E.-H. 

Bowden, Mrs. E.-H. 

Bowen. E.-H. 

Braga. E.-H. 

Brahy. E. C. 

Braithwaite. E.-H. 
Branberger. V. St. 
Brancour. A. C. 
Brandeler. W. P. 
Brandt-Rantzau. J. A. 
Brandts-Buys, Jan. 

W. P. 
Brandts-Buys, Johan 

Sebastian, W. P. 
Brandts- Buys, Ludwig 

Felix. W. P. 
Brandts-Buys, Marius. 

W. P. 
Branscombe. O. K. 
Branzell. P. V. 
Bratt. U. M. 
Bratza. T. F. D. 
Braunstein. A. C. 
Brazys. H. R. 
Brema. E.-H. 
Brenet. H. P. 
Bret. M. L. P. 
Bretagne. A. C. 
Breton, Abelardo. 

P. G. M. 
Breton, Tomas. P. G. M 
Bretonische Musik. 

E.-H. 
Breuning- Storm. A. H. 
BrevaL M. B. 
Breville. M. D. C. 
j Brewer, Alfred Herbert, 
i E.-H.' ' ' ■ " 



John Hyatt. 



Brewer, 
O.K. 

Brewster- Jones. E. -H. 

Brezovschek. T. F. D. 

Brian. E.-H. 

Bridge, Frank. E.-H. 

Bridge , Joseph Cox. 
E.-H. 

Bridge, Sir John Fre- 
derik. E.-H. 

Brjussowa. V. B. 

Brockway. O. K. 

Broder. L. S. 

Brodsky. E.-H. 

Brogi. R. F. 

Broman. P. V. 

Brondi. D. A. 

Broome. L. S. 

Brothier. A. R. 

Brucken-Fock. W. S. 

Brussel. C. V. B. 

Brugnoli. D. A. 

Brumagne. E. C. 

Brun. F. H. 

Bruneau, M. D. C: 

Brunold. F. R. 

Brusselmans. C. V. B. 

Bryson. E.-H. 
Brzeziriski. Zd. J. 
Buck. E.-H. 
Buckley. E.-H. 
Busser. A. C. 
Bufaletti. D: A. 
Buff in. E. C. 
Buhlig. J. M. 
BuUock. E.-H. 
Bunning. E.-H. 
Burbure. C. V. B. 
Burleigh, Cecil O. K. 
Burleigh, Harry 

Thacker. E.-H. 
Burnett. W. S. 
Burrian. V. St. 
Burrows. E.-H. 
Bursa. Zd. J. 
Burzio. ' D. A. 
Busoni. H. L. 
Bustini. D. A. 
Butt. E.-H. 
Butterworth, Clara. 

E.-H. 
Butterworth, George 

S. Kaye. E.-H. 
Buttykay. B. B. 
Bye. U. M. 
Byk. Zd. J. 

Caballero. P. G. M.. 
Cadman. O. K. 
Cairos-Rego. E.-H. 
Calleja. 'P. G. M. 
Calve. M. B. 



XIV 



Ubersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



Calvocoressi. E.-H. 
Cametti. D. A. 
Campanini. D. A. 
Campbell W. S. 
Campbell Mclnnes. L. S. 
Campo y Zabaleta. 

P. G. M. 
Campodonico. A. M. 
Camussi. B. A. 
Canal. A. C 
Canales. A. M. 
Canonica. D. A. 
Canteloube. A. C. 
Cantrelle. M. P. 
Capell. E.-H. 
Capet. M. P. 
Caplet. M. B. C. 
Cappelen. J. A. 
Carabella, D. A. 
Carbonell de Villar. 

A.M. 
Carelli. B. A. 
Carey. E.-H. 
Caxillo. F. H. M. 
C ari Hon- Musi k. 

w. w. s. 

Carl. O. K. 

Carlsheim-Gyllenskold. 
P. V. 

Carlson. T. H. 

Carnegie United King- 
dom Trust. J. M. M. 

Carnevali. D. A. 

Carol-Berard. A. C. 

Carpenter. 0. K. 

Carpi. D. A. 

Carraud. A. C. 

Carreno. E.-H. 

Caroll. E.-H. 

€arse. E.-H. 

Caruso. D. A. 

Caryll. E.-H. 

Casadesus. A. C. 

Casals, Enrique. 
P. G. M. 

Casals, Pablo. P. G. M. 

Casaux. P. G. M. 

Casella. H. P. 

Casimiri. B. A. 

Cassado, Gaspar. 
P. G. M. 

Cassado, Joaquin. 
P. G. M. 

Castberg. R. M. 

Castelnuovo-Tedesco. 
D. A. 

Castera. A. C. 

Castillon. A. C. 

Catalani. D. A. 

Cathie. E.-H. 

Catoire. V. B. 

Cattelani. A. M. 



Catterall. E.-H. 

Celansky. V. St. 

Celli. D. A. 

Cellier, Alexandre. 
A. C. 

Cellier, Laurent. 
A. G. 

Cesari. D. A. 

Cesi, Benjamino. B. A. 

Cesi, Cecilia. B. A. 

Cesi, Napoleone. B. A. 

Cesi, Sigismondo. B. A. 

Chabrier. M. B. C. 

Chadwick. 0. K. 

Chailley. M. P. 

Chaix. F. H. 
I Chantavoine. A. C. 
j Chapi. P. G. M. 
i Chaplin, Kate. E.-H. 
' Chaplin, Mabel. E.-H. 

Chaplin, Nellie. E.-H. 

Chapuis. M. L. P. 

Charpentier. A. C. 

Chaumont. E. C. 

Chausson. A. C. 

Chenal. A. R. 

Chester. E.-H. 

Chevillard. A. C 

Chilesotti. B. A. 

Chlubna. V. St. 
j Chojnacki. Zd. J. 
I Chorvereine. E.-H. 
I Christiansen, F. Melius. 
I U. M. 
I Christie. E.-H. 
j Chubb. L. S. 
I Chueca, P. G. M. 
j Chvala. V. St. 

Chybiriski. Zd. J. 
;Cilea. B. A. 
i Ciurlionis. H. R. 
: Clarke, Rebecca. E.-H. 
j Clarke, Robert Co- 
I ningsby. E.-H. 
j Clausetti. B. A. 
j Clave. P. G. M. 
j Clavior. E.-H. 
, Cleather. E.-H. 

Clegg. E.-H. 

Clerice. A. M. 

Cleve, Berit Winderen. 
U. M. 

Cleve, Halfdan. R. M. 

Cliffe. E.-H. 

Clifford. E.-H. 

Clifton. O. K. 

Closson. C. V. B. 

Clutsam. E.-H. 

Coates, Albert. E.-H. 

Coates, Eric. E.-H. 

Coates. John. E.-H. 

Cobbett. E.-H. 



Cocchi de Sanctis. A. M 

Cochrane. W. St. 

Cocq-Weingand. A. M. 

Coerne. 0. K. 

Cceuroy. H. P. 

Cohen, Bulcie. E.-H. 

Cohen, Harriet. E.-H. 

Cola^o. E.-H. 

Coleridge-Taylor. E.-H. 

Colles. E.-H. 

Collet. A. C. 

Collinson. W. S. 

Collisson. W. St. 

Colonne. A. C. 

Col onne-Konzerte. 
A. C. 

Colonnese. A, M. 

Combarieu. M. L. P. 

Combe. F. H. 

Comettant, H. P. 

Concerts Rouge. 
! M. L. P. 
, Conn. J. P. B. 
: Conradi. U. M. 
. Console B, A. 

Conus. V. B. 

Converse. 0. K. 

Cook. E.-H. 
: Cools. A. C. 
! Coomaraswamy. E.-H. 
j Coquard. A. C 
[ Corbani. A. M. 
! Corbellini. A. M. 
. Corder, Frederick. 
: E.-H. 
, Corder, Paul W. E.-H. 

Cornells. W. P. 

Cornelius, Peter. A. H. 

Coronaro. B. A. 

Corti. B. A. 
. Cortot. H. P. 
j Costa, Alessandro. 
I B. A. 

, Costa, Pasquale Mario. 
j B. A. 
! Costa Carrera. P. G. M. 

Cotogni. B. A. 

Coutts. E.-H. 

Coviello. E.-H. 
i Coward. E.-H. 
| Cowen. E.-H. 
[ Cras. A. C. 
j Cremonini. B. A. 
' Crickboom. C. V. B. 
, Crimi. B. A. 

Cristiani. B. A. 

Cubiles. P. G. M. 
j Cucuel. H. P. 
| Cui. M. B. C. 
' Culwick. W. St. 
. Cumberland. E.-H. 

Cumeyas Ribo. P. G. M. 



Cununings. E.-H. 

Cundell. E.-H. 

Curtis. J. M. 

Curwen, Annie Jessie. 

E.-H. 
; Curwen, J. & Sons, 
| E.-H. 

I Curwen, John Kenneth. 
| J. G..B. 

i Curwen, John Spencer, 
| E.-H. 
! Curzon. M. L. P. 

Cuypers. W. P. 

D'Aguillo. A. M. 

Bahl. P. V. 

Bale. E.-H. 

Balla-Rizza. B. A. 

Dalley- Scarlett. E.-H. 

Ballier. M. L. P. 
; Bamerini. R. F. 

Bamrosch, Frank Heine 
O.K. 

Bamrosch, Walter Jo- 
hannes. 0. K. 

B'Andrea. A. M. 

Baneau. E. C. 
; B'Angeli. B. A. 
I Bannreuther. 0. K. 

Barbo. U. M. 

B'Arienzo. B. A. 
jBarke. E.-H. 
; D' Atari. B. A. 

B'Auriac. A C. 

Bavelli. A. R. 
! Ba Venezia*. E. A. 
; Bavey. E.-H. 
! Bavico. B. A. 
: David. F. H. 

Bavies, Ben. E.-H. 
i Davies,E. T. D. V. T. 

Bavies, Fanny. E.-H. 

Bavies, Harold E. 

E.-H. 
i Davies, Sir Henry Wal- 

ford. E.-H. 
i Bavis. E.-H. 

Bavy. E.-H. 

Dawson, Frederick H, 
i E.-H. 

Bawson, Peter. E.-H. 

Be Angelis, Alberto. 

; b. a. 

I Be Angelis, Nazareno. 

R.F. 
i Bearth. E.-H. 
! de Boeck. C. V. B. 
Bebogis. F. H. 
j Be Bondt. E. C. 
I Bebussy. H. P.^ 
! Becaux. M. L. P. 
i Becsey. P. St. 



tlbersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



XV 



De Filippis, A. M. 
DeGreef. C. V. B. 
De Irigoyen. A. M. 
de Koven. O. K. 
Delacroix. A. C. 
Delage. M. D. C. 
De Lamarter. O. K. 
DeLange, Daniel. W.P. 
De Lara (Cohen). E.-H. 
Delcroix. C. V. B. 
Delhasse. E. C. 
Delibes. H. P. 
Delius. P. H. 
Delmas, Jean Francois. 

A. R. 
Delmas, Marc. A. C. 
De Luca. D. A. 
De Lucia. D. A. 
Del Valle de Paz. R. F. 
Delvincourt. H. P. 
De Maleingreau. 

C. V. B. 
Demeny. B. B. 
Demest. E. C. 
De Mol. C. V. B. 
De Muro. D. A. 
Demuth. E. S. 
De Nardis. D. A. 
Denereaz. F. H. 
Denijn. C. V. B. 
De Nito. A. M. 
Densmore. J. M. 
Dent. E.-H. 
Denza. D. A. 
Denzler. F. H. 
Depanis. D. A. 
Dere. A. C 
De Rensis. D. A. 
D'Erlanger. E.-H. 
De Rogatis. A. M. 
De Rubertis. D. A. 
De Sabata. D. A. 
De Santi. D. A. 
Desmond. E.-H. 
Destinn. V. St. 
Dett. 0. K. 
Deutsch, Piet Hermann. 
• F. H. 
De Vocht E. C. 
Diack. E.-H. 
Diaghilew. B. de S. 
Dianow. V. B. 
Diaphonie. E.-H. 
Dickinson, Clarence. 

O.K. 
Dickinson, Edward. 

O. K. ^ 

Didur. Zd. J. 
Diepenbrock. W. P. 
Dieren. P. H. 
Dima. C. Br. 
Di Pietra D. A. 



Ditson Companv, Oliver 

O.K. 
Di Veroli. D. A. 
Dixtuor Leo Sir. A, C 
Dhiski. Zd. J. 
Dobici. D. A. 
Dohnanyi. Z. K. 
D'Oisly. E.-H. 
Dolci. D. A. 
Dolmetsch, Arnold 

E.-H. 
Dolmetsch, Helene. 

E.-H. 
Dolzycki. Zd. J 
Domaniewski. Zd. J. 
Domselaer. W. P. 
Donalda. E.-H. 
Donaudy. D. A. 
Donizetti. A. M. 
Donostia. P. G. M. 
Dopper. W. P. 
Doret F. H. 
Dousa, V. St. 
Drangosch. A. M. 
Drdla. E -H. 
Dresden. W. P. 
Drozdowski. Zd. J. 
Drysdale. W. S. 
Drzewiecki. Zd. J. 
Du Bois. E. C. 
Dubois. A. C. 
Dukas. H. P. 
Dumas. A. C. 
DunhilL E.-H. 
Dunn, John. E.-H. 
Dunn, John Petrie. 

E.-H. 
Dunstan. E.-H. 
Duparc. A. C. 
Duperier. F. H. 
Dupin. E. C. 
Dupont, Auguste. E. C. 
Dupont, Gabriel. H. P. 



E. C. 



, V. B. 



Dupont, Joseph. 
Dupre F. R. 
Dupuis, Albert. E. C. 
Dupuis, Sylvain. E. C. 
Durey. M. L. P. 
Durigo. B. B. 
Dusch. W.P. 
Dvorak. V. St. 
Dwelshauvers. C. 
Dygas. Zd. J. 
Dygat. Zd. J. 
Dyke. E.-H. 
Dymmek. Zd. J. 
Dyson. E.-H. 
Dysthe. U. M. 

Eames. E.-H. 
Ecorcheville. H. P. 
Eddy. O. K. 



Edition Mutuelle. A. C. 
Edvina, E.-H. 
Eggar. E.-H. 
Eggen, Arne. R. M. 
Eggen, Erik. J. A. 
Eide. U. M. 
Einheitspartitur. E.-H. 
Einstein. E.-H. 
Eisde& E.-H. 
Eisenberger. Zd. J. 
Ekman, Ida. T. H. 
Ekman, Karl. T. H. 
Elektrophon. E. -H. 
Elgar. E.-H. 
Elkin & Co. E.-H. 
EUberg. P. V. 
Elling. U. M. 
Ellingford. E.-H. 
Elman. O. K. 
Elson, Louis Charles. 

O.K. 
Elwes. E.-H. 
Emmanuel. A. C. 
Encyclopedic de la Mu- 

sique. A. C. 
Enehjelm. T. H. 
Enescu. C. Br. 
Engel 0. K. 
Englische Chormusik 

seit 1880. E.-H. 
Englische Kammer- 
musik seit 1880. 
E.-H. 
Englisches Lied seit 

1880. E.-H. 
Englische Oper seit 

1880. E.-H. 
Englische Orchester- 
musik seit 1880. 
E.-H. 
English Singers, The. 

E.H. 
Enna, A. H. 
Epstein, Richard. E.-H. 
Erb, Josef Marie. F. R. 
Ergo. E. C. 
Eriksson. P. V. 
Erkel. B. B. 
Erlanger. A. C. 
Erlebach. E.-H. 
Ernst, A. C. 
Ershof. V. B. 
Eslava y Elizondo. 

P. G. M. 
Esnaola. P. G. M. 
Espla. P. G. M. 
Esposito. W. St 
Essipoff. V. B. 
Evans, David. 

D. V. T. | 

Evans, Edwin sen. 
E.-H. I 



Evans, Edwin jun. 

E.-H. 
Evans, Harry. E.-H. 
Evans, Lindley. E.-H- 
Evans, T. Hopkin. 

D. V. T. 
Evenepoel. E. C. 
Evetts. E.-H. 
Expert. A. C. 
Expressionismus. E.-H* 
Eysler. P. P. 

Fabert. A. R. 
\ Faccio. D. A. 
I Fachiri. E.-H. 
j Fairchild. 0. K. 
] Fairless. E.-H. 
\ Falchi. D. A. 

Falconer. W. S. 

Faleni. A. M. 

Fall. P.P. 

Falla, P. G. M. 

Faltin. T. H. 

Faltis. E. S. 

Fanelli. H. P. 

Fano. D. A. 

Fara. D. A. 

Farjeon. E.-H. 

Farnam. L. S. 

Farneti. D. A. 

Farrar, Ernest Bristow.. 
E.-H. 

Farrar, Geraldine. 
E.-H. 

Farre. U. M. 

Farwell. O. K. 

Fattorini. D. A. 

Faure. M. D. C. 

Favara Mistretta. 
D.A. 

Fedeli. D. A. 

Feinberg. V. B. 
Feis. W. S. 
Fellowes, Rev. Ed- 
mund Horace. E.-tL 
Fellowes, Horace V. 

J. P. D. 
Fenney. G. B, 
Fennings. E.-H. 
Fernandez Bordas. 

P. G. M. 
Ferrari. D. A. 
Ferrari Fontana. 
Ferrari-Trecate. 
Ferrero. D. A. 
Ferretti, D. A. 
Ferroni. D. A. 
Fevrier. A. C. 
Fibich. V. St 
FiguS Bystry. 
Filiasi. D. A. 
Filippi. D. A. 



D. A.. 
D. A. 



V.St. 



XVI 



Ubersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



Filippone-Siniscalchi. 

D. A. 
Finck. O. K. 
Finke. E. S. 
Finnische Chormusik. 

T.H. 
Finnische Kammer- 

musik. T. H. 
Finnische Liedmusik. 

T.H. 
Finnische Oper. T. H. 
Finnische Orchester- 

musik. T. H. 
Fine D. A. 
Fischer, Emil. E. S. 
Fischer, Wilhehn. P. P. 
Fisher, Edward. L. S. 
Fisher, William. 0. K. 
Fitelberg. Zd. J. 
Flament A. C. 
Fleming. W. S. 
Fleta. P. G. M. 
Fletcher. J. M. 
Fleury. M. L. P. 
JTlocco. A. M. 
Flodin. T. H. 
Flote u. Flotenspiel. 

L. F. 
Elonzaley- Quartet t. 

O.K. 
Plood. W. St. 
Floridia. J. M. 
Foerster, Josef. V. St 
Foerster, Josef Bohus- 

lav. V. St 
Fogg. E.-H. 
Fohstrom, Alma. T. H. 
Fohstrom, Ossian. T.H. 
Foldesy. B. B. 
Foley. W. St 
Folville. E. C. 
Fondi, Enrico. I). A. 
Fond?, Renato. D. A. 
Font y de Anta, Jose. 

P. G. M. 
Font y de Anta, Manuel. 

P. G. M. 
Fontova, Conrado. 

A.M. 
.Fontova, Leon. A. M. 
Foote. O. K. 
Forchhammer, Einar. 

A. H. 
Ford, Walter. E.-H. 
"Forino, Ferdinando. 

D. A. 
Forino, Ettore. A. M. 
Forino, Luigi. D. A. 
Fornerod. F. H. 
Forrester. E.-H. 
Forsell. P. V. | 

JPorsyth Brothers'. E.-H. ] 



Forsyth, Wesley Octa- 
vius. L. S. 

Foss. E.-H. 

Foster, Ivor, E.-H. 

Foster, Muriel. E.-H. 
! Foster, Myles Birket 
i E.-H. 
I Foulds. E.-H. 
; Fourdrain. A. C. 
| Fox-Strangways. E.-H. 
I Fracassi. A. M. 
1 Frances. P. G. M. 

■ Franchetti, Alberto. 
D. A. 

i Franchetti, Luigi. E.-H. 
; Franck, Cesar. C. V. B. 
1 Francmesnil. A. C. 
' Franco y de B or dons. 

; P. G. M. 

Franko. O. K. 
\ Franquin. F. R. 
Fransella, E.-H. 
Franz. A. R. 

Franzosische Chor- 
musik. A. C. 
i Franzosische drama- 

■ tische Musik. H. P. 
' Das franzosische Lied 
! seit 1880. A. C 
i Franzosische Kammer- 

musik seit 1880. 

; H. p. 

; Franzosische Orchester- 
| musik. H. P. 
! Frederiksen. A. H. 
| Fremstad. U.M. 
; Frey, Emil. F. H. 
! Fricker. L. S. 

Friedheim, Arthur. 
| L. S. 

: Friedmann. Zd. J. 
; Friskin. E.-H. 

Frugatta. D A. 
| Fryer. E.-H. 
i Fryklof . P. V. 
'Fuchs, Carl. E.-H. 
i Fuchs, Robert H. B. 
I Fucik. V. St 
t Fugere. A. R. 
i Fuller-Maitland. E.-H. 
1 Fumet. A. C. 
1 Furlotti. A. M. 
i Furter Virto. P. G. M. 
( Furuhjelm. T. H. 

J Gabiola. P. G. M. 
\ Gabrilowitsch. O. K. 
I Gade. A. H. 
i Gartner. P. P. 
! Gagliardi. D. A. 

Gagnebin. F. H. 

Gaillard, Frits. M. P. 



Gaillard, Jacques. 
E. C. 

Gaillard, Marius Fran- 
cois. A. C. 

Gaito, Cayetano. A. M, 

Gaito, Constantino. 
A. M. 

Gal. P.P. 

Galeffi. D. A. 

Gall, Jan. Zd. J. 

Gall, Yvonne Irma. 
A. R. 

Gallardo. A. M. 

Galli. D. A. 

Gallico. J, M. 

Galli-Curci E.-H. 

Gallignani. D. A. 

Gallois, A. C. 

Gallon, Jean. F. R. 

Gallon, Noel. F. R. 

Gallotti. D. A. 

Galpin. E.-H. 

Galvani. A. M. 

Ganz, O. K. 

Ganztonleiter. E. - H. 

Garbin. D. A. 

Garbusinski. Zd. J. 

Garcia. E.-H. 

Garcia Mansilla. A. M. 

Garden. O. K. 

Gardiner. E.-H. 

Gariel. F. H. H. 

Garratt E.-H. 

Gasco. D. A. 

Gascue. P. G. M. 

Gasperini. D. A. 

Gastaldon. D. A. 

Gastoue. M. L. P. 

Gatti. D. A. 

Gatti-Casazza. D. A. 

Gatty. E.-H. 

Gaubert A. C. 

Gauthier-ViUars. H. P. 

Gauthiez. M. L. P. 

Gavet. A. C. 

Gawronski. Zd. J. 

Gay. P. G. M. 

Gayarre. P. G. M. 

Gaztambide. P. G. M. 

Gedalge. H. P. 

Geehl. E.-H. 

Genetz. T. H. 

George. A. C. 

Georges. A. C. 

Georgescu. C. Br. 

Gerhard. P. G. M. 

German. E.-H. 

Gerold. M. L. P. 

Gevaert E. C. 

Geyer. B. B. 

Ghignoni, D. A. 

Gianneo. S. G. S. 



Gibbs. E.-H. 

Gibert P. G. M. 

Gieburowski. Zd. J. 

Gigli. D. A. 

Gigout A. C. 

Gilbert, Henry Franklin 
Belknap. 0. K. 
! GilL E.-H 
! Gilles. A. C. 

Gilman. O. K. 
! Gil-Marchex. A. C. 
' Gilse. W. P. 
i Gilson. E. C. 
; Giner y Vidal. P. G. M. 
J Giordano. D. A. 
i Giraldoni. D. A. 
j Glass. A. H. 
! Glastonbury Festival. 
! E.-H. 

! Glasunow, M. D. C. 
I Glebow. V. B, 
! Gleeson- White. E.-H. 
| Glenck. F. H. 
\ Gliere. V. B. 

Glinski. Zd. J. 

Glocken u. Glocken- 
spiele. W. W. S. 

Glover. E.-H. 

Glyn. E.-H. 

Gnecchi. D. A. 

Gnjessin. V. B. 

Godfrey, Dan, H. W. 

Godfrey, Gavin. W. S. 

Godfrey, Percy. E.-H. 

Godowsky. J. M. 

Goedicke. V. B. 

Goetschius. J. M. 

Gotzl. E. S. 

Goldenberg. E.-H. 
I Goldenweiser. V. B. 
i Goldmark,Karl.Eg. W. 
\ Goldmark, Rubin. 
i O. K 

Goldschmidt, Adalbert 

; P. P. 

| Golestan. C. Br. 
| Golowanow. V. B. 
I Golschmann. A. S. 
Gomez. F. H. M. 



j Gomez, Julio. P. G. M. 

i Gomez, Manuel. 

! P. G. M. 

i Gomnces. J. A. 

: Gonzalez. P. G. M. 

Gonzalez Agejas. 
P. G. M. ' 

Goodhart E.-H. 

Goodrich. O.K. 

Goodson. E.-H. 

Goodwin. E.-H. 

Goossens. Eugene. 
E.-H. 



tjbersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



XVII 



Goossens, Eugene 

E.E. 
Goovaerts. C. V. B. 
Gordon- Woodhouse. 

E.-H. 
Goss-Custard, Reginald, 

E.-H 
Goss-Custard, Walter 

Henry. E.-H. 
Goudoever. W. P. 
Goula. A. M. 
Gounod. M. D. C. 
Gow. O. K. 
Graarud. R. M. 
Grace. E.-H. 
Graf, Ernst. F. H. 
Graf. Max. P. P. 
Grainger. E.-H. 
Grammophon. A. CI. 
Granados. P. G. M. 
Granados Campina. 

P. G. M. 
Grande. P. G. M. 
Grandjany. F. R. 
Granfelt. T. H. 
Grassi. A. C. 
Grassot de Goula. 

A.M. 
Gray, Alan. E.-H. 
Gray, Herbert Willard. 

J. M. 
Gray, Isabel Winton. 

W. S. 
Gray, William Craig. 

W. S. 
Green, Gertrude Hunt- 
ley. L. S. 
Green, L. Dunton. 

E.-H. 
Greene. W. St. 
Gregoir. C V. B. 
Gregorianischer Ge- 

sang. J. B. 
Gresse. A. R. 
Gretschaninow. 

M. D. C. 
Greville. E.-H. 
Grevillius. P. V. 
Grew. E.-H. 
Grieg. O. M. S. 
Grieg, Nina. R M. 
Griffes. O.K. 
Griffith D. V. T. 
Grimson, Annie. E.-H. 
Grimson, Jessie. E.-H. 
Grondahl. J. A. 
Gronvold. U. M. 
Grosz. P. St. 
Grovlez. A. C. 
Groz. M. L. P. 
Grunfeld, Alfred. P. St. 
Gruszcynski. Zd. J. 



Guarnieri, Antonio de, 

D.A. 
Guarnieri, Francesco 

de. D. A. 
Guerrero. A. M 
Guerrini, Paolo. D. A. 
Guervos, Jose Maria. 

P. G. M. 
Guervos, Manuel, 

P. G. M. 
Guglielmi. D. A. 
Gui. D.A. 
Guide. C V. B. 
Guilmant. J. B. 
Guiraud. A. C. 
Gulbranson. R. M. 
Gund. P. P. 
Gurickx. C. V. B. 
Guridi. P. G. M. 
Gurney. E.-H. 
Gustavsoru U. M. 
Gutheil-Schoder. P. St. 
Guzewski. Zd. J. 
Guzman. P. G. M. 
Gyldenkrone. U. M, 

Haaland. J. A. 
Haapanen. E.-H 
Haarklou. J. A. 
Haas, R.M. E. S. 
Haba. V. St. 
Hadley. O. K. 
Hadow. E.-H. 
Hagg,GustavW. P. V. 
Hagg, Jakob Adolf. 

P.V. 
Hagelstam. T. H. 
Hagman. U. M. 
Hahn. H.P. 
Hakanson. P. V. 
Hale. O.K. 
Haley. E.-H 
Halffter Escriche, 

Ernesto P. G. M. 
Halffter Escriche, Ro- 

dolfo. P. G. M. 
Hall, G. W. L. E.-H. 
HaU, Marie. E.-H. 
HaU, Pauline. R. M. 
Hall, Walter Henry.- 

J. M. 
Hallen. P.V. 
Halstead. J. P. D. 
Halvorsen, Haldis. 

J. A. 
Halvorsen, Johan. 

R.M. 
Halvorsen, Leif. J. A. 
Ham. L. S. 
Hambourg, Boris. L. S. 
Hambourg, Jan. E.-H. 
Hambourg , Mark. E. -H. 



Hamerik. E.-H 
Hamilton. J. M. 
Hamm. F. H. 
Hammer. Eg. W. 
Hammer. U. M. 
Hammerich. W. B. 
Hammerstein. O. K. 
Hannikainen, Bmari. 

T.H. 
Hannikainen, Pekka 

Juhani. T. H. 
Hannikainen, Tauno. 

T.H. 
Hans, Pierre. E. C. 
Hansen. Robert Emil. 

A.H. 
Hanslick. P. St. 
Harcourt. M. L. P. 
Harding. E.-H. 
Hareide. J. A. 
Harris, Clement Antro- 

bus. E.-H. 
Harris , William Henry. 

E.-H. 
Harrison, Beatrice. 

E.-H. 
Harrison, Julius. E.-H. 
Harrison, May. E.-H 
Hart. E.-H. 
Hartman. B. de S. 
Harty, Agnes. E.-H. 
Harty, Hamilton. 

W. St. 
Harwood. E.-H. 
Haselbeck. B. B. 
Hasselmans. M. L. P. 
Hast. E.-H. 
Hatchard. E.-H. 
Haudebert. A. C. 
Hauer. P. St. 
Hausegger, Friedrich. 

Eg.W. 
Hausegger, Siegmund. 

Eg.W. 
Hauser. B. B. 
Hautstont. C. V. B. 
Hawley. E.-H. 
Hay, Edward Norman. 

E.-H. 
Hay, Frederick Charles. 

E.-H. 
Haydon. E.-H. 
Haye. W. S. 
Hayes. E.-H 
Hayne. G. Y. 
Hayot. M. P. 
Hayward. E.-H 
Hazlehurst. E.-H 
Heath. E.-H. 
Heber. U. M 
Hebriden. M. K.-F. 
Hegar, Friedrich. F. H 



Hegedus. E.-H. 

Hegge. J. A. 

Heide. U. M. 

Heins. L. S. 

Heise. A. H. 

Hekking, Andre. M. P. 

Hekking, Gerard. M P. 

Helfert. V. St. 

Heller, Gordon. E.-H. 

Hellmesberger, Joseph 
jun. Eg. W. 

Hellmesberger, Joseph- 
sen. Eg. W. 

Helsted. A. H. 

Hely-Hutchinson. 
W. H. B. 

Henderson , Archibald 
Martin. W. S. 

Henderson, William 
James. O. K. 

HenkeL E. H. 

Henneberg. P. V. 

Hennerberg. P. V. 

Hennum. U. M. 

Henriques. A. H. 

Henry. E.-H. 

Herbert. O. K. 

Herman. V. St. 

Herold. A. H. 

Hersent A. C. 

Hertz. J, M. 

Herwegh. A. C. 

Herzfeld, Conrado. 
A.M. 

Heseltine. E.-H. 
Hess, Myra, E.-H. 
Hesse-Lilienberg. P.-V. 
Hessler. P. V. 
Hewlett. L. S. 
HeyerdahL J. A. 
Heyner. E.-H. 
Hidalgo. P. G. M. 
Hierro. P. G. M. 
Hill, Alfred. E.-H. 
Hill, Carmen. E.-H. 
Hill, Edward Burlin- 

game. 0. K. 
Hillemacher. A. C. 
Hinton. E.-H. 
Hjellemo. J. A. 
Hobday, Alfred Charles. 

E.-H. 
Hobday, Claude. E.-H. 
Hoeberg. A. H. 
Hoesick. Zd. J. 
Hoffmann, Karl. V. St. 
Hoffmann, Rudolf 

Stefan. P. St. 
Hoffmeister. V. St. 
Hofmann, Joseph Casi- 

mir. O. K. 
Holbrooke. E.-H. 



Einstein, Musiklexikon. 



XVIII 



Ubersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



HoUins. E.-H. 
Holmes. W. St. 
Holmsen. U. M. 
Hoist R.V.W. 
Holter. J. A. 
Honegger. H. P. 
Hopekirk. W. S. 
Horak. V. St. 
Horn. P. P. 
Hornemann. A. H. 
Horvath, Attila. B. B. 
Horwitz. P. P. 
Hostinsk^. V. St. 
Houdard. A. C. 
Howell. E.-H. 
Howells. E.-H. 
Hfimaty, Johann. V. St. 
Hubay. B. B. 
Huber, Hans. F. H. 
Hubermann , Bronislaw, 

E.-H. 
Hubeiti. C. V. B. 
Hue. A. G. 
Hughes, Edwin. J. M. 
Hughes, Herbert. E.-H. 
Hughes, Rupert. 0. K. 
Hull, Arthur Eaglefield. 

G. B. 
Hull, Percy Clarke. 

E -H 
Huliebroeck. K C 
Humbert. F. H. 
Huneker. O. K. 
Hure. M. L. P. 
Hurlstone. E.-H. 
Hurum. J. A. 
Huss, O. K. 
Hussey. E.-H. 
Hussla. E.-H. 
Hutchens. E.-H. 
Hutcheson. 0. K. 
Hutschenruyter. W. P. 
Huus-Hansen, J. A. 
Hviid. R. M. 
Hvoslef. U. M. 
Hyde. E.-H. 

Ibert. H. P. 
Ibsen. U. M. 
Igumnow. V. B. 
Ikonen. T. H. 
Imbert. A. C. 
Impressionismus. 

E. J. D. 
Incagliati. D. A. 
Indien. A. K. C. 
Indische Musik. A.K. C, 
Indische Musikinstru- 

mente. A. K. C. 
d'lndy. M. D. C. 
Infante. P. G. M. 
Ingenhoven. W. P. 



Inghelbrecht. H. P. 
Instrumente. F. A. H. 
Internationale Gesell- 

schaft. E.-H. 
Inzenga. P. G. M. 
Ippolitow-Iwanow. 

V.B. 
Ireland. E. E. 
Isaacs. E.-H. 
Isasi. P. G. M. 
Isterdael. W. P. 
Iturbi. P. G. M. 
Ivaldi. D. A. 
Ivimey, John William. 

E.-H. 
Ivimey, Joseph. E.-H. 
Iwanow-Boretzky. 

V.B. 

Jacchia. D. A. 
Jachimecki. E.-H. 
Jackson. E.-H. 
Jacob. F. R. 
Jacobi, Viktor. B, B. 
Jaczynowska. Zd. J. 
Jarnefelt, Armas. T. H. 
Jarnefelt, Liva. P. V. 
Jarnefelt-Palmgren. 
| T.H. 
! Jahn. P. St. 
Janacek. V. St. 
Janiczek. E. S. 
Janka B. B. 
Jaques-Dalcroze. F. H. 
Jarecki, Heinrich. 

Zd. J. 
Jarecki, Tadeusz. 

Zd. J. 
Jazz. E.-H. 
Jean-Aubry. A. C. 
Jehin. E. C. 
Jelmoli. F. H. 
Jemnitz, B. B. 
Jeremias, Bohuslav. 

V.St. 
Jeremias, Jaroslav. 

V. St. 
Jeremias, Ottokar. 

V. St. 
Jeritza. P. St. 
Jervis-Read. E.-H. 
Jewsejew. V. B. 
Jilajew. V. B. 
Jimenez. P. G. M. 
Jindfich. V. St, 
Jirak. V. St. 
Jiranek, Josef. V. St. 
Johannesen. J. A. 
Johansen. J. A. 
Johnson. E.-H. 
Johnstone. E.-H. 
Jonas. J. M. 



Jones, Dilys. E.-H. 
Jones, Evlyn Howard. 

E.-H. 
Jones, Sidney. E.-H 
Jongen, Joseph. 

C. V. B. 
Jongen, Leon. CL V. B. 
Jonson. E.-H. 
Jonsson. P. V. 
Jordan, Albert D. L, S. 
Jordan, Arthur. E.-H. 
Jordan, E. B. R. G. Y. 
Jordan, Sverre. K.M. 
Joseffy. 0. K. 
Joteyko. Zd. J. 
Jouret, Leon. E. C. 
Jouret, Theodore. E. C. 
Juarranz Lonez. 

P. G. M. 
Juhasz. B. B. 
Jullien. A. C. 

Kaan. V. St. 

Kabos. B. B. 

Kacsoh. B. B. 

Kahn, Esther. E.-H. 

Kajanus. T. H. 

Kalbeck. P. St. 

Kalik. V. St. 

Kalinnikow. At D. C. 

Kalisch, Alfred. E.-H. 

Kallstenius. P. V. 

Kalman. B. B. 

Kalnins. K. P. 

Kamienski. Zd. J. 

Kammersinfonie. E. W. 

Kantele. T. H. 

KapraM. V. St. 

Karatiguin. V. B. 

Karel. V. St. 

Karlowicz. Zd. J. 

Karpath. P. St. 

Kasatschenko. M. D. C. 

Kaschmann. D. A. 

Kaski. T. H. 

Kastalski. V. B. 

Katila. T. H. 

Kauder. P. P. 

Keel. E.-H. 

-Keeri-Szanto. B. B. 

Kefer. C. V. B. 

Keighley. E.-H. 

KeiL E.-H. 

Kelley. 0. K. 

Kelly. E.-H. 

Kelterborn. F. H. 

Kenig. Zd. J. 

Kennedy Daisy. E.-H, 

Kennedy, Margaret. 
J. P. D. 

Kennedy-Fraser, Mar- 
jory. E. -H. 



Kennedy-Fraser, Pa- 
tuffa. J. P. D. 

Kerner. B. B. 

Kerpely. B. B. 

Kerr. E.-H. 

Kerrebijn. W. P. 

Kes. W. P. 

Kesteven. E.-H. 

Ketelbey. E.-H. 

Kiddle. E.-H. 

Kidson. E.-H. 

Kienzl. Eg, W. 

Kihl. L. S. 

Kilpinen. T. H. 

King. E.-H. 

Kiriac. C Br. 

Kitson. E.-H. 

Kjellstrom. P V 

Kjerulf. A. H. 

Klaviermusik. W. M. 

Klein, Herman. E.-H. 

Klein, Walter. P. St. 

Klemetti. T. H. 

Kleven. J. A. 

Klicka. V St. 

Klingenberg. U. M. 

Kloed. R. M. 

Klose. F. H. 

Kneisel. O. K. 

Knittl. V. St 

Knocker. E.-H. 

Knosp. C. V. B. 

Knowles. E.-H. 

Knutsen. J. A. 

Knutzen. U. M. 

Koch, R. S. V. von. 
P. V. 

Kochanski, Pawel. 
Zd. J. 

Kochanski, Waclaw. 
Zd. J. 

Kocian. V. St. 

Koczalski. Zd. J. 

Koczirz. Eg. W. 

Kodaly. B. B. 

Koeberg. W. P. 

Kcechlin. M. D. C. 

Koemmenich. J. M. 

Korling. P. V. 

Kornyey. B. B. 

Kohmann. Zd. J. 

Kolar. O. K. 

Kolderup. U. M. 

KoUer. Eg. W. 

Konta, P. P. 

Kopylow. M. D. C. 

Koreschtschenko. 
M.D. C. 

Kornauth. E. S. 

Korngold, Erich Wolf- 
gang. P.St. 

Korngold , Julius. P. St 



Ubersioht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



XIX 



Kornstein. B. B. 

Korolewicz-Waydowa. 
Zd. J. 

Kosa. B. B. 

Kothen. T. H. 

Kotilainen. T. H. 

Kouba. V. St, 

Kovacs. B. B. 

Kovafovic. V. St. 

Kralik. P. St. 

Kramer. O. K. 

Krasa, E. S. 

Krehbiel. O. K. 

Krein, A. A. M. D. C. 

Krein, G. A. V. B. 

Kreisler. E.-H. 

Krejci. V. St. 

Kfenek. V. St. 

Kreps. C. V. B. 

Kreutz. U. M. 

Kribel-Vanzo. U. M. 

KriSka. V. St. 

Kfidlo. V.St 

Krijanowsky. V. B. 

Krilow. V. B. 

KHzkovski V. St. 

Kroeger. O. K. 

Krogh. R. M. 

Krohn. T. H. 

Kromolicki. Zd. J. 

KrygelL A. H. 

Kuba. r V. St. 

Kubelik. V. St. 

Kufferath, Hubert Fer- 
dinand. E. C. 

Kufferath, Maurice. 
E C 

Kuiler. W. P. 

Kunc. V. St. 

Kurth. F. H. 

Kurz (-Halban), Selma. 
P.St. 

Kurz, Wilhelm. V. St. 

Kurz, Hona. V. St 

Kussewitzky. B. de S. 

Kuula, Alma. T. H. 

Kuula, Toivo. T. H. 

Kuyper. W. P. 

Kvapil. V. St 

Labauchi. A. M. 
Labey. A. C. 
Labia, D. A. 
Labor. E. S. 
Labroca. D. A. 
Labunski. Zd. J. 
Lach. P. P. 
Lachowska. Zd. J. 
Lacroix. F. R. 
Ladmirault M. D. C. 
Lafite. P.P. 
La Forge. J. M. 



Lago. P. G. M. 
La Gye. C. V. B. 
Lajtha. B. B. 
la Laurencie. A. C. 
Lalewicz. Zd. J. 
Laliberte. L. S. 
Lalo, Edouard. H. P. 
Lalo, Pierre. M. L. P. 
Laloy. H. P. 
Lamb. W. S. 
Lamm. V. B. 
Lammers, Mally. J. A. 
Lammers, Thorvald 

Amund. J. A. 
Lamond. E.-H. 
Lamote de Grignon. 

P. G. M. 
Lamoureux. A. C. 
Landormy. A. C. 
Landowska. Zd. J. 
Landre. W. P. 
Lane. E.-H. 
Lang, Margaret 

Ruthven. J. M. 
Langaard. U. M. 
Lange, Gustav Fredrik. 

J. A. 
Lange-Muller. A. H. 
Laparra. A. C. 
Lapeyrette. A. R. 
Larchet W. St 
La Rotella. D. A. 
Larregla. P. G. M. 
Larrocha. P. G. M. 
Larsen. J. A, 
Larway. E.-H. 
La Salvia. S. G. S. 
Lassalle. P. G. M. 
Lasserre. A. C. 
Lasson. R. M. 
Latto. W. S. 
Lattuada. D. A. 
Laub. A. H. 
Lauber. F. H. 
Launis. T. H. 
Laurens. A. C. 
Lavater, Hans. F. H. 
Lavater, Louis. G. Y. 
Lavignac. A. C. 
Lavina. P. G. M. 
Lazaro. P. G. M. 
Lazarus. H. P. 
Lazzari, Sylvio. A. C. 
Leander-Flodin. T. H. 
Lebano. A. M. 
Le Borne. E. C. 
Lebruru C. V. B. 
Lecocq. A. C. 
Ledesma. P. G. M. 
Lee. E.-H. 
Lee- Williams. E.-H. 
Leeds. E.-H. 



Lefebvre. A. C. 
Le Flem. A. C. 
E.-H. 
E.-H. 
Lehar. P. P. 
Lehmann, Liza. E.-H. 
Lehner. B. B. 
Lekeu. E. C. 
Lemare. J. M. 
Lemmens. E. C. 
Lendvai. B. B. 
Lenepveu. A. C. 
Lenormand. A. 0. 
Leoncavallo. D. A. 
Leroux. A. C. 
Le Roy. H. P. 
Leschetizky. H. B. 

& Zd. J. 
Letocart F. K. 
Letorey. A. C. 
Lett E.-H. 
Levade. A. C. 
Levey. W. St. 
Levi en. E.-H. 
Levitzki. O. K. 
Levy, Ernst. F. H. 
Levy, Michel Maurice. 

A. C. 
Ley. E.-H. 
Libert. F.R. 
Lichtenberg B.B. 
Lichtenberger M.L.P. 
Lie J. A. 
Liebich. E.-H. 
Lierhammer. E. -H 
Liljefors. P. V. 
Lindberg, Helge. T. H. 
Lindberg, Oskar 

Fredrik. P. V. 
Lindegren. P. V. 
Lindeman, Ludvig 

Mathias. O. M. S. 
Lindeman , Peter. R. M. 
Linden. W. P. 
Lindholm. T. H. 
Linko. T. H. 
Lioncourt A. C. 
Lipski. Zd. J. 
Lissenko. M. D. C. 
Liszt. M. D. C. 
Litauische Musik. 

H.R. 
Liuzzi. D. A. 
Livens. E.-H 
Ljadow. M. D. C. 
Ljapunow. V. B. 
Ljungberg. P. V. 
Llacer. P. G. M. 
Lleo. P. G. M. 
Llobet P. G. M. 
Lloyd, Charles Harford. 

E.-H. 



Lloyd, David de. 

D. V. T. 
Lloyd, Edward. E.-H. 
Loeffler. 0. K. 
Lohr. E.-H. 
Loevensohn. W. P. 
Lowe. P. P. 
Lowenbach. V. St 
Longo. D. A. 
Loomis. J. M. 
Lopez Chavarri. 

P. G. M. 
Lopez-NaguiL A. M. 
Lorenzoni. D. A. 
LoStak. V. St 
Lous. U. M. 
Lualdi. D. A. 
Lubin. A. R. 
Luciani. D. A. 
Ludlow. E.-H. 
Ludwig. E. S. 
Ludwig. W. St. 
Luna. P. G. M. 
Lund. R. M. 
Lundberg. P. V. 
Lunde. J. A. 
Lunn. E.-H. 
Lunssens. E. C 
Lustgarten. P. P. 
Lutkin. O. K. 
Lutz. E. S. 
Lyell-Taylor. E.-H. 

Maasalo. T. H. 
Macan. V. St 
Maccarthy. E.-H. 
Maccunn. E.-H. 
MacDowell O. K. 
Mach. Eg. W. 
Machado. E.-H 
Mackenzie. F. C. 
Maclean, Alick. E.-H. 
Maclean, Charles 

Donald. E.-H 
Macmillan. L. S. 
Macpherson, Charles 

E-H. 
Macpherson, Stewart 

E.-H 
Macran. W. St. 
McAlpin. E.-H. 
McCormack. W. St. 
McEwen. E.-H. 
McGuckin. W. St. 
McLeod. W. S. 
McNaught. E.-H. 
Madeira, E.-H 
Madetoja. T. H. 
Magelssen. U. M. 
Magnani. D. A. 
Magnard. M D. C. 
Magnette. C. V. B. 

II* 



XX 



Ubersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



Magri. D. A. 
Magrini. B. A. 
Mahillon. F. C. 
Mahler, Alma Maria. 

P. St. 
Mahler, Gustav. Eg. W 
Mailly C. V. B. 
Mainardi. D. A. 
Maitland. E.-H. 
Malat. V. St, 
Maiats. P. G. M. 
Malcolm. W. S. 
Malherbe, Charles Theo- 
dore. M. L. P. 
Malherbe, Edmond. 

M. L. P. 
Malinowski. Zd. J. 
Mahpiero. R. F, 
Malischewsky. M. B. C. 
Mailing, Jorgen H. 

A. H. 
Mailing, Otto Valdemar. 

A. H. 
Mallinson. E.-H. 
Mancinelli. B. A. 
Mandl. P. P. 
Mandyczewski. P. P. 
Manen. P. G. M. 
Mankell. P. V. 
Mann, Arthur Henry. 

E.-H. 
Mann, Josef. Zd. J. 
Manners. E.-H. 
Manoylovitch. T. F. D. 
Manrique de Lara y 

Berry. P. G. M. 
Mantecon. P. G, M. 
Mantica, B. A. 
Mantovani. D. A. 
Manuel. M. D. C. 
Manziarly. A. C. 
Marches*. E.-H. 
Marchetti. B. A. 
Marchisio. B. A. 
Marcilly. A. C. 
Marconi. B. A. 
Marczewski. Zd. J. 
Marechal, Henri. 

a. a 

Marechal, Maurice, 

M.P. 
Marek. Zd. J. 
Margulies-Trio. O. K. 
Mariani. P. G. M. 
Marini. P. G. M. 
Marinuzzi. B. A. 
Mariotte. A. C. 
Marnold. M. L. P. 
Marraco. P. M. 
Marschalko. B. B. 
Marteau. P. V. 
Martin , Frank. F. H. 



Martin, Sir George Cle- 
ment. E.-H. 
Martinelli. B. A. 
Martinez del Castillo 
P. G. M. 

Martucci. B. A. 

Marty. A. C. 

Martyn. W.St. j 

Marx. Joseph. P. P. | 

Mascagni. D. A. ! 

Mascheroni. B. A. j 
i Masini. B. A. | 

j Masini Pieralli. B. A. 
I Maslo. V. St. 
! Mason, Baniel Gregory. 
i O.K. 

: , Mason, Edward. E.-H. 
j Massarani. B. A. 

Massau. C. V. B. 
! Masse. A. C. 
j Massenet. H. P. 
j Masson. M. L. P. 
! Maszyriski. Zd. J. 
i Materna, P. St. 

Mathieu. E. C. 

Matthay. E.-H. 

Matthews. E.-H. 

Matthey. B. A. 

Matthison Hansen. 
A.H. 

Mattioli. B. A. 

Maugue. A. C. 

Maurel, C, L. 

Maurice. F. H. 

Maus. C. V. B. 

Mawet, Fernand. E. C. 

Mayer, Max. E.-H. 

Mayr. P. St. 

Mazzoleni. B. A. 

Meale. E.-H. 

Medins. K. P. 

Medtner. M. B. C. 

Meerens. E. C. 

Mees. J. M. 

Melani. A. M. 

Melartin. T. H. 

Melba, K-H. 

Melzer- Szczawiriski. 
Zd. J. 

Melchers. P. V. 

Melis. B. A. 

Melkikh. V. B. 

Melling. J. A. 

Melsa, E.-H. 

Menchaca, S. G. S. 

Mengelberg, Josef 
Willem. W. P. 

Menges. E.-H. 

Menu. A. C. 

Merikanto, Aarre. T. H. 

Merikanto, Oskar. F. H. 

Merrick, Frank. E.-H. 



Mertens. E. C. 
Merz. E. S. 
Messager. H. P. 
Messchaert. W. P. 
Mestdagh. E. C. 
Meulemans. E. C. 
Mexikanische u. Cuba- 

nische Oper. F. H. M. 
Michalowski. Zd. J. 
Middelschulte. 0. K. 
Midgley. E.-H. 
Migot. M. B. C. 
Mihalovich. B. B. 
Mildenburg. Eg. W. 
Miles. E.-H. 
Milhaud. H. P. 
Millan. P. G. M. 
Millet. P. G.M. 
Mills, Robert Watkin 

L. S. 
Milner. E.-H, 
Miloyevitch. T. F. B. 
Mingardi. B. A. 
Miry. C. V. B. 
Mischa-Leon. E. -H. 
Mitjana y Gordon 

P. G. M. 
Mjaskowski. V. B. 
Moller. A. H. 
Moeran. E.-H. 
Mork. R. M. 
Moestue. I. A. 
Mjoen. E.-H. 
Mlynarski. Zd. J. 
Moffat. E.-H. 
Moger. E.-H. 
Mohaupt. E. S. 
Moiseiwitseh. E.-H. 
Molin. P.V. 
Molinari. B. A. 
Molnar, Anton. B. B. 
Mompou. P. G. M. 
Monaldi. B. A, 
Monasterio y Agueros. 

p. a m. 

Monckton. E.-H. 

Monk. G. J. 

Monrad. R. M. 

Montefiore. B. A. 

Montemezzi. B. A. 

Montes. P. G. M. 

Montesanto. B. A. 

Monteux. A. S. 

Moody. E.-H. 

Moonie, James Ander- 
son. W. S. 

Moonie, William B. 
W. S. 

Moor, E. H. 

Moor. V, St. 

Moore, Bertha. E.-H. 

Moore, Frederick. E.-H. 



Morales, Melesio, 

F. H. M. 
Morales, Olallo Juan 

Magnus. P. V. 
Morales, Pedro Garcia. 

E.-H. 
Morawski. Zd. J. 
Morcman. R. M. 
Moreili. B. A. 
Moreno-Torroba, 

P. G.M 
Morera. P. G. M. 
Morgan. E.-H. 
! Morin. M. L. P. 
! Morold. P. St. 
; Morphy. P. G. M. 
. Morris, Margaret. E.-H. 
; Mortelmans. C. V. B. 
! Moser, Rudolf. F. H. 
I Mossel, Isaac. W. P. 
i Mossel, Max. E.-H. 
' Mote. E.-H. 
Motta, E.-H. 
Moulaert. E. C. 
Mraczek. V. St. 
Muller-Borgstrom. 

U. M. 
Mugnone. B. A. 
Mukle. E.-H. 
| Mule. B. A. 
Mulet. F. R. 
Mullings. E.-H, 
Munthe-Kaas Sandvik. 

U. M. 
Munzinger. F. H. 
Murdoch, Murdoch & 

Co. E.-H. 
Murdoch, William Ba- 
niel. E.-H. 
Musical Competition 

Festivals. J. G. 
Musin. O. K. 
Mussorgski. M. B. C. 
Mustel. F. R. 

Nachez. E.-H. 
Nani. B. A. 
Nanny. F. R. 
Nansen. J. A. 
Napoleao. E.-H. 
Napoli. B. A. 
Nappi. B. A. 
Naprawnik. V. St. 
Nat. F. R. 
Naujalis. H. R. 
Navarrini. B. A. 
Naylor. E.-H. 
Nebuska, V. St. 
Nedbal, Karel. V. St. 
Nedbal, Oskar. V. St. 
Needham. E.-H. 
Nef , Albert. F. H. 



Ubersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



XXI 



Negergesange. H. T. B. 

u. E.-H. 
Nejdanowa. V. B. 
Nejedly. V.St. 
Nemecek. V. St. 
Neruda, Franz Xaver. 

A.H. 
Nesvera. V. St. 
Neuhaus. V. B. 
Neumann. V. St. 
Neupert. J. A. 
Nevada. E.-H. 
Neville. E.-H. 
Nevin, Arthur Finley. 

O.K. 
Nevin, Ethelbert Wood- 
bridge. O. K. 
Newman. E.-H. 
Newmarch. E. -H. 
Nicastro. A. M. 
Nicholl, Horace Wad- 
ham. E.-H. 
Nicholl, Joseph Weston. 

E.-H. 
Nicholls, Frederick. 

E.-H. 
Nicholson. E.-H. 
Nickson. G. Y. 
Nicolau. P. G. M. 
Niecks. E.-H. 
Nielsen, Carl August. 

A.H. 
Nielsen, Ludolf. A. H. 
Nieto. P. G. M. 
Niewiadomski. Zd. J. 
Niggli. F. H. 
Nikisch, Artur. E.-H. 
Nikolajew. V. B. 
Nin y Castellano. 

P. G. M. 
Nissen. J. A. 
Noble. J. M. 
Noguera. P. G. M. 
Nolthenius. W. P. 
Nporden. E.-H. 
Noordewier-Reddingius 

W.P. 
Nordberger. P. V. 
Nordqvist. P. V. 
Noskowski. Zd. J. 
Note. M. B. 
Nougues. A. C. 
Novak. V. St. 
Novello & Co. Ltd. 

H. G. 
Novotny, Jaroslav. 

V.St. 
Novotny 1 , Wenzel. 

V.St. 
Nowowiejski, Felix. 

Zd. J. 



Nunn. E.-H. 
Nyiregyhazy. B. B. 

Oberhoffer. O. K. 
Oberleithner. E. S. 
Oberstadt. W. P. 
O'Brien. W. S. 
Obuchow. B. de S. 
Ocon y Rivas. P. G, M. 
Oddone Sulli-Rao. 

D. A. 
dstvig. R. M. 
Ohlsson. P. V. 
Oireachtas. W. S. 
Oldroyd. E.-H. 
O'Leary. W. St. 
Olenin. V. B. 
Olivieri- Sangiacomo- 

Respighi. B. A. 
Ollone. A. C. 
Olmeda De San Jose. 

P. G. M. 
Olsen. J. A. 
Olsson. P. V. 
O'Mara, W. St. 
Ondficek. V. St. 
O'Neill, Julia A. E.-H. 
O'Neill, Norman. E.-H. 
Operette. P. P. 
Opernhauser. E.-H. 
Opienski. Zd. J. 
Orchard. E.-H. 
Orchester. E.-H. 
Orchestrierung. 

H. J. W. 
Orefice. B. A. 
Orel, Bobroslaw. V. St. 
Ornstein, Leo. 0. K. 
Orrego. F. H. M. 
Orsi. D. A. 
Oselio. R. M. 
Ostrcil. V. St 
O'Sulhvan. W. St. 
Otano. P. G. M. 
Otescu. C. Br. 
Oudrid y Segura. 

P. G. M. 
Oziminski. Zd. J. 

Pablo. A. M. 
Pacheco. P. G. M. 
Pachmann. E.-H. 
Pachulski. Zd. J. 
Paderewski. Zd. J. 
Pagola Goya. P. G. M. 
Pahisa. P. G. M. 
Paladilhe. A. C. 
Pallemaerts. A. M. 
Palmgren, Selim. T. H. 
Palumbo. B. A. 
Panizza, B. A. 
Panzner. E. S. 



Papier. P. St. 
Papini. W. St. 
Paque. C. V. B. 
Paray. A. C. 
Parelli. D. A. 
Parent. M. P. 
Paretto. P. G. M. 
Paribeni. B. A. 
Parigi. B. A. 
Parker, Benne. G. B. 
Parker, George. E.-H. 
Parker, Henry Taylor. 

J.M. 
Parker, Horatio 

William. O. K. 
Parodi. D. A. 
Parratt. H. P. A. 
Parry. ERA, u. 

E. R. D. 
Parsons. 0. K. 
Partos. B. B. 
Pasdeloup-Konzerte. 

A.C. 
Pasini. D. A. 
Pastor. P. G. M. 
Paterson. W. S. 
Patterson. W. St. 
Patti. E.-H. 
Paulus. J. A. 
Pawlow. V. B. 
Payne, Arthur W. 

E.-H. 
Peacan del Sar. A. M. 
Pearce. E.-H. 
Pecskai. E.-H. 
Pedrell, Carlos. A. 3VL 
Pedrell, Felipe. 

P. G. M. 
Pedrollo. B. A. 
Pedrotti. B. A. 
Peel. E.-H. 
Pena y Goni. P. G. M. 
Pennicuick. E.-H. 
Pentaphonie. E.-H. 
Pentland. W. S. 
Peppercorn. E. -H. 
Perez Casas. P. G. M. 
Perier. M. B. 
Perinello. B. A. 
Perkins. E.-H. 
Perosi, Lorenzo. B. A. 
Perrin. L. S. 
Persfelt. P. V. 
Pertile. D. A. 
Perutz. Zd. J. 
Pestalozzi. F. H. 
Peterson-Berger. P. V. 
Petrauskas. H. R. 
Petrzelka, V. St. 
Philip. A. C. 
Philipp, Isidore. A.C. 
Philippi. F. H. 



Phillips. E.-H. 

aggio. A. M. 
Piatti. D. A. 
Piazzini. A. M. 
Pick-Mangiagalli. D. A, 
Picka, V. St. 
Piedra. P. G. M. 
Pierne, Henri Constant 

Gabriel. M. D. C. 
Pierne, Paul. A. C. 
Pietri. D. A. 
Pijper. E.-H. 
Pillois. A. C. 
Pincherle. A. C. 
Pinelli, Ettore. D. A. 
Pinelli, Oreste. D. A. 
Pirro. M. L. P. 
Pisk. P.St. 
Piskacek. V. St. 
Pitt. E.-H. 
Pizzetti. D. A. 
Planchet, F. R. 
Planquette. A. C. 
Plante. D. L. 
Podrecca, Guido. D. A. 
Podrecca, Vittorio. 

D. A. 
Poggi. A. M. 
Poiree. A. C. 
Polacco. D. A. 
Poldini. E.-H. 
Polinski. Zd. J. 
Poli-Randaccio. D. A. 
Polivka. V. St. 
Pollain. M.P. 
Pollitt. E.-H. 
Polnische Musik. Zd. J. 
Polo. D. A. 
Polytonalitat. E. -H. 
Popow. V. B. 
Popper. B. B. 
Porta, P. G. M. 
Portugiesische Oper. 

E.-H. 
Poueigh. A. C. 
Pougin. M. L. P. 
Poulenc. H. P. 
Poulet. M.P. 
Powell, John. O. K. 
Powell, Lloyd. E.-H. 
Powell, Maud. O. K. 
Pratella. D. A. 
Pratt. O. K. 
Prochazka, Rudolf, 

Freiherr von. E. S. 
Prod'homme. M. L. P. 
Programm-Musik. 

E. J. D. 
Prohaska. H. B. 
Prokofieff. B. de S. 
Prokop. V. St. 
Protheroe. B. V. T. 



XXII 



Ubersicht der Verfasser der einzelnen Axtikel. 



Prout, Ebenezer. W. S. 
Prout, Louis B. E.-H. 
Prunieres. A- C. 
Puccini. D. A. 
Puddicombe. L. S. 
Puischnow. E.-H. 
Pujman. V. St. 
Pujol, Emilio. P. G. M. 
Pujol, Francesch. 

P. G. M. 
Pulver. E.-H. 

Quef . F. R. 
Quilter. E.-H. 
Quinet. E. C. 
Quiroga. P. G. M. 
Quittard. M. L. P. 

Raalte. W. P. 
Rabaud. A. C. 
Rachlew. J. A, 
Rachrnaninow. G. B. 
Radford. E.-H. 
Radiciotti. D. A, 
Radnai. B, B. 
Rado. B. B. 
Radoux, Charles, Jean 

Edouard Firmin PauL 

C. V. B. 
Radoux, Jean Theo- 
dore. C.V.B. 
Raeli, D. A. 
Rangman-B j orlin. 

T.H. 
Raitio. T. H. 
Rait P.V. 
Ranalow. E.-H, 
Randegger, Alberto. 

E.-H. 
Randegger, Alberto 

Iginio. D. A. 
Randolph. J. M. 
Rangstrdm. P. V. 
Ranzato. D. A. 
Rasch, Johan 

Christoffel. E.-H. 
Rasse. E. C. 
Ratez. F. R. 
Rathbone. E.-H. 
Raugel. H P. 
Raunay. M. B. 
Ravanello. D. A. 
Ravasenga. D. A. 
RaveL HP. 
Ravenna. T. H. 
Ravn. A. H. 
Raway. C. V. B. 
Rawlins. E.-H. 
Rebikow. E.-H. 
Reed. E.-H. 
Refice. B. A. 
Rehberg, Willy. F. H. 



Reichmann. P. St. 
Reidarson. R. M. 
Reifner. E. S. 
Reinach. M. L. P. 
Reiner. B. B. 
Reiss, Georg Michael 

Doderlein. I. A. 
Reiss, Jozef Wladislaw. 

Zd. J. 
Reiter. P. P. 
Reitler. P. St. 
Remy. O. K. 
Renard, Marie. P. St. 
Renard, Rosita, A. M. 
Rendano. D. A. 
Renie. M. P. 
Rennes. W. P. 
Renzi. D. A. 
Respighi. D. A. 
Restano. A. M. 
Reszke, Eduard de. 

Zd. J. 
Reszke, Jean de. Zd. J. 
Reyer. A. C. 
Reyes. A. M. 
Rhene-Baton. M. L. P. 
Ricart Matas. P. G. M. 
Ricci. D. A. 
Ricci-Signorini. D. A. 
Riccitelli. D. A. 
Richards. E.-H. 
Richardson. J. M. 
Richter, Hans. P. St, 
Ricordi. D. A. 
Ridolfi. D. A. 
Rieti. D, A. 
Rietsch, E. S. 
Riga. E. C. 
Rihovsky. V. St. 
Rijnbergen. W. P. 
Rimski-Korssakow , 

Nikola Andrejewitsch 

M. D. C. 
Ringnes. J. A. 
Ripolles. P. G. M. 
Riseley. E.-H. 
Risler, D. L. 
Ritter-Ciampi. A. R. 
Rivera y Mane j a, 

P. G. M. 
Robert. P. P. 
Roberton. W. S. 
Roberts. D. V. T. 
Robertson. E.-H. 
Robinson, Edith. E.-H, 
Robinson, Joseph. 

W. St. 
Robinson, Rina. 

E.-H 
Robitschek. E. S. 
Robson. E.-H 
Rode. R. M. 



Rodrigo. P. G. M. 

Rodriguez. A. M. 

Rontgen. W. P. 

Rogan. E.-H 

Roger-Ducasse. A. C. 

Rogers. E.-H 

Rogowski. Zd. J. 

Rolland. H. P. 

Romagnoli. D. A. 

Romaniello. A. M. 

Romantik. E. J. D. 

Ronald. E.-H. 

Rootham, Cyril Brad- 
ley. E.-H. 

Rootham, Daniel W. 
E.-H. 

Ropartz. A. C. 

Rosa. A. M. 

Rosati, Enrico. D. A. 

Rosati, Tito. D. A. 

Rosenberg. P. V. 

Rosenbloom. E.-H. 

Rosenfeld. A. H. 

Rosenstock. Zd. J. 

Rosenthal, Moriz. 
Zd. J. 

Rosing. E.-H. 

Roslavets. V. B. 

Ross. L. S. 

Rossomandi. D. A. 

Rouard. A. R. 

Rousseau. A. C. 

RousseL H. P. 

Rowley. E.-H. 

Royal College of Or- 
ganists. F. G. S. 

Royer. A. C. 

Rozsa. B. B. 

Rozkosny. V. St. 

Rozycki. Zd. J. 

Rubens. E.-H. 

Rubinstein. Arthur. 
Zd. J. 

Rubinstein, Erna. 
B.B. 

Rubio. P. G. M. 

Rudnicki. Zd. J. 

Rue. P. G. M. 

Rubner. J. M. 

Ruhlmann. E. C. 

Rumanische Oper. 
C. N. B. 

Rumanische Volks- 
musik. B. B. 

Rumford. E.-H. 

RummeL E.-H. 

Rundfunk. L. S. J. 

Rung. A. H. 

Runnqvist. P. V. 

Ruthstrom. P. V. 

Ruyneman. W. P. 

Rychnowski. E. S. 



Ryelandt, E. C. 
Rytel. Zd. J. 

Saar. O. K. 
Sabanejew. V. B. 
Sachs, Leo. A. C. 
Sadero. D. A. 
Saerchinger. E. -H. 
Sceverud, R. M. 
Saint-Foix. M. L. P. 
Saint- Saens. H. P. 
Salaghi. D. A. 
Salazar. P. G. M. 
Salsbury. E.-H. 
Salzburger Festspiele. 

Eg. W. 
Salzedo. J. M. 
Samazeuilh. A. C. 
Sammarco. D. A. 
Sammons. E.-H 
Samper. P. G. M. 
Sampson. E.-H. 
Samuel, Adolphe. 

C. V. B. 
Samuel, Harold, E.-H. 
Samuel, Leopold. 

E. C. 
Samuel-Holeman. 

C. V. B. 
Sanchez-Deya. 

S. G. S. 
Sandberg. P. V. 
Sanders. L, S. 
Sandor. B. B. 
Sandvik, Ingeborg. 

J. A. 
Sandvik, Ole Mork. 

R. M. 
Sandvik, P. R. M. 
Sanjuan Nortes, 

P. G. M. 
Sankey. J. M. 
San Martino di Val- 

perga. D. A. 
San Miguel. P. G. M. 
San Sebastian. P. G.M. 
Santa Cecilia, D. A. 
Santley, Sir Charles. 

J. M. L. 
Santley, Edith. 

J. M. L. 
Santoliquido. D. A. 
Sapellnikow. E.-H. 
Saradiew. V. B. 
Sarasate. P. G. M. 
Sari. Zd. J. 
Sarly. C. V. B. 
Sarnecka. Zd. J. 
Sasnauskas, Ceslovas. 

H.R. 
Satie. H P 
Saul P. V. 



U bersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



XXIII 



Saunders. E.-H. 


Schytte, Ludvig. A. H. 


Siklos. B. B. 


Sousa. J. M. 


Sauret. M. P. 


Scontrino. D. A. 


Silk. E.-H. 


Sowerby. 0. K. 


Sauvrezis. A. C. 


Scott, Charles Kenne- 


Silva, GiuUo. D A. 


Spalding, Albert. 


Savasta. D. A. 


dy. E.-H. 


Silva, Oscar da. E.-H. 


J.M. 


Scalero. D. A. 


Scott, Cyril Meir. 


Silver. A, C. 


Spalding, Walter Ray- 


Scalese. S. G. S. 


E.-H. 


Simkus. H. R. 


mond. J. M. 


Schafer, Dirk. W. P. 


Scripture. E.-H. 


Simonetti. W. St. 


Speaight. E.-H. 


Schalk, Franz. P. St. 


Segovia. P. G. M. 


§in. V. St 


Specht P. St 


Schaposchnikow. 


Seitz. L. S. 


Sinclair. P. C. H 


Speer. E.-H. 


V.B. 


Selin. T. H. 


Sinding. J. A. 


Spena. S. G. S. 


Scharrerj Irene. E.-H. 


Selmer. U. M. 


Sinigaglia, D. A. 


Spendiarow. V. B. 


Schelling. J. M. 


Scozzi. D. A. 


Six. H.P. 


Spilka. V. St 


Schenker. P. P. 


Selva. M. L. P. 


Sjoberg. P. V. 


Springer, Max. P. St. 


Schenschin. V. B. 


Selz. A. C. 


Sjogren. P. V. 


Spuriing. E.-H. 


Schiavazzi. D. A. 


Sem. U. M. 


Skilton. 0. K. 


Squire. E. J. D. 


Schindler, Kurt. J. M 


Sembrich, Marcella. 


Skrjabin. B. de S. 


Srb. V.St 


Schipa. D. A, 


Zd. J. 


Skuhersky. V. St. 


Stabile. S. A. 


Schirmer, G. Inc. 


Senger. F. H. 


Slezak. P. St 


Stagno-Bellincioni. 


O.K. 


Senilow. M. D. C. 


Slivinski. Zd. J. 


D. A. 


Schischow. V. B. 


Senior. J. P. D. 


Slowakische Volks- 


Stanchinsky. V. B. 


Schiuma. A. M. 


Serafin. D. A. 


musik. B. B. 


Stanford. H. H. 


Schjelderup, Dagny. 


Serato, Arrigo. D. A. 


Smareglia. D. A. 


Stangenberg. P. V. 


R.M. 


Serato, Francesco. 


Smetana. V. St 


Stanley. O. K. 


Schjelderup, Gerhard 


D. A. 


Smith, David Stanley. 


Starczewski. Zd. J. 


Rosenkrone. R. M. 


Sere, Octave. M. D. C. 


O.K. 


Starmer. E.-H. 


Schjelderup. U. M. 


Serieyx. A. C. 


Smith, Leo. A. S. V. 


Statkowski. Zd. J. 


Schjelderup-Petzold. 


Seroen. W. P. 


Smulders. E. C. 


Stecker. V. St 


U.M. 


Serrano. P. G. M. 


Smyth. E.-R 


Stefan. Eg. W. 


Schloezer. E.-H. 


Serrano y Ruiz. P.G.M 


Sobinow. V. B. 


SteggaU. E.-H. 


Schmedes, Erik. A. H. 


Serrao. D. A. 


Sobolewski. Zd. J. 


Stein. Erwin. P. St. 


Schmidt, Franz. H. B. 


Servais, Franz Mathieu. 


Sobrino. P. G. M 


Steinberg. M. D. C. 


Schmitt M. D. C. 


E. C. 


Societa Polifonica Ro- 


Steinhard. V. St. 


Schnabel, Arthur. 


Servais, Joseph. 


mana. D. A. 


Stenhammar. P. V. 


ELS. 


C. V. P. 


Societa Tipografica 


Stepan. E. S. 


Schneevoigt, Georg. 


Servieres. A. C. 


Editrice Nazionale. 


Stephen. W. S. 


T.H. 


Setaccioli. D. A. 


D. A. 


Sternberg. J. M 


Schneevoigt (Sundgren) 


Sevfiik. V. St. 


Societe Moderne d'ln- 


Stewart, Humphrey 


Sigrid. T.H. 


Severac M. D. C. 


struments a Vent. 


John. 0. K. 


Schneider-Trnavsky. 


Sgambati. D. A. 


M. L. P. 


Stewart, Robert Prescot 


V.St 


Sharp. E.-H. 


Somme. R. M. 


W.St. 


Schnellar. Eg. W. 


Sharpe, Cedric. E.-H 


Sorby. R. M. 


Stock. O.K. 


Schnerich. P. St. 


Sharpe, EtheL W. St. 


Sohlberg. U. M. 


Stockman. P. V. 


Schnitzler, Louis. W.P. 


Sharpe, Herbert 


Sohy. M.L.P. 


Stockmarr. A. H 


Schoeck. F. H. 


Francis. E.-H. 


Sokolow. M. D. C. 


Stohr. H.B. 


Schonberg. Eg. W. 


Shattuck. 0. K. 


Solesmes. J. B. 


Stoessel. J. M 


Scholes. E.-H. 


Shaw, Geoffrey Turton. 


Solomon. E.-H 


Stojowski, Sigismund, 


Schreiber. E. S. 


E.-H. 


Solomon, John. E.-H. 


Denis Antoine. 0. K. 


Schulhoff. E. S. 


Shaw, George Bernard. 


Solomon , Mirrie. E.-H. 


Stokowski, Leopold 


SchultheB. F. H. 


E.-H. 


Soltys, Adam. Zd. J. 


Anton Stanislaw. 


Schults. W.P. 


Shaw, Martin. E.-H. 


Soltys, Mieczyslaw. 


J.M. 


Schumann , Elisabeth. 


Shedlock, John South. 


Zd. J. 


Storchio. D. A. 


P.St. 


E.-H. 


Somervell. E.-H. 


Storm, Katinka. U. M. 


Schumann, Maria. 


Sheldon. E.-H. 


Sommerfeldt R. M. 


Storm, Nanne. U. M. 


S.G.& 


Shelley. J. M 


Sonneck. 0. K. 


Storti. D. A. 


Schumann-Heink. 


Shera. E.-H. 


Sons. E.-H. 


Stracciari. D. A. 


J. M. 


Shinn. E.-H. 


Sonzogno. D. A. 


StradaL E. S. 


Schure. M. L. P. 


Shore. E.-H. 


Sorabji. P. H. 


Stransky. 0. K. 


Schweitzer. E.-H. 


Sibelius. M.-L. 


Soro-Barriga. A. M. 


Straiis. P. P. 


Schytte, Anna. A. H. 


Siewers, V. W. H. H. 


Soubies. A. C. 


Straufi, Eduard. 


Schytte, Frieda. A. H. 


R.M. 


Soulacroix. M B. 


Eg.W. 


Schytte, Henrik 


Sigtenhorst Meyer. 


Soulage. A. C. 


StrauB, Edmund von, 


Vissing. A. H. 


W.P. 


Sourek. V. Str. 


E. S. 



XXIV 



Ubersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



StrauB, Johann, jun. 

Eg.W. 
Strawinsky. M. D. C. 
Stretcher. Eg. W. 
StrifiTing. A. C. 
Struve. R, M. 
Stuart. P. V. 
Stuiber. E. S. 
Styhr. R. M. 
Suchy. V. St 
Suda. V. St. 
Sudafrika, W. H. B. 
Sudamerikanische 

Tanze. A. M. 
Suggia. E.-H. 
Suk. V. St. 
Sullivan. E. G. 
Sunol. P. G. M. 
Suomen Laulu F. H. 
Suppe, Franz von. 

P.P. 
Surette. 0. K. 
Surzynski. Joseph. 

Zd. J. 
Surzinski, Mieczyslaw. 

Zd. J. 
Suter. F. H. 
Svendsen , Anton Plum. 

A. H. 
Svendsen, Johan Se- 

verin. J. A. 
Sverenus. U.M. 
Swaap. W. P. 
Swan& Co. G. B, 
Swierzynski. Zd. J. 
Swinstead. E.-H. 
Sychra, V. St. 
Szabados. B. B. 
Szanto. Z. K. 
Szekelyhidy. B. B. 
Szeluta. Zd. J. 
Szendy. B. B. 
Szigeti. F. H. 
Szirmai. B. B. 
Szopski. Zd. J. 
Szulc. Zd. J. 
Szymanowska- B ar t o - 

szewicz. Zd. J. 
Szymanowski. Zd. J. 

TafaU. P. G. M. 
Taffanel. M. L. P. 
Tagliacozzo. D. A. 
Tailleferre. H. P. 
Takacs. B. B. 
Talat-Kelpsa, H. R. 
Talen. R. M. 
Talich. V. St. 
Tanejew, Alexander 

Sergejewitsch. 

M. D. C. 



Tanejew, Serge Iwano- 

witsch. V, B. 
Tansman. Zd. J. 
Tarnay. B. B. 
Tarrega. P. G. M, 
Tartaglia. D. A. 
Tate. G. Y. 
Tawse. W. S. 
Taylor, Colin. E.-H. 
Taylor, Joseph Deems. 

O.K. 
Tebaldini , Giovanni. 

D. A. 
Tedeschi. D. A. 
Teiknan. J. A. 
Teller ia y Arrizabalaga. 

P. G. M. 
Telmanyi, B. B. 
Temesvary. B. B. 
Teran. P. G. M. 
Terrasse. A. C, 
Terry, Charles Sanford. 

E.-H. 
Terry, Richard Run- 

ciman. E.-H. 
Tertis. E.-H. 
Tervani (Achte). 

P. H. 
Terziani. D. A. 
Tetraphonie. E.-H. 
Tetrazzini, Eva, D, A. 
Tetrazzini, Luisa. 

D. A. 
Teyte. E.-H. 
ThelwalL E.-H. 
Thibaud, Alfonso. 

S. G. S. 
Thibaud, Jacques. 

M.P. 
Thiebaut, Henri. E.C. 
Thirion. F. R. 
Thoman. B. B. 
Thomas. E.-H. 
Thompson. E.-H. 
Thomson. C. V. B. 
Thrane. A. H. 
Three Choirs Festivals. 

E.-H. 
Thue. U. M. 
Thuren. A. H. 
Tibetanisehe Musik. 

E.-H. 
Tiersot. M. L. P. 
Tilman. E. C. 
Tinel. E. C. 
Tirmdelli. J. M. 
Titta. D. A. 
Tofft, Alfred. A. H. 
Tomasek. V. St. 
Tommasini. D. A. 
Tonalita Neutre. 

E.-H. 



Toner. J. P. D. 
Toni. D. A. 
Toonkunsi W. P. 
Torchi. D. A. 
Torjussen. J. A. 
Torner. P. G. M. 
Torrefranca, D. A. 
Torres Pater. P. G. M. 
Torrington. L. S. 
Toscanini. B. A. 
Tosti. D. A. 
Tournemire. A. C. 
Tournier. F. R. 
Tovey. G. B. 
Townsend. J. P. D. 
Toye. E.-H. 
Trago y Arana. 

P. G. M. 
Tree. E.-H 
Tregler. V. St. 
Trend. E.-H. 
Trifonia. E.-H. 
Trnecek. V. St, 
Troiani. S. G, S. 
Tronitz. U. M. 
Trotter. E.-H. 
TrowelL E.-H. 
Truman. E.-H. 
Tschaikowsky. M. D. C. 
Tscherbatschew. V. B. 
Tscherepnin, Alexander 

Nikolajewitsch. 

B. de S. 
Tscherepnin , Nikolai 

Nikola] ewitsch. 

B. de S. 
Tschernow. M. D, C. 
Tschesnokow. M. D. C. 
Tua. D A. 
Turczinski. Zd. J. 
Turicchia. P. V. 
Turina. P. G. M. 
Turner. E.-H. 
Tyrer. E.-H. 
Tysoe. E.-H. 

Ubeda, P. G. M. 
Udbye. U. M. 
Ugarte, A. M. 
Uimonen-Jannes. 

T. H. 
Ulvestad. J. A. 
Ungarische Musik- 

instrumente. B. B. 
Ungarische Oper. B. B, 
Ungarische Volks- 

musik. B. B. 
Universal- Edition. 

Eg. W. 
Ureta, A. M. 
Uriarte. P. G. M. 
Uribe. F. H. M. 



Urlus. W. P. 
Urteaga. P. G. M. 
Usandizaga. P. G. M. 
Usiglio. D. A. 

Vach. V. St. 
: Valdes Goicoechea, 
| P. G. M. 
' Valen, J. A. 
! Valle-Riestra, F. H. M. 

Vallombrosa. F. R. 
i Vallon. E.-H. 
1 Valverde, Joaquin. 

P. G. M. 
I Valverde, Joaquin jun. 
! P. G. M. 
! Van Aerde. C, V. B. 
i Van den Borren. E. C. 
■. Van den Eeden. 
j C. V. B, 
! Van der Straeten. 
Edmond. C. V. B. 

Van der Stucken. O. K. 

Van Doorslaer. C. V. B. 

Van Duyse. C V. B. 

Van Dyck. E. C. 

VanEiewyck. C. V. B. 

Van Gheluwe. E. C. 

Van Hout. C. V. B. 

Vanzo. D. A. 

Varkonyi. B. B. 

Varney. A. C. 

Vasseur. A. C. 

Vaughan. P. H. 

Vaurabourg. A. C. 

Vecsey. B. B. 

Vega, P. G. M. 

Veggetti, D. A. 

Veidl. E. S. 

Vendler. V. St. 

Veneziani. D. A. 

Venturi. D. A. 

Verbruggen. E.-H. 

Verdi. A. W. u. D. A. 

Vermeulen. W. P. 

Vesely. V. St. 

Vessella, D. A. 

Veuve. F. H. 

VidaL A. C. 

Vidalita. E.-H. 

Vieira. E.-H. 

Vierne, Louis Victor 
Jules. M. D. C. 

Vierne, Rene. R. F. 

Vieulle. A. R. 

Vieux. M. P. 

Viglione Borghese. 
D. A. 

Villa, Luis. P. G. M. 

Villa, Ricardo. P. G. M. 

Villalba Munoz, Pater; 
Antonio. P. G. M. 



Ubersicht der Verfasser der einzelnen Artikel. 



XXV 



Villalba Mufioz, Pater 

Luis. P. G. M. 
Villar. P. G. M. 
VMermin. E.-H. 
Vincent. E.-H. 
Vinee. A. C. 
Vines. P. G. M. 
Viotta. W. P. 
Vitale. D. A. 
Vitali. D. A. 
Viterbini. D. A. 
Vittadini. D. A. 
Vives. P. G. M. 
Vivier. E. C. 
Vogler. F. H. 
Vogt. L. S. 
Volpe. J. M. 
Volpilauri. D. A. 
Vomacka, V. St. 
Von Kunits. L. S. 
Voormolen. W. P. 
Vretblad, Victor Patrik. 

E.-H. 
Vretblad, Karin. 

E.-H. 
Vreuls. E. C. 
Vuillemin. A. C. 
Vuillermoz. H. P. 
Vycpalek. V. St. 

Wachtmeister. V. P. 
Waddington. E.-H. 
Waelput E. C. 
Wagenaar, Bernard. 

W.P. 
Wagenaar, Johan. 

W.P. 
Wagner, Erika. P. St. 
Waldbauer. B. B. 
Walker, Edyth. E.-H 
Walker, Ernest. E.-H. 
Wall E.-H 
Wallace. E.-H. 
Wallaschek. W. F. 
Walle-Hansen. U. M. 
Wallek-Walewski. 

Zd. J. 
Walenn, Arthur. E.-H 
Walenn, Herbert. E.-H. 
Wallgren. P. V. 
Walthew. E.-H. 
Walton, Herbert. 

WS. 



Walton, WilliamTurner. 

E.-H. 
Wambach. E. C. 
Warner., H. Waldo. 

E.-H. 
Warwick Evans. E.-H. 
Wassilenko. M. D. C. 
Watts. 0. K. 
WeatherilL E.-H. 
Webb. E.-H. 
Weber, CarL E.-H. 
Webern. P. St. 
Weckerlin. A. C. 
Weekes & Co. E.-H. 
Wegelius. T. H. 
Wehrli. F. H. 
Weidig. O. K. 
Weigl, Bruno. E. S. 
Weigl, KarL P. P. 
Weinberger, Jaromir. 

V. St. 
Weiner. B. B. 
Weingarten. P. St. 
Weis. V. St 
Wellesz. P. P. 
Wells. L. S. 
Welsman. L. S. 
Wendt W. H B. 
WentzeL E.-H. 
Wertheim. Zd. J. 
Westrheene. W. P. 
Wetton. E.-H. 
Wetzel, Hermann. F. H. 
White, Felix Harold. 

E.-H. 
White, Mary Louisa. 

E -H 
Whitehead. E.-H. 
Whitehill. 0. K. 
Whitehouse. E.-H. 
Whithorne. J. M. 
Whiting. O, K. 
Whittaker. E.-H. 
Wibergh. P. V. 
Wideen. P. V. 
Widor. A. C. 
Wiener Staatsoper. 

Eg. W. 
Wieniawski. Zd. J. 
Wihan. V. St 
Wihtol. K. P. u. V. B. 
Wiklund, Adolf. P. V. 
Wiklund, Victor. P. V. 



Wilder. E. C. 

Wilhelmi, Johan Tobias 
Jakob. P. V. 

Wilkes. S. G. S. 

Wilks. E.-H. 

Willan. L. S. 

Williams, Albert Ed- 
ward. E.-H. 

Williams. A. M. 

Williams, Ch. Fr. Abdy. 
E.-H. 

Williams, Gerrard. 
E.-H. 

Williams, Joseph. E.-H. 

Williamson. E.-H. 

Willner. E. S. 

Wilson, Archibald 
Wayet. E.-H. 

Wilson, James Steuart 
E.-H. 

Wilson, Mortimer. 
O.K. 

Wilson, Philipp. P. H. 

Winding. A. H. 

Winge. U. M. 

Winkelmann. P. St. 

Winkler. V. B. 

Winter-Hjelm. J. A. 

Withers. E.-H. 

Witkowski. H. P. 

Woess. P. P. 

Wohlfahrt, KarL P. V. 

Wolanek. Zd. J. 

Wolf, Hugo. Eg. W. 

Wolf-Ferrari. D. A. 

Wolf, Johannes. E.-H. 

Wolle. J. M. 

Wolstenholme. E.-H. 

Wood, Charles. W St 

Wood, Frederik Her- 
bert, E.-H. 

Wood, Haydn. E.-H. 

Wood, Henry Joseph 
E.-H. 

WoodaU. E.-H. 

Woodforde-Finden. 
E.-H. 

Woodhouse, Charles. 
E.-H. 

Woodhouse, Georges. 
E.-H. 

Woods. E.-H. 



Woof. E.-H. 
WooUett. A. C. 
Wormald. E.-H. 
Wormser. A. C. 
Wotquenne. C. V. B. 
Wouters. E. C 
Wyzewa. H. P. 

Ygouw. A. C. 

Yon. D. A. 

Young( Alexander Bell) , 

Filson. E.-H. 
Young, Alfred C. W. S. 
Young, Dalhousie. 

C.L. 
Young, Gibson, E.-H. 
Ysaye,Eugene. C. V. B. 
Ysaye, Theo. C. V. B. 



B. B. 

Zagwijn. W. P. 
Zamacois. P. G. M. 
Zamrzla. V. St. 
Zandonai, D. A. 
Zanella. D. A. 
Zarzuela, P. G. M. 
Z boinska-Ruszkowska. 

Zd. J. 
Zeisler. O. K. 
Zeitlin. V. B. 
Zeleiiski. Zd. J. 
Zelinka. V. Si 
Zemlinsky. Eg. W. 
Zenatello. D. A. 
Zetterqvist P. V. 
Zich. V. St 
Ziehrer. P. P. 
Zilevicius. H. R. 
Zimbalist O. K. 
Zimmer. C. V. B. 
Zimmermann, Julius 

Heinrich.. W. P. 
Zitek. V. St 
Zolotarew. V. B. 
Zorka. T. F. D. 
Zrno. V. St. 
Zsolt, B. B. 
Zuccarini. D. A. 
Zuelli. D. A. 
Zurron. P. G. M. 
Zweers. W. P. 
Zweygberg. T. H. 



A. 



Abbetmeyer, Theo, deutscher M.sehrift- 
steller u . Konzertbegleiter geb . 21. Sept. 
1869, Schiiler von C. Mayor (Kl.), Joh. Doebber 
u. Rich. Metzdorff (Kompos.), Rektor in 
Hannover. 

Richard Wagner-Studien (1916, Hartmann, Han- 
nover); Das Faust-Problem — heute (1921); Zur Er- 
richtung einer Stadt. MMbliothek in Hannover (1912 
Ad. Hampe, Hann.). Chor- u. Sololieder (Ms.). 

Abendroth, Hermann, deutsch. Dirig., 
geb. 19. Jan. 1883 zu Frankfurt a. M., erst 
Buchhandler, dann in der Musik Schuler von 
Ludwig Thuille (Komp.) und Anna Langenhan- 
Hirzel (Kl.) in Munchen; 1903—4 Dirigent des 
dortigen Orchestervereins, 1905 — 11 Km. des 
Vereins der Musikfreunde in Lubeck u. 1. Km. 
am Stadttheater, 1911 stadt. MD. in Essen, 
seit 1915 stadt. MD. u. Dir, des Kons. zu 
Koln; 1918 stadt. GMD., 1919 Prof. — 1922 
Leiter des Niederrhein. MF., 1922/23 auch 
Dirig. der Sinfonie-Konzerte der Berliner 
Staatsoper. 

Abendroth, Irene, Koloratur-Sopran. geb. 
14. JuU 1872 zu Lemberg, trat schon mit 
sieben Jahren in Lemberg und Tarnopol 
auf, wurde dann Schulerin von Frau Prof. 
Wilczek, debut. 1888 in einem eigenen Konzert 
in Karlsbad, wo Direktor Jahn sie horte und 
fur die Wiener Hofoper gewann. Die Stationen 
ihrer Laufbahn sind: Wien 1889/90, Riga 
1890/91, Munchen 1891/94, wieder Wien 
1894/99, Dresden 1899—1909. 1900 ver- 
heiratete sie sich mit Thomas Thaller, Edler 
v. Draga; sie lebt jetzt in Weidling bei Wien. 
Ihr Rollengebiet erstreckte sich von der Ro- 
fiine im Barbier von Sevilla bis zur Donna 
Anna u. Rezia. 

Aber, Adolf, deutsch. M.Schriftsteller, 
geb. 28. Jan. 1893 zu Apolda, studierte MW. 
in Berlin, 1913 Assistent Hermann Kretzsch- 
mar's an der Berliner Univ., 1918 Mkr. der 
„Leipz. N. Nachr." 

Die Pflege der Musik unter den Wettinern u. wettini- 
jchen Ernestinern . . . ( Siegel-Kistner 1921); Handbuch 
der Musikliteratur (Br. & H. 1922); l>ie Musikinstru- 
■mente u. ihre Sprache (Berlin 1924, DOrr & Weber). 

Abert, Hermann, d. M.forscher, geb. 25. Marz 
1871 zu Stuttgart, dort Schiiler seines Vaters 
Johann Joseph Abert (1832 — 1915, lange 
Jahre Hof kapellmeister in Stuttgart) und des 

Einstein, Musiklexikon. 



Kons:; stud, erst klass. Philologie (1897 Dr. 
phil, in Tubingen), dann in Berlin vier Jahre 
lang MW., habilitierte sich 1902 mit der 
Studie Die asthetischen Grundsatze der mittel- 
alterlichen MelodiebiMung in Halle a. S., 
1909 ord. Honorarprof., 1908 o. Pr.; 1920 
Nachfolger Hugo Riemann's in Leipzig, 1923 
Hermann Kretzschmar's in Berlin. Seit 1925 
leitet er die DdT. Er ist einer der vielseitigsten 
und anregendsten deutschen M.forscher und 
heute der Fuhrer der deutschen Musikwissen- 
schaft; seine Hauptgebiete sind die antike 
Musik, die Operngeschichte, besonders Mozart* 
und Gluck. 

Die Lehre vom Ethos in der griech. M . (1899 Br. &H.); 
mehrere Beitrage tiber die jfingsten Funde von antiken 
Musikresten in Oxyrhynchos (AfM I; ZfM IV); Abschnitt 
tiber antike Musik in Adler's Sandbuch der M.gesch. 
(1924); Die Musikanschauung des Mittelalters und ihre 
Grundlagen (1905, Niemeyer); Die dramalische Musik am 
Hofe Herzog Karl Eugens von Wurttemberg (1905, BB- 
lingen); Nicolo Jommelli als Opemkomponist (1908, 
Fiemeyer); Gesch. der Rob. Franz-Singakademie zu 
Halle (1908, Niemeyer); Joh. Jos. Abert (1916, Br. & H.); 
Robert Schumann (1903, 3. Aufl. 1917, Berlin, Schlea. 
Verl.-Anst.); Goethe u. die Musik (1922, J. Engelhorn); 
Luther und die Musik (Wittenberg 1924, Luther-Ge- 
sellschaft); endlich seine als v5Uig selbstandige Arbeit 
zu wertende Umarbeitung des „Mozart" von Otto 
Jahn (I: 1920; II: 1921, Br. & H.); in Vorbereitung : 
ein Werk iiber J. S. Bach; auBerdem viele Studien in 
Zeitschriften vor allem zur Operngeschichte. Er war 
Hrsg. des Gluck- Jahrbuchs (I914ff., 4 Bde. erschienen) 
und ist es eines Mozart-Jahrbuchs (seit 1923, Munchen, 
DMV.). Hrsg.: Pergolesi, La serva padrona (Tischer 
& Jagenberg); Jommelli, Fetonte (DdT. 32; 33); Palla- 
vicino, La Gerusalemme liberata (DdT. 48/49); Deller 
u. Rudolph, Ballette (DdT. 43,44); Gluck, Nozze d'Ercole 
e d'Ebe (DTB. 1914); Gluck Orfeo (DTO. 1914). 

Abraham, Otto, deutsch. M.psychologe, 
geb. 31. Mai 1872 zu Berlin, stud, dort Medizin 
u. Naturwissenschaften, 1894 Dr. med., seit 
1896 Assistent von Carl Stumpf am Berliner 
Psycholog. Institut, im Verein mit E . M. 
v. Hornbostel Verwalter des dortigen Phono- 
grammarchivs. Er schrieb eine Reihe von 
bedeutsamen Studien zur M.psychologie u. 
vergleichenden MW. 

Mit E. v. Hornbostel: Tonsystem u. Musik der 
Japaner; Phonographierte turkische Melodien; Phono- 
graphierte indische Melodien; Phonographierte Indianer- 
melodien aus Britisch-Columbia (Sammelb. f. vergleich. 
M.wiss. I, Munchen 1922, DMV.); Wahrnehmung 
kiirzesUr Tone (mit L. J. Briihl, Ztschr. f. Psychol, 
u. Physiol. 1898); Vber die maximale Geschwindigkeit 
von Tonfolgen (mit K. L. S chafer, id. 1899); Vber das 
Abklingen von Tonempfindungen (id. 1899); Studien 



Abrahamsen — Adamowski, 



ilber Unterbrechung stone (mit K. L. Schafer, 1900 — 04 
im Archiv f. d. ges. Physiologie); Das absolute Ton- 
bewuptsein (Sammelb. d. JMG. HI, 1 u. VIII, 3); Vber 
die Harmonisierbarkeit exotischer Melodien (mit E. M. 
v. Hornbostel, id. VII); Formanalysen an siamesischen 
Orchesterstiicken (AfMW. II, 2, 1920); Gh'ao-tHen-tze = 
Eine chinesische Notation und ihre Ausfiihrungen (id. I, 
4, 1919). 

Abraham sen, Erik, dan. M.forscher, geb. 
9. April 1893 in Jutland, stud. 1910—13 unter 
Otto Mailing am Kons. zu Kopenhagen, 1914 
Organist der Lutherkirche, stud. 1916/17 MW. 
an der Univ., 1918—21 Leiter der Mabtl. der 
kgl. Bibl., seit 1924 Dozent f. MW. u. Mgesch. 
an der Univ. Kopenhagen. 

Liturgisk Musik i den danske Kirke efter Beforma- 
tionen (Kopenh., 1919 Levin & Munksgaard); Ele- 
ments romans et allemands dans le Chant gregorien et 
la Chanson populaire en Danemark (Kopenh., 1923, 
Haase & S.). 

Abranyi, Emil, ung. Komp,, geb. 22. Sept. 
1882 in Budapest als Sohn des Dichters und 
Opernlibrettisten Emil Abranyi sen. (1. Jan. 
1851—20. Mai 1920) u. der Sangerin Margarete 
A.-Wein (geb. 19. Dez. 1864), 1907 Hofkm. in 
Hannover, 1911 Kgl. Hofkm. in Budapest 
u. 1919 voriibergehend Direktor der Budapester 
Oper, seit 1921 Direktor des Budapester Stadti- 
"schen Theaters (Volksoper). 

Opern: A KOdkirdly (Der Nebelkonig, Budap. 1903); 
Monna Vanna (das. 1907); Paolo u. Francesca (das. 
1912); Ave Maria ((lakt., das. 1922). 

Achron, Joseph, russ. Violinist u. Komp., 
geb. 1. Mai 1886 zu Losdseje (Gouv. Suwalki), 
in Warschau erzogen, wo er bei Mechalowitsch 
u. dann bei Lotto Geigenunterricht erhielt; 
1899—1904 Schiiler L. Auer's am Petersburger 
Kons., dann konzertierender Kiinstler, mit 
dem Sitz in Berlin, 1907—10 machte A. 
Kompositionsstudien, war 1913—16 Leiter 
der V.- u. Kaimn ermusikklasse der M.schule 
der ehemaligen Kais. Russ. M.gesellschaft in 
Charkow, 1916—18 in der russ. Armee; seit 
1921 Leiter der Meisterklasse f. V. u. Kammer- 
musik des Kuns tier bun des in Petersburg; 
1922—24 meist in Berlin, seit 1925 in New York. 
Mit Gnessin, Krein, Milner u. a. strebt A. eine 
auf jiidisehen Elementarmotiven beruhende 
judisch-nationale Kunstmusik an. 

58 opera; damnter: Orch.- u. Chorwerke; Chro- 
matisches Streichquartett; 2 Sonaten f. V. u. Kl.; 
Stiicke f. V. u. Kl. Oder Orch. (2 Suiten op. 21 u. 22); 
4 Tableaux Fantastiques — 3. Suite op. 23; Suite 
Bizarre op. 41; Stimruungen op. 32 u. 36; Stiicke i. 
Vc. u. Kl. oder Orch.; Sinf. Variationen f. Kl. op. 39; 
Lieder op. 52 — 55; Musik zu den Blinden von Maeter- 
linck; zu Fartog von Waiter; zu Masltow von Scholem- 
Aleiehem u. Die Uexe von Goldfaden. — Buch: Grund- 
lagen der Violin- u. Bogentechnik (Auszug erschienen 
im M.wiss. Sammelbuch des russ. Staatsverlags). — 
Verleger: Zimmermann; Belajew; Russ. M.verlag; 
Ges. f. hebr. Volksmusik.. Petersburg; Johansen. Peters- 
burg ; Jurgenson ; Juwal , Berlin ; Jibnch , Berlin ; 
Fischer, New York; Schirmer; Un.-Ed.). 

Achte, Irma, s. Tervani. 

AchtetEk. Josef, deutscher Komp. u. Dirig., 
geb. 7. April 1881 zu Bauerwitz O/S., in einem 
holland. Internat erzogen, 1901 — 06 Schiiler 
des Kons. in Koln (Wullner, Steinbach, Klau- 



well, Kleffel, BauBnem) ; hierauf Dir. der 
Philh. Gesellschaft in Wiltz (Luxemburg), 
Km. an den Stadttheatern in Koln, Glogau 
u. Leipzig; 1916 — 19 im Heeresdienst; jetzt 
in Leipzig als Chordirigent, Musiklehrer, 
Musikschriftsteller und musiktheoretischer 
Forscher. 

Weihnachtsmarchen Peterchens Mondfahrt (Leip- 
zig 1912) ; Buch : Der Naturklang als Wurzel alter 
Rarmonien — eine aesthetische Musiktheorie (1922, 
Kahnt). 

Ackte, Aino, beriihmte finnische Sangerin 
(Sopran), geb. 23. April 1876 in Helsingfors, 
Schulerin ihrer Mutter, der Opernsangerin 
Emmy Stromer-Achte u. (1894—97) des 
Pariser Cons. 1897—1904 war sie Mitglied 
der Pariser Grofien Oper, 1904—06 an der 
Metrop. Opera in New York und auf Tour- 
neen in Amerika u. bis 1913 auf Gastspiel- 
reisen in ganz Europa. In ihrer Heimat 
hat sie viel zur Forderung der finn. Oper 
beigetragen; 1911 grundete sie die jahrlichen 
Opernfestspiele in Savonlinna (Nyslott). Ver- 
heiratet 1901 mit dem Senator Heikki Renvall, 
1919 mit dem Verkehrsminister B. Jalander 
in Helsingfors. Ihr Rollengebiet erstreckte 
sich von Gounod's Margarethe bis zur Salome 
von Straufi, 

Sie schrieb: Minnen och fantasier. Overs, av I?. 
Gripenberg. (Stockholm 1917 Bonnier.) 

Ada't'ewsky, Ella (von Schultz), russ. 
Komponistin, geb. 10. Feb. 1846 zu Peters- 
burg, erst Klavierschulerin von Adolf Henselt, 
nach mehrjahrigen Konzerttouren noch 1862 
bis 66 von Rubinstein, Zaremba, Dreyschock 
u. Famintzin am Petersburger Konservatorium, 
ging 1882 nach Italien, wo sie Volkslieder 
sammelte (Tanzlieder der Resianer), lebte 
langere Zeit in Venedig, seit 1909 bei Neuwied 
am Rh. Ihr theoretisches u. kompositorisches 
Inter esse gilt der antiken Musik u. dem Folk- 
lore. In der RMI. schrieb sie: La Berceuse 
Populaire (I, 1894; II, 1895; IV, 1897); Les 
Chants de VEglise Grecque Orientate (VIII, 
1901); Anciennes Melodies et Chansons popu- 
lates d' Italic (XVI, XVIII); Du Chant popu- 
laire de la Boheme (XVI) u. a. 

Werke: A cappella-Chore fur die russ. Kirche; 
eine lakt. Oper, Lieder, Buette; Sonate Grecque f. KL 
u. Klar., komp. 1880, gedr. 1913 (Tischer & Jagen- 
berg); „Schonheitszauber" — Serenate f. Kl. im As- 
klepiadeischen Metrum (1913, id.); 24 Praludien f. 
Ges. u. Kl. (1912, Kahnt); Horaz. Ode f. MS. u. Ear. 
mit KL (1915); Griech. Ghortanz und Hymne, an die 
Muse Ealliope f. Alt-Solo u. FrCh. (1915); die 4akt. 
russ. Volksoper Die Morgenrbte der Freiheit (1881), 
Klavierstiicke, vokale Kammermusik u. a. 

Adamowski, Joseph, poln. Violoncellist, 
geb. 4. Juli 1862 in Warschau, Schiiler des 
dortigen, dann des Moskauer Kons.; seit 1883 
auf Konzertreisen, 1885 — 87 Lehrer am 
Krakauer Kons., seit 1889 in Amerika, bis 
1907 Cellist im Boston Symph. Orch., seit 
1903 Lehrer am New England Cons., Mitglied 
des A.-Quartetts u. A. -Trios. 1896 heiratete 
er die Pianistin Antoinette Szumowska. 



Adamowski— Afferni. 



AdamowskE, Timotheus, polnischer Vio- 
linist, Bruder des vor., geb. 24. Marz 1858 
in Warschau, Schuler des dort. Kons. u. von 
Massart in Paris, seit 1879 in Amerika, 1884 
bis 1908 Mitglied des Boston Symph. Orch., 
dann Lehrer der Meisterklassen am New 
England Cons., 1890 — 94 auch Dirigent popu- 
larer Sommerkonzerte. 1888 griindete er 
das A.-Quartett (E. Fiedler, D. Kuntz, Gius. 
Campanari; seit 1890 A. Moldauer, Max Zach, 
Joseph A.); 1896 mit seinem Bruder u. dessen 
Frau das A. -Trio. 

Kleine Stiicke fiir V. u. Kl. u. Lieder. 

Adams, John, engl. Tenor, geb. zu Paisley? 
Schuler von Victor Beigel in London, stu- 
dierte dann noch in Munchen. Seit 1912 be- 
liebter u. ernststre bender Oratoriensanger 
(Bach-Choir) in London. 

Adams, Suzanne, amerik. Buhnensopran 
irischer Herkunft, geb. 1873 zu Cambridge, 
Mass., Schulerin von Jacques Bouhy in Paris, 
wo sie 1894 — 97 an der Gr. Oper sang; war 
eine Saison lang dann in Nizza, von 1898 — 1906 
jahrlicher Gast an Covent Garden, erschien 
1898 z. e. M. in Chicago, 1899 am Metr. Opera 
House. 1898 mit dem engl. Cellisten Leo Stern 
verheiratet, zog sie sich 1904 nach dessen 
Tod ein Jahr von der Buhne zuriick; seit 
1903 lebt sie in England, wo sie auch eine be- 
liebte Oratoriensangerin geworden ist. Haupt- 
rollen: Juhette, Margarethe, Euridice, Gilda, 
Micaela, Zerlina, Cherubino, Donna Elvira. 

Adamus, Henryk, poln. Violoncellist u. 
Komp., geb. 19. Feb. 1880, Schuler des War- 
schauer Kons., dann von Krehl u. Klengel in 
Leipzig. Erst Solist im Warschauer Philh. u. 
Opern-Orchester, wurde er Direktor der M.gesell- 
schaft zu Kalisch, endlich Leiter des Opern- 
chors zu Warschau. Seine Werke zeigen me- 
lodische Kraft u. moderne Erfindung. 

2 Opern, beide in Warschau aufgef.: Sumienie 
(Das Gewissen, 1918); Bey w Bahinie (kom. Oper, die 
zum Helden den ersten poln. Dichter hat, 1922); 2 sinf. 
Dichtungen ; Eeierliche Ouverture; einige kiirzere 
Instrumentalstiicke. 

Adler, Agnes Charlotte Dagmar (geb. 
Hansen), dan. Pianistin, geb. 19. Febr. 1865 
zu Kopenhagen als Tochter des Cellisten 
Carl Hansen, Schwester von Robert E. Hansen, 
Schulerin von Edmund Neupert u. des Kopen- 
hagener Kons. , debutierte 17 jahrig unter 
Niels W. Gade in einem Konzert der M.ge- 
sellschaft u. ist eine der geschatztesten skandi- 
navischen Klavierspielerinnen; seit 1900 
Lehrerin am Kopenh. Kons. 

Adler, G ui d o, osterr. M.f orscher, geb. 
1. Nov. 1855 zu Eibenschutz in Mahren, 
Schuler der Wiener Univ. u. des Wiener Kons. 
(Bruckner, Dessoff), 1878 Dr. jur., 1880 Dr. 
phil., 1885 a. o. Prof, der Mwiss. zu Prag, 
1898 o. Prof, in Wien als Nachf. Hanslick's, 
Begriinder u. Leiter des Mhist. Instituts, 
der DT5., Haupt u. Fuhrer der osterr. Schule 



der M.wiss. u. bedeutender Organisator. 1884 
begrundete er mit Chrysander u. Spitta die 
Vierteljahrsschrift f. M.wiss., deren richtung- 
gebenden Eroffnungsaufsatz er schrieb (Um~ 
fang und Ziele der M.wiss.); verfafite den 
Fachkatalog der Internat. Ausstellung fiir 
Musik u. Theater in Wien 1892, u. gab 1892/93 
die musikal. Werke der Kaiser Ferdinand in., 
Leopold I. u. Josef I. heraus, eine Publikation, 
die als Vorlaufer der Denkmaler d. Tonkunst in 
Osterreich gelten kann. 

Werke; in Buchform: Richard Wagner (Br. & H., 
1904; 2. Anfl. DMV. Munchen 1922; franz. von L. 
Laloy); Der Stil in der Musik I (Br. & H. 1912); Gustav 
Mahler (Wien 1916); Methode der M.gesch. (Br. & H., 
1919); Eandbuch der M.gesch. (Frankfurter Verlags- 
Anstalt 1924; im Verein mit Fachgenossen); auBerdem 
eine grofie Beihe von wertvollen Beitragen in Zeit- 
schriften, in den Einleitungen der DTO. (s. d.) u. den 
von ihm hrsg. „Sivdien zur Mwiss/* 

Aeolian Choir, The, in Brooklyn, N, Y., 
ein ausgewahlter Chor von 45 Stimmen, 
1912 von N. Lindsay Norden zur Pflege 
u. Ausbreitung der russ. A-cappella-Kirchen- 
Musik ins Leben gerufen. Die engl. Bear- 
beitungen von iiber 90 Gesangen (in bis zu 
8- u. 10 st. Form) haben in Amerika viel zum 
Interesse an russ. Musik beigetragen. Vgl. 
The Mus. Quart. April 1918. 

Aerophor, Vorrichtung, die einen Blaser 
instand setzt, eine Note ad infinitum auszu- 
halten, erfunden von Bernhard S amuels, 
Flotist im Meckl.-Schweriner Hoforchester. 
Ein mit dem FuB regierter kleiner Blasbalg 
fiihrt durch einen Schlauch dem Munde neben 
dem Mundstiick des Instruments den notigen 
Vorrat von Luft zu, der dem Blaser das Atem- 
holen erspart. Der Apparat ist (D. R. P. 
1912) patentiert. Rich. StrauJ3 hat ihn als 
erster angewandt (Festl. Praeludium, zur Er- 
offnung des Wiener Konzerthauses 19. Okt. 
1913; Alpen-Symphonie). 

Afanassiew, Nikolai Jakowlewitsch, russ. 
Violinist u. Komp., geb. 1821 zu Tobolsk, 
gest. 3. Juni 1898 zu Petersburg, lange Jahre 
als Geiger u. Lehrer tatig, gab eine Sammlung 
groBruss. Volkslieder heraus. 

Streichquartette („Die Wolga" 1860 preisgekront 
u. 1866 bei Simrock erschienen; „hebraisches" Quartett), 
Quintette, Doppelquartett D-dur (Bahter); Klavier- 
u. Violinstiicke, Stuck f. Va. d'amour; Lieder; preis- 
gekronte Kantate Das Gastmahl Peters d. Gr, (Text von 
Puschkin); Opern, Oratorien, Sinfonien. 

Afferni, Ugo, ital. Pianist u. Dirigent, 
geb. 1. Jan. 1871 zu Florenz, in Florenz, 
Frankfurt a. M. u. Leipzig gebildet, in Anna- 
berg tatig, dann als Dir. am „Verein der 
Mfreunde" in Lubeck, wo er mit seiner 
Frau, der engl. Geigerin Mary Brammer (geb. 
2, Mai 1872) Kammermusikkonzerte ver- 
anstaltete, 1901 in Bad Harzburg, 1905 Nachf. 
Lustner's als Dir. der Kurkapelle in Wies- 
baden, kehrte 1914 nach Italien zunick 
und lebt jetzt in Florenz. 

Oper Potemkin an der Donau (Annaberg 1897 ; Ouver- 
tiire bei Oertel erschienen); Klavierstucke, Lieder. 



Agnew — Alaleona. 



Agnew, Roy E., austral. Komp., geb. 1894 
zu Sydney. 

Werke: Poem f. Ges. u. Orch.; 7 Sonaten f. Kl.; 
18 preludes f. Kl.; Poema tragico; Dance of the Wild 
Men f. Kl. 

AgOStini, Mezio, ital. Komp. u. Pianist, 
geb. 12. Aug. 1875 zu Fano, Schuler des Liceo 
Rossini zu Pesaro bis 1895, 1900 von Ma- 
scagni als Lehrer an diese Anstalt berufen, 
seit 1909 Dir. des Liceo Ben. Marcello in Ve- 
nedig; auch als Pianist u. Dir. tatig. 

Werke: Klaviertrio F-dur op. 17, 1904 preisge- 
kront (Triest, Schmidl); Klaviertrio D-dur op. 19; 
zwei Streichquartette, das 2. H-moll op. 87 (Venedig, 
Gasparini); Sonate f. V. u. Kl. op. 46 (Pizzi); Klavier- 
Btiicke; Klavierkonzert; Sinfonie; 4 Orchester-Suiten; 
gem. Chore op. 45. Opern: II Cavaliere del sogno lakt. 
(Fano 1897); Alcibiade 3akt. (1902); America (1904); 
Ombra 3akt. (1907). 

Aguirre, Julian, argent. Pianist u. Komp., 
geb. 1869 zu Buenos Aires, gest. das. im Okt. 
1924, studierte am Madrider Kons. unter 
Karl Beck (Kl.) u. Emilio Arrieto (Harm.), 
wurde nach seiner Ruckkehr nach Argen- 
tinien Sekretar u. Lehrer am Kons. von Buenos 
Aires; Griindungsmitglied der M.-Sektion 
des Ateneo u. des nationalen Committees der 
schonen Kunste. Er ist der argentinische Grieg 
genannt worden u. allerdings wie Grieg, nur 
auf tieferer technischer Stufe, ein Meister der 
kleinen Form. Seine erst en Kl.-Stucke 
(Barcarola, Idilio, Rapsodia espanola) zeigen 
span. Einfluss; seine spateren Werke zwei 
Stile: Aires criollos, Aires populaires, Tristes 
argentinos u. Aires nacionales sind rein 
argentinisch, wahrend Loin, Romanza, 5 Ma- 
zurkas u. Las Jntimas dem Einflufi der franz. 
Schule nachgeben. Er veroff. ferner: Sonate 
f. V. u. Kl.; Ballade u. Nocturne f. V.; Sonate 
f. Vc. u. Kl. 

Ahner, Bruno, deutscher Violinist, geb. 
7. Aug. 1866 in Dresden, Schuler erst von 
MD. Konig, dann von Rappoldi am Dresdener 
Kons., 1884 Konzertmeister in Frankfurt a. M., 
1885 in Karlsruhe unter Mottl, 1893 in Schwerin 
unter Zumpe, 1901 in Wien, seit 1. Aug. 1902 
an der Munchener Oper, auch als eleganter 
Solist u. zeitweilig Fiihrer einer Quartett- 
vereinigung tatig. 

Ahnger, Alexander, firm. Opern- u. Kon- 
zertsanger, geb. 15. Mai 1859 zu Kuopio, 
gebildet in Helsingfors, Dresden u. Paris, seit 
1906 Lehrer am M.institut zu Helsingfors. 
Aitken, George, engl. Pianist u. Komp., 
geb. zu London, studierte an der RAM., seit 
1904 Lehrer an der Guildhall School of M., 
seit 1895 Organist u. Chormeister an der 
Gemeindekirche in Hampstead. 

Klavierstiicke, Lieder, Kirchenmusik, Schrieb: 
Tobias Matthay and his Teachings (Field Press). 

Akimenko, F e o d o r Stepano witsch, russ . 
Komp., geb. 20. Feb. 1876 zu Charkow, 1886 
bis 95 Schuler von Balakirew in der Peters- 
burger Hofsanger-Kapelle, dann bis 1900 von 
Rimski-Korssakow am Petersburger Kons. 



War Dir. der M, schule in Tiflis, dann Leiter 
einer M'schule in Nizza, lebte dann in Paris 
u. war Lehrer f. Theorie am Inst, der kais. 
M.ges. in Charkow, endlich Prof, am Petersb. 
Kons., wo er noch heute wirkt. 

Klavier-, V.-, Vc.-Stiicke; Lieder; fur Orch.: 
Lyrisches Poem op. 20 (Belajew); Kuaa. Fantasie; 
Konzertouvertiire; Suite G-moll op. 28 (Jurgenson); 
Kammermusik : Sonaten f. V. u. Kl. op. 32 D-moll 
u. op. 38 bis G-dur (beide bei Jurgenson); i. Vc. u. 
Kl. op. 37 D-dur (Jurgenson); Streichtrio op. 7 C-moll 
(Belajew); Streichquartett. Unter seinen Kl.-Stucken 
sind die Urania-Suite u. die Folgen: Recits d'une Amc 
reveuse u. Pages de Poesie fantasque besonders charak- 
teristisch fiir seine Neigung zur poetischen Traumerei 
und seinen teils regelhaften, teils freien und subtilen, 
in Einzelheiten den EinfluB Skrjabin's verratenden 
Stil. Er schrieb ferner eine Oper Die Schneekonigin 
(Text v. Calvocoressi) und ein Ballett, beides fantasti- 
schen Charakters u. unveroffentlicht. 

Alabarderos (Banda del Real Guerpo de). 
Militarkapelle des span. Leibregiments, die 
nur im kgl. Palast zu Madrid Dienst tut. 
Wahrend der Regierung von Isabella II. be- 
stand sie aus 24 Spielern, wurde 1875 mit der 
Thronbesteigung Alphons XII. reorganisiert 
u. auf 40 vermehrt. Fast alle Solisten der 
klass . Konzertorchester u . die Lehrer der 
Blasinstrumente am Madrider Kons. ge- 
horen zu dieser Korpersehaft; sie ist eine der 
bemerkenswertesten Kapellen ihrer Art in 
Europa. 

Alaleona, Domenico, ital. M.forscher u, 
Komp., geb. 16. Nov. 1881 zu Montegiorgio 
(Ascoli Piceno), Schuler des Liceo di S. Cecilia 
in Rom (Komp.: De Sanctis, Kl.: Bustini 
u. Sgambati; Org.: Renzi); dirigierte bei der 
Schlufiprufung 1906 sein Chorwerk mit Soli 
u . Orch . Attollite portas ; leitete seit 1908 
die Chorvereine Guido Monaco in Livorno, 
u. seit 1910 Augusteo in Rom, war 1907—11 
Lehrer fur Chorgesang an der von Mascagni 
geleiteten Musikschule in Rom, dann fur 
M.gesch. u. -asthetik an Sta. Cecilia. A. ist 
auch Kritiker des Mondo in Rom. Er 
gehort zu den Griindern der Societa ital. di 
musica moderna; sein kunstlerisches Glau- 
bensbekenntnis, das er als Forscher, Asthe- 
tiker u. Komponist vertritt, ist: Modernitat, 
die ihre Wurzeln in die ganze italienische 
Musikvergangenheit senkt. 

Mirra, Oper in 2 Akten und einem Inter- 
medium, nach Vittorio Alfieri, Horn, Cos tan zi 1920; 
Albe, 6 Gesange; Melodie Pascoliane (18 Ges., in 
mehrere Folgen gegliedert: Creature, Marine, Canti 
di neve e di primavera, Brividi, Meteore); Canti di 
Maggio, 6 Ges,; La Citta Fiorita, 5 impromptus (Stig- 
mata) f. Kl., 2 Canzoni italiane f. Str., Harfe, Cel. u. 
Pauken; 4 Canzoni italiane f. Str., Harfe u. Blaser; 
4 Laudi italiane f. Str., 3 Floten u. Blechbl.; 6 Canzoni 
italiane f . Streichquartett; Canto dell' amore, II tramonto 
i. 4 st. MCh.; 2 ^Canti" f. Orch.; „Fiori' ( (4 „Farben- 
studien") f . Orch ,; Requiem pro defuncto rege I. 
4 St. usw. (meist bei Bicordi). Schriften: Studi 
su la storia dell' oratorio musicale in Italia (Turin 
1908, Bocca); Le Laudi spirituali ital. nei secoli 
XVI et XVII, e il loro rapporto coi canti pro- 
fani (BMI. 1909); / nuovi orizzonti delta tecnica 
musicale (id. 1911); L'Armonia modernissima : le tona- 
litd neutre e Varte di stupore (id. 1911); Linguaggio 



Albanesi — Albeniz. 



materno e umanita musicale („Harmonia" t Rom 1914); 
II libro d'oro del musicista, 3. Aufl., Bom 1923, ediz. 
musical! Palestrina; Educazione musicale del popolo 
e sua organizzazione nella seuola e nella vita cittadina 
(Turiner KongreB 1921, verMf. im KongreBbericht). 

Albanesi, Carlo, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 22. Okt, 1856 zu Neapel, Klavierschuler 
seines Vaters Luigi A., in der Komp. Schiiler 
von Sabino Falconi; triih in der Offentlich- 
keit, 1878 in Paris, seit 1882 dauernd in London, 
wo er 1893 Lehrer an der RAM. wurde. Ritter 
der ital. Krone. 

Orchesterstucke; Streichquartett, Kl.-Trio; 6 Kl.- 
Sonaten, 12 Preludi, insgesamt ca. 50 opera verschie- 
denster Art. 

Albani, Emma (Marie Cecile Emma La- 
jeunesse), dram. Sopran, geb. 1. Nov. 1852 
zu Chambly bei Montreal, Canada, sang zuerst 
offentlich in der kath. St. Josephs-Kirche 
zu Albany (New York), bildete sich weiter 
unter Duprez in Paris u. Lamperti in Mai- 
land, debiitierte 1870 zu Messina als Amina 
(Sonnambula), sang dann einige Zeit an der 
Pergola zu Florenz, 1872 z. e. M. in Covent 
Garden, dessen Hauptstern sie blieb; 1878 
verheiratete sie sich mit Ernest Gye, dem 
Pachter von Covent Garden. Neben aus- | 
gedehnten Gastspielen war sie auch Solistin 
vieler engl. Musikfeste. 1906 zog sie sich 
von der Biihne, 1911 aus dem Konzertleben 
zuriick u. widmete sich der Lehrtatigkeit, 
Hauptrollen: Margarethe, Mignon, Opheha, 
Elsa, Senta, Elisabeth, Lucia, Desdemona, 
auch Isolde. Vgl. ihre Autobiographie Forty 
Years of Song (London 1911, Mills & Boon) u. 
H. S. Edwards, The Prima Donna (1888). 

Albeniz, Isaac, span. Pianist u. Komp., 
geb. 29. Mai 1860 zu Camprodon (Gerona), 
gest. 16. Juni 1909 zu Cambo-les-Bains. — 
Der ziemlich ungewohnliche Name A. er- 
scheint, mit besonderer Bedeutsamkeit, mehr 
als einmal in der Geschichte der span. Musik. 
1802 erregte Don Mateo Antonio Perez de A. 
Aufmerksamkeit mit seiner Abhandlung In- 
struction metodica para ensenar a cantor y tarter 
la musica moderna y antigua, wie dadurch, dafi 
er als einer der ersten die italienische Musik- 
Invasion bekampfte. Zu diesem Zweck schrieb 
er (mit Carnicer, Saldoni u. Piermarini) eine 
lyrische Oper (Los enredos de un cnrioso) 
auf span. Text, die in dem zwei Jahre vorher 
(1830) gegrundeten Cons. Real de Musica 
aufgefuhrt wurde. — Da ist ferner Don Pedro 
A. (geb. 14. April 1795 zu Logrono, gest. 
12. April 1855 zu Madrid); beruhmt durch 
seinen MUodo completo de piano del Cons, 
de Musica, Madrid, durch seine Klavier- 
werke und besonders durch seine Eigen- 
schaft als Begrunder der modernen Schule 
des Klavierspiels in Spanien — eine Errungen- 
schaft seines Aufenthalts in Paris, wohin inn 
sein Vater (M.meister u. Organist zu Lo- 
grono, spater zu San Sebastian) zur Aus- 
bildung geschickt hatte. Er wurde dort ein 



bevorzugter Schuler u. Freund von Henri 
Herz, Kalkbrenner, Thalberg u. Fetis. 

Keiner dieser Reformatoren der span. 
Musik stent in Beziehungen zu Isaac A., 
der ebenfalls, in weiterem Sinn, ein Neuerer 
war. In ihm verkorpert sich die „neue span. 
Schule", u. sein Name als Klavierkomponist 
hat sich jetzt uberallhin verbreitet. 

Isaac A. lernte das Klavierspiel als Kind 
mit seiner zweiten Schwester, u. erschien 
z. e. M. als Vierjahriger, im Teatro Romea 
zu Madrid, in der Offentlichkeit. Sechsjahrig 
kam er nach Paris, u. nach neunmonatlicher 
Unterweisung durch Marmontel suchte er 
um Aufnahme ins Conservatoire nach. Die 
Prufungskommission, erstaunt uber seine Ge- 
schickhchkeit, war im Begriff, zu seinen 
Gunsten zu entscheiden, da" zog das ,,Wunder- 
kind" einen Ball aus seiner Tasche u. warf 
ihn in einen Spiegel, der in Scherben ging. 
Begreiflicherweise erklarte man ihn ,,zu un- 
reif" fiir eine solche Anstalt. In dieser Episode 
kann man ein prophetisches Symbol fur die 
charakteristische Unstatheit seines spateren 
Lebens sehen: seine verschiedenen Seiten- 
sprunge (vom 11. bis 15. Jahr) als Konzert- 
spieler in nord- u. siidamerikanischen Pro- 
vinzen, mit der Polizei auf den Fersen; sein 
kurzer Besuch des Leipziger Kons. auf Grund 
seiner kalifornischen Ersparnisse; sein neues 
Entspringen nach Nordamerika aus dem 
Brusseler Kons., wo er mit Unterstutzung 
von Alfons XII. studierte; Riickkehr nach 
Brussel u. weiteres AusreiBen, um Liszt nach 
Weimar u. Rom zu folgen; eine ungluckliche 
Geldspekulation u. Flucht nach Frankreich; 
MiCerfolg als Operndirektor ■ — u. hundert 
andere Abenteuer, die sein Leben vor den 
Hintergrund einer malerischen Romantik 
stellen, aber nicht ohne schadigenden Ein- 
flufi auf seinen Werdegang bheben. Drei 
Personlichkeiten ubten auf ihn an drei Haupt- 
Etappen seines Lebens entscheidenden Ein- 
fluB, der Conde de Morphy, span. M.forscher, 
sein getreulicher Berater u. Beschiitzer in 
seiner Junglingszeit ; die bewundernswerte 
Frau, die er heiratete, u. Francis Money- 
Coutts (Lord Latymer) der Dichter, sein 
Gonner und Mitarbeiter. Auch Gevaert 
nahm ein vaterliches Interesse an seiner 
Erziehung. 

Als Pianist war A, besonders geruhmt 
fur seine Wiedergabe der Clavecinisten, 
Bach's, Chopin's u. Schubert's. Er hatte den 
Unterricht manches span. Lehrers genossen, 
von Marmontel in Paris, Bras sin in Brussel, 
Jadassohn u. Reinecke in Leipzig, aber von 
keinem lange. Auch von Rubinstein u. Liszt 
empfing er Winke. Endlich gab er das Klavier- 
spiel auf, um sich ganzlich der Komp. zu 
widmen. Seine Schaffensausbeute ist er- 
staunhch reich. Sie ghedert sich in zwei ge- 



6 



Albeniz-d' Albert. 



sonderte Gruppen: die Werke von 1883 bis l 
ungefahr 1890, u. diejenigen von da ab bis | 
zu seinem Tod. Die erste Periode umfafit j 
uber 200 Kl. -Werke, Konzerte u. Sonaten 
inbegriffen, aber meist Stucke von leichterem 
Charakter, die einen gewahlten Geist u. un- 
fehlbaren Geschmack verraten. Sie sind der 
unwillkiirliche Ausdruck einer uberstromenden 
naturhchen Begabung, denn damals besaB A. 
weder eine bewuBte Kenntnis des Satzes, 
noch sogar die voile Herrschaft iiber die mus. 
Grammatik. Erst 1890 nahm er unter V. 
d'Indy u. Paul Dukas in Paris ernsthaft das 
Studium der Komp. auf, u. schrieb in der fol- 
gendenZeit seine Opern Pepita Jimenez, Henry 
Clifford, Merlin, die Orch.- Suite Catalonia 
u, die groBen Klavierwerke, die ihn in die 
erste Reihe der modernen Musiker gestellt 
haben. 

Es scheint ein Schicksal der span. Schule 
zu sein, daB mehrere ihrer hoffnungsvollsten 
Komponisten (wie Usandizaga u. Granados) 
vor der vollen Erfullung ihrer Sendung sterben. 
Das ist der Fall auch bei A. Seibst in seinen 
urbildlichsten Werken, wie La Ve£a 7 
Albaicin oder der groBen Kl.- Suite Iberia 
findet man ihn, gerade vor dem Ziel einer 
reifen Entwicklung, unverkennbar durch un- 
selige Zufalligkeiten gehemmt. Die Partituren 
seiner Opern zeigen ihn unfahig, in der Komp. 
fur Orch. vom Klavierstil wegzukommen — 
das ist bemerkbar seibst an dem reichen 
Partiturbild des ersten Teils seiner unvollen- 
deten Suite Catalonia. Man kann Ein- 
tonigkeit der Form u. Technik in seinem 
Schaffen feststellen, das hierin nicht iiber- 
zeugend ist, das aber die Kritik durch die 
Meisterschaft der Farbe u. die Intensitat ihrer 
Gefuhlswahrheit entwaffnet u. den gelegent- 
lichen Mangel an aufbauender Phantasie 
verdeckt. Man hat seinen Stil mehr als ein- 
mal als franzosisch geriigt — eine widersinnige 
Behauptung : denn seinem wahren Wesen 
nach ist dieser Stil der gerade Gegensatz 
des Ausscheidungsvorgangs, der fur den 
franz. Geist charakteristisch ist. AuBer 
harmonischen, auf den tibermaBigen Drei- 
klang aufgebauten Mitteln sind einige der 
A. u. der modernen franz. Schule gemein- 
same technische Kunstgriffe Ableitungen 
aus der span. Volksmusik (bes. deuthch bei 
Debussy u. Ravel). Wenn schon verg lichen 
werden soil, so kame man der Wahrheit naher, 
wenn man A. den span. Liszt hieBe, u. das 
einzig im Hinblick auf eine aufierliche Ahn- 
lichkeit: den slavisierenden Prunk des einen 
u . den sudlichen tJberschwang des andern. 
Innerhch sind beide vollig verschieden, ab- 
gesehen von Liszt's tjberlegenheit als musikal. 
Meister im allgemeinen. A's. GroBe beruht 
auf einer personlichen Genialitat, die aus- 
reichte, seibst durch eine ungeniigende Schulung 



hindurchzuleuchten. . Er hat Chopin's und 
Liszt's Werk als Erschopfer des Klavierklangs 
u. der farbigen MogUchkeiten des Klaviers 
fortgesetzt, gemaB den nachwagnerschen 
Errungenschaften. Er enthullte der Welt 
die kiinstlerische Bedeutung der span. Musik 
u. erweckte Spanien zur Wirklichkeit mo- 
dernen Fiihlens. 

Ein Wort iiber die unnotige Schwierigkeit 
seines Klavierspiels . Er war der jugend- 
liche Held, bestimmt, in Spanien die letzte 
Schlacht gegen die traditionelle Tyrannei 
der C-dur-Tonart u . ihrer , ,Nachbarton- 
arten" zu schlagen. Um sie in die Flucht zu 
treiben, ist er wohl manchmal so weit ge- 
gangen, C-dur als His-dur zu verkleiden. 

Werke: f. Kl.: Chants d'Espagne (5 Stucke); Espana 
(6 Albumblatter); Suite espanola (8 Stucke); Piezas 
characteristicas {12 Stucke); Seis Banzas Espa- 
nolas; Suite Ancienne; Deuxieme Suite Ancienne; 
Yvonne en visite; Iberia-Suite (12 nouvelles im- 
pressions, in 4 Heften); La Vega; Albaicin. 
Hinterlassene Werke, beendigt von LYodat de 
Severac u. Enrique Granados: Azulejos; Navarra. 
Orch.: Catalonia, suite populaire (1. Teil, Durand). — 
Spielopern: The Magic Opal (London, Lyric Th., Ma- 
drid); San Antonio de la Florida (Brussel, Madr.). — 
Opern: Henry Clifford (Barcelona 1895); Pepita Ji- 
menez (ib. 1897; Paris Op. com. 1923); Merlin; Lance- 
lotte (unveroff.). Zur Zeit seines Todes schrieb A. an 
dem 3. Teil der Trilogie King Arthur, deren erste 
beiden Stucke Merlin u. Lancelotte darstellen. — Ge- 
sange: To Nellie (6 Lieder); Quatre melodies; Two 
songs; II en est de V Amour. A'erleger: Heugel; Durand; 
P. Girod; Rouart-Lerolle; ]2d. Mutuclle, Paris; Stanley 
Lucas & Hatzfeld, London; J. B. Pujol y Co., Barce- 
lona; Uni6n Mus. Espanola, Madr. 

d* Albert. Eugen (Eugene Francis Charles), 
Komp. u. Pianist, geb. 10. April 1864 zu 
Glasgow als Sohn des Tanzkomp. Charles 
d'A. (geb. 25. Feb. 1809 zu Nienstetten bei 
Altona, doch franz. Abkunft, gest. 26. Mai 
1886 in London), Schuler von Ernst Pauer, 
Stainer, Prout u. Sullivan in London, von 
Hans Richter in Wien u. endlich von Liszt in 
Weimar. Als Pianist gehorte d'A. seit seinen 
Anfangen zu den ersten GroBen durch die 
Virtuositat und aufbauende Kraft, die mann- 
hche Poesie seines Spiels; begeistert begriiBt 
durch Hans von Biilow, der freilich auch 
schon fruh (Brief e VII, 354) die Gefahr er- 
kannte, der der spatere Pianist d'A., z. T. 
aus Mangel an technischer Sorgfalt, nicht 
selten erlegen ist, der ,,Konzertkulissen- 
reiBerei". Denn mit den Jahren ist der Pia- 
nist d'A. immer mehr von dem Komponisten 
d'A. zuruckgedrangt worden. Auch als 
Komp. hat sich d'A. von universaleren 
Anfangen weg u. immer ausschheBhcher 
der Opernkomposition zugewandt. Auch 
hier geht sein Weg von dem harmlos-gefalligen 
Spieloperchen Die Abreise iiber sein erfolg- 
reichstes Werk Tiefland, das etwa auf der 
Linie des Verismo liegt u. durch schlagende 
melodische Erfindung wirkt, zu einer manch- 
mal skrupellosen Textwahl u. ebenso skrupel- 
losen Opernmache; aus dieser spateren Periode 



Albert — Alessandrescu. 



waren Die toten Augen am erfolgreichsten. 
d'A. war kurze Zeit (1895) Hofkm. in Weimar; 
soweit er ein kiinstlerisches Zentrum hat, ist es 
Berlin, soweit einen Wohnsitz, die Schweiz 
(Meina, Luzern, Zurich). 1892—95 war er 
u. a. verheiratet mit Teresa Carreno (s. d.), 
1895—1911 mit der Sangerin Hermine Finck 
(s. 4). 

Werke: f. Kl.: Suite op. 1; Stucke op. 5; Sonate 
Fis moll op. 10; Stucke op. 16 u. 32; Kadenzen zu 
Beethoven's G-dur-Konzert; 2 Kl.-Konzert eH-moll 
op. 2 u . E-dur op. 12 (beide Bote & Bock). — Vc.-Konzert 
C-dur op. 20, auch fur Bratsche erschienen (H. Forberg); 
2 Ouverttiren, op.8zu Grillparzer's Esther {Bote & Bock); 
Sinfonie E-dur op. 4 (Bote & Bock); Orch.-Suite Aschen- 
puttel op. 33; Streichquartette A-moll op. 7 u. Es-dur 
op. 11 (beide bei Bote & Bock); viele Lieder; das 6st. 
Chorwerk Der Mensch und das Leben op 14. — Opern: 
Der Rubin (Karlsruhe 1893, Br. & H.); Ghismonda 
(Dresden 1895, Br. & H.); Gemot (Mannh. 1897, Br. 
& H.); Die Abreise (Frankfurt 1898, Brockhaus); 
Kain (Berlin 1900, Bote & Bock); Der Improvisator 
(Berlin 1900, Bote & Bock); Tiefland (Prag 1903, 
Bote & Bock) Flauto solo (Prag 1905); Tragaldabas 
(Hamburg 1907); Izeyl (Hamburg 1909); Die ver- 
schenkteFrau (Wien 1912); IAebesketten (Dresden 1912); 
Musik zu A. E-oda Roda's Die Shlavin von Rkodos 
(Munchen 1912); Die toten Augen (Dresden 1916); 
Der Stier von Olivera (Leipzig 1918); Revolutionskochzeit 
(Leipzig 1919); Scirocco (Darmstadt 1921, Drei Masken- 
Verlag); Mareike von Nymivegen (Hamburg 1923). 

Albert, Heinrich, deutscher Gitarrist, geb. 
16. Juli 1870 zu Wurzburg, Zogling der dort. 
Musikschule mit Geige als Hauptfach, 1888 
bis 95 am Theater- u. Konzertorch. zu Duis- 
burg, in Goteborg, Wurzburg, Ma j orenhof 
(RuBl.), Regensburg, Pyrmont, Bad Kissingen, 
St. Gallen, Ragaz, Interlaken, 1895—1900 
am Kaimorchester Munchen; seitdem glan- 
zender konzertierender Gitarrenspieler, Pada- 
goge u. Komponist, dem das Spiel u. das 
Lied zur ' Gitarre (Laute) vieles von seinem 
Aufschwung verdankt; 1909 Kammervirtuos. 

Kleine Lautenschule (List); Mandolinenschule (id.); 
Mandolinenorchester (Bicordi); Gitarrensoli (id.); 
Moderne Gitarrenlieder (Hofmeister); Historische 
Soldatenlieder (id.); GroBe Gitarrenschule (4 Teile, 
Gitarrefreund Munchen); Lieder, Sonaten, Suiten, 
Kammermusik f. Gitarre mit Streichern u. Blasern 
<J. H. Zimmermann). 

d' Albert, Hermine, geb. Finck, deutsche 
hochdram. Sopranistin, geb. 1. Jan. 1872 zu 
Baden-Baden, Schulerin des Hochschen Kons. 
in Frankfurt, dann noch zwei Jahre lang von 
Gustav Borchers, drei Jahre lang von Au- 
guste Goetze in Leipzig, endhch noch von 
J. Stockhausen; drei Jahre an der Weimarer 
Oper, bis sie am 18. Oktober 1895 Eugen 
d'Albert heiratete, von dem sie 1911 ge- 
schieden wurde. Seitdem lebt sie als Ge- 
sangspadagogin in. Berlin. 

Albinati, Giuseppe, ital. Musikbiblio- 
graph, geb. 2. Febr. 1856 in Mailand, seit 
seinem 11. Jahr im Musikverlag: — bei Gio- 
vanni Canti, bei Lucca, u. seit 1888, als Lucca 
in Ricordi aufging, bei Ricordi tatig, dessen 
Kataloge er besorgt. Er veroffentlichte: 

Almanacco musicale giornaliero (1896); Piccolo 
Dizionario di opere teatrali oratort, cantate etc. (1912), 
seitdem jahrlich in den Zeitschriften Arte pianistica 



u. Musica d'oggi erganzt. In Vorbereituhg : Dizionario 
universale delle opere teatrali dal 1600 /mo ai nostri 
giorni unter MHarbeit von G. Pavan, auf 5 — 6 Bde. 
berechnet. 

Albini, Eugenio, ital. Vcellist, geb. 26. Apr. 
1880 zu Saludecio bei Rimini, Schuler von 
Francesco Serato am Liceo Mus. zu Bologna, 
das er 1901 mit Auszeichnung verlieB; dann 
— nach einigen Jahren Orchesterpraxis - — von 
Hugo Becker in Frankfurt a. M. Nach aus- 
gedehnten Konzertreisen liefl er sich in Rom 
nieder, wo er mit dem Pianisten Mario Vitali 
alte u. moderne Ka mm ermusik pflegt u. im Jan. 
1920 das Nuovo Quartetto Romano grundete 
(Sandri, Zerti, Raffaelli, A,), Er ist auch 
ein ausgezeichneter Gambenspieler. 

Werke: f. Vcello u. Kl.: Tre pezzi; Serenata spa- 
gnuola (Sarti, Bologna); Mazurka di Concerto (ma.); 
auBerdem eine Reihe Bearbeitungen (Hofmeister). 

AlCOCk, Walter Galpin, engl. Organist, 
geb. 29. Dez. 1864 (1861?) zu Edenbridge, 
Kent; stud, an der National Training School 
for Music ( jetzt ROM.) bei Sullivan, 
Stainer, Barnett; Organist an Holy Trinity, 
Sloane Square, 1895 — 1902, dann der Chapels 
Royal 1902—16; Hilfsorganist an West- 
minster Abbey 1896—1916; seit 1893 Orgel- 
lehrer am ROM.; seit Jan. 1917 Org, u. 
Chormeister an der Salisbury Cath.; Organist 
bei den Kronungen von Eduard VII. 1902 
u. Georg V. 1911. Mus. Doc. Dunelm. 1905. 
Eine grofie Reihe Kirchen- u, Orgelmusik; eine 
vortreffliche Orgelschule (Novello); Artikel in den 
Mus. Times; Beitrage im Jahresbericht des R. C. O. 

Alfterighi, Dante, ital. Pianist, geb. 7. Juli 
1898 in Taranto, je zwei Jahre Schuler 
Sgambati's u. des Leipz. Kons. (Teichmuller; 
Krehl); seit 1914 noch bei Settaccioli u. Consolo 
in Rom; hat sich unter den j linger en Konzert- 
spielern Italiens einen guten Namen erworben, 
ist auch als Komp. tatig. 

Kl.konzert; Streichquartett; 2 Sonaten f. V. u. KL; 
2 Kl.-Suiten; Elf Praludien f. Kl. (Eorlivesi); Cantico 
del Sole di San Francesco f. Ges. u. Kl. (id.); Bearbei- 
tungen von Madrigalen des Monteverdi f. Kl. (id.); 
Chore; Lieder u. a. 

Aldrich, Richard, amerik. Kritiker u. 
Schriftsteller, geb. 31. Juli 1863 zu Provi- 
dence, R. I., Schuler der High School seiner 
Vaterstadt u. des Harvard Coll., wo er 
1885 graduiert wurde, studierte Musik bei 
Paine, ging 1888/89 nach Deutschland, war 
1889—91 in Washington Privatsekr. des 
Senators Dixon u. verdiente sich daneben 
die ersten musikkrit. Sporen am Evening 
Star; 1891—1902 an der Tribune in New York, 
seitdem an der New York Times. Sein kri- 
tisches Urteil ist ob seiner Geradheit u. Klar- 
heit geschatzt. 

Guide to Parsifal (1904); Guide to the Ring of the 
Nibelung (1905); tJbersetzung von Lilli Lehmann's 
Meine Gesangskunst (How to sing 1902, 1914); mit 
Krehbiel zusammen Bearbeiter der amer. Artikel in 
Grove's Dictionary. 

Alessandrescu, Alfred, rum. Dirig. u. 
Komp., geb. 14. Aug. 1893 zu Bukarest, 
bis 1912 Schuler von Alfonso Castaldi im 



Alexander— Allen. 



Klavierspiel u. in der Komp. am Bukarester 
Kons. u. von V. d'Indy an der Schola Canto- 
rum, dann von Paul Vidal am Cons, in Paris; 
1916 mit dem Enescu-Preis ausgezeichnet; 
seit 1921 erster Dirig. an der Bukarester 
Oper; zugleich Hof pianist u. Kritiker an 
V Indtpendance Roumaine. 

Dramat. Ouvertiire Dido (1911); Herbstddmmerung 
fur Strelcher; Bum. Faniasie f. Orch (1913); sinf. 
Dicht. Aktaon (aufg. Paris bei Colonne 1920); Sonate 
f. V. u. Kl.; Streichquartett; Lieder (6 verdff. Paris, 
Eouart-Lerolle 1922). 

Alexander, Arthur, austral. Pianist, geb. 
25. Marz 1891 zu Dunedin, Neu-Seeland, 
Schuler der RAM. London unter Tobias 
Matthay (Kl.) u. F. Corder (Komp.), erhielt 
die Macfarren- u. Chappell-MedaiUen fur 
Kl.- Spiel; konzertierte 1912 in Wien u. Berlin 
(mit der austral. Geigerin Leila Doubleday); 
u. ist in London als fortschrittlicher Kammer- 
musik- Spieler tatig, hob u. a. die 2. Sonate 
von Bax die 5. von Skrjabin, Werke von 
Medtner u. a. aus der Taufe. Seit 1912 Lehrer 
an Prof. Matthay's Kl.-schule, seit 1920 
am RCM. 

Gesange mit Orch.; Streichquartett u. a. 

Alexandrow, Anatol Nikolajewitsch, 
russ. Komp. u. Pianist , geb. 24. Max 
1888 zu Moskau, Sohn eines Univ. -Prof, in 
Tomsk, Schuler von Jiliajew, S. I. Tanejew 
u. Wassilenko (Theorie) u. Igumnow (Kl.) 
am Moskauer Kons. , das er 1915 verlieB. 
Seine Musik verrat den Einflufi von Medtner 
u. Skrjabin; seine Erfindungskraft, sein tech- 
nisches Wissen u. die Tiefe seiner Gedanken 
stellen ihn mit Mjaskowski u. Feinberg in 
die erste Reihe der zeitgen . russ . Kompo- 
nisten. 1923 wurde er Lehrer am Moskauer 
Kons. 

Streichquartett G-dur op. 7 (ms.); 5 Klaviersonaten 
op.4,12,18,19 (gedr., Russ. Staatsverlag), 22 (Un.Ed.); 
Preludes f. Kl. op. 1, 10 (Gutheil); andre Stiicke f. 
Kl. op. 6, 21; Lieder op. 2, 5, 8, 11 (Gutheil) 13, 14, 
15, 20 (Russ. Staatsverl.); Buhnenmusik fur das Mos- 
kauer Kammertheater. 

Alexian. Diran, armen. Vcellist, Dirig. 
u. Komp., geb. zu Konstantinopel, stud, in 
Deutschland, kam 1902 nach Paris, seit 1920 
Lehrer an der Ecole normale de Musique. 

Schuhverk: V ' Enseignement de Violoncelle; Petite 
Suite Armenienne (1919, Mathot). 

Alfano, Franco, ital. Komp., geb. 8. Marz 
1878 zu Posillipo (Neapel), Schuler erst des 
Cons, di S. Pietro a Maiella zu Neapel (De 
Nardis u. Serrao) , dann des Leipz. Kons. 
Von Berlin aus (1896) machte er eine Reise 
als Klaviervirtuose nach Polen (mit eigenen 
Werken), kehrte nach Leipz. zuriick, wo er 
(nach Fogazzaro) den Zweiakter Miranda 
(1896) u. den Zweiakter An den Quellen von 
Enschir (Text v. Illica, Breslau 1898) schrieb; 
1900 wendete er sich nach Paris u. lieferte 
den Folies-Bergeres einige Ballettpanto- 
mimen (Napoli 1901, Lorenza 1901). Seinen 
ersten grofien Erfolg errang er mit der. 



etwa in der Richtung von Umb. Giordano 
sich bewegenden 4akt. Oper Resurrezione 
(nach Tolstoi's Roman von Cesare Hanau; 
Turin 1904, dann Brussel u. Berlin). Erst 
Kompositionslehrer u. Direktor am Iiceo 
mus. von Bologna, ist er seit 1923 Dir. des 
Liceo mus. G. Verdi in Turin. Er ist einer der 
geachtetsten u. technisch reifsten Musiker 
des heutigen Italiens; sein Opernideal hegt 
in der mbglichsten Unabhangigkeit der Ge- 
sangslinie von Begleitung u. Harmonic Werke 
aufier den erwahnten: 

Suite romantica f. Orch. (1909 Eicordi); Sinfonie 
E-dur (1909/10 id.); Streichquartett D-dur (1914—18, 
Pizzi Bologna); Ire poemi di Tagore f. Ges. u. Kl. 
Opern: II Principe Zilah, 4akt., Text v. Illica u. da 
Claretie (Genua 1909); L'ombra di Don Giovanni, Sakt., 
Text v. Ettore Moschino (Mail. Scala 1914) u. eein 
Hauptwerk: Sakuntala, Legende in 3 Akten auf eigenen 
Text (Bologna 1921). Vgl. G. M. Gatti, F. A. in: Musi- 
cisti moderni a" 'Italia e di fuori (Bol. Pizzi, 1920), 
in Musical Times (Lond., Marz 1921 ) u. Mus. Quarterly, 
1923; u. Gajanus, Artisti eontemporanei, E. A. (in Em- 
porium, Bergamo, Marz 1919). 

Alfonso, P. Jose, span. Organist u. Komp. 
von Kirchenwerken, geb. 1867 zu Alcaniz, 
Organist an der Kathedrale von Vailadolid 
u. in Segovia; Chormeister an der Kath. von 
Santiago de Compostela u. spater von Madrid. 

Alfven, Hugo, schwed. Komp. u. Dirigent, 
geb. 1. Mai 1872 in Stockholm, 1887—91 
Schuler des dortigen Kons., dann 1891 — 97 
von Lars Zetterqvist (V.) u. Johan Lindegren 
(Kl.); studierte hierauf noch in Deutsch- 
land, Frankreichj Belgien (Cesar Thomson, 
1900); Opernkapellm. unter Kutzschbach in 
Dresden, Kompos. -Lehrer am Stockholmer 
Kons. 1903/04; seit 1910 Universitats-.MD 
in Upsala, wo er den sehr bekannten Stu- 
denten-Chor Orphei dranger dirigiert, mit 
dem er in Deutschland, Danemark, RuBland, 
Nor wegen konzertierte . Dirigent auf den 
M.festen in Dortmund 1912, Stuttgart 1913, 
Gothenburg 1915, Kopenhagen 1918/19, Up- 
sala 1911, Dr. h. c. von Upsala 1917. 

I. Sinfonie F-moll op. 7 (ms.); II. Sinf. D-dur op. 11 
(Mainz 1901 , Schott) ; Midsommarvaka, Rhapsodie 
op. 19 (Kop. 1908, Hansen); sinf. Dicht. En Skdrgards- 
sagen op. 20 (Stockh. 1921); III. Sinf. E-dur op. 23 
(id. 1913); Upsala Rhapsodie op. 24 (id. 1907); Fest- 
spiel f. Theater op. 25 (id. 1908); Drapa, sinf. Dicht. 
op. 27; Ballettpantomime Den bergtagna op. 37; IV. 
Sinf. C-moli op. 39 (Wien 1922); Die Glocken f. Bar. 
u. Orch. op. 13; Ballade i. Bar., MCh, u. Orch. op. 30; 
Baltische Ausstellungs-Kantate op. 33 (1914); Ode auf 
Gustavus Wasa f. Soli, GCh. u. Orch. op. 40; Sten 
Sture f. Ch. u. Orch ; Mimodrama Bergakungen (Stock- 
holm 1923). Kammermusik: Son. f. V. u. KL C-moll 
op. 1; Ronianze f. V. u. Kl. op. 3; Elegie f. Horn u. 
Kl. op. 5; Kl.-Stucke; Lieder. 

Alio, Francisco, span. Musiker des kata- 
lonischen Rreises, Hrsg, einer Sammlung 
katalonischer Volksweisen: Cannons Populars 
Catalans (Union Musical Espanola, Madrid). 

Allen, Sir Hugh Percy, geb. 23. Dez. 
1869 zu Reading; begann seine mus. Lauf- 
bahn an Chichester Cathedral als Hilfsorganist 
unter Dr. F. J. Read, wurde dann Hiiis- 



Aliens Alnaes. 



music-master am Wellington College (unter 
Dr. Allan Grey), organ-scholar an Christ's 
College, Cambridge; Organist an St. Asaph 
Cathedral 1897—98; an Ely Cathedral 1898 
bis 1901; erlangte 1898 das Oxforder Mus. 
Doktorat; war 1901 — 18 Organist am New 
College in Oxford, spater Subrektor (sub- 
warden) u. Fellow des Colleges; 1901—20 
Dirigent des Londoner Bach-Chors. 1918 
wurde er zum Heather-Lehrstuhl der Musik 
in Oxford bestellt, 1918 endlich als Nach- 
folger von Sir Hubert Parry Direktor des 
Royal College of Music in London, 1920 ge- 
adelt, 

Als Prof, der Musik in Oxford hat A. auBerst 
segensreich gewirkt, indem er das Ziel u. 
die praktische Ausfuhrbarkeit der dortigen 
Musikkurse weiter steckte. Als Chorleiter 
verdankt er seine stetigen Erfolge seiner 
Vorliebe fur breiten Ausdruck u. plastischen 
Klang, ob es sich um einen kleinen Land- 
Kirchenchor handelt, um eine groBe Masse 
von Kirchensangern, um einen Studenten- 
verein, den Bach-Chor oder die riesige Royal 
Choral Society. 

Zur Leitung des RCM., dem einflufireichsten 
akademischen Posten in England, wurde er 
in einem Augenblick berufen, der fur die Ver- 
einigung all der verschiedenen u. zerstreuten 
Musikbestrebungen in GroBbritannien reif 
war. Die British Music Society hat viel zur 
Starkung der Musik in England getan; aber 
kein einzelner Mann hat mehr zu ihr beige- 
tragen als Sir Hugh. Seine anziehende 
Persdnlichkeit, machtig vorwarts strebende 
Kraft, sein weiter Blick, seine Tingewohn- 
lichen organisatorischen F&higkeiten , sein 
ganzlich unbeeinfluBter Geist — all das hat 
sich vereinigt, um ihn zum zuverlassigsten 
Stutzpunkt der Musik in England zu machen. 

Allen, Maud Perceval, engl. Sopranistin, 
geb. zu Ripley, Derbyshire, Schulerin von 
W. Shakespeare, debutierte 1905 bei der Philh. 
London u. ist eine begehrte Solistin bei engl. 
Musikfesten; sie war die erste enghsche Brunn- 
hilde an Covent Garden unter Richter. 1913/14 
machte sie als 1. Sopran mit der Quinlan 
Opera Co. eine Weltreise u. drei Tourneen 
in Amerika mit dem Chicago Orchester. 

Allende, Humberto, chilenischer Komp., 
geb. 1885, in Chile gebildet, von der chil. 
Regierung nach Europa geschickt, um Studien 
iiber den M.unterricht an Elementarschulen 
zu machen , 1912 erschienen seine ersten 
Kompositionen, iiber die sich Debussy, Pe- 
drell u. Massenet gunstig geauBert haben. 

Chore, viele Klavierstucke (Leipz., Carisch; Barce- 
lona, Astor); ein erfolgreiches Cello-Konzert (1915) 
u. eine sinf. Dichtung Escenas campestres. 

Alfin, Norman, engl. Opern- u. Konzert- 
bassist, geb. 19. Nov. 1885 zu Ashton-u- 
Lyne, Lanes; studierte unter John Acton 



(Ges.) u. Dr. Walter Carroll (Theorie) in Man- 
chester ; einer der Mitgrunder der British 
National Opera Co., Solist an den wichtigsten 
engl. M.festen. Hauptrollen: Boris Godunow, 
Gurnemanz. 

AHunan, Nikolai, lett. Komp., geb. 5. Dez. 

1859 im Gut GroB-Sessau (Kurland), gest. 
19. Sept. 1919 in Riga; Schuler des Gym- 
nasiums in Mitau, trat 1882 ins Petersburger 
Kons., wo er zuerst Kornet a Piston bei Wurm 
studierte, dann aber (bis 1892) Kompos. bei 
Johansen u. Rimski-Korssakow trieb. Er 
heB sich dann als M.lehrer in Riga nieder 
u. war als Lehrer fur das 1919 begrundete 
lett. Kons. in Aussicht genommen. 

Kantate; Chorgesange; Lieder u. Duette; Kammer- 
musik; Stiicke f. Kl. u. f. Orch. Biichlein: Das prima 
vista-Singen. 

Alma, Marian, poln. Tenorist, geb. 3. Nov. 

1860 zu Zaleszezyk in Galizien, stud, bei 
W. Wysocki in Warschau, war nach den Stati- 
onen Lemberg, Wien, Mainz, Berlin (1888 — 90), 
Dusseldorf, Breslau, Magdeburg von 1895 
bis 1914 Mitglied der Berhner . Hofoper u. 
lebt jetzt in Charlottenburg. Hauptrollen: 
Richard (Maskenball), Lyonel; Herzog (Rigo- 
letto) u. a, 

Alme, Waldemar, norweg. Pianist, geb. 
10. Jan. 1890 zu Christiania, Kl.- u. Orgel- 
schuler an Lindeman's Kons. daselbst, trat 
1909 vor das Publikum in Christiania, stu- 
dierte dann noch in Berlin Theorie bei Tobias 
u. Kl. bei Barth, war 1916/17 Lehrer am 
Klindworth-Scharwenka-Kons. u. 1919 — 21 
Lehrer in Helsingfors. Er hat in Deutschland 
u. Skandinavien konzertiert u. lebt als Organist 
in Christiania. 

Alnaes. Eyvind, norw. Komp., Organ, 
u. Dirigent, geb. 29. April 1872 zu Fredriks- 
stad, erst 1889—92 Schuler des Kons. in 
Christianiaj dann in Leipzig (Reinecke u. 
Ruthardt) u. Berlin. 1895—1907 Organ, 
in Drammen, seit 1907 in Christiania; seit 
1916 Organ, u. Chormeister an der Erloser- 
kirche, Leiter von Holter's Chorverein seit 
1920, ferner (1905—20 u. wieder seit 1922) 
des Handwerker-Gesangvereins. 

Als Komp. ist A. bekannt geworden durch 
seine C-moll-Sinfonie (Christiania Mus.-Ges. 
1898); im folgenden Jahr leitete er dort seine 
Symph. Variationen . Seine Werke zeigen 
festen Bau, reife Behandlung des Satzes u. 
wirksame Instrumentation. Als Lyriker ist A. 
weit iiber Norwegen hinaus bekannt geworden; 
seine lieder u. Balladen gehoren zu den 
besten bodenstandigen Schopfungen. Sie be- 
wahren einfache, naturliche Haltung, oft mit 
intensiver nationaler Farbung. 

Sinfonie C-moll (auch Leipzig 1900); Sinf. Varia- 
tionen op. 8 (Leipzig, Kopenh. Christiania; bei Hansen); 
Klavierkonzert B-dur (Kopenh., Christ.); Suite f. V. 
u. Kl.; MCh.; Kl.-Stucke; Lieder (darunter das he- 
kannte Sidste reis = Letzter Tag). 



10 



Alonso — Alwin. 



AlOHSO. Lopez Francisco, span. Komp., 
geb. 9. Mai 1887 zu Granada, wo er unter 
Don Celestino Vila , dem Musikmeister der Kathe- 
drale, studierte; Griinder u. Leiter des Orch. 
u. Chors der Sociedad Filarmonica Grana- 
dina; erst Militar-Km., bis er sich der Kompos. 
von Singspielen (Zarzuelas) in Madrid zu- 
wandte , wo er jetzt lebt. Seine erfolgreichen 
Buhnenwerke iiberschreiten schon die Zahl 60. 
Las corsarias wurde innerhalb drei Janren 
in Spanien u. lateinisch Amerika uber 10000 
mal aufgefiihrt. Eins der Stiicke daraus, 
der als Paso Doble de la Bandera oder La 
Banderita (Die kleine Flagge) bekannte 
Marsch kann als spanischer , , Tipperary' ; 
bezeicbnet werden, u. ist in der Volkstumlich- 
keit an die S telle der beruhmten Marcha 
de Cadiz getreten, der einstigen offiziellen 
Nationalhymne . Im Dez . 1922 erhielt A . 
von der Stadt Granada das Ehrenbiirgerrecht, 
1923 das GroBkreuz Alfons XII. 

La JBoda de la Farruca\ Be Madrid al Infierno', 
Poca Pena; Cleopatra] Mtisica, Luz y Alegria; El Secreto 
de la Cibeles; La Perfecta Casada; Las Corsarias; La 
Mora Tonta; (Verl.: Matamala ; Ildefonso Alier; Uni6n 
Mus. Espauola, Madrid). 

Alpaerts, Flor, belg. Komp. u. Dirig., 
geb. 12. Sept. 1876 zu Antwerpen, wo er am 
Kons. unter Jan Blocks u. H. Tilborghs 
studierte u. 1902 als Lehrer Mr Solfege in 
den Lebrkorper eintrat; jetzt ist er Lebrer f. 
Kp. u. Fuge. Seit 1919 ist er Leiter der Sin- 
fonie-Konzerte der Zoolog. Gesellschaft;, ist 
f erner der Urheber des „Peter Benoit-Fonds", 
der alljanrlich im August Musikfeste mit 
Werken Peter Benoit's, des Grunders der 
vlaemiscben Schule, veranstaltet. Als Gast- 
dirigent und Propagandist der vlaemischen 
Komponisten ist er in Briissel (Concerts Ysaye), 
Paris (Cone. Pasdeloup), Ostende, Prag, im 
Haag hervorgetreten. 

Oper: Shylock (Antw. 1912); fiir Orch.: die sinf. 
Dichtungen Poeme symph. i. Fl. u. Orch.; Psyche; 
PaUieter; Renouveau; Cyrus; Symphonie du Prin- 
temps; Nocturne (Avondstemming) f. Orch . ; Salome's Tanz 
t kl. Orch.; Vlaamsche Jdylle; Bosehspeling ; Aan Zee 
f. gem. Ch. ; Szenenmusiken zu Hauptmann's Ver- 
sunlcener Glocke u. zu Sophokles* Odipus auf Kolonos; 
3 Kantaten, darunter: Ret Schoones Vaderland f. 
Kinderch. u. Orch., 1912; 3 Fantasien f. El. (De Ring, 
Berchem bei Antwerpen); Kl.-Stucke (Cnudde, Gent); 
Lieder (G. Jaes Verlag; „De King"); Kinderlieder 
(4 Sammlungen, Briissel, A. Ysaye); Solfeggien (5 Hefte, 
Antwerpen, G. Janssens). 

Altmann, R ichard, deutscher Organist, 
geb. 18. Juni 1888 zu Dramburg in Pommern, 
1903 erblindet, Zogling der Blindenansfcalt 
zu Berlin- Steglitz u. 1907 Schuler des Klind- 
worth- Scharwenka-Kons. (Mayer-Mahr, Phil. 
Scharwenka, Franz Grunicke, Adolf Stark); 
1919 Lehrer f. Theorie an dieser Anstalt, 
aufierdem Organist an Berliner Synagogen, 
seit 1923 derjenigen an der Fasanenstrafle. 

Polonaise f. Kl.; Lieder; Orgelstucke. 

Altmann, Wilhelm, deutscher Musik- 
forscher u. Bibliograph, geb. 4. April 1862 



zu Adelnau, studierte in Marburg u. Berlin 
Geschichte (Dr. phil.), trat 1886 in den Bib- 
liotheksdienst (1886 Breslau, 1889 Greifs- 
wald); seit 1900 ist er Oberbibliothekar an 
der Berliner kgl. Bibliothek (1905 Prof.), 
seit 1906 Leiter der von ihm begriindeten 
,,Deutschen Musiksammlung", die fast die 
gesamte gedruckte Produktion an deutscher 
Musik umfaflt; 1914 Nachf. Kopfennann's als 
Direktor der Musik-Abtl. der Preufi. Staats- 
bibliothek. Er entfaltet auch eine ausge- 
breitete Tatigkeit als Referent, Mitarbeiter 
an M.Ztschriften u. als Herausgeber altklass. 
u. klass, Musik. 

Chronik des Berliner Phil. Orchesters 1882—1901 
(Schuster & Loffler 1902); H. v. Herzogmberg (Eieter- 
Biedermann, 1903); Offentliche Musikbibliotheken; ein 
frommerWunsch(BT. H. 1903); Pilchard Wagners Briefe 
nach Zeitfolge u. Inhalt (Yerzeichnis, Br. & H., 1905); 
Wagners Brwfwechsel mit s. Verlegern (Br. & H., 1911, 
2 Bde.); Kammermusik -Liter utur-V erzeichnis (Merse- 
burger, 1910, 3. Aufl. 1923); Orchester-Literatur-Eatulog 
(Leuckart, 1919); Max Reger-Eatalog (Simrock, 1917); 
Wtthelm Berger-Eatalog (Hofmeister, 1920); Brahms' 
Briefwechsel III, XIV; Wagners Briefe an A. Niemann 
(Stilke, 1924); Ausgaben von Wagner's Mein Leben, 
Bibliogr. Institut 1923) u. Ausgewahlte Briefe Wagner's 
(id. 1925, 2 Bde.); Otto Nicolai's Briefe an seinen Vater 
(Begensburg 1925, Bosse), u. v, a. 

Altschuler, Modest, russ. Dirig. u. Cellist, 
geb. 18. Febr. 1873 zu Mogilew, -vrar Violon- 
cellschuler von Goebelt am Warschauer Kons. 
u. von Fitzenhagen u. von Glen am Moskauer, 
wo er auch den Unterricht von Arensky 
(Harm.) u. Tanejew (Komp.) genofi u. 1890 
absolvierte. 1895 kam er als Cellist u. Pada- 
goge nach Amerika, Leiter des Russ. Sini- 
Orch. seit dessen Einrichtung 1903. 1919 
wurden dessen Abonnements-Konzerte in 
New York aufgegeben, doch setzt A. in den 
Sudstaaten seine regelmaBigen Orchester- 
konzerte bei M.festen fort. 

Orchestrierung mehrerer russ. Werke, darunter von 
Tschaikowski's Klaviertrio. 

Alvarez, Carmen, span. Pianistin, geb, 
2. Dez. 1905 in Madrid, ausgezeichnet durch 
ihr Vorkampfertum fiir Werke der modernen 
span. Komponisten in Madrid, Paris, London. 
Schulerin des R. Cons, de Musica bei Jose 
Trago u. Francisco Furter. 

Alvarez Udell, Luis, span. Operntenor, 
geb. im Juni 1866 in Sevilla, gest. daselbst 
Mai 1920; erhielt am Madrider Kons. den 
ersten Klavierpreis, studierte Ges. bei Fran- 
cisco Reynes in Sevilla. Nach bemerkens- 
wertem Erfolg am Teatro Lirico in Mailand, 
wo er mit Maria Barrientos 22mal im Barbier 
von Sevilla sang, erschien er mit der Sembrich 
u. Nilsson in Petersburg u. Moskau u. wurde 
von Rubinstein fiir die Erstauff. seines Damon 
mit der Hauptrolle betraut. 

Alwin, Karl, deutscher Dirigent, geb. 
15. April 1891 in Konigsberg i. Pr., wo er 
das Gymnasium absolvierte; stud. Literatur 
u. Phil, in Berlin, Musik bei Humperdinck 



Amar — Amerikanische Musik. 



li 



n. Hugo Kaun. Durch Karl Muck kam er als 
Korrepetitor an die Berliner Hofoper, war 
1912 mus. Assistent in Bayreuth, 1913 Km. 
in HaUe a. S., 1914 in Posen, 1915—17 am 
Dusseldorfer, 1917—20 am Hamburger Stadt- 
theater. Seit Sept. 1920 1st er Km. an der 
Wiener Staatsoper, auch an der M.akademie 
tatig (1924 Prof.). Seine Gattin, Elisabeth 
Schumann, mit ihm von Hamburg nach 
Wien engagiert, ist eine ausgezeichnete 
Buhnehsangerin; Hauptrollen: Sophie, Blond- 
-chen, Despina, Cherubino, Susanna, Evchen 
-usw. 

Zahlreiche Lieder (VerL: Albert Stahl; Jatho); 
Sinf. Walzer; Sinfonie E-dur. 

Amar. Licco, ungar. Violinist, geb. 4. Dez. 
1891 in Budapest, dort Schuler der Nat. Ak. 
(Emil Bare) u. seit 1911 der Berliner Hoch- 
=schule (Marteau) ; inMarteau's Quartett Secun- 
darius; seit 1915 Konzertm. am Philh. Orch. 
in Berlin, seit 1920 am Mannheimer National- 
theater. 1923 griindete er eine Quartett- 
vereinigung, die fur die Propaganda Neuer 
Musik das bedeutendste und vollendetste Organ 
ist u. der Walter Caspar, Paul Hindemith 
ti. Maurits Frank (seit 1924 an dessen Stelle 
Rudolf Hindemith) angehoren. 

Amato, Pasquale, ital. Baritonist, geb. 
"21. Marz 1878 in Neapel, erst Techniker, dann 
•(1896—99) Schuler des dort. Kons., betrat 
1900 als Germont ( Traviata) das Teatro 
Bellini in Neapel, machte die Runde an den 
fuhrenden Theatern Itahens u. eroberte dann 
Europa — Brag, Munchen, Dresden, Leipzig, 
Berlin, Budapest, Wien, Briissel u. Paris. 
1908 kam er z. e. M. ans Metrop. Op. House, 
.sang zwei Winter in London u. sechs in Buenos 
Aires. Seine Hauptrollen sind: Tonio, Luna, 
Falstaff, Renato, Prinz Igor, Amfortas, Esca- 
millo; doch ist er in Amerika auch als Konzert- 
■sanger geschatzt. 

AmbrOSJUS. Hermann, deutscher Kom- 
ponist, geb. 25. Juli 1897 in Hamburg, kam 
fruh nach Leipzig, wo er den Unterricht von 
Hans Grisch bis Kriegsbeginn genofi; 1918 
Schuler von Alfred Szendrei, 1921 — 24 Meister- 
schuler Hans Pfitzner's in Berlin, daneben 
in Leipzig Student der Musikwissenschaft. 
Seit Januar 1924 ist er Korrepetitor an der 
Leipz. Oper. 

Kl.-Werke: op. 1 Intermezzi (Bratfisch); op. 3 
€harakterstucke (id.); 13; op. 25 Sonate E-moll; op. 29 
Sonate Es-dur; op. 39a Sonate C-dur; op. 39b Sonate 
A-dur; op. 46 Variationenfantasie. Kammermusik : 
op. 14 Kleine Suite f. FL, V. u. Kl. (Meister- 
singer-Verl. Nurnberg, jetzt J. H. Zimmermann); 
op. 27a Suite f. FL u. EL (Zimmermann); op. 27b 
Suite f . Fl. Klar., V. u. Vcell. ; op. 33 Suite f . Streich- 
trio nach Immensee von Storm; op. 34 Suite f. Fl. u. 
Kl. (Wander schaftssuite); op. 41 Eleine Suite f. Fl. 
u. Kl. ; op. 49a Suite f . Fl. u. V. ; op. 15 Streichquart. 
Nr. 1 F-moll; op. 17 Streichquart. Nr. 2 G-moll; op. 20 
Streichquart. Nr. 3 C-dur; op. 23 Streichquart. 3STr. 4 
D-moll; op. 36 Streichquart. Mr. 5 C-moll; op. 43 
Streichquart. Nr. 6 A-moll; op. 49b Duo f. Fl. u. V.; 
op. 35 Sonate f. V. H-moll; op. 28 Sonate f Cello 



B-moll; op. 12 Kl.trio C-moll; op. 21 Kl.tr io Es-dur; 
op. 47 Kl.-Trio As-moll (Kistner & Siegel); op. 48 
Streichquintet. F-moll; op. 31 Sextett C-moll; op. 30 
Kl.-Quint. F-moll; op. 24 FIBtensonate (J. H. Zimmer- 
mann); op. 40a Blasertrio C-dur; op. 40b Blasquint . 
C-moll; op. 44 KL- Quart. C-moll f. Fl., Klar., Horn, 
KL; Lieder: op. 2 Lieder von Storm (Br. & H.); op. 11 
3 Lieder (WOh. Hartung, Leipz.); op. 19 9 Lieder mit 
V. u. KL; op. 45 Lieder im Volkston. Orchesterwerke : 
op. 9 Kammersinf. C-moll; op. 22 Serenade f. Kammer- 
orch.; op. 37 Sehliehte Suite f. kl. Orch.; op. 8 Elew 
sisches Fest; op. 26 Walpurgisnacht (Storm) f. MCh., 
Bariton u. Orch.; op. 6 1 Sinf. D-moll; op. 16 
2. Sinf. C-moll; op. 32 3 Sinf. F-moll; op. 42 
4. Sinf. C-dur (Max Brockhaus, Leipzig); op. 50 
der 90. Psalm f. Chor, Soli u. Orch. (Kahnt, Leipz.); 
op. 18 Sinf. Dichtung nach Worten aus Goethe's Faust 
f. Chor, Orch. u. Soli (Kahnt, Leipz.); op. 51 Kl.- 
Konzert Es-dur; op. 53 Violinkonzert ; op. 52 Panto- 
mime. 

Amelli. Guerrino, ital. M.forscher u. 
Referent fur kirchl. Musik, geb. 18. Marz 
1848 in Mailand, 1870 zum Priester geweiht, 
seit 1885 als P. Ambrogio in S. Benedetto zu 
Montecassino, wo er 20 Jahre lang Prior u. 
Archivar war; z. Z. Visitator della Congreg. 
Cassinese. Er ist einer der tatigsten u. an- 
gesehensten Forderer der Wiedererweckung 
der Kirchenmusik in Italien; 1881 Griinder 
der Associazione ital. S. Cecilia, der en Grun- 
dung er seit 1877 durch seine Zeitschriften 
Musica sacra u. Organo e organista vorge- 
arbeitet hatte; 1882 einer Hoheren Schule 
fur Kirchenmusik in Mailand. Die Bewegung, 
offiziell anerkannt (1884) schon durch 
Leo XIII. (durch das Regolamento per la 
Musica Sacra), gewann den kronenden Sieg 
durch das beruhmte Motu Proprio Pius X. 
1920 . Zur 50 jahrigen Priesterweihe A.s 
erschien in Montecassino eine Festschrift: 
Scritti vari di letteratura ecclesiastica, die 
samtliche musik. Schriften A.s auffuhrt. 

La Restaurazione della M. sacra in Italia (BoL 1874); 
San Tommaso e la Musica (Mail. 1876); Musica sacra 
(1877 — 85) ; I Salmi di Bened. Marcello (Neuausg., 1880) ; 
Opere Postume di Jacopo Tomadini mit Vorrede von A. 
(1882); a) Repertorio di Musica sacra per canto, 9 Bde.; 
b) Rep. di M. sacra per organo, 9 Bde., in den Atti deW 
Assoc, di S. Cecilia (Mail. 1884 — 86) ; Ambrosius . . 
Oratio habita in generali cantus gregoriani studiosorum 
Conventu (StraBburg, Le B-oiix 1900); Guidonis Monachi 
Aretini Micrologus (Rom, DescWe-Lefebvre 1904, mit 
ital. Vorrede u. krit. Apparat; Probe einer Gresanitaus- 
gabe, zu der A. aus auBeren Grriinden nicht gelangte); 
Di uno scritto inedito di S. Lodovico Vescovo di Tolosa 
intorno alia Musica (Archivium Franci3canum, 1909); 
Biblioteca Ceciliana (1907). 

Amer, Miguel, span. M.forscher, geb. auf 
einer der Balearischen Inseln; einer der 
Griinder der Capella de Manacor (s. Noguera), 
Verf . einer Reforma de la Mus ica religiosa 
(Palma de MaUorca 1900). 

Amerikanische Musik. — Nicht „ ameri- 
kanische Musik", aber Musik in Amerika, in 
, ,Neu-England" hat es gegeben, seit in den 
ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts 
religios gestimmte u. an ihren kirchlichen Ge- 
sangbuchern festhaltende Einwanderer den 
Boden der Qstkuste betreten haben. Im 
18. Jahrh. stellt sich neben den ersten kirch- 



12 Hi 



Amerikanische Musik — Ames, 



lichen Komponisten amerikan. Geburt, James 
Lyon, denn auch schon der erste weltliche von 
allerdings bescheidenem u. dilettantischem 
AusmaB, Francis Hopkinson. Noch in dem 
fruhesten bedeutenden amerikan. M.erzieher 
groBen Stils, Lowell Mason (1792—1872), iiber- 
wiegt die religiose, , ,spirituelle" Neigung, die 
ja noch im heutigen Amerika in vielfaltigen 
musikalischen Formen ihre Rolle spielt; eine 
eigenartige, nicht durchaus , ,afrikanische" 
Ausdrucksform dieser Art sind die M Negro- 
Spirituals", deren beste von einem WeiBen, 
Stephen Collins Foster (1826—64), stammen, 
Im allgemeinen ist das musikalische Amerika 
des 19. Jahrh. eine englische musikalische 
Provinz u. spater nachst England eine zweite 
Dependance der Leipziger burgerlichen Roman- 
tik: es hat seine fruh gegriindeten Chorver- 
einigungen frith auch mit den Mendelssohnia- 
nischen Oratorien u. den in England erfolg- 
reichen kontinentalen Chorwerken versorgt; 
eine Kiehtung, die durch die Einwanderung 
deutscber Musiker nach 1848 noch verstarkt 
wurde. Auch die Griindung der ersten grofien 
amer. Orchester geht auf Deutsche zuriick 
(Th. Thomas, 1864), oder wenigstens Hegt ihre 
Leitung in deutschen Handen, wie die des 
vorbildlichen Boston Symph. Orchesters (seit 
1881). Daneben setzt freilich in Amerika auch 
frtih die Invasion des europaischen Virtuosen- 
tums ein, das in Amerika seitdem sein Mekka 
erblickt hat, und dessen Macht noch heute 
die amerikanische Oper fast ausschliefilich be- 
herrscht: die amerikan. Oper ist international, 
d. h. man konsumiert italienische, Wagner- 
Oper, gelegentlich auch deutsche nachwagne- 
rische u. moderne franz. Oper in der Orginal- 
sprache u. in der Auffuhrung durch fremde 
Krafte, durch ,, Stars"; die Versuche, eine 
,, amerikanische", bodenstandige Oper zu 
schaffen (Charles Wakefield Cadman; Victor 
Herbert; im leichteren Genre Reginald de 
Koven) sind bisher Versuche geblieben. 

Urn 1880 u. spater ist fast die ganze amer. 
Komponistengeneration, am Leipziger Kons. 
oder bei Rheinberger in Miinchen u. bei Jos. 
Joachim u. seiner Hochschule in Berlin gebildet, 
der deutschen Nach-Romantik verpflichtet: 
Stephen Emery (1841—91), John Knowles 
Paine (1839—1906), der seine Anschauungen 
wieder einer ganzen amer. Musikergeneration 
weitergegeben hat; Horatio Parker (1863 —1919) 
der eigentliche strenge Akademiker Amerikas, 
u. viele andere. Der erste amer. Komponist 
von starkerer Eigenpersonlichkeit ist George 
Whitefield Chadwick (geb. 1854), der erste 
universeller gebildete (am Pariser Cons., bei 
Joach. Raff) Edward MacDowell (1861—1908), 
der in seinen Liedern u. Kl.werken der ver- 
waschenen allgemeinen Neuromantik seine 
blutvollere, keltische Stammesart entgegen- 
setzt u. in seiner Indianischen Suite fiir Orch. 



als einer der ersten, keineswegs jedoch als der 
erste, durch Benutzung indianischer Melodien 
eine ,,autochthone" amer. Musik zu begrunden 
sucht. 

Dem Phantom, auf solche Art echt ameri- 
kanische Musik zu schaffen, ist gegen Ende 
des Jahrh. eine ganze Reihe von Komponisten 
nachgejagt u. tut es noch heute; Dvorak's 
amerikanischer Besuch u. die Begriindung der 
Wa-wan-PreB durch Arthur Farwell hat diese 
folkloristische Riehtung begiinstigt. Doch ist 
Dvorak in viel tieferm u. gesetzmaBigeren 
Sinn ein tschechischer, Chopin ein polnischer, 
Bartok ein ungarischer Komponist als etwa 
MacDowell's Schuler Henry F. Gilbert (geb. 
1868), der Neger- u. Indianermelodien ingroBem 
MaBstab sinfonisch verwertet hat, ein ameri- 
kanischer. Immerhin hat diese Verschmelzung 
von primitiverer u. eigenartigerer Melodik mit 
europaischer Technik eine Anzahl von Kom- 
ponisten zu einer spezifisch ,,amerikanischcn" 
Gruppe geeint: John Powell, Arthur Shepherd, 
Cecil Burleigh, Albert Spalding, Albert Stoessel 
u. manche andere. Im iibrigen ist der nach- 
romantische EinfluB in den letzten Jahr- 
zehnten teils von neuromantischen (einerseits 
brahmsischen, andrerseits Wagner- StrauBischen) 
abgelost worden (Hadley, D. G Mason), teils 
ist der deutsche EinfluB tiberhaupt dem fran- 
zosischen u. russischen unterlegen (Ch. M. 
Loeffler, J. Alden Carpenter, Blair Fairchild, 
Ch. T. Griffes u. a.), teils dominiert eine auf 
Mahler, Strawinski, Schonberg, Busoni fuBende 
sehr riicksichtslose Moderne (Percy Grainger, 
C. Salzedo, L. Griinberg), in der eine abstrakte 
oder ,,volkisch" gebundene jiidische Gruppe 
(Leo Ornstein, auch Ernest Bloch) einigermaBen 
fiir sich steht. Eine wirklich amerikanische 
Kunst-Musik existiert noch nicht; der echteste 
Ausdruck Amerikas in der Musik liegt in der 
brullenden Orgie des Rhythmus u. Klang3, 
die heute als Jazz-Musik die ganze Welt er- 
obert hat. Aber Amerika ist ein ganz junges 
Musikland u. nichts hindert, daB es aus einem 
Land ungeheuerster Konsumption auch einnial 
eines der schopferischen Prcduktion wird. 

Vgl. 0. G. Sonneck, Early Concert Life in A. (1907, 
Br. & H.); Early Opera in A. (1915, Schirmer); Biblio- 
graphy of Early Secular Amer. Music (1905, Washington, 
McQueen); A Survey of Music in A. (id. 1913); Grove's 
Dictionary . . ., American supplement, hrsg. von W. S. 
Pratt u. Ch. N. Boyd (1920, Macmillan); It, Hughes, 
American Composers (Boston 1914, The Page Co.); 
C. Engel*s ausgezeichneten Artikel iiber amer. Musik 
in G. Adler's Handbuch der M.geschichte (1924, Frank- 
furter Verlags-Anstalt); die zahlreichen Artikel iiber 
amer. Musik u. Musiker in The Musical Quarterly, 1915 ff. 
Eine Zusammenstellung der reichen Literatur iiber 
amer. primitive Musik hat Julius Mattfeld in The Folk 
Music of the Western Hemisphere (A List of References 
in the New York Public Library) besorgt (New York 
1925). 

Ames, John Carlo witz, engl. Komp. 
u. Pianist, geb. 8. Jan. 1860 zu Westbury- 
on-Trym bei Bristol, gest. 1924 zu Torquay; 
Zogling der Edinburgh Univ.; studierte am 



Amft — Andersson. 



13 



Stuttgarter Kons. bei Pruckner (Kl.), Goet- 
schius u. FaiBt (Komp.), spater am Dresdener 
unter Franz Wullner u. debutierte 1881 mit 
eigenen Kompos. ia Steinway Hall. 

4akt. Oper The Last Jnca; 3kom. Opera; Bflhnen- 
musik zu Richard II. (fur Tree, H. M. Theater); zu 
Bonnie Dundee (Lawrence Irving, Adelphi Th.) Orch.- 
Stiicke; 2 Klavierkonzerte; 130. Psalm f. Soli Ch. u. 
Orch.; Kammermusik, darunter eine Sonate f. V. u. 
Kl. Cis-moll op. 8 (Andr6); Klavierstucke; Lieder; u. a. 

Amft, Georg, deutscher Kirchenmusiker, 
M.padagoge u. Hrsg., geb. 25. Jan. 1873 zu 
Oberhannsdorf bei Glatz; Schuler des Berliner 
Instituts fur Kirchenmusik (Radecke, Losch- 
horn), 1910—19 Seminarmusiklehrer in Brom- 
berg, seit 1919 in Habelsehwerdt; 1913 Kgl. 

MB. 

Chorlieder; Lieder; Kl.stiicke; 3 Messen op. 14 
(Coppenrath); 16 u. 17 (Cieplik); je 5 Pange lingua 
f. MChor op. 12 u. gem. Chor op . 13 (Kothe, LeobscMtz) ; 
drei Hefte Schlesische Volkslieder op. 5, 8 u. 10; zwei 
Hefte Volkslieder der Grafschaft Glatz; Neues Liederbuch 
fiir katholische Schulen op. 6 (2. Aufl. 1918); BUder 
aus den Bergen, 6 Toristucke f. Streichorch . op. 20 (ms.); 
Hrsg.: Deutscher Mannerchor (Br. & H., 7 Bde.); Kl.- 
konzert A-moll von Ph. E. Bach (Kahnt); Beruhmte 
Werke alter Meister f. Org. (id.) u. a. 

Ammermann, Wilhelm, deutscher Pianist, 
geb. 19. Marz 1869 zu Hamburg, 1884—89 
Schuler des dori. Kons. (Riemann) u. 1890—92 
der Munchener Akademie. Konzertierte vor 
allem als Kammermusikspieler u. wirkte als 
Lehrer am v. Bernuthschen Kons., 1908—16 
als Mitleiter des Vogtschen Kons. in Hamburg. 
Lieder; Gesangssuite Karneval f. Vokalquartett u. 
Kl. (ms.). 

Ancell, Sarah, argent. Pianistin, geb, 
4. Aug. 1896 zu Buenos Aires, Schulerin 
des dort. Kons. unter Alberto Williams, er- 
folgreiche Konzertspielerin, namentlich eine 
der ersten Pianistinnen, die in Sudamerika 
mit Orch. konzertiert haben (argent. Hundert- 
jahrfeier, groBes Sinfonie-Konzert 1911). 

Anders, Erich, deutscher Komp., geb. 
29. Aug. 1883 zu Teutschenthal bei Halle, 
Schuler des Leipz. Kons. (Reger, Krehl, 
Pembaur, R. Hofmann, Nikisch, Sitt) u. 
Besucher der dort. Univ., erst als Kapellm. 
an den Stadttheatern zu Barmen u. Heidel- 
berg, auch kritisch u. padagogisch tatig; 
1916 in Miinchen, 1919 in Koln, 1920 bis 
192^ Lektor der Musik a. d. Univ. Bonn, 
dann in Berlin im Buro des Reichskunstwarts 
Redslob; 1922 Lehrer der Komp. am Klind- 
worth-Scharwenka-Kons.; er war mit der 
ausgezeichneten, insbes. fur moderne Musik 
eintretenden Sopranistin Tini Deb user ver- 
heiratet. 

Lieder op. 1, 3, 5, 7, 8 (Orchestergesange), 10, 11 u. 12 
(Kinderlieder), 13, 15a u. b (Kinderlieder), 19, 20 (Kinder- 
ieder), 21, 22, 24, 27, 28, 30, 32, 33, 38 (mit Orch.). -39, 49; 
Klavierstucke op 2, 6, 14, 23 (2 u. 4 hand.); Ges. f. ErCh 
a cappella op. 4u. 43; fur gem. Ch. op. 9; Terzette fiir 
FrCh. mit Kl. oder Orch. op. 26; Duette mit Kl. op. 29; 
Kammersuite f. Streichquartett op. 16; Wandlungen t 
Var. u. Eugette f. Streichquartett op. 36; Streichtrio 
Es-dur op. 40; Suite f. V.solo op. 45; Streichquartett 
C-dur op. 47 ; Divertimento F-dur f. 2 V. op. 48 ; Lyrische 
Suite f. groli. Orch. op. 31; Die Auferstehung, eine 



Kantate f. Soli, Chor u. Orch. op. 34; Die Beter t Sprecfr 
stimme u. Streichorch. op. 37; Nanie Eeloisens u. der 
Nonnen am Grabe Abdlards f. Altsolo, FrCh. u. Orch. 
op. 41; Osterhymnus i, Ten.Solo, gem. Chor, Knabench., 
Orch. u. Org. op. 42; Die Einsamkeiten f. Sopr. u. 
Streicher op. 44,* endlich die Buhnenwerke; Venezia 
op. 16 (Frankfurt 1917); Anselmo op. 17; Mandragola 
op. 18; Tod u. Leben op. 25 (Szene f. Musik, Hannover 
1920); Abu Caserns Pantoffeln op. 46; Der Sanger von 
Hamadam ( Jugendwerk )u. Musik zu Konig Lear (Mun- 
chen 1917). Eine Reihe seiner Werke erschien im Jatho- 
Verlag, bei Hies & Erler, Simrock. 

Andersen, Carl Joachim, dan. Flotist 
u. Dirig., geb. 29. April 1847 zu Kopenhagen, 
gest. das. 7. Mai 1909; 186&-78 Mitghed der 
Kopenh. kgl. Kapelle, bis 1880 im Orch. 
der Petersburger ital. Oper, spater des Hoforch. 
u. des Philh. Orchesters in Berlin, auch als Diri- 
gent in Berlin u. Bad Scheveningen tatig. 1892 
zwang ihn ein Zungenleiden, dem Flotenspiel 
zu entsagen; 1894 ging er nach Kopenhagen 
zuruck, wo er die Tivoh-Konzerte u . das 
Palais-Orch. leitete. Sein Bruder Viggo A. 
(1852 — 95) war lange Flotist im Thomas- 
Oreh. in Chicago. 

Studienwerke u. Konzertstiicke f. Elote, etwa 60 
opera. 

Andersen, Hildur, norw. Pianistin, geb. 
25. Mai 1864 in Christiania, Schulerin von 
Jadassohn, Weidenbach u. Reinecke in Leipzig 
u. von Leschetizky in Wien. Als glanzende 
Interpretin bes. von klass. u. Kammermusik 
(als Mitghed von Gustav Lange's Kammer- 
musik-Ensemble) hat sie bedeutenden Ein- 
fluB auf das Musikleben ihrer Vaterstadt. 
Andersen, Sophus, dan. Liederkomp., geb. 
8. Dez. 1859, gest. 19. Sept. 1923, Musik- 
kritiker der Ztg. Kobenhavn. Eins seiner 
Hauptstucke ist das Orchester-Melodram 
Historien om en Moder (Geschichte einer Mutter, 
Text von Hans Chr. Andersen u. Stuckenberg). 
Andersen Wingar, Alfred, norw. Komp. 
u. Dirig., geb. 15. Okt. 1869 zu Christiania, 
Schuler von Alfred Paulsen, Joh. Haarklou, 
Jules Massenet u. Andre Gedalge (Paris); 
Violinist im Theaterorch. in Christiania 1890 
bis 1899, Bratschist im Orch. des National- 
theaters 1901 — 05; seit 1911 Dirigent der 
z. Z. stadtisch unterstiitzten Volkssinfonie- 
Konzerte , seit 1 921 Bratschist im Philh. 
Orch. zu Christiania. Seine Opern bezeugen 
dramatische Begabung; seine Orch. werke feine 
Instrumentationskunst ; seine groBte Starke 
scheint auf dem Feld der kom. Oper zu liegen. 
2 Opern; 2 Operetten; 2 Sinfonien; 2 V.-Konzerte; 
Biihnenmusik z. O. Binding's Drama Iraka; Ouvertiiren 
zu Ibsen's Hedda Gabler u. Baumeister Solness (1894); 
Orch.-Eantasien Aus Norxvegens Berg und Tal u. Die 
Najaden\ Orch.-Suiten Das Leben u. Die Heuschrecken; 
2 Oriental. Rhapsodien f. Orch.; Lieder u. a. 

Andersson, Otto, finn. M.schriftsteller u. 
Chorleiter, geb. 27. Marz 1879 in Vardo, 
studierte im Musikinstitut zu Helsingfors 
u. an der Univ. (mag. phil. 1915). 1906 gru- 
dete er die Gesellschaft Brage zur Pflege 
der finnisch-schwedischen Volksmusik u. des 
Volkstanzes. 



14 



Andersson — Andreoli. 



Studien iiber die M.gesch. Finnlands (Inhemska 
Musikstrdvanden 1907 ; Musik und Musiker 1917 ; Martin 
Wegelius 1918; J. J. Pippingskbld och musiklivet i. Abo 
1808— 1828 (1922); Strdkharpan (1923). 

Andersson, Ellen, dan. Pianistin, geb. 
17. Okt. 1884 zu Kopenhagen, dort Schulerin 
von G, Matthison-Hansen u. Bondesen am 
Kons., weiter von Jedliczka u. Riifer am 
Sternschen Kons. u. Breithaupt u. Martin 
Krause in Berlin. 

KLvariationen. 

Andersson, Richard, schwed. Pianist u. 
Komp., geb. 22. Sept. 1851 in Stockholm, 
gest. das. 20. Mai 1918; studierte am Stockh. 
Kons. 1867—74 (Debut 1872), dann noch 
(1876 ft.) bei Clara Schumann u. H. Barth in 
Berlin (Komp. bei Kiel u. Wuerst); kehrte 
1884 nach Stockholm zuriick, wo er eine 
Klavierschule begriindete; 1912 Klavier- 
lehrer am Kons., 1891 Mitglied der Stockh. 
kgl. M.Akad. Unter seinen Schiilern be- 
finden sich W. Stenhammar, Knut Back, 
Astrid Bernwald. 

Sonate f. Kl. (1889); Schwedische Tanze u. andere 
Kl.-Stiicke; 12 Lieder (1909); Vgl. Sven Lizell, K, A. 
(1918, Wibergska Musikforlaget). 

Anderton, Howard Orsmond, engl. 
Komp. u. Schriftsteller; geb. 20. April 1861 
in Clapton, London; Zogling der RAM. unter 
Bannister, Macfarren u. Prout; 1908, mit 
Bantock am Midland Inst. Birmingham 
angestellt; 1923 Bibliothekar der Londoner 
Hauptstelle der Brit. Federation of Musical 
Competition Festivals. 

Bficher: Baldur (Fisher Unwin); Song of Alfred (Con- 
stable); Early English Music (Mus. Opinion); Granville 
Bantock (John Lane); On Desert Islands (Blackwell). 

Musik: The Song of the Morning Stars f. FrCh. u. 
Orch. (Forsyth); A Song of Life, Chor-Ode mit Orch.; 
Shakespeare*s Sonette 98 u. 99 f. Ten. u. Orch.; fur 
Orch.: Vorspiel u, Trauermarsch zu Baldur, ; English 
Sinfonietta; Fruhlings-Idyllf .Kl. u. Or ch.:Virgil\ Kamnier- 
musik: 2 KLquintette (ms.); Keats' Ode an den Herbst 
f. FrCh. (Williams); Lieder (Forsyth); Chorliedcr 
(Br.u. H. ; Williams ; Forsyth ; Staincr & Bell) ; 12 Kinder- 
chore (Charles & Dibble). Musik zu den Troerinnen 
des Euripides (Murray's Ubersetzung) u. den Trachi- 
nierinnen des Sophokles (Griech. Text). 

AndoEfi, Otello, ital. Violoncellist u. Kri- 
tiker, geb. 20. Feb. 1887 in Tivoli, Schuler 
von Magrini in Mailand, als Orchesterspieler, 
im Streichquartett (mit seinen Brudern Argeo, 
Uberto u. Goffredo) u. Solist (zusammen mit 
seiner Gattin, Manolita de Anduaga-A.) tatig; 
Mitarbeiter der rom. Ztschr. Musica seit ihrer 
Griindung, Vizesekretar u. Bibliothekar an 
S. Cecilia u, Leiter der Agenzia Concertistica 
Italiana. 

Dichtungen; Ubersetzung von Wagner's Vber die 
Ouvertiire ; Lieder, Klavierstucke, Stiicke f . Vcello. , 
Transscriptionen. 

Andrade, Francesco d', portug. Baritonist, 
geb. 11. Jan. 1859 zu Lissabon, gest. 8. Feb. 
1921 zu Berlin, Schuler von Miraglia u. Ron- 
coni, debutierte 1882 in San Remo als Amo- 
nasro, seither in ganz Europa, vor allem dank 
seiner blendenden Darstellung des Don Giovanni 
gefeiert. Er lebte in Berhn. 



Andre, Jose, argent. Komp. u. Kritiker r 
geb. 1891 in Buenos Aires, stud, am dort. 
Kons. bei Alberto Williams u. erhielt 1909 
den grofien Kompositionspreis. Er hat eine 
Musikzeitung begriindet u. ist ein namhafter 
Kritiker; sein Komp.-Stil griindet sich auf 
die moderne franz. Schule. 

19 Gesange auf franz. Text; Chore; Klavierstucke 

Artdreae, Volkmar, schweiz. Dirig.u.Komp., 
geb. 5. Juli 1879 zu Bern, dort Schuler von 
Karl Munzinger, 1897—1900 des Kolner 
Kons., 1902 — 04 Dir. des Sta dt Sanger- Vereins 
in Winterthur, seit 1902 des Gem. Chors 
in Zurich, 1904 — 21 auch des Manner chors; 
1906 Nachfolger Hegar's als Leiter del* Sin- 
fonie-Konzerte der Neuen Tonhalle-Gesell- 
schaft. 1914 wurde er durch tjbernahme des 
Studenten-Gesangvereins Zurich, den er bis 
1916 leitete, Univ.MD. (Dr. phil. h. c.) u. zu- 
gleich Direktor des Zuricher Kons. Seit 1920 
Pras. des Schweiz. Tonkunstler- Vereins, ist 
er einer der einfluBreichsten Fiihrer des 
Schweiz. Musiklebens, auch aufierhalb der 
Schweiz als Gastdirigent gefeiert. Als Kom- 
ponist ein begabter u. stets auf aufiere Wirkung 
bedachter Eklektiker, schwankt er einigennafien 
zwischen deutschen, namenthch R. StrauB- 
schen, u. neufranz. Einfliissen. 

Klaviertrios op. 1 F-moll (Schott) u. op. 14 Es-dur 
(Hug); Violinsonate op, 4 D-dur (Schott); Streich- 
quartette op. 9 B-dur u. op. 33 E-moll (beide bei Hug); 
Streichtrio op. 29 D-moll (Hug); Kl. Suite f. Orch. 
op. 27 (Leuckart); Notturno u. Scherzo f. Orch. op. 30; 
Sinf. C-dur op. 31; Rhapsodie f. V. u. Orch. op. 32; 
Chorwerke mit Soli u. Orch.: Das Gvttliche op. 2; Charons 
Nachen op. 3, Sinf. Phantasie fur Tenor solo, Chorten., 
Orch. u. Org. op. 7; MCh. op. 5, 8, 11, 13, 17, 21, 28 
(Magentalied, mit Orch.): Lieder op. 6, 10, 12, 15, 16, 18; 
Klavierstucke op. 20; endlich die Opern Ratcliff (nach 
Heine, Duisburg 1914) u. Abenleuer des Casanova 
(Dresden 1924). 

Andree. Elfrida, schwed. Organistin u. 

Komponistin, geb. 19. Feb. 1841 (44?) zu 
Wisby; stud, in Stockholm, Kopenhagen und 
Berlin; seit 1867 Domorganistin in Gothen- 
burg, wo sie Konzerte gab; seit 1897 Leiterin 
von Volkskonzerten; 1879 Mitgl. der schwed. 
kgl. Ak. 

Klavierquintctt E-moll (1865); Klaviertrio G-moll 
(1884; Musikal. Konstfbr.); 2 Orgelsinfonien, die eine 
bei Augener; 2 Violinromanzen; Klavierstucke; Lieder; 
Sinfonie; Streichquartett; schwed. Messe (1903); 

I Chorwerk Snofrid (1879); Oper Fritwfs Saga (Text 

" von Selma Lagerlof). 

Andreoli* Guglielmo ital. Pianist u. 
Komp., geb. 9. Jan. 18G2 zu Mirandola (Mo- 
dena) ; aus Musikerfamilie stammend; bis 
1883 Schuler des Mail. Kons.; 1878—86 
Bratschist, Eegleiter u. Dirigent bei den von 
seinem Bruder Carlo A. begriindeten Volks- 
konzerten, die das Mailander Musikleben 
machtig beeinfluflt haben, daneben drei Jahre 
Bratschist im Campanari- Streichquartett; seit 
1891 Lehrer fur Harm, am Mail. Kons., seit 
1900 Leiter der Klavierklassen. 

Ouvertiiren G-moll u. A-moll; Streichquartett D-dur; 
Fantasia Sinfonica; Requiem e Dies irae; Quattro Danze 



Andrews — Ansermet. 



15 



f. kl. Orch.; Klavierstucke (meist Ricordi). Vgl. Gio. 
Tebaldini, Una famiglia di mmidsti; Gli A. (in: Arte 
pianistica, Napoli, Okt. 1918). 

Andrews, W. Bowker, engl. Verl., geb. 
25. Febr. 1876 zu Durham, Chef der Firma 
Swan & Co., London, die ihre bes. Aufgabe 
in der Veroffenthchung der Werke englischer 
Musiker sieht. 

Andriessen, Pelagie, 6'sterr. Sangerin, geb. 
20, Juni 1863 zu Wien, Schulerin des dort. 
Kons. u. der Frau Dreyschock in Berlin, sang 
zuerst in Munchen (Theater am Gartnerplatz), 
Berlin (Friedrich-Wilhelmstadt.-Theater u. Kgl. 
Oper), an Neumann's wanderndem Wagner- 
Theater, 1884—90 am Leipziger Stadttheater 
u. sodann in Teil-Engagements zu Koln u. 
Wien, weiterhin bis 1907 zu Frankfurt. Frau 
A. hat sich mehrmals verheiratet u. damit 
ihren Namen gewechselt (Sthamer-Andriessen, 
Andriessen-Ende, Greef - Andriessen) . 

Andriessen, Will em, holl. Pianist u. Komp., 
geb. 25. Okt. 1887 zu Haarlem; Schuler des 
Amsterdamer Kons. (de Pauw, Kl.; B. Zweers, 
Theorie), 1908 preisgekront; 1910—18 Klavier- 
lehrer am Kons. im Haag, dann an der Rotter- 
damer M.schule. 

Messe f. Soli, Ch. u. Orch.; Klavierkonzert D-moll; 
zahlreiche Lieder. 

AnfOSSi, Giovanni, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 6. Jan. 1864 zu Ancona, Schuler von 
Simonetti u. Martucci u. Serrao, Platania am 
Kons. zu Neapel, grundete nach ital. Konzert- 
reisen 1896 in Mailand eine eigene Klavier- 
schule, benannt nach seinem Vorfahren „P&s- 
quale A" 

Klavierwerke, 2 Ouverturen (1881-88); sinf. Dich- 
tung Rebellio (1883), Werke f. Chor u. Orch. u. a. 

AngeleEli, Carlo, ital. Pianist u. Komp., geb. 
5. Sept. 1872 in Florenz, Schuler Sgambati's 
am Liceo mus. in Rom bis 1892, aristokratischer 
Konzert- u. Kammermusikspieler, 1913 in 
London; dann wieder in Florenz u. Rom als 
Lehrer u. Komponist. 

Lieder (Ella tremando venne, Text von d'Annunzio, 
preisgekront); Variazioni f. Org. (New York, Eischer); 
Konzert- Transcriptionen von Werken Bach's u. Tar- 
tihi's; Danze italiane del sec. XVI per Unto (Klavier- 
iibertragung). 

d'Annunzio, Antonio, ital. Dirig., geb. zu 
Pescara, Bruder des Dichters, lange Jahre in 
Nordamerika tatig. 

d'Annunzio, Gabriele, ital. Dichter, geb. 
12. Marz 1864 zu Francavilla al Mare, hier zu 
erwahnenum der allgemeinen ,,musikalischen" 
QuaJitaten seiner Dichtung willen, die manch- 
mal direkt durch die Musik inspiriert ist (zwei 
seiner Laadi durch Bellini u. Verdi) oder 
Episoden aus dem Musikerleben verwertet 
(II Fuoco den Tod Wagner's); in der Jugend 
Musikkritiker; Begriinder derinzwischenstecken 
gebliebenen Raccolia Nazionale delle Musiche 
Italiane (1917). In seiner Musterverfassung, 
dat. 31. Aug. 1920 zu Fiume (Reggenza italiana 
del Carnaro) wird der Musik im Geist des Staats- 
wesens ein leitender Impuls eingeraumt. Seine 



Dramen haben viele Musiker zur Komp. ge- 
reizt: Franchetti (La Figlia di lorio), Mascagni 
(Parisina); Montemezzi (La Nave); Zandonai 
(Francesca da Rimini); Pizzetti (Fedra). Pizzetti 
hat Zwischenspiele zu La Nave u. Pisanella 
geschrieben; Debussy das Mysterium Le Mar- 
tyre de St. Sebastien komponiert; abgesehen 
von den vielen Gesangen auf Lyrica d'A.s. 

Vgl. H. CeliOj Le musicalitd d'annunziane (Frei- 
burg, i. d. Schweiz 1916). 

Anrooy, Peter van, holl. Dir. u. Komp., 
geb. 13. Okt. 1897 zu Zalt-Bommel, Schuler 
von Jon. Wagenaar (Theorie) u. G. Veerman 
(V.) in Utrecht, dann 1899, von Willem Kes 
(fruher Dirig. des Concert gebouw- Orch. in 
Amsterdam) in Moskau, bei dem er sich auf 
der Geige u. im Dirigieren vervollkommnete, u. 
wo er bei Tanejew Komp. studierte. 1901/02 
Geiger im Scottish Orch. zu Glasgow u. im 
Tonhallen-Orch. Zurich; 1902 2. Dirig. am 
Lyr. Theater Amsterdam; 1905 Dirig. des Sinf.- 
Orch. zu Groningen, 1910 zu Arnhem; 1917 des 
Residentie-Orch. im Haag, des zweitbesten 
Orch. in Holland. 1914 Dr. hon. c. der Univ. 
Groningen. A. ist ein enthusiastischer Dirig. 
der Werke von Beethoven, Brahms, Bach. 

Andante f. Blaser (1895); Introd. u. Scherzo f. Orch. 
(1896); 2 Ouverturen (1897); Klavierquintett (1898); 
2 Kantaten f . Kinder chor (1898 u. 99) ; a) Zonneklaartje 
(Sonnenscheineken, gedr. bei Lichtenauer, Rotterdam), 
b) In het Woud (Im Walde, bei Eggers, Leiden); Holl. 
Rhapsodie, Piet Hein t Orch. (1901, sehr bekannt in 
Holland u. auch in Deutschl., bei Noske, im Haag); 
Ballade f. V. u. Orch. (1902); Musik zu Das kalte Eerz 
nach Wilhelm Hauff. 

Anselmi, Giuseppe, ital. Tenor, geb. 16. Nov. 
1876 zu Catania, nach muhseligen Jahren als 
Geiger u. Operettensanger in Patras „entdeckt" 
u. seitdem in den ublichen Rollen der ital. 
Oper ein in Italien, aber auch in London und 
Sudamerika gefeierter Sanger. 

Ansermet, Ernest, schweiz. Dirig. franz. 
Abkunft, geb. 11. Nov. 1883 in Vevey, in der 
Musik von Bellmann und Plumhof in Vevey 
gebildet, 1906 — 10 erst Lehrer der Mathematik 
u. Arithmetik in Lausanne, daneben Schuler 
von A. Denereaz in Lausanne, 1905 — 06 von 
A. Gedalge in Paris, Otto Barblanu. E. Bloch in 
Lausanne; nach einer Studienreise in Deutsch- 
land (1910—11) 1912—1914 Leiter der Kursaal- 
Konzerte in Montreux, dessen Dirigent, Fran- 
cisco de Lacerda, ihn dem Dirigent enberuf 
zufuhrte, u. Nachfolger Stavenhagen's als 
Dirigent der Abonnement-Konzerte (1915 — 18); 
vor allem aber Grunder (1918) des Orch. de 
la Suisse-Romande in Genf. Er ist einer der 
regsten u. fahigsten Pioniere moderner Musik, 
namentlich der russischen u. insbesondere der 
von Strawinsky. Seit 1915 war er auch mus. 
Leiter von Serge de Diaghilew's Russ. Ballett, 
mit dem er Paris, London, Italien, Spanien u. 
Nord- und Sud-Amerika bereiste. Auch als 
Schriftsteller ist er tatig. 

Lieder mit Kl. u. Orch.; Elavierstucke; sinf. Dicht. 
Feuilles au Printemps. 



16 



Ansorgto -Anzoletti. 



Ansorge, Conrad, deutsch. Pianist u. Komp,, 
geb. 15. Okt. 1862 zu Buchwald bei Liebau, 
Schlesien, Schiiler des Leipziger Kons., (1880 
bis 82) u. Liszt's (1885—86) in Weimar u. Rom, 
liefi sich, nach Konzertreisen in Amerika seit 
1887, 1893 in Weimar u. 1895 in Berlin nieder; 
1898 — 1903 Lehrer am Klindworth-Scharwenka- 
Kons., 1918 Prof., seit 1920 auch Lehrer an 
der Prager Deutsch. M.akademie. A. ist ein 
Spieler, dessen Geistigkeit vor allem Beethoven 
gerecht wird, u. der dennoch auch fur Liszt 
noch genugend virtuosen Glanz aufbringt, 
sowenig ,, Virtuose" er ist u. sein will. Als Konv 
ponist ist A., einst dem exklusiven Stefan 
George- Kreis angehorend, einer der ersten 
gewesen, die urn neuen, intimen Ausdruck ge- 
gerungen haben. 

Lieder (fur die Entwicklung besonders fesselnd); 
3 Sonaten f. Kl.; Ballade; Traumbilder f. Kl.; 2 Streich- 
quartette op. 13 As-dur (Drei Lilien) u. op. 20 A-dur (Hof- 
meister); ein Streichsextett; Sonate f. Vcell. u. Kl. 
D-moll op. 24 (Simrock); Klavierkonzert op. 28; Or- 
chesterwerke ; Requiem f. MCli. u. Orch. 

Ansorge, Max, deutscher Organist, geb. 
1. Okt. 1862 zu Striegau (Schlesien), wo sein 
Vater Kantor war, besuchte 1884—87 die 
Kgl. Hochschule fur Musik in Berlin (Herzogen- 
berg, Bargiel, Petersenn, Haupt), erhielt seine 
erste Anstellung 1887 als Kantor u. Organist 
der Jakobikirche zu Stralsund, wo er den 
seinen Namen tragenden Gesangverein leitete, 
wurde 1891 als 2. Organist an St. Bernhardin 
nach Breslau berufen u. war dort 1896 Kantor 
u. Organist der Lutherkirche, 1S08 Kantor 
u. Organist an St. Bernhardin; 1908—20 auch 
Konzertorganist des Breslauer Orchestervereins 
u. der Singakademie. 19G0 wurde er zum Kgl. 
MD., 1919 zum Professor ernannt. 

Lieder; Duette; Motetten; Choilieder (auch 2 f. 
8 Stimmen u. 5 f. 4 Frauenstimmen (Becher; Hainauer; 
Siegel; Peters) u. a. 

Antalffy-ZsifOSS, Desider, ung. Organist 
u. Komp., geb. 24. Juni 18>5 zu Nagy-Becs- 
kerek, Schiiler von Hans Koessler in Budapest, 
Straube in Leipzig u. Enrico Bossi in Mailand, 
Orgelprof. an der Landes-Musikakad. in Buda- 
pest, Komp. von feinsinnigen Stiicken f. Kl. 

Ungarische Suite f. Orch. op. 17 (Kosznyai). 

Antcliffe, Herbert, engl. Musikschrift- 
steller, geb. 30. Juli 1875 zu Sheffield; Mit- 
arbeiter an zahlreichen Zeitschriften . 

Biicher; Living Music (1913, J. Williams); Short 
Studies on Nature of Music (Kegan Paul) ; The Success- 
ful Music Teacher (1913)u. The Amateur Singer (Augencr): 
Sow to enjoy music (Kegan Paul, 1921); kurze Bio- 
graphien von Brahms u. Schubert (G. Bell); The Chorus- 
Master (W. Paxton): tlbers. von Lenormand's Mude 
4ur I'harmonie moderne (1912, J.Williams). Arrang. holl. 
Volkslieder mit engl. Text fiir 2 St. mit KL (Evans). 

Antheil, George, amerik. Pianist u. „futu- 
xistischer" Komp., geb. 8. Juli 1901 zu Trenton, 
New Jersey, von amer.-poln. Eltern, Schiiler 
«rst von Edward Miiller, Uselma Clarke Schmidt 



Klangerzeugung neben den normalen Mitteln 
auch der Faust u. der Unterarme bedient; eine 
Spezialitat, symptomatisch als Erscheinung 
einer Zeit, die mit den nackten Material der 
Kunst wirken mochte u. die auf dem Gebiet 
der Malerei etwa die Bilder von Schwitters 
hervorgebracht hat; individuell ein Mittel zur 
Verschleierung mangelnder Erfindung. 

Antoine, Georges, belg. Komp., geb. 28. 
April 1892 zu Liittich, gest. 15. Nov. 1918 zu 
Brugge; Sohn eines Chordirig. an der Kath. zu 
Liittich, Schiiler des dort. Kons., begann 
um 1910 zu komponieren, machte 1914 — 18 
den Krieg mit, an dessen Folgen er starb; 
ein iiber das gewohnliche Mafi begabter 
Musiker, auch schriftstellerisch begabt, wie 
seine Beitrage zu den an der belg. Front 
veroff. CaMers beweisen. Seine VeilUe tfArmes, 
1919 in Liittich, 1922 in Brussel aufgef., 
zeigen ein von dem Lekeu's verschiedenes 
Temperament in der Intensitat des Gefuhls 
u. dem Reichtum der mus. Substanz. 

Sonate f. V. u. Kl. op. 3 (1912—15); Kl.-Konzert 
op. 5 (1914); Klavierquartett op. 6 (1916); Sinf. Dicht. 
VeilUe d'Armes op. 9 (1918); ein Dutzend Lieder u. 
einige unbeendigte Werke. 

Antolisei, Raffaelo, ital. Komp. u. Organist, 
geb. 21. Aug. 1872 zu Anagni, Schiiler seines 
Vaters Gaetano, stud. Kirchenmusik an der 
Pontif. Scuola super, di musica u. an S. Cecilia 
in Rom; Dir. der Scuola Cantorum u. Organist 
am Coll. Salesiano del Sacro Cuore in Rom; 
Komponist von Kirchenchoren u. mus. Schul- 
dramen, auch Leiter der Zeitschrift 11 nuovo 
Frescobaldi. 

Anton, F. Max, deutscher Dirig., Pianist, 
Schriftsteller u. Maler, geb. 2. Aug. 1877 in 
Bornstadt bei Eisleben, Schiiler von Tietz 
(Gotha), Stavenhagen (Miinchen) u. Kwast 
(Frankfurt a. M.), Lehrer am Kons, zu 
Miinchen- Gladbach u. Dirig. des Singvereins 
in Rheydt, Direktor in Detmold am furstl. 
Kons., stadt. Musikdir. in Osnabriick; jetzt in 
Bonn a. Rh. Generalmusikdirektor. 

Lieder: Stiicke f. Kl.; ein Streichquartett; drei sinf. 
Oden f. Orch. op. 8 (Tischer A Jagenberg); ein Kl.- 
Konzert; Humoreske op. 11 (Tischer A Jagenberg); 
Trutzmusik op. 13 (id.) und drei Stiicke f. gr. Orch. op. 16 
(id.). Oper: Die Getreuen. Schrift: Versuch einer Kunst- 
anschauung (Eisner. Berlin). 

Anzoletti, Marco, ital. Violinist u. Komp., 
geb. 4. Juni 1866 zu Trient, Schiiler des Kons. 
in Mailand, begann in Rom die Virtuosenlauf- 
bahn, die er um 1890 aufgab um sich ganz der 
Komp. u. Schriftstellerei zu widmen, seit 1890 
Lehrer am Cons. G. Verdi in Mailand. 

24 Variationen iiber ein Thema von Brahms f. V 
u. Kl. (1893, Simrock); Sonate C-moll f. V. u. Kl. 
(1894, Br. & H.); Violinstucke; Grande studio di Concerto 
t V. u. Kl. (1908, Carisch & J.); 12 Studi per la viola 
(1919); ungedruckt: Sonaten d-moll u. F-dur f . V u Kl 
(1901 u. 1913); Concerto f. 4 V. (1905— 09); VioUnkonzert 



u. Constantino v. Sternberg, 1918 dann noch von in 1 Satz (1904—14); Klaviertrio (1912— 14); 2 sSich- 
Ernest Bloch; bat seit 1923 auch Europa seine I 3 uartette ; sinf. Dicht. L'ospite della Terra u. v. a.; die 
Komp. fur Kl. vorgefuhrt, in denen er sich zur \ ZZ^s^Je^^^L^ 1%%JS. 



Appiani — Argentinische Musik. 



17 



Biicher: W. A. Mozart (1899); Domenico Cimarosa, 
cenni biografici (1901); LHnsegnamento del violino in 
Italia (1909); Mozart, scene delta vita intima (1906); 
Giuseppe Tartini, studio critico biografieo (1917). 

Appiani, Vincenzo, ital. Pianist u. Komp., 
get>. 18. Aug. 1850 in Monza, bis 1871 Schuler 
des Mailander Kons., seit 1893 dort Lehrer f. 
Kl., angesehener Konzert- u. Kammermusik- 
Spieler, Grtinder des Trio Milanese, mit Ram- 
pazzini (V.) u. Magrini (Vc). 

Stiicke f. EX 

Apthorp, William Foster, amerik. Schrift- 
steller u. Kritiker, geb. 24. Okt. 1848 (1849?) 
zu Boston, Mass., gest. 19. Feb. 1913 in Vevey, 
Schweiz; 1850—60 wurde er in Dresden, Berlin 
u. Rom erzogen, 1869 an der Harvard Univ. 
graduiert, seit 1863 stud, er Kl., Harm. u. 
Kp. bei Paine u. setzte den Kl.-Unterricht 
bei B. J. Lang fort. 1872—73 war er Lehrer f. 
Kl. u. Harm, am Nat. Coll. of M. in Boston, 
1874—86 am New England Cons.; 1872 wurde 
er von Howells, dem Hrsg. von The Atlajttic 
Monthly als M.kritiker engagiert, u. schrieb 
spater auch fur Sunday Courier u. Traveller, 
1888—1903 fur Evening Transcript, als ein- 
fluBreichster Musik- u. Theaterkritiker in 
Boston. AuBerdem lehrte er am College of 
Music der Univ. , am Lowell Institute in Boston 
u. am Peabody Inst, in Baltimore. Seine letzten 
zehn Lebensjahre verbrachte er in der Schweiz. 

Musicians and Music-Lovers (Scribner 1894); The 
Opera, Past and Present (Scribner 1901); By the Way: a 
Collection of short essays, 2 Bde. (Boston 1899, Copeland 
& Day); About Music and Musicians (Boston 1898, 
€ornhill) ; t) bersetzungen : Hector Berlioz - Selections 
from his Letters and Writings (Holt 1879); Hrsg. (mit 
J. D. Champlin) einer niitzlichen 3 band. Cyclopedia 
of Music and Musicians (Scribner, 1888 — 90). 

Arabische Volksmusik s. Bartok. 

Aracena 9 Infanta Anibal, chil. Organist, 
geb. 1881 zu Chafiaral, studierte in Chile u. 
gab 1918 Konzerte in Buenos Aires. 

72 meist kirchliche Orgelstiicke. 

d Aranyi, Jelly, ungar. Geigerin, geb. 
30. Mai 1895 in Budapest, stud, an der dort. 
Hochschule f. M. bei Jeno Hubay, lebte eine 
.Zeitlang in England, wo sie als Interpretin 
moderner M. (Bartok's V.-Sonaten) wohlbe- 
bekannt ist. 

Arbo, Jens, norw. Kritiker, geb. 20. Aug. 
1885 in Kristiansand; schrieb fur Nationen, 
CJhristiania, u. Musikbladet (1917 — 21); Musik- 
bladet og Sangerposten (seit 1922); Mitarbeiter 
^n Norges Musik-historie (1921). 

ArboS, Enrique Fernandez, span. Geiger 
*i. Dirig., geb. 25. Dez. 1863 in Madrid, dort 
Schuler von Jesus Monasterio; stud, noch bei 
Yieuxtemps in Brussel u. Joachim in Berlin, 
iDei dem er eine Zeitlang lebte; Kompos. bei 
Gevaert u. Herzogenberg. Er war kurze Zeit 
IKonzertmeister an der Berliner Philharmonie, 
dann Violinlehrer am Hamburger Kons., zeit- 
weilig auch am Madrider; seit 1891 am R. C. M. 
iin London. Seit 1908 ist er Leiter des Orquesta 
Sinfonica in Madrid u. V.-Lehrer am R. Cons. 

Einstein, Muaiklexikon. 



de Musica, auch Mitglied des Orch. der kgl. 
Kapelle, Ordenskommandeur von Isabella la 
Catolica, Ordensritter Karl's III. usw. Auch 
als Dirig. (Berlin, Philh. Orch.; Boston, Symph. 
Orch.) u. Kammermusikspieler ist er hervor- 
getreten. 

Mus. Komodie Centro de la Tierra (Madr. 1895); 
Trois PUces originates dans le genre espagnol f. 
Klaviertrio; Zambra, Tango u. Guajiras f. V. u. Kl. 
(Bote & Bock; Schott). 

Arend, Max, deutsch. M.schriftsteller, geb. 
2. Juli 1873 zu Deutz, Dr. jur.; seit 1907 in 
Dresden, seit 1918 in Koln; bekannt durch 
seine Schriften iiber Gluck u. durch seine Be- 
strebungen zur Wiederbelebung der Gluckschen 
Werke; Begriinder (1909) einer Gluckgesell- 
schaft, als deren Publikation er die Pilger 
von Mekka in Partitur herausgab sowie 
(1913) einer , , Gluckgemeinde" . 

Zur Eunst GlucJcs, gesamm. Aufsatze (1914, Bosse, 
Kegensburg); Gluck (DVA 1921); Hrsg.: Gluck's Zauber- 
baum (1911, Callwey) u. a. 

Arensky, Anton Stepanowitsch, russ. 
Komp., geb. 11. Aug. 1861 zu Nowgorod, gest. 
11. Marz 1906 zu Terioki, Finnland; 1879—82 
Schuler des Petersburger Kons. (Zikke, dann 
Johansen u. R-imski-Korssakow); 1882 Kontra- 
punktlehrer am Moskauer Kons. Der grofite 
Teil seiner Produktion ist bereits vergessen. 
Sein Stil nahert sich in vielen Punkten dem 
Tschaikowsky's, nur ohne dessen Neigung zu 
dramatischer EUoquenz u. ohne dessen wirk- 
same u. gewandte technische Ausrustung. 

Opern: Der Traum auf der Wolga (Moskau 1892); 
Raphael (Moskau 1894); Nal u. Damayanti (1899); 
Musik zu Puschkin's Die Fontdne von Bachtschissarai 
f. Soli, Ch. u. Orch. op 46; Ballett Nuit d'Egypte (Peters- 
burg 1900) ; Kirchenmusik, klavierstucke, Lieder, 2 Sin- 
fonien (op. 4 H-moll, Jurgenson) ; Orchestersuiten op. 7, 
23, 33, 50; Variationen f. Streichorch. iiber ein Thema 
von Tschaikowsky op. 35a, in London (Queen's Hall) 
sehr beliebt; Violinkonzert A-moll op. 54 (Jurgenson); 
Klavierkonzerte op. 2 F-dur (Papst) u. op. 48 (Jurgen- 
son); u. Kammermusik, aus der ein Klaviertrio op. 32 
D-moll (Jurgenson) sich einer gewissen Popularitat 
erfreut; Streichquartette op. 11 G-dur u. op. 35a A-moll 
(beide Jurgenson); Kl.quintett op. 51 D-dur (id.); Kl- 
trio F-moll op. 73 (id.) ; 4 Suiten fiir zwei Klaviere op. 15, 
23, 33, 62 u. eine Kindersuite op. ,65. 

Biieher: Harmonielehre, 2. Aufl. 1900, deutsch von 
Paul Juon (Jurgenson); Eandbuch der Formenlehre t 
2 Teile; 2. Aufl. 1900. 

Argentinische Musik. Wie alle Lander ohne 
musikalische Vergangenheit, ist Argentinien 
zunachst ein Land fertigen Musik-Imports ge- 
wesen, vor allem auf dem Gebiet der Oper, 
auf dem seit den 80 er Jahren des 19. Jahrh. 
zunachst die ital. Oper mit reisenden Gesell- 
schaften das Feld allein behauptete, bis ihr 
die franz. u. deutsche (Wagnersche) Oper 
wachsende Konkurrenz machten. Opern 
wurden in den zwei letzten Jahrzehnten wohl 
auch von argentinischen Komponisten ge- 
schrieben, doch zeigen diese Werke mit wenig 
Ausnahmen nur die Abhangigkeit ihrer Schopfer 
von europaischen Vorbildern: der Einakter 
Ardid de Amor von Carlos Pedrell u. Saika 
sowie Sigoline von Floro M. Ugarte das fran- 



18 



Ariani — Armbrust. 



zosische, der Dreiakter Blanca de Beaulieu 
(1910) von Cesar A. Stiatessi u. die Aurora 
von Hector P an i z z a das ital. -veristische, 
Ivan von Eduardo Garcia Mansilla das 
russische; Buhnenwerke geringer Bedeutung 
existieren noch von Carlos Lopez Buehardo, 
Alfredo Schiuma (Biancofiore, 1915, T. Poli- 
teama), Arturo Berutti, Felipe Boero, C. 
Gaito u. a. Eine jener Ausnahmen ist Huemac 
von Pascual de Rogatis, nach einer Legende 
der Tolteken, im Stoff u. auch in der Musik 
von mehr argentinischem Charakter. 

Der bedeutendste argent, Komp., Alberto 
Williams, hat die Oper nicht gepflegt. Er 
hat in sich den Kampf zu Ende gefuhrt, in 
dessen Austragung die Geschichte der argent. 
Musik besteht: den Kampf zwischen internatio- 
nalen u. nationalen, autochthonen Einflussen. 
Auch diese autochthonen Grundlagen sind 
naturlich eine Mischung aus argentinischen, 
d. h. romanischenu. ausinkasischenElementen; 
auf dem Grunde dieser nationalen Musik sehafft 
Williams seit seinem op, 26 (Cuario aire de 
vals), das den Durchbruch nationaler Tendenzen 
anzeigt. Er ist der Griinder u. Hauptreprasen- 
tant der argent. Musik; vor ihm sind zu nennen 
nur sein Grofioheim Almancio Alcorta (Ouver- 
tiire, 2 Trios) u, der Komp. der italianisierenden 
argent. Volkshymne, Bias Barera. Von 
ihm stammt das argent. Hauptwerk, seine 
2. Sinfonie -Cmoll, La Bruja de las montanas 
op. 55, in seiner Haltung etwa der sinf. Suite 
Aus Italien von R. Straufi zu vergleichen, 
doch durchaus national; sowie die Suiten 
op. 63; von ihm stammen die bedeutendsten 
argent. Kammermusikwerke — die Pflege 
der argent. Kammermusik ist besonders das 
Verdienst der Soc. Argentina de Musica de 
Camara — Sonaten f. Fl. u. Kl. op. 48; Kl.- 
sonate op. 74; V. u.Kl. op. 49, 51, 53; Vc.u.Kl. 
op. 52; ferner die echtesten argentinischen, ge- 
wachsenen Kunstlieder. Neben ihm haben mehr 
oder weniger im argent. Geist geschaf f en : Pascual 
de Rogatis (dreiteil. sinf. Dichtung Zupay), 
Julian Aguirre (Suite De mi pais), Constantin 
Gaito; indes Carlos Pedrell auch auf diesem 
Gebiete national farblos, Ed. Garcia russisch, 
Floro M. Ugarte und Jose Andre franz. beehv 
fluBt ist; die einzigen argent. Musiker deutscher 
Hinneigung sind Ernst Drangosch, der be- 
deutendste argent. Pianist (Kl.konzert), u. 
Alberto Machado. Die gleichen Konstella- 
tionen zeigen sich im Lied u. in der Kammer- 
musik: hier sind noch besonders zu nennen 
Jose Gil (Kl.trio, Sonaten f. V. u. Kl.; f. Vc. 
u. Kl.), Ricardo Rodriguez (geb. 1886, 
KXsonate 1917), Juan Jose Castro u. der 
allerdings vollig zum Pariser gewordene 
Celestino Piaggio. 

Vgl. Gaston A. Talam6n, Die zeitgenoss. argent. 
Musik (Zeitschr. des deutsch. wiss. Vereins zur Kultur- 
u. Landeskunde Argentiniens , 1918; separat J. WeiB & 
Preusche 1919). 



Ariani, Adriano, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 25. Sept. 1877 zu Rom, Schuler des Liceo 
Rossini in Pesaro unter Mario Vitali (Kl.) u. 
Mascagni (Komp.), der ihn 1905 mit zwei 
Stiicken aus einer Orch.- Suite dem Publikum 
des Augusteo vorstellte; in Rom machte er 
sich auch als Pianist bekannt u. war kurze Zeit 
Lehrer an S. Cecilia. Einige Jahre verbrachte 
er in New York, wo er zum Dirigieren uberging 
u. 1918 in Carnegie Hall ein Oratorium San 
Francesco zur Auff. brachte; 1920 leitete er 
eine Opernsaison am Brooklyn Acad, of Music 
Theater. Er lebt wieder in Italien. 

Messe, 2 Sinfonien. 

Arin y Goenaga, Valentin, span. Padag. 
u. Komp., geb. 3. Nov. 1854 zu Villafranca, 
(Alava); einer der ersten, der in Spanien 
moderne Methoden bei den harmon. u. kontrap. 
Studien anwandte. Bis zu seinem kiirzlich 
(1923 ?) erfolgten Tod war er Lehrer am R. Cons. 
de M. in Madrid, wo er 1877, als Schuler von 
Arrieta, den 1. Kompositionspreis erhalten 
hatte. 

Arkass, Nikola, ukrain. Komp., geb. 1853 ? 
gest. 1903; Autor der popularen u. viel ge- 
spielten Oper Katherina. 

Arkwright. Godfrey E. P., engl. M.forscher, 
geb. 10. April 1864, Schuler von John Farmer 
(Balliol CoU. Oxford) u. H. E. Wooldridge. 

Hrsg. Musical Antiquary {musikw. Monatsschrift 
1909—13); einige Bande der Pur cell- G.- A.; Engl. 
Lieder : Laives to Linley; Musikkatalog der Christ. 
Church Library, Oxford, bisher 2 Bde. (Milford); 
Studies in Modal Composition (Musica Antiquata) 
zusammen mit H. E. Wooldridge; 5 Hefte Lieder. 

Arkwright, Marian Ursula, engl. Kom- 
ponistin, Schwester des vor., geb. 25. Jan. 1863 
zu Norwich, gest. 23. Marz 1922 zu London; 
1913 Mus. Doc. Dunelm.; hat fur die Forderung 
der Musik auf dem engl. Lande viel getan. 

Zwei Konzertstiicke f. Viola u. Kl,. (Br. & H.); 
Requiem fur Chor u. Orch. (Cary & Co.); FrCh.: The 
Dragon of Wantley; Orch. -Suiten; Kammermusik fur 
Holzblaser; Operette: Waterbabies; The Last Rhyme of 
true Thomas i. Ch. u. Streichorch. u. KL 

Arfom, Wilfred, austral. Pianist, Organist 
u. Komp., geb. 1. Mai 1887 in Newcastle- 
on-Tyne; Schuler von Frederick Dawson 
(Kl.), C. Hylton Stewart (Org.) u. der Univ. 
Adelaide ; ging 1914 als f ortschrittlicher 
Pianist nach Sydney u. ist seit 1924 Lehrer 
f. Org. an N. S. W. State Cons.; seit 1921 
auch Mitglied der austral. Prufungskom- 
mission f. Musik. 

Viele Lieder; Anthems; Klavierstucke (Newman; 
Allan & Co., Melbourne) .. 

ArmandOZ, Norberto, span . Organist u . 
Komp., geb. Juni 1893 zu Astizarraga (Gui- 
piizcoa); stud, in Spanien u. Paris; mit 26 
Jahren Hauptorganist der Kath. zu Sevilla, 
welches Amt er noch heute bekleidet. 

Kirchenmusik; Arrangement Baskischer Volks- 
Musik (Itiuna, Goixian On etc.). 

Armbrust, Walter, deutsch. Organist u. 
Dirig., geb. 17. Okt. 1882 zu Hamburg, Sohn 
des beruhmten Organisten Carl. F. A. (1849 s 



Armin — Arregui Garay. 



19 



bis 1896), dessen Schuler er war; danach noch 
vonW. Bohmer u. Paul Homeyer (Leipz.); seit 
1903 Organist u. Kantor der Heiligengeist- 
kirche zu Hamburg; 1905 — 08 konzertierender 
Orchesterleiter; 1908 Begrunder des „Brahms- 
Kons. Hambg."; 1920 2. Kapellmeister des 
Dresdener Philh Orch Seit 1922 ist er 1 KM. 
des Stadt. Orch., seit 1924 Stadt. MD. in 
Eisenach. A. ist einer der fruhesten Inter- 
preten der Werke Regers gewesen, auch der 
von Carl Hoyer u. S. Karg-Elert. 

Armin, George (eigentlich Georg Herr- 
mann), deutscher Gesangspadagoge, geb. 
10. Nov. 1871 zu Braunschweig als Sohn des 
Kgl. M.dirigenten Otto H., stud. Hochbau am 
Polytechnikum zu Braunschweig, ging aber 
1892 zur Musik iiber u. war Gesangsschuler 
von A. Iffert in Koln u. Frl. Mary Davis u. 
L. C. Torsleff in Leipzig. Nach kurzer Tatig- 
keit als Konzertsanger 1894 — 95 widmete er 
sich dem Gesanglehrfach, seit. 1904 in Berlin. 
Seine Methode basiert auf dem sogen. Stau- 
prinzip. 

Die Lekrsatze der automatiscken Stimmbildung (1900); 
Stimmkrise und Stimmheilung (1901); Gesamvnelte Auf- 
satze iiber Stimmbildung (1903, Luckhardt); Das Stau- 
prinzip (1905, Siegel); Konservatorium und Gesangs- 
unterricht (1907); Milller-Brunow, eine Kritik der 
Stimmbildung (1907, Bongart); Das Stauprinzip (1908); 
Die Stimmkrise (1912, Siegel); Von der Urkraft der 
Stimme (1921); Die Lieder von Richard Wetz (1911): 
Der Modegesanglehrer (1925, Mimir-Verlag, Stuttg.). 

Arndt-Ober, Margarete, deutsche Opern- 
altistin, geb. zu Berlin, studierte ein Jahr bei 
Prof. Stolzenberg, dann nur mehr bei ihrem 
Gatten Arthur Arndt; begann ihre Laufbahn 
in Stettin, von wo sie schon nach einigen Mo- 
naten an die Berliner Hofoper engagiert wurde. 
Im Herbst 1913 ging sie an dasMetr. Op. House 
in New York, aber 1917 wieder nach Berlin 
zuruck; Hauptrollen : Ortrud, Brangane, 
Fricka, Erda, Kundry, Eglantine, Katharina 
(Gotz), Azucena, Ulrica, Amneris, Hercdias, 
Rosenkavalier, Klythamnestra, Dalila u. a. 

d'ArneirO, I. A. Ferreiro Veiga, Vicomte, 
portug. Komp., geb. 22. Nov. 1838 zu Macao in 
China, gest. im Juli 1903 zu San Remo, studierte 
Jura zu Coimbra, seit 1859 Kompos. u. Ges. bei 
V. Schira, bei Ant. Jose Soares Klavier, auf dem 
er es sehr weit brachte. Friih iibersiedelte er 
nach Italien, wo er den Rest seines Lebens ver- 
brachte, nicht ohne Lissabon regelmafiig zu 
besuchen, wo seine fruheren Werke, sein Ballett 
Ginn (San Carlos 1866) aufgefuhrt wurden. 
Sein Hauptwerk ist ein Tedeum, 1871 zuerst 
in Sanct Paul in Lissabon u. dann als „Sinfonie- 
Kantate" in Paris unter Leon Martin aufgefuhrt. 

Opern: Elisir di Giovinezza (Lissab. 1876, Mail. 
Dal Verme 1877); spater in neuer Fassung, als La 
Derelitta Liss., San Carlos 1885); Don Bibas (seine 
letzte Oper. bei einem ital. Wettbewerb preisgekront) ; 
viele Kl.-Stiicke. 

Arnheiltl, Richard, Dr., deutscher Komp., 
geb. 18. Feb. 1869 in Seesen a. H., stud. Philo- 



sophic u. Medizin u. trieb seine mus. Studien 
bei Wilh. Klatte in Berlin. 

Aufgefuhrt: Kantate f. Soli, Chor u. Orch. Died der 
Armen (Henckell) op. 7; Orchesterballade Der Zauber- 
tcald op. 13; V.-Konzert op. 17; Streichquartette C-moll 
op. 2 u. H-moll op. 14; Kl.-Trio A-dur op. 3; Gesangemit 
obi. Violine op. 11; drei Stiicke f. Streichquart. mit 
Kezitafcion (Gedichte von Manfred Berger) op. 21; zahl- 
reiche Lieder, davon 2 gedr. (Bote & Bock). AuBerdem 
2 Cantaten f. Soli r Chor u. Orch. Aus tiefer Not schrei 
ich zu dir op. 9 u. Totenfeier op. 15; Kl. Sonate F-moll 
cp. 8. 

ArnoEdSOn, Sigrid, schwed. Sopranistin, 
geb. 20. Marz 1861 in Stockholm, Schiilerin 
von M. Strakosch, u. Desiree Artot; debiitierte 
1886 zu Moskau, seitdem, als erklarte Nach- 
folgerin der Patti, eine europaische Beruhmt- 
heit (Rosina, Dinorah, Sonnambula, Mignon, 
Cherubino, Zerlina, Traviata). Verheiratet 
mit Alfred Fischhof, lange in Paris ansassig, 
seit 1922 Gesangspadagogin in Wien. 

Aroca y Ortega Jesus, span. Komp. u. M.- 
forscher, geb. Okt. 1877 zu Algete (Madrid), 
Schuler des Madr. Kons. in Klavierspiel u. 
Kompos., Vorsitzender der span. Asociacion de 
Directores de Orquesta, ebenso bekannt als 
Kompos. von kleinen popularen Stiicken u. 
Singspielen wie verdient als Erforscher der 
span. M.gesch. 

Biicher : Cancionero musical y poitico del siglo XVI 
(tjbertragung des Gesangsbuches von Claudio de la 
Sablonara, enthaltend Musik und biogr. Kotizen iiber die 
span. Dichter des goldenen Zeitalters wie Juan Bias 
de Castro, Mateo Romero, El Maestro Capitan u. Machado 
el Portugues: verbff. im Boletiu de la B. Acad. Esp.); 
Resefia hist6rica de la Tonada, Neuausg. von Werken 
des 16.— 18. Jhts. (R. Velasco, Madrid). Biihnen- 
musik zu dem Drama des Antonio J. de Linares Alma 
Remota (Madr., Teatro Esp.); Arrabales Castellanos t 
Orch.-Suite. (Verleger: F. Fuentes; Mateu; Uni6n 
Mus. Espanola; Madr.). 

Arrau, Claudio, chilen. Pianist, geb. 6. Feb. 
1904 zu Chilian, Schuler dort von Prof. Paoli, 
dann von Martin Krause in Berlin, Ibach- 
Preistrager: eines der Wunderkinder, das 
den Ubergang zum reifen Kimstler aufs gliick- 
lichste gefunden hat u. ein Spieler von Ernst 
u. Tiefe geworden ist. 

Arregui Garay, Vicente, span. Komp., geb. 
3. Juli 1871 zu Madrid, Schuler des dort. Kons., 
Preistrager f. Kl. u. Kompos., 1899 von der 
Acad, de Bellas Artes mit einem Stipendium 
begabt zur Erweiterung seiner Studien in Paris 
u. Rom. M.kritiker der Zeitung El Debate 
in Madrid. Er ist auf keine Richtung einge- 
schworen, u. mag in diesem Sinn als AuBen- 
Seiter betrachtet werden, dessen Produktion 
stets die dem kastilischcn Temperament eigenen 
Ztige von Mafi und Ernst zeigt. 

Streichquartett; Kl.-Sonate (1916 z. e.M. in der Soc. 
Kac. de Musica gespielt); fur Orch.: Melodia religiosa 
(Feb. 1917); Oration y Escena de los Angeles aus d. Orat. 
San Francisco; Eistoria de una Madre, sinf. Dicht. 
nach Andersen's Marchen 1910 seitdem viel gespielt); 
Sinfonia vasca (1922); Kantate El Lobo Ciego (Opernhaus 
Madrid 1916); 4st. Motette, Messe f. 3 St. u. Org.; drei 
Singspiele f. Kinder Chao, Tatin u. La Sombra 
de Mariani (Schott). Opern: Yolanda, einakt., 
nach Henry Hertz, 1911 pramiert, 1923 in Madrid auf- 



"20 



Arrieta y Corera— Ashdown. 



gef.; La Maya, 2akt.; La Madona, 2akt. ; El Cuento de 
Barta Azul {Blaubart), 3akt. 

Arrieta y Corera Emilio, span. Komp., geb. 
21. Okt. 1823 zu Puente de la Reina (Navarra); 
1857 Kompos.-Lehrer am R. Cons, de Mtisica 
zu Madrid u. dessen Direktor von 1858 bis 
zu seinem Tod, 11. Feb. 1894; Mitgl. der Acad, 
de Bellas Artes de San Fernando, 1875 Rat im 
Unterrichtsministerium. 15jahrig kam er nach 
Italien, stud, bei Perelli u. Mandanicci, trat 
1841 ins Mailander Kons. ein, wo er den 1. 
Kompos.-Preis errang und noch als Schiiler 
seine Oper Ildegonda schrieb, die spater in 
Madrid u. anderwarts zur Auffuhrung kam. 
Er schrieb Kantaten u. auch einige Kirchen- 
musik, hauptsachlich aber im Stil der ital. 
Opera buffa Zarzuelas, die ihn beruhmt machten 
— vor allem der Domino Azul (1853) u. Marina, 
von der er eine Opernbearbeitung fur das 
Madrider Opernhaus machte. Gleich seinem 
Zeitgenossen Hilarion Eslava hat er auf den 
mus. Geschmack u. die mus. Erziehung in 
Spanien den groBten EinfluB geiibt. Beide, 
unempfanglich fur jeden neuen Eindruck, 
ignorierten oder verwarfen die Ideen Wagner's, 
die damals die ganze Welt beherrschten; A. 
war ein Schildhalter der ital. Tradition u. teilt 
mit Eslava die Schuld, das Nahen der span. 
Renaissance in der Musik urn mindestens 20 
Jahre aufgehalten zu haben. 

Oper: Ildegonda. Zarzuelas; El Grumete; La Estrella 
de Madrid; Marina; El Planeta Venus, Llamada y tropa; 
La Guerra santa (Uni6n Mus. Esp., Madrid). 

Arriola. Jose, span. Pianist, in jugendlich- 
stem Alter vor die Offentlichkeit gebracht 
(Pepito A., Diminitiv von Pepe, familiarer 
Name fur Joseph). Betroffen von der Begabung 
des Neunjahrigen, wollte Nikisch 1908 seine 
Ausbildung am Leipz. Kons. leiten. Bereiste 
von Zeit zu Zeit Deutschland, Spanien u. 
Amerika. 

Arroyo s. Portugiesische Oper. 

Arte di stupore, terminus technicus, von 
D. Alaleona (s. d.) in seinen Studien fiber mo- 
derne Harmonik gebraucht, um bestimmte 
Ausdruckswirkungen der „neutralen Tonalitat" 
zu bezeichnen. (s. Neutrale Tonalitat). 

Artner, Josefine von, deutsche Opern- 
sangerin, geb. 10. Nov. 1869 zu Prag, besuchte 
das Wiener Kons. (Prof. Ress); 1880—90 
in Leipzig; 1890—93 an der Wiener Hofoper, 
1893—1908 am Hamburger Stadt- Theater, 
seit 1896 bei den Festspielen in Bayreuth be- 
teiligt. Hauptrollen: Zerline, Rosine, Leonore, 
Susanne, Eva usw. 

Artdt de Padilla, Lola, span. Buhnensangerin, 
geb. in Sevres bei Paris, Tochter des Kammer- 
sangers Mariano de Padillau. der Desiree Artot, 
deren Schiilerin sie ausschlieBlich war ; debutierte 
im Mai 1904 an der Opera Comique zu Paris, 
trat am 11. Feb. 1905 z. e. M. in Deutschland 
am Berliner Opernhaus als Mignon auf; wurde, 
nach Gastspielreisen in Skandinavien u. Polen' 



im Dez. 1905 Mitghed der Berliner kom. Oper, 
an der sie die Mimi in Leoncavallo's Boheme 
kreierte (11. Dez.), u. bis 1908 bheb. Nach 
weiteren einjahrigen Gastspielreisen wurde sie 
(29. Aug. 1909) Mitglied der Berliner Oper, der 
sie bis heute angehort, als Sangerin von f einstem 
Kunstgeschmack u. eindringender Darstellungs- 
gabe. 1913 Kgl. PreuB. Kammersangerin. 
Hauptrollen: Zerline, Cherubino, Grafin 
(Figaro), Marie (Verkaufte Braut), Lotte 
(Werther), Margarethe, Oskar (Maskenball), u.a. 

Artsybuschew, Nikolas Wassiliewitsch, 
russ. Komp., geb. 7.Marzl858zuZarskoje-Selo, 
studierte erst Jura u. war Rechtsanwalt, 
studierte Kompos. bei Solowiew u. Rimski- 
Korssakow. Er hat Klavieriibertragungen 
von Werken R.-Korssakow's, Mussorgskfs, 
Borodin's gemacht, u. Romanzen u. Klavier- 
stiicke von gefalliger, aber eklektischer Me- 
lodik, komponiert; sie spiegeln den Einflufi 
der „Funf" u. auch Chopin's wider. 1908 Pras. 
des Verwaltungsausschusses der K. Russ. 
MG., Sektion Petersburg; Nachfolger R.- 
Korssakow's als Pras. des von Belajew gegr. 
Ausschusses zur Forderung russ. Komp. 
u. Kiinstler. 1920 liefi er sich als Geschafts- 
leiter des Verlags Belajew in Paris nieder. 

Artr, Carl Maria, deutsch. Dirig., geb. 
10. Juni 1887 zu Dusseldorf, Schiiler des dort. 
Kons. (Neitzel), dann F. Draeseke's in Dresden 
u. Jos. Pembaur's (Kl.) in Leipzig, seit 1913 
vielorts als fortschrittlich gesinnter Dirig. tatig, 
1919 — 21 Leiter des Orch.-Vereins in Stavanger 
(Norw.), seit 1925 Dirig. in Malta. 

Lieder; Kl.-stiicke (Bies & Erler); Streichquartett, 
sinf. Dicht. Am toten Maar op, 26; Oper. 

Arveschoug, Albert, norw. Barit., geb 1861 
zu Hamar, gest. 1913 in Oregon, U. S. A., 
Zogling der Mus. Akad. zu Stockholm, jung 
nach New York gekommen, wo er ein beliebter 
u. bewunderter Sanger war, machte Konzert- 
reisen in Amerika, England, Norwegen; einer 
der begabtesten Sanger, die Norwegen je 
besessen. 

Arvesen, Arve, norw. Geiger u. Padagoge, 
geb. 12. Sept. 1869 zu Hamar; Schiiler von 
Gudbrand Bohn in Christiania, des Leipz. 
Kons. (Sitt), Marsick's in Paris u. 1892—95 
Eugene^ Ysaye's in Briissel. Debutierte 1890 
in Christiania in einem von Erika Nissen 
gegebenen Konzert; Konzertmeister in Helsing- 
fors, Abo, Bergen u. Gothenburg; seit 1904 als 
Lehrer u. Solist in Christiania. 1915 griindete 
er einen Kammermusik-Verein, dessen Streich- 
quartett regelmafiig in Christiania u. auch in 
Paris, Kopenhagen, Stockholm konzertiert hat. 

Ascher, Leo, oster. Operettenkomp., geb. 
17. Aug. 1880 in Wien, Dr. phU. Bekanntestes 
Werk: Hoheit tanzt Walzer. 

Ashdown, Edwin Ltd., engl. Verleger. Der 
Grunder der Firma war Christian Rudolph 
Wessel, geb. 1797 zu Bremen, der 1825 nach 



Ashton — Atonalitat. 



21 



London kam u. mit der Veroffentlichung dort 
unbekannter ausland. Werke, wie Chopin u. 
Heller, begann. Das Geschaft wurde spater 
von Edwin Ashdown u. Henry J. Parry, beide 
vorher Angestellte Wessel's, erworben. Die 
Veroffentlichung der Klavierstucke von Sydney 
Smith u. Biinley Richards brachte der Firma 
Ruf u. Geld. Nach Parry's Riicktritt widmete 
sich Edwin A. der Ausgabe klassischer Werke, 
wobei er sich die Dienste von Walter Macfarren 
u. Sterndale Bennett als Herausgeber sicherte. 
Heute (1925) wird die Firma von zwei Enkeln 
A. geleitet u. fuhrt in groBem Umfang moderne 
padagogische Werke. 

Ashton, Algernon Bennet Langton, 
engl. Komp., geb. 9. Dez. 1859 zu Durham; 
kam 1863 nach Leipzig, wo er 17 Jahre blieb 
und 1875 — 79 am Kons. bei Reinecke, Jadas- 
sohn unter E. F. Richter studierte; spater 
(1880/1) noch bei Joachim Raff in Frank- 
furt a. Main. 1881 liefl er sich in London nieder; 
1885—1910 Lehrer f. Klavierspiel am R. 
C. M. Er ist ein Komponist ernster Richtung 
u. gediegener Bildung, seine Werke spiegeln 
den Einflufl Brahms'schen Stils u. der deut- 
schen biirgerlichen Rcmantik. Er hat uber 
150 Werke veroffentlicht. 

Klaviertrios Es-dur op. 77 (Ries & Erler), A-dur 
op. 88 (Hofbauer), op. 103 („Drei Tonbilder", id.), 
op. 123 H-molI (id); 24 Kl.-Sonaten; 5 Sonaten. f. V. u. 
Kl. op. 3 D-dur (Br. & H,), op. 38 E-dur (Simrock); 
op. 86 C-moll (Hofbauer) ; op. 99 A-dux ( Simrock) ; Sonate 
f, Va. u. Kl. A-moll op 44 (Simrock); 5 Sonaten f. Vcell. 
u. Kl. op. 6 F-dur (Siegel); op. 75 G-dur (Simrock); op. 
115 A-moll (Hofbauer); op. 128 B-dur (id.); 3 Trios; 
2 Klavierquartette op. 34 Fis-moll (Simrock) u. op. 90 
C-moll (Hofbauer); 2 Streichquartette; 2 Kl.- Quintette 
C-dur op. 25 (Peters) u. E-moll op. 100 (Hofbauer); 
1 Streichquintett; 1 Streichsextett ; Klavier- u. Orgel- 
stucke; Lieder (Simrock, Hofbauer, Ries & Erler); 
ChSre. MS: 5 Sinfonien; Ouverturen; Marsche u. 
Tanze f. Orch.; Klavierkonzert H-moll; Violinkonzert 
D-moll; Gesange. 

Bucher: TrvXh, Wit and Wisdom, 525 Briefe an die 
Presse (1905, Chapman & Hall); II. Band 656 Briefe 
(id. 1908). 

Aspestrand, Sigwardt, norw. Komp., geb. 
13. Nov. 1856 zu Fredrikshald, Violinschuler 
von Dalback u. Bohn in Christiania, seit 1881 
Zogling des Leipz. Kons., spater der Berliner 
Hochschule (Joachim). Eine Verletzung an 
der Hand zwang ihn das Geigenspiel aufzu- 
geben, worauf er Kompos. studierte; wahrend 
eines mehrjahrigen Aufenthalts in Deutsch- 
land komponierte er mehrere Opern auf eigenen 
Text; hat auch Kammermusik geschrieben. Sein 
Stil neigt stark zum klass. u. romant. Aus- 
druck, besonders zu Weber u. Marschner, u. 
tragt oft volkstumliche u. nationale Pragung. 
Er lebt jetzt in Christiania. 

Opern: Sjomandsbruden (Gotha, Coburg, Christiania); 
Freyas Alter; Der Heche von Lyrskovheid; Me Wette; 
1m Goetkezimmer; Le Baiser au Porteur; Robin Hood; 
die komische Oper Pervonte. 

Assaftew, Boris Wladimirowitsch, s. 
Glebow. 

Atanasiu, s. Rumanische Oper. 



Atkins, Sir Jvor Algernon, Organist der 
Worcester Cath.^ England; geb. 29. Nov. 1869 
zu Cardiff, Hilfsorganist unter Dr. Sinclair zu 
Truro u. Hereford; Festdirig. der Tree Choirs 
zu Worcester 1899, 1902, 1905, 1908, 1911, 
1920, 1923; Mus.Doc. Oxon. 1920, 1921 geadelt. 
Er hat, zusanunen mit S. Edward Elgar, Bach's 
Matthaus-Passion u. Bach's Weimarer Orgel- 
buchlein bei Novello hrsg. 

Bymn of Faith (Text von Elgar); Magnificat u. 
Nunc Dimittis- Satze f. Chor u. Orch.; gem. Chore; Lieder 
u. a. 

Atonalitat, neuer Satzstil, der die Rucksicht 
auf irgendeine harmonisch fundierte Leiter 
oder Tonica bewuBt negiert; wenn er auch 
unter dem gegenwartig gebrauchlichen System 
naturhch keine andere Skala verwenden kann 
als die zwtilfstufige temperierte. Die Tendenz, 
gelegentJ ich den Boden einer bestimmten 
TonaHtat zu verlassen, geht vielleicht schon 
bis auf Mozart (Durchftihrung im SchluBsatz 
der Gr-moll-Sinfonie) zuriick. Doch liegen ihre 
eigentlichen Urspninge in der Chromatik von 
Wagners Tristan und Isolde, in der Moglichkeit 
des Aufbaus von Dissonanzen auf jeder Stufe 
der chromatischen Skala, derart, daB jede 
Stufe die Funktion einer Dominante gewinnt. 
Ihren ersten entschiedenen Ausdruck hat die 
Zersetzung der Tonalitat aber erst in Schon- 
bergs drei Klavierstucken op. 11 gefunden. 
Schbnberg behandelt das Problem der A. auch 
theoretisch in seiner Harmonielehre (Wien 1911, 
Un.-Ed., 3. Aufl. 1922); er ist zur Atonahtat 
freilich mehr durch freien Kontrapunkt, oft 
durch Polytonalitat, gelangt. Zu den atonal 
gerichteten Komponisten gehoren Bartok, Ho- 
negger, Bliss, Strawinski, Paul Hindemith, 
Ant. von Webern, Bern, van Dieren, Sorabij, 
Daniel Ruyneman u. v. a. Debussy erreicht 
atonale Wirkungen oft durch die Anwendung 
der Ganztonskala. Von modernen Kompo- 
nisten, die vor 1911 gelegentlich an den Grenz- 
bereich der Atonalitat gelangten, seien Rich. 
StrauB, Granville Bantock u. Cyril Scott 
erwahnt. Doch sind all diese Wendungen 
zur A. immer noch von der reinen u. prinzi- 
piellen A. verschieden. Eine konsequente 
A., wie sie z. B. Josef Hauer (s. d.) u. J. 
Golyscbelf angestrebt u. auch erreicht haben, 
arbeitet mit der vollkommenen Selbstandig- 
keit u. Beziehungslosigkeit der 12 Halbtone 
des temperierten Systems — die mensch- 
liche Stimme o der die Streichinstrumente 
sind als Organe der atonalen Musik eigenthch 
lich nicht brauchbar. Die atonale ,,Melo- 
die" ist also grundsatzhch ein rein mecha- 
nisches Produkt — die Zahl der Kombi- 
nationen betragt 479001600 — u. stellt eine 
Contradictio in adjecto, eine Absurditat dar, 
da es dem auffassenden Geist unmoglich ist, 
keine Beziehung zwischen den einzelnen 
Tonen herzustellen. Man kann mit einem 
rein negativen Prinzip keine Musik schaffen. 



'S2 



Attal— Audsley. 



VgL auch A. Eaglefield-Hull, Modern Earmony, 
Kap. XI (Augener 1913); Jos. M. Hauer, Deutung 
des Melos (Wicn 1923, E. P. Tal); Herbert Eimert, 
Atonale Musiklehre (Br. & H. 1924). Anton Bauer, 
-Atonale Satzlehre (Cham 1925). 

Attal, Dario, ital. Pianist u. Komponist, 
geb. 11, Okt. 1881 in Marsa (Tunesien); erst KL- 
Schuler von G. Pratesi in Livorno, dann von 
Alfr. Tocci in Florenz (Kl.) sowie von A. Scon- 
trino u. R. Grazzini (Kompos.), endlich noch 
drei Jahre lang von Leschetizky in Wien. 
2 (unaufgef.) Opern: La Zingara; Jolivette; K\.- 
Stucke; Kl.-Konzert; Sonate f. V. u. Kl.; Inno delle 
sorelle latine f. Soli, Chor u. Orch. (1916); Inno a Verdun 
(Paris 1916); Inno all' Inghilterra. 

Atterberg, Kurt M., schwed. Komp. u. Dirig., 
geb. 12. Dez. 1887 zu Gothenburg, stud, zuerst 
auf der Techn. Hochsehule, darauf (1910—11) 
amKons, in Stockholm (A. Hallen), machte dann 
als Staatsstipendiat 1911 eine erste Studien- 
reise nachDeutschland, wurdenach seiner Ruck - 
kehr nach Schweden als Ingenieur am Patent- 
u. Regierungsamt angestellt, unternalim 1913 
eine zweite Studienreise nach Deutschland 
(Techn. Hochschule Berlin, Max Schillings in 
Stuttgart), dann Dirigent in Stockholm u. 
Musikkritiker an Stockholms Tidningen. Unter 
den jungschwedischen Komponisten steht er 
an erster Stelle; als Sinfoniker pflegt er stark 
das poetisierende Element. 

Op. 1, Rhapsodie f. Kl. u. Orch., 1908; 1912 zu 
Gothenburg aufgef.; op. 2, Adagio u. Scherzo f. Streich- 
quartett, 1909, Stockh. 1918; op. 3 Sinfonie Nr. 1 
H-moll, 1909—11; Gothenburg 1912; op. 4, Konzert- 
Ouvertiire A-moll; 1909—11, Gothenbg. 1912; op. 5, 
sinf. Dichtung. f. Baritonu. Orch., 1912, Stockh, 1913; 
op. 6, Sinfonie Nr. II F-dur, 1911— 13 (Hansen), Sonders- 
hausen 1913; op. 7 V.-Konzert, Gothenbg 1914; op. 8, 
Requiem, f. Chor u. Orch. 1914, Malmo 1914; 
op. 9, Ball ett- Pantomime Per Svinaherde, 1914, 
Gothenb. 1916; op. 10: Sinfonie JSt. Hl=Meeressinfonie> 
Stockholm 1916; op. 11, Streichquartett, Stockh. 1918; 
op 12, Oper Harvard Earpolekare, auf eignen Text, 
1912—15, Stockh, 1919; op. 13, Yorspiel zu Perseus 
1918, Stockh. 1919; op. 14, Sinfonie Nr. IV = Piccolo 
sinfonia, 1918, Stockh. 1919; op. 15, Eerbstballaden f. 
Kl., 1918—19 (Nord. Musikforl.); op, 16, Kantate Jdrn- 
baraland f. Sol., Chor u. Orch., Stockh. 1919; op. 17, 
Orch.-Rhapsodie De f&vitska jungfrurna (Die torichte 
Jungfrau), 1920 (Nord. Musikf.); op. 18, Musik zu 
Shakespeare's Sturm; op. 19, Zwei Suiten f. kl. Orch. 
(Leuckart); op. 20, Sinfonie Nr. V = Funebre, 1922; 
op. 21 Vcell.-Konzert (1922); Klavierstucke. 

Aubert, Louis Francois Marie, franz. 
Komp., geb. 19. Feb. 1877 zu Parame; stud, am 
Pariser Cons, bei Diemer, Lavignac u. Vidal, 
hauptsachlich aber Kompos. bei Gabriel Faure. 
1901 befestigte die Auff. (Cone. Colonne) einer 
Fantasief. Kl. u. Orch., op. 8 H-moll (Durand), 
1899 komponiert, den ausgezeichneten Ein- 
druck, den 1900 seine Suite Breve f. Orch. op. 6 
(Durand) gemacht hatte. Bis 1902 war er mit 
einer umfangreichen dram. Partitur, La Legende 
du Sang beschaftigt, aus der jedoch nur zwei 
Bruchstiicke — Helene u. Invocation a Odin — 
bei Durand erschienen sind. 1910 vollendete er 
ein Marchenspiel La Foret Bleue (Genf u. Boston 
1913; Paris, Opera Comique im Juni 1924). 
Auch schrieb er ein Kl.quintett (1925); So- 
nate f. V. u. Kl. (1925); Introduction et Allegro 



f. Fl. u. Kl. (1922); eine Reihe Gesange, unter 
denen die Folgen Crepuscules d'Automne 
(1910) u. Six Poemes arabes (1907) hervor- 
zuheben sind; ebenso wie unter seinen Klavier- 
werken der malerische Cyklus Sillages (1911). 
Auch sein Orchesterwerk Habanera (1919) 
wurde als techn isch u. poetisch hervorragendes 
Stuck begriiBt, ebenso eine Caprice fur V. 
u. Orch. (erste Auff. Jan. 1925) (alles bei 
Durand). 

Vgl. L. Vuillemin, L. A, et son ceuvre (Paris 1921, 
Durand). 

Ali&ry, Pierre, franz. M.forscher, geb. 
14. Feb. 1874 zu Paris; durch Ungliicksfail 
gest. 31. Aug. 1910 in Dieppe; 1894 in Lite- 
rating 1896 in Jurispr. graduiert u. von 
der Ecole des Chartres diplomiert (Studie: 
Philosophie musicale des irouveres); Lehrer 
am Inst. Cathol. in Paris. 1901 sammelte 
er auf einer Studienreise in Turkestan Do- 
kumente zur vergl. M.gesch. des griech, u. 
rom. Kirchengesangs . Als Spezialist fur 
die kirchl. u. weltl. Musik des MA. hat 
er eine Menge von Notierungen wieder 
bekannt gemacht, wenn auch seine (rhyth- 
mische) Interpretation starkem Zweifel be- 
gegnet ist. Seine zahlreichen Veroffent- 
hchungen sind allein durch die Faksimi- 
lierungen mittelalt. HS. von grotftem Wert. 
Von besonderem Interesse sind: 

La musique et les musicians d'eglise en Normandie au 
XIII e Siecle (1906, Champion); Estampies et danses roy~ 
ales\ Les plus anciens textes de musique instrumental 
au Moyen-Age (1907, Fischbacher) ; La rhythmique 
musicale des Troubadours et des Trouv&res (1907, Cham- 
pion); Recherches sur les„tenors" francais dans les motets 
duXIIIe siecle (1907, Soc. franc, d'impr. et de llbrairie) ; 
Le Roman de Fauvel (1907, Geuthner); Cent Motets du 
XIII e siecle (1908, 3 Bde.; der sog. Bamberger Codex); 
Chansons des Croisades (mit J. B(5dier, (1909); Trou- 
v&res et troubadours (1909, englisch 1914, Schirmer); 
Chansonnier de V Arsenal (1910) u. a. Mit A. Gastoue 
gab A. die Tribune de St. Gervais heraus u. schrieb von 
1903—08 eine Reihe von Studien im Mercure Musical; 
war auch Mitarbeiter an 2 Banden der Chansons de 
troubadours, Chansons du XV e siecle (Paris, Rouart). 
Vgl. Notice necrologique (Paris, 1911, Plon) mit Yer- 
zeichnis der Werke. 

Audran, Edmond, franz. Komp., geb. 
11. April 1842 zu Lyon, gest. 17. Aug. 1901 
zu Tierceville; studierte am Niedermeyer- 
schen Kirchenmusikinst., kam 1861 mit seinem 
Vater Marius Pierre A. (1816—87) nach Mar- 
seille, wo er Organist wurde; seit 1877 lebte 
er in Paris nur der Kompos. von Operetten, 
deren grazioser Stil (der leichter ist als der 
Lecocq's), und deren beschwingte Melodik u. 
pikante Rhythmik sehr zu ruhmen sind; im 
ganzen iiber 40 Opera, darunter eine Messe 
u. ein Oratorium, incl. die Operetten. Die 
erfolgreichsten: 

Le grand Mogol 1877; La Mascotte 1880; Gillette de 
Narbonne 1882; Mift Eelyett 1890. (Verlag Choudens). 

Audsley, George Ashdown, schott. 
Orgelsachkenner u. Schriftsteller, geb. 6. Sept. 
1838, als Baumeister gebildet, interessierte 
sich seit ca. 1865 fur Orgelwesen u. Orgelbau 



Auer — Aulas. 



23 



u. begann 1886 mit der Schriftstellerei \iber 
dies Thema. 1892 ging er nach den U. S. A. 

The Art of Organ-building (Dodd, Mead 1905); The 
Organ of the Twentieth Century (Dodd, Mead 1919) ; Organ- 
stops and their Artistic Registration (Gray 1921); Bei- 
trage fur The English Mechanic u. World of Science, 
1886—88. 

Auer, Leopold (von), ungar. Geiger, geb. 
7. Juni 1847 zu Vesprem, Sehiiler von Ridley 
Kohne am Budapester Kons., von J. Dont 
am Wiener Kons. 1857/8, endlich noch Jo- 
achim's zu Hannover. 1863 wurde er Konzert- 
meister in Dusseldorf, 1866 in Hamburg, 
seit 1868 war er in Petersburg Soloviolinist 
des Zaren u. V.lehrer am Kons. 1887 — 92 
leitete er die Konzerte der K. Russ. MG.; 
1895 geadelt, 1903 Staatsrat. Seit 1911 lebte 
er bei Dresden, ging 1914 nach Petersburg 
zuriick; Mai 1917 nach Christiania, Feb. 1918 
nach New York, wo er padagogisch tatig ist. 
Zu seinen Schulern zahlen ELman, Zimbalist, 
Kathleen Parlow, Eddy Brown, Heifetz, 
Seidel, Rosen u. v. a. 

Transcriptionen (C. Fischer, New York); Romanze 
Terzen-Tarantella ; Violin Playing as I teach it (London 
u. New York, Stokes 1921); My long life in Music 
(New York 1923, Stokes). 

Auffassung, musikalische ; ein Teil der 
mus. Erziehung, mit den Hauptgesichts- 
punkten: tjbung des Ohrs, tJbung des Geistes 
u. Gedachtnisses, Anregung der Phantasie — 
Probleme, die, wie das nachfolgende Literatur- 
verzeichnis beweist, in letzter Zeit besonders 
stark in England die Gemuter bewegt haben, 
in Deutschland jedoch langst zu den Grund- 
fragen der Musikpsychologie u . M.pada- 
gogik gehoren. Dieser Reichtum an Literatur 
ist als solcher nur ein Zeichen fur die in Eng- 
land mit den nationalen Musikbestrebungen 
erwachende Tendenz, die Musik wieder zu 
einem Bestandteil der allgemeinen Volks- 
kultur zu machen . Man vergleiche also : 
H. Antcliffe, How to enjoy Music (Kegan Paul); 
Clarence G. Hamilton, Musical Appreciation (Ditson, 
Boston); W. J. Henderson, What is good Musicl 
(Murray); Leigh Henry, Music, what it means and 
how to understand it (Curwen); E. Markham Lee, On 
listening to Music (Kegan Paul); Stewart Macpherson, 
Music and its Appreciation (J. Williams); Ernest 
Newman, The Appreciation of Music („Art of Life" 
Courses); Arthur W. Pollitt, The Enjoyment of M. 
(Methuen); Percy A. Scholes, Musical Appreciation in 
Schools und The Listener's Guide to Music (Oxf. Univ. 
Press); T. W. Surette und D. G. Mason, The Appre- 
ciation of M. (W. H. Gray, New York). 

Auffuhrungsrecht, s. Vereine; auch Chapi. 
Auge de Lassus, Lucien, franz. M.schrift- 
steller u. Librettist; geb. 1846 zu Paris, gest. 
das. 1914. Er schrieb 5 Verslustspiele, ein 
5akt. Drama u. 8 Textbucher fur kom. Opera; 
war ein popularer Schriftsteller, der die ver- 
schiedenartigsten Themen der M.gesch. mit 
groBem Geschick behandelte; personlicher 
Freund von Saint-Saens, fiir den er drei 
Libretti schrieb (Phryne, VAnc&re, La Gloire) 
u. dem er auch eine Arbeit widmete: Camille 
Saint-Saens (Paris 1914, Delagrave). AuBerdem: 



BoUldieu; eine Gesch. der Musikgesellsch. „La 
Trompette"; Vn Demi-sMcle de Musique de Chambre 
(1911, Delagrave). 

Augener, Ltd., engl. Verlag, von George A. 
1853 zu London gegrundet, zuerst als Agentur 
deutscher Firmen, bes. von C. F. Peters, seit 
1867 aber selbstandig; seitdem ca. 6000 
Nummern, zumeist klassisehe u. padago- 
gische Musik, als bes . Spezialitat Klavier- 
musik vor allem engl. Komponisten. Seit 1871 
erscheint im Verlag A. die Zeitschrift The 
Monthly Musical Record, mit Mitarbeitern 
wie Prout, Niecks, Pauer, Shedlock, Hull. 
1896 erwarb A. die Firma Rob. Cocks & Co. 
(gegr. 1823); Okt. 1904 wurde die Firma 
eine G. m. b. H.; 1910 zog der Grunder, Ge- 
orge A., sich zuriick (gest. 1915). 18^8 er- 
richtete die Firma eine Druckerei in Lexington 
Street, Golden Square, 1911 ersetzt durch eine 
moderne Druckerei zu Acton. Bei der Um- 
wandlung in eine G. m. b. H. gingen die Werke 
Riemann's u. Fruhwerke Reger's an B. Schott's 
Sonne in Mainz iiber; 1913 die ganze Firma; 
doch wurde Schott als Eigentumer durch den 
Krieg wieder beseitigt. 

AugUSteo, Konzertraum in Rom, der be- 
deutendste in Italien sowohl in bezug auf 
seine Statte wie seine kunstlerischen Pro- 
gramme. Er steht auf den Ruinen des 
Mausoleums von Augustus, daher der 
Name. Wahrend des letzten Jahrhunderts 
■ diente das A. Volksbelustigungen, war lange 
Zeit geschlossen, bis die Stadt Rom es in den 
gegenwartigen, 1918 eingeweihten Konzert- 
raum umwandelte. Die Orchester- u. Chor- 
konzerte, die friiher in der Aula der Ace. 
di S. Cecilia stattgefunden hatten, wurden 
ins A. verlegt, das bald zum Mittelpunkt 
des ital. Konzertlebens wurde, u. in dem die 
groBten Dirigenten u. Kimstler erschienen. 
Der Raum gehort der Stadt Rom u. wird 
verwaltet von der Ace. di S. Cecilia. Die 
Konzertsaison dauert von Dez . bis April ; 
kunstlerischer Leiter ist z. Z. Bernardino 
Molinari (s. d.). 

Vgl. Guido M. Gatti, The Academy of St. Cecilia 
and the A. in Rome (Mus. Quarterly 1922). 

Aula Guillen, Luis, span. Komp. u. Klavier- 
padagoge, geb. 1876 zu Saragossa; Schuler 
des Madrider Kons., Klavierlehrer an der 
Escuela Nacional de Miisica, Saragossa. 

Doppel-Quintett f. Streicher, Blaser u. Kl. (Sarag. 
1915, Filarmonica); Anoranzas, sinf. Dicht. (Madr. 
1919, Orq. Filarm.) : Cuadros poiticos, Suite f. Orch. 
(id. 1922); Trozo rapsddico (id. 1923). 

Aulas, Francisque, franz. Komp., geb. 
1884 zu Lyon, gest. 30. Juni 1915; Schuler 
des Lyoner Cons., Komp. von groBen Hoff- 
nungen u . f eurigem Temperament, f ana- 
tischer Anhanger von Berlioz ; er hinter- 
UeB eine Reihe ansehnlicher noch unveroff. 
Werke: 

Poeme fantasque f. Orch.; Le Crepuscule i. Ob. u. 
Orch. (1904); KX- u. V.-Sonaten; EX-Suite; Gesange 
auf eigene Texte. 



24 



Aulin — Axman. 



Aulin, Tor, schwed. Violinist u. Komp., 
geb. 10. Sept. 1866 in Stockholm, gest. da- 
selbst 1. Marz 1914, Schuler von Emil Sauer 
u. Phil. Scharwenka in Berlin, 1889—1902 
Konzertmeister an der Hofoper in Stock- 
holm, dann Dirig. des Stockholmer Kunst- 
vereins u. seit 1909 des Gothenburger Sinf,- 
Orch. 1887 griindete er das Streichquartett 
Aulin (mit G. Molander, R. Claesson u. S. 
Bltfmquist, Pianist W. Stenhammar). 

3 V-Konzerte, Nr. 2 A-moll (Hainauer), Nr. 3 op. 14 
C-moll (Zimmermann); Orch.-Suite Meister Oluf 
op. 22 (Zimmermann); Sonate f. V. u. Kl. D-moll op. 12; 
kleine Suite f. V, u. Kl. E-dur (Siidd. Musikverlag); 
Kl.- u. V.-Stucke; Lieder. ■ 

Auric, Georges, franz. Komp., geb. 
15. Feb. 1899 zu Lodeve (Herault), Schuler 
von Caussade am Cons, in Paris u. von d'Indy 
an der Schola Cantorum, der sogen. Gruppe 
der „Sechs" angehorend, deren jiingstes Mit- 
glied er war; jetzt Kritiker der Nouvelles 
Litteraires. 

Ballette: Les Noces de Gamache; Les Facheux; Le 
Pelicans; Les Matelots (Paris 1925, Gait6); kom. Oper, 
1 akt. : La Heine de cceur. Fur Orch . : Fox Trott ; nocturne ; 
suite; fur KL: 3 pastorals; Gesange: Les Jones en feu; 
Alphabet- Becueil de Chansons pour enfants. 

Austin, Ernest, engl. Komp., geb. 31. Dez. 
1874 zu London; erst Kaufmann, wurde 
Musiker erst mit 37 Jahren, erhielt einigen 
Unterricht von F. Davenport, ist aber prak- 
tisch Autodidakt. Seine Var. f. Streichorch. 
op. 35 Vicar of Bray (Novello) wurden 
1918ff. in Queens Hall aufgefiihrt; seine 
Hymn of Apollo op. 39 1918 von der Leeds 
Choral Union; die Stella Mary Dances op. 58 
1918 in Queen's Hall; seine Ode on a 
Grecian Urn (Keats) op. 47 1922; ein urn- 
fangreicher Cyklus von Orgelwerken, an- 
geregt durch Bunyan's Pilgrim's Progress, 
op. 41 (in 12 Teilen; Larway). Seine 
Werke tragen moderne Pragung u. zeigen 
ein starkes Gefuhl fur echten dichterischen 
Ausdruck ; einige seiner Gesange sind 
ohne Taktstriche. Er ist auch als lyr. 
Dichter hervorgetreten: Songs from the Ravel 
(Reeves). 

AuBerdem: mehrere (14) Sonatinen iiber engl. Volks- 
lleder fur Kinder op. 38; eine grofie Masse klavierpad. 
Musik; Kammermusik; Lieder. Die meisten seiner 
Werke erschienen bei J. H. Larway, London; wenige 
bei Novello; Stainer & Bell; Boosey; Chester. 

Buch: The Fairyland of Music (1922, Methuen). 

Austin, Frederic, engl. Bariton, Opern- 
sanger u. Komponist, geb. 30. Marz 1872 
zu London; Gesangsschuler von Charles 
Lunn; in der Kompos. Schuler hauptsachlich 
seines Onkels, Dr. W. H. Hunt. Seit 1904 
einer der gesuchtesten Sanger bei den engl. 
M.festen; erster Baritonist an Covent Garden; 
bei Beecham, an His Majesty's u. Co v. G ; 
bei Denhofs Wagner- Auff.; auch in Deutschl.^ 
Holl. u. Danemark. Von ihm stammt die 
Neubearbeitung von Pepusch's Beggar's Opera 
(Hammersmith), die in London 1463 mal 



vom 6. Juni 1920 bis zum 17. Dez. 1923 ge- 
spielt wurde (gegeben auch in Paris, den 
U. S. A., Canada, Australien.) Spater schrieb 
er eine neue mus. Version der Fortsetzung 
der Bettler-Oper, Polly. Seine andern 

Buhnenwerke sind: Musik zu The Knight 
of the Burning Pestle (1921); The Insect Play 
(1922) u. zu Congreve's Way of the World 
(1924); seine Orch.-Werke waren erfolgreich. 
1 924 wurde er als kiinstler . Dir ektor der 
British Nat. Opera Co. angestellt. 

Orch.: Rhapsody Spring (ms) London 1907; Sinf. 
Dicht. Isabella (ms; Liverpool 1912); Sinfonie E-dur 
(London 1913); Palsgaard, dan. Skizzen (ma. 
London 1916); 3 Ges. mit Orch. Songs of Unrest 
(Augener; Birmingham 1913); 3 Ges. Love's Pil- 
grimage mit Kl. u. Streichquartett (Enoch) u. Songs 
in a Farmhouse f. Soli, Streichqu. u. Kl. (Novello); 
Kl.-Stucke (W. Rogers); The Beggar's Opera (Boosey); 
Polly (id.); 3 Tanze aus The Insect Play (id.). 

Auteri-Manzocchi Salvatore, ital. Komp., 
geb. 25. Dez. 1845 in Palermo, gest. 22. Feb. 
1924 in Parma; gelang^te erst mit 23 Jahren 
zum Studium der Musik bei Platania in Pa- 
lermo u. MabelUni in Florenz, war erst in 
Triest, dann in Parma ansassig, wo er 1891 
bis 1910 Gesangslehrer, zeitweilig auch Vice- 
direktor am Kons. war. Viele seiner Ro- 
manzen sind dank ihrem melodischen Reich- 
turn u. ihrer Ursprunglichkeit popular ge- 
worden. 
| Opern : Marcellina (unauf gef .) : Dolores (Florenz 
I 1875, sein erfolgreichstes Werk); II negriero (Barcelona 
I 1878); Stella (Piacenza 1880), mit der die Reihe seiner 
Mitierfolge beginnt: II Conte di Gleichen (Mailand, 
Dal Verme 1887); Graziella (id., Teatro Lirico 1894); Severo 
Torelli (Bologna, T. Duse 1903). 

Averkamp, Anton, holl. Komp., geb. 
18. Feb. 1861 in Willige Langerak, Schuler 
von D. de Lange in Amsterdam u. Friedr. 
Kiel in Berlin, des Munchener Kons., zuletzt 
von Messchaert in Amsterdam; griindete 
1890 den Amsterdamsch A Cappella Coor, 
mit dem er ausgezeichnete Auffiihrungen 
alter Musik veranstaltete u. u. a. 1906 in 
Berlin u. 1909 in Paris Triumphe feierte. 
Er ist Vors. der Vereeniging v. nederl. 
muziekgesch. u. der Maatsch. tot bev. van 
toonkunst. 

Sinf. Dicht. Elaine und Lancelot op. 7 (Zimmermann); 
Chor werke mit Orch.: Decora Lux, Die versunkene Burg\ 
a capp.: Adstant angelorum chori u. Te Deum; Sonate 
f. V. u. Kl. op. 2 D-dur (Ruhle); Lieder; eine unaufcef. 
Oper De Heidebloem, 

Buch: Vit mijn practijk. Wenken en raadgevingen 
oi7 het onderwijs en de studie van den solozana (Gronineen 
J. B. Wolters 1916). 

Avison Edition, Ausgabe zeitgen. engl. Musik, 
veroff. durch die Mitglieder der Soc. of British 
Composers bei Cary & Co. Der Name wurda 
gewahlt nach dem engl. Komp. Charles Avison 
(geb. um 1710 in Newcastle- on- Tyne). 

Axman, Emil, tschech. Komp., geb. 3. Juni 
1887 zu Ratay, Mahren; Schuler u, a. von 
V. Novak; promovierte an der Prager Univ. 
auf dem Gebiet der Musikwissenschaft, ist 



Axtens— Bach. 



25 



seit 1913 Musikarchivar am Prager Volks- 
museum. 

Studie: Mahren in der tschech. Musik. des 19. Jahrh. 
Chorwerke; Gesangs-Cyklen: Z Vojny (Aus dem Kriege) 
Duha (Regenbogen); 2 sinf. Dicht.: Smuiky a nadefe 
(Trauer u. Hotfen); Jasno; 2 Kl.-Sonaten (Verl. 
V. Kotrba; J. Otto; E. Stary; F. A. Urbanek und 
Hudebni Matice). 

Axtens, Florence E., austral. Kompo- 
nistin, geb, in London, lebt in Sydney. 

Memory Sketches f. Kl. (Novello); 2st. Bearbeitung 
austral. Lieder (Nicholson, Sydney; auch New South 
Wales Education Board); Sonatina i. V. (ms.); Solo- 
Lieder u. a. 



Azkue, Resurreccidn Maria de, span. 
Komp. , Philologe u. fuhrender M.forscher 
der baskischen Gruppe, Direktor der Acad, 
de la Lengua Vasca (Akad. f. Baskische 
Sprache), Bilbao. 

Vizcaytik Bizkaira, 3akt. zarzuela; Pasa de chimbos, 
2akt. zarzuela; EguzHa nora t desgl.; Colonia inglesa, 
3akt. kom. Oper; Sasi-escola, lakt. zarzuela; Aitaren 
bildur,de$g\.iOrtzuri, 3akt.Oper; ZfrZo,deBgl. — Folklore: 
La musica popular vascongada; M&sica popular vasca; 
Cancionero popular vasco (bisher 9 Bande; Barcelona), 
Kirchenmusik: Jesusen Biotzaren ila, Meditationen; 
Cdnticos religiosos; Cdrdicos a Nuestra Sefiora; Coro y 
tres estrofas en honor de San JosL 



B. 



Bacarisse Chinoria, Salvador, span. Komp., 
geb. 12. Sept. 1898 zu Madrid, wo er das Kons. 
(Conrado del Campo) besuchte. Seine Arbeiten 
sind nach Geist u. Form modern. 

2 Nocturnes f. Ges. u. Orch., Dichtungen von J. A. 
Silva; La Nave de Ulises, sinf Dicht.; Eeraldos f. Kl. 
(Union Mus. Bap., Madrid). 

Baccara, Luis a, ital. Pianistin, geb. 14. Jan. 
1894 zu Venedig , Schulerin des Mailander 
Kons. (Giov. Anfossi), dann, 1910, des Wiener 
(P. de Conne u. Leop. Godowsky), Konzert- 
spielerin (1918 im Augusteo zu Rom) der 
G. d'Annunzio einige enthusiastische Artikel 
gewidmet hat. 

Bach, David Josef, osterr. Musikschrift- 
steller u Kritiker; geb 13. Aug. 1874 zu Wien, 
wo er Philosophie u. Philologie studierte, mit 
23 Jahren Dr. phil. ; dann Schuler von C. Stumpf 
in Berlin u. von Wundt in Leipzig; begann 
als 26jahriger das M.stuttium, gab Unterricht 
u. schrieb fur Zeitungen. 1900 kehrte er nach 
Wien zuruck u. schrieb seit 1904 fur die Ar~ 
beiter-Zeit. , deren Hauptkritiker er ist. 
Er richtete in Wien Arbeiter-Sinfoniekonzerte 
ein u. war fur die musikalische Erziehung 
des Wiener Proletariats tatig; ist aucb der 
mus. Berater des Wiener Stadtrats. Das 
Wiener Musikfest 1918 war sein Verdienst. 
Mit J. Bittner zusammen gab ei 1918 — 22 
den Merker heraus. 

Die Wiener Volksoper (1911); Denkschrift zu den 
Meister-Auffiihrungen Wiener Musik (1920, Osterr. 
Staatsdruckerei). 

Bach, Eduard, deutsch. Pianist, geb. 13. Okt. 
1873 zu Munchen, stud, an der dort. Uni- 
versitat u. Ak. der Tonkunst, an der er seit 
1897 selbst Lehrer (Prof. 1905)!ist, 

Bach, Fritz, schweiz. Organist u. Komp., 
geb. 3. Juni 1881 zu Paris, erst Theologe, 
stud, seit 1905 Theorie bei J. Bischoff in Lau- 
sanne, dann Kompos. bei Widor u. d'Indy u. 
Orgel bei Guilmant u. Vierne in Paris; seit 
1913 lebt er als Organist u. Lehrer in Nyon. 

Sinf. C-moll; Kl.quintett A -moll (Freiburg in d. 
Schw. 1916) Streichquartett: Kl.quartettH-moll; Poeme 
(5 Satze) f. Kl.u. Streicher; 2 Kantaten f. MCh.; ChOre 
(Lausanne, Foetisch); Lieder; Orgelsttieke (Leduc); 
Musik zu N. Cellerier's Ligende de St Christopht, u. a. 



Bach, J. S. — Das 19. Jahrhundert hat Bach 
wieder entdeckt; die Verwirklichung der Ge- 
samt-Ausgabe seiner Werke gehort zu seinen 
grofiten philologischen Verdiensten. Es hat 
auch, nach den archaistischen Versuchen der 
Nachahmung Bach'schen Stils durch die 
Fruhromantik, bald erkannt, daB der Vorbild- 
lichkeit Bach's durch auBerlicLe Imitation 
nicht beizukommen sei; gerechtfertigt u. ge- 
gluckt ist die Archaisierung nur etwa in den 
Meistersingern Wagner's, u. nur Brahms hat 
sich der Meisterlichkeit Bach's durch seine 
Art von Meisterlichkeit genahert. Direkt an 
Bach angeknupft hat erst wieder Max Reger; 
aber sein ,,Kontrapunkt" steht unverschmolzen 
neben seiner ,,Harmonik", indes die GroBe 
Bach's auf dem unerreichbaren Gleichgewicht 
aller musikalischen Elemente beruht. Auch 
die moderne , ,Linearitat" hat kein Recht, 
sich auf Bach zu berufen, da Bach's kiihnste 
Linienfuhrung immer harmonisch gebunden, 
da sein , ,Kontrapunkt" immer gleichsam 
plastisch u. konkret bleibt. Bach's Musik ist 
deshalb das Gegenbild der Musik einer zer- 
rissenen Zeit, weil in ihr die hochste person- 
liche Freiheit sich innerhalb der starksten 
Gebundenheit entfaltet; Bach ist der groBte 
Kirchenmusiker u. doch der freieste Musiker; 
er ist der ,,Urvater der Harmonie" u. doch der 
groBte Meister der Polyphonie, seine Grofie 
wachst selbst tiber seine Abhangigkeit vom 
Zeitstil hinaus: man kann das ,,Barocke" 
seiner Musik ebensogut nachweisen wie das 
,,Gotische", „das Subjektive" ebenso wie das 
,,Objektive" seiner Musik. 

Den Grund zu einer umfsssftnden Kenntnis 
u. auch Erkenntnis Bach's hat Philipp Spitta 
mit seiner grofien Monographic (1873/80) ge- 
legt; er betrachtete Bach etwa im Sinne von 
Brahms, sicherlich im antineudeutschen Sinn, 
als den groBen absoluten Musiker, obwohl er 
poetisierende Ausdeutungen nicht vermieden 
hat. Die Korrektur seiner Anschauung kam 
von Andre Pirro u. Albert Schweitzer, die die 
barocke, malerische Ausdruckskraft in Bach 



26 



Bach de Llobera — Backhaus. 



erkannten. In neuester Zeit betreibt W. Werk e r 
den rechnerischen Nachweis von motivischen 
Zusammenhangen bei Bach, was ebenso auf 
eine Entseelung Bach's hinauslauft wie die 
Urlinien-Skelettierungen Heinrich Schenker's. 
Ihren starksten Gegner haben diese Bestre- 
bungen in Alfred HeuB (viele Studien in den 
Programmbuchern der Bachfeste der Neuen 
B. Ges. u. der Leipziger Bachfeste u. a.). Die 
psychisch-musikalischen Antriebe Bach'scher 
Polyphonie hat Ernst Kurth in seinen Grund- 
lagen des linearen Kontrapunkts aufgedeckt. 
Von Bach's Sohnen ist C. Ph. Em. Bach in 
neuerer Zeit vor allem im Mittelpunkt einer 
geschichtlichen Kontroverse gestanden 1 die 
Schopfung der ,,dramatischen Senate" ist 
ihm wie den deutschen Musikern uberhaupt 
bestntten worden (s. Torref ranca) ; aber er 
bleibt der charakteristischste Meister des 
empfmdsamen Zeitalters u. der anerkannte 
Lehrmeister der groBen Klassiker. Fur Mozart 
^eiiich von weit groBerer Bedeutung war 
Bachs jiingster Sohn, Joh. Christian, vor 
dessen „Entdeckung" w ir ganz eigentlich 
noch stehen (vgl. St.-Foix u. Landshoff) 
T'Sl'tf Pltta J Jm r S ' B - (Br - & H " 1873/80); Andre Pirro, 
^. (1906, deutsch von B. Engelke 1910 DVA ■ ein 

deutlnhfon/^ ; « U mus ™w VO&te, (Br. & H. 1905, 

BaSi& L?o7^ H - ); Joh ' Schreyer, Beitrage zur 
Q922 ir X 19 i 2 / 13 li H * Kretzschniar, Bachkolleg 

Wn«Si» g j&* 9 °f ); Ernsfc Eurth * Grundlagen des 

WUh wZ£t SC Z e \ P ° lypkonie < Max Hesse, 1917f.); 

u T?£ M T I ralvdien u - F ^n des Woklt. Klaviers) 
Whiter £ tth ^ s - p ^^), Br, & H., 1922/23; W. G. 
motets of J. S. B. (1924, Milford). 

^ooo de Llobera ' Lea , span. Harfenistin, 
geb. 1883 zu Paris, mit 7 Jahren Zogling des 
Cons, i sabella n> in Barcelona; wohin ihre 

Eltern iibergesiedelt waxen, mit 12 Jahren, 
nach erlangtem Reifediplom, des Pariser Cons. 
(Hasselmans), dort 1907 pramiiert; auch am 
Londoner Hof gefeiert. 

Bachelet, Alfred, frz. Komp., geb. 26, Feb. 
±st>4 in Paris; einer der bemerkenswertesten 
Opernkomponisten der mod. franz. Schule, 
aer aber erst spat Anerkennung errungen hat 
u. zwar einzig mit einem lyrischen °Drama 
U™nd la cloche sonnera (1922). Nach glanzen- 
aen Studien am Cons, erhielt er 1890 den 
iiompreis u. blieb dann 25 Jahre lang voll- 
standig - au6er im F r e un deskreis - im 
Verborgenen; nur gelegentlich gelangte ein 
L*ed, eme lyrische Szene oder eine sinf. Dich- 

TQif / US Selner Feder in den Konzertsaal. 
iyi4 fuhrte die Gr. Oper sein dreiakt. lyrisches 
Urama Scemo (Text von Charles Mere) auf; 
aas machtvolle u. leidenschafthche Werk er- 
weckte sich Enthusiasmus u. Gegnerschaft, 



aber auch die Anerkennung der Musiker. 
Wa'hrend des Krieges brachte er als Dirigent 
der Oper mit Erfolg ein Ballett (Text von 
H. Prunieres), in das er mit groBer Geschick- 
lichkeit orchestrierte Tanze aus dem 18 Jahrh. 
eingearbeitet hatte: La Fete chez la Poupli- 
niere. 

Als Leiter des Cons, zu Nancy (Nachf. von 
Guy Ropartz) entwickelte B. eine eifrige 
Tatigkeit; fur sein dort. Orch. hat er auch 
seine Oper Quand la cloche sonnera komponiert, 
die im Nov. 1922 an der Op. comique mit 
ungewohnlichem Erfolg aufgefuhrt wurde. 
Obwohl das Textbuch ziemlich mittelmaBig 
ist, enthalt es doch eine dramatische Szene, 
die B. sich vortrefflich zu Nutzen gemacht 
hat; die Musik atmet durchweg eine dram. 
Inspiration, die den Horer iiber jede Analyse 
seiner Gefuhle hinwegtragt. Dies Werk ist 
eins der kraftvollsten im franz. Op eras chaff en 
der letzten 30 Jahre. 

Backer- Grbndah!, Agathe Ursula, norweg. 
Pianistin u. Komponistin, geb. 1. Dez 1847 
zu Holmestrand, gest. 6. Juni 1907 zu Christi- 
ania ; Kl.schulerin von Otto Winter-Hjehn, 
Half dan Kjerulf u. Ludwig M. Lindeman; 
1866 von Kullak in Berlin; spater noch kurze 
Zeit von Bulow u. Liszt. 1871 spiel te sie mit 
groBem Erfolg im Gewandhaus u. hierauf in 
alien europ. Hauptstadten; sie fand die An- 
erkennung Bulow's als Spielerin wie Kom- 
ponistin. In der Kompos. war sie Schulerin 
u. a. von Wiierst in Berlin, und ihre 70 opera 
sichern ihr unter den norweg. Komponistinnen 
den ersten Platz. Als Pianistin pflegte sie 
bes . die Meister der romant. Schule ; ihr 
romant. Temperament driickt auch ihren 
Kl.stucken u. Liedern seinen Stempel auf. Ihre 
lyrische Ader flieBt leicht u. glatt u. ihre 
Lieder besitzen Grazie u. Frische. In ihrer 
Heimat war B.-G. als freigebige Spielerin 
I u. Padagogin hochangesehen. 1875 heiratete 
I sie den Dirig. u. Gesanglehrer O. A. Grondahl. 
i Lieder, darunter die popularen Cyklen: Blumen- 
! stueJce, Siidivarts, Bes Eindes Fruhlingstag, Meerlieder, 
Ahasver u. a.; Arrangements norw. Volkslieder u, 
-balladen; Kl.stucke, darunter Konzert-Etuden; Cha- 
rakterstticke ; Suiten; Pliantasiestticke; Cyklus: In den 
blauen Bergen; Kinderbilder; Bearbeitungen von Volks- 
liedern u. -tanzen. 

Backer- Grondahl, Fridtjof, norweg. Pianist 
u. Komp., geb. 15. Okt. 1885 zu Christiania, 
stud. Kl. spiel bei seiner Mutter, Agathe Ursula 
B.-G., dann bei Rudorff, Barth u. Dohnanyi 
in Berlin, Theorie bei Iver Holter in Christiania 
u. Rob. Kahn in Berlin. Sein erstes Konzert 
gab er am 19. Sept. 1903 in seiner Vaterstadt 
u. spielte dann in ganz Europa, haufig in 
London, wo er jetzt lebt. 

Mehrere Sammlungen kurzer Kl.stiicke. 

Backer- Lunde, Johan. S. Lunde. 

Backhaus, Wilhelm, deutscher Pianist, geb. 
26. Marz 1884 zu Leipzig, 1891—99 Schuler 
von Alois Reckendorf, 1899 von E. d' Albert 



Backhouse — Bailey- Apf el beck. 



27 



in Frankfurt. Seit 1900 Konzert pianist, war 
er 1905 Kl.lehrer am R. Coll. of Music zu Man- 
chester, erhielt 1905 den Rubinsteinpreis und 
lebt seitdem nur mehr dem Konzertieren. 
Er ist einer der glanzendsten deutschen Spieler, 
:mit einer Technik von erstaunlicher Geschliffen- 
heit u. eineT starken Musikalitat, wenn auch 
nicht grofien Ausdruckstiefe. 

Backhouse, Rhoda, engl. Geigerin, geb. 
17. Juni 1889 bei Darlington, Schulerin von 
^Editha Knocker (York) u. Leopold Auer in 
Petersburg, Dresden u. Christiania. 1917 er- 
schien sie vor dem PubJikum z. e. M., bevor- 
zugt die Kammermusik u. ist Fiihrerin eines 
eigenen Streichquartetts. 

Back, Knut, schwed. Komp. u. Pianist, geb. 
22. April 1868 in Stockholm; stud, dort u. 
in Berlin, lebt In Gothenburg; 1912 Mitglied 
der schwed. Kgl. Akad. in Stockholm. 

Klavierstiicke ; Lieder. 

Bar, Lothar, deutsch-bohmischer Komp., 
geb. 6. Aug. 1901 in Bodenbach (Bohmen), 
in Dresden ausgebildet: nach 2jahriger Vor- 
rschulung ein Jahr bei Km. Kurt Striegler, 
2 Jahre am Kons. bei Ernst Paul u. Otto 
Schmid, endlich noch 3 Jahre Privatschuler 
von Paul Biittner. Er lebt in Kotschen- 
broda als Komponist u. Theorielehrer. 

Lieder (Kurt Martin, WeinbOhla ; Vier-Eulen-Verlag, 
Eisleben; Gong-Verlag, Kotschenbroda); Eva, Phan- 
tasie 1.K1. (Weinbohla 1921); Marchenoperette Michel 
-der Nufiknacker (Dresden 1921 , Zentral-Theater) ; 
2 Bhapsodien u. 2 Sonatinen f. Kl.; Phantastische 
Sonate f. KL; Episode f. KL; Rhapsodie f. Orch.; 
Sinfonie; 4 Orgelfugen; Fuge f. Streichquartett ; Fuge 
in B f. gem. Chor u. Orch.; Mannerchore; 13m Mitter- 
.nacht, Ges. mit Orch. 

Bauerle, Hermann, deutscher Kirchenkomp. 
u. Padagoge, geb. 24. Okt. 1869 zu Ebersberg 
<(Wurtt.) 7 stud, seit 1890 in Tubingen Theologie 
•(1895 Priester) u. bei Emil Kauffmann Musik, 
1898 noch in Regensburg, wo er 1901 an der 
Kirchenmusikschule Lehrer fur Theorie wurde ; 
1906 Dr. phil. in Leipzig; 1908 Pfarrer in Reut- 
Jingendorf, 1917 Musikdirektor u. Organist in 
Schwa bisch-Gmiind; seit 1921 Direktor einer 
Hochschule f . Kirchenmusik in Ulm. Er sucht 
durch populare Ausgaben die klass. A cappella- 
Kunst zu beleben. 

Die sieben BuPpsalmen Lassos (Br. & H. 1906); 
Talestrina mufi populUrer werden (1903); Repetitorium 
der Earmonielehre (1902); Liturgie (1908); Der Vatik. 
■Choral in Reformnotation (1908); Gesanglehre fur Ober- 
otimmen (1918); Ma*. Grammatik (1919); viele Neu- 
ausgaben u. eigene Kirchenwerke. 

Bagaduroff, W. A., russ. Komp., Prof, 
fur Gesang u. Theorie der Musik, geb. 1878 
in Nischni Nowgorod; absolvierte 1901 die 
Univ. zu Petersburg (physikalisch-mathe- 
matische Fakultat); seine mus. Ausbildung 
erhielt er bei den Professoren Georges Conus 
m. B. Javorsky in Moskau; seine gesangliche 
bei Nikolaus Muller, dem bekannten Sanger 
des Scala-Theaters in Mailand. Z. Z. Prof, 
des Gesangs am Kons. u. fur vokalische Metho- 
dologie u. Prasident der methodologischen 



Sektion am Staatsinstitut fur M.wissenschaft 
zu Moskau. 

4akt. Oper .Eros u. Psyche (Joulavsky 1915); ver- 
schiedene Romanzen; 3akt. Oper Dvorjanskoie gniesdo 
(Turgenieff, 1919); Zar Maximilian u. sein ungehor- 
samer Sohn Adolph; eine volkstiimliche lakt. Buffo- 
nade (gemeinsam mlt Prof. Iwanow-Boretzky, 1924). 
Theoretische Abhandlungen : Analyse der musikalischen 
Form der VI. Sinfonie von P. Tschaikowsky ; Lehrbuch 
der vokalischen Methodologie (vom X. Jahrh. bis Garcia); 
Earmonielehre f. das Mosiauer Kons. (mit Prof. Iwanow- 
Boretzky). 

Bagier, Guido, deutscher Schriftsteller u. 
Komp., geb. 20. Juni 1888 zu Berlin, Schuler 
von Reger (Kompos.) u. Riemann (Musik- 
wiss.) in Leipzig, wo er 1910 mit einer Studie 
uber Herbart und die Musik promovierte. 
Seit 1918 gab er die fortschrittliche Monats- 
schrift Feuer heraus, die leider nach wenig 
Jahren ihr Erscheinen einstellte. 1920 iiber- 
siedelteer nach Wiesbaden; 1922 nach Berlin. 

Buch: Reger (DVA, 1923). Lieder nach eig. 
Texten; Orch. - Gesange Elysium; Kammermusik; 
Klavierwerke; phant. Intermezzo f. gr. Orch.; Mu3ik 
zu H. v. Botticher's Lisbe Gottes (Diisseldorf 1919). 

Baglioni, Silvestro, ital. Physiologe u. 
M.wissenschaftler; geb. 30. Dez. 1876 zu Bel- 
monte Piceno, o. P. an der Univ. Rom, Dir. 
des Physiol. Instituts, hat sich mit Vorliebe 
phonetischen Studien zugewandt. Anhanger 
der Theorie von Prof. Lowe (Wien), daB 
die melodische Kombination auf Grund unseres 
Tonsystems erschopft sei, kampft B. fur eine 
neue Skala in Vierteltonen; deren Moglichkeit 
er durch ein von ihm konstruiertes Harmonium 
zu demonstrieren sucht. 

I tondamenii fisiopncologid dell'estetica musicale 
(Eiv. df psicol. appl. VI, 1910); Contributi alia Cono- 
scenza della musica naturale (Atti della Soc. rom. di 
antropologia 1910 11); Luigi Vecchiotti musicista 
fUosofo marchigiano 1804 — 63 (Picenum 1913); In- 
fluenza del suoni sull'altezza vocale del Unguaggw (Biv. 
di Antrop. XIX. 1914 u. Arch. ital. di otol, XXV); 
Un nuovo tonometro (id.); Variazione del registro vocale 
nlle diverse ore del giorno (id.). 

Bagnati, Cayetano, arg. Pianist u. Komp., 
geb. 1840 zu Tropea (Ital.), gest. 1904 zu 
Buenos Aires; stud, als achtjahr. in Ne- 
apel, Schuler von Fischetti u. Ketten, 
trat mit 9 Jahren enthusiastisch begruBt 
vor die Offentlichkeit, vollendete sein Stu- 
dium an S. Pietro di Majella, wurde mit 
19 Jahren Musikdir. der Kapelle des Bischofs 
von Tropea, kam dann mit Melani nach Buenos 
Aires, wo er als erster das Kl.-Konzert von 
Martucci zum Vortrag brachte. 1890 begrundete 
er das Kons. von Ahnagro, das bald ein nam- 
haftes Jnstitut wurde. 

Kl.soli; Kl.trios; Kl.- Quartette u. auch Orch.- 
musik. 

Bahr-Mildenburg, Anna; s. Mildenburg. 

Bailey-Apfelbeck, Marie Luise, amer. Pia- 
nistin, geb. 24. Okt 1876 zu Nashville, stud. 
1890—96 bei Reinecke in Leipzig u. 1896—1900 
bei Leschetizky u. Malvine Bree in Wien; 
debiitierte 1893 im Gewandhaus, hat auch in 
Ainerika u. Canada konzertiert u. gait als eine 
deT feinsinnigsten Pianistinnen Wiens, wo 



Baines— Balakirew. 



sie (in S. Polten) als Gattin eines osterr. Offi- 
ziers lebt. 

Menuet de Concert; Fantasie fiber amerik. National 
lieder. 

Baines, William, engl. Komp,, geb. 26. Marz 
1899 zu Horbury bei Wakefield, Yorks.; 
gest. 6. Nov 1922 zu York; fruhreif, Auto- 
didakt; zog sich im Felde eine unheilbare 
Lungenkrankheit zu, komponierte hauptsach- 
lich in den Monaten seiner scheinbaren Re- 
konvaleszenz. Zwei uberraschende Kl.werke, 
Paradise Gardens u. 7 Preludes (beide bei 
Elkin) zogen die Aufmerksamkeit von L. Bun- 
ton Green u. A. Eaglefield-Hull auf den 
damals unbekannten Musiker; in die Offent- 
lichkeit wurden B.s Werke vornehmlich durch 
den Pianisten Frederick Dawson eingefuhrt; 
in ihrer Publikation unterstutzte ihn A. E.-Hull. 
In seinem Klavierstil folgte er unmittelbar 
Field, Chopin, Skrjabin. 

Sinfonie C-moll; 2 Tondichtungen f. Orch.; From 
the Island of the Fay u. Little Imps; Kl.- Sonate Fis- 
moll (ms.); viele Lieder, Cellostticke u. eine Menge 
Kammermusik; darunter ein Stieichquartett E-moll; 
eine Novellette fiir Streichquartett Peter and Wendy; 
ein Kl.trio D-moll; eine Sonate f. V. u. Kl. G-dur. 
Veroff. Kl.stucke: Tides (Elkin); Milestones (id.); 
Silver- Points (id.); Poems (Augener); Coloured Leaves 
(id.). 

Bainton, Edgar Leslie, engl. Komp., geb. 
14. Febr. 1880 zu London; Kl.-Freischiiler 
bei Franklin Taylor am R.C.M. 1896; Wilson- 
Komp.preis 1899; Komp.schuler von Walford 
Davies, Sir Ch. Stanford, Ch, Wood. 1912 
wurde er Dir. des Kons. zu Newcastle-on- 
Tyne u. leitete das Newcastle Philh. 
Orch.; 1914—18 in Ruhleben interniert. 1918 
leitete er zwei Konzerte mit engl. Musik mit 
Mengelbergs Orch. in Amsterdam u. im Haag. 
Als Komponist verfolgt er nationale Tendenzen, 
nach dem Vorbild von Vaughan Williams u 
Hoist. 

Sinf. Dichtungen Pompilia (Lond. 1903) u. Para- 
celsus (Queen's Hall 1921); 3 Stuck e f. Orch. (Hereford 
Festival 1921); Sinfonie B-dur (Bournemouth 1903); 
Ouv. Prometheus (Newcastle Fest. 1909); Celtic Sket- 
ches (Lond. 1912); Streichquartett A-dur (id. 1912); The 
Blessed Damozel i. S . u. T.soli, Chor u. Orch. (Br. &. H.); 
Sinfonie Before Sunrise f. Altsolo, Ch. u. Orch. (Stainer 
& Bell, Carnegie-Preis); Sunse at Sea f. Ch. u. Orch. 
(id.); The Vindictive Staircase f. Ch. u. Orch. (id.); 
A Song of Freedom and Joy f. Ch. u. Orch. (Curwen); 
Konzertfantasie f. Kl. u. Orch. (Carnegie-Preis 1921.. 
Stainer & Bell); Miniature Suite f. 2 Kl. (Anglo- 
French Co.); Kl.stucke (id., Augener); Lieder usw. 
MS.: Sonate f. Va. u. Kl. (1922); Eclogue f. Orch. 
(1923); The Tower f. Ch. u. Orch. (1923); Oper in 1 Akt 
The Crier by Night; Chorlieder.. 

Bairstow, Edward Cuthbert, engl. Or- 
ganist, geb. 22. Aug. 1874 zu Huddersfield, 
1893—96 Schuler von Sir F. Bridge u. 1896—99 
sein Assistent; 1899—1906 Organist an der 
Pfarrkirche zu Wigan, 1906—13 an der zu 
Leeds; seit 1913 am Minister zu York; Dirig. 
der Leeds Philh. Soc, der Bradford Fest. 
Choral Soc. u. der York Mus. Soc.; 1900 Mus. 
Doc. zu Durham. B, ist einer der besten engl. 
Kirchenorganisten u. Chorleiter; seine Kompcs. 



zeigen solide Arbeit, seine Kirchenwerke streng 
kirchl. Charakter; als Spieler u. Dirig. bevor* 
zugt er die heimischen Komponisten. 

Anthems; gem. Chore (Novello); Orgelstiicke (Auj 
gener; Stainer & Bell). 

Baixuli, Pater M., span. Musikforscher, 
Schuler von Jose Maria Ubeda, Jesuit. 

Studie iiber die Obras musicales de San Francisco 
d Borja (in d. Ztschr, Baz6n y Fe, Madr, 1902). 

Bajardi, Francesco, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 23. April 1867 zu Isnello (Palermo), 
bis 1884 Schuler des Kons. zu Palermo, dann 
Lieblingsschuler Sgambati's an S. Cecilia, wo 
er bei de Sanctis u. Falchi auch Kompos. 
studierte: seit 1884 Konzertpianist von feinem 
Geschmack in der Programmgestaltung u. Aus- 
fiihrung; seit vielen Jahren KUehrer an S. Ce- 
cilia: feinsinniger Kl.-komponist- 

F. Kl.: Toccata, Chant d'amour^Fogli d' Album, 
Ballata, Preludi, Fantasia-improvviso, Piccolo capriccio, 
Melodia, zwei Scherzi, Sonata, Konzert; auch eine Sin- 
fonie, Ouverture, Suite. 

Baker, Dalton, engl. Baritonist u. Organist, 
geb. 17. Okt 1879 zu Merton, Surrey, Zogling 
der R.A.M. , gewann den Mence Smith-Preis 
fiir Gesang; wurde 1894 Organist u. Chor- 
leiter an der Guards' Chapel, Chelsea Barracks; 
1894—96 in ahnlicher Stellung an St. Mary 
Magdalene's, Munster Square. 1902 debu- 
tierte er als Sanger, ist seitdem ein beliebter 
Fest- und Konzertsanger, u. war beteiligt an den 
Erstauff. von Bantock's Omar Khayyam u. 
Elgar's The Kingdom. 1914 kam er nach Canada 
u. wurde Gesangslehrer am Kons. zu Toronto; 
1920 griindete er die Toronto Orpheus Soc. 
Ein begehrter Sanger auch in den U.S.A., 
lebt er jetzt in New York. 

Baker, Theodore, amer. Schriftsteller, geb. 
3. Juni 1851 zu New York, kam 1874 nach 
Deutschland, wo er bei O. Paul in Leipzig stu- 
dierte u. 1881 mit einer Arbeit promovierte, 
die auf Studien unter den Seneca-Indianern 
im Staat New York u. in der Indian- Schule 
zu Carlisle, Pennsylvania beruhte: TJber die 
Musik der nordamerik. Wilden (1882); eine 
Studie die nach Methode u Inhalt fur die 
Erforschung der indian. Musik vorbildlich 
j wurde. Mac Dowell verdankt ihr, nach 1890, 
die Anregungen zu seiner Indian Suite. Bis 
1890 lebte B. in Deutschl.; seit 1S92 ist er 
literarischer Berater des Verlags G. Schirmer 
in New York, wo er als Herausgeber u. tiber- 
setzer tatig ist. 

Dictionary of Musical Terms 1895, 18. Aufl. 191S; 
Pronouncing Pocket-Manual of Mus. Terms 1905; 
Biographical Dictionary of Musicians 1900, 3. Aufl. 
1919; The Musician's Calendar and Birthday- Booh 
1915 — 17. tjbersetzungen von Biichcrn von O. Paul, 
L. BuBler. J. C. Lobe, A. Eullak, S. Jadassohn, C. F. 
Weitzmann, F. Eullak, M. Br£e. G. B. Lamperti, 
M. Loewengard, F. Busoni, E. F. EJchter, V. d'Jndy, 
P. Bona, O. Klauwell u. vieler Artikel in der Zeitschr. 
The Musical Quarterly. 

Balakirew, Mily Alexejewitsch, russ. 
Komp. , geb. 2. Jan. 1837 zuNischnij Nowgorod, 
gest. 28. Mai 1910; der anerkannte Fuhrer 



Baldania — Baldwin. 



29 



der sog. nationalen russ. Schule, die in den 
50 er Jahren sich sowohl unter seinem EinfluB 
wie dem Glinka's auftat, dessen direkter Fort- 
setzer er stets geblieben ist. Nach seiner eigenen 
Feststellung, in einem Brief an N. Findeisen 
1903, veroff. in der Russ. M.zeitung 1910 
Kr. 41, war sein einziger Lehrer — abgesehen 
von seiner Mutter die ihm den ersten Unter- 
Ticht erteilte u. Dubuque (1812—97, einem 
Schuler von Field), von dem er ein paar Stun- 
den erhielt — Karl Eisrich, dem er eine fruhe 
Fantasie iiber russ. Motive f. Kl. u. Orch. 
<1852, MS)gewidmet hat. 

Als Pianist errang B. bald Ruf. Von seinen 
fruheren Kompos. blieben einige unveroffent- 
licht; andre wie die Buhnenmusik zu Russia 
(1862), die Ouverturen iiber spanische (1851), 
russische (1858) u. tschechische (1867) Motive ! 
wurden erst viele Jahre nach ihrer Ent- 
stehung u. oft in sehr uberarbeiteter Form 
pubhziert; die letzte tragt jetzt den Titel: 
In Bohmen. 1861 begann man in ihm den 
Fuhrer u. Erzieher einer Reihe aufstrebender 
Musiker zu erblicken, die sich instinktiv an 
ihn anschlossen; erst Cui u. Borodin — ob- 
wohl beide alter als er — dann Mussorgski, 
u. etwas spater Rimski-Korssakow. Auf 
jeden von ihnen hat er grofien EinfluB geubt, 
von dem sie sich nur mit Schwierigkeiteu 
freimachten; u. unter ahnlichen EinfluB ge- 
rieten selbst Komponisten, die nicht seine 
Schuler waren, wie etwa Tschaikowsky, der 
ihm gar manche nutzliche Anregung verdankt 
(s. The Correspondence between B. and Tschai- 
kowsky, von M. D. Calvocoressi, in: Mus. 
Times, Nov. 1912). 

1862 grundete er mit Lomakin die Peters- 
burger M. freischule u. verwandte viel Zeit 
auf die Organisation u. Leitung von Kon- 
zerten, die viele Orchesterwerke russ. Kompo- 
nisten zur ersten Auffuhrung brachten. 1869 
wurde er Leiter der K. Russ. M.Gesellschaft 
u. Dir. der Hofsangerkapelle. 1874 legte 
er seine verschiedenen Amter nieder u. 
zog aufs Land, wo er in vollkommener 
Abgeschlossenheit bis 1881 lebte, bis er mit 
der Partitur seines sinf. Meisterwerks, der 
Tondichtung Tamara, in Petersburg wieder 
erschien, an der er seit 1867 gearbeitet hatte. 
1883 wurde er Dir. der K. Hofkapelle. 1894 
zog er sich ins Privatleben zuruck u. widmete 
den Rest seines Lebens der Revision fruherer 
u. der Komposition neuer Werke. 

Als schaffender Kunstler ist B. in hohem 
Grad original, obwohl stark unter dem EinfluB 
von Glinka, Chopin, Liszt u. Schumann u. 
in geringerem Grad von Berlioz. Nirgends hat 
die Vereinigung dieser Einflusse — die er 
mit den groBten Musikern seiner Zeit, be- 
sonders mit Borodin u. Rimski-Korssakow ge- 
mein hat — u. des direkten Einflusses russischer 
u. Gstlicher Volksmusik zu feineren kiinstle- 



rischen Ergebnissen gefuhrt. Sein Schaffen ist 
ungleich u. enthalt, bes. auf dem Gebiet der 
Kl, musik , Werke , deren kiinstlerisches Ge- 
wicht sehr gering ist. AJlein Tamara, die 
Kl.phantasie Islameyu. die Tondichtung Russia, 
ebenso einige seiner fruhen Lieder bleiben 
Meilensteine in der Geschichte der modernen 
russ. M.entwicklung; und viele seiner anderen 
Werke, wie die 2. Sinfonie — die erste, 1865 
geschrieben aber erst 1897 veroff., die zweite 
1909, unmittelbar nach der Vollendung veroff. 
— sind reich an dichterischer Schonheit 
hochster Art. 

F. Orch.: Tondichtungen Tamara (Moskau, Jurgen- 
son); Russia (Leipz. Zimmermann) ; In Bohmen (id.); 

2 Sinfonien C-diu u. D-moll (id.); Ouvertiiren zu Konig 
Lear (id.); iiber ein span. Marschthema (Besael); iiber 

3 russ. Themen (Petrow); Kl.-Konzert Es-dur (id.); Is- 
lamey, Phantasie f. Kl., neuerlich bearbeitet f. Kl. 
u. Orch. (Jurgenson); f. Kl.: Scherzi, Mazurkas, Walzer 
(Zimmermann); Kl.Sonate (id.); 20 Lieder (1858—61, 
Moskau, Gutheil) ; 10 Lieder (1895 Jurgenson) ; 10 
Lieder (1903, Zimmermann). 

Vgl. A. Strelnikow, M.A.B. (Petersburg 1922, 
B-uss. Staatsverlag). 

Baldanza, R o m a n a, argent. Sopranistin, 
geb. zu Tropea (Ital.), kam schon als Kind nach 
Argentinien, wo sie bei Bagnati am Almagro- 
Kons. studierte; am Kons. zu Neapel vollendete 
sie ihre Ausbildung u. gewann einen von 
Ricordi in Mailand gestifteten Sonderpreis. 
Nach Absolvierung zahlreicher Konzerte in 
Neapel u. Mailand ging sie 1908 nach Buenos 
Aires, wo sie eine Singschule grundete. Ihr 
hoher Sopran besitzt eine sehr reine QuaHt^t. 

Baldassari, Rafael, argent. Violoncellist, geb. 
1861 in Rom, Schuler von Quarenchi u. Tor- 
riani am Mailander Kons,, wurde 1. Cellist 
an der Scala, besuchte 1896 S.-Amerika u. 
heB sich in Buenos Aires als Lehrer nieder. 
Seine Hymne an Guemes gewann beim Salta- 
Wettbewerb 1911 die goldene Medaille. 

Lieder, leichte Instrumentalstiicke. 

Baldwin, Ralph Lyman, amerik. Padagoge, 
geb. 27. Marz 1872 zu Easthampton, Mass., 
stud, in Boston, war erst Organist u. Chor- 
dirigent in Easthampton u . Northampton , 
1904 in Hartford; seit 1899 in Northampton 
u. Hartford Musik- Auf seher, seit 1900 einer 
der Inhaber des Inst, of Music Pedagogy zu 
Northampton , wo er eine groBe Bildungs- 
arbeit geleistet hat. 

Schulwerke; Orgelsonate op. 10 (Schirmer); An- 
thems, Lieder u. a. 

Baldwin, Samuel Atkinson, amerik. Or- 
ganist u. Komp., geb. 25. Jan. 1862 zu Lake 
City, Minn. , bis 1884 Schuler des Dres- 
dener Kons. (Merkel, Wullner, Rischbieter, 
Nicode), 1886—89 Organist an der Plymouth 
Kirche in Chicago, dann Organist u. Chor- 
leiter in St. Paul u. Minneapohs. 1895 kam 
er nach New York, war bis 1902 Organist an 
der Chapel of the Intercession u. bis 1911 an 
Holy Trinity in Brooklyn. 1907 wurde er auf 
den neuen Lehrstuhl am College of the City 



30 



Balfour— Bangert. 



of New York berufen, wo er die bekannten 
Sonntag- u. Mittwochnachmittag-Orgelkonzerte 
einfiihrte. 

Lieder; Kirchenwerke; Streichquartett; Kl.-Trio; 
Sinfonie C-moll; 2 Konzertouverturen ; Orch.- Suite 
A Summer Idyl; Der 18. Psalm u. The Triumph of 
Lore f. Soli Chor u. Orch. 

Balfour, Henry Lucas, engl. Organist u. 
Dirig., geb. 1859 zu Battersea, London, 1876 
bis 1882 Schiiler der Nat. Training School of 
M. (jetzt R. C. M.), studierte bei Sullivan, 
Stainer, Ernst Pauer, Brinley Richards, Cowen, 
Prout. Seit 1922 ist er Hauptdirigent der 
R. Albert Hall Choral Soc. 

Ball, George Thalben, engl. Organist, geb. 
18. Juni 1896 zu Sydney, Austr., stud, am 
R.C.M. zu London bei Sir H. Parry, Sir Ch. 
Stanford, Sir F. F. Bridge, Frits Hartvigson 
u. Dr. Charles Wood: seit 1919 Organist an 
Temple Ch. London, seit 1919 Orgellehrer am 
R.C.M. 

Balling, Michael, deutscher Dirigent, geb. 
28. Aug. 1866 zu Heidingsfeld a. Main (Unter- 
franken), gest. 1. Sept. 1925 in Darm- 
stadt; kam mit 14 Jahren auf die M.schule 
nach Wurzburg, wo Hermann Ritter sein 
Hauptlehrer wax, trat 18jahrig als Bratschist 
in die Stadt. Kapelle in Mainz ein, war dann 
1886—92 in der Schweriner Hofkapelle u. war 
schon in dieser Zeit als 1. Bratschist in Bayreuth 
tatig. Von Schwerin aus trat er eine aben- 
teuerliche Reise nach Neuseeland an, grundete 
in Nelson die erste Musikschule in Australien; 
nach einer Weltreise von 2 1 j 2 Jahren kehrte 
er zunachst nach England zurtick, wo er als 
Violavirtuose konzertierte. 1896 endUch 
begann er als Assistent in Bayreuth seine Lauf- 
bahn als Km., kam im Herbst dieses Jahres 
als Chordirig. ans Hamburger Stadttheater, 
1898 als 1. Km. nach Lubeck, dann auf 2 Jahre 
nach Breslau, endhch als Nachf. Mottl's nach 
Karlsruhe: seit 1906 war er regehnafiig als 
Dirig. in Bayreuth tatig. 1911—14 war er 
Nachf. Richter's in Manchester; seit 1919 ist , 
er Generalmusikdir. in Darmstadt. B. ist ! 
ein hervorragender Wagner-Dirig. , besorgt 
auch die bei Br. & H. erscheinende monumen- 
tale G.-A. der Werke Wagner's. 

Balthasar, Karl, deutscher Kirchenmusiker, 
geb. 9. Sept. 1868 in Zaschwitz als Kantors- 
sohn, stud, in Halle Theologie u. spater M.- 
wissenschaft (Reubke, Abert, Schering, Moser, 
Rahlwes); Pfarrer zu Ammendorf-Halle , seit 
1920 Dozent fur musikal. Liturgik an der 
Univ. Halle. 

Lieder; Chorale u. Vorspiele; Aufsatze liber Orgel- 
spiel, Jugendgesang. Musik im evang. Gottesdienst. 
Band, Erich, deutscher Dirig. , geb. 10. Mai 
1876 in Berlin, stud, dort an der Hochschule 
u. Univ., ergriff dann die Km.-Laufbahn 
(Mainz, Bremen, Rostock), wurde 1905 MD. 
u. bald darauf Hofkm. am Stuttgarter Hof- 
theater, auch Dirig. des Vereins f. klass. 



Kir chenmusik u. des Lehrergesangvereins ; 
Leiter der Dirigentenklasse an der Wiirtt. 
Hochschule f. Musik. 1924 ging er als Opern- 
u. Konzertleiter (Stadt. Generalmusikdirektor); 
nach Halle a. S. 

Kl.stiicke op. 1 u. 5; Kl.-Sonate op. 2; Streich- 
quartett A-dur op. 3; Romanze f. Vc, u. Orch. op. 7; 
Lieder op. 4 u. 6 (Verl. Harmonie); Friede f. gem. 
Ch. u. Orch. op. 8. B. ist auch als Schriftsteller 
hervorgetreten 

Banda Municipal von Madrid, span. Militar- 
kapelle mit 88 Spielern ersten Ranges, ge- 
griindet durch den Madrider Grafschaftsrat; 
seit ihrer Begriindung im Juni 1909 von Riccardo 
Villa (s. d.) geleitet. 

Bandini, Bruno, argent. Violaspieler, geb. 
1889 in Faenza, Ital., kam als Kind nach 
Buenos Aires, studierte im S. Cecilia-Inst. bei 
Galvani; Preistrager, gab erst in Buenos Aires 
Violakonzerte, jetzt Staats- u. Privatmusik- 
lehrer. 

Praludium f. Va. allein. 

Bandler, He i n r i c h , deutscher Violinist, 
geb. 19. Nov. 1870 zu Rumburg in Bohmen, 
stud. 1882—88 bei Anton Bennewitz im 
Prager Kons., 1893—95 noch bei Josef Jo- 
achim; war 1892—96 Solo-Bratschist am 
Breslauer Orch.verein, seit 1896 Konzert- 
meister des Vereins Hamburger M.freunde 
(Philh. Konzerte), gleichzeitig Solist u. Fuhrer 
der nach ihm benannten Quartett-Vereinigung. 

Bandrowski, Alexander, poln.Tenorist, geb. 
22. April 1860 zu Lubaczow, gest. 28. Mai 1913 
in Krakau, erst Jurist, dann Schauspieler, 
bis er sich bei Sangiovanni u. Salvi dem Ge- 
sangsstudium widmete, 1889—1901 an der 
Frankfurter Oper, Gast an alien Opernhausern 
Europas u. Amerikas, namentlich in den 
Heldenrollen Wagner's u. Meyerbeer's. Er- 
hat eine Reihe Wagnerscher Opern ins Pol- 
nische ubersetzt u. zwei polnische Opern- 
hbretti geschrieben: Stara Basn (Ein altes 
Marchen) fur W. Zelenski, 1907 u. Bolesiaw 
Smiaiy (Bolesiaw der Kiihni) f. L. Rozvcki, 
1909. ' 

Bang, Maja, norw.-amerik. Geigerin, geb. 
24. April 1877 zu Tromso, Schulerin des 
Leipz. Kons., dann von Marteau in Genf u. 
Auer in Petersburg. Debut. 1900 in Christiania 
u. grundete dort die Oslo-M.schule, wurde 
1919 Lehrerin an Auer's Akademie inNew York, 
heiratete 1922 Baron Hoehn, New York. 

Violin Method in 6 Heften (1922, Fischer, New 
York). 

Bangert, Emilius, dan. Komp., geb. 
19. Aug. 1883 zu Kopenhagen, in derKompos. 
Schiiler Carl Nielsen's, im Orgelspiel von 
Eugene Gigout in Paris. 1916 wurde er als 
Organist an der Jesuskirche in Kopenhagen 
angestellt, seit 1919 wirkt er als Domkantor 
in Roskilde. 1913 erhielt er das Ancker- 
Stipendium fur Komponisten. Er schrieb u. a. : 

Eine Sinfonie; Streichquartett; V.sonate; Schau- 
spielmusik; Lieder. 



Bantock. 



31 



Bantock, Granville, engl. Komp., geb. 
7. Aug. 1868 zu London. Ursprunglich fiir 
den indischen Verwaltungsdienst bestimmt, 
wandte er sich fruh der Musik zu u. trat, 
nach kurzem Unterricht am Trinity Coll. of 
Music, 1889 in die R.A.M., in der er schon 
im ersten Jahr das Macfarren-Stipendium er- 
rang. Wahrend seiner Studienzeit wurde 
sein Ccedmar (einakt. Oper, 1892 im Olympic 
gegeben) konzertmafiig aufgeftihrt. Zwischen 
Mai 1893 u. Febr. 1896 gab er die New Quar- 
terly Musical Review heraus u. machte als 
Dirigent von Singspielen u . leichter Musik 
eine Tour durch die Provinz. Nach einer 
Weltreise mit einer Operngesellschaft liefi er 
sich im Winter 1896 wieder in London nieder 
und ruhrte sich mit einem Konzert ein, das 
durchweg modemen engl. Komponisten (Ban- 
tock, Hawley, Hinton, R. Steggall, Wallace) 
gewidmet war. 1897 wurde er stadt. M.dir. 
zu New Brighton, wo er im ersten Jahr sich 
mit einer Militarkapelle behalf, im folgenden 
aber eine Reihe von Konzerten mit kuhnen 
u. sogar waghalsigen Programmen ins Leben 
rief. Im Febr. 1900 leitete er ein Konzert 
mit engl. Musik in Antwerpen , womit 
seine Arbeiten z. e. M. uber den Kanal 
drangen. 

Im Herbst 1900 wird er Dir. der M.schule 
des Birmingham and Midland Institute, ein 
Posten den er noch heute einnimmt. Dieser 
groBen M.schule hat er den Stempel seiner 
Personlichkeit aufgedruckt, u. nicht weniger 
originell hat er die M.fakultat der Univ. Bir- 
mingham gestaltet, an der er seit 1908 Prof, 
ist. Er war 1904 Dirig. der Liverpool Orchestral 
Soc, u. auf B.s Einladung machte Sibelius 
seinen ersten Besuch in England, urn seine 
1. Sinf. u. seine Finlandia zu leiten. Seiner 
Selbstlosigkeit verdanken zahllose Musiker u. 
Komponisten ihr erstes Erscheinen vor der 
Cffentlichkeit. Er war einer der fruhesten 
Pioniere fiir die zeitgenossische engl. Musik, 
u. er selbst ist einer ihrer hervorragendsten 
Schopfer. Immer halt er sich als Schaffendei 
an ein mehr oder minder bestimmtes Pro- 
gramm u. ein groBer Teil seiner Musik folgt 
offen einer programmatischen, imitativen 
Ordnung. Sein Omar Khayyam f. Ch. u. 
Orch. (I. Teil Birmingham 1906; II. Cardiff 
1907; III. Birm. 1909) eroffnete den Weg 
zu einem neuen Chorstil, einen Weg, 
den Edgar mit seinem Gerontius 1900 nur 
zaghaf t beschritten hatte . Seine Erobe- 
rung niitzt B. in Aialanta; The Great God Pan; 
Vanity; The Song of Songs (1922—24) usf. 
Sein Genius stent gerade mitten inne zwischen 
dem etwas trockenen Akademikertum u. der 
starken Hinneigung zu Deutschland in den 
80er u. 90er Jahren — u. der jiingeren Schule 
des 20. Jahrh. Sein origineller Blick nach 
vorwarts, seine starke Phantasie, seine heid- 



nische Liebe zur Schonheit in alien Gestalten 
u. seine Kuhnheit in ihrer Erfassung gaben der 
engl. Musik ein ganz neues Gesicht. AuBerdem 
ist er personlich der MeisteTlehrer einer Reihe 
von jungen Musikern. 

Als Komponist hat er mehrere Stuien 
durchlaufen u. auf jeder wertvolle Spuren 
hinterlassen : Kult des Ostens, Heimatkunst u. 
Nationalismus , m odeme Entwicklung des 
Chorstils, proletarische Musik u. endlich ein 
universellerer Stil. Die machtigen Gestalten 
der kontinentalen Musik lieB er nicht unbe- 
achtet u. er verdankt Wagner, Straufi u, 
den Russen nicht wenig. Er ist ein groBer 
Orchestermaler: der Gipfel seiner orchestralen 
Kunst zeigt sich in der Hebridean Symphony, 
die ganz auf Farbe gestellt ist, u. in The Great 
God Pan. Er glaubt hartnackig an den Wert 
der Wettbewerb-Bewegung u. ist einer ihrer 
tatigsten Apostel. 1923 besuchte er mit Plunket 
Green Canada u. verpflanzte die Wettbewerb- 
Bewegung auch dorthin. Sein Preisrichteramt 
hat auf sein eigenes Schaffen zuruckgewirkt 
u, ihn veranlaBt, fiir unbegl. Chor in einer 
immer wachsend meisterhaften Weise zu 
schreiben (Atalanta; Vanity of Vanities). Die 
Univ. Birmingham verlieh ihm den M. A.; 
Edinburgh den Mus. Doc. h. c. 

Chor. Soli u. Orch.: Omar Ekayydm (Br. & H.); 
The Great God Pan (Novello); The Time-Spirit (Br. 
& H.); Sea-Wanderers (id.); Christ in the Wilderness 
(id.); The Song of Songs 5 Teile (Swan); The Seal- 
Woman, eine keltische Volksoper, 2akt. f Text von 
Mrs. Kennedy-Fraser, Birmingham 1924 usw. 

Orch.: JSehridean Symphony (Stainer & Bell); Pa- 
gan Symphony; Processional u. Jaga-Naut (Br. & H.); 
The Pierro of the Minute (id.); Dante and Beatrice 
(id.); Helena Variations (id.); The Witch of Atlas (No- 
vello); Fifine at the Fair (id.); Overture to a Greek Tra~ 
gedy (Leuckart); Russian Scenes t. Kl. u. Orch (Boa- 
worth); From the Far West (Br & H.); Scenes from the 
Scottish Highlands i. Streichorch. (id.); Sapphic Poem 
(Novello); Ouv. zu Puschkin's Boris Godunow (Bir- 
mingham 1925) usf. 

Unbegl. Chorwerke: Villon, eine Ballade (Novello); 
The Lost Leader (Br. & H.); The Twilight Tombs of 
Ancient Kings (Curwen); Cavalier Tunes (Novello); 
Atalanta in Calydon (Br. & H.); The Vanity of Vanities 
(Curwen); A Pageani of Human Life (Novello); The 
Golden Journey to Samarkand (Birchard); The Grianan 
of Aileach (Curwen); Lucifer in Starlight (Novello); 
War-Song of the Saracens (Curwen) usf. 

Vokal-Werke: Sappho (Br. & H.); FenshtalCs Fancier 
(id.); Hymn of Pan (Swan): Ghazals of Hafiz (Br. & H.); 
Songs of Arabia, Japan, Egypt, Persia, India, China, 
6 Bande (id.); 4 Pagan Chants (Swan); 13 Dramatic 
Lyrics (id.); 4 Songs of Arcady (Curwen); The March 
(Chester); Songs from the Chinese Poets, 2 Bde. (id.); 
Songs from the Chinese (Elkin); Songs of Childhood 
(id.); The Vale of Arden (Enoch) usf. 

Kammermusik: Sonate F-dur f. Va. u. Kl. (Chester); 
Sonate G-moll f. Vc. allein (id.); Hamabdil u. Pibroch 
f. Vc. u. Kl. bzw. Harfe (id.) usf. Kl.stucke (Swan; 
Forsyth; Elkin). 

Anderes: Oper: The Seal Woman (1925); Musik 
zur Elektra des Sophokles (Br. & H.); Judith (2 Bde.; 
Swan); Lalla Bookh (2 Bde., id.); Arabian Nights, 
4 Bde. (id.); Scottish Scenes (id.) usf. 

Einst., zwei- bis vierst. ChOre, Schulchore, gem, 

Ch- usw. (Curwen, J. Williams, Novello, Arnold, Boosey), 

Hrsg.: 100 Folk-Songs of all Nations (Oliver Ditebu 

Co.); 100 Songs of England (id.); 60 Patriotic Song* 



32 



Barbi — Barblan. 



o) all Nations (id.); Kl.- Albums von Byrd, Bull, Far- 
naby (Novello). 

Vgl. H. 0. Anderton, G. B. (John Lane 1915). 

Barbi, Alice, ital. Konzert-Mezzosopranistin, 
geb. vor 1862 zu Bologna (Modena?), ging 
mit 20 Jahren vom Violinspiel zum Gesang 
iiber, war Schulerin von Zamponi, Busi u. 
Vannuccini u. debutierte am 2. April 1882 
in Mailand, seitdem eine Sangerin von Weltruf , 
gleichgrofi in der Wiedergabe der klass. Arie 
wie des modern. Liedes. Brahms hat fur sie 
manchesLied geschrieben, Martucci La canzone 
dei ricordL 1897 heiratete sie Baron Wolf- 
Stomersen u. lieB sich in Petersburg nieder. 
Sie schrieb Dichtungen, die Bazzini kom- 
poniert hat u. gab eine Ariensammlung heraus. 
Sgambati widmete ihr einen Artikel in The 
Musical World 1885. 

Barbier, Rene August e Ernest, belg. 
Komp., geb. 12. Juli 1890 zu Namur, wo er 
an der Acad, de M. studierte, spater am Kons. 
zu Luttich (Kompos. bei Sylvain Dupuis); 
Preistrager fur seine Kantate La Legende de 
Beatrice. 

Oper: Yvette (Namur 1912); Sonate t. V. u. Kl.; 
Quintett; Trio; Tryptichon f. Kl. (L'Ait Beige, 
Brussel); Konzert fur daa Hans -Kl. (s. d.) u. Orch.; 
Messe, 3st. mit Org. (Ledent-Malay, Briissel); L'tpopte 
Beige, patriot. Kantate (aufgef. in Namur); viele 
Lieder. 

Barbieri, Francisco Asenjo, span. Komp., 
Dirigent u. M.forseher, geb. 3. Aug. 1823 zu 
Madrid, gest. das. 19. Febr. 1894. B. begann 
seine Lauf bahn als Klarinettist in einer Militar- 
kapelle, war eine Zeitlang Opernsanger, kehrte 
1847 nach Madrid zuriick, wo er eine vielseitige 
Tatigkeit als Impresario, Schrifts teller, Zar- 
zuelen-Komp. entfaltete u. besonders seit 
seiner Zarzuela Pan y Toros (1864) der Be- 
griinder einer national-span, popularen Schreib- 
weise wurde, die den italianisierenden Stil 
verdrangte. 1859 veranstaltete er Concerts 
spirituels im Theater, richtete 1866 standige 
Konzerte klass. Musik ein, aus denen sich 
im folgenden Jahr die Madrider Konzert- 
gesellschaft entwickelte; 1868 Prof, fur Theorie 
u. M.gesch. am Kons.; 1873 Mitglied der Ac. 
de Bellas Artes. Sein Werk als Wiedererwecker 
der nation. Musik vollendete er als Erforscher 
der alten span. Musik u. des Folklore, ein 
Feld, das bisher nur von den Literarhistorikern 
wie S. E. Calderon, J. M. Quadrado, P. Pi- 
ferrer, F. Pelayo Briz, M. Mila y Fontanals 
(dem Verf . des ersten span. Buchs iiber Asthetik) 
bebaut worden war. Sein Forschungswerk 
ist niedergelegt in der Neuausgabe des sog. 
Cancionero de Palacio u. Cancionero Musical 
de los sighs XV y XVI (1890); der Schrift 
iiber den Canto de Ultra] a, den vieldiskutierten, 
wahrscheinlich importierten Pilgergesang, der 
sich im Anhang des Kodex von Calixtus IT. 
(XII. Jahrh.) findet (s. Olmeda); in seiner 
Mitarbeit an der religiosen Reform seit 1890; 
in seiner Mithilfe an dem groBen Werk von 



Don Marcelino Menendez Pelayo, Historia de 
las Ideas Esteticas en Espana (1881—91), wobei 
er die kunstlerische Personlichkeit des Jesuit en 
Eximeno (s. Pedrell) ins Licht stellte; in seiner 
Bucher- u. MSS.-Sammlung, die sich jetzt 
in der Madrider National- Bibl. befindet. 

Als Komponist unterschied sich B. von 
Eslava, dem bedeutendsten seiner Zeitge- 
nossen , dur ch die vollkommene Nettigkeit , 
mit der er, in den Grenzen seiner Technik, 
seine Ideen iiber Nationalisms in der Musik 
realisierte. Seine Zarzuelen: El Barberillo de 
Lavapies u. die oben erwahnte Pan y Toros 
erweisen inn, unter seinen italianisierenden 
Zeitgenossen, als span. Komp. par excellence. 
In diesen Werken hat er einen Schatz an 
rhythmischen u. melodischen Elementen, die 
der span. Volksmusik vor der ital. Invasion 
eigen waren, wieder aufgegriffen u. so 
eine nationale Schule von eigenem Gesicht 
geschaffen. Trotz seines Wissens u. seiner 
Gelehrsamkeit war er vollig frei von Stolz 
u. Pedanterie. Jovialitat atmet auch seine 
Musik; die Jovialitat seines Charakters wird 
am besten gekennzeichnet durch seine humo- 
ristische Studie Las Castahuelas. 

Von seinen iiber 70 Zarzuelas seien noch genannt: 
Los Carboneros; Vn loro y una leckuza; Triste C?iactas; 
Ojo a la itinera; El Diablo Coiuelo; Los Chiehonts; Gloria 
y Peluca; Jugar con Fuego; Juan de Vrbina; Chorizos 
y Polacos; La Vuelta al Mundo (Union Mus. Bsp., 
Madrid). Viele seiner Werke sind vergriffen, aber die 
Partituren befinden sich im Besitz der Soc. de Autores 
Espanole8 t Madrid. 

Barblan, Lydia, schweiz. Sangerin (Sopr.) 
u. Komponistin, geb. 12. April 1890 zu Morges, 
im Ges. Schulerin von Frau Schulze-de Korff 
(Freiburg i. B.), Frau Clericy-Du Collet (Paris) 
u. Frau Emma de Beauck (Brussel), in der 
Kompos. von K.-H. David u. Hans Huber 
in Basel; 1911 Gesangslehrerin am Kons, 
i. Freiburg i. B. u. an der Basler M. schule, 
Mitgrunderin (1916) der Vereinigung Motet 
et Madrigal u. des Vokalquartetts Barblan; 
Lehrerin in Basel u. Lausanne. 

Lieder: Variationen f. KL; Kantate (Text v. Novalis) 
u, a. 

Barblan, Otto, schweiz. Organist u. Komp., 
geb.22.Marzl860inScanfs,Engadin, 1878—84 
Schuler des Stuttgarter Kons. (Kl. bei Schuler 
u. Alwens, Orgel u, Kompos. bei F. Faisst); 
1884 85 dortselbst Lehrer-Vertreter fur Kl.- u. 
Orgelspiel; 1885 M.lehrer an der Kantonsschule 
u. MB. zu Chur, seit 1887 Organist an St. Pierre 
in Genf; Lehrer f. Orgelspiel u. Kompos. am 
Kons. u. seit 1892 Dirig. der Societe de Chant 
Sacre, sowie seit 1901 des Petit Chmir u. des 
Domchors von St. Pierre. Unter seinen, in 
Bachischem Stil geschriebenen Kompos. er- 
langten seine Chore op. 9, 11, 12, 13, 14, 17, 18 
grofien Erfolg. 

Soli, Chor u. Orch.: J'ost tenebras lux op. 8 (fur die 
Calvin-Feier 1909); Musik zum Festspiel anlafilich der 
Calvenschlachtfeier Chur 1899; Ode patriotigue op. 20 
(zur Eroffn. der schweiz. Ausstellung in Genf 1896); 



Barcewioz.— Barratt. 



33 



Lukaspasaion op. 25; Psalm CXVII u. Psalm XXIII 
(Kahnt) ; zahlr eiche andere Chore : Klavier : Stticke 
op. 2 (Peters), 3 (id.), 4 (id.); Orgel: op. 1 (Peters); 
5 (id.); PassacagHa op. 6 (id.); Chaconne tiber B. A. C. H. 
op. 10 (Leuckart) ; 10; 21; 22; Toccata op. 23; Variationen 
u. Tripelfuge uber B.A. C.H. op. 24 (Schweiz. Nat.- 
Ausg.); 26 (ms.). Streichquartett D-Dur op. 19 (Eulen- 
burg). 

Barcewicz, Stanislaw, poln. Geiger, geb. 
16. April 1858 zu Warschau, studierte bei 
Hfimaly, Laub u. Tsciiaikowsky am Moskauer 
Kons. , trat elfjahrig an die Offentlichkeit 
n. machte viele Jahre Konzertreisen in Europa. 
1885 wurde er Lehrer am Warschauer Kons.; 
1911— 18 dessen Dir. Sein Spiel zeichnet sich 
aus durch schbnen u. machtigen Ton u. echtes 
slavisches Temperament. 

Bardas, Willy, osterr. Pianist, geb. 17. Febr. 
1887 zu Wien, todlich verungliickt Sept. 1924 
in Neapel, Schuler von H. Gradener in Wien, 
Arthur Schnabel u. Max Bruch in Berlin, 
1919 Lehrer am Sternschen Kons. Er war 
ein feinsinniger Kammerspieler u. Padagoge. 
seine Gattin Therese B., Altistin, ist Lieder- 
u. Oratoriensangerin. 

Bard i, Benno, deutscher Dirig. , geb . 
16. April 1890 zu Konigsberg i. Pr., bildete 
sich zuerst im Kl.spiel aus, wandte sich aber 
bald der Kompos. zu, ging 1907 nach Berlin, 
ma seine mus. Studien zu vollenden, bezog 
aber dann die Univ. (Kretzschmar, Riehl, 
Dessoir, Max Herrmann, C. Stumpf) u. pro- 
movierte mit einer Arbeit aus dem Gebiet 
der Geschichte der Kom. Oper. Praktisch 
tatig war er zuerst als Solorepetitor in der 
Krolloper, dann an der Staatsoper u. ging 
.dann als Km. nach Saarbrticken. 1918 be- 
griindete er den Konzertverein GroG-Berlin 
u. wirkt als Konzertdirig. u. M. referent. 

Lieder; Bearbeitung von Flotow's Fatme (Berlin 
1925); Musik zu G. Hauptmann's Und Pippa tanzt 
<Berlin 1919). Geschichte der Komischen Oper zur Zeit 
Wagners (im Frscheinen). 

Barilli, Bruno, ital. Komp., geb. 14. Dez. 
1880 zu Fano, aus Parma stammend, wo er 
am Kons. seine ersten Studien machte; dann 
Schuler der Ak. der Tonkunst in Munchen 
{Gluth, Thuille u. vor allem Mottl); fuhrte 
ein wechselreiches Leben als reisender Journa- 
list (Balkankrieg, Weltkrieg); war Kritiker am 
Tempo in Rom u. ist es heute am Corriere 
lialiano. 

Opern: Medusa, 3akt.; Emiral (1923 preisgekront; 
Eom, Costanzi Marz 1924); Stuck f. V. u. Kl. 

Barini, Giorgio, ital. Kritiker, Historiker, 
Lehrer; geb. 3. Aug. 1864 zu Turin, Schuler 
von Antonio Leonardi, erst Komponist, dann 
— unbefriedigt von seinen Arbeiten — Kritiker 
xi. Forscher; lange Jahre Kritiker der Tribuna 
u. der Nuova Antolo£ia } jetzt der Epoca; Lehrer 
4er M.gesch. an der Scuola mus. nazionale 
in Rom. 

Sidle relazioni tra neumi e accenti (Vortrag, Pariser 
KongreB der IMG. 1914); Studien uber Tristan u. 
Parsifal, uber Liszt. In Vorbereitung : Ausgabeu des 
Socrate immaginario von Paesiello u. des Impresario 
-.in anguslie von Cimarosa. 

Ein at ein, M usiklexikon. 



Barlow, Arthur, engl. Bassist, geb. 31. Aug. 
1868 zu Wilmslow; Singlehrer an der Guild- 
hall School of M., London. 

Barmas, Issay, russ. Violinist, geb. 19. April 
1872 in Odessa, Schuler des Moskauer Kons. 
(Hfimaly) u. seit 1895 der Berliner Hoch- 
schule (Wirth, Joachim); deb. 1899 in Berlin 
u. konzertierte in Deutschland, Osterreich, 
Rufiland, Danemark, Polen. 1900 wurde er 
Ausbildungslehrer am Stern'schen Kons., 1905 
erster V. lehrer am Klindworth-Scharwenka- 
Kons. in Berlin. 1919 grundete er eine Quartett- 
Vereinigung (B., W. Petereins, Otto Klust, 
Fritz Dechert). Zu seinen Schiilern zahlen: 
Andreas WeiBgerber , Fidelmann , Fritz 
Schneider u. a. 

Die Lbsung des geigentechnischen Problems (1913, 
Bote & Bock); Tonleiter-Syezialstudien (Leuckart); 
Doppelgriff-Spezialstudien (id .) ; Neuausg . altklass. , 
klass. u. neuerer Musik; Transcriptionen. 

Barmotin, Semen Alexejewitsch, russ. 
Komp., geb. 1877 zu Petersburg, in der dort. 
Hofkapelle Schuler Balakirew's u. am Kons. 
Schuler R.-Korssakow's, seit 1901 selbst 
Lehrer an der Hofkapelle, an der M.schule in 
Cherson, dann wieder in Petersburg als Privat- 
M. lehrer. 

Klavierwerke, darunter eine Sonate op. 4; Pre- 
ludien; Thema u. Variationen; eine Sonate u. eine 
Suite f. V. u. Kl.; Lieder. 

Barnekow, Christian, dan. Komp., geb. 
28. Juli 1837 zu St. Sauveur (Pyrenaen), 
gest. 20. Marz 1913 zu Kopenhagen; 1895 
Pras. der Kopenhagener Musikforening (M.ge- 
sellschaft). 

Jdyllen f. Streichorch. op. 29 (Hansen); Kammer- 
musik, darunter ein Kl.-Quartett D-dur op. 12 (Br. & 
H.); ein StreichcLuintett G-moll op. 20 (id.); Kl.trio Fis- 
moll op. 1 (Hansen); Sonate f. V. u. Kl. F-dur op. 23 
(Norsk Musikfor.); Kantaten, geisti. u. weltl. Gesange. 

Barns, Ethel, engl. Komponistin, geb. zu 
London, Schulerin der R.A.M. (Sauret, Prout, 
Westlake). 

Trio f. 2 V. u. Kl.; 2 Sonaten f. V. u. Kl. op. 9 A-dur 
(Schott) u. op. 24 G-moll (id.); Kl.-Trio; Adagio f. 
Kl.trio F-moll op. 10 (Schott); Konzertstuck f. V. u. 
Orch. D-moll (id.); ca. 40 Soli f. V.; Kl.stucke; Lieder 
(samtl. gedruckt). Ms.: 2 Sonaten i. V. u. Kl.; Kl.trio; 
V.konzert u. a. 

Barratt, Edgar, engl. Pianist u. Komp., 
geb. 1877 zu Lincoln, Sohn eines fertigen Musi- 
kers, John B., Mus. Bac. Oxon., (1879 Organist 
u. Chordir. in Paisley Abbey); studierte am 
Leipz. Kons. Kl. bei Bruno Zwintscher u. Rob. 
Teichmuller, Kompos. bei Schreck; Solist am 
Scottish Orch., bei dem er lange Jahre als Be- 
gleiter wirkte; auch Kammermusikspieler von 
Ruf, Begleiter der Albani u. Dolores auf aus- 
gedehnten Konzertreisen. 

Klaviermusik ; Gesange, meist auf schottische Texte 
(meist bei Elkin). 

Barratt, Mary Louise, norweg. Pianistin, 
geb. 9. April 1888 in Bergen, Schulerin von 
Lindeman's M.schule in Christiania, dann noch 
von Signorina Mettler u. Sgambati in Rom, u. 
von Percy Grainger in London; auch in Paris 
gebildet. 1908 deb. sie in Christiania u. kon- 

3 



34 



Barrera — Bartholoni. 



isertierte in ganz Skandinavien ; 1916 heiratete 
sie den norw.-amerik. Geiger. Henrik Due, 
Christiania. 

Barrera, Tomas, span. Komp. in Madrid. 

Zarzuelas: El Celoso Extremeno\ Sueno de Pierrot', 
El Mafic, Ideica9\ La Vara de Alcalde; La Tajadera; 
La Manzana de Oro (Verlag Fuentes & Asenjo. Madrid), 

BarrientOS, Maria, span. Opernsoparn, geb. 
10. Marz 1885 zu Barcelona; friih Zogling des 
dort. Cons. (V.; Kl.; Kompos,), bis in einem 
Schulerkonzert ihr ungewohnlicher Koloratur- 
sopran entdeckt ward. Nach kurzem Unter- 
richt bei dem Gesangslehrer Bennet debiitierte 
sie 14jahrig in der Afrikanerin am Teatro de 
Novedades, studierte dann noch in Mailand, wo 
sie nach einem Jahr in Lakme auftrat u. sofort 
an die Scala engagiert wurde; von hier aus 
ging ihr Weg an alle Buhnen Europas u. 
Amerikas. Nach einer Zuriickgezogenheit von 
drei Jahren erschien sie 1916 wieder am 
Metrop. Op. House, an dem sie seitdem aus- 
schlieBlich auftritt. Aufier Strawinski's Nachti- 
gall und El Abanico, von Amadeo Vives fur sie 
geschrieben, u. andem modernen Stiicken, 
umfafit ihr Rollengebiet: Puritani, Traviata, 
Gilda, Sonnambula , Rosine , Lucia , Norma, 
Elisir d'Amore, Perlenfischer, Linda, Dinorah, 
Lakme, Mignon, Hamlet, Martha. 

BarriOS, Angel, span. Komp., geb. 1862 zu 
Granada, erst Orchestergeiger, gab dann das 
Violinspiel zugunsten der Gitarre auf u. wurde 
ein ganz bedeutender Gitarrespieler, obwohl 
er, im Gegensatz zu manch anderm beriihmten 
Gitarristen, aus seinem Repertoir alle Be- 
ar beitungen von Orchester- u. Klavierwerken 
verbannte, im Gefiihl des echten Andalusiers, 
d&Q die Gitarre einzig fur eine Musik taugt die 
man in Spanien „flamenco" nennt. Darin folgte 
er dem Beispiel seines Vaters, der — obwohl 
von Beruf Kaufmann — sehr bekannt ist als 
Gitarrenspieler u. -Sanger u. als der grofite 
Kenner der andalusischen Gesange u. Tanze in 
Granada gilt. B.s Ideen haben ihre Anziehung 
auf viele Musiker von grofierer technischer 
Fahigkeit als er ausgeiibt. Urn 1900 grundete 
er das einst beruhmte Trio Iberia (s. Kammer- 
musikspieler). B. vollendete seine M.studien 
bei Antonio Segura (Granada); Gedalge (Paris) 
u. Conrado del Campo (Madrid). 

Sinf. Dicht. Zambra en el Albaicin (aufgef. vom 
Orq. Sinf. Madrid); Copla de Soled u. Danzas gitanas 
f. Orch.; mehrere Kl.stiicke; Btihnenmusik zu Aben 
Sumeya von Fr. Villaespesa; u. zu Xa Danza de la 
Cautiva von Al. Mackinlay; eine 2akt. Zarzuela Gra- 
nada mia; 2 Opern, zusam. mit Conrado del Campo 
La Bomer*a, 2akt., u. El AvapUs, 3akt. (aufgef. 
Madrid). 

Bartels, Wolfgang von, deutscher Komp., 
geb. 21, Juli 1883 zu Hamburg als Sohn des 
Marinemalers Hans v. B., Schuler von A. Beer- 
Walbrunn in Miinchen u. Andre Gedalge in 
Paris (1904—09); lebt seit langen Jahren nur 
der Kompos. in Miinchen. 

Dram. WerkeiMelodramen The little Dream* von John 
Galsworthy (Manchester, Gaiety Th. 1911); Schneewitt- 



chen, Kindermarchcn, von Green (Manchester 1911); 
The Spanish Lovers, von Fernando de Kojas, in der 
tJbertragung von Garnett (London, The little Theatre 
1912); die Terser des Aischyloa, von Lion Feucht- 
wanger (Miinchen, Schauspielhaus 1917); Li-I-Lan, 
Oper von Warden n. Welleminsky (Kassel 1918; 
DMV.): Streichtrio E-dur (1924); Suite f.Fl.mit Streich- 
orch. (1924); 5 Minnesange (Tischer & Jagenberg 1924), 
Zykhis von altdeutschen Liedern ; Die zwolf Gesange 
des Li-Tai-Pe (1921); 7 Baltische Lieder (1925). 

Barth, Karl Heinrich, deutscher Pianist 
u. Padagoge, geb. 12. Juni 1847 zu Pillau bei 
Konigsberg, gest. 23. Dez. 1922 in Berlin, 
1862—64 Scrmler von H. v. Bulow, Hans 
v. Bronsart u. kurze Zeit von C. Tausig. 1868 
wurde er Lehrer an Stern's Kons,, 1871 an der 
Hochschule in Berlin, 1910 Vorsteher der Kl.- 
Abteilung; seit 1921 in Ruhestand. Mit de 
Ahna u, Hausmann bildete er einst ein vorzug- 
hches Trio. 

Barth, Richard, deutscher Chordirig. u. 
Komp., geb. 5. Juni 1850 zu Grofiwanzleben 
(Prov. Sachsen); gest. 25. Dez. 1923 in Mar- 
burg; erst Violinspieler, Schuler Beck's in 
Magdeburg u. 1863—67 Schuler Joachim's, 
Konzertmeister in Minister u. dann (1882) in 
Krefeld, Univ.MD. in Marburg, 1895—1904 
dort Dirig. der Philharm. Konzerte u. der 
Singakademie sowie anderer Chorvereine zu 
Hamburg, 1908 Dir. des Hamburger Kons.; 
1904 Dr. phil. h. c. von Marburg. 

Son. f. V.u.Kl. D-dnrop.14 (F. Schuberth jun.); H 
moll op. 20 (Simrock) n. D-dur op. 23 (im alten Stil, Ben 
jamin); Klaviertrio A-moll op. 19 (Peters); Streichquar- 
tett G-moIl op. 15 (Simrock); Partita F-moll f. V. allein 
op. 10 (Scbott): Ciacona H-moll f. V. allein op. 21 (Sim- 
rock). Hrsg. J oh. Brahms im Briefuechsel mit J. O. Grimm 
(Deutsche Brahms-Ges. 1908); Joh. Brahms und seine 
Musik (1904). 

Earth I me, Anton, osterr. V.cellistu. Dirig., 
geb. 12. Mai 1867 in Tepl (Bohmen), in TepJ 
u. Pilsen erzogen, seit 1882 am Kons. der Ges. 
der M.freunde unter Josef Hellmesberger in 
Wien Schuler von Karl Udel u. Ferd. Hellmes- 
berger (Vc), Sturm u. Ludwig (Kl.) u. 
Franz Krenn (Theorie), bei seinem Abgang mit 
dem I. Preis ausgezeichnet. 1894 wurde er Km. 
beim Inf. -Reg. Nr. 25 in Ungarn, dann V.cellist 
im Wiener Duesberg-Quartett, war 1900—1903 
Dirig. der popularen Konzerte des Wiener 
Konzertvereins u. ist seit 1912 Lehrer f. Vc. 
an der Akad. f. Musik u. darstell. Kunst, zu- 
gleich Vc. im Quartett Kollmann-Barthlme. 

Bartholdy, Conrad Johan, dan. Komp., 
geb. 12. Marz 1853 zu Kopenhagen, gest. 
6. Dez. 1904 daselbst: 1883 Kantor an der dort. 
Matthauskirche, Dirig. des Studenten-Sang- 
forening. 

Zahlreiche Vokal- n. Orchesterwerke; Opern: Svine- 
drengen (Der Schweinehirt, nach Andersens* Marchen);. 
Loreley; Dyveke (Kgl. Theater, Copenhagen). 

Bartholoni, Jean, franz. Komp., geb. 1880 
zu Genf, Schuler von Jos. Morpain, Cesar 
Galeotti, Strong u. Mottu in Paris, auch von 
Nadaud (V.); ist Vorstand des Genfer Kons. Er 
ist gemafligt fortschrittlich gesinnt; auch als 
D ichter hervorgetreten. 



BartmuB— Bartok. 



35 



Sinf. Dichtungen: La Nuit cede au Jcvr; Jeux de ( ungarischert Volksmelcdien, scndern das Pro- 
unes; f. Kl.: Impressions d'Etd; Senate Cmoll t V. „ Tnw , w j,„ »■,,,,. 4%, n.,i j i* i 



Joannes; f. Kl.: Impression, 

xi. ~Kh; Stticke *. Org. n. f. Org. u. V. Euch: Wagner 

et h rccvl du ienips (Paris, .Altin Michel). 

BartmuB, Richard, deleter Organist u. 
Komp., geb. 23. Dez. 1859 in Bitterfeld, gest. 
25. Dez. 1910 in Dessau; 1882—85 Schuler des 
Kgl. Instituts fur Kirchermusik u. der Kcmpcs. 
schule der Akademie zu Berlin (Ed. Grell, 
K. A. Haupt, Alb. Loscbhom), Organist 
der Hauptkirche zu Dessau u. Hcforganist, 
1896 Kgl. MD., 1SC2 Kgl. preuB. Prof. 

Kirchliche Festmusiken; 4 OrgelscEaten Es-dnr; 
C-moll; G-dur;F-moll; 2 Orgelkonzcrte Es-dur; G-iro]]; 
2 Choralphantasien; Oratorium Der Tag der Pjingsten 
op. 14; Chorwerk Die Apostel in Fhilippi op. £0; Kan- 
taten u. Motetten; patriotische Mannerchore; Frautn- 
chGie (JoJiannisnaeM); Lieder u. Melcdramen; Xitur- 
gische Vespern (nnter Eeirat von Jul. Smend ent- 
standen), 

Bartdk, Bela, ungar. Komp., Pianist u. 
Volksliedforscher; geb. 25. Marz 1881 zu Nagy- 
Szent Miklos (jetzt zu Rumanien geherend). In 
seinem 6. Jahre begann seine Mutter mit dem 
Klavierunterricht; sein Vater, Direktor einer 
landwirtschaftlichen Schule u.begabterMusiker, 
starb als der Knabe 8 Jahre alt war, so dafi 
seine Mutter ihr Leben als Schullebrerin fristen 
muBte; erst in kleinen Provinzstadten, dann 
in PreBburg, wo das Musikleben zu B.s Ent- 
wicklung beitrug. Hier studierte er Kl. u. 
Theorie bei Ldszlo Erkel, dem Sohn des be- 
riihmten Opernkomp. Franz Erkel, u. lernte 
klass. M. von Bach bis zu Brahms, ebenso 
Wagner's Opern kennen. In seinem 9. Jahr fing 
er an zu komponieren u. beendigte eine Kl.- 
Sonate (1897), ein Kl.-Quartett (1898) u. ein 
Streichquartett (1899). 1899 trat er in die 
Budapester Hochschule f. M. ein, wo Hans 
Koessler (Kompos.) u. Stephan Thoman (Kl.) 
seine Lehrer waren. In den ersten 2 cder 3 Jah- 
ren gait B. weniger als Komp. denn als viel- 
versprechender Kl. spieler; eine Auffuhrung von 
StrauB' Zarathustra erweckte plotzlich seinen , 



gramm des Kossuth selbst iiug nationale 
u. politische Tendenz. Doch zeigte sich bald, 
daB die Mogliebkeiten der sog. ung. Volks- 
musik, deren groBter Teil aus dem 19. Jahrh. 
starcmt, begrenzt waren u. als Grundlage fur 
einen nationalen M.stil nicht genugten. Es gab, 
wie B. sich fruh bewuBt ward, eine viel altere 
Art von Volks(Bauern)M. , damals noch uner- 
forscht, u. nur an Crt u. Stelle erforschbar. So 
begann B. , der seit 1907 inzwischen Lehrer an 
der Budapester Hochschule geworden war, mit 
einer Fcrsehungsreise, die er spater auf slowa- 
kisehes u. ruman. Gebiet ausdehnte, u. zog eine 
grcBe Zahl alter, traditioneller Melodien ans 
Licbt. Sein Stil zeigte bald die Wirkung dieser 
archaischen Musik, die zum grofien Teil penta- 
tonisch u. medal ist u. einen auBerordentlichen 
rhythmischen Reichtum aufweist. Die 2. Suite 
1 op. 4 (1905—07), u. Deux Portraits op. 5 (1907) 
i zeigen den Ubergang zu einem neuen Aus- 
1 drucksstil, der in den Bagatelles op. 6 (1908) 
fester u. einheitlicher wird. Inspiriert von 
dieser echten Volksmusik, die unberuhrt ist 
von den konventionellen europ. Formen, er- 
reicht B. eine melcdiscbe, rhythmische u. har- 
monische Freiheit von einer ganz individuellen 
Art. Dieser neue Stil, namentlich der haufige 
u. ungewohnte Gebrauch der Dissonanz, rief 
hef tige Gegnerschaft hervor. Wahrend B.s erste 
Werke uneingeschrankten Erfolg ernteten, 
hatte er jetzt auf lange Zeit jedem auBeren Er- 
folg zu entsagen u. sich mit der verstandnis- 
vollen Anerkennung eines kleinen Kreises zu 
begniigen. Die bezeichnendsten Werke dieser 
Periode sind das 1. Streichquartett (1908); 
Deux Images (1910); die Netties (1910) u. die 
Oper Herzog Blaubarts Schlop — eine Oper, 
die bei einem bald darauf stattfindenden Wett- 
bewerb zuriickgewiesen wurde. Eine M.gesell- 
schaft unter seiner Leitung muBte nach kurzer 



Kompositionsdrang, u. es entstanden in kurzer ; Tatigkeit sich wieder auflosen. Dadurch u, 



Zeit zahlreiche Werke: Scherzo f. Orch., ein 
Bruc hstiick einer geplanten Sinf onie ; sinf. 
Dicht. Kossuth (1903), die in der Philh. Ges. 
zu Budapest u. in Manchester unter Hans 
Richter zur Auff. kam: eine V.-Sonate (1903) 
u. ein Kl.-Quintett (1904), beide in Wien auf- 
gefuhrt. Die veroffentlichten Werke dieser 
Zeit schlieBen ein: 4 Lieder, 4 Kl.-Stucke; 
Rhapsodic op. 1 (1804), mit der er ohne Erfolg 
1905 sich um den Rubinsteinpreis in Paris 
bewarb; die 1. Orch.-Suite op. 3 (1905). Eine 
Burleske op. 2 (1904) f. Orch. ist noch MS. 
All diese Werke zeigen schon eine entschiedene 
Individualitat, neben StrauBischem EinfluB 
spurt man die ungar. Farbung: die hef tige 
nationale Bewegung, die zum Ausdruck des 
nationalen Charakters auch durch die Kunst 
ermutigte, war damals auf dem Gipfel u. ubte 
ihre Wirkung auch auf B. Nicht nur verraten 
seine Themen den unverhohlenen Gebrauch 



durch andre MiBerfolge entmutigt, zog ersich 
mehr u. mehr aus der Offentlichkeit zuriick. 
Nach einer Periode gespannten Schaffens setzte 
eine Pause ein , wahrend welcher er sich seinen 
Volksliedstudien widmete, deren Umfang sich 
damals stark vergroBerte. So machte er 1913 
eine Reise nach Biskra u. kehrte mit einer reichen 
Sammlung arab. Volksmusik heim. Der Krieg 
setzte all seinen Reiseplanen ein Ende. Ab- 
geschnitten von der AuBenwelt u. in einem Lande 
mit verzweifelten Daseinsbedingungen lebend, 
zog er sich noch mehr zuruck u. geriet in vollige 
Vereinsamung. Die Werke dieser Periode 
werden immer individueller u, subjektiver. 
Dennoch, eines davon sollte B. einen breiteren 
Erfolg eintragen. Die Pantomime Der hbherne 
Prinz, 1917 unter E. Tango im Budapester 
Opernhaus aufgefuhrt, brachte ibim mit einem 
Schlag eine Anerkennung, die seitdem nichtmehr 
angezweifelt werden konnte. 1918 folgte die 

5* 



36 



Bartos— Bastianelli. 



erste Auff. des Blaubart, u. die neue Generation 
nahm seine spateren Werke mit Begeisterung 
auf; es waren die Kl.-Suite, das 2. Quartett u. 
die Etuden. Das letzte groBere Werk dieser 
Schaffensperiode ist die Pantomime Der 
wunderbare Mandarin (1924 vollendet). Die 
politischen Wirren in Ungarn 1919/20 waren 
einer groBen Produktion nicht zutraglieh. 
1920 ersehienen die Improvisationen iiber ungar. 
Volkslieder. 1921 vollendete B. die V.-Sonate 
op. 21, die er 1922 mit Jelly d'Aranyi in Eng- 
land selbst zur Auff. brachte; im selben Jahr 
gab die Frankfurter Oper seine zwei Bulmen- 
werke. Seinen groRten Erfolg errang er 
1925 mit seiner Tanzsuite in Prag. In den 
letzten Jahren ist B. zur Vorfiihrung seiner 
Werke oft ins Ausland eingeladen worden. 

Dram. Werke: Opcr: Herzog Blaubarts Schlofi op. 11; 
Der hblzerne (holzgeschnitzte) Prim op. 13. — Orch.: 
Burlesque op. 2 (MS.); 1. Suite op. 3 (lluzsavblgy); 
2. Suite op. 4; Deux Portraits op. 5 (Rozsnyai); Deux 
Images op. 10 (Rozsavolgyi); Quatre Morceaux op. 12; 
Tanzsuite. — Kammermusik -. 1. Streichquartett op. 7 
(BozsavSlgyi); 2. Streichquartett op. 17; 2 Violin- 
sonaten op. 18 u. op. 21. — Gesang: 4 Lieder (Bard); 
5 Lieder. — Kl.: 4 Stucke (Bird); Trauermarsch f. 
Kossuth (Rozsnyai); Rhapsodie op. 1 (Rozsavolgyi); 
14 Bagatellen op. 6 (llozsnyai); 10 leichte Ki.stiicke 
(id.); 2 Elegien op. 8b (id.); 2 ruman. Tanze op. 8a 
(Rozsav.); 4 N ernes (id.); Allegro barbaro, Suite op. 14; 
3 Etiiden op. 18; Improvisation en op. 20; — Volks- 
liederbearbeitungcn: a) f. Kl. 3 ungar. Volkslieder 
(Rozsnyai); fur Kinder, 4 Bde. (id.); 15 ungar. Bauern- 
lieder; ruman. Voikstanze aus Ungarn; Ruman. Weih- 
nachtslieder; Sonatine iiber ruman. Themen (Rozsav.); 
b) V. u. KL: 20 ungar. Volksiieder (zusam. mit Z. 
Kodaly, Rozsnyai); 8 ungar. Volkslieder. c) f. Ch.: 
ungar. Volkslieder f. MCh.; slowak. Volkslieder f. 
gem. Ch. (beide MS.); slowak. Volkslieder f. MCh. — 
Alle opera ohne Verlagsangabe bei der Un.-Ed. 

Forschungsarbeiten: Chansons populaires rou- 
maines du departement Bihar (Akad. Rom. Bukarest 
1913); Transylvanian Hungarian Folk-Songs, 150 
Weisen mit engl. u. franz. Vorrede, veroff. von B, u. 
Kodaly (Budapest 1923, Volks-Lit.-Verem); Volks- 
musik der Rumd.nen von Maramures (Sammelb. f. 
vgl. MW IV, Munchen 1923 Drei Masken Ver'asr); 
Hungarian Folk-Music. 340 Melodien mit krit. An- 
merkungen (Oxford TJn. Press 1924); Slowakian Folk- 
Tunes, 2600 Melodien mit Vorrede u. Anmerk. in 
Slowakisch, Franz.,. Dcutsch, Englisch (Slovenska 
Matica, Curciansky-Svaty-Martin 1924/25); Der Alusik- 
dialekt der Rumanen von Hunyad (ZfMW. II); Die 
Volksmusik der A.raber von Biskra u. Vmgebung (id,). 

Der groBte Teil der von B. gesammelten Melodien, 
2-700 ung., 3500 rum. u. 200 arab., ist noch un ver- 
off entlicht. Er hat an eh, xusammen mit Alex. Re- 
set] of sky, eine Kl.schulc geschrieben u. viele klassische 
Klavierwerke zu padagogischen Zweckcn heraus- 
gegeben. 

BartOS, Frantisek, tsehech. Folklorist u. 
Philologe, geb. 1838 zu Mlatcov, gest. daselbst 
1906 ? studierte in Wien u. war meist in Briinn 
angestellt. Wahrend seiner langjahrigen Reisen 
in Mahren sammelte er Volksiieder u. veroff ent- 
lichte Sammlungen, deren Auizeichnung meist 
Leos Janacek (s. d.) besorgte. 

Hauptwerke (alle tscheehisch) : Neue mahrische 
Volkslieder, 1882; 2. Sammluug 1887—89; 3. Samm- 
uug 1901. 

BartOS, Josef, tsehech. M.schriftsteller, geb. 
I £57 zu Vysoke My to, studierte u. promovierte 
in Prag, wo er als Kritiker u. Lehrer lebt. 



Anton Dvorak, 1913: Zdenko Filnch, 1913; J. B. 

Foerster.^ 1923; Einfuhrung in die Musik; Einfuhrung 

in die Jsihetik, 1922. (Alles tscheehisch.) 

BartOSCh, Karl, osterr. Dirig., geb. 1. Dez. 

1877 zu Briinn, Schiller von Otto Kitzler 
j u. 1887— 95 der B runner M.vereinsschule, 
j war 1896—1907 Km. an den Theatern in 

Brunn, Heidelberg u. Mannheim, wo er dau- 
i ernd blieb als MX), u. Organist an der Haupt- 
| synagoge. 
j Manner chore ; Lieder; Orch. stucke; Mannerchor mit 

Orch. u. Org el (Die Jimgfrau) u. a. 
' Bary, Alfred Erwin von, deutscher Helden- 
I tenor, geb. 18. Jan. 1873 zu La Valetta, stud, in 
1 Leipzig u. Munchen Medizin u. Naturwissen- 
! schaft; 1898 Dr. med.; dann Assistent an der 
: Leipziger Univ.-Irrenklinik, bildete daneben 
! aber seinen prachtvollen baritonalen Tenor aus; 
| 1902— 12 in Dresden, 1912—18 in Munchen, bis 
! ihn ein fortschreitendes Augenleiden zum Ab- 
i schied von der Buhne u. zur Riickkehr zum 

■ arztiichen Beruf zwang. Seit 1904 sang B. auch 
j in Bayreuth. Neb en den Wagnerrolien exzellierte 
j B. ah Herodes, Samson, Fischer in Klose's 
I Ilsebill u. a. 

j Bas, Giulio, itai. Theoretiker, Organist, 
I Komp M geb. 21. April 1874 zu Venedig, studierte 
i Kompos.(wenigeMonate, 1895) bei Rheinberger 
| an der Mus. Akad. zu Munchen, u. Orgel bei 
I Enrico Bossi am Liceo Mus. B. Marcello in 
j Venedig; war 1900 Vicernaestro an S. Marco, 
[ 1901—03 Maestro an den Cath. von Calvi u. 
! Peano, dann Organist an S. Luigi de' Francesi 

■ zu Rom; seit 1908 lebt er als Lehrer am Kons. 
i in Mailand. 

i Messc u. kleinere Kirchenkompos., Orgelsonate 

i F-dur (Coppenrath); Orgelstiicke; Sonata breve f. V. 

u. Kl. (Uicordi); u. a. — Bticher: Trattato di Forma 

Mv.sicale; Trattato d'Armonia (beide Ilicordi); Un 

Rimiova-mento negli studi d'Armonia e Contrappunto 

( Dtisseldorf , Schwann) ; Metodo d' Accompagnamento 

al Canto Gregoriano e di CompGsizione negli Otto Modi 

(S. X. E. 1ST., aueh franz. bei Desclee, holl. bei Dekker 

. & van de Vegt); Manuale di Canto Gregoriano (Schwann, 

! ital. u. span.); das Kapitel iiber Le rhythme et Vhar- 

i monie im VII. Bd. der Paleogr. Mus. der Benedictiner 

i v. Solesmes usw. 

| Basabilbaso de Catelin, Henriette, argent. 
', Opern-Sopranistin, studierte in Paris bei Rosa 
Car on u. Ma tilde Marches!, u. in Buenos Aires 
bei Maguilli; sang 1906 in der Scala u. mehr- 
mals in Paris u. ist eine der besten Liebhaber- 
sangerinnen in Buenos Aires. 

Easkische Volksmusik s. Azkue; Charles 
Bordes; Donostia; Gascue. 

Basss, Amadeo, ital. Tenorist, geb. 20. Juli 
1874 zu Monspertoli (Flcrenz), debiitierte 1899 
in Castelfiorentino u. hat seitdem europ. Ruf 
erlangt; sein Repertoir umfafit 65 Rollen. 

Bastianein^ Giannotto, ital.Kritik.u.Komp., 
geb. 20. Juli 1883 in S. Domenico di Fiesole, 
stud. Kompos. bei Gino Bellio, ist aber in der 
Hauptsache Autodidakt, u. unterrichtete an 
einem Florentiner Pri vat- Inst. (Eugenia Galews- 
ka). Er schrieb fur La Nazione (Florenz) u. den 
Bologneser Resio del Carlino, u. griindete 1914 



Bates— Bauer, 



37 



zusammen mit Ildebrando Pizzetti eine Viertel- 
jalirsschrift Dissonanza, die der jungen Gene- 
ration dienen sollte u. Kompositionen ver- 
offentlichte. 

4 Sonaten f. Kl.; Concerto i. 2 Kl.; Sonate i, V. 
u. KL; Kl.-Quartett; Pcema f. 2 V. u. KL; Ouvertiire 
iiber den Orlando furioso f. Orch.; eine opera buffa 
La Scala u. ein Ballett. 

Biicher: La crisi musicale europea (Pistoia, Paga- 
nini); Pietro Mascagni (Neapel 1910; Uicciardi); Musi- 
cisti d'oggi e d'ien (1914 Mail.); L'opera e altri saggi 
di teoria musicale (Florenz 1921, Vallecchi). 

Bates, Frank, engl. Organist u. Dirig., geb. 
13, Jan. 1856 zu March, Cambs; Mus. Doc. Trin. 
Coll. zu Dublin; Organist u. Chorleiter an der 
Kath. zu Norwich; Dirig. der Philh. Soc. (Orch.- 
u. Chorkonzerte) u. Choral Soc. zu Norwich etc. , 
Beforderer der M Freiluftmusik" u, des Volks- 
tanzes. 

Bath, Hubert, engl. Komp., geb. 6. Nov. 
1883 zu Barnstaple, Devons., stud, bei Dr. 
H. I. Edwards u. spater an der R. A. M. (Goring 
Thomas- Stipendium fur Kompos.) bei Beringer, 
R. Steggall u. Corder. 1913— 14 war er einer der 
Dirigenten an der Quinlan Opera Co., 1923—24 
an der Carl Rosa Opera Co. ; einige Jahre Leiter 
der Opernklassen an der Guildhall School of M, , 
u. auch Musiksachverstandiger des London 
County Council. Als Komp. neigt er zu einer 
leichteren Auffassung, arbeitet mit grofiem Ge- 
schmack u. genauer Kenntnis aller Wirkungen, 
obwohl er auch auf ernsterem sinf. Gebiet ge- 
wisse Erfolge errungen hat. Seine Vertonungen 
der Dichtungen von Fiona Macleod sind be- 
deutend u. fesselnd. 

Opern: Bubbole. lakt. (Mailand 3. Jan. 1920); 
Young England, Kom. Oper, mit G. H. Clutsam u. 
Basil Hood (London 1915 Daly's); The She de Maleiroit's 
.Door, lakt.; The Three Strangers, 1 akt.; Trilby, 3akt.— 
Orch.: Variations (aufgef. 1905); African Suite; Ouv. 
Midshipman Easy; Woodland Scenes; Visions oj Ban- 
nele (sinf. Dicht.. 1920); usw. — Chor u. Orch.: Wedding 
of Shon Maclean (Leeds Test. 1910); The Wake of 
O'Connor, 1918; Men on the Line f. MCh. (Albert Hall 
1913); The Jackdaw of Rheims; Look at the Clock usw. 
Biihnenmusik zu Eannele (His Majesty's Tb. 1908); 
zu The Light of Asia (Kegan Paul). — Zahlreiche Melo- 
dramen, Lieder, Kl.stiicke; Freedom, die erste fur Blech- 
musik geschriebene Sinfonie, 1922. 

Batka, Richard, ostr. Kritiker u.M.forscher, 
geb. 14. Dez. 1868 zu Prag, gest. 24. April 1922 
zu Wien, stud, zu Prag (Dr. phi!.), war seit 1896 
als M.schriftsteller tatig; Kritiker des Prager 
Tag blatts u. anderer Zeitungen , wo bei er 
stets Witterung fur das gute Neue bewies, seit 
1897 einfluBreicher Mitherausgeber des Kunst- 
wart: seit 1908 in Wien am Fremdenblatt, dann 
an der Allgem. Zeitung; u. einige Zeit, mit 
Rich. Specht, Mitherausgeber des Merker, u. 
Lehrer fiir M.gesch, u. Lautenmusik an der 
Akademie. Er war ein unermudlicher u. erfolg- 
reicher Schriftsteller, Herausgeber, Ubersetzer 
u. Opernlibrettist. 

Kleine Biographien von Bach u. Schumann (1892, 
Reclam); eine geschickte kurze Biographie Wagner's 
(1892); Gesch. der M.in Bohmen 1(1906); Allg. Gesch. 
der M. (1908); Ges. Aujs. aus der M.- u. Theaterwelt 
(1899); Musikalische Streifzilge (1908); Kranz (1903^; 
Mithrsg. von Hugo Wolf's Musikkritiken (Br. &H. 1911); 



Sammlung: Eausmusik des Kunstwarts; Bunte Bilhne; 
Neuausg. von Bach's Notenbuchlein fiir A. M- Bach 
(1904). 

Baton, Rene, s. Rhene-Baton. 

Battistini, Mattia, ital. Opern- u. Konzert- 
bariton, geb. 27. Febr. 1858 (1857?) zu Rom, 
deb. 1878 (1880?) in Donizetti's Favorita am 
Teatro Argentina; sein europ. Ruhm datiert 
seit seinem Auftreten an der Scala 1888. Sein 
Repertoir umfaftt 82 Rollen von Mozart's Figaro 
oder Don Giovanni bis zuTschaikowsky's Eugen 
Onegin oder Massenet's Werther (den Massenet 
fiir ihn als Baritonrolle umschrieb). Er ist 
nicht blofi einer der groBten Stilsanger, dersein 
Organ u. seine Kunst bis heute frisch erhalten 
hat, sondern auch ein Darsteller von Rang, 
namentlich in der opera buffa; hat auch einige 
Romanzen komponiert. 

Vgl. Cr. Monaldi, Cantanti celebri (Turin, Bocca). 

Battke, Max, deutsch. M.padagogeu. Schrift- 
steller, geb. 15. Sept. 1863 zu Schiffufi bei 
Wandlacken (OstpreuBen), gest. 4. Okt. 1916 
in Berlin, Schiiler von Max Osten in Konigs- 
berg, besuchte 1887 — 90 die Berliner Hoch- 
schule f . M. u. 1890/91 die Akad. Meisterschule. 
Erst Lehrer am Sternschen Kons. , dem Kons. 
des Westens, begrundete er 1900 mit W. Alt- 
mann, P. Ertel, M. Martersteig u. a. selbst ein 
Seminar f. M., das 1910 zum ,, Seminar fur 
Schulgesang" umgestaltet wurde; rief 1902 die 
, , Jugend-Konzerte" ins Leben u. leitete den 
,,Mozart-Chor". 

Bucher: Elementarlehre der M. (1889, Vieweg); Prima- 
vista, eine Methode, vom Blatt zu singen (1900, auch 
tschechisch); Erziehung des Tonsinnes (1905); Singe* 
biichlein (1907); Tonsprache — Muttersprache (1909); 
Musik. Grammatik (1909); Stimmbildung u. Schule (1912, 
Vieweg) ; Neue Formen des Musikdiktats (1913, Vieweg) u» 
mehrere Sammlungen Liederbucher f , die Jugend u. gem. 
Chor, mit Humperdinck zusammen auch eine Sammlung 
mit Kl.musik ( Musikbilcherei Weifienturn); fast lauter 
eriolgreiche, padag. geschickte Werke mit mehreren 
Aufiagen, 

Bauberger, Alfred, deutscher BaBbariton, 
geb. 22, Febr. 1866 zuKrummbach, erstZahn- 
arzt, debut. 26. April 1891 als , ,Sprecher" in der 
Zauberflbte am Munchener Hof theater, dem 
er seitdem bis 1925 ununterbrochen angehorte; 
als vielverwendbarer Sanger von machtigen 
Stimmmitteln u. deutlichster Deklamation. 

Bauer, Harold, Pianist, geb. 28. April 1873 
in New Maiden bei London, von engl. Mutter 
u. deutschem Vater abstammend; stud, erst 
V. unter seinem Vater u. Adolf Pollitzer in 
London, debutierte 1883 auch in London als 
Geiger u. konzertierte noch 9 Jahre lang als 
solcher in England. Sein Klavierspiel erweckte 
jedoch die Aufmerksamkeit Paderewski's, der 
ihn auf die neue Bahn lenkte, ihm 1892/93 
ein Jahr lang in Paris Unterricht gab, wo 
er sich durch Stundengeben durchbrachte u. 
1893 als Pianist debutierte 1893/94 schlossen 
sich Konzertreisen in Rutland, dem Kontinent 
u. England an. In Amerika erschien er z. e. M. 
1900 mit dem Boston Symph. Orch. Bis 



38 



Bauer — Bax. 



Kriegsausbruch lebte er meist in Paris, wo er 
eine beneidenswerte Stellung als Lehrer genoB; 
siedelte dann aber nach New York iiber, wo er 
die Beethoven Association grundete, deren Vor- 
sitzender er ist. Dieser Verein, unterstiitzt von 
vielen Kunstlern u. Virtuosen ersten Rangs, 
begann seine Konzerttatigkeit 1919 u. widmete 
sich anfanglich hauptsachlich der Auffuhrung 
Beethovenscher Werke jeder Besetzung, be- 
sonders der seltener gehorten; im New Yorker 
M.leben ist er ein bedeutender Faktor geworden 
Ein Teil des Ertrags der Konzerte wurde auf 
die Veroffentlichung der originalen Fassung 
von A. W. Thayer's Leben Beethovens ver- 
wandt (Schirmer), das bis dahin nur in deut- 
scher Ubersetzung vorlag; ein anderer zur 
Errichtung einer Beethoven- Sammlung (Werke 
von B. u. Biicher iiber ihn) in der New Yorker 
Public Library u. zur Errichtung eines neuen 
Festspielhauses in Salzburg. 

Bauer, Moritz, deutscher Miorscher, geb. 
8. April 1875 in Hamburg, stud, erst Medizin, 
war dann in Leipzig Sehuler von A. Ruthardt 
(KL), Rich. Hofmann (Theorie) u. Gg. GohJer 
(Dirigieren), leitete auch selber einen Frauen- 
ehor u. besuchte die Univ. 1904 Dr. phil. in 
Zurich; nach weiteren Studien bei S. v. Haus- 1 
egger u. Iwan Knorr in Frankfurt wurde er 
dort Lehrer t M.gesch. u. Asthetik, Leiter des 
Klavierpad. Seminars am Hochschen Kon3. 
u. habilitierte sich 1914 an der neugegrundeten 
Frankf. Univ,; a. o. Prof. B. ist ein Spezialist 
der Lied-, besonders der Sehubertforschung. 

Historic oder Pamphlet ? (1910); Beitrdge zur Kenntnis 
der Lieder Franz Schuberts (1914, Br. & H.), als Vor- 
laufer einer groBen Monographic iiber Schubert; 
Iwan Knorr (1916); Johann Mayrhofer (Z. f. MVV. V, 
1922); Ausg. von Liedern Zelter's (1924). KomptH.: 
Lieder; 28. Psalm f. 3st. FrCh., Sopran u. Orgel u. a. 

Bauer, Theodor Ludwig, deutscher Vio- 
linist, geb. 30. Okt. 1872 zu Augsburg, mutter- 
licherseits Enkel von J. P. Lyser; Sehuler der 
Augsburger M.schule, 1892—96 von Lauter- 
bach, Rappoldi, Rischbieter u. Draeseke in 
Dresden. 1896—98 war er Sologeiger am 
Miinchener Kaimorch. , seither Kammermusiker 
an der Dresdener Staatskapelle. Einige Jahre 
gehorte er dem Petri- Quartett an; seit 1914 
Vorsitzender des Dresdener Tonkunstlervereins 
u. Forderer zeitgenoss. Musik. 

Baumann, Emma (Emma Schubotz), 
deutsche Koloratursangerin, geb. 7. April 
1855 in Erfurt, gest. 3. Februar 1925 in 
Leipzig, wuchs in Breslau auf, wo sie den 
Unterricht der Theaterdirektorin Seydelmann 
genoB u. sehr bald die Biihne betrat. Sie 
heiratete sehr fruh den friiheren Bassisten 
Baumann u. zog sich zunachst von der Buhne 
zuriick, kam dann aber iiber Dortmund 1883 
ans Berliner Kroll-Theater, wo sie auBerordent- 
lich gefiel, u. wurde 1884 von Direktor Stage- 
mann ans Leipziger Stadttheafcer verpfliojtet, 
an dem sie zu den ersten Kraften zahlte. Obwohl 



in erster Linie Koloratursangerin , war ihr 
Rollengebiet sehr umfassend (Leonore, Venus, 
Agathe, Violetta u. a.). Nach ihrem Abgang 
von der Buhne (Ehrenmitglied des Stadt- 
theaters) widmete sie sich dem Gesangsunter- 
richt u. war langere Zeit auch am Kons. tatig. 
Bau8nern,Waldemar von, deutscher Komp., 
geb. 29. Nov. 1866 zu Berlin, verlebte seine 
Kinderjahre in Siebenbiirgen, der Heimat seiner 
Familie, war 1882—88 Schiiler von Kiel u. 
Bargiel an der Berliner Hochschule, 1891 Dirig. 
des Mannheimer Musikvereins u. Lehrergesang- 
vereins, 1895 der Dresdener Liedertafel u. (1896) 
des Dresdner Bachvereins, spater des Dresdner 
,,Chorve reins". 1903 ging er als Lehrer ans 
Kolner Kons. u. leitete auch den dortigen 
Tonkunstlerverein, 1908 wurde er Dir. der 
GroBherzogl. Musikschule zu Weimar (1910 
Prof.), 1916 Nachfolg. von Iwan Knorr als Dir. 
des Hochschen Kons. in Frankfurt, 1923 
2. stand. Sekretar der Berliner Ak. der Kiinste 
u. gleichzeitig Lehrer fur Kompos. an der Ak. f. 
Kirchen- u. Schulmusik. Als Komp. fesselt B. 
durch die groBe Intention seiner Werke, 
die durch ein starkes Konnen gestiitzt, frei- 
lich auch durch einen gewissen Akademismus 
gehemmt wird. 

Gesang der Sapph? . A. u. Orch. (von H. v. Billow 
aufgef. u. a. Ges. f. S. (od. T.) mifc Orch., darunter Ge- 
sdnge aus der Tiefe; 6 Sinfonien, davon die 1. Jugend, 
die 3. Leben betitelt mit SchluBchor (Goethe3 Ganym&d), 
die 4. f. Streichorch., 11 Blaser u. Kl., die 5. Es ist ein 
Sehnitter, keiftt der Tod mit SchluBchor; die 6. Psalm 
der Liebe betitelt; Das hohe Lied vom Leben und Sterben 
f. Soli, Chor, Orch. u. Orgel; Kantate Aus unserer Not 
f.'gem.Ch.,Baritonu.Ofg.; Der 98. Psalm, 8st.acappella; 
Die hirnmlische Orgel f. Bar. u. Orch. (R. Forberg): 
Christmotette Die Gsburt Jesu, (id.).; Ouverture Cham- 
pagner; Streichquartett, Klaviertiumtett, Quintett t 
KL, V., Klar., Horn u. Vcell. F-dar (Simrock); Serenade 
f. KL, V. u. Klar. Es-dar (id.); Sextett; Oktett; 2 KL- 
trios (Weimarer Trio, u. O bellissima Italia); 3 kleine 
Sonaten f. KL (Ries & Erler); Sonata, Eroica f. KL; 
Vier Suiten: G-dur f. V. u. KL, A -moll f. Fl. u. KL; 
D-moll f. Klar. u. KL; f. Vc. u. KL (Vieweg); Chore 
u. Lieder. Opern: Dichieru. Welt (Weiinar 1897); DiXrer 
in Venzdig ( Wsiaur 1901); Herbortuni Hilda (Mannheim 
1902); Dsr Bnnisohuh (Frankf. 1904); Salyros (nach 
Goethe, Basel 1922; Weimar 1923). Fur die GA. der 
Werke von Peter Cornilius revidierte B. den Barbier 
von Bagdad, den Cid u. beendete die QanlOd (Koln 1903, 
neu iiberarbeifcet Halle 1918). 

Bautista, Julian, span. Komp., geb. 21. April 
1901 zu Madrid, dort Schiiler von Conrado del 
Campo; ein Musiker, der sich in seinen Werken 
der fortschrittlichen Tendsnz befleiBigt. 

Dos impresiones sinf aniens f. Orch.; Interior* 
lakt. lyr. Drama nach Maeterlinck; Dos Cancicnes 
u. La Flute de Jade f. Ges. u KL; Colores, 5 KLatticke; 
La Fuerza, Ballett (Union Mus. E3p., Madrid.) 

Bax, Arnold Edward Trevor, engl. 
Komp., geb. 8. Nov. 1333 in London; stud. 
1900—05 an der R.A.M. bei Fr. Corder Kompos. 
u. bei Tob. Matthay Kl. als einer der be3ten 
Sehuler der Ansfcalt als Pianist wie Komp.; 
wenn seine Werke au3 dieser fruhen Zeit uber- 
laden erscheinen, so ist das teilweise dem jugend- 
lichen tjberschwang zuzusohreiben, der keine 
Schwierigkeiten scheut. Die meisten dieser 



Bayer — Bazzini. 



39 



Werke hat B spater zuruckgezogen oder uber- 
arbeitet. B. beflifi sich bald groBererSimplizitat; 
u. obwohl das Gewebe seiner Musik immer eine 
gewisse Verwicklung zu zeigen scheint, ist sie 
doch klar in der Wirkung. In ihrer Struktur 
ist sie diatonisch, nur die Figuration bedient 
sich eines individuellen Systems von Chromati- 
zismen, u. jeder thematische Gedanke erfahrt 
einen bestandigen Wechsel harm. Varianten. 
Fruh kam B. unter den EinfluB der neo- 
keltischen Bewegung u. hat sich mit irischem 
Volksgesang u. irischer Literatur tief befafit; 
in vielen seiner Werke tritt das so klar zutage, 
daB man ihn den musikalischen W. B. Yeats 
nennen dari Die Reihe seiner Werke, abge- 
sehen von den KLstiicken u. Liedern, zeigt 
folgende Entwicklung: 1906 das Trio f. V., Va. 
u. Kl., heute ohne jede charakteristische Be- 
deutung; 1907 Fatherland f, T.solo, Ch. u. Orch. ; 
1908 Hauptwerke die sinf. Dicht. Into the Twi- 
light, jetzt verleugnet, u. ein Streichquintett, 
von dem nur ein Interlude noch Gnade findet. 
Mit 1909 gelangen wir zu den ersten Werken, 
die der Kritik des Komp. noch standhalten; 
vor allem die Tondichtung In the Faery Hills, 
eine Fest-Ouvertiire , u. ein Fragment aus 
Shelley's Entfesseliem Prometheus mit dem 
Titel Enchanted Summer, f . 2 Sopr. Ch. u. Orch. 
1910 schrieb er die fruhere Fassung seiner 
1. Sonate f. V. u. Kl.; alle 4 Sonaten, 2 f. V. u. 
2 f. Kl. haben eine vollstandige Umarbeitung 
erfahren, die sie in Wirklichkeit zu neuen 
Werken macht. Die Jahre 1912/13 waren reich 
an Werken f. Orch.: Christmas Eve in the 
Mountains) eine Suite von vier Stiicken, mit 
einem Dance of Wild Irravel schlieBend; zwei 
von Swinburne inspirierte Werke, die Ton- 
dichtung Nympholept u. die aus vier zusammen- 
hangenden Stiicken bestehende Sinfonie Spring 
Fire; ein sinf. Scherzo u. eine weitere Ton- 
dichtung The Garden of Fand. Das hervor- 
ragendste Werk aus den Jahren 1914/15 war 
das Klavierquintett; zur selben Zeit vollendete 
B. die fruhere Fassung der beiden V.-Sonaten 
u. kompon. 6 Dichtungen aus The Bard of the 
Dimbovitza I Ges. u. Orch. 1916: die Sinf. 
Variationen f. Kl. u. Orch.; 1917: drei Ton- 
dichtungen: In memoriam, November Woods u. 
Tintagel: auBerdem ein Ballett, Between Dusk 
and Dawn; eine irische Tondicht. f. 2 Kl.; 
Moy Mell oder The Happy Plain; eine irische 
Elegie f. Engl. Horn, Harfe u. Streicher, 1918: 
das Streichquartett in G-dur; 1919; Quintett 
f. Streicher u. Harfe; die 2. Kl.-Sonate; 1920: 
Musik zu Sir J. M. Barrie's Phantasie The 
Truth about the Russian Dancers (Coliseum, 
mit der Karsawina in der Hauptrolle); 2 un- 
begleit. Doppelchore Mater Ora Filium (Carols) 
«. Of a Rose I sing (Ch., Harfe, Veil. u. Kl.); 
Konzert f. Bratsche u. Orch., gespielt von 
Lionel Tertis; Revision der vier Sonaten. 
1921: Tondichtung The Happy Forest; 1922: 



Sonate f. Va. u. Kl.: Sinfonie Es-dur; 1923: 
Chorwerk To the Name above Every Name. 

Die kleineren Kl.stiicke, von denen etwa 
zwei Dutzend veroffentlicht sind, sind in ihrer 
Ausarbeitung, fur die er einen sehr person- 
lichen Typus der Figuration gefunden hat, fur 
B. sehr bezeichnend; drei der meist bekannten 
verdanken ihre Entstehung einer Reise nach 
RuBland (In a Vodka Shop das gespielteste). 
Zahlreiche Lieder aller Art, auBer der Harmo- 
nisierung vieler franz. u. engl. Volkslieder. 
Will man B. etikettieren, so kann man 
ihn einen Neuromantiker nennen. Ungleich 
andern , ,Modernen", scheut er sich nicht, 
sein lyrisches Gefuhl melodisch u. orchestral 
breit ausstrbmen zu lassen; in jeder Stimmung 
singt er u. immer mit einer lomantischen 
Wendung. 

Die meisten seiner Werke erschienen bei 
Murdoch & Co., London: einige bei Chester, 
J. Williams, Enoch, Boosey. 

Bayer, Josef, osterr. Ballettkomp. , geb. 
6. Marz 1852 zu Wien, gest. daselbst 12. Marz 
1913, 1870 Violinist im Hoforchester, 1885 
Ballettkm. Er hat eine groBe Reihe liebens- 
wurdiger Ballette geschrieben, von denen 
Die Puppenfee (1888) sich einst eines unge- 
wohnlichen Erfolgs erfreute. 

Bayreuth. Am 22. Mai 1872 legte Richard 
Wagner den Grundstein zu seinem Fest- 
spielhaus, das am 13. Aug. 1876 mit der ersten 
vollst. Auff. des Ring des Nibelungen eroffnet 
ward, dem am 26. Juli 1882 Parsifal folgte. 
Seitdem ist es, nach Wagner's Tod durch die 
Energie u. Hingabe seiner Witwe Cosima u. 
seines Sohnes Siegfried u. ihrer Heifer, unter 
denen die Dirigenten Hans Richter, Carl 
Muck, Michael Balling obenan stehen, die 
Heimstatte fur die authentische oder besser 
traditionelle Wiedergabe der Wagnerschen 
Werke geblieben; von Aug. 1914 bis 1923 
muBte es geschlossen bleiben; 1924 u. 1925 — 
fanden wieder Auffuhrungen statt. 

Bazelaire, Paul, frz. Violoncellist, geb. 1886 
zu Sedan, Schuler des Pariser Cons., mit 
11 Jahren erster Preistrager f. Cellospiel, 
1903—05 erster Preistrager f. Harm., Kompos. 
u. Fuge; Lehrer am Kons. Er schrieb Bticher 
uber Vc.technik, z. B. Quelques notes sur 
diffirents points importants de la technique 
generate de violoncelle (Paris, Senart). 

Fantasie f. Kl.: Le Colibri f. V. allein; Kl.st\icke, 
Stucke fut Cello u. Klar.; Chormusik. 

Bazzitl), Antonio, ital. Violinist u. Komp., 
geb. 11. Marz 1818 zu Brescia, gest. 10. Febr. 
1897 zu Mailand; 1841—45 in Leipzig gebildet, 
wo er dauernde Begeisterung fur die deutsche 
Hass. M. einsog, dann wieder in Italien, 1848 
in Spanien u. Frankreich, 1852 in Paris, 1864 
in Brescia, seit 1873 Lehrer fur Kompos. 
am Mailander Kons., dessen Direktor er 1882 
wurde^ 



40 



Beach— Beckman, 



6 Streichquartette: D-dur (Ilicordi); D-moll op. 75 
(Leuckart); Es-dur op. 76 (Ricordi); G-dur op. 79 
(Schott); C-moll op. 80 (id.); Streicliquintett A-dur 
(Ricordi); 3 Wcrke f. V. u. Kl.; Chorwerke; Orchester- 
werke, darunter eine sinf . Dichtung Francesco, da Rimini 
op. 77 (Furstner) ; Concertino E-dur op. 14 f. Y. u. Orch., 
u. a. Stiicke f. V. u. Orch. op. 15, 29, 38, 49 (Schott); 
eine Oper. 

Beach, Amy Marcy, geborne Cheney, 
amerik. Komponistin, geb. 5. Sept. 1867 zu 
Henniker, N. H., stud. Kl. bei E. Perabo u. 
K. Baermann , Harm, bei Junius W. Hill 
in Boston, wo sie, 16jahrig, als Pianistin 
debutierte, worauf sie in der neuen u. alten 
Welt konzertierte. Nach ihrer Heirat mit 
Dr. Beach 1885 widmete sie sich, als vollige 
Autodidaktin, der Kompos.; nahm aber nach 
dem Tod ihres Gatten 1910 die Konzert- 
tatigkeit wieder auf und verbrachte vier Jahre 
in Europa. 1886 wurde ihr op. 1 (Lieder) 
bei A. P. Schmidt in Boston, ihrem Haupt- 
verleger, gedruckt; weitere Beachtung fand 
sie, als ihre Messe in Es 1892 von der 
Bostoner Handel- u. Haydn- Soc. aufgefuhrt 
wurde; weitere Etappen ihres Erfolges waren 
die Auffiihrungen ihrer Gaelic Symphonie op, 32 
(Boston 1896) u. ihres Kl.konzerts Cis-moll 
(id. 1900). Ihr gerundeter, manchmal uber- 
ladener Stil wurzelt in der Wagner- Br ahms- 
Periode, entfaltet sich aber oft zu energischer 
Kuhnheit u. ungewohnlicher Mannlichkeit. 

Gaelic Symphony op. 32 (1897); Kl.-Konzert op. 45 
(1900); Messe in Es-dur op. 5 (1890); The Minstrel 
and the King, Ballade f. MCh. u. Orch. op. 16 (1892); 
The Rose of Avontown f. ErCh. u. Orcli. op. 30; Fest- 
liches Jubilate op. 17 (1892); Sykania, Hochzeits- 
kantate f. gem. Chor op. 46 (1901); The Chambered 
Nautilus, Kantate f. ErCh. op. 66 (1907); Panama 
Bymn op. 74 (Schirmer, 1915); KX-Quintett Fis-moll 
op. 67 (1909); Thema u. Var. f. El. u. Streichquart. 
op. 80 (Schirmer 1920); Sonate f. V. u. KL A-moll 
op. 34 (1899); Variations on a Balkan theme f. Kl. op. 60 
(1906); Eskimos, 4 Stiicke f. Kl. op. 64 (1907); 2 Kl.- 
stucke op. 92 (Schirmer 1922); auch Kirchenmusik, 
viele Kl. stuck e u. etwa 100 Lieder. 

Vgl. P. Goetschius, Mrs. B. H. A. Reach (1906). 

Bechgaard, Julius, dan. Komp., geb. 
19. Dez. 1843, gest. 4. Marz 1914 in Kopen- 
hagen; Schiiler des Leipziger Kons. u. Gade's 
in Kopenhagen; schrieb zahlreiche Vokal- 
werke grofieren oder kleineren Formats, alle 
von entschieden nationaler Farbung, Seine 
Oper Frode wurde in Kopenhagen aufgefuhrt 
u. 1893 auch in Prag. 

Beck, Ellen, dan. Sangerin, geb. 3. Okt. 
1873, Schulerin von AlgotLange in Kopenhagen 
u. Devilliers in Paris, gab zahllose Konzerte 
in Skandinavien u, auch in Paris u. London, 
war auch Festsangerin in Sheffield u. ander- 
warts; und ist heute eine ausgezeichnete u. 
erfahrene Gesangslehrerin. 

Beck, Johann Baptist, M.forscher, geb 
14. Aug. 1881 zu Gebweiler, stud, in Paris 
u. Strafiburg; bekannt durch seine Kontro- 
verse mit P. Aubry (s. d.) iiber die rhythm. 
Interpretation der mittelalterlichen Melodien 
Er Jebt ietzt in Paris, 



Die Melodien der Troubadours (I. Band 1908, Triibner) ; 
La musique des Troubadours (Paris 1910, Laurens). 

Beck, Re inh old Imanuel, deutsch. Komp., 
geb. 10. Jan. 1881 zu Hannover, Enkel des 
Hannoverschen MD. Imanuel B., Sohn des 
Ballettdirig. P. Beck (gest. 1893), erst Pharma- 
zeut, dann Schuler des Kons, zu Hannover, 
dann Schauspieler , Chordirektor , KM. bis 
1906, wo er die Buhnenlaufbahn zugunsten 
der Komp. verliefi. Seit 1919 Dozent fur MW. 
an der Herder-Hochschule u. an der Volks- 
hochschule Berlin-Harmsdorf. 

Lieder, Balladen, Duette, MChore, 2 Sonaten f. V. 
u. Kl. C-moll u. D-dur, 3 Trios (Kl.-Trio; Kl., Klar. 
u. Horn; Kl. u. 2 V.); Serenade f. Kl., Fl,V.n. Cello; 
Quaxtett f. 4 Waldhorner Es-dur op. 11 (Gries & Sch.); 
2 Streichquartette Cis-moll u. A-dur; Sonate f. Kl. 
u. PL; Kammerkonzert f. V. mit kleinem Orch. in 
Suitenform; Serenade f. Klar. u. Streicliquintett mit 
Kb.; Musik zu Grillparzer's Ahnfrau; Operetten Riviera- 
liebe; Berliner Rangen u, eine romantische Fantasie 
in 4 Bildern Am Rhein. 

Becker, Hugo, deutscher V. cellist, geb. 
13. Feb. 1864 zu StraBburg; Schuler von Jean 
B. (seinem Vater), K. Kiindinger u. Fr. Griitz- 
macher sen., Karl Hess, Piatti u. de Swert. 
1884—86 Solocellist im Orch. zu Frankfurt; 
1890—1906 Mitglied des Heermann- Quartetts 
u. Lehrer am Hochschen Kons.; nach Piatti's 
Tod 1901 dessen Nachf . als Cellist der Montags- 
konzerte in London, seit 1909 Lehrer an der 
Berliner Hochschule (1896 Prof.); Mitglied 
des Trios Flesch, Schnabel (spater Friedberg). 
Sein Spiel zeichnet sich durch hochste klas- 
sische Stilreinheit aus, ohne ins Akademische 
zu fallen; d' Albert, Bazzini, Chevillard, Doh- 
nanyi haben Werke fur ihn geschrieben. Er 
selbst komponierte ein Vc.konzert A-dur 
op. 10 (1898, Schott), Variationen u. Stiicke 
f. Vc; 6 Etiiden f. Vc. op. 13 (Leipz., Hansen). 

Becker, Re inh old, deutscher Komp., geb. 
11. Aug. 1842 zu Adorf in Sachsen, gest. 
7. Dez. 1924 in Dresden, erst Violinspieler, 
dann Komp.; 1884—94 Dirig. der Dresdener 
Liedertafel, 1898 Prof. B. ist ein Typ des 
belie b ten Komponisten fur den deutschen 
I M.gesang, mit seinem romantischen u. patrio- 
tischen Einschlag; hat aber auch Instrumental- 
werke — 2 V.konzerte, Sinf. C-dur, eine sinf. 
Dichtung Der Prinz von Homburg, Streich- 
quartett; Sonate f. V. u. Kl. G-moll op. 150 
(Leuckart) — u, Opern — Frauenlob (Dresden 
1892); Ratbold (Mainz 1896) — geschrieben. 

Becking, Gustav, deutsch. M.forscher, geb. 
4. Marz 1894 zu Bremen, stud, MW. in Berlin 
u. Leipzig, wo er H. Riemann's Assistent 
war, seit 1922 Privatdoz. in Erlangen. Sein 
Arbeitsfeld ist vor allem die Stilkritik, die 
mittelalt. u. die fruhromantische Musik. 

Studien zu Beethovens Personalstil. Das Scherzo- 
thema (!Br. & H. 1921); Ausgabe von E. T. A. Hoff- 
mann's Mus.Werken (Kistner-Siegel): Hrsg. von Ver- 
offentticJiungen des musikwiss. Seminars der Univ. 
Erlangen (Kistner-Siegel). 

Beckman, Br or, schwed. Komp., geb. 
10. Febr. 1866 zu Kristinehamn, Schiiler 



Beckmann — Beer- Walbrunn. 



41 



von J. Lindegren an der Kl.schule von 
S. Carlheim-Gyllenskold (1890-1902); 1904 
Mitgl. der Kgl. M.Ak. zu Stockholm, seit 1910 
Direktor des kgl. Kons. in Stockholm, seit 
1915 staatl. Inspektor des Schulmusikunter- 
richts. 

Sinf. F-dur (Stockholm 1902); Omlyckan (Vom GliXck) 
f. Orch. op. 10 (id. 1902); I sommarnatter (Sommer- 
nachte) f. Streichorch, (1893); Flodsanger f. Ges. u. 
Orch. (1897); Ballade f. Bar. u. Orch. (1906); Buhnen- 
musik; Sonate A-moll f. V. u. Kl. op. 1; Kl.stticke 
(3 sinf. Balladen op. 14); Stiicke fur Kunstharmonium ; 
ijieder. 

Beckmann, Gustav, deutscher M.forscher, 
geb. 28. Febr. 1883 zu Berlin, erst klass. 
Philolog, stud, dann in Berlin MW. (Kretzsch- 
mar u. Wolf), u. lebt als Beamter der PreuB. 
Staatsbibl. in Berlin. 

Das Violinspiel in Deutschland vor 1S00 (1918); 
mit Beispielsammlung in 5 Heften (Simrock); Hrsg. 
Gluck's Odm (1917 Br. & H.). 

Beckmann, Wilhelm Gustav, deutscher 
Organist u. Chordirig., geb. 16. Jan. 1865 
zu Bochum , besuchte die Gymnasien zu 
Essen u. Bochum sowie das Lehrerseminar zu 
Rheydt u. von 1891—93 das kgl. akad. Inst, 
f, Kirchenmusik in Berlin (R. Radecke, Losch- 
horn , Thiel) , wurde 1893 Gesanglehrer am 
Realgymnasium , 1894 Dirig. des evangel. 
Kirchenchores (jetzt ,,Essener Bachvereins") 
u. 1896 erster Organist an der Kreuzeskirche 
zu Essen, 1906 Kgl. MIX, 1893-1907 M.- 
ref erent der , ,Rheinisch-Westf al. Zeitung" , 
begrtindete 1899 den , ,Evangelischen Orga- 
nistenverein fur Rheinland u. Westfalen" u 
1909 (in BeTlin) den , ,Verband evangel. Kirchen- 
musiker PreuBens". Seit 1904 ist er 1. Vor- 
sitzender des erstgenannten Vereins, fur den 
er 1915 als Fachorgan den ,,Evangelischen 
Kirchenmusiker" ins Leben rief. B. stand 
mit Max Reger in freundschaftlichen Be- 
ziehungen u. trat als erster fur ihn im Rhein- 
land ein. 

Orgel-Kompositionen; Chorsachen; Gesangbucher. 
Grundsdtze u. Eichtlinien fiir Pfarrer u. Organisten 
(1911; zusammen mit Hackenberg u. Klingemann). 

Bedford, Herbert, engl. Komp. u. Maler, 
geb. 23. Jan. 1867 in London; hat Vorlesungen 
iiber modernen Gesang ohne Begleitung ge- 
halten u. daruber einen Essai verdffentlicht 
(Oxl Un. Press 1923). Verheiratet mit Liza 
Lehmann (s. d.). 

Oper: Kit Marlowe; sinf. Phantasie The Optimist; 
Suite Queen Mab; Ouverture Sowing the Wind; Vox 
veris, Szene f. Sop. u. Orch. (alles ersch. F. & B, Goodwin 
Library); MSlodie Solennelh f. Streicher (Schott); Ge- 
sange mit Streichquartett (Boosey; Chester); 8 unbegl. 
Gesange (F. & B. Goodwin), u. a. 

Beecham, Sir Thomas Bart., engl. Dirig. 
u. Opernunternehmer, geb. bei Liverpool am 
29. April 1879, erzogen in Rossall School, 
wo er Kompos.-Unterricht von Dr. Sweeting 
genoss, u. im Wadham Coll. Oxford (wenige 
Stunden von Dr. Varley Roberts); im ubrigen 
ohne weitere regelmaBige Anleitung in der 
M. 1902 engagierte ihn Kelson Truman als 



Dirig. einer Wanderoper: er studierte dann 
ein Jahr lang Kompos. u. schrieb 3 Opern 
(MS.); 1905 gab er mit dem Queen's Hall- 
Orch. sein erstes Konzert. 1906 griindete 
er das New Symphony Orch., von dem er sich 
1908 trennte; rief dann das Beecham Sym- 
phonic Orch. ins Leben; 1910 mietete er Covent 
Garden u. gab eine Reihe alterer u. neuerer 
(StrauB, Ethel Smith, Debussy, Delius) Opern; 
gab im Herbst 1910 Spieloper in His Majesty's 
Th. u. im Winter eine weitere Saison in Covent 
Garden. Seitdem hat er (mit seinem Vater, 
Sir Jos. B.) bis 1920 an alien moglichen Lon- 
doner Statten Konzert- u. Opernauff. ge- 
leitet u. insbesondere die engl. (vor allem 
Delius), franz., russische, aber auch die ital. 
u. deutsche Produktion gefordert. Seit 1920 
ist er nur mehr gelegentlich als Dirig. von Orch.- 
Konzerten in London u. Manchester erschienen. 

B. hat mehr als ein andrer Lebender fur die 
Einburgerung der grofien Oper in England 
getan. Ohne seine Vorarbeit hatte die British 
National Opera Co. niemals einen guten Anfang 
machen konnen. Als Dirig. hat er den Opern 
Mozart's grofieren Reiz u. eine feinere Linie 
geben konnen; wahrend der Zeit da er ktinstle- 
rischer Leiter der Konzerte der R. Philh. Soc. 
war, 1916/17 u. 1917/18, hat er deren Pro- 
gramme verjungt u. dasselbe fur die Halle-' 
Orch. -Konzerte in Manchester geleistet. 

Beer, Leopold J. , osterr . Padagoge u. 
Komp. , geb. 1. Sept 1885 zu Klement, Nieder- 
Osterr., lebt seit 1904 in Wien, stud, an den 
M.schulen Kaiser, Gesang bei Amalie Materna, 
Org. u. Kp. bei F. Mlcoch; 1905—16 Organist 
an der Minoritenkirche, Lehrer an verschiedenen 
Privatmusikschulen, seit 1912 Leiter eines 
eigenen M.instituts u. seit 1919 Lehrer f. 
Gesang am Bundesrealgymnasium Hernals. 
Er hat 53 opera, namentlich instruktive Werke 
u. Chormusik verdffentlicht. 

Klavierstiicke: op. 3 (Kahnt); op. 4 (Br. & H.); 
op. 5 (Heinrichshofen) ; op. 7 (Andr6); op. 8 (Kahnt); 
op. 10 (Goll); op, 11 (Rahter); op. 12 (Kistner); op. 37 
(Vieweg); op. 45 (Schlesinger); op. 46 (Vieweg). 

Violinstucke : op. 6 (Heinrichshofen); op, 9, 14 u. 15 
(Kahnt); op. 17, 19 u. 20 (Schlesinger); op. 24 (Kastl); 
op. 25 (Bosworth); op. 27, 32, 34, 35 u. 36 (Schlesinger), 
op. 38 u. 40 (Vieweg), op. 39 (Bosworth), op. 41 u. 42 
(Steingraber), op. 44 (Papst); op. 47 (Bosworth); 
op. 48 (Bratfisch); op. 49 (Andre"). 

Chore u. Lieder: op. 1, 2 (A. Sg. Bd. Wien), op. 13 
(Leuckart), op. 16 (Andr6), op, 18 (Schlesinger), op. 21 
(Siegel, mit Orch.), op. 22 (mit Orch.) u. 23 (Giinther), 
op. 26 (Bratfisch), op. 28, 29, 31 u. 33 (Verlag fiir neu- 
zeitliche Kunst, Magdeburg), op. 43 (Gunther). 

Bearbeitungen : Wer singt mit? (Schlesinger), Hoh- 
mann, Violinschule; Beyer, Vorschule des Kl.spiels 
(Musik-Pad. Ed., Wien) u. a. 

Beer- Walbrunn, Anton, deutscher Komp., 
geb. 29. Juni 1864 zu Kohlberg bei Weiden, 
erst im Lehrer beruf , zugleich Domorganist 
in Eichstatt, dann mit Unterstutzung von 
Domkm. W. Widmann Schuler der Munchener 
Ak. d. Tonkunst (Rheinberger, Bussmeyer, 
Abel): seit 1901 an dieser Anstalt Lehrer fiir 



42 



Beethoven— Behn. 



Kompos., 1903 Prof. Als Komp. ist B.-W. 
ein Nachromantiker vou starkem u. ungewohn- 
lichem melodi3chem Reichtum u. erhebt sich 
in seinen Shakespeare-Sonetten oder seinen 
Drei Burlesken zu eiuer seltenen Hohe lyrischen 
u. liebenswtirdig-parodistischen Ausdrucks. 

Lieder op. 12, 13, 27, 59, 60, 63; Chore op. 1, 35, 38, 
48, 53, 54, 55; Shakespeare- Sonette f. Ges. u. Kl. (oder 
Orch.) op. 34 (Selbstverl.); Vioiinphantasie op. 3; KL- 
Quartett F-dur op. 8 (Peters); 5 Quartette, davon eine3 
op. 14 gedr. (Peters); Sonate f. Vc. u. Kl. G-dur op. 15 
(A. Schmidt, Miinchen); Sonate f, V.u. KL D-moll. op. 30 
<T. & J.); Ode f. Vc. u. Kl. op. 20 (Peters); Orgelstiicke; 
Kl.-stucke op. 21, 56, 57, 58 (Fantasie- Sonate Fis-moll); 
Konzert-AUegro f. Kl. u. Orch. op. 9; Violin-Konzert 
op. 52; Konzert-Ouv. op. 2; Sinfonie F-moll op. 5; 
Sinf. E-dur op. 36; Sinf. Fantasie (Kiinstl rleben) op. 11; 
Deutsche Suite op. 22 (auch 4handig, Peters); 3 Bur- 
lesken (Wolkenkuckueksheim\ vielleicht sein be3tes 
Werk )op. 40 (Peters); Lustspielouv. op. 61; Chorwerk 
Mahomets Gesang; Der Polenfluchtting f. Ge3. u. Orch. 
op. 31. 

Dramatische Werke: DleSiihne, 2akt., op. 10 (Liibeck 
1894); Don Quixote, 3akt. op. 18 (Mlinchen 1908, DMV); 
Die Suhne, als lakt. Volkaopsr bearb., op. 41; Biihnen- 
musik zu Hamlet fiir Max Reinhardt op. 43; Das Un- 
geheuer, lakt. Lustspiel op. 50 (Karlsruhe 1914); Schau- 
spielmusik zu Shakespeare's Sturm op, 54; Der Sturm, 
3akt. op. 64. 

Hrsg.: Volksliederbuch f. Schulen u. Vereine (Olden- 
bourg); auch altkla3s. Musik. 

Beethoven. — Wenn versucht wird, zu for- 
mulieren, wie unsere Zeit zu B. stent, so 
-bedeutet das ein Urteil von B. uber uns 
u. nicht etwa umgekehrt ein Urteil von uns 
tiber B. Denn wenn B. auch eine geschichtlich 
bestimmbare GroBe ist, so reicht diese GroBe 
doch ins Absoluts, d. h. wir heutigen, geschicht- 
lich Abhangigen, ubersehen ihn nicht ganz, 
erfassen nur den Teil seines We3ens, dem 
wir uns verwandt fuhlen. Und hier sind zwei 
Punkte zu unterscheiden, Wir halten uns 
in der Gegenwart mehr an jene Ssite 
Beethovenschen Wesens, die den reinen 
Musiker, zeigt u. lehnen den sogenannten 
Dichter B. ab. In diesem Sinne hat man 
sich abgewandt von der poetisierenden Aus- 
legung B.s, wie sie etwa im ,,Fiihrer d. d. 
Konzertsaal" Kretzschmar's oder auch in 
Paul Bekker's Beethovenbuch vorwiegt, u. 
die reine Form u. reine Substanz das B.schen 
Werks zu erkennen versucht; die Biicher von 
Riemann, von Arthur Halm, Heinrich Schenker, 
das Pamphlet Pfitzner's gegen Bekker sind 
dafur symptomatisch. Der musikalische 
Gestalter B. geht uns an. Der zweite Punkt 
ist der, daft wir B. als den ersten Mu3iker 
empfinden, der der Welt als freie und 
individuelle Personlichkeit gegeniibertritt, 
wahrend etwa Bach in das Gehause seines 
Kirchentum3 eingeschlo33en zu sein, Handel 
im Dienst einer — allerdings die Menschheits- 
idee symbolisierendan — Nationsidee, Mozart 
noch in dem eines bestimmten Gesell- 
schafts- u. Kulturkreises zu stehen scheint. 
B. gilt uns so als S chicks als wende der ganzen 
M.geschichte, als Pfortner zur romantischen 
Epoche; unsere — unerfiillbare — - Sehnsucht 



geht uber ihn hinweg in die Zeiten der Ge- 
bundenheit an eine kulturelle Lebens-Einheit ; 
unsere Stellung zu ihm ist der romantischen 



Aus der neueren B .literatur kommt als 
wesentlich in Frage: A. W. Thayer, L. v. B.'s 
Leben (Br, & H., 5 Bde.); engl. Ausg. hrsg. 
von Krehbiel (3 Bde., 1921 Schirmer); A. 
Sandberger, Ausgew. Aufsdtze zur M.gesch. II 
(1924, DMV.); Konversations-Hefte, hrsg. v. 
Walter Nohl(Munchen 1923 if., Allg. V.-Anst.); 
A. HeuB, B. Eine Charakteristik (1921, Voigt- 
lander); H. Mersmann, B. Die Synthese der 
Stile (J. Bard, 1923); A. Schmitz, B.'s „Zwei 
Prinzipe" (Berlin 1923, Dummler); Paul Mies, 
Die Bedeutang der Skizzen B.'s zur Erkenntnis 
seines SUls (Br. & H., 1925); W. Krug, B.'s 
Vollendung (1924, Allg. V.-Anst.); J. H. 
Wetzel, Analyse von B.s Violinsonaten I 
(Max Hesse, 1924). Ein Beethoven- Jahrbuch 
beginnt seit 1925 A. Sandberger herauszugeben. 
Vgl. im ubrigen die von Th. v. Frimmel er- 
ganzte 2. Aufl. von Emerich Kastner's Biblio- 
theca Beethoveniana (1925, Br. & H.). 

Beethoven-Association New York siehe 
Bauer, Harold. 

Beggar's Op3ra, The, Opera- u. politische 
Satire in Singspielform, geschrieben von 
John Gay mit popularen Liedeinlagen u. 
Ouvertiire von J. C. Pepusch, an John Rich's 
Theater in Lincoln's Inn Fields am 29. Jan. 
1728 z. e. M. mit ungeheurem Erfolg aufge- 
fuhrt. Vor ihrem Wiederauf leben 1920 hatte 
man sie 1886 auf der engl. Buhne zuletzt 
gespielt, mit Sims Reeves in der Rolle des 
Captain Macheath. Die Auffuhrung am Lyric 
Theatre, Hammersmith erlebte vom 5. Juni 
1920 bis zum 17. Dez. 1923 1463 fortlaufende 
Auff. Die Lieder waren von Frederic Austin 
kunstvoll harmonisiert, die Szenenbilder ent- 
worfen von dem ver3torbenen C. Lovat Fraser. 
Einige ,,Striche" waren natiirlich notwendig 
geworden. S. Polly. 

Vgl. G. Calmus, Zwei Opernbarleskea aus der Rokoko- 
zeit (Berlin 1913, Liepmaunssohn); Charles E. Pearce, 
Polly Peachum (London 1923). 

Bshm, Eduard, deutscher Komp., geb. 
8. April 1862 zu Stettin, Schuler des Leipziger 
Kons. sowie von Hartel, Raif u. Kiel in Berlin, 
lebte in Wien u. dann in Stettin als Rezensent 
u. Dirig., war einige Zeit Lehrer an der Ak. 
der Tonkunst in Erfurt, dann in Berlin bis 
1901 Dir. des Schwantzerschen Kons.; 1917 
Prof. 

Kl.trio E-moll op. 14 (Hies & Erler); 2 Sonaten 
f. V. u, Kl. A-dur op. 15 (Eies & Erler) u. G-dur op. 22 
(id.); Klarinettenquintett, Streichsextett (init Violotta); 
Suite f. V. u. Kl. op. 22; V.-Konzert; Friihlingsidyll 
f. Orch.; Sinfonie (Mendelssohn-Preis); Kl.konzert 
(Bosendorfer-Preis); Chore; Lieder. 

Opern; Der Schelm von Bergea (Dresden 1899), 
Marienkind (1902); Das Gelobnis (1914). 

Behn, Hermann, deutscher Komp. u. Be- 
arbeiter, geb. 11. Nov. 1859 zu Hamburg, erst 



ULULI.TJ mi ll .JM I . II Mi i .i i l l-J i m 



Behr— Belajew. 



43 



Jurist, nach 1885 aber Schuler von Anton 
"Bruckner in Wien, Rheinberger in Miinchen 
*u. H. Zumpe in Hamburg, wo er seit 1887 
Elebt. Seit 1897 halt er dort im Auftrag der 
Oberschulbehords Vorlesungen ubar M.gesch. 
(1917 Prof.). 

9 Liederhefte (Kistner) ; Soaate f . Kl. C-moll (id.) ; Be- 
rarbeitungen von Werken Wagner's (Fdnfzig Symph. 
~Satzeaus R. Wagners Meisterdramen; Br. & H.), Bruck- 
ner's (VII. Sinf.), Hahler'3 (II. Sinf.), Beethoven's, 
Weber's f. 2 K^ 
Behr, Therese, s. Schnabal, Arthur. 
Behrend, Fritz, deutscher Komp,, geb. 
3. Marz 1889 zu Berlin, ScMler von H. van 
.Eyken, Rufer, Humperdinck (Kompo3.) u. 
R. M. Breithaupt (Kl.), kurze Zeit Korrepetitor 
an der Braunschweiger Oper, dann in Berlin 
der Kompos. u. dem Lehrberuf lebend. Ein 
1921 gegriindeter F. B.-Verein widmet sich 
der Verbreitung seiner Werke. 

Etwa 75 Lieder, Homanzen u. Balladen op. 2, 11, 
14, 19, 21, 23, 24, 27, 23, 30 (gedmckt Leuckart; Hein- 
Tichshofen; „Aurora ;f ); Vor3piel zu Klei3t's Penthesilea; 
U Sinfoniea; Ballads f. Bar. u. Orch. Jung Olaf; 
3 Ouvertiiren; Ofch.3tiicke; 2 Streichquartette. Oper; 
lakt:. Konia Renes Tochter op. 22 (Heinrich3hofen). 

Behfend, William, dan. M.forscher, geb. 
16. Mai 1861 zu Kopenhagen, Jurist u. bis 
1923 Beamter im Justizministerium, seit 1917 
Lehrer f. M.gesch. u. Bibliothekar am Kopen- 
hagener Kons.; lange Jahre M.kritiker an 
Politiken. 

Illustreret Musikhistorie, vol. II, 1905 (den 1. Teil 
schrieb H. Panum); Niels W. Gade (1917, in deutsch. 
Bearbeitun* 1913, Br. & H.); J. P. E. Hartmann (1895 
u. 1919); Beethoven's Klaviersonaten (Kop. 1924). Mit 
Angul Hain.-nsrich schrieb er die Musikerbiograpbien 
■der nenen Au.il. von Salmonsen's Konvers.-Musik- 
iexikon; mit Hortenae Panum u. 0. M. Sandvik gibt 
er ein Illustreret Masiklexikon heraus (Aschehoug & Co., 
1924ff.). 

Beigel, Viktor, geb. 29. Mai 1870 zu London, 
von ungar. Eltern, stud, in Wien, dann an 
der Berliner Hochschule(Berger, Raif, Bargiel), 
konzertierte als Pianist mit den Sangern 
Eugen Hildach u. R. von Zur Muhlen u. wurde 
1896 Gesangslehrer an der Brooklyn School 
t)f M. in New York, lebte aber wahrend der 
Season in London, wohin er 1906 als Gesangs- 
lehrer ganz ubersiedelte. Schuler: Gervase 
Elwes(f), Susan Me tcalfe-Casals, Hubert Eis- 
dell, John Adams, Yves Tinayre-Paris, Laurits 
Melchior-Kopenhagen-Bayreuth. 

Beils&hmidt, Curt, dautscher Komp., geb. 
20. Marz 1886 zu Magdeburg, stud, dort erst 
bei Sohuaemann (Kl.) u. Prof. Fritz Kauf- 
mann, 1905 — OO^Schuler des Kons. in Leipzig 
/(Krehi, Ruthardfc, Hofmann, Sitt); wirkt nach 
fcurzem Auf enthalt . in Brussel seit Ende 1909 
in Leipzig al3 Lehrer fiir Theorie u. Kl. , Musik- 
s chriftsteller u. Komp. 1923 grundete er den 
^ ,Orch. verein der M.freunde zu Leipzig", 
dessen offentliche Konzsrta er leitet, u. iiber- 
nahm 1923 auch wieder die Leitung des 1876 
gegr. gem. Chorvereins Orpheus. 

Klavierwerke op. 1*, 2, 6, 9, 15 (samtlich Kabnt), 
20, 21 (Kistner), 3t (Heinrichshofen), 1\ 19. 29, 32, 



43 (uu.); Sonaten f. V. u. Kl. op. 3 (ms.) u. op. 37 
(m3.); Sonate f. Vcell. u. Kl. op. 10; Streichg.uartett 
op. 5; Ch5re; Lieder; Sinfonietta Im Maien op. 17 
(Kahnt); Ouv. Za einem Liebesspiel op. 31; Serenade 
op. 33 (Heiarichshofen) ; Sinf. Gedicht Waldnacht 
op. 38; Veneztanische Suite f, Kl., Orch. op. 44; Tanz- 
spiel nach Johannes Trojan Das Abenteuer im Walde 
op. 25 (Leipzig 1918); Mus.komtSdie in 3 Abt. Meister 
Innozenz op. 24; lakt. Schaferspiel Der schlaue Amor 
op. 30 (Leipzig 1921); lakt. Lustspiel Der Tugend- 
wachter nach Giraud. 

Bekker, Paul, deutsch. M.schriftsteller, geb. 
11. Sept. 1832 zu Berlin, Schuler von F. Reh- 
feld (V.), B. Horwitz (Theorie) u. A. Sormann 
(Kl.), erst Violinist im Berliner Philh. Orch., 
dann Dirigent in Aschaffenburg u. Gorlitz: 
seit 1906 als Schriftsteller tatig. Musikkritiker 
erst der Berliner N. Nachr., 1909 der Berliner 
Allg. Zeit., 1911—22 der Frankfurter Ztg., 
seitdem lebte er als freier Schriftsteller in 
Hofheim im Taunus; seit Herbst 1926 -1st er 
Theaterintendant in Cassel. Er ist einer der 
einflu3reiehsten Kritiker u. Wortfuhrer der 
, ,Neuen Musik", Vorkampfer fur Mahler, 
Schreker, Schonberg, Kfenek. 

Beethoven (1911; viele Aufl.); Das deutsche Musik- 
leben — Versuch einer soziologischen Musikbetrachtung 
(1916); Die Sinfonien Gustav Malders (1921); Richard 
Wagner — Das Leben im Werke (1924). 

Kleinere Arbeiten: Oskar Fried (1907); Jacques Off en- 
bach (1909); Das Musikdrama der Gegenwart (1909); 
Die Sinfonie von Beethoven bis Mahler (1918); Kunst 
u. Revolution (1919); Franz Schreker (1919); Die Welt- 
geltung der deutschen Musik (1920); Deutsche Musik 
der Gegenwart (in: Deutsclies Leben der Gegenwart; 1922); 
Drei Auf3atzsammlungen: Kritische ZeitbUder (1921), 
Ktang u. Eros (1922), Neue Musik (1923); Von den 
Naturreichen des Klangs {Versuch einer Phdnomenologie 
der Musik 1924); Auswahl-Ausg. von Robert Schu- 
mann's Scbriften mit Einleitung (1922, Volksverb. 
der Bucherfreunde). Die Mehrzahl der Biicher erachien 
in der Deutsch. Verlags-Anstalt. 

Bekkevold, Frederik August, norweg. 
Baritonist, geb. 18. Mai 1830 zu Christiania, 
gest. daselbst 17. Jan. 1911; stud, an der Univ. 
in Christiania erst Philologie u. ging spater 
zum Gesang uber; er gewann durch seinen 
geist vollen lyrischen Vortrag gr oQ e Volks- 
tumiichkeit. 

Belajew,Mitrof an Petrowitsch, russ. Ver- 
leger, geb. 22. Febr. 1836 zu Petersburg, gest. 
daselbst 23. Jan. 1903 (1904?), begriindete 
1885 den Verlag der seinen Namen tragt, 
sowie die Russ. Sinfoniekonzerte, der Ver- 
breitung russ. Musik gewidmet — ein ausge- 
zeichneter Musikliebhaber u. freigebiger Gonner, 
dem das musikalische Rufiland viel verdankt, 

Bslajew, Viktor Michailowitsch, russ. 
M.schriftsteller, geb. 5. Febr. 1888 zu Uralsk, 
1908—14 Schuler von Ljadow, Wihtol u. 
Glazunow am Peters burger Kons., noch vor 
Beendigung seiner Studien Theorielehrer an 
der Anstalt, 1919 Prof.; seit 1917 Sekretar 
des Betriebsrats am Kons., 1918—19 Sekretar 
der Hauptleitung der russ. M.gesellschaft. 
1922 kam er als Mitglied des Rats der Russ. 
Staatsabtl. f. M. nach Moskau. Er hat fiir 
viele Zeitungen u. Zeitschriften geschrieben: 
Muzika 1911—16: Zeitgmijss. Musik 1916—17: 



44 



Belgische Kamrnerniusik— Belgische Oper. 



Melos 1917— IS. 1923 grundete er mit V. Der- 
janowsky die Monatsschrift Zu neuen Ufern, 
die 1924 wieder einging. Mitglied der Russ. 
Ak. f. Kunstwiss. u. des Staatl. Inst, f. MW.; 
1923 Prof, am Moskauer Kons, 

Kontrapunkt u. FormenleJire (Abriss, 1914; 2. Aufl. 
1922); A. K. Glazunow, 1 Bd. (1921); Briefwccksel 
zwischen Skrjabin u. M. P. Belajeio (1922); TJbersetz. 
von Prout's Fugal Analysis (1923). 

Belgische Kammermusik. Sie wird mit be- 
sonderer Vorliebe gepflegt; gerade auf ihrem 
Gebiet haben die belgisclien Komponisten 
der letzten 20 Jahre ihre bezeichnendsten 
Werke geliefert, namentlich Joseph Jongen 
u. Victor Vreuls, bei denen die geistigen Be- 
ziehungen zu der jungfranz. Schule einen 
Stil u. eine Schreibweise angeregt haben, 
die mit den Forderungen dieser durch Raffine- 
ment u. Feinheit vor alien andern ausgezeich- 
neten Gattung vollkommen ubereinstimmen. 
Verschiedene Gruppen belgischer Kiinstler 
widmen sich mit Emsigkeit der Wiedergabe 
von Kammermusik. S. Kammermusik- Spieler. 

Belgische fVSwsik. Wesen u. Entwicklung 
der neueren belgischen Musik entsprechen so- 
wohl der Lage des Landes zwischen zwei 
groBen Musiknationen , wie seiner Teilung in 
einen vlamischen u. wallonischen Volksteil. 
In dem Lande von so grower musikalischer 
Vergangenheit, wie Teile des heutigen Belgien 
sie im 15., 16. u. auch 18. Jahrhundert er- 
lebt haben, bliihte seit Fetis eine lebendige, 
padagogisch fruchtbare Musikforsckung : auf 
Fetis ist F. A. Gevaert (1828—1908) gefolgt, 
dessen Wirksamkeit als Direktor des BrusseTer 
Cons, die Aufnahmefahigkeit des ganzen belg. 
Bereiches gesteigert hat. So ist es nicht ver- 
wunderlich, daB, dank vor allem der Tatig- 
keit von Maurice Kufferath. seit 1880 zunachst 
Wagner's Musikdrama im besonderen u. 
Wagner's Musikstil im allgemeinen in Belgien 
machtigen Eindruck gemacht haben; man kann 
fast von einer Art Hemmungslosigkeit der 
Rezeption sprechen, Dem Wagnerapostel 
Kufferath tritt spater der franzosisch orientierte 
Octave Mans (1856—1919) gegeniiber, der 
durch Organisation von Konzerten u. durch 
seine Wochenschrift V Art moderne den ja 
vollig zum Franzosen gewordenen, nichtsdesto- 
weniger groBten belg. Musiker des 19. Jahrh., 
Cesar Franck, u. seine Nachfolgerschaft, d'lndy, 
Lekeu, aber auch Debussy, Ravel u. a. pro- 
pagiert hat. Heute ist, aus begreif lichen poli- 
tischen Ursachen, das Ubergewicht der franz. 
Musik vollkommen, u. die neuere deutsche 
Musik beginnt kaum noch Boden zu fassen, 

Es liegt am Stoff gebiet, daB die verhaltnis- 
mafiig entschiedensten u. charakteristischsten 
vlamischen Musiker Opernkomponisten 
sind; auf den Griinder der vlamischen Schule, 
Peter Benoit, folgt da Jan Blockx (1851—1912) j 
mit seinen wirksamen aber musik alisch etwas ' 



roh gezimmerten Opern. Auf sinfonisehem 
Gebiet entspricht ihm etwa der temperament- 
voile, aber durchaus eklektische Draufganger 
Auguste do Boeck, indes Edgar Tinel, der 
Komponist des Heiligen Franciscus, die vlam, 
Rassigkeit durch AnschluB ^ an^ neudeutsche 
Nachromantik, besonders an Liszt, schwacht. 
Neuere Parallelen mit nachwagnerscher, ja 
schon StrauB'scher sinfon. Musik, ruft Paul 
Gilson (geb. 1860) mit seiner sinf. Dichtung 
La Mer wach; Tinel's Schiiler Joseph Ryelandt 
aus Brugge (geb 1870) schreibt Oratorien 
strengerer, durch Brahmsische Quellen ge- 
starkter Haltung, u. Ludwig Mortelmans (geb. 
1868) pflegt namentlich in seinen Gesangen. 
eine feinere nachromantische Modernitat. 

Lie Stellung von Brussel ,, zwischen den 
Rassen" hat bei einigen Briisseler Musikern 
zu einem farblosen Eklektizismus gefiihrt; so 
etwa bei dem gegenwartigen Direktor des 
Erusseler Cons., Leon DuBois oder bei Francois 
Rasse. Im iibrigen ist die wallonische Musik 
franzosische Provinz, die das franz. Vorbild. 
nur in derberen regionalen Zugen abwandelt: 
etwa Michel Brusselmans in seiner Kermesse 
Flamande, oder Raymond Moulaert in Liedern 
u. seiner Klaviersonate. Die eigentliche u. 
ursprungliche musikalische Provinz Belgiens 
ist der Bezirk Liittich. Aus ihr stammt der 
viel zu fruh gestorbene letzte belgische Musiker 
groBeren Zuschnitts Guillaume Lekeu (1870 
bis 1894); ihr gehoren an: Joseph Jongen 
(geb. 1873), Victor Vreuls (geb. 1876), heute 
Direktor des Cons, zu Luxemburg, u. Albert 
Dupuis (geb 1877) — alle drei in unmittel- 
barerer oder mittelbarerer Beziehung zur 
Pariser Schola Cantorum stehend; Dupuis 
der Dramatiker der Gruppe, die beiden andern 
erst mehr impressionistische Sinfoniker, dann 
immer mehr der intimeren Form der Kammer- 
musik u. immer abstrakterem Ausdruck zuge- 
wandt. An sie schlieBt sich die belgische 
,,Neue Musik" an. als deren hervorragendster 
Vertreter der Neubacbianer Paul de Malein- 
greau genannt sei. 

Vgl. Ch. van den Borren, The general Trends in 
contemporary belgian Music (Mus. Quarterly 1921). 

Belgische Oper. Die fur die Opernbiihne 
bestimmten belgischen Werke zeigen im ganzen 
keine sehr scharf abgegrenzten nationalen 
Kennzeichen. Abgesehen von den Opern von 
Jan Blockx, die mehr oder weniger dem Volks- 
maBigen zuneigen, aber in ziemlich auBer- 
lichem Grad, sind die belg. Komp. der letzten 
20 Jahre wesentlich Wagner verpflichtet 
(Du Bois, Gilson, De Boeck). Die iibrigen 
lassen teils die Durchdringung mit franz. 
Einfliissen erkennen (Franck, d'Indy, Massenet 
u. a.) oder mit dem ital. Verismo: manchmal 
ganz unverfalscht (Vreuls, Buffin), manchmal 
in starkerer cder geringerer Mischung (Thie- 
baut, Alb. Dupuis, Rasse, Lagye u. a.). Vgl, 



Belgische Volksmusik— Bella. 



45 



X. Solvay, UEvolution theatrale, Bd. II, La 
Musique; Brussel 1922, Van Oest. 

Belgische Volksmusik, s. Closson u. die Hin- 
~weise unter Vlaemischer Volksmusik. 

Beigien, Orchesterkonzerte in. In Brussel 
iinden sinf. Werke eine Statte in den drei 
groBen alteingewurzelten Konzertinstituten : 
Concerts du Conservatoire (Leiter h. Du Bois), 
•die ausschlieBlich Werke nicht mehr lebender 
Musiker auffuhren; — Concerts populaires de 
musique classique (Leiter Ruhlmann; Unter- 
nehiner: Henry Le Boeuf), deren Repertoir 
immer umfassender wird, anfangend von der 
Musik des IT. Jahrh. , bis zu den verwegensten 
Meistern von heute; Concerts Ysaye (Leiter: 
Eugene Ysaye), die getreu ihrer Tendenz vor 
dem Krieg, in unbefangenem Eklektizismus 
heutige u. fruhere Musik berucksichtigten, bis 
sie mit Beginn 1924 durch Kammerkonzerte 
ersetzt wurden. Auf orchestr. Gebiet wurden 
sie spater durch die Concerts Symphoniques 
Houdret abgelost. Dazu kommen noch die 
Concerts Spirituels (Qrchesterdir. Joseph 
Jongen), die mehr das Oratorium u. die Kan- 
tate pflegen. In Gent u. Lixttich: Concerts 
du Conservatoire. In Antwerpen gibt es eben- 
fails ungewohnlich gute Konzertvereine mit 
ausgezeichneten Dirigenten: Alpaerts, de Vocht, 
Mortelmans. 

Beii, George, engl. Mus., geb. zuIAsburn, Co. 
Antrim, Irland, gest. 6. Marz 1923 zu Glasgow; 
presb. Geistlicher in der schott. Staatskirche, 
der fur die Forderung der dortigen Kirchen- 
musik viel getan hat. Erzogen im Trinity 
Coll. zu Dublin, wo er die Grade eines Mus. 
Bac. u. (1888) Mus. Doc. erreichte, wurde 
er 1882 von der Irischen Presbyterianischen 
Kirche zugelassen , erhielt aber 1890 Auf- 
nahme in die schott. Kirche; als 1. Geistlicher 
der Pfarrkirche St. Kenneth, Holmiieldhead, 
Govan, wirkte er von allem Anfang an auf 
Erreichung eines vollstandigen mus. Gottes- 
dienstes, u. seine Kirche war in diesem Punkt 
eine der besten Schottlands. Auf seine Anregung 
als einfluBreichen Mitglieds des Psalm- Aus- 
schusses der schott. Kirche, richtete die Gene- 
ralversammlung einen allgemeinen Plan fur 
den Gebrauch der Psalmodie in jeder Kirche 
ihrer Gerichtsbarkeit ein. Er befaBte sich 
eiivig mit der Vorbereitung u. Veroffentlichung 
des Scottish Mission Hymn-book (das einige 
seiner eigenen Vertonungen enthalt) u. der 
Classified List of Anthems. 

BeH, William, Henry, engl. Komp., geb. 
20. Aug. 1873 zu St. Albans; stud, an der 
R.A.M. in London, wo er 1889 ein Stipendium 
gewann; Lehrer fiir Harmonie an der Anstait 
1903, die er verlieB um als Dir. an das Siid- 
afrik. Coll. of M. in Kapstadt zu gehen. Im 
Marz 1918 wurde er auf den neuerrichteten 
Lehrstuhl f. M. an der dort. Univ. berufen. 
In jungster Zeit ist das Sudafr-ik. Coll. of M. 



ein Bestandteil der Univ. geworden, mit B. 
als Dekan der M.fakultat. 

B.s fruhere Orchesterwerke wurden alle in 
England zwischen 1899 u. 1912 aufgefuhrt, 
zuerst im Crystal Palace durch Manns, der 
seit 1899 fast jedes Jahr ein neues Werk von 
B. brachte, spater von Beecham, H. Richter 
u. Wood. Die zuletzt in London gehorten 
Werke waren die sinf. Dicht. A Song of Gree- 
ting (1922, Wood) u. die Sinf. Variationen 
1921, von Bell bei seinem einzigen engl. Be- 
such seit 1912 selbst vorgefuhrt. Seine spateren 
Orch.-Werke gehoren zum Repertoir des 
Stadt. Orch. in Kapstadt unter Theo Wendt. 
B, dirigierte 1907 das St. Albans-Schauspiel, 
zu dem er die Musik schrieb, u. das Fest. of 
Empire 1911. F.R.C.M. h. c. 1924. 

Opern: LTippolytus, 3akt., nach Euripides, um 1920; 
Jsabeau, 1 Akt, 1922; Sinfonien: I, C-moll (Walt Whit- 
man), 1900; II A-moll, 1917; III F-dur, 1918; 
Smt-Variationen, 1916; Vorspiele f . Orch.: The Canter- 
bury Pilgrims, 1899; A Song in the Morning, 1901 
(jSovello); sinf. Dichtungen; The Pardoner's Tale, 
1900; La Fee des Sources, 1912; Mother Carey a) In the 
Night Watches, b) In tlie Fo'cs e (ISTovello); Love among 
the Ruins, 1920; The Shepherd; The P>rial 1921; 
Ve dtLoneliness, 1921; ASong of Greeting . 1922; Arcadian 
Suite f. kleines Orch., 1909 (Cary & Co.); Music zu St. 
Albans Pageant; Maria Assumpta (Crashaw) f . Singst., 
Doppelch., Enabench., Orch., 1922 — sein bezeichnend- 
stes Werk (Verl. Stainer & Bell) ; Ballad of the Bird-Bride 
f. Bariton u. Orch. (frillies Werk, 1909); fur Chor u. 
Orch.: Hawke (friih; Jos. Williams); The Baron of 
Brackley (friih; id.); 3 Violinsonaten E-moll, E-moll, D- 
inoll (1922); Lieder u. Gesange; Musik zu Ben Jonson's 
Masque A Vision of Delight (1908); 5 Mediaeval songs 
f. ErCh., Streicher u. Kl.; Chore aus Shelley's Entfess. 
Prometheus, 1923. u, a. 

BeHa, Johann Leopold, slowak. Komp., 
geb. 4. Sept. 1843 zu St. Mikulas (Lipto- 
Szent Miklos), in Leutschau u. Neusohl erzogen, 
stud, seit 1863 in Wien Theologie u. bei G. 
Preyer u. S. Sechter Musik, seit 1866 Seminar- 
lehrer und Domprabendar zu Neusohl, 1869 
bis 81 MD. in Kxemnitz, dann Stadtkantor u. 
Dirig. des M.vereins zu Hermannstadt; lebte in 
Klausenburg (Cluj) in Siebenbiirgen, seit 1922 
in Wien. Er hat vor allem die Kirchenmusik 
gepflegt, in die er den slowak. Volksgesang 
eintuhrte, ist aber auch auf den Gebieten 
der Sinfonik u. der Kammermusik nicht blofi 
der erste nationale, sondern auch der bedeu- 
tendste slowak. Komponist. 

Motette Tu es Petrus; Messen; Hyninen; sinf. Dicht. 
Osud a Ideal {Schicksal u. Ideal) 1875; Lieder; Variatio- 
nen u. Transkriptionen slow. Volkslieder; Oper Wie- 
land der Schmied, Streich quartette B-dur, C-moll (op. 
25), G-moll; Streich quint ett D-moll u. v. a. 

Vgl. A. Kolisek, J.L.B. (Prefiburg 1923); K. 
Krofta, J.L.B. (Prag 1924), u. die ausfiihrnche Bio- 
graphic mit Werkverzeiehnis von Dotroslav Orel, 
J.L.B. (PreSburg 1924), 

Se!ia 5 Rudolf, slow. Komp., Sohn von J. L. 
Bella, geb. 7. Dez. 1890 zu Hermannstadt, 
Schiiler seines Vaters u. von Mandyczewski 
in Wien, wo er auch die Kapellmeisters chule 
der Hochschule f. Musik u. die musikwissen- 
schaftlichen Vorlesungen der Univ. besuchte; 
zeitweilig Redakteur der , ,Musikpadag. Zeit- 



46 



Bellaigue — Bendl. 



schrift"; 1921—24 als Diiig. der deutschen 
Musikvereine in Czemowitz tatig, seitdem 
wieder in Wien. 

Op. 1 Fiinf Lieder ("Weinberger); op. 5 Drei Gesiinge 
f. MCh. (id.); op. 27 Fiinf ELstiicke zu 4 H. (id.); op. 28 
Fiinf Kinderstiicke f. Kl. (id.); op. 29 Lieder (id.); 
Sonate f. V.cell. u. Kl.; Streichtrio ; Streichqnartett; 
Kl.quintett mit Blasern; Chorwerke niit Orch.: Saul 
bei der Eexe von En Bcr; Requiem; Der Zovberhain; 
Sinfonie E-dur; Feierliches Yorspiel; Tcndkhtungen 
Eerbst u. Vber einem Grabe, Opcr Die urlsche Pappel 
(nach Storm's Ein Fest auf Eaderslerhmts); viele Lieder, 
Kl.stiieke n. kleinere Chonveike. 

Bellaigue, C ami lie, franz. M.kritiker, geb. 
24. Mai 1858 zu Paris, erst Jurist, in der Musik 
Schuler von Paladilhe u. Marmontel am Cons. , 
Preistrager 1878 ; war Mitarbeiter fur Correspon- 
dent, Figaro, Le Temps , L'Echo de Paris u. ist 
noch fur den Gaulois tatig; seit 1885 M.kritiker 
der Revue de Deux Mondes, gewann 1894 
den Prix Vitet. Ein groBer Teil seiner Schriften 
ist gesammelt in V Annie musicale (1886—91 
5 Bde.) u. VAnnee musieale et dromatique 
(1892—93, 2 Bde.), beide ersch. bei Delagrave. 

Une Sitcle de musique francaise, 18S7; Portraits et 
silhouettes de musiciens > 1896, engl. 1897, deutsch 1903; 
Etudes mvsicales et nourelles silhouettes de musiciens, 
1898—1907, 3 Bde.; eDgl. 1899; Les Epoques de la 
musique : Notes breves, 1909 (Delagrave). Ferner Mendels- 
sohn t 1907; Gounod (Alcan); Mozart; Verdi (Laurens). 
Unter seinen letzten Veroff entlichungen : Propos de 
musique et de guerre, 1917; Souvenir de 7nusique et de 
musiciens, 1921; Paroles et musique, 1925 (Ferrin); I 
Promenades lyriques, 1925 (Nouv. libr. nationale), 

Bellenot, Philippe, franz, Komp. , geb. 
24. Jan. 1860; Schuler der Ecole Niedermeyer, 
dann des Cons.; seit 1884 ChorJeiter an St. 
Sulpice; Laureat de l'lnstitut. 

Motetten; Messen; 2 dram. Werke; Nariste u. Le 
Coeur dormant (Auff. Monte Carlo, Cannes n. Opera 
comique Paris). 

Beliincicni, Gemma, ital. Buhnen-Sopra- 
nistin, geb. 17. Aug. 1864 zu Monza, To enter 
des Buhnensangers (BaB) Cesare B. u. einer 
Sangerin, debutierte als Kind von 6 Jahrenmit 
einer Arietta am Teatro Filodrammatico in Mai- 
land, als Ballerina in Padua, auch als Konzert- 
sangerin; als Bubnensangerin 1880 am Teatro 
Nuovo in Neapel; wurde noch einmal Schulerin 
von Signora Ponti DelTArrni u. des Baritons 
Giovanni Corsi; ging bald zur Opera seria 
iiber, bis der beriihmte Tenor Tamberhk sie 
als Partnerin mit sich auf eine Tournee nach 
Spanien, Portugal u. anderwarts mitnahm. 
Seitdem (1883) datiert ihr internationaler Er- 
folg; ihre Interpretation der Santuzza, die 
sie, zusarnmen mit ihrem Gatten Roberto 
Stagno (1836—97) als Alfio, kreierte, ihre 
Traviata, Salome sind unvergeBlich. Ebenso- 
groB als ihre Musikalitat u. Gesangskunst war 
ihre Darstellungsgabe; sie hat sich mit Dumas' 
Dame aux Cornelias auch als Schauspielerin 
versucht. Nach ihrem Weggang von der Buhne 
war sie in Berlin als Lehrerin tatig, nach 
Kriegsausbruch noch zwei Jahre am Liceo di 
S. Cecilia in Rom. Ihre u. Stagno's Tcchter 
Bianca ist Opemsangerin u. debutierte 1913 
in Graz. 



Vgl. : ihre AnicT icgrarbie Jo e il paleosemico (Mailand'5 
1920, Quintieii); G. B. Baecioni, G. B. (Palermo. 
Biondol; O. Roux. G. B. (in Illustri italiani eontempo- 
ravei: Florenz. Prmporad). 

Beflucci, Hector, argent. Ding, u, Lehrer, 
geb. 1855 in Rem, stud, V. u. Kl. bei Ettore 
u. Oreste Finelli, wurde Orcbesferdirig. zu 
Reggio-Emilia u. Perugia u. ging 1878 nach 
Buenos Aires, wo er rm , ,Ersten Quartett" 
mit Cayetano Gaito, Enricue Bcmon u. 
j Cayetano Ghignatti teiJnahm. Er ist Kl.lehrer 
| am Cons. Thibaud-Piazzini u. einer der Weg- 
bereiter der ital. Musik in Argentinien. 

Ber&tzky, Ralph, osterr. Operetten-Komp. , 
geb. 5. Juni 1887, stud, bei Veit u. Klinger 
in Prag u. bei Mottl in Miincben; lebt in Wien. 
Er ist mit der Diseuse Yosma Selim verheiratet, 
deren Abende er begleitet. 

Lieder u. Chnnsons; Oper Die Schmiedin ven Eent, 
2akt., Dresden 1916; Spieloper Der lachende Breibund,, 
3akt., Berlin 1913 K o 11 end orf -Theater; zahlreiche er- 
folgreiche Operetten: Ziele im Schnee (Wien 1916); Pie 
tanzende Maske (das. 1918): Die VerJiclten (das. 1919); 
Ju-Shi tanzt (das. 1920); Apuchen (das. 1921); Pipsi 
(das. 1921); Ein Marelen in Florcvz (das. 3922); Aria 
appassionato (das. 1922). 

Bentfer, Paul, deutscher BaB- Sanger, geb. 
28. Juli 1875 zu Driedorf (Westerwald) als 
Sohn eines Pfarrers, stud. Medizin u. nabm 
daneben Gesangsunterricht bei Luise Ress u. 
Baptist Hoffmann. Von 1900—03 am Stadt- 
theater in Breslau, ist er seit April 1903 eine 
Zierde der Miinchener Oper; seit 1902 auch 
in Bayreuth tatig, 1922 z. e. M. in Amerika; 
gleich bedeutend als Darsteller wie als Sanger, 
als Liederinterpret wie als trag. u, kom. Buhnen- 
sanger. Hauptrollen: Sarastro, Osmin, Komtur, 
Barbier von Bagdad, Basilio, Hollander, 
Sachs, Marke, Wotan, Hagen, Gurnemanz, 
Ochs von Lerchenau. 

Beitdix, Viktor Emanuel, dan. Komp., 
geb. 17. Mai 1851 zu Kopenhagen, Schuler 
des dort. Kons. u. von Niels W. Gade, Pianist 
u. Padagoge, Leiter der Folkekoneerterne 
(Volkskonzerte), 1897—1901 der Philh. Kon- 
zerte u. 1907—10 der Dansk Kcneert-forening 
(Dan. Konzertges.); als Kemp, ein Anhanger 
der neuromantischen Schule, von dem einige 
Werke einen Platz im intern a tionalen Repertoir 
gewonnen ha ben. 

4 Sinfonien; Kl.konzert; Kl.trio A-dnr op. 12 
(Hansen); Lieder- u. Romanzenzyklen von sehr per- 
Bfinlieher Haltnng. 

Bendl, Karl, tsehech.Komp., geb. 16. April 
1838 in Prag, gest. das. 16. Sept. 1897, Schuler 
der Prager Orgelsehule bei Blazek u. Zvonar; 
1864 Opernkm. in Brussel u. Amsterdam, 
1865—77 Dirig. des Gesangvereins Hlahol in 
Prag; 1879—81 Leiter des Privat-Orch, von 
Baron Dervies in Nizza, dann in Mailand. 
Seit 1881 wieder in Prag, widmete er sich 
dort ausschliefilich der Kempos. Seine Be- 
fassung mit Liebhaber-Orchestera u. Vereinen 
zeitigte ihre Spuren in seiner Neigung zu 
Kompos. von Choren, Duetten, Gesangen mi 
Orch. Sein Stil ist eklektisch — altere deutsch 



Benedito— Benoit. 



47 



Romantik, ital. StiBigkeit, EinfluB Sme tana's 
u. des tschech. Volkslieds usw. In seinen 
Opern spukt sogar der Verismo. Heute sind 
seine Werke fast vergessen, ungeachtet ihrer 
guten Eigenschaf ten : Sauberkeit, Melodien- 
fulle, Heiterkeit. 

StSdry den (Christ abend), 1885, f. Soli, Ch., Orch.; 
Jifioslovanskd rapsodie (Jugo lav. Bhapsodie) , 1881, 
f. Orch.; Streichquartett ; 2 Hessen; Kirchenwerke; 
Cigansht melodie (Zigeunerlieder, 2 Bde., Novello); 
CypfiS (Zypressen); Pisne skfirdnci (Nachtigallen- 
tieder); Pisni z rukopisu Krdlodvorskeho (Lieder aus 
dem Codex von Dvur EraJove) f. Ges. u. KL; Chore. 

Opera: Lejla; Bfetislav; Stary ienich (Der alte Brauti- 
gam), 1871; Indickd princezna (Die indische Prinzessin); 
Carovntf kvU (Eine Zaubcrblume) ; Cernohorci (Monte- 
negriner); Sranda duddk (Der Dudelmckpjeijer; erst in 
Konzert- dann in dram. Form. 1891); Earel Skrfla, 1883; 
Dite Tdbora (Tabors Kind), 1888; Mad Mita (Mutter 
Mila); Ceskd sraiba K Bthnti$fle Borttzeit; Ballett). Ver- 
leger: Urbanek u. Stnry in Prag Novello in London. 

Benedito y Vives, Rafael, span. Dirig., 
geb. 3. Sept. 1885 in Valencia. Stud, am Kgl. 
Cons, zu Madrid, grundete hier 1916 das Bene- 
dito- Orch. u. 1918 die Masa Coral de Madrid 

(den ersten groflen gem. Chor der span. Haupt- 
stadt). B. propagiert als Dirigent eifrig die 
zeitgenossische Preduktion seines La n des, 
widmet sich der mus. Ausbildung der Jugend, 
sucht das Verstandnis fur die deutschen Eo- 
mantiker in Spanien zu fordern u. gab als 
erster nach dem Kriege in Deutschlard eine 
Reihe von Orch.konzerten mit span. Musik 
Seine Kornpos. sind zum groftten Teil noch 
unveroffentlicht. 

Bengtsson, Gustav Adolf Tiburt., schwed. 
Komp., geb. 29. Marz 1885 zu Vadstena, stud. 
am Stoekhohner Kons. Kcmpos. fcei Joban 
Lindegren, spater ncch bei PpuI Jucn in 
Berlin u. Hugo Riemann in Leipzig. Er lebt 
in Norrkoping. 

Sinfonien: I C-moll. 1908; II D-moll, 1910; HI 
C-moll, 1921; Streichquartett 1907; Senate f. V. u. 
KL 1905; Kl.trio, 1916; Lieder. 

Benjamin, Arthur L., austral. Pianist u. 
Komp., geb. 18. Sept. 1893 zu Sydney, 1911 
Stipendiat am R.C.M. zu London, wo er bei 
Charles Stanford u. Frederic Cliff e (Kl.) 
studierte. 1920 wurde er Kl.lehrer am Staats- 
Kons. in Sydney. 

Orch.: 3 Dance-Scherzi; Khapsodie iiber Neger- 
melodien; 2 Gesange (Maeefield) i. Bariton tt. Orch.; 
Klarinettenquintett C moll; Ehapsodie D dux f. V., 
V.cell., Kl.; Sonate E-moll f. V. u. KL; Scherzo H-moll 
f. Klar. u. KL; 4 Impression* f. Mezzosopran u. Streich- 
quartett; Liederzyklus f. Bariton u. KL (Gedichte aus 
dem 18. Jahrh.); Pastoral -Fantasie f. Stre chquartett 
(Carnegie-Preis 1924); alles MS. 

Be liner Paul, schweiz. Organist, Dirig., 
Komp., geb. 7. Nov. 1877 in Neuenburg, wo 
er seine ersten Studien bei E. Lauber machte, 
stud, dann drei Jahre lang am Kons. von 
Frankfurt bei I wan Knorr u. B. Scholz Kompos, 
u. ist seit 1901 Organist u. Leiter des Chor- 
vereins zu Neuenburg u. Yverdon, Organist 
u. Chorleiter an der ISglise indepecdante, so- 
wie Lehrer fur Kompos. am Konseivatorium. 



Soli, Chor, Orch., u. Org.: la Redemption; Requiem 
(Lausanne, Fcetisch); Les Poemes de la Her (id.); Le 
Baptewe du Bourdon; Liber apertvs est; zahlreiche A cap- 
pell a -Chore, veroffentlicht durch die Commission du 
Chant sacre de 1'Eglise independante in Neuchfttel; 
Kammermusik; Gesange mit Orch. u. mit Kl. 

Bennett, George John, engl. Organist u. 
Komp., geb. 5. Mai 1863 zu Andcver; stud, 
an der R.A.M. London bei Macfarren u. Steg- 
gall, in Berlin bei Kiel u. Barth u. in Munch en 
bei Rheinberger; seit 1895 Organist an der 
Lincoln Cath., Leiter der M.feste zu Lincoln 
1896-99, 1902—06—10; Leiter der Lincoln 
Mus. Soc. seit ihrer Griindung 1896. Mus. 
Doc. Cantab. 1893. 

Kirchenmusik ; Orch. -Suite D-moll; Orgelwerke; 
eine groDe Zahl guter Orgelarrangements von Orch.- 
u. andern Werken, namentlich Wagner's (meist bei 
Novello). 

Handbiicher : Combined and Florid Counterpoint; 
Elements o/ Music for Choir-boys (Kovello). 

Bennewitz, Kurt, deutscher Komp., geb. 
2. Jan. 1886 in Magdeburg, in der Musik 
dort Schiiler von Organist Bischof u. MD. 
Kaufmann; stud. Naturwissenschaften u. ist 
Assistent am Fhysik.-chem. Institut der Univ. 
Berlin. 

Trio D-dur; Lieder mit oblig. Geige; Liederzyklus; 
Sonate F-moll i. K . (Heinrichsho en). 

Benoit, Pierre Leonard Leopold, belg. 
Komp., geb. 17. Aug. 1834 zu Harlebeke 
(Flandern), gest. 8. Marz 1901 zu Antwerpen. 
Aus einer Bauernfsmilie mit musikalischen 
u. literarischen Neigungen stammend, erhielt 
B. den ersten Unterricht von seinem Vater 
u. dem Dorfcrganisten, kemponierte 15jahrig 
fur die dorfliche Freisverteilung, besucht© 
1850—55 das Briisseler Cons. u. wurde dann 
Dirig. am Vlaemischen Theater, fur das er 
Melodramen kemponierte. Als er 1857 den Rom- 
preis gewann, machte er die vorgeschriebene 
Studienreise in Deutschland (Leipzig, Dresden, 
Munchen, Berlin), von wo aus er an die Briisseler 
Akademie eine Schrift sandte: VecoU de 
musiqne flamande et son avenir. 1861 ging 
er nach Paris, wo seine Oper Erlkonig vom 
Theatre Lyrique zwar angenommen, aber 
nicht herausgebracht wurde. In der Warte- 
zeit fungierte B. als 2. Dirig. an Offenbach's 
Bouffes-Parisiens. 1863 siedelte er nach Ant- 
werpen uber u. verwirklichte da sein Ideal: 
die Schopfung einer nationalen vlaemischen 
Kunst, In der Zeit von 1867—1884 erschienen 
seine Flugschriften (viele iibersetzt), die die 
objektive Existenz einer vlaem. Tonkunst zu 
verfechtensuchten. Dank seinen Anstrengungen 
wurde Antwerpen ein bedeutendes musikal. 
Zentrum. Er rief einen Verein zur Konzert- 
pflege u. einen Musikverein ins Leben; 1867 
grundete er die Vlaem. M.schule (Vlaamsche 
Muziekschool) u. brachte 1898 die Regierung 
dazu, sie als Kgl. Vlaem. Kons. zu Antwerpen 
zu ubernehmen. Er hat ein Gounod-Fes t 
veranstaltet u. als erster Berlioz' Damnation 
de Faust nach Belgien gebracht. 1882 wurde 



48 



Benos— Berend. 



er Mitglied der Briisseler Akademie. Eine 
B.-Gesellschaft in Antwerpen sueht seine 
Werke zu verbreiten, 

Als Komp. muB man inn unbedingt den 
Tyrtaeus der Vlaem. Bewegung heiBen — 
die er sich iibrigens nur innerhalb der belg. 
Nationalitat gedacht hat. Er traumte davon, 
sein Volkstum in einer konkreten musikalischen 
Form ausdriicken zu konnen; denn wenn es 
auch vlaemische Komponisten gegeben hatte, 
so gab es doch keine vlaem. Musik. Er ver- 
suchte eine solche zu schaffen u. es ist ihm 
vollig gegliickt. Sein eignes Schaffen ist tief 
von vlaem. Geist durchdrungen. Seine Lie der 
gingen auf im niederland. Volkslied. Seine 
geschichtliche Bedeutung liegt jedoch in 
seinen Oratorien Der Krieg, Lucifer, L'Escaut, 
der Rabens-Kantate, die, gleich wirklichen 
musikalischen Fresken mit breiten Linien, 
massiven Wirkungen u. dekorativem Ver- 
fahren, gleichsam die groBen vJaamischenMaler 
ins Gedachtnis rufen. Seine Schreibweise ist 
einfach, ja summarisch, der Stil durchaus 
klassisch, die Melodik manchmal billig: aber 
manche seiner Einfalle sind voll von Schonheit 
u. erinnern gelegentlich an Beethoven, mit 
dem, dank der vlaemischen Abstammung 
des Bonner Meisters, B. Beruhrungspunkte 
besitzt. Eines seiner unterscheidenden Merk- 
male ist die gluckliche Verwendung von 
Kinderchoren, die niemals mit schlagenderer 
Wirkung eingefuhrt worden sind. Es° geniigt 
nicht zu sagen, daiS B. begabt war; er ist 
einer derjenigen, denen nicht viel zum Genie 
fehlt. 

Buhnenwerke : Bet Dorp in't gebergte, 1856- Isa, 
Drama mit lyrisclien Einlagen, 1864; Willem de Zwijger, 
desgl., 1876; Juicht met ons, Kantate mit Vo ksszenen, 
1886; Set MeUief, Schaferspiel mit Gesangen, 1893- 
Melodramen: De belqische Natie, 1855; Chariot e Corday, 
1875; Karel van Gelderland, 1891; Pompeia, 1894; 
Van Blek in't jaar '30, 1897. Werke f. Soli Ch. u. Orch.: 
he Meurtre d'Abel (llompreis); Vlaanderen Kunstroem 
(llubens-Kantate); Lucifer, 1S66; Paris. 1883; Londres, 
188 9; De Scheldt; De Rhyn; De Oorlog; Fessizang; De 
Ti-ereld in (Kinder-Kantate); Triomfmarsch ; De Leie; 
Kinderhidde aan den dicMer; Antwerpen; De Muze der 
Gesokiedems. Eirchenwerke : eine Tetralogle, iimfassend ' 
Weihnachtskantat , Messe, Te Deum, Requiem; Drama 
Christ ; kurze Messe; 20 Motetten. Sagen en Balladen I 
i. Kl. u. Orch.; Kl.konzert, Fl.konzert; Stiicke f. Ob. ! 
Klar . u. a. Viele Lieder, insbes. die Zvklen Dichterheil] ' 
Lie] de mi Uven; Liefdedrama; Sagen en Balladen i.Kl ' 

Vgl. Eeckhoud, P. B., 1897; S toff els, P. B \ 
}?$}' ^ fcfce , n9 ' }J - B - ( in - Kouv. Revue Internationale! 
1UU1— 02); babbe, In Memorium P. JJ.. 1902; Blockx I 

t™^''-*}??*' P - B -' s - JaaTl >oek (Benolt-Gesellschaft! 
190o, 1906 1907). 

Benos, Avelino, uruguayscher Violoncellist, 
geb. 1887 zu Montevideo, stud, dort am Kons! 
La ijira u. beendete seine Ausbildung bei 
Cesar Thomson in Brussel. Bei seiner Ruck- 
kehr nach Montevideo griindete er gemeinsam 
mit Vicente Pablo das Kons. in Uruguay. 
Haufig auftretender Konsertspieler mit be- 
wundernswerfcer Technik, 

Bentzon, Jorge n, dan. Komp., geb. 14. Febr. 
1897 in Kopenhagen, wo er als Ministerial- 



! beamter lebt; in der Musik Schiiler von Carl 

; Nielsen und des Leipziger Kons. 

I Streiclitrio; drei Streichcpiartette; Konzertouverttire ; 

\ Chorlieder u. a. 

Benvenuti, Giacomo, ital. Hrsg. u. Komp., 
geb. zu Toscolano, Brescia, Schuler des Liceo 
mus. zu Bologna unter Bossi, Komp. einiger 
geschatzter Vokalwerke: Cinque liriche, Canti 
a una voce con p/., Quattro frammenti di Uriel 
greet (Pizzi, Ricardi) u. Herausgeber wert- 
voller Neudrucke altital. Musik. 

Beobide, Jose Maria, span. Organist der 
baskischen Gruppe, geb. in Zumaya, stud, 
am Real Cons, de Musica Madrid: friiher 
Organist am Jesuitenkolleg in Quito (Ecuador) 
u. Lehrer am dortigen Kons.; lebt jetzt in 
Zumaya. 

Berber, Felix, deutscher Violinist, geb. 
11. Marz 1871 zu Jena, Schuler des Dresdner 
u. Leipziger Kons. (Brodsky); 1889 in London, 
1891—96 Konzertmeister in Magdeburg, 1896 
bis 1898 in Chemnitz, 1898-1902 am Gewand- 
hausorch. in Leipzig, 1904 Violinlehrer an der 
Akad. d. Tonkunst in Munchen; 1907 am 
Hochschen Kons. in Frankfurt, 1908 am Genfer 
Kons. , 1912 wieder in Munchen, erst als Privat- 
lehrer, seit 1920 Prof, an der Akad. d. Tonkunst 
u. Primarius eines Streichquartetts (B., Huber, 
Hartl, Hegar). B. ist ein Geiger von Tempera- 
ment u. eigenartiger Sinnlichkeit des Tones. 
Ber&sncfoj Ludwig, deutscher Kirchen- 
musiker, geb. 23. Febr. 1882 in Biburg, stud 
in Freising, 1907 zum Friester geweiht u. 
2 l / 2 Jahre in Ruhpolding Kaplan; dann an 
der Regensburger Kirchenmusikschule bei 
Haberl, 1910—12 Schuler der Miinchener 
Akademie (Gluth, Maier), 1910—16 Chor- 
dirig. der Burgersaalkirche, seit 1919 Letter 
' des Domchors an der Miinchener Frauen- 
kirche. Seit 1921 halt er Vorlesungen uber 
Kirchenmusik an der theolog. Fakultat der 
Univ., zugleich an der Akademie der Ton- 
kunst. Er war Mitbegriinder der Kirchen- 
musikal. Zeitschrift Sursum corda (nach Jahres- 
frist eingegangen) u. hat zahlreiche Auf sat ze 
zur Hebung des kunstlerischen Niveaus der 
Kirchenmusik geschrieben. 

Messe G-dur f. Chor, Streicher, 3 Horner u. Orcr - 
ivlessc F-dur a cappella; Requiem F-moll; zahlreiche 
Motetten u. a. 

isrend, Fritz, deutscher Dirig. u. M. - 
forscher, geb. 10. Marz 1S89 zu Hannover, 
stud. 1907 ff. in Munchen zuerst Jura, dann 
Philosophic u. M.wissenschaft, u. promov. 
1913 mit einer Studie iiber Nik. Ad. Strnngk 
zum Dr. phil. (Hannover 1913). Seine prak- 
tisch-mus. Ausbildung erhielt er durch Blume 
u. Lutter in Hannover u. Jos. Sehmid, Schmid- 
Lmdner u. a, an der Kgl.Akadernie in Munchen. 
Er war erst in Freiburg- i. Br., dann (1920) in 
Kaiserslautern als KM. tatig, jetzt am Stadt. 
Schauspielhaus in Hagen i. W. 

Lieder. 



Berens— Bergh. 



49 



Berens, Hermann, deutscher Komp., geb. 
7. April 1826 zu Hamburg, gest. 9. Mai 1880 zu 
Stockholm, Sohn des Flotisten u. Militar- 
musikdirektors Karl B. (1801—1857), Schuler 
seines Vaters u. dann Reissiger's in Dresden, 
lebte nach einer Kunstreise mit der Alboni erst 
in Hamburg u. ging 1847 nach Stockholm, 
1849 MD. in 5rebro, 1860 KM. am Mindre- 
theater in Stockholm, spater Hofkm., Lehrer 
f. Kompos. a. d. Akad., Prof. u. ordentliches 
Mitglied der Akad. , verdient urn das schwedische 
Musikleben. 

Musik zu Kodros; Oper Violetta; 3 Operetten; Kl.- 
werke u, Kammermusik; sehr bekannte Kl.-Ettiden 
it Neueste Schule der Gelattfigkeit" op. 61. 

Berg, Alban, osterr. Komp., geb. 7. Febr. 
1885 zu Wien als Sohn eines Nurnberger Kauf- 
manns, Autodidakt bis zum 15. Lebensjahr, 
spater Schuler Arnold Schonberg's, seit 1910 
Lehrer f. Theorie u. Kompos. in Wien, Kom- 
mentator von Schonberg's Werken u. Vortrags- 
meister an dem von Schonberg gegriindeten u. 
geleiteten Verein f . musikal. Privatauf f uhrungen; 
Mitarbeiter u. ab Herbst 1920 kurze Zeit 
Redakteur der Musikblatter des Aribruch. Er 
machte den Kl.-A. der Gurre-Lieder Schon- 
berg's, von Schreker's Oper Der feme Klang, u. 
einen vierhand. Kl.-A. von Mahler's VIII. Sin- 
fonie; ist auch Verf. eines Fuhrers zu den Gurre- 
liedern u. einer themat. Analyse von Schonberg's 
Kammersinfonie (alles Un. Ed.). Trotz dieser 
Anhangerschaft ist B. innerlich unabhangiger 
von Schonberg als etwa Webern und halt bei 
aller Freiheit u. Auflosung des Melodischen 
u. Harmonischen an einer noch erkennbaren 
u. kontrollierbaren gegliederten Form fest. 

Sonate t Kl. op. 1, 1908, umgearb. 1920 (Schlesinger); 
4 Lieder (Hebbelu. Mombert) op. 2, 1908/9 (id.); Streich- 
quartett op. 3, 1909/10 (id.); 4 Stucke f. Klar. u. KL 
op. 5 1913 (id.); 4 Gesange mit Orch. op. 4 (P. Alten- 
berg), 1912; 3 Orchesterstucke — Pramdium, Reigen, 
Marsch op. 6, 1914 (Un.-Bd.). Seine Oper Wozzek 
(nach Biichner, vollendet 1922, Kl.-A. gedr.) BCheint 
einen neuen Weg in der dram. Musik zu eroffnen. 
Jede der 15 Szenen folgt einer beaonderen musikal. 
Form: Szene 1 ist eine Suite, Szene 4 besteht aus 
21 Variationen uber ein Thema; Akt II ist eine funf- 
satzige Sinfonie; Akt III eine Folge von 6 Inventionen. 
3 Bruchstiicke aus Wozzek wurden 1924 beim Ton- 
kiinstlerfest in Frankfurt aufgeiiihrt. 

Vgl. E. Stein, A. B„ im Chesterian !Nr. 26. 

Berg, Maria, argent. Piauhtin, geb. 1888 zu 
London, stud, in England u. am Madrider Kons. 
bei Bosch, konzertierte in London u. Madrid, 
u. kam 1904 nach Buenos Aires, wo sie das 
Beethoven-Kons. in Quilmes begrundete. 

Berg, Natanael, schwed. Komp., geb. 
9. Febr. 1879 zu Stockholm, stud. 1897—1900 
Gesang am dortigen Kons., u. Kompos. in 
Deutschland, Frankreich u. 6sterreich. Er ist 
Vorsitzender des Vereins schwed. Komponisten 
seit dessen Griindung 1918 u. einer der hervor- 
ragendsten jiingeren schwed. Komponisten. 

Opern: Leila (Stockh. 1910); Josua (unvollendet). 
Ballettpantomimen: Alfvorna (Feen; Stockh. 1914); 
Sensitiva, 1919; Bertiginnans friare (Die Freier der Her- 
zogiri), 1920, Sinf. Dichtungen: Traumgewalten 1911; 

Einstein, Muaiklesikon. 



Alles endet was erdstehet, 1913; Varde ljus\ (Fiat luxl); 
Arstiderma (Die Jahreszeiten 1916); Mahler (Machte), 
1917; Pezzo sinfonico, 1918; TrUogia della passione, 
1922. Balladen f. Ges. \i. Orch.: Said u. David, 1907; 
Eros' vrede (Eros' Zorn) 1907; Predikaren (Der Prediger), 
1911; Die badenden Kinder, 1918. Fur Soli, Ch. u. Orch, 
Mannen och kvinnan (Der Mann u. das Weib), 1911; 
Israels lovsdng (Israels Lobgesang), 1915; V.konzert; 
Klavierquintett B-moll, 1917; Streichquartett, 1919. 

Berg-Hansen, Johannes, norweg. Konzert- 
Bariton, geb. 5. Marz 1882 in Christiania, 
Schuler von Schinckel in Miinchen u. von Lulle 
Haanshus in Christiania. Debiitierte dort 1904 
u. hat auBer in Skandinavien in Antwerpen, 
Paris u. London gesungen. 

Bergdolt, Sascha, deutsche Pianistin, geb. 
5. Nov. 1888 als Tochter des 25 Jahre in Peters- 
burg wirkenden Geigers Karl Schleip; 1896 
bis 1902 in Freiburg Schulerin von MD. Dimm- 
ler, 1902/03 von KJindworth in Berlin; betrat 
dann die Virtuosenlaufbahn, zog sich aber 
nach ihrer Verheiratung 1906 aus dem Kon- 
zertleben nach Elberfeli zuruck. 1911 — 14 
stud, sie erneut bei Carl Friedberg in Coin 
u. kurze Zeit bei Elly Ney, u. steht seitdem 
wieder in der Off entlichkeit ; Mitglied des 
Westdeutschen Trios (S. B., Stefi Koschate, 
Kathe Pabst-Hess). 

Berger, Francesco, Pianist u. Komp., geb. 
10. Juni 1834 in London von ital. Elt«rn, stud. 
Kompos. in Triest bei Luigi Ricci, Kl. bei Karl 
Lickl, spater in Leipzig Kl. bei Moscheles u. 
Plaidy, Harmonie bei Moritz Hauptmann. 
Kl.-Lehrer an der R.A.M. u. der Guildhall 
School of M, , 27 Jahre langEhren-Sekretar der 
Philh. Soc. Sein Chorlied Night, Lovely Night 
hat weiteste Verbreitung gefunden. 

Ouvert. u. Buhnenmusik zu The Lighthouse u. zu 
The Frozen Deep (zwei von Charles Dickens u. sein em 
Kreis 1856 — 57 aufgef. Stucke); uber 100 Kl.stticke 
(Novello, Augener, Chappell, Boosey, Enoch, Ashdown 
usw.); gegen 100 Lieder, Duette, Terzette, Chore auf 
engl., deutsche, franz. oder ital. Texte. Verfasser von 
Reminiscences, Impressions and Anecdotes ( Sampson 
Low) u. eines Musical Vocabulary in 4 Languages 
(1922, W. Reeves). 

Berger, Wilhelm, deutscher Komp., geb. 
9. Aug. 1861 zu Boston, gest. 16. Jan. 1911 zu 
Jena; Kind deutscher Eltern, 1878—84 Schuler 
von Kiel u. Rudorff an der Berliner Hochschule, 
seit 1888 Lehrer am KJindworth- Scharwenka- 
Kons.; seit 1903 Hofkm. in Meiningen, 1903 
Prof. u. Mitglied der Ak. d. Kunste. 

2 Sinfonien B-dur op. 71 (Br. & H.) u. H-moll op. 80 
(Bote & Bock); Variationen u. Fuge f. Orch. op. 97 
(Leuckart); Kl.werke; Sonaten f. V. u. Kl. op. 7 A-dur 
(Prager), F-dur op. 29 (Peters), G-moll op. 70 (Simon); 
Kl.trio G-moll op. 94 mit Klar. u. V.cell. (Kahnt); 
Kl.quartett op. 21 (Ruhle); Kl.quintett F-moll op. 9 
(Kahnt); Streichquintett E-moll op. 75 (Bote & Bock); 
Streichtrio G-moll op. 69 (Simon); Chorwerke mit 
Orch.; Ch6re; beliebte Lieder. 

Vgl. W. Altmann, W. B.-Katalog, 1920. 

Bergh, Rudolf, dan. Komp., geb # 22. Sept. 
1859 zu Kopenhagen, gest. 7. Dez. 1924 in 
Davos, 1890 Dozent der Embryologie an der 
Kopenhag. Univ., legte 1903 aber sein Amt 
nieder um sich der Musik zu widmen u. zog nach 
Godesberg a. Rh. , seit 1919 wieder in Kopen- 



50 



Bergmanns — Berliner Oper. 



hagen; seit 1923 als Direktionsmitglied des 

Kons. 

c Chorwerke mit Orch.: Requiem jiir Werther op. 32; 
Oeister der WindstiUe op. 38; Der Berg des heUigen 
Feuers; Tragische Sinfonie; 3 Orch.s+ucke; Streich- 
quartett op. 10 (]S T oid. Musikf rl.); 2 V.sonaten, die 
erste E-moll op. 20 (Drei Lilien); zahlreiche Lieder u. 
Kl.stiicke. Auch schriftstellerisch tatig: Musiken i d. 
19 Aarhd. (auch schwedisch) u. a. 

Bergmans, Paul Jean Etienne Charles 
Marie, belg. M.schriftsteller, geb. 23. Febr. 
1868 zu Gent, stud, am dort. Kons. u. privat bei 
Waelput, 1887 Dr. phil. an der Genter Univ., 
1892 Bibliotheksassistent, 1919 Oberbiblio- 
thekar; 1912 Dozent f. Musik, 1919 a. o. Prof,; 
1900 Mitglied der Belg. Ak. d. Archaologie, 1913 
der kgl. Belg. Ak.; Theater- u. Musikkritiker der 
Flandre Liberate in Gent; Mitarbeiter verschie- 
dener Zeitschriften u. Verfasser zahlreicher 
Monographien, die, dem Umfang nach klein, 
auBerst reich in der Dokumentierung u. untade- 
lig in der wissenschaftl. Genauigkeit sind. Ge- 
nannt seien: 

P. J. Leblan, earillonneur de la Ville de Gand au 
XVIII e siecle (Gent 1884, Van der Haeghen); H. Wael- 
put (1886, id.); VarUUs musicologiqms (3 Keihen 1891, 
1901, 1920); La vie musieale gantoise au XVIII e Steele 
(1897, Beyer) ; L'Organiste des archiducs Albert et Isabelle : 
Peter Philips (Gent 1903, Vijt); Les Musiciens de Cour- 
trai et du Courtraisis (1912, Vijt); Notice sur Fl. Van 
Duyse (Bmssel 1919, Hayez); Henry Vieuxtemps 
(Turnhout 1920, Brepols); Le Baron Limnander de 
Nieuwenhove (Briissel 1920, Hayez); Quatorze lettreh 
inddites du comp. Philippe de Monte (id. 1921); Tielman 
Susato (Antwerpen 1923), u. a. 

Beringer, Oskar, deutscher Pianist, geb. 
14. Juli 1844 zuFurtwangen, Baden, gest. Ende 
Febr. 1922 in London, Schdler von Moscheles 
in Leipzig u. Tausig in Berlin; lebte seit 1871 
in London, wo er eine Schule fur hoheres 
Klavierspiel eroffnete die bis 1897 best and; 
1885 Kl.-Lehrer am R.C.M., 1900 deren Ehren- 
mitglied; angesehener Klavierpadagoge in 
London. 

Tnstruktive Kl.werke (Bosworth, Augener); Kl.- 
konzert; Lieder. 

Schril't: Fifty Year's Experience of Pf. Teaching 
and Playing (London 1907, Bos worth). 

Berkshire Festivals fur Kammermusik, zu 
Pittsfield, Mass. abgehalten im Sommersitz 
von Frau Frederick S. Coolidge aus New 
York, u. von ihr 1918 begriindet. Jahrlich wird 
fur das beste Kammermusikwerk, das einge- 
sandt wird, ein Preis von 1000 $ verteilt; die 
Gewinner waren: Tadeusz Jarecki 1918, Ernest 
Bloch 1919, Fr. Malipiero 1920, 

An der Spitze der Jury stand der Geiger 
Hugo Kortschak, dessen (1920 aufgelostes) 
Quartett bei den Auffuhrungen des Festes am 
starksten in den Vor der grun d trat. 

Berliner Oper. Die Berliner Hofoper ist um 
einige Menschenalter junger als die Hofoper 
der mit Italien in unmittelbarerer und innigerer 
Verbindung stehenden siidlicheren Hofe etwa 
von Wien, Dresden, Miinchen, ja selbst sehr 
viel kleinerer Residenzen. Nach mehr lieb- 
haberhaften Anfangen unter der hannoverschen 



Gemahlin des ersten preufiischen Konigs, unter 
Sophie Charlotte, erlebt die Berliner Oper ihre 
erste Bliitezeit in betont italienischer Form, 
unter Friedrich dem Grofien, in dessen letzten 
Jahren J. Fr. Reichardt noch die Briicke zur 
heroischen franzosischen Oper, Gluck einge- 
schlossen, und zum deutschen Singspiel schiagt : 
1789 wird das Haus zum erstenmal dem Burger- 
turn geoffnet. Nach einer Periode der Ruhm- 
losigkeit, die sich an die Namen Bernh. Anselm 
Weber und Bernh. Romberg kntipft, und in der 
sich, wie uberall, der Sieg Mozarts vollendet, 
beginnt mit der Berufung Gasp. Spontini's 
(1820) eine Zeit des Kampfes zwischen italie- 
nischer und deutscher Oper, der gleich zu Beginn 
mit der ersten Auffuhrung von Weber's Frei- 
schiitz (18, Juni 1821) — dem grofiten Opern- 
ereignis der Berliner Buhne iiberhaupt — zu- 
gunsten der deutschen entschieden ist, was 
nicht hindert, dafi Spontini's Amtsfuhrung die 
Berliner Oper auf einen in Deutschland seltenen 
Gipfel des Auffiihrungsstils hebt. 1842 wird 
Meyerbeer Generalmusikdirektor, in dessen 
Ara wenigstens ein bleibendes deutsches Werk 
seine erste Auffuhrung erlebt, Nicolai's Lustige 
Weiber, und dessen Heifer, Dorn und Taubert, 
sich mehr als er selbst und iiber seinen Tod 
hinaus bemuhen, dem Sieg der Wagnerschen 
Oper Schwierigkeiten zu bereiten, die freilich 
durch den grofiten, seit 1866 der Berliner Oper 
dauernd verpflichteten Wagnersanger der Zeit, 
Albert Niemann, wieder entscheidend gefordert 
wurde. Unter den drei Kavalier-Intendanten 
der Hofoper, Botho von Hiilsen (bis 1886), 
Graf Hochberg (bis 1902) und Gg, von Hiilsen- 
Haseler (bis 1918) ist das Berliner Institut 
gleichmaBig wenig wagemutig, und man darf 
es sagen, daB die Hemmnisse des Betriebs weder 
den Wagnerdirigenten Josef Sucher (1888 bis 
1899), noch Felix Weingartner (1891—98), 
noch selbst Richard Straufi (1898—1919) iiber 
ein mehr oder weniger reiches Repertoir und 
ein wechselndes Auffiihrungsniveau hinaus zu 
den, den Aufgaben und Kraften des Instituts 
moglichen, richtunggebenden Taten haben 
gelangen lassen. In die neue, noch andauernde 
Ara des Intendanten Max Schillings hinein 
hielt sich der treffliche und routinierte Opern- 
kapellmeister Leo Blech (1906—1923), indes 
die Stellen der andern Dirigenten einem raschen 
Wechsel unterworfen waren, Seit Oktober 1923 
ist Generahnusikdirektor der Oper Erich 
Kleiber, mit dem neben die ,, Tradition' das 
, , Experiment zu tret en scheint : das Bleibende 
in der Erscheinungen Flucht ist das Staats- 
opernorchester, eines der trefflichsten Deutsch- 
lands. Neben der Hofoper hatte seit 1848 die 
,,Krolloper" nach bescheidenen Anfangen doch 
durch hervorragende Gastsanger einige Be- 
deutung erlangt; sie ist, nachdem Berlin in der 
Inflationsperiode vortibergehend vier Opern- 
buhnen (Volksoper) gesehen hatte, zweite*. 



Berlioz. 



51 



Staatsoper geworden. 1907 eroffnete Hans 
Gregor seine ,,Komische Oper"; 1913 entstand 
das Deutsche Opernhaus in Charlottenburg, das 
1925 von der Stadt Berlin ubernommen wurde 
(kunstlerischer Leiter Bruno Walter). 

Berlioz, Louis Hector , franz. Komp. 
(1803—69). Obwohl B. 1869 starb, u. folglich 
nicht streng in den Rahmen dieses Werks ge- 
hort, so ist es doch unmoglich, diesen groBen 
Musiker zu ubergehen, dessen EinfluB auch 
heute noch in der europaisehen Musik lebendig 
ist. Es gibt keinen franzosischeren Musiker als 
B. u. keinen, der der Vergangenheit weniger ver- 
pflichtet ware, ausgenommen den Sinn fur 
das grofiartige musikalische Fresco, der sich von 
Janequin zu Lully u. von Debussy zu Ravel 
durchdie Jahrhundertevererbthatu. eineEigen- 
tumlichkeit des franz. Genius zu sein scheint. 
B. tritt als eine Art von Phanomen auf . Anstatt 
die Leistungen der vorhergehenden Generation 
zusammenzufassen — wie das der Fall war bei 
der Mehrzahl der groBen deutschen Musiker, 
Bach, Beethoven, Wagner, Brahms — , scheint 
er alles aus sich selbst zu holen, u. vor der Zeit 
ein kuhnes Gebaude zu erriehten, von dem ge- 
wisse Teile nie vollendet wurden, andere rasch 
in Trummer fielen, aber dessen Reste noch 
heute fur den Musiker Gegenstand der Anregung 
u. des Studiums sind. 

B. wird tatsachlich auf der Spur nach neuen 
Formen zum Urheber der ganzen revolutionaren 
Bewegung, die die franz. Musiker des letzten 
halben Jahrhunderts weitergefuhrt haben. 
Er brach mit all den traditionellen Formen u. 
Konventionen die die Musik erstickten u. offnete 
der Zukunft die Tiir. Er steht in vollkommenem 
Gegensatz zu Wagner. Wahrend Wagner lang- 
sam sich seines Genius bemachtigte u. ihn 
methodisch u. sicher steigerte, zogerte B. be- 
standig seinen eigenen Weg zu gehen. Es liegt 
uns nicht ob, diese via dolorosa, die voll ist 
von Irrwegen, zu verfolgen. 1830, drei Jahre 
nach Beethoven's Tod, hatte der 27 jahrige Jiing- 
ling bereits die acht Faustszenen, die Waverley- 
Ouverture u. die Symphonie Phaniastique vol- 
lendet, in der er den Typus der Sinfonie ab- 
wandelt u. umdeutet u. den Prototyp der ,,sinf. 
Dichtung" schafft. Liszt, der 1830 einenKl.-A. 
der Phant. Sinfonie anfertigte, schuf den Fort- 
schritt einzig dadurch, daB er B.s Idee syste- 
matisch ausbaute. B. selbst war nicht imstande, 
seine Erfindungen fruchtbar zu machen; er 
streute die Saat in den Wind, ohne daB irgend 
etwas verloren ging, u. Liszt, StrauB, Rimski- 
Korssakow, Lalo, Saint-Saens — sie alle haben 
B.s Anregungen weidhch geniitzt. B. war vor 
allem ein erstaunlicher Erfinder orchestraler 
Klangfarben. Er untersuchte all seine Ent- 
deckungen auf dem Gebiet der Orchestertechnik 
in seinem beruhmten Lehrbuch von 1839, das 
selbst heute noch als ein bedeutendes Werk 
iiber dies Thema lebendig ist. Anstatt das 



Orchester als Masse zu behandeln, wie es 
Beethoven u. manche der deutschen Ro- 
mantiker getan haben, legte B. das Gewicht 
auf die Klangwirkung von vollig fur sich selbst 
bestehenden Klangquellen, wobei er die Klange 
gleichsam nebeneinander legte, ahnlich wie 
Delacroix zur selben Zeit es in der Malerei ver- 
suchte. Obwohl ein bewundernswerter Analy- 
tiker in seiner Kunst, scheint B. oft durch eine 
Art von Intuition geleitet. Seine orchestrate 
Schreibweise ist iiberdies so weit von dem ub- 
lichen Verfahren entfernt, daB man sich die 
Wirkung in der Ausfuhrung beim bloBen Lesen 
kaum vorstellen kann. 

Auf dem Gebiet der musikalischen Archi- 
tektur wie auf dem der Orchesterfarbe war B, 
ein erstaunlicher Neuerer. Wie seine phan- 
tastische Sinfonie das Urbild der sinfonischen 
Dichtung ist, so ist Romeo ei Juliette (1839) das 
erste Vorbild einer neuen Form, der dramatischen 
Sinfonie, aus der die letzten Folgerungen zu 
ziehen die Musiker noch weit entfernt sind. 
Seine sehr sichtbaren Fehler, die Folgen 
seines heftigen Temperaments u. seines Mangels 
an Selbstzucht, haben viele Musiker von 
ihm entfernt, die nichtsdestoweniger aus 
seinen Entdeckungen Nutzen gezogen haben. 
Seine ungeschickte Schreibweise, die freilich 
oft von so machtiger Ausdruckskraft ist, wie 
die Mussorgski's, ist von den Puristen eben- 
so gertigt worden, wie von deutschen Musikern, 
etwa Pfitzner, u. den Vertretern der im- 
pressionistischen Schule, Debussy u. Ravel. 
Trotzdem ist B. der Vater des Impressionisms 
in der Musik, genau wie Eugen Delacroix der 
Ausgangspunkt fur die ganze moderne Ent- 
wicklung in der Malerei ist. 

In B. lebte die Seele eines groBen Dichters. 
Seine feurige, romantische Schopferkraft er- 
reichte eine bewundernswerte Hohe u. iibertrug 
in die Sprache der Tone die Harmonien, die 
Virgil ans Licht gehoben hatte. Die Trojaner 
enthalten erhabene Seiten; leider ist das Werk 
als Ganzes in schlechtem Gleichgewicht. 
Kunstler, die Autodidakten sind, machen nur 
stiickweise u. unzusammenhangende Studien, 
u. B. entUef der Schule der klassischen Sinfonik, 
die selbst eben erst in Deutschland sichern 
Boden gewonnen hatte; wie er auch die Beriih- 
rung mit der italienischen Oper vermieden hat. 
Ein Bewunderer Beethoven's, hat er doch nicht 
gesucht ihn nachzuahmen, sondern hat in vollera 
Verstandnis der Lektion der Neunten Sinfonie 
mutig die Fahne des musikalischen Fortschritts 
in einem Zeitalter ergriffen, da man alle An- 
strengungen lediglich innerhalb der Bahnen 
erwartete, die Haydn, Mozart u. Beethoven ge- 
wiesen hatten. 

Ges.-Aus., besorgt von Ch. Malherbe u. Felix Wein- 
gartner (Br. & H., 18 Bde., die Opern fehlen). Vgl. 
Alfred Ernst, L'muvre dramatique d'H. B. (1884); 
Adolphe Jullien, S. B. (1888) ; B. 's Memoiien u. Briefe, 
hrsg. von Bernard; die Schriften dcutsch 10 Bde., 



62 



Berneker— Bertelin. 



Br, & H.); Lebenserinnerungen deutsch von H. Scholz 
(Miinchen 1914 , C. H. Beck); W. H. Hadow, Studies in 
Modern Music (London 1894, Seeley); T. S.Wotton, The 
Scores of B. (Mus. Times, Nov. 1915); J. G. Prod'homme, 
Unpublished Berlioziana (The Mus, Quarterly, April 
1918); P.M. Masson, B. (Alcan 1923); Briefwechsel, 
edd. Tiersot, bis jetzt 2 Bande. 

Berneker, Konstanz, deutscher Komp., 
geb. 31. Okt. 1844 zu Darkehmen, gest. 9. Juni 
1906 zu Konigsberg, Schiller des Akad. Inst. 
f. Kirchenmusik u. der Kompositionsabteilung 
der Akad. zu Berlin, war zuerst Dirig. von 
Mannergesangvereinen in Berlin, wurde 1872 
Dirig. der Singakademie zu Konigsberg, bald 
darauf Domorganist, 1886 Musikkritiker der 
Hartungschen Zeitung, 1895 Lektor an der 
Univ. , gleichzeitig Lehrer f . Kompos. am Kons. 
B. ist einer der bedeutendsten Musiker Ost- 
preufiens; 1907 wurde in Konigsberg eine B.- 
Gesellschaft gegrundet zur Herausgabe seiner 
Werke. 

Soli, Chor u. Orch.: Schiller's Siegesfest, 1871; Das 
Hohe Lied, 1875; Oratorium Judith, 1877; Hero und 
Leander; Mila das Haidekind; Die LOwenbraut: Kro- 
nungskantate ; Chore zur Brant von Messina; Psalmen; 
Motetten; Chorlieder; Lieder. 

Vgl. 0. Laudien, K. B. (1909); K. Burdach (in: 
Deutsche Revue 1907). 

Berners, Lord (Gerald Tyrwhitt), engl. 
Komp., geb. 18. Sept. 1883 zu Apley Park, 
Bridgnorth, trat 1909 in den diplomat. Dienst 
ein, 1909—11 in Konstantinopel, 1911—19 in 
Rom; in der Musik hauptsachlich Autodidakt, 
stud, eine Zeitlang Instrumentation bei Stra- 
winski u. Casella. Seine Schreibweise ist manch- 
mal sehr verwickelt, manchmal von verwegen- 
ster Simplizitat. Er hat etwas eigenwifiige 
Wege in der Musik eingeschlagen und schreitet 
von kaustischem Zynismus zur witzigen Parodie, 
von scheinbarer Lyrik zur verbluffendsten 
Karikatur, von der harmlosen Narrheit zum 
beiflenden Sarkasmus; seine eigentliche Devise 
ist das epater le bourgeois. 

Oper: Le Carrosse du Saint-Sacrement 1923; Fan- 
taisie Espagnole f. Orch.; 3 Stucke (Chinoiserie, Valse 
Sentimentale, Easatchok); Fragments Psychologiques 
(Hatred, Laugther, A Sigh) f. 1.1.; The Goldfish I Kl.; 
Drei Trauermarsche (For a Statesman, a Canary, a Rich 
Aunt) ; Valses bourgeoises 4handig ( Salzburg 1923) ; 
Liederalbum auf deutschen Text; 3 Lieder auf engl. 
Text; 3 Chansons auf rranz. Test; Dialogue between 
Tom Filuter and his Man, by Ned the Dog-Stealer, alles 
veroffentlicht bei ChesteT. 

Bernoulli, Eduard, schweiz. M.forscher, 
geb. 6. Nov. 1867 zu Basel; stud, in Leipzig, 
1896 Dr. phil., habilitierte sich 1910 in Zurich, 
1921 Prof. Sein besonderes Forschungsgebiet 
ist die Musik der deutschen Humanistenzeit, 
und diemittelalterlicheM.geschichte inDeutseh- 
land. Wir verdanken ihm wertvolle Neuaus- 
gaben der Jenaer Liederhandschr. (zusammen 
mit Holz u. Saran, 1901); von Tabulaturen 
Attaingnant's (Miinchen 1914); von Pratorius' 
Syntagma musicum III (Leipzig 1916, Kahnt) 
u. von Heinrich Albert's Arien (D d T 12/13). 

Bernstein, Nikolai Dawidowitsch, russ. 
M.schriftsteller, geb. 7. Aug. 1876 in Mitau 
(Kurland); Schuler von Max Bruch, Phil. 
Scharwenka in Berlin, an der Univ. von Beller- 



mann, Fleischer u. Friedlaender, als Lehrer 
u. Schriftsteller erst in Berlin, dann an ver- 
schiedenen M.anstalten in Petersburg tatig, 
1918 Begrunder des Staatl. Instituts fur musi- 
kal. Volksaufklarung (Prof.). Seit 1922 ist er 
Redakteur der Zeitschr. Musik u. Theater. 

Rufilands Theater u. Musik z. Z. Peters des Gro/3en 
(v. Gicyzky, Riga; Leipzig 1903, Pabst); Glinka (1906); 
Tschaikowsky (1907); Anton Rubinstein (1911, Be- 
clam); Die Arbeit des Musikers, psychophysiolog. Studie 
(1925) u. v. a. 

Berntsen, Jens, norweg. Baritonist u. Chor- 
leiter, geb. 22. Aug. 1867 in Aalesund, machte 
1889 die Organ. -Prufung am Kons. zu Christi- 
ania, stud, aber dann Gesang bei Wilh. Kloed 
u. Thv. Lammers in Christiania, Arlberg in 
Stockholm , Prof. Ney u. Georg Armin in Berlin. 
Erstes Auf t re ten 1893 am alten, nicht mehr vor- 
handenen Theater zu Christiania; Sanger am 
dort. Nationaltheater; Leiter mehrerer Chore, 
Gesangslehrer u. Schriftsteller im Sinn der Ver- 
breitung von Armin's Methode. Hauptrollen: 
Mephisto, Don Juan u. Leporello, Kaspar, 
Lothario (Mignori) u. a. 

Berr, Jose, deutscher Komp., geb. 29. Dez. 
1874 zu Regensburg, Schuler der Munchener 
Ak. d. Tonkunst (Rheinberger, Kellermann), 
wurde nach mehrjahriger Tatigkeit als Korre- 
petitor u. KM. an verschiedenen Theatern, 1901 
an die Ziiricher Musik Akad. berufen, u. 
griindete 1913 in Zurich ein eigene s von 
ihm geleitetes Kons. 

MCh.; Lieder-Zyklus (Gottfried Keller) f. 4 Singst. 
u. Kl.; Klavierstueke; M modram F, ancesca: Mus.-Kom. 
Der tote Gas 1 (Basel 1923); ein dram. Ged. mit Ballett 
Vaslkarana-Pdna (Der Lebenstrank, 1924). 

BerrSGhe (eigentUch Losch, genannt B.), 
Alexander, deutscher M. schriftsteller , geb . 
3. April 1883 zu Kaiserslautern, wahrend 
seiner Gymnasialzeit in Hochst a. M. Schuler 
des Riemannschulers Linder (Kl., Theorie) u. 
des Frankfurter Konzertmeisters Willy Post 
(V.); stud, seit 1902 Jura in Miinchen, von 
1903 — 06 daneben Theorie- u. Kl. schuler von 
Max Reger. Seit 1907 ist er als einer der f einsten 
u. eindringendsten Kritiker Deutschlands in 
Zeitungen u. Zeitschriften musik schriftstelle- 
risch tatig, seit 1912 Konzertkritiker der 
Munchener Zeitung. Er ist von Anfang an 
besonders fur Pfitzner u. Reger eingetreten; 
auch als Kammermusikspieler u. Liedbegleiter. 

Kurze Einfuhrung in den Armen Heinrich Pfitzner' s 
(1910, Brockhaus); Hans Pfitzner u. die absolute Musik 
(Vorwort zum Werkkatalog Pfitzner' s, Miinchen 1919, 
Halbreiter), 

Berte, Heinrich, ungar. Operettenkomp. , 
geb. 8. Mai 1858 zu Galgocz, gest. Ende Aug. 
1924 zu Voslau. Komponist einer Reihe von 
Balletten u. Operetten, von denen das aus 
Schubertscher Musik zusammengestoppelte 
Dreimaderthaus leider die erfolgreichste war. 

Bertelin, Albert, franz. Komp., geb. 26. Juli 
1872 zu Paris, stud, am Cons, bei Th. Dubois 
u. Ch. -M. Widor sowie bei R. Pugno (Kl.) 
u. erhielt 1902 den 2. Rompreis. Als Komp. 
ist B, ein gewandter Harmoniker u. starker 



Berten— Besly. 



53 



Kontrapunktiker. Er unterwirft sich bei 
allem Ausdruck in einer sehr modernen Ton- 
sprache einer klassischen Selbstzucht. 

Lieder; poemes f. Ges. u. Orch.; Choral f. Orch. 
(1902, Loret); Hymne funebre f. Orch. (1917, ms.); 
KLstiicke (Eschig; Durand); Sonaten f. V. u. Kl. u. 
f. Vc. u. Kl. (beide bei Eschig); Kl.-Quintett A-dur 
1902 (ms.); Kl.trio A-moll(ms.); Sakuntala, eine indische 
Legende, preisgekr.; Goiiza, 3akt. Oper (ruman. Legende), 
1912; Oratorium: Sub Umbra Crucis, 1917 u. 4 Motetten 
f. Ch., Orch. u. Org. In Nativitate Domini, 1922, die in 
St. Eustache aufgef. wurden. 

Berten, Walter, deutsch. Komp. und M.- 
schriftsteller, geb. 23. Aug. 1902 als Sohn 
eines niederrhein. Fabrikanten, in K6ln Schuler 
von Dr. Hermann Unger (Kompos.) und 
Frof. Dr. Bucken (M.wissenschaft), Grander 
und Leiter der Gesellsckaft fiir Neue Musik in 
M.Gladbach (1923); er lebt in Koln. 

A cappella Musik; Sonatine f. EL; Streichquartett: 
Satzfolge fiir Fl. u. Eag. ; Erste Liedfolge fiir Singstimme, 
FL, Va., BaBklar. (Kammermusikfest Koln 1925); 
Zweite Liedfolge t. Singstimme u. Kl.: Hochzeitslied 
(Volksvereinsverl. M.Gladbach) u. a. 

Dissertation Zum Variationsstil Max Regers; viele 
Aufsatze in Zeitschriften und Zeitungen. 

Bertram, G e o r g, deutscher Pianist , geb. 
27. April 1882 zu Berlin, Schuler von Ernst 
Jedlicka (Kl.), Hans Pfitzner (Dirig.) u. Phil. 
Rufer (Komp.); seit 1903 Lehrer am Sternschen 
Kons., vortrefflicher Konzertspieler. 

Bertram, Madge, schott. Komponistin, geb. 
8. Nov. 1879 zu Edinburgh, als jungste einer 
neunkopfigen Familie, die ganz aus Musikern 
bestand. Ihr Vater, James B., war ein nam- 
hafter KM. eines Musikkorps in Edinburgh u. 
Konzertagent, u. stammte selbst aus einer 
langen Generationsreihe von Musikern ab. 
Sie studierte Harmonielehre bei Grieve in 
Edinburgh u. Kl. bei Mad. Kruger, einer 
Schulerin von Clara Schumann. Ihre Kom- 
positionsgabe entwickelte sich von selbst. 

VereffentUcht hat sie viele Lieder, Ki.stiicke, u. 
hat einige ihrer Werke zum Gebrauch in lokalen 
Theatern instrumentiert. 

Bertram, T h e o d o r , deutscher Buhnen- 
bariton, geb. 12. Febr. 1869 in Stuttgart, 
Schuler seines Vaters, 1890 am Ulmer Stadt- 
theater, dann in Hamburg, an der Krollschen 
Oper in Berlin, 1893—99 an der Munchner 
Oper; seitdem auf Gastspielreisen, auch in 
Bayreuth, wo eT am 24. Nov 1907 durch Selbst- 
mord endete. Er war mit der dram. Sopranistin 
Fanny Moran-Olden verheiratet (s. d.). Haupt- 
rollen: diegrofienWagnerschenBaB-u, Bariton- 
rollen, Don Giovanni, Almaviva. Er war eine 
Naturbegabung mit glanzvollen Stimmitteln. 
Bertrand, Marcel, franz. Komp., geb. 1883, 
Neffe des fruheren Direktors der Pariser Oper, 
Eugene B. 

Opern: GhWaine (Paris Op^ra comique 1908); Les 
Heures de V Amour (Monte Carlo 1911); La Terre qui 
meurt (Rouen 1914); Sainte Odile (Paris, Opera comique, 
1923). 

Berutti, Arturo, argent.Komp , geb. 27.Marz 
1862 zu San Juan; stud, in Leipzig bei Reinecke 
u. Jadassohn u. ging dann nach Paris u. Mailand, 
um mit der Opernkomposition vertraut zu 



werden. 1896 kehrte er nach Buenos Aires zu- 
rxick, u. seit dieser Zeit zeigen seine Werke den 
EinfluB der Balladen u. Lieder seiner Heimat. 
Vendetta, 3akt. (Vercelli 1892); Evangelina, Mailand 
1893; Tarass fcwZ&a 4akt., Turin 1895; Pampa 1897, 
seine erste Oper mit national. Charakter aufgef. in 
Buenos Aires, mit groBem Erfolg. Ywpanki, 3akt. 
1899, mit einem Stoff aus der Volkssage der Inka; 
Khryse y 4akt., auf eigenen Text, Buenos Aires 1902; 
Horrida Nox, 2akt., 1905; Gli Eroi, 1910. Stiicke f. 
Kl. u. fur V. mit Kl. 

Berutti, Pablo M., argent. Komp., geb. 1887 
in San Juan, stud, in Leizpig bei Jadassohn; 
war Dirig. der argent. Nat. Militar-Schule f. 
Musik, u. ist jetzt Inspektor der Muitarmusik 
u. Leiter eines von ihm gegriindeten Kons. in 
Buenos Aires. 

Oper: Cochabamba 3akt. (gedr. bei Oretti, Buenos 
Aires); Messe; Trauermarsch: Ki.stiicke. 

BerwaEd, Astrid, schwed. Pianistin, geb. 
8. Sept. 1886 in Stockholm; stud. Kl. bei Rich. 
Andersson u. an der Berliner Hochschule bei 
E. v. Dohnanyi u. G. Bertram. Belie bteJKon- 
zertspielerin in Stockholm u. Gothenburg: 
Lehrerin an Andersson's Kl.-Schule in Stock- 
holm. 

Berwald, William Henry, amerik. Komp., 
geb. 26. Dez. 1864 in Schwerin, 1883—87 
Schuler von Rheinberger in Munchen, 1887/88 
von Faifit in Stuttgart; wurde 1889 Direktor 
des Philh. Vereins in Liebau (RuBland) u. kam 
1892 nach Amerika, als Lehrer f. Kompos. u. 
Kl. am Coll. of fine Arts der Univ. zu Syrakus 
(Nachfolger von Goetschius), wo er bis heute 
tatig ist. Er ist ein fruchtbarer Komponist, 
besonders von Anthems, von denen viele sehr 
wirksam sind. 

73 Ki.stiicke; 36 Lieder; 7 Duette; 13 gem. Chore; 
11 Anthems f. FrCh.; 19 f. MCh.; 106 f. gem. Chor; 
10 Kantaten; 2 Sonaten f. V. u. Kl.; 2 Romanzen f. 
Vc. u. Kl.; unveroff. Kl.quintett; Kl.trio, dramat. 
Ouvertiire u, eine zweite Ouvertiire WaUhari. 

Besch, Otto, deutscher Komp. u. M.schrift- 
steller, geb. 14. Febr. 1885 zu Neuhausen bei 
Konigsberg, stud, zuerst Theologie, dann Musik 
bei O. Fie bach in Konigsberg, u. bei Ph. Rufer 
u. E. Humperdinck in Berlin. Er lebt als Komp. , 
Lehrer u. Kritiker in Konigsberg. 

Ouvertiire E. T. A. Hoffmann 1920; Streichquartett 
Mitsommerlied lsatz.; Kl.trio Suite aus Ostpreufien; 
Sonate f. Kl. in 1 Satz (Leuckart). 

Schrieb: Engelbert Humperdinck (1914, Br. & H.) 

Besly, Maurice, engl. Dirig. u. Komp., 
geb, 28. Jan.- 1888 zu Normanby in Yorks., 
stud. 1910—12 am Leipziger Kons. bei Teich- 
muller (Kl.), Schreck u. Krehl (Kompos.) u. bei 
Ernest Ansermet (Dirig.); 1910—12 Organist 
an der engl. Kirche zu Leipzig, 1912—14 
assistent-music-master an Tonbridge School; 
1919, nach dem Kriege, Organist am Queen' s- 
Coll. zu Oxford, 1920 Dirig. des Oxforder Orch.; 
erstes Auftreten in London 1922; 1924 einer der 
Dirig. des sehottischen Orch. Er gab das Queen's 
College Hymn Book heraus. 

Ouvert. u.Buhnenmusikzum^aw/mctttttwn Venedig; 
Orch. Impression Mist in the Valley; Orch.-Suite Chelsea 
China (Boosey); Orch.-Bearbeit. von Bach's Trio in 
C-moll, u. von zwel Choralvorspielen; A Tune with 
Disguises f. V. u. Kl. (Boosey); Nocturne f. V. u. Eli 



H 



Besse— Bie. 



1 id ):Orgel-t)bertr. von Btt&mrisisV&FeueTvogel (Chester); 
Phaedra, Szene f. Sopran u. Orch. (Boosey); The Shep- 
herds heard an Angel f. Sopran, Ch. u. engl. Horn 
(Curwen); 4 Poems f. Ges. u. Kl. (Boosey); Lieder 
(Boosey, Curwen, Enoch); Anthem? u. Motetten (Cur- 
wen, Stainer & Bell). 

BeSS@, Clement, franz. MJorscher, geb. 1870 
zu Paris, gest. 1923; Schiiler von Ch. Planchet; 
Domherr, Grtinder eines Chores der Franzis- 
kanerinnen zu Saint- Germain-en-Laye ; Prof, 
am Institut Catholique. Er schrieb zahlreiche 
Artikel tiber die Wiedergabe des gregorian. 
Gesangs u folgende Werke in Buchform: 

Die Erise der religwsen Zeremonien u. der Kitchen- 
musik (1914); Deutsche Mu ik in Frankreich (1916); 
Verfasser von geistlichen Gesangen, die von Albert 
Alain, Organist des ChoTes, in Musik gesetzt wurden. 

Bessel,Wassili Wassiljewitsch, russ.Ver- 
leger, geb. 25. April 1843 in Petersburg, gest. 
25. April 1907 in Zurich; eroffnete 1869 mit 
seinem Bruder Iwan in Petersburg eine Musi- 
kalienhandlung, 1871 eine Notendruckerei. 
Erschienen sind bei ihm Werke von Tschai- 
kowsky, Anton Rubinstein, Cui, Rimski- 
Korssakow.Mussorgski; auchdieM.zeitschriften 
Das Musikblatt (1872—77) u. die Musikalische 
Rundschau (1885—89). Er schrieb: 

Erinnerungen an Tschaikowsky, 

Bethlehem Bach Choir, The; in Bethlehem, Pa. 
begriindet 1900, 1905—1912 auBer Tatigkeit, 
geleitet von J. Fred Wo lie, der schon 1882 
einen Chorverein gegrundet hatte. Der B. B. C. 
ist ein speziell der Bachpflege dienender Chor, 
der bisher gegen 20 zweitagige Bachfeste ver- 
anstaltet hat, und ein wichtiger Faktor im 
amerikanischen Musikleben. 

Vgl. Walters, The B. B. Ch- (1918). 

BetZ, Franz, deutscher Opernbariton, geb. 
19. Marz 1835 zu Mainz, gest. 11. Aug. 1900 zu 
Berlin, 1859—97 gefeierter Sanger der Berliner 
Hofoper, der erste Hans Sachs (Munchen 1868) 
u. erste Bayreuther Wotan (1876). Seine Frau 
Johanne, geborne Duringer (1837—1906), 
war Koloratursangerin. 

Beuer, (Mertens) Elise, deutsche Sopra- 
nistin, geb. in Karlsbad, ausgebildet von ihrem 
Vater, MD. B., u. in Wien; debut, an der Kroll- 
schen Oper in Berlin, u war seit 1890 in Chem- 
nitz, 1891 in Mainz, 1892—99 in Leipzig tatig; 
seitdem am Hamburger Stadttheater. Haupt- 
rollen: Ortrud, Fricka, Brunnhilde, Leonore. 

Bewerunge, Heinrich, deutsch. Kirchen- 
musiker, geb. 7. Dez. 1862 in Lethmathe (West- 
falen), Schiiler der M.schule in Wurzburg, 1885 
Priester, besuchte noch die Kirchenmusikschule 
in Regensburg; seit 1888 Prof, der Kirchen- 
musik am St, Patrick's College zu Maynooth 
(lrland), 1914 Prof, der M. an der irischen 
Univ. zu Dublin. 1916 als Deutscher abgesetzt, 
zog er nach Koln, kehrte nach Kriegsende aber 
wieder nach lrland zuriick. Mitarbeiter an 
vielen Zeitschr. f. Kirchenmus., Hrsg. von 
funfstimm. Motetten Palestrina's f. MCh.: 1891 
bis 1893 Hrsg. der Lyra Ecclesiastica (Monthly 
Bulletin of the Irish Soc. of St. Cecilia); ttber- 
setzer mehrerer Werke H. Riemann's. 



Die vatikaniscJie Choralausgabe (2 Teile; 1906/07, 
auch engl. u. franz.). 

Bezecny, Emil, MJorscher u. Komp., geb. 
16. Febr 1868 zu Prag; Jurist, stud, Musik bei 
Slavkowsky (Kl.) u. Guido Adler (Kompos., 
M. gesch.) u. ist seit 1896 Lehrer an der Lehre- 
rinnenbildungsanstalt u. am Kons. zu Prag. 

Requiem; Klavierstiicke; Sonate i'. V. u. Kl. C-moll 
op. 3 ^Br. & H.); Lieder. Mitherausgeber von H. Isaak's 
Chorale Constantinum n. Jakob Gallus' Opus musicum 
(DT0). 

Bezk©rowajrayI,Wassyl, ukrain. Komp., geb. 
12. Jan. 1880 in Tarnopol, als Sohn eines 
Organisten, Schuler seines Vaters u. des 
Lemberger Kons. (Soltys, Niewiadomski), 
stud, an der Lemberger Univ. u. ist jetzt 
Gymnasiallehrer fur Mathematik u. Physik 
am Ukrainisch. Gymnasium in Tarnopol; 
daneben Dirigent von Ges angver einen in 
Lemberg, Stanislau u. Tarnopol. 

74 Opera, davon 37 gedruckt: Werke f. gem. Chor; 
Mannerchore ; Lieder ; Ukrainische Rhapsodie i . V. 
u. Kl. op. 16; Kl. sonate op. 23; u. a. 

BiaftiewiCZOWrca, Irena, polnische Sangerin, 
Pianistin u. Komponistin vieler hubscher 
Lieder, geb. 1890; hauptsachlich auf der 
italienischen Opernbuhne tatig. 

Bi&rachi B i an c a (Bertha Schwarz), deutsche 
Koloratursangerin, geb. 28. Jan. 1855 zu 
Heidelberg , Schulerin von Wilczek in Heidel- 
berg u. Frau Viardot-Garcia in Paris, auf 
Kosten B. Pollini's, der sie einige Jahre vor 
seinem Tode (1897) heiratete. Debut. 1873 
in Karlsruhe, sang dann in London, 1876 in 
Mannheim, dann in Karlsruhe, 1880 in Wien. 
Seit 1902 war sie Lehrerin an der Miinchener 
Ak. d. Tonkunst, jetzt am Salzburger Mo- 
zarteum; 1925 Prof. 

BianCQ-LanzE, Maria, ital. Pianistin, geb. 
3. Okt. 1891 in Turin, stud, in Bologna, Rom 
(bei Sgambati), Paris u. Berlin, u. hat in 
Italien u. anderwarts — Berlin, Paris, Bra- 
silien — als Konzertspielerin Erfolge errungen. 

Biarent, Adolphe, belg. Komp., geb. 11. Okt. 
1871 zu Frasnes-lez-Gosselies, gest. 4. Febr. 
1916 zuMont-sur-Marchiennes, stud. Musik in 
Brussel u. Gent, Rompreistrager 1901; Lehrer 
f. Harmonie u. Kontrapunkt an der M.schule 
zu Charleroi. Trotz der Kiirze seiner Lauf bahn 
hat B. eine betrachtliche Anzahl von Werken 
hinterlassen, die in der modernen wallonischen 
Schule einen ehrenvollen Piatz einnehmen. 

Orch.: Conte d'Orient, Suite; Trenmer, sinf. Dieht.: 
Lfyende de V amour et de la mart; Rapsodie waUonne; 
Poeme heroique. Kl.quintett; Sonate f. V.cell. u. Kl.; 
Nocturne f. Gesangstimme, Kl., Harmonium, Harfe, 
Horn; Kl.stiioke; Lieder. 

Bie, Oscar, deutscher Kunstschrifts teller, 
geb. 9. Febr. 1864 zu Breslau, stud, in Breslau, 
Leipzig u. Berlin (Musik bei Phil. Scharwenka), 
1886 Dr. phil., 1890 Priv.-Doz. f. Kunstgesch. 
an der Technischen Hochschule in Berlin , 
Herausgeber der einfluBreichen Neuen Rund- 
schau (S, Fischer), Opernkritiker des Borsen- 
Kurier; einer der geistreichsten u. glanzendsten 
Stilisten in Deutschland. Schriften iiber Musik: 



Biehfe— Bird. 



55 



Das Klavier und seine Meis£er(Munchenl908, Bruck- 
mann, engl. von E. E. Kellett u. E. W. Naylor; J. M. 
Dent & Sons); Intime Musi£(1904. Siegel); Tanzmusik 
(1905 id.); Der Tanz (1906, 2. Aufl. 1920, Bard, Mar- 
quardt & Co.) ; Die moderne Musik und Richard StrauS 
(1906, Siegel); Klavier, Orgel u. Harmonium (1910, 
Teuhner); Die Oper (1913, S. Fischer, mehr. Aufl.) 
Das Ratsel der Musik (Berlin 1922, Diirr & Weber) u. v. a. 

Biehle, Johannes, deutsch. M.forscher, geb. 
18. Juni 1870 zu Bautzen; stud, am Kons. zu 
Dresden , 1898 Kantor in Bautzen , 1916 , 
nach weiteren Studien, Doz. an der Techn. 
Hochschule zu Berlin, 1918 auch an der Ber- 
liner Univ. Er hat eine Reihe Einzelschriften 
besonders iiber Glockenkunde u. Raum- 
akustik herausgegeben. Sein Sohn Herbert 
B., ebenfalls M.forscher, geb. 16. Febr. 1901 
in Dresden, veroffentlichte eine Musikgesch. 
von Bautzen (Kistner- Siegel 1924), eine Bio- 
graphie von Georg Schumann (1925), aucheinige 
Lieder, 

Bienenfeld, Elsa, osterr. Kritikerin, geb. in 
Wien, Schulerin des Kons. der Gesellschaft 
der M.freunde, dann, nach dem Studium 
der Medizin u. Chemie, noch von Guido Adler 
(M.wiss.) u. Arnold Sehonberg (Theorie), 
promov. 1904 mit einer Studie iiber ,, Wolf- 
gang Schmeltzl u. sein Liederbuch (1544) u. 
das Quodlibet des 16. Jahrh."(gedr. Sammelb. 
d. IMG. 1904) u. ist Referentin am Neuen 
Wiener Journal. 

BienstOCk, Heinrich, deutsch. Komp., geb. 
13. JuU 1894 zu Muhlhausen i. ElsaB, gest. 
als Opfer des Krieges 17. Dez. 1918 in Tubingen, 
Schuler von Georg Haeser u. Hans Huber 
in Basel, dann der Dirigentenklasse der Ber- 
liner Hochschule: kurze Zeit Solorepetitor 
am Karlsruher Hoftheater, zuletzt in Munchen 
lebend. Er war ein Komponist von Eigenart 
in Harmonik u. Farbe; eine der Hoffnungen 
der deutschen Musik. 

Opern; Zuleima, lakt., Karlsruhe 1913; Sandro 
der Narr, 3akt,, Stuttgart 1916; Die JBezwnger des 
Lebens, 4akt. Mimodrama, noch unaufgef. (Drei Masken- 
Verlag, Berhn). Seine ungedruckten Werke, darunter 
eine Sinfonle, liegen in der P reuB. Staatsbibl. in Berlin. 

Biemacki, Michael Marjan, poln. Komp. 
u. Theoretiker, geb. 24. Nov. (9. Sept.?) 1855 
in Lublin, Schuler von Roguski u. Zelenski am 
Warschauer Kons., 1880—97 Dirig. des Musik- 
vereins zu Stanislau (Galizien); 1902—05 
Prof. u. Dir. des Warschauer Musikvereins. 
Unter seinen zablreichen Kompos. steht an 
erster Stelie der sinf. Prolog Der heilige Abend; 
ferner: sinf. Polonase; sinf. Dichtung; 3 Kan- 
taten, davon eine inBrussel preisgekront; 2 Mes- 
sen. Seine Lieder, kleinen Instrumental- u. Chor- 
stiicke, zeigen wie die vorhergenannten Werke 
einen wurdigen konservativen Stil. Er gab 
auch einige Biicher iiber Theorie u. M.asthetik 
heraus (Allg. M. theorie, 1922). 

Bifonia, neue tonale Wirkung, durch Teilung 
der Oktave in zwei vollkommen gleiche Teile 
gewonnen; erlautert von D. Alaleona (s. d.) 
in: I moderni Orizzonii delta Tecnica Musicale 
(Turin 1911, Bocca). 



Billi, Vincenzo, ital. Komp., geb. 4, April 
1869 zu Brisighella (Romagna), Schuler seines 
Vaters, stud, erst Flote, dann Kl. u. Kompos. 
Er war Dirig. in verschiedenen Landern — 
Frankreich, Spanien, Holland, England; Komp. 
von Stiicken popularen Charakters, von denen 
besonders das Kl. stuck Campane a sera ein- 
geschlagen hat. 

Operetten: Una gara in famiglia (f. Kinder); La 
Camera oscura (Bom 1921). 

Billroth, Theodor, der beruhmte Wiener Chir. , 
geb. 26. April 1829 zu Bergen auf Rugen, 
gest. 6. Febr. 1894 zu Abbazzia, Freund von 
Brahms. 

Wer ist musikalischt (1896, hrsg. von Ed. Hanslick, 
Berlin, Paetel); Brief e Bilhoth's, hrsg. von Gg. Fischer 
(1895, Hannover, Hahn, mehr. Aufl.). 

Binenbaum, Janko, Komp., geb. 28. Dez. 
1880 zu Adrianopel, Schuler der Munchener 
Akademie (Gluth u. Rheinberger); in Munchen 
wurden auch seine ersten Werke — Lieder, 
Chore, 2 Sinfonien, eine Ouvertiire — aufge- 
fuhrt. Sein erstes Streichquartett wurde 1910 in 
Paris gespielt, das zweite 1911, sein Kl.quintett 
1912: er hat noch eine 3. Sinfonie, ein Ballett 
Die Maske des roten Tods, ein Poeme lyrique 
f. 8 Streichinstr. , ein Poeme intime f. Kl.trio, 
Lieder u. Kl.stiicke geschrieben. — B. steht 
abseits aller modernen Tendenzen, u. zeigt 
in gewisser Hinsicht eher Beruhrungspunkte 
mit den deutschen Klassikern, Seine Musik 
ist kraftig, ernst, oft murrisch u. bundig im 
Charakter u. dabei originell. 

Binyon, Bertram, engl. Tenorist, geb. 1874 
auf Capri, gebildet am Collegio Alfano in 
Neapel, kam 1892 nach England, studierte 
erst Architektur u. Malerei, Gesang bei Walter 
Austin an der Guildhall School of Music 
u. 1897—1900 bei Bouhy in Paris, spater 
1905 noch bei mehreren Lehrern, darunter 
Jean de Reszke in Paris, in England begehrter 
Buhnen- u. Konzerttenor. 

Birbyne s. Litauische Musik. 

Bird, Arthur, amerik. Komp., geb. 23. JuU 
1856 zu Cambridge, Mass., gest. 22. Dez. 1923 
zu Berlin, 1875—77 Schuler von Haupt, 
Loschhorn u. Rohde in Berlin , war nach 
seiner Riickkehr nach Amerika Organist in 
Halifax, N. S., 1881 in Berlin nochmals Kom- 
pos.-Schuler von Urban, 1884/85 bei Liszt 
in Weimar; 1886 wahrend eines Besuchs in 
Amerika Leiter des Musikfestes in Milwaukee; 
seitdem hauptsachlich in Berlin. B. hat eine 
Menge Kompos. aller Art geschrieben , u. wahrend 
der letzten 20 Jahre besonders die Kompos. 
fur Harmonium gepflegt. Eine komische 
Oper Daphne erlebte eine Privatauff. in New 
York 1897: eines seiner 2 Dezimette f. Blaser 
errang 1902 den Paderewskipreis. 

Sinfonie op. 8 (Hainauer 1886); Dritte kleine Suite 
f. Orch. op. 32 (A. P. Schmidt 1892); Eine Karneval- 
Szene f. Orch. op. 6 (Hainauer, 1887); Gavotte f . Streich- 
orch. op. 7 (C. F. Schmidt 1899); KLstiicke (Hainauer, 
1886— 39); 4hdg. Kl.stiicke op. 13. 16, 23 (id. 1886—87); 
Orgelstiicke (Schirmer 1903, 1905); Harmonium- Stucke 
(Berlin, KOppen). 



56 



Birkedal-Barfod— Bittner. 



Birkedal Barfod, Ludwig Harbo Gote, 
dan. Organist, geb. 27. Mai 1850 zu Kopen- 
hagen, stud, am dort. Kgl. Kons. (Kl.: Edm. 
Neupert, Orgel: G. Matthison-Hansen, Cello: 
Rudinger; Kompos.: Gade, J. P. E. Hartmann, 
Gebauer), lebt als Organist an verschiedenen 
Kirchen (seit 1894 an der Marmorkirche) ; 
seit 1905 Theorie- u. Orgellehrer an dem 
nicht mehr bestehenden Kons. von Matth. 
Hansen; Direktor der Kopenhagener Organisten- 
schule. 

(Jnterrichtssachen f. Kl. 

Birkigf , Hugo, d eutscher Violinist, geb . 
17. Juli 1885 zu Niederbronn im ElsaB, Sohn 
von Otto B., Flotist des Strafl burger stadt. 
Orch. u. Lehrer am Kons.; Schuler erst von 
Heinrich Schuster in StraBburg, seit 1903 von 
Joachim, Halir, Hirschberg u. van Eyken an 
der Berliner Hochschule, 1907 — 09 Bratschist 
im neugegriindeten Marteau-Becker- Quartett, 
1910 — 12 Lehrer am Ochs'schen Kons. in 
Charlottenburg, 1911 Konzertmeister an der 
Kurfurstenoper in Charlottenburg, 1912 am 
Mannheimer National theater u. Lehrer an 
der M.HochschuIe, seit Sept. 1920 an der 
Miinchener Staatsoper; seit 1922 Fiihrer eines 
Streichquartetts. 

Birmingham and Midland Institute School of 
Music ; gegriindet 1854 , in welchem Jahr 
Singklassen geschaffen wurden, die man 1861 
eingehen liefi, aber 1863 wieder einrichtete. 
1886 gab man der Schule einen Ehrendirektor, 
1900 einen Studiendirektor: Granville Ban- 
tock, der das Amt noch heute versieht. Zur 
Zeit hat das Institut eine Schulerzahl von 
1600, es werden Zeugnisse fur Zoglingschaft 
u. Ausiibung ausgestellt. 

Birmingham Triennial Festival. Die Feste in 
B., 1768 eroffnet, haben im M.leben B.s eine 
groBe Rolle gespielt. Werke wie Mendelssohn's 
Elias, Gounod's Mors et Vita, Dvorak's Stabat 
Mater, Elgar's Gerontius, Bantock's Omar 
Khayyam u. a. erfuhren hier ihre erste Auf- 
fuhrung. Die Reihe der Dirig. umfaJBt Crotch, 
Costa, Richter u. Wood. Seit dem Krieg 
haben diese dreijahrig wiederkehrenden Feste 
ausgesetzt. 

Birnbaum, Zdzislaw, poln.Violinistu. Dirig., 
geb. 1880 in Warschau, gest. durch Ungliicks- 
fall in der Nahe Berlins 1921, Schuler von 
Eugene Ysaye: wirkte viele Jahre in Paris 
in der Kammeroperette von Claude Terrasse, 
dann in Berhn u. die letzten 10 Jahre in 
Warschau als Dirig. des Philh. Orch. 

BlSChOff, Hans, deutscher Klavierpadagoge 
u. Hrsg., geb. 17. Febr. 1852 in Berlin, gest. 
12. Juni 1889 zu Niederschonhausen. Schuler 
von Th. Kullak u. R. Wuerst, stud. 1868—72 
zu Berlin Philos. u. neuere Sprachen, Dr. phil. 
1873; 1872 Lehrer f. Klavierspiel (1879 auch 
fur Methodik) an Kullak's Akademie, spater 
am Sternschen Kons. Feiner Kammermusik- 



spieler: mit Hellmich Leiter der Montags- 
konzerte der Berliner Singakademie. 

Hrsg. Ad. Kullak's Asthetik des Klavierspiels, 2. u. 
3. Aufl. 1876 u. 1890; Auswahl Handelscher Kl .werke 
(Steingraber); Bach's Kl.werke (id., wohl die be-ste 
Ausgabe); Kl.werke Schumann's u. Chopin's (mit Kullak). 

Schriften: Vber die altere jranz. Klavierschvle; fiber 
J. Kuhnaus Vorstellungen einiger Bibl. Historien (1877); 
Zur Erinnerung an Th, KuUah (1883). 

Vgl. Olga Stieglitz, H. B. (1889). 

Bischoff, Hermann, deutscher Kemp., geb. 
7. Jan. 1868 in Duisburg a. Rh., Schuler des 
Leipziger Kons. (Jadassohn), Jugendgenosse 
von Rich. StrauB, dem er starke Anregungen 
verdankt; doch hat auch das sinfonische Ideal 
Bruckner's auf ihn gewirkt. B. lebte viele Jahre 
nur der Komposition in St. Georgen bei Diessen 
a. Ammersee, seit einigen Jabren in Munchen, 

Oewittersegen (nach Dehmel) f. Orch. u. Solo; sinf. 
Dichtung pan\ 2 Sinfonien op. 16 E-dur u. D-moll 
(beide Leuckart). Buch: Das deutsche Lied, 1905 (Siegel). 

BiSgaard, Astri Udnaes, Opern-Mezzo-So- 
pranistin, norweg. Abkunft, geb. 22. Jan. 1891 
zu Bellingham, Wash., stud, bei Ellen Gul- 
bransonu. Mimi Hviid in Christiania, u. Valdis 
Zerener in Munchen. Debtitierte 1917 in 
Christiania als Konzertsangerin u. gehorte 
der kom. Oper in Christiania wahrend der 
ganzen Zeit ihres Bestehens (1918—21) an, 
Hauptrollen; EUsabeth, Tosca. 

Bispham, David Scull, anaerik, Opern- 
u. Konzertbariton, geb. 5. Jan. 1857 zu Phila- 
delphia, Pa., gest. 2. Okt. 1921 zu New York, 
1886 Schuler von Vannuccini u. Hall in Mai- 
land, 1887—90 von Shakespeare u. Randegger 
in London. Seit 1891 Opernsanger auf Lon- 
doner Buhnen u. a. an der Metropolitan Opera 
in New York, seit 1909 hauptsachlich Konzert- 
sanger u. Melodramsprecher. Sein Rollen- 
gebiet umfaBte 50 Partien, vor allem Alberich 
u. Beckmesser, Mefistofele, Falstaff, Jago. 

Autobiographle A Quaker Singer's Recollections 
(New York 1920, Macmillan). 

Bittner, Julius, osterr. Komp.,geb. 9. April 
1874 zu Wien, Schuler von Josef Labor, 
weitergefordert im Verkehr mit Bruno Walter; 
lange Jahre (bis 1920) als Richter in Wien 
tatig , 1918 Mitglied des Kuratoriums der 
Wiener Ak. der Tonkunst; kurze Zeit auch 
Redakteur des ,,Merker". Seine Opern sind 
zugleich popular im guten Sinne u. nicht 
ohne Originalitat. Er hat die siiddeutsche 
Volksoper wie sie etwa Kienzl in seinem Evan- 
gelimann geschaffen hat, durch Vermeidung 
iibergroBer Sentimentalitat, Verfeinerung der 
Tonsprache u. starkere dramatische Kraft 
auf ein hoheres Niveau gehoben. Sein bestes 
Werk, Das hollisch Gold, kommt dem Ideal 
einer Volksoper nahe; im ubrigen ist seine 
Produktion von sehr ungleichem Wert. 

Lieder; ChSre; 3 MChbre mit Orch. (Un.-Ed.); 
Tanze aus Osterreich f. KJ. zu 2 u. 4 Hden,; 2 Streich- 
quartette A-dur u. Es-dur (Un.-Ed.); Sonate f. Vc. 
u. El.; sini. Dicht. Vaterland; Sinfonie F-moll; Ges. 
mit Orch. 

Opern: Hermann', Alarich (MS.); Die rote Gret (Frank- 
furt 1907); Der Musikant (Wien 1910); Der Bergsee 



Bizzozero— Blech. 



57 



(Wien 1911); Der Abenteurer (Eoln 1912); Das hollisch 
Gold (Dresden 1916); das Mimodram Die Todestarantella 
(Zurich 1920); Die Kohlkaymerin (Wien 1921); Das 
Eosengdrtlein (Mannheim 1923) — alles auf eigene Texte; 
auch ein Tanzspiel Der Markt der Liebe (Wien 1909) ; die 
Operette Die silberne Tanzerin (Wien 1924), die Schau- 
spielgroteske Die unsterbliche Eanzlei (Wien 1918) u. ein 
Wiener Yolksstiick mit Musik Der liebe Augustin. 

Vgl. R. Specht: J. B. Eine Studie (1921, Drei 
Masken-Verlag Munchen). 

Bizzozero, Julieta, Uruguay. Pianistin, geb. 
zu Montevideo, wo sie am Kons. La Lira 
studierte; nach erfolgreicher Konzerttatigkeit 
grundete sie 1916 das Kons. Chopin zu Monte- 
video; 1920 eine Wagnergesellschaft, die im 
M.leben von Uruguay ihre geachtete Rolle 
spielt; eine Spielerin von hoher Kunstlerschaft. 

E!ack, Andrew, schott. Barit., geb. 15. Jan. 
1859 zu Glasgow, gest. im Nov. 1920 in Austra- 
lien; stud, bei Randegger u. in Mailand, sang 
1887 in den Crystal Palace Concerts; beim 
Leeds-Fest 1892 u. seitdem an vielen anderen 
engl. Festen. Bereiste Australien, wo er sich 
um 1913 niederliefi. 

BEaesing, Felix, deutscher Komp., geb. 
8. Mai 1858 zu Filehne, Schuler von Hans 
Bischoff (Kl.) u. Woldemar Bargiel (Kompos.); 
1883—88 Dirig. des Stadt. Gesangvereins in 
Eupen (Rhld.), widmete sich danach dem 
Gesangsstudium bei Ferd. Sieber, Ernst Wolf 
u. Stockhausen; 1907 Kgl. MD. Er lebt in 
Berlin-Lichterfelde als Lehrer f. Gesang u. 
Kompos. 

Gedruckt: Lieder; Duette f. S. u. Bar.; Quartette 
f. gem. Ch. u. MCh.; Kl.stiicke (darunter 2 Studien 
f. die linke Hand allein, u. 3 Tanzkapricen zu 4 Handen). 
MS.: Streichquartett F-dur; Geistl. Kantate f. Ch. u. 
Orch.; Variationen uoer Mozart's BrMer reicht die 
Hand zum Bunde f. Orch.; zahlreiehe Lieder u. Kl.- 
stiicke. 

Blaha-Mikes, Zaboj, tschech. Komp., geb. 
1887 zu Prag, Schuler von V. Novak, A. Mikes 
u. F. Spilka; hauptsachlich Vokalkomponist. 

Lieder-Zyklen: Notturna, Howry se smrti (Ztvie- 
sprach mit dem Tod); MUostnd v pisn& (LUbeslieder); 
Veseld Idska (Beitere Xdebe); Pisen Salomonota (Gesang 
Salomons) f . FrCh. u. Orch. ; 3 Melodramen nach Tagore 
mit Kammerorch.; Nocturnes u. Visions f. Kl. 

Blanch, Pedro, span. Dirig., lebt u. wirkt 
in Lissabon, wo er auch Lehrer am Kons. ist. 

Blanchef, Elmile R., schweiz. Pianist u. 
Komp., geb. 17. Juli 1877 zu Lausanne, Sohn 
des namhaften Organisten u. Moscheles- 
Schiilers Charles B. (1833—1900), stud. Kl. 
bei Isidor SeiB am Kons. in Koln u. bei Busoni 
in Weimar u. Berlin; Komposition bei seinem 
Vater, Ewald Straesser u. Franke in Koln. 
Er siedelte nach Lausanne uber, war 3 Jahre 
lang Direktor des dortigen Kons., dem er seit- 
dem als Lehrer angehort, u. ist einer der hervor- 
ragendsten schweiz. Pianisten von heute; ebenso 
ein Komp. von grofier Ursprunglichkeit. 
Seine Stucke, die meisten fur Kl., erinnern 
an Chopin u. weisen eine raffinierte Har- 
monik u. eine auBerordentlich reiche Farben- 
skala auf. 

Erates Konzertstilck f. Kl. u. Orch. (R6zsavolgyi); 
Prelude; Polonaise B-moll (Rozsavolgyi); 5 Btiiden 



(Br.&H.); Temacon Variationi; Serenade (B6zsav61gyi) ; 
Ettide de Concert (id.); Polonaise Cis-moll (Schott); 
14 Praludien (Fcetisch); Scherzo (id.) u. andere Kl.- 
stiicke (Pticordi). 

Blanco, Pedro, span. Komp., stud, am Ma- 
drider Kons., siedelte nach Oporto (Portugal) 
uber, wo er 1920 starb. 

Orch.: Anoranzas; Kl.suiten: Hispania; Galanias 
(Imdgenes de Espafia); Eeures romantiques (Impressions 
intimes); Dos mazurkas del amor y del dolor; Lieder mit 
span. u. portug. Text; V. u. Kl.stiicke (verSffentlicht 
bei E, da Fonseca, Oporto). 

Blanco Recio, Jose Ramon, span. Komp.' 
geb. 13. Sept. 1886 zu Burgos. Obwohl er 
seit fruhester Jugend Musik ubte, nahm er 
sie doch erst 1919 als Beruf auf, als er mit 
seiner sinf. Dichtung £gloga (nach einem 
baskischen Vorwurf) seine Kompositionsgabe 
entdeckte. AuBer diesem in Madrid sofort 
aufgef. Werk hat er geschrieben; 

Cinco Miniaturas f. Orch. (1921); Tanzdichtung 
Faunalia; Oracidn y Mareha f&nebres f. Streichorch. 
u. Pauken; Fantasia apasionada f. Kl. u. V.cell.; span. 
Lieder u. Kinderlieder ; Kl.stiicke (Verlag Uni6n Musical 
Espanola, Madrid; Leduc, Paris). 

Blarantberg, Paul Ivanowitsch, russ. 
Komp., geb. 26. Sept. 1841 zu Orenburg, gest. 
28. Febr. 1907 zu Nizza. Erhielt Unterricht 
von Balakirew, war aber hauptsachlich Auto- 
didakt; 1883—98 Theorielehrer an der Mos- 
kauer Philh. Schule. 

Mehrere Opern; Orch. (Sinfonietta C-moll; Scherzo; 
beide bei Bessel) u. Chormusik; viele Lieder, deren 
Mehrzahl von leichterem Gehalt sind. 

Blauwaert, Emile, belg. Baritonist, geb. 
13. Juni 1845 zu St. Nicolas in Ostflandern, 
gest. 2. Febr. 1891 zu Brussel, Schuler des 
Briisseler Cons. , erst Orchesterspieler im 
Theatre Flamand, widmete sich aber bald 
ganzlich dem Gesang, bei dem er sich stets 
vom reinsten Geschmack u. der groBten Ehr- 
furcht vor dem Geiste des Schopfers leiten 
lieB. Seit 1877 war er Gesangslehrer an den 
M.schulen zu Brugge, Antwerpen u. Mons. 
Seit 1880 bereiste er als Konzertsanger Holland, 
Frankreich, Deutschland, Osterreich, Rutland, 
England, ging aber schliefllich zur Oper uber 
u. zeichnete sich besonders als Wagnersanger 
aus (Telramund in Paris 1887, Gurnemanz 
in Bayreuth). Seine Stimme hatte einen aufier- 
ordenthchen Umfang. 

Blech, Leo, deutscher Dirig. u. Komp., geb. 
21. April 1871 zu Aachen, war ursprunglich 
Kaufmann, stud, dann Musik bei Bargiel u. 
Rudorff in Berlin, wirkte zunachst 1892—98 
wahrend der Wintermonate als KM. am 
Stadttheater zu Aachen (Erstlingsopern Aglaja 
1893 u. Cherubina 1894) u. setzte im Sommer 
vier Jahre lang bei Humperdinck seine Studien 
fort. 1899—1906 war er 1. KM. am Deutschen 
Landestheater in Prag, 1906—23 an der Ber- 
liner Staatsoper .(1913 Generalmusikdirektor), 
1923 kurze Zeit kiinstlerischer Direktor am 
Deutschen Opernhaus, 1924 ebenso kurz Dirig. 
an der GroBen Volksoper in Berlin. Seit 1925 



58 



Blessinger— Bloch. 



ist er Leiter der Wiener Volksoper. B. 1st 
ein Operndirigent von Feinsinn u. Tempera- 
ment; als Komponist in der Sauberkeit der 
Arbeit u. der Neigung zur Volkstumlichkeit 
ein Schuler und Nachfolger Humperdinck's. 
Lieder op, 19, 21, 24; Kinderlieder; Kl.stiicke; 3 sinf. 
Dichtungen: Die Nonne, Trost in der Natur, Wald- 
wanderung; Von den Englein, FrCh. mit Orch.; Sonimer- 
naeht, Chor mit Orch. Opern: Das war ich, lakt., 
Dresden 1902; Aschenbrodel, 3akt., Prag 1905; Ver- 
siegelt, lakt., Hamburg 1908; Alpenkonig u. Menschen- 
feind- (nach Baimund), 3akt., Dresden 1903, umgearbeitet 
als Rappelkopf t 1918; Operette: Die Strohwitwe, Ham- 
burg 1920. 

Blessinger, Karl, deutscher M.forscher u. 
Komp., geb. 21. Sept. 1888 in Ulm, Schuler 
Wolfram's in Heidelberg u. der Ak. der Ton- 
kunst sowie der Univ. in Munchen, 1913 
Dr. phil., seit 1910 erst Theaterkm. in Bremen, 
Coblenz, Bonn, seit 1920 Lehrer an der 
Munchener Ak. der Tonkunst. 

Orch.-Werke, Kammermusik, Lieder. 

Studien zur Ulmer M.gesch., insbesondre uber Leben 
u. Werlce S. A. Scherers (1913); Die musihaluchen 
Problems der Gegenwart u. ihre Losung (Augsburg 1920, 
Filser); Die Vberwindung der musikalischen Impotenz 
(id. 1920, Erwiderung auf Pfitzner's Pamphlet). 

Bisyfe, Karl, deutscher Komp., geb. 7. Mai 
1880 zu Feldkirch im Yorarlberg, 1894—97 
Privatschuler von Hugo Wehrle u. Sam. de 
Lange in Stuttgart, 1897—99 Schuler des 
Stuttgarter Kons. (E. Singer, de Lange); 
1904—07 noch bei L. Thuille in Munchen, 
wo er langere Zeit lebte; nach dem Kriege in 
Cannstadt, seit 1923 in Stuttgart. Als Komp. 
ist B. ein Musiker von unbeirrbarer Gesundheit 
u. suddeutscher Frische, aller Experimentier- 
sucht ziemlich abgeneigt. 

An den Mistral (Nietzsche) f. MCh. u. Orch. op. 2; 
MChore op. 4, 7 u.39 (Kistner); Sinfonie F-dur, einsatz. 
op. 6 (Kistner); Lernt lacJien (Nietzsche) f. Soli, Choi u. 
Orch. op. 8; Flagellantenzug f. Orch. op. 9 (Kistner); 
Violinkonzert C-dur op. 10 (Br. & H.); Mignons Bei- 
setzung f. Ch., Knabenstimmen u. Orch. op, 11 ; Kl.stiicke 
op. 12, 18, 24, 33 ; Heilige Sendung f . Soli, Ch. u. Orch. 
op. 13; Lieder op. 14, 26 (Nietzsche-Lie der, Br. & H.), 
29 (id.), 30 (id.), 34 ; Gnomentanz t. Orch. op. 16 (Kistner) ; 
Die Hollenfahrt Christi (Goethe) f. Bar., MCh. u. Orch. 
op. 17; Chorus mysticus (Goethe) f. gem. Chor, Harm, 
u. KL op. 19; Ein Harfenklang f. Altsolo, MCh. u. Orch. 
op .20; Siegesouvertiire (1913) op. 21 (Br. & H.); 4 Duette 
op. 22; Ouv. nach Goethe's Reinecke J-'uchs op. 23 
(Br. & H.); Prometheus f. MCh. u. Orch. op. 25 (Kistner); 
Trilogie der Leidenschaft (Goethe) f. Deklamation, 
MCh. u. Orch. op. 27 (Kistner); Legende f. groB. Orch. 
op. 28 (Br. & H.) Der Taucher (nach Schiller) f. gr. 
Orch. u. Vierteltonharmonium op. 31; Requiem (Hebbel) 
f. MCh., Frauenstimmen ad lib. u. Orch. (Kistner); 
Streichquartett op. 37; Sonate i. V. u. Kl. op. 38 (Br. & 
H.), Heitere Oper: Hannesle und Sannele — Der TTonh- 
zeiUr, op. 36, Text nach Otto Ludwig von Bl. selbst 
(Stuttgart 1923); Der Teufelssteg op. 35 (1917, Bostock 
1924). 

Blin, Rene, frz. Komp. u. Org., geb. 13. Nov. 
1884 zu Somsois (Marne), Schuler der Schola 
Cantorum, seit 1911 Organist an St. Elisabeth 
zu Paris, Konzertorganist u. Komponist klassi- 
zistischer Tendenz. 

En Champagne, Suite f. Orch.; Symphonie brlve C- 
moll; Sinfonie B-dur i. Org.; viele andre Orgelstucke 
(meist bei Pitault); Kl.stiicke; Motetten u. a. Kirchen- 
werke; Lieder; in Vorbereitung : eine 2akt. Oper L'Orgie 
u. eine Operette. 



Blinder, Naum Samoilowitsch, russischer 
Geiger, geb. 18. Juni 1889 zu Eupatoria, 
Krim. 1910 Schuler von Brodsky, jetzt 
V.-lehrer am Moskauer Kons. 

BlfSS, Arthur, engl. Komp., geb. 2. Aug, 
1891 zu Barnes, London, erzogen im Pembroke 
Coll. zu Cambridge, stud. Musik in Cambridge 
bei Dr. Charles Wood u. am R.C.M, zu London 
bei Sir Charles Stanford u. Dr. R. Vaughan 
Williams; 1914—18 im Kriegsdienst, 1921—22 
Lehrer am R.C.M. ; 1920—23, vor seiner Ab- 
wanderung nach Amerika, einer der bedeu- 
tendsten Musiker Londons. tJber den Wert 
seiner Orchester- und Kammermusikwerke 
schwankt die Meinung, obwohl sie alle 
Stellen von unleugbarem Reiz aufweisen; 
sein Stil ist entschieden modern u. verdankt 
viel der franz. Gruppe, die einst unter dem 
Namen der ,,Sechs" bekannt war, namentlich 
Honegger. Seine Musik verrat eine heitere, 
humoristische und gelegentlich ironische 
Geistesart. 

Madam Noy, f. Singst. u. 6 Instr. : Fl., Klar., Fag., 
Va., Kb., Harfe (Chester); Rhapsody I. S. u. T., Fl. 
Engl. Horn, Streichquartett u. Kb., mit dem Carnegie- 
Preis gekront (Stainer & Bell); Rout, f. Sopr. u. Kammer- 
orch., u. a. 1922 in Salzburg aufgef. (Goodwin & Tabb.); 
Two Nursery Rhymes, Sopr., Klar. u. Kl. (Chester); 
Conversations, f. V., Va., Cello, Fl. (BaGfL), Ob. (engl. 
Horn) (Goodwin); MSlie Fantasque f, Orch. (id.); Three 
Romantic Songs (id.); Farben(Co?oitr-)Sinfonie; Zwei 
Studien i. gr. Orch. (ms.); Concerto f. Tenor, Klavier 
mit Begleitung von Streichernu, Schlagzeug; Concertino 
f. Oboe n. kl.Orch. Vgl. Percy A. Scholes, A. B. (F. & B. 
Goodwin). 

BlCCh, Ernest, Komp., geh. 24. Juli 
1880 zu Genf, Sohn eines jiid. Kaufmanns, 
zwischenl894u. 97 Schuler von Jaques-Dalcroze 
(Solfeggio) u. Louis Rey (V.), 1897—99 des 
Brusseler Cons. , wo er V. bei Ysaye u. Kompos. 
bei F. Rasse studierte; bis 1900 noch des 
Hochschen Kons. in Frankfurt bei Iwan 
Knorr, endlich noch kurze Zeit Thuille 's in 
Munchen. Er kam dann nach Paris u. kehrte 
1904 nach Genf zuriick, wurde Buchhandler 
im Laden seiner Mutter u. verwandte seine 
sparlichen MuBestunden auf das Komponieren. 

Dank dem Interesse von Madame Breval 
ward seine Oper Macbeth, die er mit 23 Jahren 
geschrieben hatte, am 30. Nov. 1910 an der 
Opera Comique in Paris herausgebracht. Sie 
erregte viel Widerstand u. einige Teilnahme; 
man erklarte den Komp. fur einen Revolu- 
tionar. 1909/10 leitete er Orchester- Konzerte 
in Neuchatel u. Lausanne , 1910 iuhrte er 
seine Cis-moll Sinfonie (entstanden 1901—03) 
auf, die Romain Rolland warm begriiBte. 
Von 1911 — 15 lehrte er Kompos. u. Asthetik 
am Genfer Kons. 1915 kam er, als Begleiter 
der Tanzerin Maud Allan nach Amerika u. 
siedelte 1917 als Lehrer an der David Mannes- 
M.schule nach New York uber; 1920 wurde 
er als Lehrer des neu begrtindeten Cleveland 
Institute of Music nach Cleveland berufen, 
eine Stellung, die er 1925 auf gab. 



Bloch— Blome. 



59 



Zu seinen, fruheren Werken gehorten 2 sinf. 
Dichtungen: Vivre et Aimer (1900) u. Printemps- 
Hiver (1905); neben diesen schrieb er mehrere 
Psalmen f. Ges. mit Orch. Naeh seiner eignen 
Behauptung erreichte sein Schaffen eine neue 
Stule mit seinen Trois Poemes Juifs f. Orch., 
1913; erste Auff. Boston 1916. Von hier ab 
gewannen seine Werke in Amerika immer 
wachsenden Boden: 1916 fuhrte er in New 
York seine 2. Sinfonie: Israel (beg. 1914) u. 
Schelomo: a Hebrew PJiapso&y f. Vc. u. Orch. 
vor; im gleichen Jahr noch sein Streich- 
quartett (Flonzaley Quart.); 1919 inPittsfield 
seine Suite f. Va. u. Kl., die den Coolidge- 
Preis gewonnen hatte (das Arrangement f. Va. 
u. Orch. New York 1920). 

Unter den vielen Komp. moderner Richtung 
behauptet Bl. seinen eigensten Platz. Bei 
ausgesprochener Absicht, judische Musik zu 
machen, greift er nicht etwa auf wirkliche 
orientalische oder hebr. Themen zuriick, 
sondern sucht aus sich den Charakter u. den 
Geist seiner Rasse zu gestalten. Ein dunkler, 
triiber Ton durchstromt viele seiner Werke. 
Er arbeitet stark polychromatisch, ist oft 
barbarisch, wider haarig u. selbst mifitonig, 
entfaltet aber auch viel Temperament u. 
tragisches Pathos, mit einer durchaus ihm 
eigenen fantastischen Logik. Als Lehrer 
fordert Bl. von seinen Schulern ein liebevolles 
Studium der Meister der Polyphonie des 
16. Jahrhunderts. 

Oper: Macbeth (EX-A. bei Enoch); Printemps- 
Eiver, sinf. Dichtung (1918); Trois Poemes Juifs f. 
Orch. (1918); Schelomo: Hebrew Rhapsody f. Vc. u. 
Orch. (1918); Streichquartett G-dur (1919, Tln.-Ed.); 
Suite f. V. u. EX (1920); Poemes d'Automne f. Ges. 
u. Kl. (1918); Sonate f. V. u. Kl. (1921, Schirmer; 
Un.-Bd.); Psalm CXIV u. CXXXVII f. Sopr. u. Orch. 
(1921); Psalm XXII f. Bariton u. Orch. (1921); alles bei 
Schirmer erschienen ; Sinfonie Cls-moll (Leuckart) ; 
Concerto grosso f. Streicher u. Kl. (1924/25). Vgl. 
G. M. Gatti, E. B. (Mus. Quarterly 1921); Rosenfeld, 
Musical Portraits (Kegan Paul). 

BlOCh, Josef, ungar. Padagoge u. Komp., 
geb. 5. Jan. 1862 in Budapest, gest. 6. Mai 1922 
daselbst, Schuler von Al. Gobby, Karl Huber 
u. Rob. Volkmann in Budapest u. am Pariser 
Cons, von Ch. Dancla; war 6 Jahre Mitghed 
des Hubay -Popper- Quartetts u. 1889 V.lehrer 
an der ungax. Landes-M.akademie, 1890 — 1900 
am National-Kons. zu Budapest. Seit 1908 
war er Letter einer Klasse zur Ausbildung von 
V.lehrern an der Kgl. Ungar. M.akademie. 

Ungar. Ouverture op. 20; Ouverture solenneUe op. 57; 
TJngar. Bhapsodie op. 31; 2 Orch.suiten; 2 groBe Suiten 
f. Streichorch. op. 6 u. 10; V.konzert op. 64; Streich- 
quartett; Stiicke (op. 7, 8, 12) u. Etiiden (op. 4, 11, 15) 
f. V.; eine V.schule in 5 Teilen (1904). 

Blockx, Jean (gewohnlich Jan B. genannt), 
belg. Komp., geb. 25. Jan. 1851 zu Ant- 
werpen, gest. daselbst 26. Mai 1912, Sohn 
eines einfachen Tapeziers, mit 13 Jahren 
Waise, verlebte eine sehr harte Jugend, erlernte 
Musik in der Schule u. als Kirchen-Chorsanger 
u, muBte seine Angehorigen durch Unterrichten 



erhalten, Spater trat er in die Antwerpener 
M.schule u. wurde Schuler des damal. Direktors, 
Benoit. 1876 gab er ein Konzert mit eigenen 
Kompositionen, errang fur einige populare 
Gesange u. Ouverturen Preise; 1879 ging er 
nach Leipzig u. stud, am Kons. Komposition 
bei Reinecke. 1886 wurde er als Lehrer an 
der Antwerpener M.schule angestellt u. wurde 
Direktor des Cercle Artistique ; 1901 f olgte 
er Benoit als Direktor der Anstalt. Nie hat 
Bl. eine offizielle Auszeichnung erhalten, auch 
nie sich um den Rompreis beworben. Er 
war Mitglied der belg. Akademie. 

B. gehort unmittelbar der von Benoit be- 
grundeten Antwerpener Schule an, die sich 
aus den sogenannten , ,nationalen" Schulen 
entwickelte, den Geist der Rasse zu gestalten 
u. ihre Inspiration aus der Volksmusik zu 
ziehen suchte. Seine Sendung war, Benoit's 
volkstumlichen Stil auf die Buhne zu ver- 
pflanzen. Benoit war mehr episch, aristo- 
kratiseh, Bl. mehr ein Realist. Benoit er- 
innert an Jordaens, Bl. an Rubens. Bis heute 
ist er der volkstumlichste belgische Opern- 
musiker; sein Stil ist, ahnlich dem Benoit 's, 
summarisch, seine Harmonik unausgebildet, 
seine Polyphonie locker. Aber diese Schwachen 
werden aufgewogen durch einen scharfen 
Instinkt fur die Forderungen der Buhne , 
durch die einschneidende u. schlagende Kraft 
mit der er eine dramatische Situation betont. 
Unvergleichlich' ist er in lebhaften Volks- 
szenen (Kermesses u. dgl.), die sein Haupt- 
textdichter, der vlaem. Dichter Nestor de Tiere, 
ihm mit grofiem Geschick einrichtete. 

Btihnenwerke: Jets vergeten, kom. Oper (Antwerpen 
1876); MilenJca, Ballett (Briissel 1888); Mattre Martin, 
Op. (Briissel 1892); Saint-Nicolas, Pantomime (Briissel 
1894); Herbergprinses, lyr. Drama (Antw. 1896, franz. 
Pass. Briissel 1898); TJiyl UUenspiegel, lyr. Drama 
(Briissel 1910, vollstand. neue, von P. Gilson vollendete 
Fassung Briissel 1920); De Bruid der Zee, lyr. Drama 
(Antw. 1901); De Kapel, lyr. Episode (Antw. 1903); Bal- 
die, lyr. Drama (Antw. 1908, neue Fassung mit dem 
Titel Liefdelied Antw. 1912). Von diesen Werken 
sind die beliebtesten Herbergprinses n. De Bruid der 
Zee, mit denen Baldie eine Trilogie bildet: vlam. Stadt, 
Kiiste, Land. — Kantaten: Klokke Roeland; Bet Vader- 
land; Scheldezang \ Feest in den Lande; Jubelgalm; 
Een droom van't paradijs; ein Oratorium; Kirchen- 
musik; gem. ChOre a cappella u. Solostiicke. — Orch.; 
Rubens- Ouverture ; Konzert-Ouverture; Kermisdag ; 
eine dreiteilige sinf. Dichtung; Flemish Dances ; Sin- 
fonie D-dur; Sinf. Tryptichon; Suite im alten Stil. — 
Kl.-Quintett G-dur (Heugel), Albumblatt u. Humoreske 
f. Streichquartett; Trio; Printemps t Suite f. V. u. Kl. 
(Heugel); Lieder, von denen Ons Vaderland volks- 
tumlich geworden ist. 

Vgl. L. Solvay, Notice sur J. B. (1920). 

Blom, Eric, engl. Musikschriftsteller, geb. 
20. Aug. 1888, Verfasser der Programm- 
Analysen fur die Konzerte des Queen's Hall 
Orch. 

Blom6, Olga, schwed. Opernsopran, geb. 
in Stockholm, von ihrem 15. Jahr an am 
dort. Kons. gebildet; deb. als Elsa am Kgl. 
Theater, stud, dann noch in Berlin u. erhielt 
1913 ihr erstes Engagement in Cottfous. 1914 



60 



Blon— Bodansky. 



an der Charlottenburger Oper, 1915 am Berner 
Stadttheater, 1916—18 am Baseler Stadt- 
theater, ist sie seit 1918 hochdramat. Sopran 
an der Stuttgarter Oper, seit 1924 aueh Sangerin 
bei den Bayreuther Festspielen. 

BIOR, Franz von, deutscher Komp. , geb, 
16. Juli 1861 zu Berlin, Schuler des Sternschen 
Kons. u. der Hochschule f. M., Konzertmeister 
am Hamburger Stadttheater, 1898 Dirig. des 
Berliner Philh. Blas-Orch,, 1901 auch des 
Berliner Tonkiins tier- Orch. , 1906 der Phil- 
hannonie in Warschau, Komponist leicht- 
wiegender Musik. 

Ouverttiren ; Suiten f . Orch. ; Kl.stiicke ; Lieder ; 
erne Keihe von Operetten. 

Bioomfield-Zeisler, Fanny, osterr.Pianistin, 
geb. 16. Juli 1863 zu Bielitz, von wo ihre 
Eltern 1868 nach Chicago iibersiedelten, dort 
Schulerin von Ziehn u. Wolfsohn, 1878—83 
von Leschitizky in Wien; 1885 verheiratet 
mit dem Rechtsanwalt Sigism. Zeisler. 1893 
kam sie z. e. M. nach Europa; in den letzten 
Jahren hat Krankheit sie von der Konzert- 
tatigkeit abgehalten. 

Bliimel, Alfons, ostr. Komp., geb. 13. Sept. 
1884 in Wien, Schuler Herm. Gradener's, 
lebt in Wien. 

Dafnis-Lieder nach Arno Holz (Un.-Ed.), andere 
Lieder, Kammermusik, , Orch.-Werke; Oper: Die 
Heilige. 

Blumml, Emil Karl, osterr. Schriftsteller, 
geb. 25. Okt. 1881 zu Wahring, gest. 26. April 
1925 in Wien, hat zahlreiche wertvolle Werke 
u. Aufsatze iiber das deutsche Volkslied u. zur 
lokalen Wiener Musikforschung herausgegeben. 
Die Volksliedbewegung in Osterreich (1910); Lieder 
und Reirw in fliegenden Blattern (1911); Aus Mozarts 
Freundes- w. Familienkreis (Wien 1923, Strache). 

Blum, Carl Robert, geb. 7. Marz 1889 zu 
Cassel, in Berlin gebildet, seit 1919 Inhaber 
des Mohrschen Kons. f. M. in Berlin. 

Das moderne Tonsystem in seiner erweiterten u 
vervollkommneten Gestaltung (Berlin 1912). 

Blum, Robert, schweiz. Komp. , geb. 27. Nov. 
1900 zu Zurich, wo er das Kons. besuchte 
(Andreae, Vogler, Jarnach, Laquai), 1922/23 
Schuler Busoni's in Berlin. Seit 1923 leitet 
er den Sangerverein und den Frauenchor 
Richterswil. 

Sinfonie C-dur,mit Baritonsolo; 3kleineOrch.stucke; 
Volkslieder f. Bariton, Ch. u. Orch.; 3 a cappella-ChOre 
auf alte Texte; Quintett f. V., Tromp., Klar., Va. u. Vc; 
phantastische Oper Amarapura, aus der eine Ballett- 
musik bei der Tagung des Schweiz. Tonkunstlervereins 
in Bern 1925 zur Auffuhrung gelangte;Fantasie C-moll 
f. V. u. Kl. (Hug). 

Blumenberg^ Franz, deutsch. Komp. , Pianist 
u. M.schriftsteller, geb. 7. Febr. 1869 zu Re- 
magen, Sohn des Organisten u. Komp. Josef 
B., Schuler von Carl Rudisch in Linz a, Rh. 
u. Ed. Mertke am Kolner Kons.; in Koln als 
Chordirig., Pianist u. Begleiter tiitig. 

K Lstucke ; Mannerchore ; gem . Chore ; Lieder • 
Orch.stucke; Artikel iiber Manner-Chorwesen. 

Blumenfeld, Felix Michailowitsch, russ. 
Komp., Pianist u. Birig., geb. 19. April 1863 



im Gouv. Chersson, Kl. schuler seines Vaters, 
F. Stein, am Petersburger Kons. 1881—85; 
in der Kompos. von Rimski-Korssakow. 



Seit 1885 Lehrer am Petersburger Kons. : 
1895—98 Chordirektor am Maryinsky-Opern- 
haus, 1898 dortDirigent; bis 1918 Kl.lehrer ara 
Petersbg. Kons.; Dirig. mehrerer Konzerte 
der Russ. M.ges. u. der Russ. Sinfoniekonzerte 
(gegr. von M. P. Belajew); ein feinsinniger 
Solist, Begleiter u. Kammermusikspieler. 

Sinfonie C-moll op. 39 (Belajew); Eonzertallegro 
f. KL u. Orch. op. 7; Streichquartett F-dur op. 26; 
Fantasie-Sonate t. Kl. op. 46; viele gute Kl.stiicke, 
Lieder u. a. (meist bei Belajew). 

Biumentftal, Paul, deutscher Komp., geb. 
13. Aug. 1843 zu Steinau a, d. Oder (Schiesien), 
Schuler der Kgl. Akademie u. des Inst, fur 
Kirchenmusik zu Berlin, 1870 Organist der 
Hauptkirche zu Frankfurt a. O., 1876 Kgl. 
MD., 1899 Kantor an St. Marien u. stadt. 
Gesangslehrer, 1905 Kgl, Prof. 

Orch.werke; Messen; Musik zu Wildenbruch's Karo- 
linger (1884) usw. Im Druck: Kl.- u. Orgelwerke; Kan- 
taten mit Orch.; Psalmen u. Motetten 4— 8st. a cappella; 
Lieder; Motetten; Mannerchdie sowie eine Geschichte der 
Musik (5. Aufl. 1921) u. eine Studie iiber Bartholomaeus 
Gesius (1913). 

Blumer, Theodor, deutscher Komp., geb. 
24. Marz 1882 in Dresden, Schuler seines 
Vaters (Kammennusikus) u. des Dresdner 
Kons. (Draeseke), 1906— 10 Korrepetitor, 
dann KM. am Hof theater in Altenburg, seit 
1911 wieder in Dresden. 

Oper: Der Fiinfuhrtee op. 29 (Dresden 1911); Cesarios 
Wwdergeburt (1925); fur Orch.: Camevals -Episode op, 22 
(Kistner); sinf. Dichtung Erlosung op. 24 (Junne); 
Die Legende der Tanzerin Thais op. 44; innate-Fas chings- 
Capriccio op. 31 (Kistner); Sonaten f. V. u. Kl. D-moll 
op. 33 (Siinrock) u. C-moU op. 43 (id.); Sonate f. Vc u' 
Kl. B-moll op. 23 (Kistner); 2 Suiten f . PI. u. Kl. op. 40 
u. 46 (Simrock); Serenade u. Tema con variazioni f. 
Blaserauintett op. 34 (Simrock); ein II. Bias er quintett 
op. 52 (Zimmermann); Sextett f. Blaser u. Kl. op. 45 
(id., wohl sein erfolgreichstes Werk); Kl.quartett op. 50 
(id.); Streichquartett op. 51 (Simrock); Tanzsuite f. 
Blaser op. 53 (id,); Kl.quintett H-moll op. 21 (Kistner); 
FLstiicke op. 54; Hausmusik f . Fl. u. Kl. op. 56 (beid. 
Zimmermann); Trio f. V., Vc. u. Klar. op. 55; 2 Kl.- 
konzerte; Kammerkonzert ; Lieder, Kl.stiicke. 

Boceaccini, Pietro, ital. Pianist, geb. 6. Nov. 
1843 zu Comacchio, Schuler von Beni. Cesi 
in Neapel, dessen Methode er erfolgreich 
propagierte; noch 1914—16 hielt er einen 
Kl.kurs an der Ac. di S. Cecilia in Rom. 
Schrieb: 

L'arte di suonare U pianoforte (Kom 1913, Casa ed. 

Musica). 

Bodanzky, Arthur, Dirig., geb. 16. Dez. 1877 
in Wien, am dortigen Kons. Schuler von 
Griin, Gradener u. J. N. Fuchs; 1896 Geiger 
an der Hofoper, 1900 Dirig. in Budweis, dann 
am Wiener Karl-Theater, 1901 Operettenkm. 
in Petersburg, 1903 Korrepetitor unter Mahler 
in Wien, dann wieder Operettenkm. am Theater 
an der Wien, 1906 an der Berliner Lortzing- 
Oper, 1907 am Deutschen Landestheater in 
Prag, 1909 in Mannheim, 1915 am Metrop. 
Op. House New York, wo er seit 1919 auch 
das New Symphony Orch. leitet. 



Boehe— Borresen, 



61 



Boehe, Ernst, deutscher Komp. u. Dirig., 
geb. 27 Dez. 1880 zu Munchen, dort Schuler 
von "R. Louis u. Ludwig Thuille (Kompos.) 
u. Heinrich Schwartz (Kl.); lebte zunachst 
in Munchen, wo er im Jahre 1907 sich mit 
W. CourvOisier in die Leitung der Volkssinfonie- 
Konzerte teilte; war 1913—30 Opernleiter 
u. KM. in Oldenburg, seit 1920 erster Dirig. 
des 1923 aufgelosten pfalzischen Landes- 
Sinfonieorch. in Ludwigshafen. Fruhreifer 
Komp. u. typischer Vertreter der sogenannten 
Munchner, von Thuille begriindeten, eine 
poetisierende Sinf onik pflegenden Schule, dessen 
Produktion seit Jahren zu stocken scheint. 

Orch.: Aus Odysseus* Fahrten, 4 Teile (I. Odysseus' 
Ausfahrt und Schiffbruch; XI. Die Insel der Kirke; 
III. Die Klage der Nausikaa; IV. Odysseus' Heimkehr) 
op. 6 (Schuberthaus); Taormina, sinf. Dichtung op. 9 
(Forberg); Eine tragische Ouverture; Sinf. Epilog zu 
einer Tragodie op. 11 (Schuberthaus); Komodien- 
ouverture 1914; Lieder. 

Bohrrt, Karl, osterr. Dirig., geb. 28. Aug. 
1894 in Graz, Schuler von Franz WeiB, dem 
Dirig. des Grazer Manner gesangvereins, vor 
allem aber von E. Mandyczewski in Wien; 
1917 Solorepetitor am Grazer Stadttheater; 
1919 zweiter, 1920 erster KM.; 1921 von Bruno 
Walter an die Munchener Staatsoper berufen; 
1919 Dr. jur. in Graz. 

Kammermusik; Lieder (H. Bohm). 

Bohme, Walther, deutsch. Komp., geb. 
6. Sept. 1884 in Leipzig, besuchte 1899—1905 
das Lehrerseminar zu Grimma, 1905 — 08 
Hilfslehrer in Wurzen. 1908 gab er sein Lehr- 
amt auf, um am Leipziger Kons. Musik zu 
studieren (Krehl, Straube, Sitt, Hofmann, 
von Bose); er komponierte dort ein Streich- 
quartett u. eine sinf. Suite fur gr. Orch. op. 1, 
fur die er das Nikisch-Stipendium erhielt. 
Seit 1910 ist er Gesanglehrer u. Kantor an 
der Hauptkirche Peterpaul in Reichenberg 
im Vogtland. Als Komponist ist B. bei aller 
Anwendung moderner Mittel ,,Melodiker" ge- 
blieben. 

Hauptwerke : Drei Oratorien : Die heilige Stadt 
op. 30 (Bellmann & Thinner, Waldheim); Die Junger 
op. 33 (id.); Am letzten Tag op. 42; Sanctus und Bosanna 
f. Fr.-terzett, gem. Chor, V., Vc, Orgel u. Harfe op. 5 
(C. A. Klemm); Improperieni. Fr-Ch. u. gem. Ch. op. 6 
(id.); FrCh. u. Gem. Chore op. 10 (Haake, Bremen); 
11 (Kahnt); 12 (id.); 13 (Oppenheimer); 37 (Hug & Co., 
Leipzig); Lieder; 5 Stiicke i. Harm, oder Orgel op. 21 
(Kahnt); Sonate f. V. u. Kl. op. 31 (Heinrichshof en) ; 
3 Stiicke f. V. u. Org. op. 34 (Gadow, Hildburghausen) 
u. a. Kammermusikwerke; Kl.-konzert; Orch,-Werke 
u. v. a. 

Bohme, Willy, deutscher Komp., geb. 
16. Nov. 1861 zu Dessau, Schuler von Eb. 
Bartels (V.), G. Rosier (Kl.) u. F. Diedicke 
(Theorie), zuletzt noch von Ed. Thiele daselbst; 
nach Absolvierung des Gymnasiums noch 
1881—86 Schuler der Kgl. Hochschule fur 
Musik zu Berlin, wo er als Direktor einer 
M.schule lebt. Der Herzog von Anhalt er- 
nannte B. zum MD. 

Oper: Der Cid (Dessau 1887); Sinfonie C-moll; 
Ouverture C-moll (in Hamburg aufgefuhrt); Kantate 



j Kaiser Wilhelms Meerfahrt (1893); Nationallieder u. 
Harinelieder f. Mannerchore u. a. 

Bohn, Gudbrand, norweg. Violinist, geb. 
10. Nov. 1839 zu Nes in Romerike, gest. 
9. Jan. 1906 in Christiania, Schuler von Nils 
Ursin, Ullensaker, Frederik Ursin in Christiania; 
von Leonard in Brussel 1859 u. 1861; von 
Lauterbach in Dresden 1864. Ein Menschen- 
alter hindurch war er Konzertmeister am 
Operntheater u. in der M.gesellschaft zu 
Christiania, auch Primarius eines namhaften 
u. regelmaBig auftretenden Streichquartetts. 
Boelimann, Leon, frz. Organist u. Komp., 
geb. 29. (25.?) Sept. 1862 zu Ensisheim im 
Elsafi, gest. 11. Okt. 1897 zu Paris, Schuler 
der ]£cole Niedermeyer, bald beruhmt durch 
die Reinheit seines Orgelspiels : Organist 
an St. Vincent de Paul in Paris. Ein viel- 
versprechender, fur die voile Entfaltung 
seiner Begabung zufruhgestorbener Komponist. 
Sinfonie F-dur op. 24 (Durand); sinf. Variationen 
f. Vc. u. Orch. op. 23 (Durand); Fantasie in Form eines 
Dialogs zwischen Orgel u. Orch.; Beures mystiques 
(100 kleine Orgelstticke) ; Kl.quartett F-moll op. 10 
(Hamelle); Kl.trio G-dur op. 19 (id.); Sonaten f. Vc. 
u. Kl. Fis-moll op. 6 (id.) u. A-moll op. 40 (Durand); 
Kl.stucke. Vgl. Paul Locard, L. B. (1901). 

BoSsche, Franz, deutscher Komp., geb. 
20. Aug. 1869 in Wegenstedt bei Magdeburg, 
1889—94 Schuler der Berliner Hochschule, 
1896 Theorielehrer am Kolner Kons. , 1911 Prof. ; 
Verfasser eines weitverbreiteten Lehrbuchs 
tibungen u. Aufgdben zum Studium der Har- 
monielehre (1911, mehr. Aufl.). 

Kl.trio op. 12; Kl.-Sonaten op. 5 u. 6; 2 Streich- 
quartette, davon das 2., C-moll op. 27 gedr. (Sim- 
rock); Lieder; Motette op. 29; Sinfonie op. 30; 4 Ou- 
verturen: Tragddie der Menschen op. 7; Judith op. 14; 
Bero u. Leander op. 19; Othello op. 28; Neuausg. der 
Instrumentalwerke von Melchior Franck (D. d. T. 16). 
Boerner, Hildegard, deutsche Konzert- 
sangerin u. Gesangspadagogin, geb. 12. Marz 
1876 zu Leipzig, dort Schulerin von Marie Unger- 
Haupt u. in Koln von Wally Schauseil u. 
Fritz Steinbach. Seit 1900 ist sie als Konzert- 
sangerin tatig, kam 1910 ans Kons. in Coblenz, 
1917 ans Stadt. Kons. in Dortmund u. lebt 
seit 1921 in Berlin. Ihre Tochter u. Schulerin 
Charlotte B., geb. 22. Juni 1901 in Leipzig, 
deb. an der Dresdener Staatsoper u. wirkt 
seit 1923 als Jugendlich-Dramatische an der 
Berliner Staatsoper. 

Borresen, Hakon, dan. Komp., geb. 2. Juni 
1876 zu Kopenhagen, dort Schuler von Jo- 
han S vendsen ; erhielt 1901 das Ancker- 
Stipendium u. machte die herkommliche 
Studienreise. Er ist unter den jungdanischen 
Musikern einer der begabtesten; Vorsitzender 
des dan. Tonkunstlervereins seit 1924, Vor- 
standsmitglied des dan. Komp.-Vereins u. 
der Gesellsch. zur Hrsg. alterer dan. Musik. 
3 Sinfonien u. einige kleine Orch.stucke; 2 Streich- 
quartette, davon op. 20 E-moll gedr. (Hansen); Sextett 
G-dur op. 5 (Br. & H.); Violinkonzert G-dur op. 11 
(Hansen); Ouverture Normannerne {Die Normannen); 
sinf. Episode Thor fahrt nach Jotunkeim; zahlreiche 
Kl.stucke; Lieder; Opern, lakt. Den kongelige Gdst {Der 



62 



Bottcber— Boito. 



konigliche Gast nach H. Pantoppidan, Kopenliagen 
1919); Eaddara, 3akt., mit grbnland. Yorwurf, Kopenb. 
1921: Ballett Tycho Brakes Drom (Der Traum des 
Tycho Brake, Kopenli. 1924). 

Bottcher, Lukas Josef, deutsch. Komp., 
geb. 13. Febr. 1878 zu Frankfurt a. M., dort 
am Kons. Schuler Humperdinck's, lebte bis 
1915 als Zeichner u. Kl.lehrer in Frankfurt, 
war 1916/17 dritter KM. am Stadttheater in 
Halle a. S., im Sommer 1917 am Kurtheater 
in Bad Bnickenau; seitdem als Musiklehrer 
u. Scbriftsteller in Bamberg. 

Chorwerke: Das Gottesminnelied des Herm Walter 
von der Vogelweide; Christophorus; Canticum Guntheri 
m. a.; Bailaden; geistliche Gesange; Lieder, Dram, 
Werke: Der blaue Falter, Pantomime, 1917; Salambo, 
Oper, Text von der Sangerin Aline Sanden, Alten- 
burg 1920; HUdebrand, 1921; Lagunenfieber, 1921. 

Boesi, Ernesto, ital. Organist u. Komp., 
geb. 11. Febr. 1856 zu Rom, Jurist, daneben 
M.schuler von Ballabene u. Moriconi, 1880 
Organist an S. Luigi dei Francesi, 1879—86 
Dirig. der Societa mus. Romana, 1905 wurde 
er Nachfolger von A. Meluzzi als Maestro 
della Cappella Giulia u. 1918 techn. Direktor 
der von Pius X. gegrundeten Pontificia Scuola 
Superiore di musica sacra; eine der geachtetsten 
musikalischen Personlichkeiten Roms. 

Oper: Don Paez, lakt. (Venedig 1893); Messen; 
Motetten; Offertorien; Hymnen; 8st. Messa funebre. 

Boghen, Felice, ital. Komp., geb. 23. Jan. 
1869 in Venedig; in Bologna, Rom u. Munchen 
(Stavenhagen; Martin Krause) gebildet, Dirig. 
in verschiedenen italienischen Stadten, seit 
1910 Lehrer am Inst. mus. in Florenz, kiinstler. 
Leiter u. Pianist des Quintetto di Firenze. 

Oper: Alcesti (unaufgef.); Fantasie f. Kl. u. Harfe; 
viele Klavierwerke (Hicordi, Carisch); darunter Rap- 
sodie italiane; Gesange. Vor allem aber hat B. sich 
als Hrsg. altklass. ital. Musik verdient gemacht: Fres- 
cobaldi, B. Pasquini, Tartini, Veracini; 1st auch als 
Scbriftsteller tatig. 

Bohnen, Michael, deutscher Biihnenbassist, 
geb. 1888 in Koln, 1910 in Dusseldorf, 1911 
in Wiesbaden, seitdem an der Berliner Staats- 
oper, vielfach auf Gastspielreisen. Er wirkt 
ebenso durch sein schauspielerisches Talent 
wie als Sanger. 

Boh tike, Emil, deutscher Komp., geb. 
11. Okt. 1888 zu Zdunska Wola (Polen), Schuler 
von Sitt u. Krehl am Leipziger Kons., u. von 
Fr. Gernsheim in Berlin in dessen akadem. 
Meisterschule; war zwei Jahre lang Lehrer am 
Sternschen Kons., dann (1915 — 19) als Bratschist 
im Bandler- Quartett u. 1919/20 in dem von 
Adolf Busch gegrundeten Quartett tatig; lebte 
dann als Komp. in Berlin, war 1923 Dirigent 
des kurzlebigen Leipziger Sinfonie-Orchesters 
(fruher Philh. Orch.), Leiter einer Sonder- 
klasse fur Brats chenspiel an der Berliner 
Hochschule. B. ist ein Komponist von 
herber Eigenart u. einer etwas unsinnlichen 
Ausdrucksweise. 

Streichquartett C-moll op. 1 (Simrock); Kl.trio 
op. 5 B-moll (id.); Kl.sonate B-moll op. 10 (id.); KL- . 
stiicke op. 4 (Scblesinger), 6, 8, 12 (Simrock); Sinfo- j 
nische Ouverttire op. 2 (Kabter) ; Thema mit Yariationen ! 



f. Orcb. op. 9 (Simrock); Sonate f. V. u. Kl. op. 3 (ins); 
Sonate i. Vc. u. Kl. op. 7 (Simrock); Violinkonzert 
D-dur op. 11 (Schott): 3 Sonaten f. V.solo, Va.solo, 
Vc.solo op. 13 (Simrock); Kl.-Konzert op. 14 (id.); 
3 Solos onaten f. V. (ms.). 

BoitO, Arrigo T ital. Komp. u. Dichter, geb. 
24. Febr. 1842 zu Padua, gest. 10. Juni 1918 
zu Mailand; als Musiker, Dichter u. Kiinstler 
eine auBerordentliche Personlichkeit, die auf 
den Musikgeist der letzten 50 Jahre in Italien, 
u. besonders auf die jungeren Musiker tiefen 
u. wohltatigen EinfluB geiibt hat — einen viel 
grofieren, als die beschrankte Zahl seiner 
Kompositionen ahnen lafit. Sohn von Silvester 
B. u. der Graf in Giuseppina Radolinski, einer 
Polin, kam er sehr jung nach Mailand, wo er 
das Kons. besuchte, u. seit 1854 Mazzucato 
zum Lehrer u. Franco Faccio zum Mitschuler 
hatte, mit dem zusammen er die Cantate 
II Quattro Giugno u. ein Mysterium Le sorelle 
d' Italia (auf gel am Kons. 1860, bezw. 1861) 
schrieb. Mit einem Stipendium reiste er dann 
in Frankreich, Deutschland, Polen u. kehrte 
heim voll von den neuen Ideen die damals diese 
Lander bewegten, vor allem voll Bewunderung 
ftir Wagner. In dem kunstrevolutionaren Kreis 
von Emilio Praga (1866) entstanden nicht nur 
B.s erste Verse u. Dramen, sondern keimte auch 
der erste Gedanke zu Mefistofele, der, am 
5. Marz 1868 in der Scala aufgefuhrt, durch- 
fiel, u. in verbesserter u. gekurzter Gestalt erst 
sieben Jahre spater, am 4. Okt. 1875 in Bologna 
seine Auferstehung feierte, Andre Musik, aus- 
genommen eine Ode an die Kunst (Verse von 
Giacosa, aufgef. Turin 1880), u. einige ebenso 
unbedeutende Lieder u. Stiicke f. V. u. Kl. , 
hat B. nicht veroffentlicht. 

Zwischen der ersten und zweiten Fassung des 
Mefistofele befaBte sich B. auch mit der Samm- 
lung seiner Dichtungen, die er unter dem Titel; 
II Libro dei Versi herausgab. War er als Kom- 
ponist stumm, so war er um so tatiger als Text- 
dichter. Seiner innigen Freundschaft mit Verdi 
entsprangen die Libretti zu Otello u. FaUtaff. 
Hero u. Leander, das er zu komponieren begann, 
u. das an Mefistofele einige Stiicke abgab , 
iiberlieB er Bottesini u. Mancinelh. Dann 
schrieb er — meist unter dem anagrammatischen 
Pseudonym Tobia Gorrio— Pierluigi Far- 
nese (ftir C. Palumbo), La Falce (Catalani), La 
Gioconda (Ponchielli), Hamlet (Faccio), Un 
Tramonto (G. Coronaro), Iram (C. Dominiceti), 
Semira (L. Sangermano), L'Inno delle Nazioni 
(Verdi), Basi e Bote (im venez. Dialekt, nach 
seinem Tod von R. Pick-Mangiagalli komp.). 
Zu erwahnen bleibt nur noch Nerone, den B. 
an die 40 Jahre im Pult hatte, ohne ihn je zu 
vollenden, bis er fast legendarisch wurde. 
1901 veroffentlichte er die Dichtung; die Musik 
war noch bei seinem Tod unfertig. Von To- 
scanini auffuhrungsfahig gemacht, kam Nerone 
am 1. Mai 1924 an der Scala zur Auffuhrung. 
Am mus, Leben Italiens hat B. lebenslang 



Bolia— Bonnet. 



63 



aktiven Anteil genommen , wahrend seiner 
letzten Jahre war er Senator. 

Dichtungen, auBer den genannten: Re Orso (Turin 
1877); Novelle e riviste drammaficJie (mit Vorrede u. 
Bibliogr,, hisg. von Gioacchino Brognoligo, Neapel 
1920, Kicciardi). Musik: Vom ersten Mefistofele hat 
Bicordi nur zwei Stiicke (KlassiscJie Walpurgisnacht 
u. Battaglia) verbffentttcht. 

Vgl. A. Pompeati, A, B. (Florenz 1919, Battistelli) ; 
Corrado Bicci, A. B. (Mailand 1919, Treves); G. Cesari, 
Note per una bibliograjia deUe op ere di A. B. e della 
letteratura che le rigmrda (Bassegna di Coltura, II, 3; 
Marz 1924) A. Lualdi, A. B., un' anima (Biv. mus. ital. 
XXV, 1918; sowie das ganz B. und dem Nerone gewid- 
mete Heft der B. m. it. XXXI, 2/3, 1924. 

Bolia, David, argent. Violinist, geb. 1867 zu 
Mercedes, stud. 1880—82 am Kons. zu Neapel 
bei Pinto u. kehrte dann nach Buenos Aires 
zuruck, wo er bei Pedro Melani weiterstudierte. 
1886 1. Violinist am Colon-Theater, spater an 
der Oper. Jetzt widmet er sieh ganzlich dem 
Lehrberuf u. leitet personlich das von ihm 
gegrundete Cons. Melani. 

BoSstati, Per, norweg. Violinist, geb. 7. Jan. 
1899 , Schuler von Ingebret Haarland in 
Christiania, u., mit staatlichem Stipendium, 
von Marsick in Paris. Debut. 1918 in Christiania 
u. hat in Norwegen, Kopenhagen u. Helsingfors 
konzertiert. 

Bolzoni, Giovanni, ital. Komp., geb. 
14. Mai 1841 zu Parma, gest. 21. Febr. 1919 in 
Turin, Schuler der Scuola di musica in Parma, 
erst Geiger, 1868 KM. in Savona. 1874 in Peru- 
gia, 1867 in Piacenza; seit 1884 aber in Turin als 
Leiter des Teatro Regio u. seit 1889 Dir. des 
Liceo Musicale G. Verdi, ein Amt das er 29 Jahre 
innehatte. Ais Opernkomponist hatte ergeringen 
Erfolg, dagegen sind seine einfachen u. ge- 
schmackvollen Orch.-Werke, vor allem die fur 
Streicher, verbreitet. ; 

Opern: Giulia da Gazzuolo (Florenz 1869); II Matri- 
monio civile (Operette, Parma 1870); La Stella delle \ 
Alpi (Savona 1871); Jetta (Piacenza 1881); Venezia j 
in Vienna, iyr. Szene (Wien); viele Ouvertiiren n. ! 
eine Orcn.suite; Sinfonie E-dur (1886); Sextett f. Ob., 1 
2 Tromp., Horn u. 2 Pag.; Kl.quintett; Streichquartett 
(1872); Tema con variazioni f. Streicnquartett. 

Bonaventura, Ar n a 1 d o , ital. M.f orscher , 
geb. 28. Juli 1862 in Livorno, stud, in Pisa die 
Rechte (Dr. jur.) u. Chemie, in der MusikPrivat- 
schuler von Fabio Favilli (V.) u. Gino Bellio 
(Theorie) ; war erst als Bibliothekar in der Musik- 
abteilung der BibL Naz. Centrale in Florenz 
tatig u. ist jetzt Lehrer fur M.gesch. u. M.asth. , 
Bibliothekar u. Vizedir. am dort. Istituto 
musicale. 

Manuale di Storia della musica (Livorno, Giusti, 1898, 
7. Aufl. 1922); Manuale di Estetica musicale (id. 1905); 
Manuale di Storia degli strumenti musicali (id. 1908); 
Dante e la musica (id. 1904); Saggio storico sul teatro 
musicale itaXiano (id. 1913); I violinisti italiani moderni, 
Anhang an A. Untersteiner's Storia del Violino (Hoepli, 
Mail. 1906); Storia e letteratura del pianoforte (Giusti 
1918); La figura e I'arte di G. Verdi (id. 1919); Nicold 
Paganini (Genua 1911, Formiggini); Verdi (Paris 
1923, Alcan); La musica nelle opere di Orazio (Florenz, 
Franceschini); La vita musicale in Toscana nel secolo 
XIX (Florenz, Tip. Barbera); L'Amfiparnaso di O. 
Vecchi (Florenz, Tip. Galileiana); II Boccaccio e la 
musica (Turin 1914, Bocca) u. v. a. Auch als Hrsg. 
alter ital. Musik hat A, B. seine Verdienste. 



j Bonce, Alessandro, ital. Tenorist, geb. 

1 10. Febr. 1870 zu Cesena, Sohn armer Eltern, 
gelangte vom Schusterschemel 1889 ins Liceo 
mus. zu Pesaro, wo er vier Jahre lang den 
Unterricht von Felice Coen genoB; 1892—96 
erster Tenorist in der Cappella di Loreto; 1893 
debutierte er an der Oper zu Parma u. feierte 
wenige Monate spater seine ersten Triumphe 
als Faust am Dal Verme zu Mailand; seitdem 
hat er Weltruf errungen u. gilt nach Caruso's 
Tod als der erste lebende ital. Tenorist. 

Vgl. Dino Bannenta, A. B. (Ferrara 1901, G. 
Zuifi). 

Bondesen, Jiirgen Ditleff, dan. M.- 
padagoge, geb. 2. April 1855 in Kopenhagen, 
Schuler des dort. Kons. (Neupert, Tofte, 
Ma tthison- Hansen, Emil Hartmann, Gade), 
seit 1875 Hilfslehrer u. Bibliothekar, 1883 
ordentlicher Lehrer fur Kl.spiel u. Theorie u. 
Sekretar derselben Anstalt bis zum Tode 
Gade's (1890), griindete dann in Aarhus eine 
eigene M.schule, iibersetzte Richter's Harmonie- 
lehre (1883) u. Lobe's Katecfiismus der Musik 
(1885) ins Danische u. gab ein Lehrbuch des 
Kontrapunkts u. einige Hefte Lieder u. Orgel- 
sachen heraus. 

BonflgEiolc, Jose, argent. Bratschist, geb. 
1851 zu Bologna, stud, bei Carlos Veradi, ging 
nach Buenos Aires u. war 1881—90 erster 
Bratschist am Colon-Theater. Mitglied der 
Streichquartettvereinigungen Melani, La Rosa. 
Cattelani; Lehrer am Cons. Melani. 

Boni, Livio, ital. V.cellist, geb. 1885 in Rom, 
dort Schuler von Forino, dann vier Jahre lang 
von Francesco Serato in Bologna; ging dann 
nach Deutschland u. England, wo er von Becker, 
Gerardy, Casals lernte; er gilt heute als einer der 
ersten Vertreter seines Instruments in Italien. 

BonsciOli, Fruhman Ricardo, argent. 
Komp., geb. 19. Mai 1853 in Zara (Dalmatien), 
stud, zu Mailand, u. ist jetzt Orchesterdirig. am 
PoMteama-Theater in Buenos Aires. 

Opern: Marco Botzaris (Madrid, T. Alambra 1884); 
Bon Juan de Garay (Buenos Aires 1900); Ballette: 
J I tempo (1881); Nadya "(Mail. 1881); II saltimbanco 
(Genua 1890); sinf. Dichtungen; Quartette usw. 

BoniRSegna, Celestina, ital. Sopranistin, 
geb. 26. Febr. 1877 zu Reggio Emilia, trat 
lSjahrig schon als Norma auf, besuchte dann 
das Liceo mus. von Pesaro, nach dessen Ab- 
solvierung Mascagni ihr die Kreierung der Rolle 
der Rosaura in Le Maschere (Rom 1901) an- 
vertraute; seitdem im In- u. Ausland gefeierte 
Sangerin. Hauptrollen: Andrea Chenier; Ballo 
inmaschera; Ernani; Forza del destino; Norma; 
Aida; Guarany; Loreley; Trovatore u. a. 

Bonnet, Joseph filie Georges Marie, 
franz. Organist u. Komp., geb. 17. Marz 1884 
zu Bordeaux, Schuler erst seines Vaters Georges 
B . (Organist an Sainte-Eulalie) , dann von 
Charles Tournemire u. endlich von Alex. Guil- 
mant am Pariser Cons. 1906 erhielt er den 
1. Preis fur Orgelspiel u. wurde noch im gleichen 



64 



Bonvin— Bordes. 



Jahr Organist an St. Eustache; Nachfolger 
von Guilmant als Organist der Societe des 
concerts du Conservatoire; gef eierter Vir ■ 
tuose in Europa u. Nordamerika; gleich 
bedeutend in der Interpretation der alten 
Meister, Bach's, u. der modernen franz. Schule, 
vor allem Cesar Franck's, dessen gluhenderLyri- 
zismus ihm besonders liegt. 1910 kam er z. e. M. 
nach England; 1916 nach Amerika. 

Als Komponist bat er zahlreiche Stiicke in 
verschiedenen Stilen geschrieben, von der 
herben Paraphrase des Gregor. Chorals bis zur 
grofien romantischen u. glanzenden Konzert- 
phantasie (3 Bde. , Durand). Besonders genannt 
seien seine Po ernes d'automne; Noels; Versets 
d'Hymne; Legende symphonique, u. mehrere 
Motetten fur Chor oder Einzelgesang. Hsrg. 
Historial Organ Recitals (5 Bde., Schirmer); 
Fiori musicali von Frescobaldi (Senart), 

Vgl. uber ihn A. Eaglefi eld -Hull, in: The Organ, 
London, Okt. 1921. 

Bonvin, Ludwig, Komp., geb. 17. Febr. 1850 
zu Siders (Schweiz), stud. erstMedizin inWien, 
trat aber 1874 in Holland in den Jesuitenorden, 
versah in Holland u. England Organistendienste, 
wurde 1885 in Liverpool zum Priester geweiht u. 
war seit 1887 am Canisius College in Buffalo in 
verschiedenen Musikamtern. Als Musiker Auto- 
didakt, hat er sich urn Verbesserung von Musik 
u. Text der kath. engl. Hymnologie u. die 
Wiederherstellung des originalen greg. Gesangs 
bemuht, war vielfach schriftstellerisch tatig u. 
hat eine grofie Masse weltlicher u. kirchlicher 
Kompositionen geschrieben. 

BOGSey & CO., engl. Verlag, gegriindet um 
1825 von Thomas B., verlegte erst ital. Opern 
fur England, bis ihm 1854 deren Patentschutz 
verloren ging; seitdem hat das Haus seinen 
Schwerpunkt in populare englische Werke u, 
Gesamt-Ausgaben verlegt. 1865 griindete 
John B. die Londoner Ballad Concerts, popu- 
lare Liederabende, die — jetzt in Albert Hall — 
noch heute bestehen; eine Griindung der Firma 
ist (1919) auch die Westminster Choral Society 
mit Vincent Thomas als Dirigent. Aufier dem 
Musikverlag betreiben B. & Co. auch die 
Fabrikation von Holz- u. Bleeh-Blasinstrumen- 
ten. Inhaber sind z, Z.: C. P. Boosey, L. A. 
B, u. C. E. B. 

Booth, John, engl. Tenorist, geb. 11. Sept. 
1878 zu Bolton, Lanes, stud, bei John Acton am 
Manchester Coll. of M., nach dem Kriege noch 
bei Cav. Ernesto Colli in Mailand, Operngesang 
bei T. C. Fair bairn in London; namhafter 
Oratoriensanger mit umf angreichem Repertoir ; 
bereiste 1922/23 Siidafrika. 

Bopp, August, deutscher M.forscher u. 
Organist 7 geb. 17. Juli 1873 in Nurtingen am 
Neckar, Schiiler des Stuttgarter Kons., dann 
am Lehrerseminar zu Nurtingen tatig, seit 1900 
Seminarmusiklehrer am theol. Seminar in 
Urach. 1904 ging er zu erneuten Studien 



(Orgel u. M.gesch.) zu Heinrich Reimann nach 
Berlin. B. hat die heimische M.gesch. gefordert 
durch die Arbeiten: 

Beitrage zur Gesch. der Stuttgarter Stiftsmusik, Stuttg. 
1911 (Kohlhammer); Fr. Silcher, 1916 (Spemann); 
J. H. Knecht, Biberach 1917; Ein Liederbuch aus 
Schwaben, Tubingen 1918 (1921). 

Bopp, Wilhelm, deutscher Dir. u. Padagoge, 
geb. 4. Nov. 1863 zu Mannheim, bis 1889 KM., 
dann Lehrer am Mannheimer Kons., griindete 
1900 dort eine Hochschule f. Musik, 1907—19 
Dir. des Kons. der M.freunde in Wien, das 1909 
unter ihm in ein Staatsinstitut umgewandelt 
wurde; lebt jetzt in Berlin. 

Borch, Gaston, norw.-amerik. V.cellist., 
Komp. u. Dirig., geb. 8. Marz 1871 zu Guines, 
Pas-de-Calais, Frankreich, Sohn eines norweg. 
Vaters u. einer franz. Mutter, in Schweden er- 
zogen; studierte drei Jahre bei Massenet in 
Paris, dann noch bei Svendsen in Kopenhagen. 
1893-98 Dirig. u. Lehrer in Christiania u. Bergen; 
kam 1899 nach Amerika, wo er u. a. Dirigent 
des Symphony Orch. in Pittsburg u. des 
Carnegie Orch. in St. Louis gewesen ist; z. Z. 
Dirig. der Oper in Boston; 1906/07 auch Gast- 
dirigent in Europa. Als Komp. erschien er 
zuerst 1893 in Christiania mit einem Bruchstuck 
seines Orchester-Werks Genevie've de Paris (1906 
vollst. aufgef.). Er hat eine grofie Reihe von 
Werken f. Kl., Org., V., Vc, u. f. Orch. u. Ge- 
sang geschrieben, Seine bedeutenderen Werke 
zeigen denEinfluB Wagner's u. der ital. Veristen. 
Oper: Silvio (eine Art Fortsetzung von Cavalleria 
Rusticana, Christiania 1897): Musik zu dem Marchenspiel 
Ostenfor sol og vestenfor maane (1906); Sinf. Dichtung 
Quo Vadis (Philadelphia 1909) ; mehrere Sinf onien. 
Borchers, Gustav, deutscher Gesangspada- 
goge, geb. 18. Aug. 1865 zu Woltwiesche 
(Braunschweig), gest. 19. Jan. 1913 in Leipzig, 
1887—89 Schiiler des Leipziger Kons. , 1896 Ge- 
sanglehrer am Nicolai- Gymnasium u. daneben 
1901 Kantor an der Peterskirche in Leipzig. 
1898 richtete B. ein Seminar fur Gesanglehre 
ein, in dem er Eitz u. Jaques-Dalcroze propa- 
gierte. Auch hat er einige Lieder u. Chore kom- 
poniert. 

Borcfoman, Alexander Adolphowitsch, 

russ. Komp., geb. 28. Marz 1872, von Beruf 

Arzt; wurde nach einem M.kurs an der Mos- 

kauer Univ. 1904—07 Schiiler von Gretschani- 

! now u. Gliere. 

I Sinf. Dichtung Eusum (nach Tagore); Variationen 
uber ein weiduss. Thema f. Orch., 1909; Streich- 
quartett C-dur (Zimmermann) ; Kl.trio ; Senate f . 
V. ii. Kl. (1914); Lieder op. 11 u. 13 (Russ. Staats- 
verlag). 

Bordes, Charles, franz. Komp., geb. 12. Mai 
1863 zu La Roche Corbon, gest. 8. Nov. 1909 zu 
Toulon, stud, in Paris Kl. bei Marmontel, 
Kompos. bei Ces. Franck, betrieb M. als Beruf 
aber erst seit 1887, wo er ein kleines Amt als 
Kirchenorganist u. Chorleiter annahm. 1889 
beauftragte ihn das franz. Unterrichts-Mini- 
sterium mit der Sammlung von Volksliedern 
in den baskischen Provinzen; im folgenden Jahr 



Borgatti— Bormann. 



65 



wurde er KM. an St. Gervais in Paris, wo er 
bald (1894) den jetzt weltbekannten Chor 
griindete, die Association des Chanteurs de 
St. Gervais, u. die Publikation seiner Antho- 
logie des mattres religieux primitifs unternahm. 
Etwas spater begann er mit seinen Bach-Auf- 
fuhrungen u. griindete mit Guilmant u. d'Indy 
die Schola Cantorum als eine Vereinigung, die 
sich vorsetzte, durch Riickkehr zur wahren 
traditionellen Chor-Auffuhrung alter Meister- 
werke, Schopfung einesangemessenenR-epertoirs 
zeitgenossischer Musik die Musik in den franz. 
Kirchen zu heben. Seine Bemuhungen hatten 
sofort weitreichende Wirkung u. kundigten die 
von Pius X. eingefuhrten Reformen an. Zwei 
Jahre spater stellte die Schola Cantorum den 
Unterricht im Kirchengesang auf eine praktische 
Grundlage u. wurde 1900 Hochschule, die B. 
zusammen mit Guilmant u. d'Indy bis zu 
seinem Tode leitete. Die Jahre nach 1900 war en 
einer immer wachsenden Tatigkeit als Konzert- 
leiter, Lehrer, Herausgeber u. Komponist ge- 
widmet. Die Liste seiner Werke umfafit eine 
ziemliche Reihe von Kirchenmusik, Liedern, 
einigen Instrumentalwerken, darunter eine 
Suite Basque f. Fl. u. Streicher (1887, Borae- 
mann 1901), eine Rhapsodie Basque t Ki. u. 
Orch. (1889, Rouart & Lerolle) u. eine unvoll- 
endete lyrische Oper Les Trois Vagues. In An- 
betracht des Geists u. der Originalitat eines Teils 
seiner Musik mag man bedauern, daB er wahrend 
der wenigen Jahre seiner kunstlerischen Reife 
sich durch seine iibrige Tatigkeit so sehr vom 
Schaffen hat abhalten lassen. Urn so mehr 
verdient er fur alles was er geleistet hat den 
Dank seiner Zeitgenossen ; sein EinfluB war es, 
der hauptsachlich frz. Musik u. M.wissenschaft 
urn die Wende des Jahrhunderts gefordert hat. 
VgL Octave Sere, Musiciens d'aujourd'hui (Paris 
1921, Mercure de Trance); Paul Dukas, in Rev. mus. II, 
10; 1924, mit Bibliographic der Werke von B. 

Borgatti, Giuseppe, ital. Tenor, geb. 
19. Marz 1871 zu Cento, aus diirftigen Verhalt- 
nissen, stud, am Liceo mus. von Bologna bei 
Aless. Busi, debiitierte 1893 als Faust in Castel- 
franco Veneto, hatte aber spater seine groBen 
Erfolge als Wagnersanger, war 1899 der erste 
ital. Siegfried (Mailand, Scala)u.Loge (id. 1903); 
sang f erner Tannhauser , Parsifal , Herodes 
{Salome) u. v. a. Er hat an den ersten Theatern 
Europas u. in Siidamerika gastiert. 

BorgStrom, Hjalmar, norweg. Komp. u. 
M.kritiker, geb. 23. Marz 1864 in Christiania, 
gest. das. Aug. 1925, stud, dort V. bei Martin 
XJsin, einem Schuler von Leonard, Theorie 
u. Kompos. bei dem hervorragenden nor- 
weg. Organisten u. Kontrapunktisten Ludv. 
M. Lindeman, u. Instrumentation bei Johan 
Svendsen; auch Kl.-spial. 1887 ging er ans 
Leipziger Kons. u. 1890 mit Staatsstipen- 
cUum nach Berlin; in diesen Jahren machte 
Wagner's Musik u. Orchestrierungskunst 

Einstein, Muaiklexikon. 



grofien Eindruck auf inn, Auch nach London 
u. Paris kam er studienhalber, kehrte 1904 
nach Christiania zuruck, wo er M.kritiker 
wurde — welches Amt er seither an mehreren 
Slattern, 1913 an Aftenposien, versah. Sein 
Schaffen ist sehr umfangreich u. umfafit: 
zwei Sinfonien, zwei Opern auf selbstverfaBten 
Text, funf sinf. Dichtungen, ein Chorwerk 
(Reformations-Kantate 1917); Kammermusik, 
darunter ein Streichquartett u. einKl.-Quintett 
F-dur op. 31 (Norsk Musikforl.); ein Klavier- 
konzert u. eine betrachtliche Anzahl Lieder u. 
Kl.-stiicke. In seiner Heimat wird seine Musik 
sehr gepflegt, u. man betrachtet ihn nachst 
Christian Sinding als den hervorragendsten 
norweg. Komponisten. 

Der wertvollste Teil seines Schaffens steckt 
in seinen vier letzten sinf. Dichtungen: Jesus 
in Gethsemane, Hamlet, John Gabriel Borkman 
(nach Ibsen) u. Tanken (Der Gedanke). Unter 
diesen ist Hamlet (f . Kl. u. Orch.) zweifellos das 
Werk, das ihn inner- u. auBerhalb Norwegens 
am meisten bekannt gemacht hat (1903 erste 
Auff. in Christiania, mit seiner Frau, Amalie 
Mutter, am Kl.); doch gilt Tanken als sein be- 
deutendstes Werk. B. neigte zu der modernen 
programmatischen Tendenz in der Musik; ob- 
wohl er in seiner Orchesterbehandlung sich eng 
mit der jungeren deutschen Schule beruhrt, ist 
er doch in seinem Stil u. seiner Ausdrucksart 
ganz unabhangig. Das nationale Element kann 
man in seiner Musik spuren, ohne dafi es stark 
ausgepragt ware. Von den alteren norwegischen 
Komponisten ist der Programm-Komponist 
Johan Selmer derjenige, dem er am nachsten 
steht. 

BorkOwicz6wna, Maria, poln. Komponistin, 
geb. 1886 in Warschau, Schulerin von Urstein 
in Warschau. 

KL: Incantagiotie; Idytte champStre; Ghiribizzo; 
Plaintes des fleurs; I/ultimo canto (Paris, Fromont). 
V. u. KL: Romanza e Intermezzo boemo (Kicordi)^ 
Daphnis et Chloi. 

BoriSSOWSky, Wadim, russ. Bratschist, geb. 
1900 zu Moskau; stud. V. bei M. Prefi, dann 
Bratsehe bei W. Bakaleinikoff (Mitglied des 
Meklenbourg- Quartetts) am Moskauer Kons., 
das er 1922 mit der goldenen Medaille verliefi. 
Seit 1923 ist er Mitglied des Kons.- Quartetts. 
Er hat sich speziell fur die moderne Bratschen- 
literatur eingesetzt (Hindemith, Kornauth, 
Bloch, Bax, Honegger u. a.) u. viele Bearbei- 
tungen fitr sein Instrument vorgenommen. 

Bormann, Emil von, russ. Padagoge u. 
Kritiker, geb. 1864 in St. Petersburg, absol- 
vierte 1882 die Petersburger Univ. u. 1885 das 
Kons.; M.kritiker der deutschen St. Peters- 
burger Zeitung u. Mitarbeiter vieler Zeit- 
schriften u. Zeitungen, Redakteur u. Heraus- 
geber der Musikwochenschrift Der mus.- 
theatr. Zeiigenosse 1900/01, in letzter Zeit 
M.referent fur die deutschen Dorpater Nach- 
riehten u. die esthnische Zeitimg Rostimeer. 



66 



Borodin— Boruttau. 



Borodin, Alexander Porphiriewitsch, 
russ. Komp., geb. 12. Nov. 1834 zu Petersburg, 
gest. daselbst 28. Febr. 1887. Von diesem 
Musiker hat man gesagt, ,,daB keiner auf die 
Unsterblichkeit rnit einem so geringen Opfer 
Anspruch gemacht hat; aber daB — wenn es 
Unsterblichkeiten in der Musik gibt — sein 
Anspruch unbestreitbar ist". Seit seiner Kind- 
heit zeigte er gleiche Neigung fur Musik u. fur 
die Wissenschaft ; dem Beruf nach war seine 
Laufbahn die eines Chemikers, aber all seine 
freie Zeit widrnete er der Musik. Er geriet 
zuerst unterBalakirew's Einflufi, u. nach einiger 
Zeit des Studiums schrieb er seine erste Sinfonie 
Es-dur (Bessel), die groBenteils den EinfluB 
Schumann's verrat, aber fur den spateren B, 
schon in mancher Hinsicht bezeichnend ist, u. 
begann seine Oper Fiirst Igor, an der er in 
unregelmaBigen Zeitraumen arbeitete. Diese 
Partitur. unvollendet, enthalt das Beste was er 
geschrieben (deutsche Urauff. Mannheim 1925). 
Seine iibrigen Werke sind: eine 2. Sinfonie 
H-moll (1877. Bessel); eine 3., unvollendete 
A-moll (Belajew); zwei Streichquartette A-dur 
u. D-dur (Belajew u. Eulenburg) u. einige klei- 
nere Stucke fur Streichquartett (Belajew); zwei 
Episoden fur eine Ballettoper Mlada (id.), eine 
kleine Suite u. ein Scherzo f. Kl. (Bessel); ein 
Butzend Lieder, von denen einige von groBer 
Schonheit sind (Jurgenson; Belajew; Bessel) u. 
das Orchesterbild Steppenskizze aus Mittdasien 
(Eulenburg). 

Zu den Hauptmerkmalen seiner Musik gehcrt 
einerseits die Gewahltheit seiner Melodie, die 
immer personlich ist, auch wenn die Einwirkung 
des Volkslieds unverkennbar ist, u. diejenige 
seiner einfachen u. doch reichen u. wirksamen 
Harmonik; andrerseits seine — unter den 
Russen fast alleinstehende — Gabe, mit diesen 
Melodien einfache u. doch geschickte u. wirk- 
same polyphone Kombinationen zu erreichen, 
z. B. in der Steppenskizze oder den beriihmten 
Polowetzer-Tanzen in Fiirst Igor. 

Vgl. Stassow, A. B. (Petersburg 1889; franz. von 
A. Habets 1893); A. Habets, B. et Liszt (1895, engl. von 
Eosa Newmarch); E. Braudo, B. (Petersburg, 1922, 
russ.). 

BorOWSki, Alexander Kirillowitscb, russ. 
Pianist, geb. 19. Marz 1889 zu Libau, erst 
Schuler seiner Mutter, einer Schulerin W. J. 
Safonow's, dann des Peters burger Kons. (A. 
Essipow) ; zugleich Jurist ; erhielt 1912 die 
Goldene Medaille u. den Rubinstein-Preis u. 
wurde 1915 Lehrer am Moskauer Kons. 1920 
gelangte er uber Konstantinopel ins Ausland 
u. konzertierte in Frankreich, England u. 
Beutschland; 1922 lieB er sich in Berlin nieder. 
Er ist ein Spieler von energischem Temperament 
u. zuchtvcllster Technik zugleich. 

Boroswki, Felix, poln.-engl. Komp. u. Pada- 
goge, geb. 10. Marz 1872 zu Burton, England; 
stud. V. bei Jacques Rosenthal, kam 1887 ans 
Kolner Kons., wo er bei Japha (V.), Heuser 



(Kl.) u. Gustav Jensen (Kompos.) studierte; 
seit 1889 war er noch bei Pollitzer (V.) u. Pearce 
(Kp.) in London. Nach 1892 war er Lehrer 
in Aberdeen u. London. 1897 wurde er in Chi- 
cago Kompos. -Lehrer a-mMua. Coll., wo er auch 
V. u. M.gesch. lehrte; seit 1916 President der 
Schule. Zwischen 1906 u. 18 schrieb er M.- 
Kritiken fur verschiedene Zeitungen (Chicago 
Evening Post, Chicago Herald) u. ist seit 1908 
Veriasser der Programrnhefte fur das Chicago 
Symph. Orch. 

Marche Triomphale D-moll f. Orch. (1899); Kl.- 
Konzert (1914; gedr. Composers' Music Corp., 1921); siiif. 
Dichtung Eugene Ondgin; Crepuscule u. Serenade f. 
Streichorch. (1914); Konzertallegro f. Org. u. Orch. 
(1915); Valse Pathetique f. Orch. (1915); Ettgie Syrn- 
phonique (1917); Trois Peintures f. Orch. (1918); 
Poeme f. Orch. (Xe Prinlemps pas$ionne\ 1920); Youth 
f. Orch. (1923); Streichquartett A-moll; 2 Orgelsonaten 
A-moll u. C-dur; Suite f. Org. E-moll; Kl.stticke; 
V. stucke; Lieder; eine Ballettpantomime Boudoir 
(Chicago 1920). 

Bortkiewicz. Serge Eduardowitsch, russ. 
Komp. , geb. 28. Febr. 1877 in Charkow, stud, in 
Petersburg Jura u. am Kons. bei Karl van Ark 
u, Ljadow Musik, 1900—02 noch bei Reisenauer, 
Jadassohn u. Piutti am Leipziger Kons. , lebte 
1904—14 in Berlin, wo er kurze Zeit am Klind- 
worth-Scharwenka-Kons. als Klavierlehrer tatig 
war, dann in Rutland (Petersburg, Charkow, 
Yalta), seit 1920 in Konstantinopel; seit dern 
Sommer 1922 endlich in Wien. B. ist ein ein- 
fallsreicher Melcdiker u. der klassisch-roman- 
tischen Richtung treu geblieben. 

Klavierstucke op. 3 (Eahter), 4 (id.), 6 (Kozsa- 
volgyi), 10 (Eahter), 11 (id.), 12 (Eozsavblgyi), 13 
(Eahter), 14 (id.), 15 (Etiiden, id.), 17 (Kistner-Siegel), 
18 (Euss. Tanze 4 h., id.), 21 (Eahter), 24 (id.), 27 (id.), 
29 (Etuden, id.); Kl.sonate H-dur op. 9 (Eahter); 
5 Kl.kouzerte, darunter das vielgespielte in B-dur 
op. 16 (Kistner-Siegel) u. eines Es-dur op. 28 fur die 
linke Hand allein (Eahter); Konzert f. Vc. u. Orch. 
in einem Satz op. 20 (Eahter); V.konzert D-dur op, 22 
(id.); sinf, Dichtung Othello op. 19 (Kistner-Siegel); 
! Sonate G-moll f. V. u. Kl. op. 26 (Eahter); 3 Stucke 
i. Vc. u. Kl. op. 25 (id.); Lieder op. 2 (ms.) u. 23 (nach 
Verlaine; Eahter). 

Boruttau, Alfred, deutscher Sanger, geb. 
1. Juli 1877 zu Konigsberg i. Pr., stud, zuerst 
dort, in Bonn u. Berlin Philosophie (Die 
Heilsbotsckaft in der Kalewala y 1898), ging als 
Schuler Bernecker's u. Bargiel's zur Musik 
u. auf Anraten Eugen Gura's schlieBlich zum 
Gesang uber. Schuler von Hey u. Lamperti, 
1901 — 06 als jugendl. Heldentenor an der 
Wiener Hofoper unter Mahler, 1906—09 
unter Angelo Neumann am Prager Deutschen 
Landestheater tatig, 1909—12 in Nord- 
amerika gastierend. 1912 lieB sich B. in 
Wien nieder u. widmet sich seitdem nur 
dem Konzertgesange u. der Lehrtatigkeit. 
Im Kunstwart-Verlage (G. D. W. Callwey, 
Miinchen) erschienen von ihm zahlreiche 
Volkshed-Bearbeitungen u. mehrere Heite 
eigener Lieder. Fur die Wagner- Gesamtaus- 
gabe (Br. & H.) hat B. die Verdeutschungen 
der franz. Texte beigesteuert, ebenso samt- 
liche Nachdichtungen Sibelius' scher Lied- 



Eorwick— Bossi. 



67 



texte. — E. ist President u. Ehrenmitglied 
des osterr. M.padagogischen Verbandes. 

Borwick, Leonard, engl. Pianist, geb. 
26. Febr. 1868 zu Walthamstow, Essex; gest. im 
Sept. 1925 auf der Reise in Frankreicb, seit 
seinem 16. Jahr erst Schuler von Henry R. 
Bird (Kl.) u. Alfred Gibson (V. u. Va.), dann 
von Clara Schumann (Kl.), Scholz u. Knorr 
(Kompos,), Fritz Bassermann (V.) am Hoch- 
schen Kons. in Frankfurt. Im Nov. 1889 
debiitierte er in einem der dortigen Museums- 
konzerte mit Beethoven's op. 73, 1890 in 
London mit Rob. Schumann's Kl.konzert, 
1891 mit Brahms' D-moll-Konzert in Wien; er 
war mit J. Joachim bei dessen engl. Abenden 
eng verbunden. B. gehorte zur Schule Clara 
Schumann's, veimannlichte aber die ,,Poesie f " 
dieser Schulung durch eine ihm eigene rhyth- 
mische Kraft. 

Kl.iibertragungen kleiner Orgelstticke von Bach 
(Augener), von Debussy's L' Apres-midi d'un Faune 
u. Files (beide Fromont, Paris). 

BOS, Coenrad van, holl. Pian., geb. 7. Dez. 
1875 zu Leyden, Schuler von Jul. Rontgen 
am Amsterdamer Kons., Pianist im ,,Holl. 
Trio" (mit J. M. van Veen u. J. van Lier), 
feinsinniger Begleiter; lebt in Berlin, 

Bosch, Carlos, span. M.kritiker in Madrid; 
schrieb Impresiones esteticas (Garcia Rico 
& Co. , Madrid) u. andre musikal. Essays. 

Boschettt, Viktor, osterr. Komp., geb. 

23. Aug. 1871 zu Frankfurt a. M. T Schuler 
von W. J. Libensky in Prag, des Wiener Kons. 
(Rauch, Door, Schenner) u. als Orgelschuler 
des Cacilienvereins (C. M. Wolf), bekleidete 
Organistenposten an der Dominikanerkirche 
1886, St. Karl 1888 (1897 Kapellmeister) u. 
1896—1921 als erster Organist am Stephans- 
dom in Wien, war zeitweilig Korrepetitor an 
der Hofoper (19C0— 03) u. ist es seit 1914 wieder. 

Messen; Tedeum; Oratorium; 5 Opern (Die Bruder, 
Linz 1905); Kammermusik (Kl.-Septett mit Blasern). 

BoscHot, Adolphe, franz. M.schriftsteller, 
geb. 4. Mai 1871 zu Fontenay-sous-Bois (Seine), 
mit Th. de Wyzewa Griinder der Pariser 
Mozart-Gesellschaft, seit 1897 Mitarbeiter der 
Revue de Paris und Revue Hebdowadaire; 
Vicepras. des Cercle de la Critique; Musik- 
kritiker des Echo de Paris seit 1910 u. der 
Revue Bleue seit 1919. 

Histoire d'un romantique (Berlioz), 3 Bde., 1906 — 13; 
Vne Vie romantique, 1920; auch engl. (beide Werke 
preisgekront von der Ac. des Beaux-Arts u. der Ac. 
Francaise; Paris, Plon-Nourrit); Le Faust de Berlioz 
(1910, Costallat); Chez les musiciens (2 Bde., 1922 u. 

24, PIon-Nourrit). 

Bose, Fritz von, deutsch. Pianist u. Komp., 
geb. 16. Okt. 1865 zu Konigstein a. d. Elbe, 
Schuler des Leizpiger Kons. u. 1887/88 Bulow's 
in Hamburg, seit 1893 Lehrer f. Kl. am Kons. 
in Karlsruhe, seit 1898 am Leipziger Kons.; 
1912 Prof. B. ist ein feinsinniger u. intimer 
Spieler, Begleiter u. Kammermusikspieler; die 
gleiche Intimitat zeigen seine Werke: 



i. KL: op. 3, 4, 5 (Etiiden), 6 (desgl.), 7 (Sonatinen), 
8, 9, (Suite), 10, 11, 15, 17, 20 (2. Suite), 21; 2 Kon- 
zertstiicke op. 16; 2 Suiten; Suite f. Vc. u. Kl. op. 19; 
Duo f. 2. El. op. 13; Elegie f. Vc. u. Kl. op. 14; 
Sinf. Fantasie f. Kl., Streich-Orch., Horner u. Pauken 
op. 18; Festliches Praludium f. Orch.; auch Chorlieder 
f. gem. Ch. 

Bosetti, Hermine, deutsche Koloratur.- 
sangerin, eigentlichH. v. Flick, geb. 28. Sept. 
1875 in Wien, Schulerin der Amelie Jager- 
Wilczek, seit 1898 am Wiesbadener Hoftheater, 
1900 an der Wiener Hofoper, 1901—24 an 
der Miinchener Oper, seitdem als Gesangs- 
lehrerin in Miinchen u. zugleich am Hoch- 
schen Kons. in Frankfurt a. M. tatig; Sangerin 
von echtem Buhnenblut, natiirlicher Musi- 
kalitat u. auBerordentlich weitgespanntem 
Rollengebiet, das von Mozart bis zur Salome 
reichte. 

Boskoff, Georges, ruman. Pianist u. Komp., 
geb. 1882 in Jassy, stud, in L. Diemer's Klasso 
am Pariser Cons. u. lebt in Paris. 

Kl.stucke, Ubertragungen Bachscher Orgelwerke 
(Paris, Hamelle). 

Bosquet, Emile, belg. Pianist, geb. 8. Dez. 
1878 zu Brussel, Schuler des Brusseler Cons, 
u. der Wiener Akad. (Rubinsteinpreis 1900); 
1905 Lehrer am Antwerpener u. 1919 am 
Brusseler Cons., kultivierter Spieler, der seit 
1895 sich fur selten gehorte altere u. neue 
Musik eingesetzt hat. Er hat auch verschiedene 
kl.-padagogische Werke geschrieben. 

BOSSI, Costante Adolfo, ital. Organist u. 
Komp. , geb. 25. Dez. 1876 zu Morbegno 
(Sondrio), Schuler seines Vaters.Pietro, desOrga- 
nisten in Morbegno, u. seines beruhmten Bruders 
Enrico, dann noch von G. Mattioli in Reggio 
EmiUa u. des Mailander Kons. Seit 1907 ist 
er Organist am Mailander Dom, seit 1914 am 
Kons. Lehrer f. Harm. u. Kp. 

Opern: Enoch Arden, 3akt. (1913); La mammola 
e I'eroe, lakt. (Mail., Teatro Fossati 1916); Operette: 
11 marito decorativo (id. 1916); 2 Messen; ein Requiem; 
Orgel- u. Kl.stucke; Streichquartett. 

BOSSI, Enrico Marco, ital. Organ, u. Komp., 
geb. 25 April 1861 zu Said, gest. auf der Uber- 
fahrt von Amerika in die Heimat Ende Februar 
1925, einer der geachtetsten modernen ital, 
Musiker u. Komponisten u. ein Organist 
von Weltruf. Als Komponist von Konzert- 
musik stent er in den letzten 10 Jahren des 
19. Jahrhunderts als Bebauer des sinfon. , 
vokal- u. instrumentalmusikalischen Feldea 
im idealsten Sinn neben Sgambati u. Martucci. 
Sein Schaffen ist sehr stark deutsch orientiert, 
u. er verdankt auch einen groBen Teil seiner 
Erfolge Deutschland. 

B. studierte zuerst am Liceo mus. in Bologna 
u. dann am Mailander Konservatorium; 1879 
ward er auf Auslandsreisen (London) inne, 
wie sehr die Lehre des Orgelspiels in Italien 
zuriickgeblieben sei; er begann seine Reform- 
tatigkeit durch eine Revolutionierung der 
alten Methoden. 1881 erhielt er im Wett- 
bewerb Bonetti mit einer einakt. Oper, Paquita, 



68 



Bossi— Botti. 



eine Ehrenerwahnung; im gleichen Jahr 
wurde er Chorleiter u. Organist am Dom zu 
Como; 1890—95 war er Lehrer des Orgel- 
spiels u. der Harmonielehre am Kons. zu 
Neapel, 1895—1902 Dir. des Liceo Mus. B. 
Marcello in Venedig; 1912 folgte er Martucci 
in der Leitung des Lie. mus. in Bologna; 
widmete sich 1911—16 ganz seinem Schaffen, 
ubernahm 1916 wieder die Leitung des Lie. 
mus. di S. Cecilia in Rom, die er 1922 aber 
wieder niederlegte. 

Chorwerke: Canticum CarUicorum, bibl. Kantate 
op. 120 f. Soli, Ch., Orch. v. Orgel (Leipzig 1900, St. 
Thomas); II Paradiso perduto op. 125 (poema sinfonico 
vocale f. Ch. u. Orch., Augsburg 1903); Giovanna d'Arco, 
Mysterium (Kbln 1914). 

Opern : Paguita, 1 akt. (Mailand, Cons. 1881) ; II 
Veggente (Der Seher, Mail. 1890, T. Dal Verrae); um- 
gearbeitet unter dem Xitel II Viandante {Mannheim 
1896); L'Angelo della Notte, 4akt. (unaufgef.)- 

Orgel: Konzert f. Org. u. Orch. op. 100; Ouvertiire 
op, 3; Zwei Scherzi u, ein Impromptu op. 49; Inno 
trionfale op. 53; Suite Res severa magnum gaudium 
op. 59; Fuge: Fede a Bach; Fantasie op. 64; Marcia 
processionale op. 68; Marcia eroica op. 72; Studio sin- 
lonico op. 78. 

Tota pulchra f. gem. Ch. u. Orgel op. 96; Messa 
a S. Marco, 3st. mit Orgel op. 61; 2 Messe da Requiem 
op. 83 u. op. 90; Cantate Domino, Hymne; Lo Sposa- 
lizio f. Org., Stretcher u. Harfe; Tema e variazioni 
f. Orch. op. 131 (Peters); Suite sinfonica D-moll op. 126 
(Peters); II Cieco op. 112 f. Bar., Chor u. Orch. (Yen. 
1898); Mossa d'Averno, Kantate f. 4 St., Kl. u. Harm, 
auf eine Dichtung von Leo XIII op. 78; Intermezzi 
goldoniani op. 127 f. Streichorch (Peters); OuvertuTe 
op. 1; Impromptu f. Orch. op. 55; 2 Kl. trios D-moll 
op. 107 u. D-dur 123; 2 Sonaten f. Kl. u. V. E-moll 
(Br. & H.) u. C-dur op. 117 (Kistner); Suite f. V. u. 
Kl. op. 99 (Br. & H.); Suiten f. Vc; zahlreiche Kl.- 
Stiicke; Bomanzen. 

Zusammen mit Gio. Tebaldini hat B. veroffentlicht: 
Metodo di studio per I'organo moderno (Mail., Cariach 
1893/4), ein an den Kons. Italiens eingefuhrtes AVerk. 

(Verleger: Lucca, Bicordi, Musica Sacra, Pigna, 
Carisch in Mailand; S. T. E. N., Perosino, F. J. P. in 
Turin; Pizzi in Bologna; Societa Musicale, Izzo, Pisano 
in Neapel; Durand, Lemoine in Paris; Augener, TSTovello, 
Landy in London; Peters, Kistner, Br. & H. in Leipzig; 
Heinrichshofen in Magdeburg; Schirmer, Fischer in 
New York; Presser in Philadelphia, Hug in Zurich.) 

Bossi, Rinaldo Renzo, ital. Komp., 
Sohn von Enrico B. f geb. 9. April 1883 in 
Como, Schiiler des Liceo B. Marcello in Ve- 
nedig bis 1902 T dann des Leipziger Kons. 
(Pembaur, Homey er, Nikisch) bis 1904; dann 
KM. in Altenburg u. Lubeck, 1908/9 an der 
Scala u. in andern ital. Stadten. 1913 Lehrer f. 
Org. u. Kompos. am Kons. in Parma, seit 1916 
am Kons. in Mailand. Seit 1923 an der Zeitung 
VAmbrosiano auch kritisch tatig. Seit 1923 
ist er Vorsitzender der Federazione Lombarda 
Professionisti di Musica. 

Orch.: Fantasia sinfonica op. 6 (Fantuzzi); Sinf. 
A-moll op. 11 (Peters) u. a. Werke f. Orch.; V .konzert 
op. 15 (Bongiovanni, Bologna); Sonata intima f . V. u. Kl. 
op, 31 (Bicordi); Leggenda di un fiore op. 8 f. Soli, Ch. 
u. Orch. (Fantuzzi. Mailand); Streichquartett op. 28 
(Bongiovanni); Kl.- u. Orgelstiicke; drei 6st. Motetten 
op. 22 (Ed. Musica Sacra, Mailand); Lieder; Opern: 
Passa la rondal lakt. op. 20 (Mail. 1919); Rosa Rossa, 
lakt., nach O. Wilde, op. 18; La notte del Mille, 
3akt. op. 35. Vgl. A. Ferloni, R. B. in La Prora, 
April 1924. 

Boston Symphony Orch. , s. Orchester. 



Bosworth & CO. Ltd., engl. Verlag, ge- 
griindet 1889 in Leipzig auf Wunsch von Sir 
Arthur Sullivan zur Publikation u. Verbreitung 
seiner Werke auf dem Kontinent. Die Firma 
hat sich rasch entwickelt, sowohl durch Auf- 
kauf der Kataloge von Leipziger, Stuttgarter, 
Wiener u. Londoner Hausern sowie durch 
eigene Initiative (Sevcik's V.schule; die Kl.- 
padagog. Werke von Beringer, Graham P. 
Moore, Matthay u. a.), u. durch eine Klassiker- 
Ausg. , die jetzt iiber 1000 Bande umfafit; 
Verlagskat. ungef. 40000 Nrn.; Vertretungen 
in London, Briissel, Leipzig, Wien, Zurich 
u. New York. 

Bote & BOCk, deutscher Verlag, gegriindet in 
Berlin 1838 durch Ed. Bote u. Gust. Bock, 
die die Musikalienhandlung von Frohlich u. 
Westphal kauften. Bote schied bald aus; 
1863, nach G. Bock's Tod, wurde Emil Bock 
Chef u. 1871 der Sohn Gustavs Hugo Bock. 
1847—96 erschien im Verlag B. & B. die 
,,Neue Berliner M. zeitung". 1908 erwarb 
der Verlag von Lauterbach & Kuhn die Werke 
Max Reger's. 

BotStiber, Hugo, osterr. M.forscher, geb. 
21. April 1875 zu Wien, Dr. jur. u. phil. ; 
studierte Musik am Kons. bei Robert Fuchs, 
spater privatim bei Zemlinsky. 1896 wurde 
er Assistent von Mandyczewski an der Bibl. 
der Ges. d. M.freunde u. Kanzleidirektor des 
Kons.; 1913 Generalsekretar der Konzert- 
hausgesellschaft. Die Griindung u. Errichtung 
des Wiener Konzerthauses ist seinen Bemuh- 
ungen zu verdanken. 1904—11 redigierte B. 
das wissenschaftlich u. statistisch wertvolle 
Musikbuch aus Osterreich. 

Gesch. der Ouvertiire (Leipz. 1913, Br. & H.); Haydn 
u. das Verlagshaus Artaria (zus. mit Franz Artaria, 
Wien 1913) ; Hrsg. : Orgehverke Fachelbel's; Wiener 
Kl.meister des 17. Jahrhunderts (D T 0). B. ist rait 
der Vollendung vonPohl's Haydn-Biographie beschaftigt. 

Bottaro, Cav. Arnaldo, Sanger u. Padag., 
geb. 1871 in Genua, stud, bei verschiedenen 
Lehrern ohne Erfolg, bis endlich die Methode 
Tartini's seinen Tenor entwickelte; begann 
seine Opernlaufbahn am Teatro Carlo Felice 
in Genua u. kam nach Gesangsreisen in Spanien, 
der Turkei, Agypten u. Griechenland , 1907 
an die Oper in Buenos Aires. Dort ist er am 
Kons. Gesangslehrer. 

BottSZZO, Luigi, ital. Organist, geb. 9. Juli 
1845 zu Presina" (Padua), gest. 29. Dez. 1924 
in Padua; erbhndete als Kind u. trat 1856 
ins Blindeninstitut zu Padua , wo er zum 
Musiker ausgebildet, 1864 als M. lehrer ange- 
stellt wurde. 1872 wurde er Organist an 
S. Antonio u. 1895 daneben Orgeilehrer an 
der stadt. M.schule. Zu seinen vielen Schulern 
zahlt R. Casimiri. 

374 Opuszahlen, darunter viele kirchliche Vokal- 
werke u. Orgelsachen; Orgelschule (mit Bavanello); 
Anthologie alterer u. neuerer Orgelmusik. 

Botti, Cardenio, ital Militarkm. u. Komp., 
geb. 14. Dez. 1890 zu Magliano Sabino; be- 



Boucher— Bourgault-Ducoudray. 



69 



gann seine musik. Lauf bahn in der Sixtinischen 
Kapelle unter Perosi; stud. V. bei Tagliacozzo 
u. Fattorini u. Blaserorchestrierung bei Al. 
Vessella am Liceo di S. Cecilia in Rom. 1914 
wurde er KM. des 35. Infanterie-Reg. mit dem 
Standort Bologna; neuerlich ist er in La 
Valetta (Malta). 

Instrumentale u. vokale Kammermusik; auch schrift- 
stellerische Arbeiten. 

Boucher, Maurice, franz. M.forscher, geb. 
10. Dez. 1885 zu Tours, Schuler der Ecole 
Normale Superieure in Paris ; Agrege des 
Lettres; 1907—08 an der Berliner Univ.; in 
der Musik Schuler von Augustin Savard; Kri- 
tiker am Avenir, Mitarbeiter der Revue Musi- 
cale u. des Monde Musical] jetzt Prof, am 
Lycee Louis-le- Grand. 

Deux Le'gendes, suivies d'une Reflexion, f. Streich- 
quartett; Kl.stucke (En Savoie; JDanses et Prieres); 
lieder auf eigene Texte. 

Schriften: Alberic Magnard (Lyon 1919, Les deux 
Collines); Po&mes (id.); Les Chants de la Terre et de 
I'Eau (Paris 1921)- Pay sages (1923). 

Boucherit, Jules, franz. Violinist, geb. 
29. Marz 1897 zu Morlaix, Schuler von Lefort, 
1. Preistrager am Pariser Cons. 1892, 1900 
bis 1919 als feinsinniger Konzertspieler tatig 
(Mozart, . in neuerer Zeit auch Romantiker u. 
Moderne). 

Boughton, Rutland, engl. Komp., geb. 
23. Jan. 1878 zu Aylesbury, Bucks., 1892—98 
in der Konzertagentur von Cecil Barth tatig, 
stud, am R.C.M. in London bei Charles Stan- 
ford u. Walford Davies (1900-01); 1902-04 
Orchesterspieler im Haymarket Th. Von 
1904—10 lehxte er Singen am Birmingham 
Midland Inst, of Music (unter Bantock), 
u. grtindete u. leitete dort die New Choral 
Society; 1910 besuchte er Berlin u. BayTeuth. 
Im Aug. 1914 unternahm er eine Reihe von 
Musikfestspielen zu Glastonbury, Somerset, zu- 
nachstmit dem Plan, einen Zyklus von Musik- 
dramen aus dem Arthur- Sagenkreis, Dichtung 
von R. R. Buckley (f ) aufzufuhren, Vorspiel u. 
erste Szene von The Birth of Arthur waren 
schon 1913 in Bournemouth unter Edgar 
L. Bainton gegeben worden. Arthur of Britain 
kam, aus Mangel an einem passenden Ge- 
baude, nicht zur Auffuhrung; die Tintagelszene 
u. die romantische Oper The Immortal Hour 
(nach Fiona Maclecd) wuiden d^gegen im 
Aug. 1914 von den Glastonburyspielern, meist 
Ortsansassigen . gespielt: B. hat stets auf das 
Konnen der Liebhaber gebaut, u. sein erstes 
Wagnis gab den AnstoB zur Griindung der 
Glastonbury-Music School u. der Glaston- 
bury-Festspiele. 1922 fuhrte er in diesem 
Rahmen seine Alcestis auf; sein Bethlehem 
kam dagegen 1923 am Regent Theatre in 
London auf die Buhne. 1921—22 begrtindete 
er die Bristol Festival School. B. ist ein 
echter Buhnenkomponist; nationales Fuhlen 
u. Volksmusik spielen unter seiner musi- 
kahschen Ausriistung eine grofie Rolle. 



Buhnenwerke: The Birth of Arthur op. 27, 1907/8' 
MS ; The Immortal Sour op. 36, 1912/13 (Stainer & Bell) ; 
Baliett Snow-White, op. 40, 1914; Bethlehem, op. 41, 
1915 (Curwen); The Bound Table, op. 42, 1916; Dawn 
at Agincourt, op, 44. 1918; The Moon- Maiden, op. 46 
1919 (Curwen); Alcestis, op. 50, 1920/22 (id.), The 
Queen of Cornwall, 1925. 

Sinfonie Oliver Cromwell, op. 19 (ms,); Orch.-Suite 
The Wee Men (ms.). 

Chorwerke: Midnight, op., 26 (Novello); The Invin- 
cible Armada op. 12 (id.); The Skeleton in Armour 
op. 2 (id,); Song of Liberty op. 31 (Curwen); Chor- 
Variationen iiber Volkslieder (Leeds-Fest. ; W. Reeves); 
6 geistliche Gesange a cappella (Reeves); Chorreigen, 
a capp. (Curwen). 

Sonate D-dur f. V. u. Kl. op. 49 (Goodwin & Tabb); 
Celtic Prelude op. 43 f. KLtrio; Streichquartette A-dur 
u. F-dur, 1923; Lieder-Zyklen : Songs of Womanhood 
op. 33 (Larway); Five Symbol Songs i. S. mit Streich- 
quartett op. 48 (Curwen); zahlreiche Lieder u. Chore 
(Curwen, Weekes, Beeves, Ts T ovello). 

Schriften: Back (J. Lane); The Glastonbury Festival 
Movement ( Somerset Folk Press) ; The Death and 
Bessureclion of the Mus. Festivals (W. Beeves); The 
Music-Drama of the Future (id.); A Study of Parsifal 
(Mus. Opinion Office). 

Boulanger, Lily, franz. Komponistin, geb. 
2. Aug. 1893 in Paris, gest. daselbst 15. Marz 
1918, aus einer Musikerfamihe stammend u. 
fruhreif; gewann, als erste Frau, 1913 den 
Rompreis, u. trotzte schwerer Krankheit eine 
Reihe von Werken ab, die nicht so sehr ihrer 
Neuheit wegen, sondern um ihrer Feinsinnig- 
keit u. Gefuhlsreinheit willen bemerkenswert 
sind. 

Deux Psaumes f. Chor u. Orch. ; Liederzyklus 
Les ClairUres du ciel u. andre Vokalwerke u. religiose 
Musik; D'un matin de printemps f. Fl. u. Kl. (Hamelle, 
1923). 

Vgl. Camille Mauclair, La Vie et Vceuvre de L. B. 
(Bevue Musicale, Aug, 1921). 

BoulnoiS, Joseph, franz. Komp., geb. 1880 
zu Paris, gef alien 1918 zu Chalaines a. d. Maas. 

Opern, Sinfonien, Kammermusik, meist MS. 

Boult, Adrian Cedric, engl. Dirig., geb. 
8. April 1889 zu Chester, erzogen an der West- 
minster School u. zu Christ Ch. Oxford (Musik 
bei Sir Hugh Allen); dann (1912/3) am Kons. 
(Sitt, Lindner, Krehl) in Leipzig, wo er sich 
an Nikisch bildete; 1914 an Covent Garden, 
seit 1918 Dirigent verschiedener Londoner 
Sinf.konzerte; 1919 Lehrer f. Dirigieren am 
R.C.M. , Mus. Doc. Oxon. Er hat sich vor 
allem fur die jiingere engl. Komponisten- 
schule eingesetzt. 

Handbook for Conductors (London, Goodwin & 
Tabb). 

Bourgault-DuCOUdray, Louis Albert, franz. 
Komp., geb. 2. Febr. 1840 zu Nantes, gest. 
4. Juli 1910 zu Vernouillet bei Paris. In seiner 
Kindheit horte er zu Hause viel Kammer- 
musik , komponiert e 18 j ahrig eine kleine 
komische Oper, die 1859 in Nantes aufgefuhrt 
wurde u. kam im selben Jahr nach Paris, 
wo er ins Cons, eintrat, bei Ambr. Thomas 
studierte u. 1862 den Rompreis erhielt. In 
Rom befafite er sich mit der Musik der Pa- 
lestrinazeit u. mit Volksmusik. 1869 griindete 
er in Paris einen Chorverein zur Auffuhrung 
alter u. neuer Chorwerke, der in den funf Jahren, 



70 



Bourieilo— Bowen. 



seiner Wirksamkeit sich sehr hervortat. 1874 
ging er zur Herstellung seiner Gesundheit, 
die seit dem deutsch-franz. Krieg sehr gelitten 
hatte, in offizieller Sendung nach Griechen- 
land. Hier begann er seine Studien der grie- 
chischen Kirchen- u. Volksmusik unter An- 
wendung einer neuen Methode, wurde 1878 
Lehrer der M.gesch. u. M.asthetik am Pariser 
Cons., ein Posten, den er mit weitreichender 
Wirkung 30 Jahre lang versah: seine Vor- 
lesung iiber russ. Musik 1903 kiindigte deren 
Siegeszug nach Westen an. Schon 1878 sprach 
er aus, wie notwendig es sei, das Vokabular 
der M. durch Zuriickgreifen M auf alle mog- 
lichen Tonarten, alte oder neue, europaische 
oder exotische" zu erweitern. Seine Theorie 
setzte er in die Praxis um in Werken wie 
Rhapsodie cambodgienne (1882, Choudens), Le 
Carnaval d'Athenes (1884, Choudens) fur 
Orch., oder wie die Opern Myrdhin (1905, MS.) 
u. Thamara (Paris, Opera 1891, wieder auf- 
genommen 1907) u. a. 

Seine andern Hauptwerke sind die Opern: Michel 
Colomb, 1877 u. Bretagne, 1888, beide MS; ein Stabat 
Mater 1862, eine Hymne a la Joie, 1864; Prom&thie, 
1868 u. viele andre Chorkantaten oder Hymnen; 
L'Enterrement d'Ophilie (1877, Joubert) f. Orch.; 
ein kleines satirisches Spiel La Conjuration des fleurs 
1883 auf eignea Text; ein Flotenquartett (Lemoine) 
u. zahlreiche Lieder. Er 1st ein Komp. von starker 
Originalitat u. urspriinglichem Gefiihl, dessen beste 
Werke, waxen sie bekannter, bei den Musikliebhabern 
popular werden konnten. Seine Volksliedsamralungen 
sind klassisch in ihrer Art: Trente Melodies populaires 
de la Grece et de V Orient, 1875; Trente Melodies popu- 
laires de la Basse Bretagne, 1883; Milodies du Pays 
de Galles et d'Ecosse, 1909; ebenso seine Bucher: Etudes 
sur la musique ecclesiastique grecque, 1877; La Mo- 
daliU dans la musique grecque; Souvenirs d'une mission 
musicals en Orient (Hachette); Schubert 1908 (Laurens). 

Vgl. M. Emmanuel, Eloge funebre de L. A. B.-D., 
Paris 1911, mit Werkverzeichnts. 

Bourieilo, Fran 901s, frz. Komp., geb. 1872 
in Algier; dieser blinde Komp. hat sich in 
langen Jahren mit dem span. u. algerischen 
Genius Loci vertraut gemacht u. ist von ihm 
zur Transkription vieler Volksweisen inspiriert 
worden. Fruher Organist der grofien Orgel 
in der Kath. zu Algier. 

Opern: Catherine de Sienne; Le Lys dans la Vallee 
(nach Balzac); Liberation. Kantate: Le Cantique des 
Cantiques i. Ten. mit Org., Harfe, Ob. u. Fl. Kl.stiicke: 
Suite algerienne ; Suite espagnole ; Le Livre de la Jungle; 
Preludes; Tarentelles u. a. 

Bouvet, Charles, frz. M.schriitsteller, geb. 
3. Jan. 1858 zu Paris ; besuchte, neben 
klassischen Studion, auch das Cons. (Eugene 
Sauzay, V.); seit 1923 Archivar der Oper als 
Nachfolger von H. Quittard (s. d.). Ergriindete 
u. leitete 1903—11 die Fondation J.-S. Bach, 
einen besonders der Auffiihrung alter Musik 
gewidmeten Verein, der um die Wiederbelebung 
alter Musik in Paris die groBten Verdienste 
hat. Er schrieb fur verschiedene Zeitschriften, 
wie Monde Musical, Courrier Musical, Bulletin 
de la Soc. franc, de Musicologie. 

XJne lecon de G. Tartini et une femme violiniste au 
XVIIIe siecle (Paris 1915, Senart); Une Dynastie de mu- 
siciens francais: Les Couperins (Paris 1919, Delagrave); 



Sammlung alterer Musik, veroffentl. unter dem Titel 
Collection Charles Bouvet (Paris, E. Demets); 4 In- 
ventionen f. V. \\. Kl. aus La Pace von Er. Antonio 
Buonporti, die lange als Werke Bach's galten; Pieces 
de viole de F. Couperin (Durand). 

Bowdcn, Alfred H. E., tasmanisch. Musiker, 
geb. zu Glenorchy bei Hobart, 26gling von 
A. Jackson Dentith zu Hobart u. Heinrich 
Dettmer in Victoria ; 14 Jahre lang Chorleiter 
an St. Andrew's Presbyterian Ch. zu Laun- 
ceston, wo er eine Reihe Oratorien auffiihrte; 
einige Jahre Mitglied der Philh. Society Orch. 
Melbourne. 35 Jahre lang Lehrer in Tasmania, 
23 Jahre unter dem Pseudonym Moderato 
M.kritiker des Daily Telegraph zu Launceston. 
1920 machte das Trinity Coll. of Music zu 
London ihn zum Ehrenmitglied. 

Stucke f. V. u. Kl. 

Bowden, Mrs. Alfred H. E., tasmanische 
Pianistin u. Lehrerin, geb. zu Hobart, stud, 
bei ihrem Vater, A. Jackson Dentith, damals 
dem hervorragendsten Musiker in Hobart 
( Schiiler von Costa in London u. Jakob Schmidt 
in Hamburg) ; Konzertspielerin in Tasmania u. 
Melbourne ; erfolgreiche Padagogin. 

Kl. stucke, Lieder, Anthems u. a. (Allan & Co., 
Melbourne), 

Bowen, York, engl. Komp. u. Pianist, geb. 
22. Febr. 1884 in London, spielte offentlich 
ein Kl.konzert schon mit 8 L / 2 Jahren, gewann 
mit 14 Jahren ein dreijahr. Stipendium an 
der R.A.M. u. spater ein zweijahr. (Kl. bei 
Tobias Matthay, Komp. bei Battison Haynes u. 
F. Corder) ; wurde spater Lehrer an der R.A.M. 
Er ist einer der fuhrenden engl. Pianisten der 
letzten 20 Jahre, der iiber vollen u. reichen 
Ton, eine umfassende musikalische Kultur u. 
eine glanzende Technik verfugt. Als Komp. 
steht er auf dem Gebiet der Kl. musik am 
hochsten; er kommt aus romantischer Schule, 
die er mit all den feineren Nuancen des mo- 
dernen harmonischen Stils bereichert hat. 
Seine fruheren Werke verraten Wagnerischen 
EinfluB; seine spateren sind durchaus original: 
neuromantisch in der Empfindung u. ganz 
! unberiihrt vom franzosischen Impressionismus. 
I Seine Beitrage zur Kammermusik, besonders 
I zur Kl.- u. Va.musik, sind besonders wert- 
1 voU. 

I 2 Sinfonien op. 4 u. 31, MS; Ouvcrture op. 15; 

Suite; Tondichtung Eventide; 3 Kl.konzerte op. 11, 

17 u. 23, das erste 1904, das dritte (G-moll) 1908 in 

London aufgef.; V.konzert E-moll op. 34 (Ascher- 

berg); Bratsehen-Konzert C-moll op. 25; sinf. Dich- 

tung The Lament of Tasso op. 5 (1903); Rhapsodie 

f. Vc. u. Orch., 1923; At the Play /. Orch. op. 50 (Ascher- 

berg); Septett f. Klar., Horn, Kl. u. Streichquartett, MS; 

Trio f. Va., Harfe u. Org.; Streichquartett fur 4 Violen, 

Mr. 2 D-inoll op. 41, II (Stainer & Bell); 1ST. 3 G-dur 

op. 27 (id.); Sonate fiirVc.u.Kl.op.64 (Schott, London); 

I 2 Sonatenop. 18 u. 22 u. eine Suite f. Va. u. Kl. (Schott); 

I 5 Suiten f. Kl. op. 14, 30, 38, 39, 42 (1, 2 u. 3 Anglo-Er. 

I Co.; 4 u. 5 J. Williams); Polonaise Eis-dur op. 26 

j (Anglo-Fr. Co.); Kl.stiicke (Swan, Ricordi, Ascher- 

berg); Stticke f. 2 Klaviere (Stainer & Bell); 12 Etuden; 

j Bells (Ascherberg); Curiosity Suite op. 42 (,T. Williams); 

j Hans Andersen, 4 Hefte (Swan); Kl. sonate E-moll 

op. 72 (id.); 7 Lieder 1921 (id.); Chinese Lyrics op. 43 



(Enoch); Meg Merrilies, Ges. mit StreichquaTtett, 



Braga — Brahms. 



71 



1921, MS; Songs of Elf land op. 73 (Swan); 2 Lieder 
op. 75 (id.). 

Braga, Hernani, port. Pian., geb. urn 1855, 
Schiiler von Marmontel in Paris, war lange 
Zeit Lehrer an der Academia de Amados de 
Musica in Lissabon, u. fuhrte Musik fur Cla- 
vecin in Lissabon ein, als einziger portug. 
Lehrer, der ein solches Instrument besafi. 

Brahms, Johannes, deutscher Komp. , 
geb. 7. Mai 1833 zu Hamburg, gest. 3. April 
1897 zu Wien. Brahms' Lebensschicksale 
seien ganz kurz verzeichnet. Sohn des 
Hamburger Kontrabassisten Johann Jakob 
B. u. von Henrika Christina, geb. Nissen , 
erhielt er den ersten V.- u. V.cell.-Unterricbt 
von seinem Vater, ICl.unterricht von Otto 
Pr. W. Cossel u. Kompos.-Unterricht von 
Eduard Marxsen. Sein erstes offentlicbes 
Auftreten als Klavierspieler erfolgte am 
21. Sept. 1848 zu Hamburg. Im April 1853 
verlieB er seine Vaterstadt, um mit dem 
ungar. Geiger Ed. Remenyi eine Konzertreise 
als Begleiter zu machen ; im Mai lernte er in 
Hannover Jos. Joachim kennen, mit dem ihn 
eine — trotz mancher schweren Tnibung — 
lebenslangliche Freundschaft verband. Etwas 
spater wurde er mit Liszt bekannt, dessen 
Gast er auf der Altenburg war u. dessen kunstle- 
rischer Antagonist er spater werden sollte; 
endlich, im Herbst, mit Schumann in Dussel- 
dorf . Schumann's enthusiastischer Einfuhrungs- 
artikel (,,Neue Bahnen") in der N. Zeitschrift 
f. Musik, 23. Okt. 1853, war es, der B.s Namen 
mit einem Schlag in Deutschland Klang 
verlieh. Nach einigen Konzertfahrten u. 
Besuchen bei Clara Schumann u. Joachim, 
liefi B. im Sept. 1857 sich als Chorleiter u. 
Lehrer der Prinzessin Friederike in Detmold 
nieder. 1860 kehrte er nach Hamburg zuruck, 
wo er einen Damenchorverein leitete u. wo 
die Werke op. 18—34 entstanden. Im Sept. 

1862 siedelte er nach Wien iiber, das fur den 
Norddeutschen fortan zur zweiten Heimat 

1863 wurde. Im Winter 1853 ubernahm er fur 
kurze Zeit die Leitung der Wiener Sing- 
akademie, fuhrte dann fur einige Jahre ein 
ziemlich ruheloses Leben mit den Stationen 
Hamburg, Zurich, Baden-Baden, um 1869 
dauernd in Wien zu bleiben. 1872—75 leitete 
er noch die Konzerte der Ges. d. Musikfreunde ; 
seitdem lebte er nur mehr seinem Schaffen 
n. verlieB Wien nur zu seinen regelmafiigen 
Sommerreisen ins Salzkammergut , in die 
Schweiz, oder zu Fahrten nach Italien, deren 
Eindrucke sein Schaffen tief beeinfluflten. 

Die musikpolitischen Wirrnisse, die das 
Bild der Personlichkeit von B. zu seinen 
Lebzeiten u. noch lange nach seinem Tod 
getnibt haben, sind langst geschichtliche 
Facta geworden. Auch sein Antagonismus 
gegen Wagner, ein Gegensatz der immer 
seine Schatzung steigen lieB, wenn diejenige 



Wagner 's sank , kann unser Urteil nicht 
mehr beeinflussen. Brahms ist der grofle 
Efbe einer spaten Zeit, die mit diesem un- 
geheuren Erbe nicht mehr ganz fertig wird; 
er hat den heroischen u. denkwurdigen Ver- 
such gemacht, es zu erwerben um es zu be- 
sitzen, u. hat dabei erkannt, daft er der hoff- 
nungslosen Generation der Nachgebornen an- 
gehort, der Kunst nicht mehr der naturlich 
gegebene , voile Ausdruck des Lebens ist. 
So ist sein ganzes Schaffen, nach einem kurzen, 
romantischen Jugendsturm, auf Aneignung 
in einem hohen, verantwortlichen Sinn u. 
auf alien Gebieten der Vokal- u. Instrumental- 
musik, mit Ausnahme der Oper, gerichtet; 
er hat versucht, die klassischen Formen, 
Variation, Sonate, als lebendige Formen noch 
einmal zu erf iillen, u. auf der Art, in der er 
dies getan, beruht seine einsame Meisterschaft 
im 19. Jahrhundert. Und so endet sein Schaffen 
mit dem Gefuhl der tiefen Resignation, der 
er in seinen letzten Werken den vollendeten 
menschlich-kunstlerischen Ausdruck gegeben 
hat. Im auBersten Gegensatz steht er zu 
dem ,,Expressionismus (i unserer Tage, der 
,, Ausdruck** gleichsam ohne ,,Form" geben 
mochte: nichts besteht gerade bei ihm ohne 
die groBte Kunstf ulle der Gestaltung , die 
immer auf eine Form der Vergangenheit 
bezogen u. ohne diese Bezogenheit gar nicht 
ganz verstandlich ist. Fur die , ,Moderne" ist er 
zweifellos der einfluBloseste aller Meister, 
was seiner GroBe, der Erfullung seiner ge- 
schichtlichen Mission, nicht den mindesten 
Abbruch tut. 

Orch. : Serenade D-dur op. 11 ; Serenade A-dur 
op. 16; Variationen (Thema von Haydn) op. 56a; Sin- 
fonie C-moll op. 68; Sinfonte D-dur op. 73; Sinf. 
F-dur op. 90; Sinf. E-moll op. 98; 2 Ouvertiiren 
(Akademische) op. 80; (Tragische) op. 81; Arran- 
gement: 3 ungar. Tanze, 

F. Klavier u. Orch.: 2 Konzerte D-moll. op. 15; 
B-dur op. 83; 2 Kadenzen zu Beethoven's G-dur- 
Konzert f. Kl.. 

F. Klavier allein: 3 Sonaten: C-dur op. 1, Fis-moll 
op. 2, F-moll op. 5: Scherzo Es-moll op. 4; Variationen 
(Thema von Schumann) op. 9; Balladen op. 10; 
op. 21 Nr. 1 Variationen (Eigenes Thema); ISTr. 2 Varia- 
tionen (Ungarisches Lied); Variationen u. Fuge (Thema 
von Handel) op. 24; Variationen, 2 Hefte (Thema 
v. Paganini) op. 35; KUtucke 2 Hefte op. 76; 2 Rhap- 
sodien op. 79; Phantaaien, 2 Hefte op. 116; 3 Inter- 
mezzi op. 117; Kl.stiicke op. 118; Kl.stiicke op. 119; 
Technische tJtaungen 2 Hefte; Arrangement: Ungar. 
Tanze 2 Hefte; Arrangem.: Studien 1 — 5; Arrangem.: 
Gavotte v. Giuck. 

Klavier zu 4 Handen: Variationen (Thema v. Schu- 
mann) op. 23; Walzer op. 39; Walzer (Liebeslieder) 
op. 52a; Walzer (Neue Liebeslieder) op. 65a; Arrangem: 
Lngarische Tanze 4 Hefte. 

F. 2 Klaviere: Sonate F-moll nach dem Quintett 
op. 34 bis; Variationen (Thema v. Haydn) op. 56b. 

F. Kl. u. V.: 3 Sonaten: G-dur op. 78, A-dur op. 100 
u. D-moll op. 108; Sonatensatz C-moll (nachgelassenes 
Werk). 

F. Kl. u. Vc: 2 Sonaten op. 38 E-moll u. F-dur 
op. 99. 

F. KL u. Klar.: 2 Sonaten F-moll op. 120 (Ni. 1) 
u. Es-dnr op. 120 (Nr. 2). 

F. Kl. u. mehrere Instrumente: Trios: H-dur op, 8 
f. KL, V. u. Vc; C-dur op. 87 f. KL, V. u. Vc.; C-moU 



72 



Brahy— Brancour. 



op. 101 f. Kl., V. u. Vc; Es-dur op. 40 f. K1. 3 V. u. Wald- 
horn (oder Vc. Oder Bratsche); A-moll op. 114 f. Kl., 
Klar. (oder Bratsche) u. Vc. 

3 KL- Quartette: G-moIl op. 25 f. Kl., V., Bratsche 
u. Vc; A-dur op. 26 f. Kl., V.. Bratsche u. Vc; C-molI 
op. 60 f. Kl., V., Bratsche u. Vc. 

1 Quintett: F-moll op. 34 L KL, 2 V., Bratsche n. Vc 

F. Kl. mit Gesang (4 Stiinmen): op. 52 Liebes- 
lieder (Kl. zu 4 Hdn.); op. 65 Neue Liebeslieder (Kl. 
zu 4 Hdn.). 

F. Orgel: op. 122 Elf Choralvorspiele, 2 Hefte (nach- 
gelassenes Werk); ohne Opuszahl Choralvorspiel und 
Fuge A-moll, Fugc As-molh 

F. Strei chins truraente mit Orch.: 2 Konzerte D-dur 
f. V. op. 77 n. L V. u. Vc. A-moll op. 102. 

F. Streichinstrumente: op. 51 Nr. 1 Quartett 
C-moll; op. 51 Nr. 2 Quartett A-moll; op. 67 B-dur 
Quartett; op. 83 F-dur- Quintett; op. Ill G-dur- Quin- 
tett; op. 18 B-dur- Sextett; op. 36 G-dur- Sextett. 

Quintett (mit einem Blasinstrument) op. 115 f. 
Klar. (oder Bratsche), 2 V., Bratsche u. Vc. H-moll. 
Gesang: f. gem. Ch. ohne Begleitung: Marienlieder 
op. 22; 2 Motetten (5 St.) op. 29; 3 Gesange (6st.) 
op. 42; Sieben Lieder op. 62; Zwei Motetten (4 u. 6 at.) 
op. 74; Lieder u. Bomanzen (4st.) op. 93a; Funf Ge- 
sange op. 104; Fest- u. Gedenkspriiche (8st.) op. 109; 
Brei Motetten (4 u. 8st.) op. 110; Deutsche Volkslieder. 

F. FCh. ohne Begleitung: Drei geistliche Chore 
op. 37; Zwolf Lieder u. Romanzen op. 44; Dreizehn 
Kanons op. 113. 

F. MCh. ohne Begl.: Fiinf Lieder (4st.) op. 41. 

F. Ges. mit Orch.begl.: Ave Maria (FrCh.) op. 12; 
Ein deutsches Requiem I. Soli u. Ch. op. 45; Rinaldo 
f. Tenorsolo u. MCh. op. 50; Rhapsodic f. Altsolo u. 
MCh. op. 53; Schicksatslied i. gem. Ch. op. 54; Triumph- 
lied f. Doppelch. op. 55; Nanie 1. gem. Chor op. 82; 
Gesang der Parzen f . 6st. Ch . op . 89 . 

F. Ges. mit Begl. verschiedener Instrumente: Be- 
grabnisges. f. gem. Ch. u. Blasinstr. op. 13; Gesange 
f. FrCh. mit Begl. von 2 Hornern u. Harfe op. 17; 
Zwei Lieder f. eine Altst. mit Bratsche u. Kl. op. 91. 

F. Ch. mit Begl. der Org. oder des Kl. : Ave Maria 
(FrCh.) op. 12; Der 13. Psalm f. FrCh. op. 27; Geist- 
liches Lied f. gem. Ch. (4st.) op. 30. 

F. Ch .mit Begl. des Kl.: Tafellied f. gem. Chor (6st.) 
op. 93b. 

F. 4 Solostimmen mit Kl.: drei Quartette op. 31; 
Drei Quartette op. 64; Vier Quart, op. 92; Sechs 
Quart, op. 112; Liebeslieder mit Kl. zu 4 Hdn. op. 52; 
Neue Liebeslieder mit Kl. zu 4 Hdn. op. 65; Zigeuner- 
lieder op. 103. 

Duette mit Kl.: f. Sopran u. Alt op. 20; f. Sopr. 
u. Alt op. 61; f. Sopr. u. Alt op. 66; f. Alt u. Bar. op. 28; 
Balladen u. Romanzen op. 75; llomanzen u. Lieder 
op. 84. 

F. eine Singstimme mit Kl.begleitung. 6 Gesange 
op. 3; 6 Ges. op, 6; 6 Ges. op. 7; 8 Lieder u. llo- 
manzen op. 14; 5 Gedichte op. 19; 9 Lieder u. Ges. 
op. 32; 15 llomanzen (Magelone) op. 33; 4 Ges. op. 43; 

4 Ges. op. 46; 5 Lieder op. 47; 7 Lieder op. 48; 5 Lieder 
op. 49; 8 Lieder u. Ges. op. 57; 8 Lieder u. Ges. op. 58; 
8 Lieder u. Ges. op. 59; 9 Lieder u. Ges. op. 63; 9 Ges. 

op. 69; 4 Ges. op. 70; 5 Ges. op. 71; 5 Ges. op. 72; 5 
Romanzen u. Lieder op. 84; 6 Lieder op. 85; 6 Lieder 
op. 86; 5 Lieder op. 94; 7 Lieder op. 95; 4 Lieder op. 96; 
6 Lieder op. 97; 5 Lieder op. 105; 5 Lieder op. 106; 

5 Lieder op. 107; Vier ernste Gesange. op. 121; ohne 
Opuszahl: Momlnacht, Nachklang 11." Deutsche Volks- 
lieder, Deutsche Volkskinderlieder. (Die Mehrzahl seiner 
Werke bei N. Simrock). Eine Ges.-Ausg. seiner Werke 
bereitet der Verlag Br. & H. vor. 

Vgl. Ph. Spitta, J. B. (in: Zur Musik, 1894, Paetcl); 
A. Dietrich, Brinnerungen an J. B. in Briefen aus seiner 
Jitgendzeit (1898, Wigand); J. V. Widinann, J . B. in 
Erinnerungen (1898, 4. Aufl. 1921, Paetel): H. lleiniann, 
J. B. (Berlin 1897 f. Verlag Harmonie); G. Ophuls, 
Erinnerungen an J . B. (1921); It. von der Ley en, J. B. 
als Mensc'h u. Freund (Berlin 1908); G. Jenner, J. B. 
als Menseh, Lehrer u, Eilnstler (Marburg 1905, Ehvert); 
Florence May, The life of J. 2>\, 1905; deutsch 1912, 
2 Bde.; (Br. & H.); P. Landormy. B. (Paris 1920); 
J. A. Fuller-Maitland, B. (London 1911, Arnold: deutsch 



Berlin 1913); H. C. Colles. B. (1908; deutsch 1913); 
Max Kalbeck, J. B. (4 Bde., 1904—14, das biographische 
Hauptwerk iiber 13.; Deutsche B.-Gesell.); Walter 
Kiemann, B. (1920, DYA.); Paul Mies, SHlmomente u. 
Ausdrucksstilformen im B.'sehen Lied (1923, B. & H.). 
B.s Briefwechsel erschien in bisher 15 Bden. (Deutsche 
Brahms- Gesellschaft). 

Brahy, Eduard, belg. Dirig.. geb. 1. Sept. 
1873 zu Liittich, gest. 6. Nov. 1919 zu Briissel, 
stud. 1887 am Lutticher Cons., erhielt 1891 
den 1. Preis f. Vc. spiel u. Karnmermusik 
u. vollendete sein Studium bei Jadassohn 
in Leipzig u. bei Biilow, Nikisch u. Wein- 
gartner in Berlin. 1896 kam er nach Briissel 
zuriick u. wurde einer der Griinder des Zimmer- 

I Quartetts, in dem er Vceilist war. 1898—1907 
leitete er die Sinfonie-Konzerte zu Anger, 
1903—13 die Winterkonzerte zu Gent, 1906—18 
die Brahy-Konzerte in Liittich. Nach sehr 
erfolgreicher Konzerttatigkeit in Briissel 1905, 
16, 17 wurde er dort 1919 Dirig. der popularen 
Konzerte; nach dem ersten seiner Konzerte 
starb er. 

Braithwaite, Sam Hartley, engl. Komp, 
u. Pianist, geb. 20. Juli 1883 zu Egremont, 
Cumberland, stud, an der R.A.M. zu London 
(1902 ein Stipendium f. Kl.) : Kompos. 
bei F. Corder, Klar. bei George Clinton, Kl. 
bei Cuthbert Whitemore. 1910—13 war er 
MD. zu Passmore Edwards Settlement; seit 
1917 lebt er gesundheitshalber in Bournemouth. 
Besonders seine Kl. werke sind aus echter 
Kenntnis des Stils geschaffen, 

Ouvertiire f. Militarmusik (London 1911); Ton- 
dichtung f. Orch.: On a Summer's Bay (Bournemouth 
Pest. 1923); Tondichtung Snow-Pidure (Carnegie-Preis 
1923; Stainer & Bell); Kl.musik (Augener, Schirmer, 
Arnold). 

Branberger, Johann, tschech. M.schrift- 
steller, geb. 18. Nov. 1877 zu Prag; absolvierte 
1902 das dort. Kons., 1905 Dr. phil., studierte 
noch an der Berliner Univ. u. machte Biblio- 
theksreisen. 1906— 18 war er Direktions- 
Sekretar u. Lehrer der M.gesch. am Prager 
Kons.; 1918 wurde er vcm tschech. Kons. als 

I Prof, iibernommen u. zugleich zum Sektions- 
rat (Vorsteher der M.abteilung) im Ministerium 
fur Schulwesen u. Volkskultur ernannt. Seit 
1924 ist er Dir. des tschech. Kons. Er redi- 
gierte die tschech. M.zeitschr. Dalibor u. war 
lange Kritiker der Ztg. Cas. 

KatecMsimis der allg. M.gesch.; Vber die Musik der 
Juden; Rhylhmus u. Ton; Geschichte des Eons, zu Prag 
(1911); MusikgeschicJdliches aus Bohmen (die beiden 
letzten Werke deutsch). 1922 veroffentl. er einen 
Musikal. Almanacli der Tsehechoslow. Bepublik, 

BranCO, Freitas, portug. Komp., geb. 
12. Okt. 1890 in Lissabon, stud, bei Hurnper- 
dinck in Berlin, dann in Paris. 

St-reirhqnartett.: Sonaten: Oratcrium; Orgelstiickeu.a, 
Brancour, R ene, frz. M.forscher, geb. 17. Mai 

j 1862 zu Paris, in der Musik Schiiler von Emile 
Durand, seit 1904 Konservator am Instru- 
mentenmuseum des Cons., seit 1S06 Dozent 

I der M.asthetik der Damenkurse an der Sor- 

' bonne. Als Komp. hat er anspruchslose 



Brandeler— Branscombe. 



7$ 



Vokal- u. Kammermusik geschrieben; als 
M.forscher vertritt er die entschiedene Cegen- 
partei der jungen Schule. 

FMcien David, 1911 (Laurens); Melml, 1912 (id.); 
La vie et I'ceuvre de Georges Bizet, 1913; Massenet, 1923 
(Alcan); Eistoire des instruments de musique, 1921 
(Laurens); La Marseillaise et le Chant de Depart (id.) 
u. zahlreiclie Beitrage in Zeitschriften. 

Brandeler, Henriette van Heukelom van 
den, holl. Komponistin, geb. 25. Sept. 1884 
im Haag, Schulerin von Joh. Wagenaar, 
Dirk Schafer, Bernard Zweers. 

Zahlreiche u. mehrmals in Holland aufgef. Chor- 
werke u. Lieder (Alsbach; De Algemeene Muziek- 
handel, Amsterdam; Kdske, im Haag). 

Vgl.: Nolthenius in: Weekblad voor Muziek, 

23. I. 1909; Marie Berdenis van Berlekom in: 
De Vrouw en haar kuis , 1917 ; Henriette van Lennep 
in: De Amsterdammer, 17. Juni 1916; H. Butters 
in: Met Mvziekcollege, Jul! 1917. 

Brandes, Friedrich, deutsch. Dirigent, geb. 
18. Nov. 1864 zu Aschersleben, stud, in Halle, 
Berlin u. Leipzig Literaturgesch. u. Philosophie, 
daneben bei Spitta, Bellermann, Kretzschmar 
Musik, u. machte 1890 das Staatsexamen f. d. 
hohere Lehramt ; 1895 Redakteur des Dresdener 
Anzeiger, 1898—1922 Dirig. des Dresdener 
Lehrergesangvereins, 1909 Univ.MD. u. Dirig. 
der Pauliner in Leipzig, u. als solcher ein 
wichtiger Faktor im Leipziger Musikleben; 
1911—19 auch Red. der N. Z. f. M. 

Mannerchdre, Lieder, Klavierstticke; zahlreiche Auf- 
satze in Fachzeitschriften u. in der Allg. Deutsch. 
Biographie; Bearbeiter des Musikteils von Meyers 
Konversations-Lexikon. 

Brandt, Fritz, deutscher Komp., geb. 

24. Jan. 1880 in Magdeburg, empfing seine 
musikalische Ausbildung zuerst von seinem 
dort als MD. tatigen Vater Prof. Adolph B., 
dann durch kompositorische Studien in Berlin. 
Er lebt jetzt in Dusseldorf. 

op. 1 Lieder und Gesange (Verl . Polyhymnia , Leipzig) 
op. 2 Der Page von Hochburgund, Ballade f. S. u. Kl. 
(Ernst Bisping, Minister); op. 3 Kl. Sonate As-dur 
(Kessler, Trier); op. 4 lieder (Bisping); op. 5 Drei 
Marsche f. Kl. 4h. (id.); op. 6 Sonate f. Vc. u. Kl. Cdur 
(id.); op. 7—10 Lieder (id.); op. 11 Sonate f. zwei Kl. 
Cmoll (id.); op. 12 Ikarus, Tondichtung f. Bariton u. 
Orch. (id.); op. 13 Lieder (id.); op. 14 Streichquartett 
Nr. I A-moll (id.); op. 15 Streichquartett !N T r. II D-moll 
(id.); op. 16 An den Mistral (Nietzsche) f. Bariton und 
Orch. (id.); op. 16 Lustspiel-Ouv. und Buhnemnusik zu 
Shakespeare's Was ihr tcollt (id.); op. 18 Kl.-Qnintett; 
op. 19 Kl.-Konzert (1925 in Dusseldorf mit Walter 
Gieseking). 

Brandt, Marianne (eigentlich Marie Eischof), 
osterr. Biihnensangerin, geb. 12. Sept. 1842 
zu Wien, gest. das. 9. Juli 1921; 1862—66 
am Wiener Kons. Schulerin von Frau Marsch- 
ner, deb. Anfang 1867 als Marianne Brandt 
in Olmiitz, Klagenfurt u. Graz u, wurde 1868 
als erste Altistin an die Berliner Kgl. Oper 
verpflichtet, der sie bis 1886 angehorte (Kgl. 
Kammersangerin). 1869 — 70 machte sie in den 
Ferien noch Studien bei Frau Viardot- Garcia 
in Baden-Baden, 1882 sang sie in Bayreuth 
neben der Materna die Kundry. 1886 sang 
sie noch an der Deutschen Oper in New York. 
Seit 1890 lebte sie als Gesangslehrerin in Wien. 

Vgl. La Mara, Musikalische Studienkopfe V. Bd. 



Brandt-Rantzau, Rolf, norweg. Pianist, geb. 
21. Mai 1883 zu Sarpsborg, 1892-1901 Kl - 
schuler von Paolo Gallico in New York, wa 
er 1898 z. e. M. auftrat; spater noch Schuler 
von Agathe Backer-Grondahl, Xaver Schar- 
wenka u. Busoni ; ein glanzender Konzert- 
spieler; Lehrer in Christiania, wo er auch 
die Kammermusik pflegt. 

BrandtS-BuyS, Jan, holl. Komp., geb. 
12. Sept. 1868 zu Zutphen, Sohn des Musikers 
Marius Adrianus B.-B., Schuler von Max 
Schwarz u. Ant. Urspruch am Frankfurter 
Kons. , lebte dann in Wien u. bei Bozen^ 
jetzt wieder in Wien. Er ist ein etwas. 
unbekummerter Melcdiker, aber ein Meister 
geschliffener Form. 

3 Kl.konzerte op. 3 Des-dur (Cranz); op. 15 F-dur 
(Schlesinger); Suite G-dur f, Streicher, Harfe u. Horn 
op. 7 (Cranz); Tondichtung Meeressang op. 4 (Cranz);. 
Tanered, Konzertstiick f. Vc. u. Orch. op. 35 (Wein- 
berger); Streichsextett D-dur op. 40 f. 3 V., 2 Ve. u. 
Vc. (Weinberger 1917); Streichquartette : C-moll op. 19 
(Weinberger); D-dur op. 23 (Suite im alten Stil; Dob- 
linger); D-moll op. 25 (Eomant. Serenade; Wein- 
berger); op. 28 (Sizilianische Serenade; Weinberger); 
Quintett f. FL u. Streicher D-dur (Doblinger 1903);. 
Kl.trio G-dur op. 1 (Hofmeister); viele Lieder mit 
Kl. u. Orch.; Kl.stucke, darunter Etudes (Leipzig, 
Cranz); fur Orch.: Oberon, RomancerG op. 27; Dilder 
aus dem Kinderleben; vor allem aber die Opern: Da* 
Veilchenjest, Berlin,, kcm. Oper 1909; Das Glocken- 
spiel, Dresden 1913; Die Schneider von Schbnau r 
Dresden 1916; Der Froberer, Dresden 1918; Micar$me r 
Wien 1919, Konacher-Theater; Der Mann im Mond r 
Dresden 1922. 

Brandts-Buys, Johan Sebastian, geb. 
8. Dez, 1879 zu Rotterdam, Sohn und Schuler 
von Ludwig Felix B.-B., Schuler seines Vetters, 
Marius Adrianus B.-B. jun. sowie von Johan 
Wagenaar; 1911 — 19 M.kritiker des Utrechier 
Tageblatt, 1909—11 beteiligt an der Redaktion 
der Toonkunst, ein Pionier moderner Musik. 
1919 ging er nach Java u. stud, die javanischfr 
Musik; er lebt in Solo auf Java. 

De ontwikkelingsmogeliikheden der inlandsche mu- 
ziek op Java; Artikel iiber indonesische Musik. 

Brandts- Buys, Ludwig Felix, holl. Chor- 
leiter u. Komp., geb. 20. Nov. 1847 zu De- 
venter, gest, 29. Juni 1917 zu Velp. 

Chorwerke, Lieder, kleinere Stiicke. 

BrandtS-BuyS Marius, holl. Chorleiter,. 
Bruder von Jan B. B. 

ChOre, Kinderoperetten, zahlreiche Lieder. 

Branscombe, Gena (Mrs. John F. Tenney) r 
canadische Komponistin, geb. 4. Nov. 1887 
zu Picton, Ontario, stud. 1897—99 Kl. bei 
Ziegfeld u. Friedheim, Kompcsition bei Bo- 
rowski am Chicago Mus. Coll., spater Kl. 
bei Ganz u. Kompos. bei Fielitz und Humper- 
dinck. Ihre gefallige melodische Erfindung 
hat ihren zahlreichen Liedern u. Choren viele 
Anhanger erworben; eines ihrer popularsten 
Lieder ist Hail ye Time of Holie Dayes 
(Schmidt). 

Kl.stucke (A. P. Schmidt); Lieder (Schmidt, Schirmer, 
Ditson); 2 Liederzyklen : .4 Lute of Jade u. The Sun- 
Dial (Schmidt 1913); Carnival Fantasy f. V. n. KL 
(id. 1920); Festival Prelude f. Orch. (1914 aufgef. zu 
Peterhoro, N. H.). 



74 



Branzell— Brazys. 



Branzell, Karin Maria, schwed. Altistin, 
Opern- u. Konzertsangerin, geb. 24. Sept. 1891 
zu Stockholm; stud, bei Thekla Hofer, Mantlen, 
Louis Bachuen (Berlin); debiitierte 1911 u. 
war 1912—18 Mitglied der Stockholmer Oper, 
seitdem als Gast an den Opern von Berlin 
u. Wien. Hauptrollen: Amneris, Azucena, 
Carmen, Brunnhilde, Erda, Fricka, Ortrud, 
Brangane, Leonore, Martha u. a . 

BrasllianiSChe Oper s. Gomez, Mignone. 

Brasilien > Musik in. Die Musik in Brasilien 
oder vielmehr in Rio de Janeiro ist bis jetzt 
nichts weiter als das Echo der europaischen 
Musik nach Wagner u. Saint- Saens (abge- 
sehen von der bleibenden Vorherrschaft der 
italienischen Oper), wobei im letzten Jahr- 
zehnt sich das Gewicht der Nachahmung 
immer mehr zugunsten der franzosischen 
Musik verschoben hat, dank vor allem der 
Neigung der beiden Komponisten u. Kon- 
servatoriums- Dir ektoren Alberto Nepomu- 
ceno u. Henrique Oswald zum Impressio- 
nisms, u. der des Kammermusik-Kompo- 
nisten Os waldo G u e r r a zur j iingst- franz . 
Musik (Sonate f. V. u. KX). Brasilianische 
Volksmusik wird in den Werken brasil. Kom- 
ponisten auf motivisch-wagnerische oder im- 
pressionistische Weise abgewandelt. Echt 
bodenstandige brasilianische Musiker sind 
die Tango-, Maxixes-, Sambas- usw. -Kom- 
ponisten Nazareth u. Tupynamba. 

Vgl. Darius Milhaud, in Rev. mus. I, 1, 1920. 

Bratt, Thora, norweg. Pianistin, geb. 8. Okt. 
1892 zu Christiania, stud. 1907—10 am Kopen- 
hagener Kons., 1911 — 14 an der Berliner 
Hochschule bei Dohnanyi; deb. 1914 in 
Christiania. 

Bratza (wirkl. Name: Milan Yovanovitch), 
serb. VioUnist, geb. 12. Mai 1904 zu Novi 
Sad, Schuler von Seveik an der Wiener Akad. 
bis 1918, fruhreifer Spieler mit Temperament 
u. Technik, der jetzt in London lebt. 

Brauer, Max, deutscher Komp., geb. 9. Mai 
1855 zu Mannheim, gest. 2. Jan. 1918 zu 
Karlsruhe ; Schuler von Vi ncenz Lachner 
daselbst (1875—76) u. Ferd. Hiller, G. Jensen 
u. S. de Lange am Kolner Kons. (bis 1880), 
1880 Dirig. des Cacilienvereins zu Kaisers- 
lautern, 1888 MD. der Hofkirche zu Karls- 
ruhe, wo er 1905 den Bachverein griindete 
u. bis zu seinem Tod leitete. 

Idyllische Sonate f. V. u. K\. op. 3; Suite f. V. u. Kl. 
{Br. & H.); Streichquartett E-dur (id.); Suite f. Streich- 
orch. E-moll op. 14 (Korberg); sinf. Dichtung Wasgen- 
wald\ Suite f. Streichorch. im alten Stil; Pan, Serenade 
i. 10 Blasinstrumente u. Kontrabafi u. a. 

Opern: Der Lotse (Karlsruhe, 1894, Cassel, StraB- 
burg 1895, umgearbeitet Luzern 1913); Morgiane 
(Karlsruhe 1899). 

Braun, Rudolf, osterr. Komp., geb. 21. Okt- 
1869 zu Wien, Schuler von Josef Labor, trat 
bereits 1895, obwohl sich seine Studien in _ 
folge seiner Blindheit sehr schwierig gestalteten, 
mit einem Kompositionskonzert vor die Offent- 



lichkeit. Seine Pantomime Marionetientreue 
wurde an der Hofoper unter Mahler's Direktion 
zehnmal aufgefiihrt; eine Spieloper Ovid bei 
Hofe blieb unaufgefuhrt. 

Kl.: Vier KLstiicke (Herzmansky); op. 16, 44, 49 
(Un.-Ed.); 6 Kinderstiicke (Steingraber); 4 hand. 
Stucke; Divertimento f. 2 KL (Herzmansky) ;Lieder 
(id.); Landliche Stimmungsbilder f. V. u. Kl. (id.); 
Htreicliquintett E-moll op. 38 (Un.-Ed.); ein musi- 
kahscher Scberz Die Wdseherin (Wien, Otto Haas). 

MS: Kl.stucke; Sonate f. V. u. Kl.; Sonate f. Vc. 
u. Kl.; Sonate L Klar. u. Kl.; Sonate f. Horn u. Kl.; 
Orgsbonate; Phantasiestiicke f. Va. u. Kl.; Kl.trio; 
Trio f. Kl., Klar. u. Vc.; 2 Streichquartette; Bla?er- 
quintett; Serenade f. Streicher u. Harfe; Fruhlhiga- 
ouvertiire; Kl.konzert (f. die linke Hand); Panto- 
mimen-Muaiken; Singspiel Jus galanter Zeit; Lieder. 
Duette u. Terzette; Flat u. Ebbe f. PrCh. u. Orch. 

Braunfel$ F Walter, deutscher Komp., geb. 
19. Dez. 1882 zu Frankfurt a. M., dort Schuler 
von J. Kwast, in Wien von Leschetizky u. 
Nawratil u. in Munchen von Ludwig Thuille, 
wo er von 1913—25 seinem Schaffen lebte, 
auch als Pianist (Bach- u. Beethoven- Spieler, 
Improvisationen) u. Lehrer tatig ; seit 1925 neb en 
Abendroth Direktor des Kons. zu Koln. Als 
Komponist steht B. ebenso dem Klassizismus 
eines Brahms, der kuhnen Groteske eines 
Berlioz u. der Nachromantik Pfitzner's, dem 
er viel verdankt, nahe, nur daB er weniger 
asketisch, improvisatorischer, temperaments- 
reicher, jugendlicher ist als Pfitzner. Sein 
groSter Erfolg war bisher das lyrisch- 
dramatische Spiel Die Vogel. 

Lieder op. 1, 2 (im Volkston, MS), 4, 7 (Fragmente 
eines Federspiels), 13 (Nachklange Beethovenscher 
Musik), 24 (nach Eichendorff u. Goethe, MS); Kl.stucke 
op. 5, 10 (Studien), 16, 31 (Un.-Ed.), 33 (id.); Kondo 
op. 9 u. Variationen f, 2 Kl. op. 29; Konzert f. Kl. u. 
Orch. op. 21 (Leuckart); Eexensabbat f. Kl. u. 
Orch. op. 8. 

Orch.: Variationen iiber ein aUfranzosisches Kinder- 
lied op. 15 (Hahter); Ariels Oesang op. 18 (Leuckart); 
Serenade op. 20 (Jiies & Erler); Phanlastische Erschei- 
nungen eines Themas von Berlioz op. 25 (Un.-Ed.) ; 
Bon Juan. Eine klassisch-romantische Phantasmagorie 
(Variationen iiber das Champagnerlied) op. 34 (id.); 
Praludium u. Fuge f. grofi. Orch. (id.). 

Chorwerke: Offenbarung Johannis Kap. VI i. Ch. ? 
Tenorsolo u. Orch. op. 17; Te Deum op. 32 (Un.-Ed.); 
eine groCe Messe (1925/26); Neues Federspiel f. Oesang 
u. Orch. ohne op.-Zahl (1909—11); Die Ammen-Uhr 
f. Knabench. u. Orch. op. 28; Orchestergesange op. 15, 
26, 27 (Un. Ed.); Musik zu Was ihr wollt op. 11 
(1908) u. Macbeth op. 14 (MS), 

Opern: Falada, March enoper, op. 3 (ma.); Der goldene 
Topf (unvollendet. ms ) op. 6; Prinzessin Brambilla op. 12 
(Stuttgart 1919, die Ouverture als Karnevals-Ouverture 
op. 22); Ulenspiegel op. 23 (Stuttgart 1913); die erfolg- 
reichen Die Vogel op. 30 (Munchen 1920) u. Don Gil 
von den griinen Jlosen op. 35 (Munchen 1924). 

BrauitStein, Pierre, frz. Komp., geb. 1888 
im ElsaB, gest. wahrend des Krieges, 16. Sept, 
1914, stud, ziemlich spat bei Michel Karren. 
Er hinterlieB zwei vielversprechende Sin- 
fonien, deren zweite, unvollendet, von Florent 
Schmitt instrumentiert wurde. 

Brazys, The odor, litauischer Geistlicher u. 
Komp., geb. 20. Nov. 1870 zu Pabirze, erzogen 
in Bauskis, Kurland; Organist, dann — 1900 — 
Priest er zu Batstoge. 1905 trat er in die 
kirchenmus. Hochschule zu Kegensburg, war 



Brecher— Bretagne. 



75 



1907—17 Gesangslehrer u. Chorleiter an der 
Kathedrale zu Wilna, wo er den gregor. Ge- 
sang reformierte; ging aus politischen Griinden 
seines Postens verlustig. 

Messen; Hesponsorien ; Vespern; ist. Completorium; 
Dominica Resurrectionis 4 St.; Tedeum; Kantate Nu- 
rimki Tevyne (Sei ruhig Vaterland); Gedachtniskantate 
zur Riickkehr aus der Bolachewistischen Gefangen- 
schaft; GruB an die Litauische Flagge; Sammlung 
Litauischer Gesange; eine Gesangslehre (Giedojimo 
mokykla) ; Harmonielehre (Muzikos Teorija) u . a . 

Brecher, Gustav, deutscher Dirig. u.Komp., 
geb. 5. Feb. 1879 zu Eichwald bei Teplitz, 
Schiitzling von Rich. StrauB, der 1896 die 
sinf. Dichtung Rosmersholm des Leipziger 
Gymnasiasten auffuhrte, 1899 Volontar am 
Leipziger Stadttheater, 1900 an der Wiener 
Hofoper, dann in Olmiitz; 1903 in Hamburg, 
1911 in Koln, 1917—20 in Frankfurt a. M., 
1921—23 in Berlin ansassig u. gelegentlich 
als Konzertdirigent auftretend; seit 1924 
GeneralMD. an der Leipziger Oper. B. ist 
ein Buhnendirigent von Temperament u, 
Geist; von seinem Kampf gegen den ,,Schlen- 
drian" zeugt besonders seine Broschiire Opern- 
iibersetzungen (1911). 

Sinf. Fantasie Aus unsrer Zeit op. 2 (Zimmermann), 
ebenfalls von StrauB in Berlin u. Munchen betreut; 
Neuausg. der Stummen von Portici Auber's u. des 
Fliegenden Hollanders von Wagner (Peters, XJn.-Ed.) 

Breithaupt, Rudolf Maria, deutscher Kl.- 
padagoge, geb. 11. Aug. 1873 zu Braunschweig, 
stud, in Jena, Leipzig u. Berlin Jura, dann 
Psychologie, Kunst- ,u. M.wissenschaft, 1897 
auch Schuler des Leipziger Kons., lebt seit 
1901 in Berlin, seit 1918 Lehrer am Sternschen 
Kons. Als Padagoge hat er die freiere ,,Ge- 
wichtstechnik" mit Erfolg propagiert. 

Die naturliche Kl.technik (1904, mehr. Aufl., Kahnt); 
2. Teil Die Grundlagen der El.technik (1907; franz. 
1908, engl. 1909); Praktisckes tJbungsbueh, 2 Hefte 
(1914); Musikatische Zeil- und Streitfragen, gesam. Auf- 
satze (1906). Lieder; Kl.stiicke op. 6, 7, 8; Konzert- 
stucke op. 9. Hrsg. Rich. Wagner's Fis-moll-Fantasie. 

Breitkopf & HSrtel, deutscher Verlag, gegr. 
1719 durch Bernhard Christoph Br. (1695 
bis 1737); firmiert seit dem Eintritt von 
Gottfried Christoph Hartel (1763—1827) mit 
Br. <& H.; eine Firma, mit deren Wachsen 
ein guter Teil der deutschen M.geschichte 
verkniipft ist u. in deren Archiven die Doku- 
mente ihrer Beziehungen zu unsern groBen 
Meistern, von Bach bis Busoni, ruhen. Ihr 
besonderes Verdienst im 19 . Jahrhundert 
ist die Forderung der M.wissenschaft durch 
die tJbernahme der kritischen Gesamtaus- 
gaben, den Verlag musikwiss. Zeitschriften 
u. Standwerke. Die jetzigen Inhaber sind 
Dr. Ludwig Volkmann u. Dr. Hellmuth 
v. Hase. 

Vgl. Oskar v. Hase, Br. & H., 2 Bde., 1917/19. 

Brema, Marie, engl. Opernsopran, geb. 
28. Febr. 1856 zu Liverpool, gest. 22. Marz 1925 
zu Manchester, drei Monate lang Schulerin 
von Georg Henschel, debut. 1891 als Marie 
Bremer in den Popular Concerts, im gleichen 



Jahr am Shaftesbury Theatre unter Lago. 
Sie sang dann an der Londoner ital. Oper 
unter Grau , 1892 Orpheus u. Briinnhilde , 
in New York unter Seidl, Mottl u. a. im Ring 
u. Tristan ; die erste engl. Sangerin in Bayreuth 
usw. Zuletzt war sie Gesangslehrerin am 
R. Coll. of Music in Manchester. 

Brenet, Michel (Marie Bobillier), franz. 
M.forscherin, neben denen von R. Holland u. 
A. Pirro der bedeutendste franz. Name auf 
diesem Gebiet; geb. 11. April 1858 zuLuneville, 
gest. 4. Nov. 1918 zu Paris, wo sie seit 1871 
lebte. Ihr Hauptgebiet war die Gesch. der 
kirchlichen Musik in Frankreich ; sie star b 
bevor sie ihr Werk uber die Chorinstitute 
der franz. Konige, fur das sie 30 Jahre lang 
Material gesammelt hatte (jetzt in der Bibl. 
Nationale), vollenden konnte. Ihr Sammel- 
fleiB in den Archiven hat die Darstellung 
des ganzen mus. Lebens in Frankreich im 
16. u. 17, Jahrh. moglich gemacht. 

Histoire de la Symphonic a orchestre jusqu' a Beet- 
hoven (1882); Gretry, sa vie et ses ceuvres (1884); Deux 
pages de la vie de Btrlioz (1889); Jean d'Ockeghem (1893)j 
La musique dans Us processions (Vortrag, 1896); S4- 
bastien de Brossard (1896); Les oratoires de Carissimi 
(BAv. music, it. 1893); La musique dans les convents de 
femmes (Vortrag 1898); Claude Goudimel (1898); Notes 
sur I'Mstoire du luth en France (1899); Les concerts en 
France sous I'ancien regime (1900); Additions inSdites 
de Dom Jumilhac a son traiU etc. (1902); La jeunesse de 
Bameau (1903); Palestrina (1906, Alcan, in Les mattres 
de la musique, 3. Aufl. 1910); La plus ancienne mithode 
francaise de musique (1907, Neudruck von L'art t science 
et pratique de plaine musique); J. Haydn (1909 in Les 
maitres de la musique); La librairie musicale en France 
de 2653 a 1700 (Sammelb. d. IMG. VIII, 1906—07) 
u. Bibliographic des Bibliographies masicales (1913 in 
L'annee musicale III); Notes sur I' introduction des 
instruments dans les iglises de France (1909 in der Rie- 
mann-Festschrift); Les Musiciens de la Saints Chapelle 
du Palais (Paris, A. Picard & Fiis, 1910); Musique 
et musiciens de la vieUle France (Paris 1911); Haendel 
(1913, Laurens, in Musiciens celebres); La musique 
militaire (1917); auBerdem andre wertvolle Aufsatze 
im Correspondent, der Grande Encyclopddie, dem Guide 
musical, Journal musical, der Tribune de St. Gervais, 
der Rivista musicale Italiana u. den Sammelbanden 
der IMG. 

Bret, Gustave, franz. Komp., geb. 1875 zu 
Brignoles (Var), Schuler von Ch. M. Widor 
am Cons, im Orgelspiel u. von V. d'Indy 
an der Schola Cantorum. Bis 1908 war er 
selber an dieser Anstalt Lehrer fur lyr. Dekla- 
mation, Orgel u. Improvisation. An Stelle 
seines Meisters Widor an die Orgel von S. Sul- 
pice berufen (1898—1903), grundete er 1904 
die Societe J. S. Bach. Jetzt ist er M.kritiker 
des Intransigeant. 

Oratorium in 2 Teilen : Les Pterins d'Emmaus 
f. Soli, Ch. u. Orch. (Uouart), 1903 in Amsterdam durch 
Mengelberg aufgefuhrt; Chore a cappella; Lieder u. a. 

Bretagne, Pierre, franz. Komp., geb. 6. Okt. 
1881 zu Spinal, 1^.99—1905 Schuler von Guy 
Ropartz am Cons, zu Nancy. Et lebt in Nancy. 

Streichquartett B-moll (Ilouart, Lerolle); Sonate f. 
Vc. u. Kl., Dupont-Metzner, Nancy; Sonate f. V. u. Kl. 
(id.); Sonatine f. KL; Fantaisie sur deux theems popu- 
lates f. Orch. (Evette & Schaeffner); sinf. Dichtung 
La Bene'diction de la mer; Lieder u. Gesange; lyr. 



76 



Breteuil— Breval. 



Drama Les Caprices de Marianne (nach Musset), Nancy 
1920 (Senart); Ballett Les Elfes au clair de lune (id. 
1922). 

BreteuH, Fr an coi s de, franz. Komp. , 
geb. 21. Febr. 1892 zu Paris, von franz. Vater 
u. amer. Mutter; erst fur das Studium der 
Naturwissenschaften bestimmt, in denen er 
das Bakkalaureat erwarb, dann Horer im 
Pariser Cons. (Lavignac, Caussade); nach 
dem Kriege Schiiler der Ecole Normale de 
Musique (Caussade) u. von Max d'Ollone. 

ELwerke: (Costil, Fiirstner, Eschig): Thema u. 
Variation en C-inoll (Ms.); Stiicke f. V. u. El., darunter 
eine Sonate; Gesiinge mit EI. auf franz. u. engl. Texte; 
Orch.suite Diane au bois (Dei?s u. Crepin): Sinf. Yor- 
spicl Le Portrait de Dorian Gray (MS.); Musikdrama : 
The Light of Asia; Da Barcarolle ,Einakter; Opera buffa: 
La Princesse aux clowns. 

Bretdn, Abel a r do, span. Komp., Sohn von 
Tomas B., Lehrer fur Harmonie am Cons. 
de Musica, Madrid. 

Orch. -"Werke, darunter eine Fantasia Gitana. 

Bretdn, Tomas, span. Komp., geb. 29. Dez. 
1850 zu Salamanca, gest. 2. Dez. 1923 zu 
Madrid. Von sehr geringer Herkunft, fristete 
er sein Leben als erst Zehniahriger durch 
Orchesterspiel in Salamanca, kam mit 15 Jahren 
nach Madrid, spielte in Cafes, Theatern, 
reiste mit einer Op erngesellschaft u. war am 
Retiro-Theater als Dirigent u. als Assistent 
des beruhmten Walzerkomp. Olivier Metra 
tatig. Als Dirigent der 1876 gegrundeten 
Union Artistico-Musical hatte er gegen den 
herkommlichen Widerstand gegen die Ein- 
fuhrung neuer Werke zu kampfen. Spater 
wurde B. Dirigent am Madrider Opernhaus 
u. der Soc . de Conciertos ( j etzt Orquesta 
JFilarmonica); 1901 Direktor u. Lehrer am 
Cons, de Musica; 1896 Mitglied der Ac. de 
Bellas Artes, auch sonst mit Ehren iiberhauft. 
1891 fuhrte Isaac Albeniz B. in zwei Konzerten 
in St. James' Hall in London ein; B. produ- 
zierte zwei eigne Werke, eine klassizistische 
Sinfonie u. ein kleineres Werk span. Charakters. 
Den Wink der Presse, seine Gaben fur die 
Musik seines Landes zu nutzen, hat B. befolgt; 
kein span. Musiker hat je mit groBerem Feuer- 
eifer fur die span. Oper als nationale Einrichtung 
gewirkt u. keiner ist dem Gelingen so nahe 
gekommen. Kein neueres Werk hat sich in 
Spanien so eingesungen als seine einakt. 
Zarzuela La verbena de la paloma, die von einer 
typischen Erscheinung des Madrider Lebens 
— sowohl im malerischen wie im sentimentalen 
Sinn — handelt. Seine erfolgreichsten Opern- 
werke sind auBerdem: Los Amantes de Teruel, 
fiinfakt. 1889, aui3er in Spanien auch in Wien 
u. Prag aufgefuhrt unter B.s eigener Leitung; 
Garin, vierakt. , 1891, auch in Prag; La Do- 
lores, dreiakt., 1895, auch in Sudamerika, 
Mailand u. Prag. B. war vielfach sein eigener 
Textdichter. 

lakt. Zarzuelas: Los dns caminos, 1874; El 93, 
1875; El invdlido, 1875; Un chaparrdn de maridos; 
Vista y sentencia 1886; Cuidado con les estudiantes, 



1877; Las seiioritas de Conil, 1881; El grito en el cielo, 
1886; La verbena de la paloma, 1893; El Domingo de 
Ramos, 1894; Las nieves, 1895; El Guardia de Corps, 
1897; El Puente del Diablo; El reloj de Cvco, 1898; 
j Botin de guerra; La Hen plantd, 1902; El caballo del 
seilorito; La Carinosa, 1899; LaGenerosa; Piel de oso, 
1909; Al alcance de la mano, 1911; Las Percheleras, 
1911; Los Eusares del Czar, 1914. 

2akt.; El alma en un hilo, 1894 (Eompanic-ATbeit); 
El viaje de Europa, 1874; Maria, 1875; Los dos leones; 
Buyendo de ellas, 1877 ; El bauiizo de Pepin; Bonito pais, 

3akt.: El Campanero de Begona, 1878; El Bar- 
berillo de Ordn; Corona contra corona, 1879; Los amores 
de un ptincipe, 1881; El clavel rojo, 1899; Covadonga, 
1901; Las corks de amor, 1916. 

Opern, lakt.: Guzman el Bueno, 1876; El Certamen 
de Cremona, 1906; 3akt. : La Dolores, 1895; l'abard, 
1.913; Don Gil, 1914; 4akt.: Garin, 1891; Baquel, 1900; 
Eatinelli, 1901; 5akt.: Los Amantes de Teruel, 1889. 

Chorwerke: Plots del Grta; Vizcaya; Eructavit 
cor memn; Oquendo; La primavera f. ErCh., Oreh. u. 
El.; El Apocalipsis (Oratorium). 

Eammermusik: El. trio: 3 Streicfc quartette; El.- 
Quintett; Sextett f . El., FL, Ob., Elar., Eag. u. Horn. 

Orch.: En la Alhambra; Los Galeotes, sinf. Dicht.; 
Salamanca, desgL; Elegia y Anoranzas; Suite Escenas 
Andahtzas; Y.konzert (1923). Verlag: Uni6n Mus. 
Espanola, Madrid. 

Bretonische Musik. Vgl. die Sammlung von 
Maurice Duhamel (Rouart & Lerolle), der 
auch eine Broschtire geschrieben hat: Les 
15 Modes de la Musique Bretojine. S. auch 
Bourgault-Ducoudray ; Cellier. 

Breu, Simon, deutsch. Komp, u. Padagoge, 
geb. 15. Jan. 1858 zu Simbach am Inn, erst 
Volksschullehrer, dann Lehrer an den Taub- 
stummenanstalten zu Straubing (1881) u. 
Wurzburg (1885), wo er bis 1904 auch den 
Wiirzburger Sangerverein u. bis 1908 den 
Akad. Gesangverein leitete. 1894 wurde er 
Lehrer fur Chorgesang u. Theorie am Kons. 
(1807 Prof.) sowie Inspektor des Gesang- 
u. Musikunterrichts an den hoheren Lehr- 
anstalten in Nordbayern; 1924 im Ruhe- 
stand. 

Lieder; MChore; Schulgesangwerke. Das elementare 
Notensingen (Wurzburg 1915). 

Breuer, Hans, deutscher Operntenorbuff o ; 

geb. 27. April 1869 in Koln, erst Kaufmann, 

j stud, bei Jul. Kniese in Bayreuth, wo er 

. seit 1896 in den Festspielen mitwirkte (Mime); 

seit 1900 an der Wiener Hofoper. 

Breuning- Storm, Gunna, dan. Geigerin, 
geb. 25. Jan. 1891 zu Kopenhagen, Schulerin 
von Anton Svendsen u. Henri Marteau; friih- 
reif u. haufiger Gast in den Konzertsalen 
von Skandinavien u. Deutschland. Seit dem 
Krieg ist sie in Kopenhagen ansassig u. 
Fiihrerin des Kopenhagener Streichquartetts 
(s. Kammexmusik-Vereinigun^fn). 

Breval, Lucienne (Lisette Schilling), frz. 
Opernsopr. , geb. 4. Nov. 1869 in Berlin, er- 
hielt 17 jahrig den 1. Preis fur Kl.spiel am 
Genfer Kons. , in Paris 1890 fur Gesang. 
30 Jahre lang hat sie mit ihrer vollen u. warmen 
Stimme u. imponierenden Erscheinung an 
der Pariser Oper vor allem in Wagner-Rollen 
geglanzt: Brtinnhilde, Eva; aber auch Chimene 
in Massenet's Cid, Griseldis, Ariane, Penelope 



Breville— Bridge. 



77 



(Faure), Monna Vanna, La Burgonde, Pallas 
Athene, Amy Robsart. 

Breville, Pierre Onfroy de, franz. Komp., 
geb. 21. Febr. 1861 zu Bar-le-Duc; stud, zu 
gleicher Zeit Jura u. Harmonie am Pariser 
Cons, bei Theodore Dubois, bald darauf 
aber Kp. , Fuge u. Kompos. bei Cesar 
Franck. Seitdem hat er seine Zeit zwischen 
der Kompos. und andern musikalischen 
Tatigkeiten geteilt. Eine Reihe von Jahren 
lehrte er Kp. an der Schola Cantorum; 
wahrend des Kriegs leitete er eine Kammer- 
musikklasse am Cons. Er war lange, und ist 
noch eins der eifrigsten Mitglieder des Commi- 
tees der Soc. Nat. de Musique, deren secre- 
taire general er z. Z, (1925) ist. Eine Zeitlang 
war er M.kritiker des Mercure de France; 
mit H. Gauthier-Villars zusammen hat er 
ein lehrreiches Biichlein tiber D'Indy's Fervaal 
geschrieben. Als schaffender Musiker nimmt 
er unter den franz. Komp. eine ganz eigene 
Stellung ein. Seine Musik hat keinen AnlaB 
zur Diskussion gegeben, steht aber in hohem 
Wert. Sie atmet dichterisches Gefuhl u. eine 
gesetzte Originalitat u. ist wegen ihrer ge- 
wahlten Formenreinheit u. der ruhigen Kraft 
ihres Klanges u. ihrer Farbe bemerkenswert. 

Lyr. Drama Eros Vainqueur (Briissel 1910); Biihnen- 
musik zu Maeterlinck's Sept Princesses; eine bunte 
Reihe von Vokalwerken, darunter: Sainte Rose de 
Lima f. Sopr. u. FrCh., Hymne a Vinus f. 2 Stimmen, 
Blaser u. Harfe; eineMesse: eine ReiheweitererKirchen- 
werke u. 2 Biicher Lieder; Orch. -Suite Stamboul (auch 
f. KI-); Ouverture zu einem Drama La nuit de deeembre 
f. Orch.; einige Orgelstucke; Sonate Cis-dur f. V. u. 
EX (Rouart); Kl.sonate (id. 1922). 

Brewer, Alfred Herbert, engl. Organist 
u. Komp., geb. 21. Juni 1865 in Gloucester, 
erzogen an der dort. Oath. School u. am Exeter 
Coll. zu Oxford; Orgelschuler am R.C.M. zu 
London; 1897 Organist u. Chorleiter an der 
Gloucester Cath., leitete die dort. Dreijahrs- 
feste 1898—1913 u. 1922 u. richtete in der 
Kathedrale Orgelkonzerte fur Schulkinder ein. 
1905 Mus. Doc. Cantuar. Seine Muse ist 
dem Heiteren geneigt. 

Orch. Service in C (Glos. Test. 1895); Psalm XCVIII 
(id. 1898); Emmaus (id. 1901); Dedication Ode (Wore. 
rest. 1902); The Holy Innocents (Glos. Fest. 1904); 
A Song of Eden (Wore. Test. 1905); 3 Elisabethan Pasto- 
rals (Hereford Feat. 1906); Sir Patrick Spens (Car- 
diff Fest. 1907); In Springtime (Leeds Fest. 1907); 
England, My England (Wore. Fest, 1908); Age and 
Youth f. Orch. (London 1908); Summer Sports (Glos. 
Fest. 1910); JUlian of Berry, pastorals (Hereford 
Fest. 1921); das meiste bei Novello erschienen; Kl.stucke, 
Orgelstucke (Novello, Boosey, Augener). 

Brewer, John Hyatt, amerik. Komp., geb. 
18, Jan. 1856 zu Brooklyn, N. Y.; zehn Jahre 
lang Schuler von Dudley Buck, 1871—73 
Organist an verschiedenen Kirchen in Brooklyn; 
Grundungsmitglied (1877) des Apollo Club f. 
MCh. u. dessen Begleiter bis zu Buck's Tod, 
dem er 1903 als Dirigent nachf olgte ; 1899 — 1906 
Lehrer am Adelphi Coll. zu Brooklyn, einer 
der Grunder der Amer. Guild of Orgts. Mus. 
Doc. h. c. der New Yorker Univ. 1914. 



Uber 200 Anthems, 40 Lieder u. Kantaten (Schmidt, 
Schirmer, Ditson); auch Kammermusik. 

Brewster-Jones, H., Komp. , lebt in Adelaide; 
grtinde te dort sein eigenes Orchester , mit 
dem er viele seiner eigenen Werke auffuhrte. 

3akt. Oper Deirdre of the Sorrows (1915 — 17); 5akt. 
Musikdrama Jesus of Nazareth (1918 — 23); 2akt. 
Mnsikdrama Undine (1918 begonnen, unvoll.). Orch.; 
Scherzo E-moll (1915); Ballet-Musik zu Call of France 
(1917); Nightingale Suite (1919); Anzac Suite (1917); 
Rhapsody (1918); Pastoral Concerto f. Kl. u. Orch. 
(1921); Streichquartett (1921); Sonaten f. Vc. u. Kl., 
f. V. u. Kl.. f. Va. u, Kl. (alle 1921); viele Kl.stticke 
u. 4 Hefte Lieder; (Allan and Co. Melbourne). 

BrezOVSChek, Ivan, serb. Operndirig., geb. 
3. Juli 1888 zu Celje (Slowenien); stud, am 
Kolner Kons. bei Steinbach u. Friedmann 
(Kl.); einer der hauptsachlichen Dirig. am 
Nationaltheater in Belgrad. 

Brian, William Haver gal, engl. Komp., 
geb. 29. Jan. 1877 zu Dresden in Staffs, stud. 
Harmonie bei T. Hemmings in Stoke-on-Trent, 
im ubrigen Autodidakt; besuchte Richter's 
Konzerte als Kritiker der damals (1905) eben 
wieder auflebenden Musical World. Seine 
Musik ist sehr ursprimglich u. oft von grower 
Kuhnheit; er hat sogar Vorst613e zum Ex- 
pressionismus gemacht, namentlich in seinen 
Klavierstiicken . 

1. engl. Suite 1907; Festival- Dance, 1908; eine Lust- 
spiel-Ouvert. Dr. Merryheart, 1913; Konzertouvert. 
For Valour, 1907; Fantastic Variations, aufgef. 1920; 
Tondichtung In Memoriam, 1920; Engl. Suite ISTr. 3, 
1922 (alles bei Breitkopf & Hartel); 5 sinfonische Tanze 
u. sinf. Variationen aus der Oper The Grotesques (ms); 
Chorwerke: By the Waters of Babylon (Br. & H.); 
Cleopatra (Bosworth, Southport Fest. 1909); Die 
WaUiahrt nach Kevlaar (ms); 8 Klavienverke (4 Mi- 
niatures usw.), Angener; Illuminations . (Chester;, 
Lieder (Br. & H.; Enoch); gem. Chore (die besten bei 
Augener). 

Bridge, Frank, engl. Komp., geb. 26. Febr. 
1879 in Brighton, war 1896 — 1903 am 
R.C.M. erst V.schuler, erlangte 1899 ein 
Kompos.- Stipendium u. stud, vier Jahre lang 
bei Sir Charles Stanford; war 1903 bereits 
ein namhaf ter Violaspieler u . vertrat 1906 
im Joachim- Quartett den erkrankten Wirth. 
1910/11 leitete er die Opernsaisons von 
Marie Brema am Savoy-Theater in London. 
In der Herbstsaison 1913 war er einer der Diri- 
genten von Raymond Roze's Engl. Oper an 
Covent- Garden; spater dirigierte er die Queen's 
Hall Sinfonie-Konzerte u. die der R. Philh. 
Soc. 1923 war er Gastdirig. in Rochester, 
Amerika. Seine Geltung als Kammermusik- 
komp. datiert seit 1904. Unter den spezifisch 
engl. Liederkomp. steht er an erster Stelle. 

Orch.: Sinf. Dicht. Isabella (ms. 1901); Dance Poem 
(ms. 1913); Dance- Rhapsody (ms.); Tondicht. Summer, 
1914 (Augener); 2 Poems (Richard Jefferies, 1915, 
Augener 1923); Suite The Sea (Stainer & Bell). 

Streichorch.: Lament; Suite (1920, Goodwin), 

Kammermusik : Streichsextett (Augener) ; Kl.- 
Quintett (id.); Streichquartette G-moll (Kovello) u. 
E-moll (Avison Ed.), das letzte bekannt als Bologneser 
Quart.; 3 Idylls fur Streichqu. (Augener); 3 Novelettes 
fur Streichqu. (id.); Sally in our Alley.u. Cherry Ripe 
f. Streichqu. (BogeTS); Irish Melody f. Streichqu. 
(Londo derry Air); A Christmas Dance (Sir Roger 
De Coverley) f. Streichqu. (Augener); Sir Roger auch 



78 



Bridge — Brodersen . 



in Orchesterfassung; Kl.quartett; Phantasy -Trio f. 
Kl., V. f Yc. (Novello); Sonate f. Vc." u. Kl. (W. Rogers); 
MModie u. Elegie f. Vc. u. Kl. (Goodwin); Morning- 
Song id. (W. Rogers); J. Prayer (Th. a Kempis) f, 
Ch. u. Orch.; Sonett 7i?ow ow£, g/e Bugles f. Tenor 
u. Orch. (Rupert Brooke; Rogers); zahlreiche Lieder, 
Kl.stiicke u. a. (W. Rogers; Augener usw.) 

Bridge, Joseph Cox, Bruder von Sir 
Frederick B., engl. Organist, geb. 16. Aug. 1853 
zu Rochester, Orgelschuler am Exeter Coll. zu 
Oxford; 1877—1925 Organist an der Chester 
Cath.; Leiter der Dreijahrs-M.feste zu Chester 
1879—1900, Griinder u 31 Jahre lang Leiter 
der Chester Mus. Soc; Mus. Doc. Oxen. 1884; 
Mus. Doc. Dunelm. 1908; seit 1908 Prof, of 
music an der Univ. Durham; 1925 an Trinity 

Coll. of M., London. 

Oiatorium Daniel; Kantaten; Requiem; Orgel- 
werke; Kirchenmusik; gem. Chore. 

Biicher : Horns; Chester Madrigalisis; Recorders; 
Ludlow and the Masque of Comus; Chester Miracle 

Plays u. a. 

Bridge, Sir John Frederick, engl. Org., 
Komp. u. Dirig., geb. 5. Dez. 1844 zu Oldbury, 
Worcs; gest. 18. Marz 1924 zu London. Chor- 
schuler an der Cath. zu Rochester; 1865—69 
Org. an der Trinity- Church zu Windsor; 1869 
bis 75 an der Cath. zu Manchester; 1875—1918 
an Westminster-Abbey. Seit 1890 Gresham 
Prof.: 1896—1922 Dirig. der Choral Soc. u. 
King Eduard-prof . of Music an der Londoner 
Univ. seit ihrer Griindung 1902. Mus. Doc. Oxon 
1874; geadelt 1897. M.V.O. 1902; C.V.O. 1911. 
Vorsitzender des Trinity Coll. of music in 
London u. Leiter der Londoner Madrigal Soc. 
Seine Biicher iiber Komposition hatten weite 
Verbreitung; als Dozent uber Musik war er 
aufterst popular. Er hat in alien Gattungen 
Werke hinterlassen, vom wurdigen Kirchen- 
werk bis zum humorvollen glee fur MCh. 

Oratorien: Mount Moriah; The Repentance of Nine- 
veh (Novello). 

Kantaten: Boadicea; Callirhoe (Kovello); Hymn 
to the Creator; The Jnchcape Rock; The Cradle of 
Christ. Orgelsonate; Miinnerchore; gem. Chore; Kirchen- 
musik ; glees ; 2 Handbucher : Kontrapunkt und doppelter 
Kontrapunkt u. Canon (meist bei Novello, manches bei 
Bosworth). 

Biicher: A Shakespeare and Music Birthday Book 
(Bosworth, 1900); Shakespearean Music (Dent & Sons, 
1923); Samuel Pepys, Lover of Music (1904); A West- 
minster Pilgrim (Novello, 1919); The Old Cryes of 
London (id. 1921). 

British Music Society, gegriindet 1918 durch 
Dr. A. Eaglefield-Hull. Ihr Zweck ist, der 
Musik einen anerkannten Platz in der Erziehung 
zu erkampfen, die Schatzung der Musik durch 
Vorlesungen u. Konzerte zu heben, die Sache 
der englischen Komponisten u. Kunstler im 
In- u. Ausland zu vertreten, die Schaffung von 
M.bibliotheken zu ermutigen, das ganze musi- 
kahsche Leben im vereinigten Konigreich fester 
zusammenzufassen. Der Hauptsitz ist in 
London mit Sir Hugh Allen als Vorsitzendem ; 
zahlreiche aktive Grtsgruppen in der ganzen 
angel sachsischen Welt. Die GeschaftssteDe 
in London (3 Berners Street, W. 1) ist gleich- 
zeitig das ofiizielle Heim der Intern. Ges. 



fur zeitgen. Musik. Monatsschrif t : The Music 

Bulletin. Gen. Sec. Arthur Rea-de, M.A. 

BrjUSSOwa, Nadejda Jacewlowa, russ. 

Pianistin u. M.schriftstellerin, geb. 19. Nov. 
1881 zu Moskau, Schwester des Dichters Valerij 
Brjussow; Schulerin von S. J. Tanejew (Theo- 
rie) u. Igumnow (Kl.); 1906—16 Theorielehrerin 
am Moskauer Volkskons., 1917 — 19 an der 
Schaniawskij-Univ. ; seit 1921 Prof. u. Prorector 
am Moskauer Kons. In der Theorie ist sie eine 
Nachiolgerin von Jaworskij. Sie ist Mit- 
glied der russ. Ak. der Kiinste u. Wiss., sowie 
des Staatsinst. f. MW. Schrieb: 

Die Musi-kwissenschaft; Der Pormenbau. 

Brock way, Howard A., amerik. Komp., 
geb. 22. Nov. 1870 zu Brooklyn, N.Y., 1890 
bis 1895 Schuler von Barth (Kl.) u. Boise 
(Kompos,) in Berlin, wo er 1895 mit einem 
Kompos. -Abend hervortrat; seit 1895 Pianist 
u. Lehrer in New York, 1903—10 Lehrer f. KL 
u. Kompos. am Peabody Inst, in Baltimore, 
seitdem wieder in New York als Kl. Lehrer an 
David Mannes School. Gute Arbeit u. feiner 
Geschmack kennzeichnen seine Werke. Er 
ist Mitgiied des Nat. Inst, of Art and Letters. 

Sinfonie D-moll op. 12 (1895); Ballade G-moll op. 11 
f. Orch. (1895); Sonate f. V. u. Kl. G-moll op. 9 (Scble- 
singer, 1891); Cavatina f. V. u. kleines Orch. op. 13 
(id. 1895); Eomanze f. V. u. Kl. op. 18 (id. 1897); Syl- 
van Suite f. Orch. op. 19 (Schirmer, 1900); Kl.quintett 
op. .36; Kl.konzert op. 37. Des Sdngers Fluch, Ballade 
f. 8 st. a cappella-Ch. op. 27 (Schirmer, 1902); Sir Oluf, 
Ballade f. gem. Ch. u. Orch. (id. 1913); Kl.- u. V.stiicke 
j (Church); Lieder (Church; ;N 7 ovello). 

Mit Lorraine Wyman zusammen hat er 2 Samm- 
lungen Volksliedcr verbff.: Lonesome Tunes (Gray, 
1916): 20 Kentucky Mountain Songs (Ditson, 1920). 

Vgl. Hughes, Contemporary American Composers 
S. 298—304. 

Broder, Annie Glen, engl. Pianistin u. 
Schriftstellerin, geb. zu Agra, Indien, Schulerin 
der Nat. Training School u. des R.C.M. in 
London, widmete sich besonders der Kunst des 
Begleitens, der sie eine Veroffentlichung 
widmete: How to Accompany (Rob. Cocks). 
Nach ihrer Verheiratung 1900 zog sie nach West- 
Canada (Calgary), wo sie als M.pionierin u. 
kritisch (Toronto Globe, Manitoba Free Press 
u. a.) tatig ist. 

Brodersen, Friedrich, deutscher Bariton, 
geb. 1. Dez. 1873 zu Bad Boll in W 7 urttemberg, 
erst zum Architekten bestimmt u. Schuler des 
Stuttgarter Polytechnikums, daneben Gesangs- 
schuler von H. Bertram; debutierte 1903 in 
Niirnberg, noch im gleichen Jahr an der 
Munchener Oper, der er seitdem ununter- 
brochen angehort: zugleich im lyrischen u. 
dramatischen B-ollengebiet u. als vortrefflicher 
Konzertsanger tatig. Seine Tochter Linde B. , 
geb. 22 Juni 1903 in Munchen, ist Pianistin 
(Liederbegleiterin). 

Brodersen, Viggo, dan. Komp., geb. 26. Marz 
1879 in Kongens Lyngby bei Kopenhagen, 
Schuler von Louis Glass u. A. F. Christensen, 
Lehrer in Kopenhagen, Komponist von Ge- 
schmack u. nordisch-romantischer Eigenaxt. 



Brodsky— Bruch. 



79 



Kl.: Impromptus mignonnes; Sonate; Bagatellen 

op. 7; 24 Interludien op. 15; Ballade op. 30; 3 Konzert- 

Etiiden op. 31; 3 Pastorales op. 36; Sonette op. 40; 

diei Stticke op. 39 (vierhandig); Sonate f. Vc. u. Kl. op. 

18; Streichquartett G-dur op. 16; Sinf. Suite; Lieder 

op. 19, 20, 25, 41, 44, 47 (das meiste Dei Steingraber). 

Brodsky, Adolph, russ. Violinist, geb. 

21. Marz 1851 zu Taganrog, 1860—66 Schuler 

des Wiener Kons., Mitglied des Wiener Hof- 

orch. u. Sekundarius in J. Hellmesberger's, 

seines Lehrers, beruhmtem Quartett. 1870—74 

bereiste er RuBland, war 1878—80 Leiter des 

Sinf.-Orch. in Kiew; 1880—83 in Osterreich, 

Deutschland, England, 1883—91 war er 

V.lehrer am Kons. zu Leipzig, wo er sein 

eigenes Quartett grundete; 1891—94 bereiste 

er die Ver.. Staaten u. Canada; seit 1895 war 

er nach Halle's TodDirektor des Halle-Orch. zu 

Manchester, wo er mit Rawdon Briggs, Simon 

Speelman u. Karl Fuchs wieder ein Quartett 

grundete. Er war einer der Meister seines 

Instruments u.bat dasV.konzert seines Freunds 

Tschaikowsky aus der Taufe gehoben. 1902 

Mus. Doc. h. c. der Victoria Univ. Manchester. 

Brogi, Renato, ital. Komp., geb. 25. Febr. 

1873 zu Sesto Fiorentino, gest. 24. Aug. 1924 

zu Fiesole; stud, an den Kons. von Florenz u. 

Mailand, gewann mit 23 Jahren den Wiener 

Steiner-Preis mit seiner einakt. Oper La prima 

notte (nach Andersen, Florenz 1898), der zwei 

weitere folgten: Oblio, dreiakt. (Florenz 1904) 

u. Isabella Orsini, vierakt. (Florenz 1920). 

V.konzert; Streich quartett H-mcll (Carisch); 

Kl.trio D-moll (id.); Liederalbums ; 2 Biicher Walzer 

u. vieles andre, 

Br Oman, K. Natanael, schwed. Pianist u. 
Komp., geb. 11. Dez. 1887 zu Kolsva, stud. 
1902—12 Kl. u. Kompos. am Kons. zu Stock- 
holm, dann 1912/13 Kl. bei Ignaz Friedmann, 
Kompos. bei Karl Kampf; ein ausgezeichneter 
Konzert- u. Kammermusikspieler u. Begleiter. 
Sinf. D chtung Fritiof och. Ingeborg (Gothenburg 
1912); Ballade Rung Lit och Dro'tning Dod (Stock- 
holm 1913); Sonate f. V. u. Kl.; Komanze f. V. u. 
Kl.: Lieder; Kl.stueke. 

Brondi, Maria Rita, ital. Gitarristin, geb. 
5. Juli 1889 zu Rimini, Schulerin von Mozzani 
in Bologna u. Tarrega in Spanien auf der 
Gitarre, von Villabella in Paris u. F. P. Tosti in 
London; Interpretin alter u. neuer Lauten- u. 
Gitarrenmusik sowie ital. Volksgesangs. In 
Vorbereitung: eine Geschichte der Gitarre. 

Bronsart, Hans von, deutscher Komp., geb. 
11. Febr. 1830 zu Berlin, gest. 3. Nov. 1913 in 
Munchen, Schuler von Dehn in Berlin, dann von 
Liszt in Weimar, erst Pianist u. Dirigent (1860 
bis 1862 der Euterpe-Konzerte in Leipzig, 
1865—66 der Konzerte der Ges. d. M.freunde in 
Berlin); 1867 Intendant des Hoftheaters zu 



— u. gelegentlich auch nicht innigen — Be- 
ziehungen zu Hans v. Bulow. Von dem 
Komponisten B. sind heute auch seine einst am 
meisten gespielten Werke, das Kl.trio G-moll 
u. das Kl. konzert Fis-moll, vergessen. 

Broome, Edward, engl. Organist, Chorieiter 
u. Komp., geb. 1868 in Manchester, kam in 
fruhem Alter nach N. Wales u. erhielt seine 
erste Erziehung in Bangor; war dort Chor- 
sanger, dann Hilfsorganist an der Kathedrale; 
Organist der Chorgesellschaft u. Dirigent des 
Penrhyn-MCh. 1893 besuchte er Chicago u. ge- 
wann den Eisteddfod-Preis auf der Weltaus- 
stellung; kam von da nach Canada u. nach 
einem Aufenthalt in Brockville, nach Montreal, 
als Organist der Amerik. Kirche u. Dirig. des 
Mc Gill Univ. Glee Club. 1896 kam er nach 
Toronto als Organist an Jarvis Street Baptist 
Church (Nachf olger von Dr. A. S. Vogt) u wurde 
1898 Dirig. der Toronto Oratorio Soc. (s. Chor- 
Vereine), welches Amt er noch inne hat. Erhat 
uber 70 Werke veroffentlicht, hauptsachlich 
Anthems, Motetten, Lieder u. a. (Novello; 
Ditson). Mus. Doc. Trinity (Torento) Univ. 
Brothier, Yvonne, f ranz. Opernsangerin 
(Soubrette), geb. 6. Juni 1889 zu St.-Juhen 
TArs (Vienne), trat ins Pariser Cons. 1910, 
erhielt 1913 zwei 1. Gesangspreise; kam 1914 an 
La Monnaie in Brussel u. 1915 an die Opera 
comique in Paris, wo sie das ubliche Reper- 
toire sang u. Hauptrollen in Ping -Sin (1917), 
Le Sauteriot (1920); Masques et Bergamasques 
(1920) kreierte. Sie besitzt eine durchgebildete 
Stimme von groBer Reinheit u. Beweglichkeit. 
BrilCh, Max, deutscher Komp., geb. 6. Jan. 
1838 zu Koln, gest. 20. Okt. 1920 zu Berlin- 
Friedenau; Schuler von Carl Breidenstein, 
1853—57 Stipendiat der Mozartstiftung u. als 
solcher Schuler von Ferdinand Hiller (Kompos.) 
u. von Karl Reinecke u. Ferd. Breunung (Kl.). 
Nach kurzem Aufenthalt in Leipzig lebte er 
1858— 61 als M.lehrer in Koln, wo er schon 1858 
sein erstes Buhnenwerk, Goethe's Singspiel 
ScherZy List u. Rache op. 1 herausbrachte. 
Nach dem Tod seines Vaters, 1861, trat er eine 
ausgedehnte Studienreise an, die nach kiirzeren 
Stationen in Berlin, Leipzig, Wien, Dresden, 
Munchen in Mannheim endete, wo seine Oper 
Loreley — nach dem fur Mendelssohn geschrie- 
benen Geibelschen Text — 1863 aufgefuhrt 
wurde. In Mannheim, 1862—64, schrieb B. 
mehrere Chorwerke, darunter den erfolgreichen 
Frithjof. 1864—65 ist B. wieder auf Reisen, 
1865-67 MD. in Coblenz, 1867—70 Hofkm. 
in Sondershausen, 1871—73 in Berlin, wo seine 
Oper Hermione op. 40 (nach Shakespeare's 



Hannover, 1887—95 dessen zu Weimar. Er \Wintermarc1ien) 1872 nur einen Achtungs- 



war seit 1862 mit der Pianistin u. Komponistin 
Ingeborg Starck (24. Aug. 1840 bis 17. Juni 
1913) verheiratet. B.s Leben ist mit der 
aufieren Entwicklung der , ,neudeutschen" 
Musik eng verknupf t , allein durch seine innigen 



erfolg errang. Die folgenden funf Jahre lebte 
B. ausschlieBlich seinem Schaffen u. machte 
nur zwei Reisen nach England, wurde 1878 als 
Nachf olger Benedict's Dirig. der Philh. Society 
in Liverpool; 1883—90 Dirig. des Orchester- 



80 



Brucken-Fock— Bruckner. 



vereins in Breslau; 1891—1910 endlich Leiter 
«iner Meisterschule fur Kompos. an der Berliner 
Akademie. Er war lange Zeit Vorsitzender der 
M.sektion des Senats der Ak. der Kiinste u. 
Direktionsmitglied der Hochschule fiir Musik; 
1893 Mus. Doc. h. c. von Cambridge, 1898 
korresp, Mitgl. der Ak. d. Kiinste in Paris; 
1918 Dr. theol. u. phil. h. c. zu Berlin. Seine 
Gattin Clara Tuczek (gest. 1914) war eine her- 
^vorragende Sangerin. 

B. ist ein nachromantischer Musiker von 
gewahlter Melodiositat u. reichem Konnen; 
^eine Chorwerke mit Orchester boten den deut- 
schen Chorvereinigungen neben den Urwerken 
der Altklassiker u. Klassiker den bequemeren u. 
zuganglicheren Auf fiihrungss toff. Sein G-moll 
V.konzert wird seine adelige Volksttimlichkeit 
laewahren. 

Opern: Scherz, List u. Ruche op. 1 (Koln 1858); 
Die Loreley op. 16 Mannheim 1863); Hermione op. 40 
(Berlin 1872). 

]'. gem. Chor, Soli u. Orch.: Schon Mien op. 24 
<1867); Odysseus op. 41 (1872); Arminius op. 43 (1875); 
Das Lied von der GlocJce op. 45 (1878); Achilleus op. 50 
(1885); Das Feuerkreuz op. 52 (1889); Moses on. 67, 
hiblisches Oratorium (1894 zur Jubelieier der Konigl. 
Ak. d. Kiinste); Gustav Adolf op. 73 weltliches Ora- 
torium (1898); Damajanti op. 78 (1903, Text von Bult- 
liaupt); Jubilate, Amen op. 3; Die Birken u. die Erlen 
op. 8; Die Flucht der keiligen Familie op. 20; Rorate 
coeli (von Karl Simrock) op. 29 (mit Orgel u. Orchester); 
Romische Leiclienfeier (Lingg) op. 34; Kyrie, S ductus 
u. Agnus Dei op. 35 (D^ppelch.); Das TAed vom deut- 
schen Kaiser op. 37; Dithyrambe (Schiller) op. 39 (6st.); 
€hrufi an die heilige Nacht op. 62; Symne op . 64; Oster- 
kantate op. 81; Die Macht des Gesanges (Schiller) op. 87 
(f. Bar., Ch., Orch. u. Org., 1912); Eeldenfeier f. 6st. 
Oh., Orch. u. Org. op. 89; ost. Chorlieder op. 69 mit 
Org. u. die gem. Ch. a cappella op. 38 u. op. 60; Die 
JStimme der Mutter Erde mit Orch. op, 91; Trauerfeier 
jilr Mignon f. Doppelch., Soli u. Org. op. 93. 

Fr. Oh., Soli u. Orch.: Frithiof aui seines Vaters 
■GrabhUgel (Tegner) op. 27; Die Flucht nach Agypten 
und Morgenstunde op. 31 (Kiatner); Die Priesterin 
der Isis op. 30 (Alt u. Orch., Kies & Erler); Christ- 
Mndlieder i. FrCh., Soli u. Kl. op. 92; i'rCh. a cappella 
■op. 6 (Siegel); 3 Duette f. Sopr. u. Alt op. 4 (mit KL); 
ferner Szene der Marfa (Schiller) f. Mezzosopr. u. Orch. J 
op. 80. | 

MCh., Soli u. Orch.: Rdmischer Triumphgesang ! 
op. 19, 1; Das Wessobrunner Gebet op. 19, 2; Lied der : 
Stadte u. Sekottlands Thr linen op. 19, 2; Gesang der 
Jieiligen drei Konige op. 21 (3 Mannerst. mit Orch,); 
Frithjof op. 23 (1864); Salamis op. 25; Normannenzug 
op. 32 (Baritonsolo mit Unisono Mannerch., Br. & H.); 
Thermovyla op. 53 (Simrock); Leonidas op. 66; Der 
letzte Abschied des Volks op. 76 (Orch. u. Org.); Gesang 
der keiligen drei Konige op. 21 (mit Orch.) u. die Chor- 
lieder op. 49 (a cappella); op. 68 (mit Orch.); op. 72 
(a cappella); op. 74 (Eerzog Moritz); Lieder f. gem. 
Chor op. 71. 

Kl. lieder: Schottische Lieder, Eebrdische Gesdnge 
u. op. 7, 13 (Hymnus f. Sopr.), 15, 17, 18, 33, 49, 54, 
59, 90 (Liederzyklus). 

Von seinen Instrumentalwerken ist sein erstes 
V.konzert op. 26 G-moll sein schbnstes u. ver- 
breitetstes; ferner zwei weitere V.konzerte op. 44 
xi. 58, beide in D-moll, ein Y.konzertstiick mit Orch. 
op. 84, eine V.romanze op. 42 A-moll, die (Schotti- 
sche) Phantasie op, 46, ein Adagio appassionato 
op. 57; In memoriam (Adagio) op. 65, Serenade 
op. 75, samtlich mit Orch., Schwed. Tanze op. 63 u. 
Schwed. u. Kuss. Lieder u. Tanze op. 79, f. V. u. Kl. 
<auch f. Orch.) Vc. u. Orch.: Rol nidrei (hebraische 
Melodie op. 47); Kanzonc op. 55, Adagio nach kelti- 
.schen Melodien op. 56, Ave Maria op. 61 u. f. Vc. u. 



Kl. 4 Stucke op. 70. Auch fiir Klar. mit Orch. schrieb 
B. einige Yortragsstiicke. 

Sinfonische Werke: drei Sinfonien op. 28 Es-dur, 
op. 36 F-moll u. op. 51 E-dur; Kammermusikwerke: 
2 Streichquartette op. 9 C-moll u. op. 10 E-dur u. 
ein Kl.trio op. 5 C-moll; Werke f. Kl, allein op, 2 
(Capriccio zu 4 H.), 11 (Phantasie f. 2 Kl.), 12, 14. 
jficht im Druck erschienen op. 22 u. 77, 

Brucken-FOCk, Gerard van, holl. Komp. 
u, Maler, geb. 28. Dez. 1859 zu Middelburg 
(Zeeland), Schiiler von Rich. Hoi in Utrecht, 
spater von Kiel u. Bargiel in Berlin; nach 
pianistischer Konzerttatigkeit in Holland, 
Belgien, Frankreich, Deutschland lebt er jetzt 
in Laren. 

Oratorium: Die RiicMehr Christi; eine groBe Sin- 
fonie; Sonate f. V. n. Kl. F-dur op. 23 (Noske); zahl- 
reiche Lieder u. Kl. stucke. 

Bruckner, Anton, osterr. Komp., geb. 
4. Sept. 1824 in Ansfeiden(Oberosterreich), gest. 
11. Okt. 1896 in Wien. B.s GroBvater, gest. 
1831, lebte schon als Lehrer in Ansfelden, wo 
ihm B.s Vater Anton, gest. 1837, im Amt 
folgte; auch B. selbst war urspriinglich zum 
, ,Schulmeister", dessen Pflichten das gesamte 
Gebiet der Kirchenmusik u. Schulmusik um- 
fassen, bestimmt. Nach dem Tod des Vaters 
tritt B. in die Volksschule des Markts St. 
Florian , wo er Musikunterricht von dem 
Stiftsorganisten Kattinger, dem Regens Chori 
Schaffler u. von Gruber erhielt; ging dann 1840 
nach Linz auf eine sogenannte Praparanden- 
schule u. wird Schulgehilfe erst in Windhaag an 
der Maltsch (1841), dann (1843) in Kronstorf, 
Enns u. Steyr; 1845 wurde er Lehramtsgehilfe 
in St. Florian, in welcher Stellung er bis 1848 
blieb. 1848 wird er Kattinger's Nachfolger als 
Stiftsorganist, schwankt noch immer zwischen 
Musik u. Staatsdienst, wird aber 1856 Domorga- 
nist in Linz u. damit endgultig der Musik ge- 
rettet. Von hier aus begibt er sich noch einmal 
in die Schule u. fahrt alljahrlich einige Wochen 
zu dem beriihmten Theoretiker Simon Sechter 
(1788-1867) nach Wien, der ihn 1861 wie ein 
Meister einen Gesellen, , ,freispricht"; auf den 
theoretischen Unterricht folgt scblieBlich noch 
die Einfiihrung B.s in die moderne Praxis bei 
dem Linzer Theaterkapellmeister Otto Kitzler 
(geb. 1834!), der ihn mit Wagnerschen Parti- 
turen, dem Hollander u. Tannhauser be- 
kannt macht. 1868 hat B. selbst in Linz den 
Schluft der Meistersinger, noch vor der 
Miinchener ersten Auffuhrung, im Konzertsaal 
geleitet. Um diese Zeit schreibt B. seine ersten 
selbstandigen grofien Werke: eine dreisatzige 
Sinfonie F-moll, aus der das Andante veroffent- 
licht ist, eine Ouvertiire G-moll (veroff. 1921 
von Dr. Alfred Orel), eine Messe in D-moll 1864 
u. die als erste Sinfonie veroff entlichte in 
C-moll (1865/66). 1860 wird er Chormeister 
eines Mannerchorvereins, fiir den er mehrere 
Werke schrieb (Grabgesang 3861; Herbst 
lied f. Mannerchor, zwei Sopransoli u. Kl. 
1864, Tranunplied 1865, Vaterlandisches 



Bruckner. 



81 



Weirilied, Der Abendhimmel, Vaterlandslied 
u. a,); daneben ist er als Komponist von 
Kirchenmusik fur Linzer Festgelegenheiten 
tatig. Mit der ersten Auffuhrung seiner C-moll 
Sinfonie in Linz am 9. Mai 1868, mit der Kom- 
position seiner groBenMessen inF-moll u. E-moll 
beschlieBt er seine provinziale Tatigkeit. Jon. 
Herbeck, Hofkapellmeister u. Dirig. der Ges. 
d.M.freunde, setzt seine Berufung alsLehrer fur 
Theorie u. Orgel am Wiener Kons. durch; im 
Herbst 1868 iibersiedelt B. nach Wien u. tritt 
seine Stellung an, erhalt 1871 den Professortitel ; 
1875 ubernimmt er daneben noch ein Lektorat 
iiber Tbeorie an der Wiener Univ.; auch in 
der Hofmusikkapelle tritt er seit 1868 in 
Dienst, seit 1875 als Vizearchivar u. 2. Sing- 
lehrer der Hofsangerknaben. Sein Wirken 
in Wien ward nur unterbrochen durch Reisen 
nach Bayreuth u. andren deutschen Stadten, 
in denen Werke von ihm zur Auffuhrung 
gelangten; vor allem aber durch eine Reise 
nach Nancy u. Paris (1869) zu einer Orgel- 
probe, nach London (1871) zur Weltausstellung, 
wo er durch sein machtiges Orgelspiel Auf- 
sehen erregte; er gab im Kristallpalast funf 
Konzerte. Im ubrigen ist sein Leben in Wien 
dem Schaffen u. dem Kampf um Anerkennung 
gewidmet: er gilt als , ,Wagnerianer" u. wird 
deshalb von einem Teil der Wiener Presse 
mit Ed. Hanslick an der Spitze auf das hef- 
tigste angefeindet, fand freilich auch be- 
geisterte Vorkampfer in Joh. Herbeck, Jos. 
Hellmesberger, Hugo Wolf, Ferdinand Lowe, 
Josef u. Franz Schalk u. a. In Deutschland 
waren es vor allem Hermann Levi, Arthur 
Nikisch, Siegfried Ochs, die ihm entscheidende 
Erfolge errangen. 1891 legte er sein Amt 
am Kons. nieder u. zog in eine Wohnung im 
Seitentrakt des Belvedere, die ihm Kaiser 
Franz Josef eingeraumt hatte. In seine Wiener 
Zeit fallt die Komposition seines Tedeums 
(1873-84), des 150. Psalms (1892); der 2. Sin- 
fonie (Vollendung der Partitur 5. Juni 1880), 
mit der gleichzeitig, 1875—80 die 5. Sinfonie 
entstand; der 6. Sinfonie 1879—81, der 7. 1881 
— 83, der 8., 1885—86 entstanden u. im 
Winter 1889/90 nochmals uberarbeitet; die 
9. Sinfonie, begonnen Ende April 1891, wurde 
nicht mehr vollendet u. mit dem 3. Satz, 
dem Adagio, am 31. Okt. 1894 abgebrochen. 
Zwischen den Sinfonien stent das einzige 
Kammermusikwerk B.s, das Streichquintett 
in F-dur, komponiert 1879. 

B. als Komponist ist nur zu verstehen aus 
seiner Heimat Oberosterreich heraus (ahnlich 
wie Schubert nur als Niederosterreicher voll 
zu erf assen ist) , u. aus seiner Eigenschaf t 
als ein glaubiger Katholik; aber sein Heimat- 
gefuhl steigert sich zum kosmischen, zum 
Weltgefuhl, sein Katholizismus zum tiefem 
Mystizismus . Betrachtet man seine kirch- 
lichen Werke ; die grofien Messen in D-moll, 

Einstein, Musiklexikou. 



E-moll (mit Blaserbegleitung), F-moll, das 
Te Deum u. den 150. Psalm, so muB man 
sagen, daB er nicht bloB der groBte, sondern 
der einzige echte katholische Kirchenkomponist 
des 19. Jahrhunderts gewesen ist, da er als 
einziger von dem modernen Bildungschristen- 
tum (mag es sich, wie bei Liszt, noch so ek- 
statisch auBern) frei geblieben ist; er hat, 
wie ein mittelalterlicher Mensch , noch ein 
unmittelbares Verhaltnis zu Gott. Seine 
Kirchenmusik ruht stilistisch auf dem 
Boden der barocken konzertanten Messen- 
u. Motettenmusik des 17. u. 18. Jahrhunderts 
u. kniipft etwa an Haydn u. Schubert an; 
sie ist kirchlich, aber zugleich frei u. kuhn 
im personlichen Ausdruek, modern in ihren 
Mitteln. Seine bedeutendsten Kirchenwerke 
sind wohl die groB angelegte Messe in 
F-moll u. das lapidare, machtige Te Deum 
in C-dur. 

Auch die Sinfonik B.s erwachst nach ihrem 
menschhchen Ausdruek aus einer religiosen 
Wurzel, alle Sinfonien B . s sind gewisser- 
maBen Auseinandersetzungen mit Gott, in 
fast alien spielt der Choral eine groBe the- 
matische Rolle. B.s Sinfonik ist vor allem 
reinste Musikj vollig unberuhrt von den 
poetisierenden oder gar programmatischen 
Neigungen seiner Zeit; sie ist, obwohl Beet- 
hovensche, Schubertsche, Wagnerische Ein- 
fliisse in ihr nachweisbar sein mogen, sehr per- 
sonlich u. fast ,,zeitlos". An der klassischen 
Viersatzigkeit hat B. festgehalten, ist auch 
im Typus seines Scherzo der klassischen 
,,Liedform" ABA, im Typus seines lang- 
samen Satzes meist dem Vorbild der IX. Sin- 
fonie Beethovens gefolgt: — Haupt- u. Seiten- 
satz , die beide variationengemaB immer 
reicher figuriert werden. Eine Eigentumlich- 
keit seiner ersten u. letzten Satze, die im all- 
gemeinen ebenfalls der , , Sonatenf orm" folgen, 
ist der Reichtum, die scheinbare MaBlosigkeit 
des thematischen Materials, die B. in der 
IX. Sinfonie z . B . zwingt , Dur chf uhrung 
u. Reprise zu verschmelzen; ferner die Gliede- 
rung der Satze durch Generalpausen, die die 
Auffassung der Einheit der Satze erschwert, 
dennoch aber die Logik des Aufbaus nicht 
aufhebt. EigentumUchkeiten sind weiter : 
die orgelregisterhafte Instrumentation, die 
glanzvolle Verwendung der Blaser, die sich 
manchmal bis zu Blaser-Apotheosen (V. Sin- 
fonie) steigert, die einfache, achttaktige Gliede- 
rung , die unbekummerte Verwendung der 
Sequenz, aber auch die machtvolle Melodik 
u. kuhne u. da bei doch stets sichereHar- 
monik. Seine Kunst ist sehr deutsch, ihr ,, La- 
halt" ist fast stets ein in schweren Kampfen 
errungenes Credo; u. so ist B.s Musik im Lauf 
der Jahre ein immer verehrterer, besonders 
in Siiddeutschland verstandener deutscher 
geistiger u. seeHscher Besitz geworden. 



82 



Bruckner— Brussel . 



Br. gedruckte Werke in chronologischer Reihen- 
folge: Tantum ergo D-dur, f. gem. Cb. (1843); Fiinf 
Tantum ergo, Es-, C-, B-, As-, Des-dur f. 5st. gem. 
Ch. u. Orgel (1846); Libera F-moll, f. gem. Ch. u. Instr. 
(1854); Ave Maria i. gem.. Chor u. Org. (1856); Ama- 
ranths Waldesliedcr f. Singst. u. Kl. (1858); Im April 
i. Singst. u. Kl. (um 1860); Are Maria, 7 at. gem. Ch. 
(1861); Graduate „AfJerentur" , gem. Ch. u. 3 Posaunen 
(1861); Euge D-moll f. Org. (1862); Ouvertiire G-moll 
f. Orch. (1863; hrsg. von A. Orel); Germanenzug , MCh. 
mit Biaserbegl. (1863); Herbstliei, MCh. mit 2 Sopran- 
soli u. Kl. (1864); Messe D-moll f. Soli, Ch. u. Orch. 
(1864, 1881/82 umgearbeitet, erste Auff. 20. Eov. 
1864); Um Mittemacht. MCh, mit Altsolo u. Kl. (1864); 
T. Sinfonie C-moll (1865/66, umeearb. 1890/91: Erste \ 
Auff.: Linz 9. Mai 1S66, Wien 13. Dez. 1891); Vater- 
landsliebe, MCh. mit Soli (1866); Der Abendhimmel, 
MCh. (1866); Messe Nr. 2 in E-moll, f. 8st. gem. Ch. 
u. Eliiser (1866); Jam lucis erto sidere, Hymnus (1868); 
GroBe Messe Nr. 3, F-moll f. Soli, gem. Ch. u. Orch. 
(1867/68); Pangue lingua (Tantum ergo) (1868); Gra- 
duate „Locus isle" f. g*m. Ch. (1869); Graduate Christus 
1 actus est f. gem. Ch. (1869); Mittemacht, MCh. mit 
Soloquartett u. Kl. (1870); II. Sinfonie C-moll (Erstauff. 
26. Okt. 1873 unter Br. selbst); III. Sinfonie B-moll 
(erste Fass. 1873, 2. Eass. 1876/77 zuerst aufgef. Wien 
16. Dez. 1877 unter Br. selbst, 3. Fass. 18S9, erste Auff. 
Wien 21. Bez. 1890 unter Hans BJchter); IV. Sinfonie 
Es-dur (l. Fass. 1874; 2. Fass. 1878/80; erste Auff. 
20. Febr. 1881 unter Hans BJchter); V. Sinfonie B-dur 
(1875/76, umgearb. 1878; erste Auff. 8. April 1S94 
durch Franz Schalk. Br. selbst hat diese Sinfonie nie 
gehort); Das hohe Lied f. 3 Solost. u. MCh. (1876); 
NacJmij; MCh. mit Org. (1877); Abendzauber MCh. mit 
Solo, Hornquartett nsw. (1878); Graduate (Os justi) 
f. gem. Ch. (1879); Streiehquintett F-dur (1879, die 
Fass. des Autographs 1922 hrsg. von W6C); VI. Sin- 
fonie A-dur (1879/81, unvollstand. erste Auff. Wien 
11. Feb. 1883 unter Wilhelm Jahn; erste vollstand. 
Auff. 13. Bez. 1901 unter Gollerich); Ave regina, Choral- 
Harmonisierung (um 1880); Zur Vcrmahlungsfeier. 
MCh. (um 1880); VII. Sinfonie E-dur (1. Auff. Leipzig 
30. Bez. 1884, unter Arthur Nikisch); Sdngerbimd, 
MCh. (1882); Antiphon Tota pulchra f. Tenor, gem. 
Ch. u. Orgel (1882); Ave Maria f. Ges. u. Org. (1882); 
Graduate Virgo Jesse f. gem. Ch. (1884); Tedeitm f. 
Soli, gem. Ch.. Orch. u. Org. (1881—84. erste Auff. 
Wien 2. Mai 1885 unter Jos. Schalk); VIII. Sinfonie 
C-moll (18S4— 90), erste Auff. Wien 18, Bez. 1892 
unter Hans Bichter); Bcce Sacerdos f. gem. Chor, 3 Fo- 
saunen u. Org. (1885); Um Mittemacht, MCh. mit 
Tenorsolo (1886); Traumen u. Wachen, MCh. mit 
Tenorsolo (1890); IX. Sinfonie D-moll (1889—94, 
erste Auff. Wien 11. Feb. 1903 unter Ferd. Lowe); 
Vexilla regis, f. gem. Ch. (1893); Der 150. Psalm f. Ch., 
Sopransolo u. Orch. (1S92); Das deiitsche Lied, MCh. 
mit Biaserbegl. (1892); Helgoland, MCh. mit Orch. (1893). 

Unter den ungedruckten Werken sind hervorzu- 
heben: 2 Choralmessen, ein Requiem B-moll, ein Mag- 
nificat f. Ch. u. Orch., eine Missa solemnis B-dur (1854), 
eine Sinfonie F-moll (1862/63), eine annullierte Sin- 
fonie B-moll (1869). 

Literatur: Franz Brunner, Dr. A. Br. ein Lelens- 
bild (Linz 1895); Bud. Louis, A. Br. (Munchen 1905); 
Franz Graflinger, Bansteine zu A. Br's. Lebensgeschickte 
(Munchen 1911); Franz Graf linger, A. Br., sein Leben 
u. seine Werke (llegensburg 1921); Karl Hniby, Meine 
Erinnerungen an A. Br. (Wien 1901); Heinr. Rictscb, 
^i. Br. (Berlin 1898); Max Morold, A. Br. (Leipzig 
1912); August Halm, Die Symphonic A. Br's. (Munchen 
1914); Walther Krug, Die neue Mitsik (Zurich 1919); 
Ernst Bescey, Br. (Berlin 1920); P. Griesbacher, Br's. 
Tedeum (Begensburg 1919); Erich Schwebsch. A. B. 
(Stuttg. 1921 , 2. Aufl. 1923 , Ber kommende Tag-Verl.); 
Hans Tessmer, A. Br . (Begensburg 1922): Karl Grunsky, 
A. Br. (Stuttg, 1922, Engelhorn); A. Gollerich, A. B. 
(Begensburg, Bosse); im selben Verlag verschiedene 
Sammlungen von Briefen Br. s; Friedrich Eckstein, 
B.-Erinnerungen (1924, Un.-Ed.); Richard Wetz, 
A. Br. (1923, Reclam);' Max Aucr, Br. (Wien 1923, 
Amalthea V.); Kurt Singer, B. als Kirckenkomponist 
(1923, BVA.); Oskar Lang, A. Br. Wesen u. Bedcutung 



(Munchen 1924); u. vor allem Ernst Kurth, A. B., 
2 Bde., (Berlin 1925, Hesse). 

Bruckner, Karl, schwed,-deutsch. Violinist, 
geb. 5. Mai 1893 zu Gothenburg, 1901 Schuler 
von Sitt, 1902—09 des Kons. in Leipzig, 
stud, nach ausgedehnten Konzertreisen M.- 
wiss. in Leipzig u. Munchen (1920 Dr. phil.), 
1921 — 25 Lehrer am Kons. zu Karlsruhe; 
Virtuose feinster Schulung. 

Bruckner, Oskar, deutsch. Vcellist, geb. 
2. Jan. 1857 zu Erfurt, Schuler von Fr. Griitz- 
macher sen. u. Fel. Draeseke in Dresden, 
Konzertspieler, erst Solocellist in Strelitz, 
seit 1889 in Wiesbaden; 1896 — 1901 Solo- 
cellist bei den Bayreuther Festspielen. 

Solostucke f. Vc; Lieder; El.stiicke; Arrangements; 
Vc.konzert; Studienwerke u. a. 

BrilEI, Ignaz, osterr. Komp. u. Pianist, geb. 
7. Nov. 1846 zu ProBnitz in Mahren, gest. 
17. Sept. 1907 in Wien, im Kl. spiel Schuler 
von Jul. Epstein, in der Kompos. von Joh. 
Rufinatscha u. O. Dessoff in Wien, zeitlebens 
als feinsinniger Konzertspieler tatig, 1872—78 
Lehrer u. seit 1881 artistischer Mitdirektor 
der Horakschen Kl.schulen in Wien. Als 
Kl.komponist hat B. dem intimen Stuck u. 
einer bescheidenen Brillanz im Konzertstiick 
gehuldigt; als Opernkomponist namentlich 
mit seinem Goldenen Kreuz das melodibse 
Singspiel mit Werken von anspruchsloser, 
aber echter Liebenswiirdigkeit bereichert. 

Opern: Die Bettler von Samarkand (1861); Da& 
goldene Kreuz (1875, Spieloper, sein beliebtestes Werk); 
Der Landfriede (1877); Bianca (1879); Konigin Mariette 
(1883); Das steinerne Serz (Marchenoper 1888); Grin- 
goire (Munchen 1892); Schach dem Konige (Munchen 
1893); Gloria (Hamburg 1886); Der Husar (Wien 1896); 
das Ballett Ein Mdrchen aus der Champagne (1896) ; 
Sinfonie B-moll op. 31; drei Orchesterserenaden op. 29; 
Ouvertiire zu Macbeth op. 46; Jagdouverture Im Walde 
u. Ouvertiire pathetique op. 98; Zwei Kl.konzerte; 
ein Konzertstuck f. Kl. u. Orch. op. 88; Rhapsodic 
f. Kl. u- Orch.; ein V.konzert op. 41; eine Sonate u. 
4 Suiten f. Kl. zu 2 Hdn.; eine Sonate f. 2 Kl.; ein 
3satz. Duof. 2 Kl. op. 64; eine Cellosonate; 3 V.sonaten; 
ein Trio; Suite f. Kl. u. V. op. 42; Kl.stiicke (Ballade 
op. 84); Lieder; Chore usw . In seinem KachlaB fanden 
sich Fragmente einer Oper Bubezahl u. eine Dra- 
matische Ouvertiire. Vgl. Deutsche Bevue 1918: 
Brief e n. Erinnerungen an I. B., veroffentlieht von 
seiner Schwester H'ermine Schwarz, in Buchform 
/. B. u. sein Freundeskreis (1922, Bikola). 

Brussel, Theater de la Monnaie. Der Ur- 
sprung des Th. de la M. reicht auf 1700 zuriick; 
seinen Rang hat es gewonnen besonders unter 
der Leitung von Dupont u. Lapissida u. von 
Kufferath u. Guide (1900—14). Brussel hat es 
in dieser Zeit mit Werken unleugbaren Werts 
versucht, von denen Paris zunachst nichts- 
wissen wollte: Herodiade von Massenet 1881; 
Sigurd von Reyer 1884; Gwendoline von Chabrier 
1886; Salammbo yon Reyer 1889; Fervaal 
von d'Indy 1903; Eros Vainqneur von Breville 
1910; Le Chant de la Cloche von dlndy 1912. 
Wagner war in Brussel zu einer Zeit gefeiert, 
da er anderwarts noch umstritten war (vgl. 
Evenepoel, Der Wagnerismus aufierhalb Deutsch- 
lands, 1891). 



Bruger — Bruneau, 



83 



Bruges Hans Dagobert, deutscher 
M.schriftsteller u. Komp., geb. 18. Nov. 1894 
zu Frankfurt a. M. als Sohn des Physikers 
u. Forschers Dr. Theodor B., stud, in Miin- 
chen ( Sandberger) , Halle, Leipzig (Abert) 
u . Heidelberg (Kroyer) M. wissenschaf t u . 
promov. 1922 in Heidelberg zum Dr. phil. 
Dissert. Gluck's dramatische Instrumenlations- 
kunst u, ikre geschichtlichen Grundlagen J. Teil 
(ms ( ), B. lebt in Miinchen als M.schrift- 
steller; seine Beniuhungen gelten besonders 
der Wiedererweckung alter Lautenmusik. 

Die hohen und tiefen Orch .stimmungen (Tone) in 
Hirer Bedeutung fur die EntwieUung der Instrument 
(Schweiz. Zeitschr. f. Instrumentalmusik, XI. Jahrg., 
;Nr. 17 — 18); Die altwiener Instrumente Cornetto (Zink) 
u. Chalumeau u. ihr letztes historisches Auftreten in 
GlucJcs Orch. (ebendort, XII. Jahrg., Nr. 1 — 3); Das 
Klangideal der deuUchen Vorklassiker um 1700 (eben- 
dort, XII. Jahrg., Nr. 10—11); Le origini del Crescendo 
musicale (Cultura musicale, Bologna 1923, Heft 1) u. a. 

Hrsg.: Joh, Seb. Bach's Kompositionen fur die Laute 
(1921, 2. Aufl. 1923); Alte Lautenkunst aus drei Jahr- 
hunderten (2 Hefte, 1923). Altengl. Madrigale zur Laute 
von John Dowland (1923); AusgewahlU Solostueke des 
Lautenisten John Dowland (1923); Joseph Haydn's 
Quartett in D-dur fur oblig. Laute, F., Bratsche u. Vc. 
(1924) u. a. 

Brugnoli, Attilio, ital. Pianist u. Komp M 
geb. 7. Sept. 1880 zu Rom, Schuler von Rosso- 
mandi (Kl.) u. Serrao (Kompos.) am Kons. 
zu Neapel. Nacb erfolgreichen Fahrten als 
Konzertspieler wurde er 1907 Lehrer am 
Kons. zu Parma u. dem von Neapel, von wo 
er 1916 an S. Cecilia in Rom, u. 1921 an das 
1st. mus. in Florenz kam; seit 1923 war er 
kurze Zeit wieder Lehrer am Liceo di S. Cecilia 
in Rom. Als Lehrer u. Schriftsteller ist er 
Anhanger der modernen psycho-physiolog. 
Metkode. 

Sonate f. V. u. Kl. (1906, Salonoff); Konzertstuck; 
Neapol. Szenen u. a. Kl.stiicke; Lieder (Kahnt); Neu- 
ausgaben (Liszt, Chopin). 

Abhandlung: Dinamica pianistica (Ricordi 1926). 

Brumagne, Fernand, belg. Komp., geb. 
11. Nov. 1887 zu Namur, Schuler von Leon 
Du Bois am Briisseler Cons. u. von d'Indy 
an der Pariser Schola Cantorum. 

Lyr. Drama V Invasion, Briissel 1919; Ballett 
Judith von Bethulien; Mysterienspiel Le Miracle de 
Saint- Antoine. 

Brun, Fritz, schweiz. Dir. u. Komp., geb. 
18. Aug. 1878 in Luzern, 1896—1901 Schuler 
des Kolner Kons., 1902—03 Theorie- u. Kl.- 
lehrer am Kons. zu Dortmund, ging 1903 
als K!. lehrer an die M.schule in Bern u. wurde 
1909 Nacbiolger Munzinger's als Leiter der 
Bernischen Abonnementskonzerte , Dirig. des 
Caecilienvereins u. der Liedertafel. 1920 Dr. 
h. c. der Univ. Bern. Seine Werke, wenn auch 
heeinf lufit von Brahms , zeigen einen sehr 
personlichen Stil; er erreicht namentlich in 
den langsamen Satzen seiner Sinfonien einen 
hohen Grad des Ausdrucks. 

3 Sinfonien; die 2. B-dur veroffentlicht in der 
Schweiz. National- Ausgabe; sinf. Dichtung Aus dem 
Buche Eiob; Sonate f. V. u. Kl. D-moll (Hiini); 
Streichquartett G-dur; Chorwerk Verheifiung; Lieder; 
MChore . 



Brunck, Constantin, deutsch. Komp., geb. 
30. Mai 1884 zu Nurnberg, 1901—04 Schuler 
der dort. Stadt. Musikschule, dann von Hum- 
perdincku. Rufer in Berlin, Dirig. des deutschen 
MCh. in Mailand, 1911—20 des Arbeiter- 
gesangvereins Lassallia u. a. MChore in Nurn- 
berg, Lehrer fur Sologesang, daneben Kritiker 
der Frank. Tagespost. Als Schriftsteller hat 
B. sich vie! mit sozialen Berufsfragen befafit; 
eine Frucht dieser Bemuhungen war der Selbst- 
verlagsverein ,,Meistersingerverlag" in Nurn- 
berg, den B. bis zu seinem Eingehen 1923 leitete. 

Lieder, davon 23 gedruckt; Kl.stiicke; Ouvert. zu 
einem Bokokospiel f. kl. Orch.; Chore. 

Bmne, Adolf Gerhard, deutsch-amerik. 
Komp., geb. 21. Juni 1870 zu Bakkum, seit 
1887 Schuler des Seminars in Osnabruck , 
1889—94 Organist in Peoria, 111., seit 1894 
in Chicago, von 1898—1917 als Lehrer am 
Chicago Musical College. 

Orchesterwerke ; Kammermusik, darunter Sonate 
f. V. u. Kl. D-moll op. 33 (Schott); Chorwerke; im 
ganzen gegen 80 Opera. 

Bruneau , Louis Charles Bonaventure 
Alfred, franz. Komp., geb. 1. Marz 1857 
zu Paris, studierte V.cell. u. Kompos. (bei 
Massenet) am Pariser Cons., das er 1881 mit 
dem 2. Kompos. Preis verliefi. Er hat ein 
paar sinf. Werke geschrieben, deren bekannteste 
die Tondichtung La Belle au Bois Dormant 
(1884) u. Penthesilee f. Ges. u. Orch. (1888) 
sind; Lieder u. ein Requiem (1889). Doch 
hat er besonders auf dramatischem Gebiet 
Bedeutendes geleistet : Le Rive (von Louis 
Gallet nach Zola's Novelle, 1891, Opera comi- 
que), ein Werk von schlagender Ursprunglich- 
keit u. Kraft, das auf die Entwicklung der 
modernen franz. Schule groBen EinfluB geiibt 
hat; L'Attaque du Moulin, 1893, ebenfalls 
von Gallet nach Zola ; VOuragan , 1901 ; 
VEnfant Roi, 1905, u. der unvertiffentlichte 
Lazare 1905, die Libretti der drei letzten 
von Zola selbst. Nach Zola's Tod richtete 
B. sich selber fur die Buhne ein: La Faute 
de VAbbe Mouret, 1907; u. Nats Micoulin, 
1907; ein andres Werk nach einer Dichtung 
Zola's, LesQuatre Journees, blieb unveroffent- 
licht. Aus La Faute de VAbbe Mouret hat 
B. zwei Suiten, aus V AUaque du Moulin eine 
Suite zusammengestellt (Choudens) . Seine 
Schreibweise gilt bei manchen als ziemlich 
roh, indes er anderwarts enthusiastische Be- 
wunderer hat; unbestritten ist seine unbeirrbare 
Wahrheit im Ausdruck. Als M.kritiker war er 
am Figaro tatig u. seit 1904 schreibt er fur den 
Matin. Drei Bande seiner Essais sind erschienen: 
Musique d 7 flier et de demain; 1900; La Musique 
franQaise (1901, deutsch 1904 bei Siegel- 
Kistner); Musiques de Russie et Musiciens 
de France , 1903. 

Vgl. die Bibliographic bei Octave Sere* (s. d.); 
Arthur Hervey, A. B. (London 1907, J. Lane); Julien 
Tiersot, Un Demi-Siecle de musique francaise (1918, 
Alcan). 

6* 



84 



Brunetti-Pisano— Bucharoff . 



Brurtetti-PisanOg August, csterr. Schriftsteller 
u. Komp., geb. 24. Okt. 1870 zu St. Gilgen am 
Wolfgang- See, erst Gymnasiallehrer, danu 
Schuler der Ak. d. Tonkunst in Miinchen 
(Rheinberger) u. des Wiener Kons., lebt in 
Salzburg. 

Opern: Peter Schlemihl; Das klagende Med; Liebes- 
opfer; Djenaneh; Vorspiel zu Hauptmann's Versunkener 
Glocke (Miinchen 1897); 5 Rhapsodien f. Orch.; Vene- 
zianische Sinfonie (1904 preisgekront) ; Gesange mit 
Kammerorchester; Chore a cappella u. mit Orch.; 
Kl.stiicke; Lieder. 

Brunold, Paul, franz. Pianist, Clavecinist 
u. Organist, geb. 14. Okt. 1875 zu Paris, ; 
Schuler von Marmontel, Lavignac u. Xavier 
Leroux am Cons. Paris, spater von Pade- 
rewski. Er ist seit 1910 Spezialist fur alte 
Musik, die er aft einem Harpsichord aus 
dem 18. Jahrh. spielt. Mit Henry Expert 
zusammen hat er eine Anthologie des Maitres 
francais du clavecin des Xlle et XHIe siecles 
veroffentlicht (Senart); mit Andre Tessier zu- 
sammen eine Ges.-Ausg. der Werke von Cham- 
bonnieres (id., 1925). Er ist seit 1915 Titular- 
Organist der Grofi. Orgel an St. Gervais, 
dem vollkommen erhaltenen Instrument der 
Couperins. 

Bruns (-Molar), Paul, deutscher Sanger u. 
Gesangslehrer, geb. 13. Juni 1867 zu Werden, 
erst Jurist, Schuler von Kretzschmar, Krause, 
Schonherr, Torsleff in Leipzig, Carelli in 
Neapel u. Vivarelli in Florenz, 1902—05 
Lehrer am Eichelbergschen Kons, in Berlin, 
seit 1906 am Sternschen Kons. 

Zeitschriften Der Kunstgesang, 1895 — 1900 (mit 
L. Schultze-Strelitz); Deutsche Gesangskunst 1900—02; 
Schriften: Neue Gesangsmethode nach erweiterten Grund- 
lehren vom primdren Ton (1906); Das Kontraalt- Problem 
(1908); Bariton oder Tenor? (1910). 

Brusselmans, Michel, belg. Komp. , geb. 
12. Febr. 1886 in Paris, Schuler von Paul 
Gilson am Brusseler Cons., mehrfacher Preis- 
trager; Lehrer fur Harrnonielehre u. Kompos. 
in Briissel; 1913 besonders durch seine sin- 
fonischen Bilder Kermcsse Flamande bekarmt 
geworden, die ein Breughelsches Temperament 
zeigen u. trotz ihrer Ursprunglichkeit im Stil 
liber ihre Keimat hinausweisen. 

Bhapsodie iiber ein Volkslied (Antwerpen 1911); 
Ouv. feriale (Briissel 1912); Kermessc flamande (1913); 
E&ttne de Sparte, sinf. Dicht. nach E. Verhaeren's 
Tranerspiel (Briissel 1915); Les Nereides, Tongemiilde 
f. V., Harfe u. OtcIi. (1915); Sonate f. V. u. Kl. H-moll 
(1915, Senart); Sonate f. Vc. u. KL D-dur (1916, 
id.); zahlreiche Lieder u. Orgelstucke. 

BfUSt, Herbert, deutscher Komp. , geb. 
17. April 1900 in Konigsberg i. Pr., stud. 
von 1919—22 auf der Akad. Hochschule 
fiir Musik in Charlottenburg bei Friedrich 
E. Koch (Kompos.) u. bei Walter Fischer 
(Orgel), dann 1922—23 nur bei Friedrich 
E. Koch. Nach kurzer Dirigententatigkeit 
in Konigsberg (Philharmonie u. M.verein) 
zog er, um sich ganz seinem kompositorischen 
Schaffen zu widmen, in seine Heimat; B. 
lebt jetzt in Neukuhren im Samland. 



Weihnachtskantate f. Stieichtrio, 3 Singstimmen 
u. Org.; Fugenu. Choralfantasien f. Orgel; 5 Altdeutsche 
Marienlieder f . 4 st. Franenchor ; Lateinische Messe 
f. gem. Ch., Solostimmen, Orch. u. Org.; 4 Kl.stiicke 
op. 1; Introduction n. Fuge f. gr. Orch.; Streichquartett 
op. 2; 5 Lieder aus dem Lebendigen Kristall na-ch eigenen 
Worten op. 3; Konzentrische Musik i. V. u. Kl. op. 4; 
Kl.quintett op. 5. 

Bryson, (Robert) Ernest, schott. Komp., 
geb. 30. Marz 1867 zu Glasgow; ein Musiker 
moderner Haltung u. feinen Stils. 

Oper: The Leper's Flute (nach Ian Colvin's Drama, 
1923); 1. Sinf. D-dur (Goodwin & Tabb); 2. Sinf. C-dur 
(Carnegie-Preis); Voices, eine Orch.-Studie (Goodwin); 
Vaila, Fantasie f. Streicher (id.); Streichquartett 
E-dur, 1923. 

Brzezinski, Franciszek, poin. Komp., geb. 
6. Nov. 1867 in Warschau, stud, bei Kleczynski, 
dann bei Krehl, Reger, Rich. Hoffmann in 
Leipzig. Sein bezeichnender Zug ist der 
polyphone Wurf seiner Einf alle ; er pflegt 
besonders die Fuge, die sich in fast all seinen 
Werken findet. Er war M.kritiker am Knrjer 
Warszawski in Warschau, seit 1922 ist er 
poln. Konsul in Breslau. 

Kl.konzert G-moll; V.konzert; Sonate f. A r . u. Kl. 
D-dur op. 6 (Peters); Polnische Suite f. Kl. op. 4; 
Introduktion u. Polonaise in Fugenform; Oberek, 
Intermezzo u. Krakowiak; Triptych on op. 5, Le Doute, 
Praludium u. Fuge; Weihnachten in Polen, Pral. u. 
Fuge; Vor der Sphynx, desgl. (preisgekront bei der 
Chopin- Jahrhundertfeier Lemberg 1910); Toccata 
op. 7 u. a. 

BitCC&ri, Gianni, ital. Komp., geb. 16. Febr. 
1873 zu Trecastagni (Catania), stud, am Cons, 
von Neapel, Operndirig. u. erfolgreicher Komp. 

Opern: Mariedda, lakt., Catania 1895; Ondina, 
2akt., Neapel 1917; Marken, lakt., Trient 1920; 
Sclvaggia; Miles Standish, 2 akt. ; II fiume, 1 akt. ; 
Graziella, 1925. Or Chester- u. Chorwerke; Lieder. 

Blichal, Hermann, deutsch. M.padagoge u. 
Komp., geb. 17. Jan, 1884 zu Patschkau in 
Schlesien, Schuler des akad. Instituts i. 
Kirchenmusik in Berlin (Radecke , Thiel , 
Egidi, v. Hennig, Krause, Schroder), dann 
noch drei Jahre Friedrich Gernsheim's an der 
akad. Meisterschule f. Komposition. 1907—10 
war er Chordirig. u. Organist am Corpus 
Christi u. St. Paulus in Berlin, 1910—15 
Lehrer am Kons. in Beuthen; nach Ruckkehr 
aus dem Felde 1918—21 Privat-M. lehrer in 
Beuthen. Von 1921—23 Lehrer am Schles. 
Kons. in Breslau, ist er seit 1924 dessen 
Direktor; auch als konzertierender Pianist 
tatig. 

Angelus Domini f. gem. Ch. u. Soli (Sulzbach): 
5 Intermezzi f. Kl. (Bote & Eock); Lieder (Ries & Erler, 
Bratfisch); 3 Offertorien f. gem. Ch. (Cieplik, Beuthen); 
MCh. Wandervogel (Bratfisch); Kl.sonate C-moll (Hai- 
nauer) ; Lieder-Zyklen u. Einzellieder ; lO.konzert 
Es-dur; Totenklage i. gr. Orch.; 2 Sonaten f. V. u. 
Kl. E-dur u. D-moll; Variationen iiber eine Volks- 
weise vom Balkan f. KL; Kl.trio F-dur; Streichquartett 
A-moll; Messe A-dur f. FrCh.; Weihnachtskantate 
f. S.-Solo, gem. Ch. u. Orch.; lakt. Oper Der Paria 
(Mich. Beer). 

Bucharoff, Simon, russ. Komp., geb. 1881, 
kam lljahrig nach den Ver. Staaten u. stud, 
in New York bei Paolo Gallico u. Leon Kramer 
Kl. u. Theorie; spater — nach dem Versuch, 
Medizin zu studieren — hei Jul. Epstein u. 



Buchmayer— Bulow. 



85 



Stephan Stocker in Wien. Nach Amerika 
zuriickgekehrt, wirkte er als Pianist u. Lehrer. 

Oratorium ; Psalm f . Ch., Soli u . Orch. ; sinf . Dichtung ; 
phantast. Ouvertiire f. Orch.; Streichquartett; Kl.- 
stucke; Lieder (Steingraber). 

Opern: A Lovers Knot (Chikago); SaJcahra (Frank- 
furt a, M. 1924; Steingraber). 

Buchmayer, Richard, deutsch. Pianist, geb. 
19. April 1857 in Zittau, Schuler des Dresdener 
Kons.; wurde nach vierjahrigem Aufenthalt 
in Rufiland Lehrer am Dresdener Kons., trat 
aber bei Wullner's Weggang 1890 aus u. iiber- 
nahm 1892 eine Lehrerstelle an der Dresdener 
M.schule ; jetzt nur mehr als Privatlehrer 
tatig; 1907 Prof. Er ist nicht nur ein Spezialist 
in der Wiedergabe alterer Kl.musik, sondern 
auch ein hervorragender Forscher auf diesem 
Gebiet, das ihm die wertvollsten Entdeckungen 
verdankt (Christian Ritter , Georg Bohm , 
von denen er Kantaten herausgegeben hat). 
In der Cembalo-Kl.frage ist er ein ent- 
schiedener Kampe fur das Klavier. 

Buck, Percy Carter, engl. M.padagoge, 
geb. 25. Marz 1871 zu West Ham, Essex; 
stud, an der Guildhall School of M. bei Dr. C. J. 
Frost u. F. Davenport, spater am R.C.M. 
bei Sir Hubert Parry, Sir Walter Parratt 
u. Dr. C. H. Lloyd; 1899 Mus. Doc. Oxon.; 
1891— 95 Organist am Worcester Coll. in 
Oxford; 1895—99 an Wells Cath.; 1900—01 
an Bristol Cath.; seit 1901 MD. der Harrow 
School; 1910—20 als Nachfolger von Eb. Prout 
Prof, of music am Trinity Coll. zu Dublin; 
1923 ersterCramb-Dozent an der Univ. Glasgow. 

3 Orgelsonaten op. 3, 0, 12 (13r. & H.); Kl.quintett 
E-dur op. 17; Streichquintett G-dur op, 19; Kl.quartett 
F-dur op. 22; Ouvertiire Cceur de Lion op. 18; ver- 
schiedene Chorwerke u. Schulchdre; 2 Orgelhandbucher 
(Stainer & Bell); Unjigured Harmony (Clarendon 
Press, Oxford 1911); Acoustics for Musicians (ib. 1918). 

Buckley, John, brit. Bariton, geb. 14. Dez. 
1888 zu Ewloe, Flintshire, Wales; Schuler 
der Guildhall School of M., der Londoner 
Opernschule: — Report, bei Henry Wood 
u. Victor Beigel, Liedergesang bei Frau 
M. Rosenberg. Er besitzt einen gerundeten 
Stil sowie starke dramatische Darstellungs- 
kraft. 

Bticher, Karl, deutscher Volkswirtschaftler, 
geb. 16. Febr. 1847 zu Kirberg bei Wies- 
baden, 1881 Dozent in Munchen, 1882 o. Prof, 
in Dorpat, 1883 in Basel, 1890 an der Techn. 
Hochschule in Karlsruhe, 1892—1916 o. Prof, 
der Nationalokonomie in Leipzig; Verfasser 
des beruhmten Werkes Arbeit und Rhythmus 
(1896, 6. Aufl. 1924, Leipzig, E. Reinecke), 
das unsere Anschauungen uber die Entstehung 
der Musik in exaktem Sinn bereichert hat; 
ie ist u. a. im rhythmisch geordneten Arbeits- 
sesang zu suchen. 

Biicken, Ernst, deutscher M.forscher, geb. 
2. Mai 1884 zu Aachen, stud, in Bonn u. 
Munchen erst Jura, dann M.wissenschaft 
(Sandberger u. Kroyer) u. Kompos. (Cour- 



voisier), seit 1920 Privatdozent in Koln, 1925 
a. o. Prof. 

Avion Reichas Leben u. Kompositionen (1912); 
Munchen als Musikstadt (1923, Kistner-Siegel); Fuhre? 
u. Probleme der neuen Musik (Tonger, 1924) ; Die heroische 
Oper (Kistner-Siegel 1924); Musikalische Charakterkdpfe 
(Quelle & Meyer, 1925); wertvolle Aufsatze in Zeit- 
schriften. 

Buckmann, Robert, deutscher Chordirig. 
u. Komp., geb. 24. Sept. 1891 in M. Gladbach, 
besuchte erst das dort. Kons., 1909 — 14 das 
KoJner (Steinbach, Friedberg, Strasser), 1914 
bis 19 Kriegsteilnehmer, die beiden letzten 
Jahre in engl. Gefangenschaft; seitdem Lehrer 
fur Oberklassen am M. Gladbacher Kons. u. 
seit 1923 Leiter des gem. Chors'in Odenkirchen. 

Sinfonie; 2 Suiten; Serenade f^Orch. mit Sopransolo; 
Miniaturen f. Orch.; Kl.trio; SoAte\i>V. u..Kl.;Orgel-^ 
sonate; Kl.stucke; Lieder;Zyklus vbn 9 Orch.gesangen 
f. Bariton nach E.. M. Rilke u. a, Orch.lieder. Q 

BulOW, Hans Guido von, deutsch. Pianist 
u. Dirig., geb. 8. Jan. 1830 zu Dresden, gest 
12. Febr. 1894 zu Kaixo, Sohn des Schrift- 
stellers Eduard v. B.; mit neun Jahren Kl.- 
schuler von Fr. Wieck u. Harmonieschuler 
von Max Eberwein in Dresden; 1846 — 48 in 
Stuttgart, wo er bereits offentlich auftrat. 
1848 stud. B. in Dresden Jura, daneben aber 
bei M. Hauptmann Kontrapunkt, 1849 ging 
er, bereits zum Anhanger Wagner's geworden, 
als Mitarbeiter der Abend-post nach Berlin. 
Die Erstauffuhrung des Lohengrin in Weimar 
1850 entschied fur seine Laufbahn als Musiker; 
er ging zu Wagner nach Zurich, unter dessen 
Anleitung er dort u. in St. Gallen sich zuerst 
als Theaterkm. betatigte, dann zu seiner letzten 
Ausbildung als Pianist zu Liszt nach Weimar. 
1853 machte er seine erste Konzertxeise durch 
Osterreich u. Deutschland; eine zweite 1855 
endete mit seiner Anstellung als erster Kl.- 
lehrer am Sternschen Kons. in Berlin. 1857 
vermahlte er sich mit Liszt's Tochter Cosima 
(geb. 25. Dez. 1837). In Berlin leitete er zeit- 
weilig die Konzerte der , ,Gesellschaft der 
M.freunde". 1864 zog ihn Wagner sich nach 
Munchen nach, zunachst als Vorspieler des 
Konigs, 1867 aber, nachdem B. sich kurze Zeit 
in Basel lehrend u. konzertierend aufgehalten, 
als Hofkm. u. Direktor der zu reorganisierenden 
M.schule; B. dirigierte dort u. a. die erste Auf- 
fuhrung des Tristan (10. Juni 1865) u. der 
Meistersinger (21. Juni 1868). Nach seiner 
Ehekatastrophe ging B. nach Florenz, begab sich 
dann aber wieder auf Konzertreisen (1875/76 in 
Amerika); war 1877 — 79 Opernkm. zu Hannover, 
1880 — 85 aber Dirig. des Meininger Hofor- 
chesters, mit dem er epochemachende Auffiih- 
rungen in ganz Deutschland veranstaltete. 1882 
verheiratete er sich mit der Meininger Hof schau- 
spielerin Marie Schanzer. Als Pianist, Lehrer 
u. Dirigent war B. in den nachsten Jahren 
in Petersburg, Berlin, Frankfurt tatig; 1887 
lieB er sich in Hamburg nieder, wo er seit 
1886 ein von Hermann Wolff gegrundetes 



86 



Busser— Buffin, 



Konzertunternehmen — die ,,Abonnements- 
konzerte" — leitete, daneben die Konzerte der 
Philharmonic in Berlin. 

B. ist der erste moderne grofte Interpret 
gewesen, sowohl als Pianist wie als Dirigent. 
Als Pianist vertritt er gegeniiber Paganini 
u. selbst gegeniiber Liszt den neuen Typ des 
ganz rein im Dienst des Schaffenden stehenden 
Interpreten, als Dirigent zugleich den des 
Orchestererziehers im hochsten Sinn, der fur 
den spateren Typ des Pultvirtuosen kaum 
verantwortlich gemacht werden kann. Die 
Hinge gebenheit, die er den Klassikern geweiht 
hat, hat er auch den Zeitgenossen, erst Wagner, 
u. im spateren Leben Brahms gewidmet. Mit 
seiner Tatigkeit ist der Beginn des leidigen mo- 
dexnen Konzertbetriebs stark verknupft. Als 
Komponist hat B. kerne Wirkung geiibt, um 
so starkere aber als — haufig sarkastischer u. 
polemischer — Schriftsteller sowie als Heraus- 
geber altklassischer (J. S. Bach, Dom. Scar- 
latti, Ph. Em. Bach) u. klassischer (Beethoven, 
Sonaten ab op. 53, Etiiden von Cramer, Chopin) 
Musik, wenn auch der Wert dieser Ausgaben u. 
ihrer Subjektivismen mit Recht immer zweifel- 
hafter v/ird. 

Stticke f. Kl.; Lieder; f. Orch.: Musik zu Julius 
Caesar; sinf. Dichtungen: Des Stingers Finch: Nirwana. 

Die wichtigste biographische u. geistige Quelle 
fur B. sind die von seiuer Witwe heraus^egebenen 
IMefe (7 Lande) u. Schriften (Br. & H.); eine 
Auswahl als Yolfcsausgabe 1919; daneben Wagner's 
Brief e an B. ((Diederichs 1918); der von 11. du 
Moulin-Eckart hrsg. reiche Brief band (Briefe an 
Klindworth, Bechstein, Rich. Wagner, Coshna, Baniela 
Thode u.a.; DMT. 1926); Briefwechsel Liszt-B. (ed. 
La Mara. Br. & H. 1898); daneben seien gcnannt: 
Th. Pfeiffer, Siudien bei H.v. B. (1894, 6. Aufl. 1909); 
u. die Bucher fiber B. von H. Eeimann u. B. du Mouliu- 
Eckart (Miinchen 1921, llosl). 

Busser, Henri Paul, franz. Komp. u. Orch.- 
Dirig. , geb. 16. Jan. 1872 zu Toulouse, Schuler 
der dort. Succursale, dann der Niedermeyer- 
schen Schule in Paris u. zuletzt des Cons. 
(Guiraud u. Gounod); 1893 Rompreistrager 
fur seine Kantate Amadis des Gaules, 1892 
Organist von St. Cloud, dann Chorleiter an 
der Opera Comique, seit 1902 Dirig. an der 
Opera u. Lehrer einer Ensembleklasse am 
Cons. Seine Kompositionen "sind iiebevoll 
ausgearbeitet u. besitzen einen etwas aka- 
demischen Anstrich. 

Opern: Daphnis et Chloe (Op. com. 1897); Colomba 
(Op. 1920); Les Noces Corinthiennes (Op. 1922); La 
Monde des Saisons, Ballett (1905); Orchestervariationen 
iiber ein Yolkslied; Petite Suite (Durand); sinf. Suite 
A la villa Medicis op. 4 (Bemoine); Suite funambu- 
lesque aus Blanc et Noir op. 26 (Lemoine); Suite breve 
op. 28 (Lemoine); sinf. Dicht. Hercule au jardin des \ 
Jlesperides op. 18 (id.); Variationen iiber Motive der : 
lionde des Saisons (Foulalion) ; Konzert- Ouverture ; 
Minerve op. 7 (Lemoine). j 

Biitfoer, Max Karl, deutscher Harfenist u. I 
Komp., geb. 29. Jan. 1891 zu Rcdach bei! 
Coburg, Bruder von A. K. Biittner-Tartier; I 
Schuler von Max Saal in Berlin (Kl. u. Harfe) ! 
u. spater von H. W. v. Waltershausen (Kom- j 
pos.) in Miinchen; 1912/13 Harfenist in der ! 



Kgi. Kapelle zu Berlin, 1913 — 16 in Dessau, 
seitdem im Miinchener Staatsorch., 1919 auch 
Lehrer an der Akad. der Tonkunst. 

Harfenstiicke; Konzert f. Harfe u. Orch. (1922, 
gedr.); Streichquartett; Kammermusik fur B laser u. 
mit Blasern; Konzert f. Posaune u. Kl. (gedr.); Kl.- 
sonate; Lieder u. a. 

Biittner, Max, deutscher Opernbariton, geb. 
6. Marz 1857 in Potsdam, stud, erst Chemie, 
dann 1880 Gesang bei Luise ReB u. Jul. Hey: 
debut. 1882 am Wilhelm-Theater in Berlin; 
erst in Sondershausen, 1884 in Mainz, dann 
bis 1901 in Coburg, seitdem am Karlsruher 
Hof theater. Hauptrollen: Wotan, Sachs, Kur- 
wenal, Telramund; Tell, Heiling; Petrucchio; 
Pizarro; Wolfram. 

Biittner, Paul, deutsch. Komp. , geb.10. Dez. 
1870 zu Dresden, Schuler Draeseke's am dort. 
Kons., 1896—1907 selbst daran Lehrer; auch 
als Kritiker tatig. Seine Sinfonien zeigen 
in einigen Wesensziigen Brucknerschen EinflulB. 

4 Sinfonien in F, G (Leuckart), Des (id.), H-inoll; 
sinf. Fantasien JDer Krieg u. Vber ein deutsches Volks- 
lied; Ouverture zu Grabbe's Napoleon; Saturnalia f. 
Blasinstrumente u. Pauken; ein Streichquartett G-moll 
(Leuckart); mehrere V. sonaten (eine C-raoll bei Leu- 
ckart); MCh. mit Orch. u. a cappella; lakt. Oper 
Anka; eine Orch.burleske Das W under der Jsis. 

Biittner-Tartier, Adolf Karl, deutscher 
Dirig. u. Komp., geb. 1. Nov. 1873 zu Ahl- 
stadt bei Coburg; Schuler von Braunroth u. 
H. Schulz-Beuthen in Dresden, 1905—08 KM. 
inDresden(Belvedere-Orch., DresdenerVereins- 
Orch.), 1909—16 erster Dirig. des Philkarm. 
Orch. u. der Ges. der M.freunde in Zwickau. 
Er lebt in Rodach bei Coburg. 

Orch.: Eine heroische Tondicktung (1015); Stir la 
mer d'azur (1905); Suite: Karneval (1906); Dido, sinf. 
Fantasie (1910); Oreh.stiicke; March enoper Die Heil- 
blume (1906): burleske Spieloper Vetter Boccherinis 
Jirautfahrt (1909: Coburg 1920); In der Kirche zu Selles, 
ein kleines Requiem f. Orch. (1917, Coburg Landes- 
theater 1925); Chore; Lieder. 

Bufaletti, Federico, itai. Pian., geb. 1. Marz 

1866 zu Neapel, am dort. Cons. Schuler von 
Palumbo; nach ausgedehnten Virtuosenreisen 
seit etwa 1900 in Turin als Lehrer am Liceo 
mus.; als Pianist u. Dirig. sowie als Kammer- 
musikspieler tatig; Pionier Debussy's. 

Kl.werke: Suite G-moll; Fogli d' album u. a. 
Buffin, Victor (Baron), Komp. , geb. 19. Juli 

1867 zu Chercq bei Tournai, stud, erst Kompos. 
bei De Boeck, ging aber dannzur militarischen 
Laufbahn iiber, in der er es bis zum General 
u. Kommandeur einer Kavallerie-Division 
brachte. Nach einer Unterbrechung von 
zehn Jahren nahm er seine M.studien bei 
H. Waelput u. endlich bei J. Jongen wieder 
auf; Eugene Ysaye brachte als erster seine 
Werke an die Offentlichkeit, u. Kufferath u. 
Guide, die Direktoren des Th. La Monnaie, 
regten ihn zur Opernkomposition an. Sein 
Stil ist der der franz. Schule, doch ist seine 
Modernitat gemafiigt. 

Oper: Kaatje (Briissel 1913); Orch.: Suite, 1906; 
Lovelace, sinf. LMchtung, 1911; Les Villages de la Cdte 
(nach Verhaeren), 1921; Poeme i. V. u. Orch., 1922; 



Buhle— Bungert. 



87 



Sonate f. V. u. Kl., 1908; Poeme f. V. u. Kl., 1912; 
Lieder. 

Buhle, Edward, deutscher M.forscher, geb. 
15. Aug. 1875 in Leipzig, gest. 25. Okt. 1913 
in Charlottenburg, Schuler des Leipziger 
Kons., war 1901—02 Theaterkm. zu Sonders- 
hausen u. fiihrte dann als Lungenkranker 
ein stilles Leben zwischen der Schweiz u. 
Berlin. 

Die BlasinMrumente in den Miniaturen des jriihen 
Mittelalters (Br. & H., 1903); Verzeichnis alter Musik- 
instrumente im Bach-Bause zu Eisenach (1913); Hrsg.: 
Sperontes' Singende Muse an der Pleifie, DdT 35/36. — 
Lustspielouverture; Lieder. 

Buhlig, Richard, amer. Pian., geb. 21. Dez. 

1880 zu Chicago, wo er studierte; dann 1897 
bis 1900 bei Leschetizky in Wien. Seit 1901 
war er Lehrer in Berlin u. unternahm ausge- 
dehnte Konzertreisen in Europa u. Nord- 
amerika (amerik. Debut 5. Nov. 1907, mit 
dem Philadelphia Symph. Orch.). 1918—20 
war er Lehrer am Inst, of Mus. Art, New York. 

Bulierian, Hans, deutscher Komp., geb. 
28. Jan. 1885 in Schwarzburg- Sondershausen als 
Sohn des Dirigenten Rudolf B. (13. Nov. 1856 
bis 7. Jan. 1911); 1892 siedelten seine Eltern 
nach Moskau uber, wo er das Peter Pauls- 
Gymnasium besuchte u. seit 1895 den ersten 
Kl.unterricht von seiner Mutter erhielt; 1903 
absolvierte er das Gymnasium in Kiew, 
1903—05 stud, er bei Alex. Michalewski Kl., 
bei Sigismund Noskowski Theorieu. Harmonie; 
1905—08 in Petersburg bei A. Essipowa 
(Kl,), Anatol Ljadow (Kp.) u. Rimski-Kors- 
sakow (Kompos.). 1910 verlieB er Rufiland 
u. ging auf ein Jahr zu Artur de Greff (Kl.) 
nach Brussel , 1912 zu Sof ie Menter nach 
Stockdorf bei Munchen; 1913/14 endlich war 
er noch Schuler derMeisterklasse fur Kompos. an 
der Berliner Hochschule bei Friedrich Gerns- 
heim u. erhielt den Mendelssohnpreis. 1914 
bis 1919 im Felde, lebt er seitdem der Kom- 
position u. der Unterrichtstatigkeit in Berlin. 
In B.'s veroffentlichten Werken mischt sich 
Neuromantisches u. rein Musikantisches in 
eigenartiger Weise. 

Orch.: Sinfonie f. Harfe u. Orch. op. 3; Stuck, Sin- 
fonie nach Gemalden Franz v. Stuck's op. 8; 2. Sin- 
fonie Es-dur op. 15 (Mendelssohnpreis); Don Carlos, 
Ouvertiire op. 23; Sinfonie An das Licht op. 32 f. Alt- 
solo, Chor u. Oich.; Sinfonietta f. Kammerorch.; 
Kammer-Sinfonie op. 40; Kl.konzerte Des-dur op. 4 u, 
C-moll op. 5; Konzert f. Bratsche u. Orch. C-moll op. 6; 
V.konzert H-moll op. 7; V.cell.-Konzert op. 41; Sinf. 
Dichtung Ein Phdnomen op. 11; Thema mit Improvi- 
sationen f. Kl. u. Orch. op. 20. Kammermusik: Kl. 
quartett op. 1; Kl.trio op. 2; Streichquartett op. 16; 
Sonate f. Vc. u. Kl. op. 18 (Simrock); II. Kl.trio 
H-dur op. 27 (Simrock); Sonate f. V. u. KL E-moll 
op. 29 (Simrock); II. Sonate f. Y. u. Kl. op. 30; 
Sonate f. Kontrabafi u. Kl. op. 31; Sextett Ges-dur 
f. PI., Ob., Klar., Horn, Fag. u. Kl. op. 38 (Simrock); 
Impromptu f. Harfe op. 14; Konzertetude u. Koctumo 
f. Kl. op. 24 a u. b. Fur Gesang: Ballade Allaolan 
f. MS. u. Orch. op. 9; Ballade Kbnig Sturm desgl. 
op. 10; Ballade StiUe, das Meer erzdhlt i. Alt u. Orch. 
op. 22; Ballade Es sang das Meer i. Alt u. Orch. op. 
26; Lieder op. 12, 13, 21, 25, 28, 33, 35, 37. Fr. -chore 
mit Kammerorch. op. 39; 5 Kinderchore a cappella 



op. 34. Kl.begleitung u. Orchestration zu Paul Ertel's 
Konzert 1 V. allein op. 17. 2akt. Oper Der Stumme 
von Jerusalem op. 19. 

Bullock, Ernest, engl. Organist u. Komp., 
geb. 15. Sept. 1890 zu Wigan, gebildet bei 
Dr. E. C. Bairstow an der Pfarrkirche zu 
Leeds; 1919 kurzeZeit Organist an St. Michael's 
in Tenbury, seit Dez. 1919 an der Cath. zu 
Exeter. 1914 Mus. Doc. Dunelm. Seine 
Kompositionen sind gediegen, solid gearbeitet 
u. dichterisch empfunden. 

Orgelmusik (Augener); Kirchenmuslk (Novello; 
Stainer & Bell; Oxford Univ. Press); Lieder (Ashdown; 
Curwen; Cramer; Enoch); Schullieder (Oxford Univ. 



Bulthaupt, Heinrich, deutscher Schrift- 
steller, geb. 26. Okt. 1849 zu Bremen, gest. 
daselbst 21. Aug. 1905; Jurist, seit 1875 Rechts- 
anwalt in Bremen, wo er 1879 zum Stadtbiblio- 
thekar ernannt wurde. Neben sonstiger dra- 
matischer Produktion hat er eine Reihe Opern- 
bucher geschrieben, darunter Christus (Rubin- 
stein 1894), Kain (D'Albert 1899), sowie 
Oratorientexte, darunter das Feuerkreuz (Bruch 
1889) u. Achilleus (Bruch 1885). Der theore- 
tische Niederschlag seiner Produktion ist 
seine Dramaturgic, der Oper (2 Bde, 1887, 
2. Aufl. 1902). 

Karl Lcewe s Deutschlands Balladenkomponist (1898, 
in Hermann's Beruhmte Musiker); Rich. Wagner als 
Klassiker (1899). Vgl.: Briefe von u, an H. B. (1911). 

Bumcke, Gustav, deutscher Komp., geb. 
18. Juli 1876 in Berlin, zum Kaufmann be- 
stimmt, bald aber Schuler von G. Kulen- 
kampff u. Max Bruch, dann von Humper- 
dinck u. Max Lcewengard; wurde 1902 Lehrer 
am Sternschen Kons., an dem er eine Sonder- 
klasse fiir Kammermusik mit Blasinstrumenten 
einrichtete u. heute noch wirkt. 1906 begrundete 
er eine Vereinigung fiir Kammermusik mit 
Blasern. 

Lieder: Chbre; Chorwerke mit Orch.; Kammermusik, 
besonders mit Blasern; Sonate f. V. u. Kl. Fis-moll 
op. 9 (urspningl. f. Klar.; Simon); Ouvertiire zu Des 
Meeres u. der Liebe Wellen; Sinfonie Es-moll op. 15; 
Nonett Der Spaziergang f. 8 Blaser u. Harfe op. 22a; 
alles Saturn-Verlag (Selbst-Verl.) Berlin-Wilmersdorf. 

Bungert, August, deutscher Komp., geb. 
14. Marz 1846 zu Mulheim an der Ruhr, gest. 
26. Okt. 1915 zu Leutesdorf a. Rh., erhielt 
den ersten Klavierunterricht von F. Kufferath 
in Muhlheim, besuchte dann 1860—62 das 
Kolner Kons. u. ging zur weitern Ausbildung 
bis 1868 nach Paris, wo sich G. Mathias fur 
ihn interessierte. 1868 wurde er MD. zu Kreuz- 
nach, lebte dann in Karlsruhe, 1873—81 in 
Berlin, wo er nochmal unter Kiel Kontra- 
punkt studierte, seit 1882 zumeist zu Pegh 
bei Genua, zuletzt wechselnd in Berlin u. 
Leutesdorf a. Rh. 

Klavierstticke; zahheiche Lieder, darunter viele auf die 
Butzenscheibenlyrik von Carmen Sylva: Lieder einer 
Eonigin usw.; Mannerquartette ; Ouvertiire zu Tasso op. 
14 (Heinrichshofen); Musik zu Goethe's Faust; Klavier- 
quartett Es-dur op. 18 (Peters); ein Holies Lied der Liebe 
mit Orch.; eine Symphonia Yictrix; sinf. Dicht. Auf der 
Wartburg op. 29 (Schott); Variationenu.Fugef.Orch.op. 
13; Opern: Die Stxidenten von Salamanka, Leipzig 1884.; 



Bunk— Burmester. 



musikalisch dramatische Tetralogie Homeriscke Welt, mit 
der B. den hoffnungslosen Versuch machte, zu dem 
Wagnerschen Qesamtkunatwerk ein Gegenstuck zu 
schaffen: Kirke 1898: Nausikaa 1901; Odysseus' FLcimkehr 
1896; Odysseus' Tod 1903; seine letzten Werke waren 
ein Mysterium Warum? woher? wohinl 1908; und eine 
viersatzige Sinfonie Zeppelins erste grofie Fahrt. 

Ein 1911 gebildeter B.-Bund zur Yerbreitung der 
Werke B.s gab eine Monatsschrift Der Bund heraus 
(Bed. M. Chop). Vgl. M. Chop, A. B. (1916). 

Bunk, Gerard, holl. Pianist, Organist u. 
Komp., geb. 4. Marz 1888 zu Rotterdam, 
Schuler des dortigen, dann des Hamburger 
Kons. ; Organist an der Petrikirche zu Dort- 
mund, Begriinder des , ,Dortmunder Trio" 
(B., van Kempen, Roser) u Dirig. verschiedener 
Chorvereine. 

Werke f. Orgel u. Orch,; f. KL u. Orch.; Chor werke. 

Sunning, Herbert, engl. Dirig. u. Komp., 
geb. 2. Mai 1863 in London, war naeh dem 
Verlassen Oxfords anfanglich Offizier, studierte 
seit 1886 in London, Hannover, Frankreich 
u. Italien u. war 1892 KM. am Lyric Theatre 
in London u. 1894—36 am Prince of Wales' 
Theatre. 

Oper: Princess Osra (London 1902); Kammermusik; 
Konzertouvertiiren; Sir Launcelot and Queen Guinevere, 
Szene f. Tenor (Norwich 1905); Szenenmusik zu Bobin 
Hood, 1906; Suite villageoise (1896, Oertel). 

Buonamicij Giuseppe, ital. Pian. u. Komp., 
geb. 12. Febr. 1846 zu Florenz, gest. daselbst 
18. Marz 1914; Schuler seines Oheims Gius. 
Ceccherini, bezog 1868 das Munchener Kons., 
unter Bulow u. Rheinberger mit solchem 
Erfolg studierend, dafi er nach 2 / 8 Jahren 
als Lehrer fur hoheres Kl. spiel der Anstalt ver- 
pflichtet wurde. 1873 kehrte er nach Florenz 
zuriick als Dirig. des Florentiner Chorvereins 
,,Cherubini", griindete den Florentiner Trio- 
verein u. wurde Kl.prof. am 1st. musicale. 

Konzertouvertiire; ein Streichquartett G-dur (Carisch 
und Eulenburg); Kl.stiicke; einige Gesange. Auswahl 
von 50 Etuden von Bertini als Vorbereitung fur Billow's 
Ausgabe der Cramerschen Ettiden (Schott); Spezial- 
etiiden als A 7 orbereitung fiir das Beethovenspiel (Florenz, 
Venturini); Tonleiterschule (The Art of Scale Study, 
Augener) u. eine Ausgabe von Beethoven's Kl.sonaten. 

Burbure de Wesembeek, Leon Philippe 
Marie de, belg. Komp. u. Miorscher, geb. 
16. Aug. 1812 zu Termonde, gest. 8. Dez. 
1889 zu Antwerpen, stud, bis 1832 an der 
Genter Univ. , gediegener Kunstkenner u. 
selbst tiichtiger Musiker; 1862 Mitglied der 
Bnisseler Akademie. 

ZahlreichekirchlicheKompositionen; auch Orchester- 
werke; Kammermusiken usw.; Monographien (1862 ff.) 
iiber die alte Antwerpener Musikantenbruderschaft 
von St. Job u. St. Maria Magdalena; iiber Antwerpener 
Kl.bauer u. Lautenmacher seit dem 16. Jahrh.; iiber 
den belgischen Cacilienverein; iiber Ockeghem; Luython; 
Ch. L. Hanssens; C. F. M. Bosselet usw. Hrsg.: Lea 
ceuvres des anciens musiciens beiges (18S2). 

Burleigh, Cecil, amer. Violinist, geb. 17. April 
1885 in Wyoming, N. Y.; studierte 1903—05 
in Berlin V. spiel bei Grtinberg u. Witek , 
Theorie u. Kompos. bei H. Leichtentritt; 
zwei weitere Jahre in Chicago V, bei Sauret 
u. Hugo Heermann, Kompos. bei Borowski. I 
1907—09 konzertierte er in den Verein. Staaten ; 



u. in Canada, 1909—19 war er V.lehrer an 
verschiedenen Instituten des Westens (Denver, 
Sioux City, Missoula); 1919—21 lebte er in 
New York: seitdem leitet er eine V'klasse 
an der Univ. of Wisconsin. 

Ober 110 Stiicke f. V. u. KL; 20 Kl.stiicke; efcwa 
40 Lieder (Fischer; Schirraer; Ditson). 

Burleigh, Harry Thacker, amer. (Neger)- 
Sanger, geb. 2. Dez. 1866 zu Erie, Pa.; sein 
GroBvater mutterlicherseits war Sklave; er 
ist der erste amerik. Neger, der Anerkennung 
als Komponist errang. Nachdem er einige 
Jahre als Stenographist gearbeitet hatte, 
kam er 1892 nach New York u. fand dank 
der Verwendung von Mrs. MacDowell, der 
Mutter des Komponisten, Auinahme im Nat. 
Cons, of Music, das damals unter Dvorak's 
Leitung stand — der nicht miide werden 
konnte, von ihm die alten Plantagenlieder 
aus seiner Jugendzeit singen zu horen. Seit 
1894 war er Baritonist an der St. Georgskirche, 
seit 1899 an Temple Emanu-El; zugleich 
Konzertsanger in Amerika u. Europa. Seit 
etwa 1912 hat er sich auch der Kompos. 
gewidmet. 

t)ber 100 Lieder, davon die besten: Five Songs of 
Laurence Hope, The Grey Wolf (Arthur Symons); The 
Young Warrior u. Passionate. Unter seinen geistlichen 
Liedern sind die besten: Beep Birer (Coleridge-Taylor's 
Lieblingslied); Swing Loiv, Go down Moses> My Lord, 
what a morning (Ricordi). Vgl. Negerlieder, Geistliche. 

Buriin, Natalie Curtis. S. Curtis, Natalie. 

BurmeiSter, Richard, deutscher Pianist u. 
Komp., geb. 7. Dez. 1860 zu Hamburg, Schuler 
von A. Mehrkens u. spater, 1880—83, von 
Liszt, nach langeren Konzerttouren 1884 
Lehrer am Kons. zu Hamburg, 1885 am 
Peabody Cons, zu Baltimore, ubernahm 1887 
die Direktion des Scharwenka-Kons. in New 
York, war 1903—06 Lehrer fiir hoheres Kl. spiel 
am Dresdener Kons. u. ist seitdem Lehrer am 
Klindworth- Scharwenka-Kons. in Berlin, Kgl. 
Prof. B. war 1885—89 verheiratet mit der 
Pianistin Dory Petersen (geb. 1. Aug. 1860 in 
Oldenburg, gest. 4. Nov. 1902 in Hamburg). 

Klavierkonzert D-moll; Orchesterfantasie op. 2 
Die Jagd nach dem Gliicke (Kies & Erler); Tennyson's 
Die Schwestern f. Alt u. Orch.; Homanze f. V. u. Orch.; 
Drei Lieder op. 4; Capriccio f. Kl. op. 5. Auch bear- 
beitete er Liszt's Concerto path£tique, den Mephisto- 
Walzer u, die 5. Rhapsodie sowie Weber's Konzert- 
stiick f. Kl. u. Orch. u. instrumentierte Chopin's 
r-moll Konzert neu. 

Burmester, Willy, deutscher Violin virtuose, 
geb. 16. Marz 1869 in Hamburg als Sohn 
eines Musikers, war bis 1882 nur Schuler 
seines Vaters, dann bis 1885 Joachim's an der 
Hochschule in Berlin , trat schon als Kind 
offentlich auf, machte seit 1886 Konzert- 
reisen, war 1890 Konzertmeister in Sonders- 
hausen u. lebte dann in Weimar, Helsingfors, 
jetzt in Berlin. B. vertritt als Geiger den 
Typ des rein auf technische Bravour gestellten 
Virtuosen; als Komponist ist er mit der Be- 
arbeitung kleiner, etwas seichter Virtuosen- 



Burnett — Busch. 



89 



stiicke u. mit einer Serenade D-dur fur Streich- 
quartett mit KontrabaB hervorgetreten. 

Burnett, Robert, schottisch. Baritonist, geb. 
1875 zu Lasswade, Midlothian, empfing seine 
fruheste musikalische Erziehung als Chorist 
in der Privatkapelle des Herzogs von Buccleuch 
in Dalkeith; studierte dann bei Ricci in Edin- 
burgh, spater bei Randegger u. Henry J. Wood 
in London. Seine Laufbahn begann er als 
Mitglied des einst beruhmten Edinburgher 
Mannerquartetts , ,The Harmonists". Als 
Solist erscheint er auf alien engl. Gesangs- 
festen, ist ein grofier Propagandist des schott. 
Volkslieds u. hat (mit David Stephen, dem 
Leiter der Dunfermline Carnegie School of 
M.) mehrere wertvolle Sammlungen solcher 
Lieder herausgegeben (Glasgow, Paterson Sons). 

Burrian, Karl(Burian Karel), tschech. Opern- 
tenor, geb. 12. Jan. 1870 in Rausinow bei 
Rakonitz, gest. 25. Sept. 1924 auf seinem 
Gut in Senomat, Schuler von F. Pivoda in 
Prag, debiitierte 1891 in Brunn, war in Reval, 
Koln, Hannover (1896) u. Hamburg (1898) 
u. von 1898—1911 an der Dresdener Hofoper, 
dann zwei Jahre in Wien u. einige Jahre 
in Budapest; auch Gast an der Metrop. Op. 
in New York u. Sanger (Parsifal) in Bayreuth. 

Burrows, Benjamin, engl. Organ. u. Komp., 
geb. 20. Okt. 1891 zu Leicester; stud, bei 
Dr. C. H. Kitson, Mus. Doc. London 1921; 
Seine Lieder u. Kl.werke zeigen einen liebens- 
wurdigen, dichterischen Charakter (Augener). 

Bursa, Stanislaw von, pol. Komp. u. 
Chordirig., geb. 22. Aug. 1865 zu Obertyn, 
Galizien; erst in Lemberg, seit 1902 in Krakau 
als Chordirig. , Musikkritiker u. Organisator 
der Berufsvereinigung der Musiker u. M.lehrer 
(Polski zwiazek muzyczno-pedagogiczny) tatig. 

Arrangements einiger hundcrt Chorkompos.; einige 
Lieder, Kl.werke, Kirchenkompositionen, eine Oper. 

Burzio, Eugenia, ital. Opernsopran, geb. 
20. Juni 1872 zu Turin, gest. 1922 in Mailand; 
eine Sangerin von machtigem Temperament, 
die in Europa u. Amerika aufgetreten ist. 
Hauptrollen: Massenet's Navarraise, Gioconda; 
Fanciulla del West; Pacini's Saffo; Alfano's 
Resurrezione; Gluck's Armida: Bellini's Norma. 

BuSCh, Adolf Georg Wilhelm, deutscher 
Violinspieler, Fuhrer eines S treichquartetts 
u. Komp., jiingerer Bruder von Fritz B. 
(s. d.) 7 geb. 8. Aug. 1891 zu Siegen in 
Westfalen, kam musikalisch fruhreif, nach 
kurzem Geigenunterricht durch seinen Vater 
u. durch Anders in Duisburg, 1902 aufs Kons. 
in Koln, wo Willy HeB u. Bram Eldering seine 
V.lehrer waren u. Fritz Steinbach sich seiner 
besonders annahm. Nach Absolvierung des 
Kons. 1908 wurde er Kompositionsschuler von 
Hugo Gr liters in Bonn, dessen Schwiegersohn er 
1913 wurde. Seit 1907 stand er in Verbindung 
mit Max Reger, der seine Kammermusik mit 
Vorliebe mit ihm vortrug; 1912 wurde er Kon- 



zextmeister des Konzertvereins in Wien unter 
Ferdinand Lowe, 1918 als Nachfolger Henri 
Marteau's Lehrer an der Hochschule f . Musik in 
Berlin. AuBer weiten Reisen als Konzertspieler, 
die ihm durch sein Spiel voll Innerlichkeit u. 
GroBe den Ruf des ersten deutschen Geigers 
verschafft haben, ist er seit 1919 Fuhrer eines 
Streichquartetts, dem bei der Grundung ange- 
horten: B., Karl Reitz, Emil Bohnke, Paul 
Grummer; jetzt B., Gosta Andreasson, Paul 
Doktor, Paul Grummer. Sein standiger Partner 
am Kl. ist Rudolf. Serkin (s. d.). Als Komp. 
bewegte er sich in starker Abhangigkeit von 
Max Reger; hat aber nach u. nach einen 
freieren u. reineren personlichen Stil ent- 
wickelt. 

Chorwerk Barthulas Grabgesang op. 1; Sinf. Fantasie 
f. Orch., Org. u. Chor. op. 17 (Br. & H.); Fantasie f. 
Vc. u. Orch. op. 10; Ouvertiire zu Konig Oedipus op. 13; 
Lustspiel-Ouv . op. 28; Variationen iiber den Badezky- 
Marsch f. groBes Orch. op. 9 (Simrock); Variationen 
iiber ein Thema von Mozart f. kleines Orch.; V.konzert 
A-moll op. 20 (Br. & H.), Kl.konzert C-dur op. 31 
(Dresden 1925, Br. & H.); Variationen iiber ein Thema 
von Schubert f . 2 Kl. op. 2; Variationen iiber ein eigenes 
Thema f. Kl. 4h., op. 5; Kl.sonate C-moll op. 25 (Br. & 
H.); Passacaglia f. Kl. u. 2 V. op. 4 (Simrock); Trio 
f. 2 V. u. Va. op. 6a; Duett f. V. u. Yc. op. 6b; Kl.trio 
A-moll op. 15 (Simrock); Streichtrio A-moll op. 24 
(Br. & H.); Deutsche Tiinze f. Klar,, V. u. Vc. op. 26a; 
Duett f. Klar. u. V. op. 26b; Introduktion, Tema con 
Variazioni u. Bondo f. Klar. u. V. op. 26c; Suite f. Va . 
allein op. 23a; Introduzitme, Scherzo, Romanze u. 
Tarantella f. Vc. allein op. 23b; Serenade i. Streich- 
quartett G-dur op. 14 (Simrock); Fantasie f. Orgel 
op. 19a (Br. & H.); Violinsonate G-dur op. 21 (id.); 
Improvisation iiber ein Walzerthema 1 Orch. op. 22 (id.); 
Passacaglia u. Fuge f. Orgel op. 27 (id.); Suite f. Org. 
u. V. op. 33; Streichquartett H-moll op. 29(Br.&H,); 
Divertimento fur 13 Solo ins trumente A-dur op. 30 (id.); 
Solosonate f. V. op. 7a; Suite im alten Stil f. Vc. allein 
op. 7b; Praludium u. Fuge f. V. allein op. 8a; f. Vc. 
allein op. 8b; Duo f. V. u. Va. op. 8c; Sonate f. V.cell. 
u. Kl. A-moll op. 18 (Br. & H.); Lieder op. 3 mit Kl. 
u. begleitendem Stieichinstrument ; Orchestergesange 
op. 12 (Simrock); Lieder mit Kl. op. 11a (id.), mit 
Oich. op. lib; Kinderlieder f. Kinderchor u. Oich. 
op. 32 (Br. & H.); Duett f. S. u. A. mit Kl. op. 16a; 
Zwei Lieder f. Sopran, Gambe u. Org. op. 16b. Auch 
gab er J. S. Bach's Solo-Sonaten u. -Partiten neu heraus 
(1919). 

Busch, Fritz, deutscher Dirigent, geb. 
13. Marz 1890 zu Siegen in Westfalen, als 
altester Sohn des Geigenbauers Wilhelm B.; 
bekam mit 5 Jahren den ersten Kl.unterricht 
u. trat mit 7 Jahren offentlich in Konzerten 
auf; besuchte die Gymnasien zu Siegen u. 
Siegsburg (Rheinland), wohin seine Eltern 1902 
iibersiedelten, bis zur Obersekunda, wahrend 
welcher Zeit er Fertigkeit auf den meisten 
Orchesterinstrumenten erwarb. Seit 1906 be- 
suchte er das Kons. in Koln a. Rh. , war dort im 
Dirigieren Schuler von Fritz Steinbach, im Kl. 
von Karl Boettcher u. L. Uzielli, in Theorie u. 
Kompos. von Otto Klauwell. 1909 ging er als 
KM. u. Chordirektor an das Stadttheater in 
Riga, war in den Sommermonaten 1910/12 
furstl. KM. u. Leiter der Kurkonzerte in Bad 
Pyrmont, wo er 1911 das Berliner Bliithner- 
Orch. leitete; im Winter 1911/12 leitete er den 



90 



Busoni. 



Chor des Musikvereins in Gotha; die andern 
Konzertwinter reiste B. als Pianist, 1912 
wurde B. als Nachfolger vonEberhard Schwieke- 
rath MD. in Aachen u. dirigierte als solcher den 
Aachener Gesangverein, das Stadt. Orchester 
u. die Volkskonzerte. Nach kurzem Kriegs- 
dienst nahm B. seine Stellung in Aachen wieder 
auf, dirigierte im Juni 1918 das Berliner Philh. 
Orch. auf dem Reger-Fest in Jena (zur Eeger- 
schen Kunst hat B. besonders nahe Beziehungen), 
wurde im gleichen Monat als Nachfolger von 
Max Schillings 1, KM., dann General MD. der 
Stuttgart er Oper, 1922 endlich als Nachfolger 
von Fritz Reiner General.-MD. der Staatsoper 
in Dresden. B. gilt als einer der hervorragend- 
sten Opern- u. Konzertdirigenten Deutschlands. 
BlfSOElf, Ferruccio Benvenuto, Konip. 
u. Pianist, geb. 1. April 1866 zu Empoli bei 
Florenz, gest. 27. Juli 1924 zu Berlin. Seine 
erste musikalische Erziehung verdankt er 
seinem Vater, Ferdinando B. , einem namhaften 
Klarinettisten, u. seiner Mutter, Anna WeiB-B. , 
einer begabten Kl.spielerin deutscher Abkunft. 
Seine Kinderjahre verbrachte er hauptsachlich 
in Tries t; als Neunjahriger wurde er durch ein 
Konzert in Wien in die mus. Welt eingefuhrt. 
NichtnurdurchseinKl.spiel, sondern auch durch 
seine Kompositionen u. seine Improvisations- 
gabe erregte er die Bewunderung eines so 
strengen Kritikers wie Eduard Hanslick, der 
(N. Fr. Presse, 13. II. 1876) sich enthusiastisch 
uber ihn auBerte. Einige Jahre spater stud, er 
Kompos. bei Wilhelm Meyer-Remy in Graz; 
im Kl.spiel hat er nie einen Lehrer von Ruf 
gehabt. Mit 15 Jahren machte er eine erfolg- 
reiche Konzertreise in Italien, erfuhr die Ehre 
der Aumahme als Mitglied (als eins der jungsten 
seit Mozart) in die Ace. filarmonica zu Bologna 
u. brachte dort ein anspruchsvolles Werk zur 
Auffuhrung: eine umfangreiche Kantate fur 
Soiostimmen u. Orch., II Sabato del Villaggio 
nach Leopardi. Die nachsten Jahre verbrachte 
er in Wien u. Leipzig. 1889 erhielt er eine An- 
stellung als Lehrer am Kons. zu Helsingfors; 
die enge Beruhrung mit der nordischen Kunst 
Skandinaviens, Finnlands u. RuBlands hatte 
eine bedeutende Wirkung auf die Entwicklung 
seiner Kunst. 1890 gewann er den Peters burger 
Rubinstein-Preis fur sein Konzertstiick f. Kl. 
u. Orch. op. 31a. Die Jahre 1891—94 verlebte 
er in Amerika als Konzertspieler u, einige Zeit 
als Lehrer am New England Cons, zu Boston. 
Von 1894 bis 1914 hatte er seinen Wohnsitz in 
Berlin; in dieser Zeit befestigte er seinen inter- 
nationalen Ruf durch Konzerte in fast alien 
europaischen Landern. 1901—02 hielt er in 
Weimar Sommerkurse fur fortgeschrittene 
Kl. spieler, in gewissem Sinn so das Amt Liszt's 
wieder aufnehmend. Eine Reihe von Jahren 
leitete er in Berlin Orch.konzerte, die ausschlieB- 
lich neuen u. selten gehorten Werken gewidmet 
waren. 1911 gab er, zur Hundertjahrfeier 



Liszt's, sechs Liszt-Abende, die in der Ge- 
schichte der Kl. interpretation Epoche machten. 
1910 — 11 war er in Amerika; 1913 gab er eine 
Reihe historischer Konzerte in Italien u. wurde 
zum Direktor des Lieeo mus. in Bologna er- 
nannt, ein Amt, das er ein Jahr spater nieder- 
legte. Nach Kriegsausbruch verlieB er Berlin 
u. ging 1915 nach Amerika. Der Eintritt 
Italiens in den Krieg verschloB ihm Deutsch- 
land; er verbrachte die Jahre 1915—19 in der 
Schweiz in einer Art freiwilligen Exils, u. zeigte 
seine unabhangige , internationale, neutrale 
Stellung, indem er sich von alien Konzerten in 
den am Krieg beteiligten Landern zuruckhielt. 
1920 kehrte er nach Berlin zuriick, wo ihm die 
Ak. d. Kiinste eine Meisterkiasse f. Kompos. 
ubertrug. 

Der Pianist B. war allgemein als machtigste 
Personlichkeit u. Trager der groBten teehnischen 
Meistersehaft seit Liszt u. Rubinstein anerkannt 
— einer Meistersehaft, die niemals Selbstzweck, 
sondern stets einer durchdringenden Geistig- 
keit u. einem kuitivierten Geschmack dienstbar 
war. In seinem Spiel lag ein Schwung, eine 
geistige Kraft, eine Spiritualitat, die es einzig 
machten; die erstaunliche Kiihnheit u. Klarheit 
seines polyphonen Spiels, die Gewalt u. ele- 
mentare Kraft seiner ehernen Oktaven u. 
Akkordgriffe, seine reiBenden Passagen, die be- 
zaubernde Anmut seines ornamentalen Spieles, 
die Federkraft u. Genauigkeit seines Rhythmus, 
die iiberraschend neue u. bewundernswerte Be- 
handlung des Pedals — all dies schuf unerhorte 
Klangwunder. Die Tiefe, die der metaphysische 
Hintergrund seines Spieles war, tat seinen 
rein musikalischen Eigenschaften keinen Ein- 
trag. B. trat mit universalen Absichten auf, 
er beherrschte fast die gesamte Kl.literatur. In 
seinen mittleren Jahren legte er jedoch eine 
ausgepragte Vorliebe fxir Bach u. Liszt an den 
Tag u. seine letzte Stufe ist bezeichnet durch 
eine leidenschaftliche Liebe zu Mozart, dessen 
Konzerte er in einer wahrhaft schopferischen 
Art spielte u. sie gleichsam fur unsere Zeit neu 
entdeckte. 

Als Komp. ist B. seit seiner Kindheit rege 
tatig gewesen. Doch ist in der Mitte seiner 
Laufbahn, etwa 1890—1900, eine Llicke von 
ungefahr zehn Jahren. Das waren die Jahre, 
in denen seine pianistische Meistersehaft sich 
voilentfaltete, indes der Komponist B. schwieg 
u. langsam die neuen Ideen zu entwickeln be- 
gann, die seine reife Kunst charakterisieren. 
Die Werke von 1877— 1892, etwa op 1—32 um- 
fassend, die Produkte seiner Jugend, wurden 
von ihm nicht mehr voll anerkannt. Nichts- 
destoweniger enthalten sie feine Musik u. 
manche sind in zweiter, iiberarbeiteter Ausgabe 
erschienen, wie das Konzertstiick op. 31a f, 
Kl. u. Orch., 1890 fur den Rubinstein-Preis 
geschrieben u. 1921 durch Hinzufugung einer 
bezaubernden Romanze e Scherzoso zu einem 



Busoni. 



91 



kleinen Konzert abgerundet. Ahnlich erhielt 
die 2. Orch.-Suite (Geharnischte Suite) ihre 
endgultige Gestalt erst nach vielen Jahren. 
Seine zweite, reifePeriode kann von der V. sonate 
Nr. 2 op. 36 a ab datiert werden; sie zeigt die 
ihm eigene Mischung siidiichen Temperaments 
mit mystischen u. phantastischen nordischen 
Ziigen. Die Kunst seiner friiheren Jahre gipfelt 
in dem monumentalen Kl. konzert op. 34, das 
seinen eigenen Platz einnimmt auf Grund seiner 
neuen Fassung der Konzertidee, der GroBe 
seines Aufbaus u. des Reichtums seiner musi- 
kalisehen Erfindung. Nach diesem pracht- 
vollen Gipfel beginnt sein Stil sich zu andern. 
In jedem neuen Werk erscheint er ein anderer, 
immer auf dem Wege nach unbekannten Re- 
gionen, zu denen es ihn stets mit leidenschaft- 
licher Geistigkeit hinrifl. Diese Werke auf- 
zahlen, heiBt die fesselndsten Beispiele fur 
die mannigfaltigen Ziele der modernen Musik 
aufweisen. Die reizvolle u. witzige Turandot- 
Suite op. 41 (1906) mit ihrem phantastischen 
orientalischen Kolorit setzt eine Reihe fort, 
die Borodin's Asiatische Steppenskizze, Rimski- 
Korssakow's Scheherazade u. Delius' Appala- 
chia einschlieBt. Die riihrende u. einzige 
Berceuse elegiaque u. das festgefugte Nocturne 
syrnphonique op. 43 zeigen die neue har- 
monische und kontrapunktische Behandlung, 
die er in einer gewissen Gleichstrebigkeit mit 
Schonberg entwickelt. Das Indianische Skizzen- 
buch u. die Indianische Phantasie t Kl. u. 
Orch. op. 44 folgen der modernen Richtung 
zum VolksmaBigen. Die zweite Sonatine, viel- 
leicht das problematischste seiner Werke, ist 
-die bemerkenswerteste Vorlauf erin der kuhnsten 
revolutionaren heutigen Versuche in ihrer Ver- 
achtung des Dreiklangs, der Tonalitat u. des 
regelrechten Rhythmus. Zuletzt hat er sich auf 
eine neue Ebene begeben. Die erworbene unge- 
heure Erfahrung, sein Konnen u. seinen Ge- 
schmack wendet er nunmehr an einen neu- 
Jdassischen Stil, in dem Form u. Ausdruck voll- 
kommen ausgewogen sind. Beispiele dieses 
Stils bieten seine spateren Sonatinen , das 
Divertimento f. Kl. u. Orch., Sardbande u. 
Cortege aus der Fausfrnusik. 

Auf dramatischem Gebiet tritt er der veri- 
stischen Behandlung der Oper wie auch den 
Wagnerianischen Methoden entgegen u. be- 
trachtet als einzig der musikalischen Behand- 
lung zugangliche Stoffe diejenigen, die auf dem 
Unwirklichen, Magischen, Mythischen, Fanta- 
stischen; oder dem rein , , Spielerischen" griinden. 
Seine drei Opern verwirklichen diese Gedanken 
sehr folgerecht u. stark. In alien ist er sein 
eigener Textdichter gewesen. Die Brautwahl 
{Hamburg 1912) entnimmt ihren Plan einer 
fantastischen Erzahlung von E. T. A. Hoff- 
mann. Turandot, nach Gozzi's Stuck, u. Arlec~ 
chino (Zurich 1918) sind eine direkte Weiter- 
fuhrung der alten ital. Commedia dell' Arte. 



Jahrelang war er mit der Kompos. seiner Oper 
Faust beschaftigt, die er als sem Hauptwerk 
betrachtete u. fast vollendet hinterliefi. 

Die Kunst der Bearbeitung hat er auf eine 
Hone der Vollendung gefuhrt, die selbst Liszt's 
Leistungen ubertrifft. Seine Bach-Studien 
fullen sieben umfangreiche Bande, inbegriffen 
die Ausgabe des Wohltemperierten Klaviers. 
Seine zahlreichen literarischen Essais, die ihm 
auch als Schriftsteller seinen Rang verleihen, 
sind jungst gesammelt worden (Von der Einheii 
der Musik, Berlin 1923, Max Hesse). Sein Essai 
Entwarf einer neuen Asthetik der * Tonkunst 
(1907, 1916) ist 1912 ins Russ. u. 1911 ins Engl. 
iibersetzt worden u. hat in einer Streitschrift 
Hans Piitzner's {Futuristengefahr, Munchen 
1917, Verl. d. Sudd. Monatshefte) heftige 
Angriffe erfahren. 

Fiir Kl.: Stiicke op. 3, 4, 5, 8, 9, 10, 11, 14-, 16, 17, 
25 (!), 27 (4h.), 32, 61, 70; Variation en u. Fuge tiber 
Chopin's C-moll Praeludium op. 22 (1885); 4 Ballett- 
szenen op. 6, 20, 30 (davon neue Ausg. op. 30a [1914] 
Waffentanz, Friedenstanz) u. 33 a (1914); Stiicke f. Kl. 
op. 33b; 24 Prael. op. 37 (1882); ohne Opuszahl: 6 KL- 
elegien (1908); Kl.stiicke „An die Jugend" (1909 
4 Hefte); Berceuse Uigiaque (1909); Fantasia tiber 
Bach (1909); Fantasia contrappuntistica (1910); 1. Sona- 
tine (1910); Sonatina seconda (1910); Ad mum infantis 
(1915); Sonatina brevis in Signo Joannis Sebastiani 
Magni (1917); Sonatina in Diem Nativitatis Christi 
MCMXVII (1918); Sonatina super Carmen (1921); 
Indianisches Tagebucb op. 47, I. Buch (1915); eine 
Toccata (1921); 3 Albumblatter (1921); 5 Hefte KL- 
ubungen. 

Kammermusik : 1. Quartett op. 19 (1886); 2. Quart, 
op. 26 (1889); kl. Suite f. Cello u. KL op. 23 (1886); 
4 Bagatellen f. V. u. Kl. op. 28 (1888); 1. Sonate f. V. 
n. Ki. op. 29 (1891); Srrenata f. Vc. u. Kl. op. 34 (1883); 
2. Sonate f. V. u. Kl. op. 36a (1901). 

Kl. u. Orch.: Konzertstuck op. 31a (1892); Konzert 
mit SchluBchor op. 39 (1906); Indianische Fantasie 
op. 44 (1914); Bomanza e Scherzoso op. 54 U921), 
(als Erganzung des Konzerts tucks op. 31a). 

Orch.: Sinf. Suite op. 25 (!) (1888); Sinf. Tongedicht 
op. 32a (1894); Geharnischte Suite op. 34a (1903); 
Lustspielouverture op. 38 (1904); Turandot- Suite 
op. 41 (1906); Brautwahl- Suite op. 45 (1914); Berceuse 
eUgiaque op. 42 (1910); Nocturne Syrnphonique op. 43 
(1914); Rondo arlecchinesco op. 46 (1916); Gesang vom 
Reigen der Geister op. 47, II. Buch (1916); Sarabanda u. 
Cortege op. 51 (1921) als Studien zu Doktor Faust: Tanz- 
walzer op. 53 (1921); V .konzert op. 35a (1899); Concer- 
tino f. Klar. u. kl. Orch. op. 48 (1918); Divertimento 
f. Fl. u. Orch. op. 52 (1921). 

Lieder: op. 1, 2, 15, IS, 24, 30 (ital.) 31, 35 {Ave 
Maria f. Bar. u. Orch.), 38, 39, 55, Nr. 2, 49 (mit 
Orch.); 4 Mannerchore mit Solostimmen op. 40 (1882), 

Buhnenwerke : Sigune oder das versunkene Dorf 
(1888); Die BroMtwahl op. 45 (Hamburg 1912); Turandot 
op. 41 u. Arlecchino op. 50 (Zurich 1918); nachgelassene, 
von Phil. Jarnach erganzte Oper Doktor Faust (Dresden 
1925). 

Von den gedruckten Werken ohne Opuszahl seien 
noch genannt: f. 2 KL: Improvisation tiber Bach's 
„Wie wohl ist mir" (1917); Fantasia contrappuntistica 
fur 2 Kl. (1921); Duettino concertante tiber Mozart's 
Finale aus dem F-dur-Konzert (1921); Fantasie f. d. 
Orgehvalze von Mozart (1921); Albumblatt f . Fl. u. KL 
(1918) ; Elegie f . Klar . u. Kl. (1921) ; Kadenzen zu Mozart- 
schen Konzerten, zu den V.konzerten von Beethoven 
u. Brahms; zu Beethoven's Kl.konzert G-dur. B. gab 
ferner eine „Idome7ieo-Suite" sowie die Ouverturen 
zur ^Enljixhrung" (mit Konzerts chlufi) u. zu Don 
Giovanni heraus. 

Einvollstandiges, teihveise von B.angelegtes Werk ver- 
zeichnis erschien 1924 bei B.'s HauptveTleger, Br. &H. 



92 



Bussler — Butterworth . 



Biographien: H. Leichtentritt, F. B. (Br. & H., 
1916); G. Seidell- Goth, F. B. (Wien 1922, E. P. Tal); 
Essais: H. Leichtentritt. F. B. as a Composer (Mus. 
Quarterly Jan. 1917); J. Chantavoine, F. B. (Revue 
Hebdomadaire, Paris 17. IV. 1920); Busoni-Er. des 
Anbruch, Wien 1920; II Pianoforte, Turin, Juni 1921, 
u. verschiedene Artikel von E. J. Dent im Athenaeum, 
London 1919—21. 

Bussler, Ludwig, deutscher Padagoge, geb. 
26. Nov. 1838 in Berlin, gest. 18. Jan. 1901 zu 
Berlin, Sohn des Malers u. Schriftstellers Rob. 
B., Schiiler des Kgl. Dcmchors unter R. v. 
Hertzberg, spater von Grell, Dehn u. Wieprecht 
(Instrumentation) , wurde 1865 Thecrielehrer 
an der Ganzschen (spater Schwantzerschen) 
M.scbule in Berlin, war sodann eine Zeitlang 
als Dirig. tatig (1869 Theaterkm. in Memel) 
u. unterricbtete 1874 am Mobrschen Kons., 
ging aber 1877 wieder an das Scbwantzersche 
zuriick u. erteilte daneben seit 1897 den thec- 
retiscben Unterricht am Stemscben Kens. 1898 
Prof. Seit 1883 war B. aucb Mitreferent fur 
Musik an der Nationalzeitung. Die Schriften 
B.s sueben das padagogische Froblem auf die 
einf achste Formel zu bringen ; sie sind bei Habel, 
Berlin erschienen. 

Musikalische Elementarlehre (1877, 3. Aufl. 1SS2); 
PraktiscJie Harmonielehre in Aufgaben (1875, 9. Aut'l. 
von H. Leichtentritt, 1920); Der strenge Satz (1877, 

2. Aufl. 1905); Harmonische Vbungen urn Klarier (o. J.); 
Kontrapunki und Fuge im freien Tomutz (1878, 2. Aufl. 
1912, Leichtentritt); M-usikalische Formenlehre (1878, 

3. Aufl. 1909 von Leichtentritt); PraktiscJie musi- 
kalische Kompositionslehre (I. Lehre vom Tonsatz 1878, 
II. Ereie Komposition, 1879, III. Instrumentation 
u. Orchestersatz) ; Elementarmelodik (1879); GescMchte 
der Musik (6 Vortrage, 1882); Partiturenstudium 
(Modulationslehre 1882), Lexikon der musikalischen 
Harmonien (1889). 

Bussmeyer, Hans, deutscher Padagoge u. 
Komp., geb. 29. Marz 1853 zu Braunschweig, 
Scbiiler der kgl. M.schule in Munchen, darauf 
einige Zeit bei Liszt, macbte 1872—74 Konzert- 
reisen als Pianist nacb Siidamerika mit langerem 
Aufenthalt in Buenos Aires, wurde nach seiner 
Riickkebr 1874 als Lebrer an der kgl. M.scbule 
zu Munchen angestellt (1904—19 deren Direk- 
tor), dirigierte 1879—84 den Miinchener Chcr- 
verein. 1881 Prof. Seit 1877 ist er mit der 
Sangerin Matbilde Weckerlin verheiratet, die, 
3. Juni 1848 in Sigmaringen geboren, 1868—71 
in Dessau, dann nocb Schulerin der Pauline 
Viardot- Garcia u. Stockbausen, bis 1867 in 
Hannover, seitdem bis 1895 der Miinchener 
Hofoper angehorte. 

Kl.konzert D-molI op. 10; Germanenzug op. 2 (MCh. 
u. Orch.; Kahnt). 

Bustilli, Alessandro, ital. Komp. u. Pianist, 
geb. 24. Dez. 1876 in Rom, Schiiler des Liceo di 
S. Cecilia bei Sgambati, Falchi, Renzi, Lebrer 
fiir Kl. spiel u. Partiturspiel an dieser Anstalt u. 
Dirig. des Scbulerorchesters , einer der ange- 
sehensten Musiker Roms. 

Opern: La citta quadrata; L'incantesimo di Calan- 
drino; Maria Dulcis (Rom 1902, Costanzi). Messa 
funebre; sinf. Dichtung Le sensazioni (1914); 2 Sin- 
fenien, die 2. mit Orgel (1899); Streiehquartett G-moll 
op. 13 ( Jurgenson) ; Piccola Suite f. KL; Notturno 
e Capriccio f. V.; Sonate D-dur f. V. u. Kl.; Sonate 



G-moll f. Va. u. Kl. (Bicordi 1920); Balladen-Zyklus 
La principessa dai capelli d'oro. 

Buch: La sinfonia in Italia (Rom 1901, Eoux e 
Viarengo). 

Buifcs, Julius, deutscher Pianist u. Dirig., 

geb. 7. Mai 1851 zu Wiesbaden, gest. 12. Marz 

1920 in Dusseldorf, Sohn des langjabrigen 

Oboeblasers des Hoftheaterorch. Karl B. (gest. 

7. Juni 1900), der ihm aucb den ersten Kl.- 

unterricht erteilte. in der Theorie Scbiiler 

W. Freudenberg's, 1860— 70 am Kolner Kons. 

unter Hiller u. Gernsbeim weiter ausgebildet, 

1871 Stipendiat der Meyerbeerstiftung, stud- 

; erst nocb einige Zeit bei Kiel in Berbn (1872), 

| trat dann die durcb das Stipendium vorge- 

I schriebene Studienreise an (1873 in Italien, 

| 1875 in Paris) u. wirkte 1875—79 als Pianist 

! u. Gesangvereinsdirig. in Breslau, 1879 — 90 

I als Dirig. der Konzertgesellsch. zu Elberfeld. 

j 1890 — 1908 war er stadtischer M.direktor in 

Diisseldcrf , dirigierte mebrere Niederrheiniscbe 

M.feste u. war seit 1902 Dir. des neugegriindeten 

Kons. 1895 Prof. 

Kl.konzert; Kl.quintett; Streiehquartett; B. iiber- 
setzte Elgar's Apostel u. Traum des Gerontius ins Deutsche; 
das letztere Werk brachte er 1902 zur ersten Auff. 
in Deutschland. 

Butt, Dame, Clara, engl, Altistin, geb. 
1. Febr. 1873 zu Southwick, Sussex, stud, am 
R.C.M. London bei Henry Blower, deb. 
5. Dez. 1892 in einer Schulerauff. des R.C.M. 
am Lyceum Theatre als Orpheus, stud, dann 
nocb bei Duvernoy u. Bouby in Paris u. bei 
Etelka Gerster in Itaben. Sie ist beute die popu- 
larste Altistin Englands; sie beschrankt sich 
hauptsachiich auf den Balladengesang. 1900 
beiratete sie Kennerley Rumford (s. d.). 

Butterworth, Clara, engl. Sopranistin, geb. 
zu Manchester; stud, an R.A.M. bei Agnes 
Larkcom, deb. Marz 1908 in Queen's Hall; er- 
scbien 1914 mit besonderm Erfolg als Operetten- 
sangerin (A. Country Girl, Daly's 1914; Young 
England, ib. 1916; The Lilac Domino, Empire 
1918; Medorah, Alhambra 1920; The Rebel Maid 
Empire 1921; Lilac-Time = Drei Maderlhaus 
Lyric Theatre 1922—24). Verheiratet mit dem 
Komponisten Montague Phillips. 

Butterworth, George S. Kaye, engl. Komp., 
geb. 12. Juli 1885 zu London, gefailen in der 
Sommescblacbt 5. Aug. 1916 zu Pozieres, lebte 
1891—1909 in Yorkshire. Seine ersten ernst- 
baften Kompos. schrieb er auf der Scbule zu 
Eton (Barcarolle f. Orch.); graduierte in Ox- 
ford, stud. Musik hauptsachiich privat, war 
jedoch kurze Zeit am R.C.M. in London. Er 
wandte sich vollig dem Volkslied u. -Tanz zu; 
in seinen Liedern u. Orch.stucken ist ein be- 
sonders reiner engl. Klang zu spiiren. Seine 
Tondicbtung A Shropshire Lad erweckte die 
hoebsten Hoffnungen; seine Lieder geboren zu 
den besten englischen iiberbaupt. 

Two Folk-Song Idylls (Oxford 1912); A Shropshire 
Lad, Tondicht. (Leeds 1913 unter tfikisch); The Banks 
of Green Willoiv, Idyll f. kl. Orch. (Liverpool 1913); 
Lieder-Zyklus Love Blows as the Wind Blows f. Bar. 



Butting-Cadman. 



93 



u. Streichquartett (1912, Novello); Zyklus von 6 Liedern 
aus A Shropshire Lad (Augener); Zyklus Bredon Hill 
(id.); Folk-Songs from Sussex (id.); einzelne Lieder 
(Augener); Country-Dance Tunes (8 Teile, 1906 — 16, 
Novello); The Morris Book (5 Teile 1907—13, id.); 
MCh.-Lied We get up in the Morn (Augener). 

Butting, Max, deutscher Komp., geb. 6. Okt. 
1888 in Berlin; schrieb schon im Alter von 
14 Jahren seine ersten Kompositionen, als 
Schiiler des Berliner Organisten Arnold Dreyer; 
ging spater nach Munchen, urn bei Prill, Klose 
u. Courvcisier Musik zu studieren, daneben 
Horer der Universitat. Seit 1919 lebt er wieder 
in Berlin. Er ist vorwiegend Kammermusik- 
Komponist u. gehort zu den deutschen Musi- 
kern, die bei freiester polyphoner u. harmo- 
nischer Gestaltung doch stets von sicherm 
Formgefuhl geleitet werden. 

Lieder op. 1 — 5, 7, tells mlt Orch.- oder Kammer- 
orchesterbegleitung; op. 6 unvollendete Messe; op. 8, 
16, 18, 20 Streichquartette (Tischer & Jagenberg); 
op. 10 Streichquintett; op. 11 Sonate f. V. allein, in 
5 Satzen; op. 12 Trauermusik f. gr. Orch.; op. 14 KL- 
quartett; op. 15 Streichtrio; op. 19 Cello-Konzert; 
op 21 Kanimersinfonie; op. 22 Quintett f. Oboe, Elar., 
V., Va. u. Vc; op. 24 Streichquintett mit Kb.; op. 25 
Kammersinfonie f. 13 Soloinstrumente ; op. 26 Kleine 
Stiicke fiir Streichquartett (Schott) op. 27; A cappella- 
Chbre nach St. George (1925 Donaueschingen); op. 28 
Fantasie f. Kl. ; op. 30 Blaserquintett; op 31 Kl.stticke. 

Butty kay, Akos von, ungar. Komp., geb. 
22. Juli 1871 zu Halmi in Ungarn (jetzt Ru- 
manien), stud, bei Herzfeld (Theorie), Thoman 
u. Stavenhagen (Kl.), war 1903—22 Lehrer f. 
Kl. an der Hochschule f. Mus. in Budapest, 
seit 1909 vermahlt mit der bekannten Operetten- 
Diva E. Kosray. 

2 Sinfonien Cis-moll u. D-moll; sinf. Dicht. ttnne- 
prontok (StSrenfried); Orch.-Suite im ungar. Stil; So- 
nate f. V. u. Kl. A-moll op. 10 (Zimmermann). Biihnen- 



werke: Spieloper Asclienbrodel (Budapest, Kgl. Oper); 
Operetten: Der Gaunerkonig; Prinzessin Olivia; Liebes- 
rausch (die erfolgreichste). 

Buxbaum, Friedrich, osterr. Violoncellist, 
geb. 23. Sept. 1869 in Wien, absolvierte das 
Wiener Kons. mit dem I. Preis, war erster Solo- 
cellist am Symphonie-Orch. zu Glasgow , 
konzertierte dann zwei Jahre in London u. 
kehrte nach Wien zuriick, wo er sieben Jahre 
Violoncellist beim Fitzner- Quartett war. 1900 
trat er als 1. Solocellist ins Orch. der Wiener 
Hofoper ein, wurde gleichzeitig Lehrer an der 
Staatsakademie u. Mitglied des Rose-Quartetts, 
dem er 21 Jahre lang angehorte. Nach seinem 
Austritt aus dieser Vereinigung grundete er 
ein eigenes (Pollak-B.-) Quartett. Bei der Um- 
wandlung der Staats-Akademie zur Hochschule 
wurde B. zum a. o. Prof, ernannt; er ist in der 
Sehonheit, Sinnlichkeit u. GroBe seines Tons, 
in der Vollendung seiner Technik einer der 
ersten lebenden Vertreter seines Instruments. 

Bye, Erik, norweg. Opernbariton, geb. 
20. Marz 1883 zu Drammen, stud. Gesang bei 
Zur Muhlen in London; 1909—12 in Mailand, 
Paris u. Berlin; deb. 1913 in Christiania. 
1914—17 am Breslauer Stadttheater, damals 
Gast am Nat. Th. u. der Kom. Oper zu Christi- 
ania; seit 1921 am Capitol Kino-Theater in 
New York, Hauptrollen:E>on Basilio, Amonasro, 
Wolfram. 

Byk, Ryszard, poln. Pianist, geb. 1892 zu 
Brody, Galizien, Schuler von Friedman u. 
Leschetizky in Wien; stud. M.geschichte bei 
G, Adler u. Theorie bei Carl Weigl. Er lebt in 
Dresden u. ist ein in Deutschland, Polen u. 
Rumanien geschatzter Kunstler. 



C. 



Caballero, Manuel Fernandez, span. 
Komp., geb. 14. Marz 1835 zu Murcia, gest. 
26.(20. ?) Feb. 1906 zu Madrid, das jiingste unter 
18 Kindern, Schiiler von Indalecio Soriano 
Fuertes zu Murcia u. von Pedro Albeniz u. 
Hilarion Eslava am R. Cons, de Musica in 
Madrid. 1853—86 war er in Spanien, Portugal, 
Cuba u. Sudamerika Theater- u. Konzert- 
dirig., wurde 1891 MitgUed der R.Acad, de 
Bellas Artes; Ehrenmitgl. vieler in- u. aus- 
landischer M.gesellschaften. Er war in Spanien 
u. Sudamerika beliebt als Komp. von Lust- 
spielopern, von denen einige auch in Itahen 
u. Portugal aufgefuhrt wurden. AuBer vielen 
Liedern u. einer Menge Kirchenmusik hat 
er an 200 ein- bis vierakt. Buhnenwerke ge- 
schrieben, u. nicht bloB als Komp., sondern 
auch als Impresario den Bestand der span. 
Opernkunst gegen schadliche Einflusse u. 
Moden geschiitzt. Zu seinen verbreitetsten 
Werken, von denen er manche im Zustand mehr- 
jahriger volliger Bhndheit diktierte, gehoren: 



La jardinera; Un cocinero; Frasquito; El loco de 
la guardilla; Luz y Sombra; El 'primer dia feliz; La 
gallina ciega; Las nueve de la noche; La Marsellesa; 
El siglo que viene; Los sobrinos del eapitdn Grant; 
El salto del Pasiego; Las dos princesas; El hccero del 
alba; Las mil y una noches; Gurriya; Para casa de los 
padres; Chdteau Margaux; Los zanuolotinos ; La choza 
del diablo; Los aparecidos; Triple alianza: El duo de 
La Africana, Los diner os del sacristdn; El cabo primer o; 
El padrino del Nene; La viejecita; Es senor Joaquin; 
Gigantes y cabezudos; El traje de luces; La diligencia; 
La trapera; La mania zamorana; Maria Luisa; La 
cacharrera; El lego de San Pablo (Union Musical Espa- 
nola, Madrid). 

Catiman, Charles Wakefield, amerik. 
Komp., geb. 24. Dez. 1881 zu Johnstown, Pa., 
erhielt seine musikalische Erziehung 1899 — 1909 
ausschlieBlich von Pitts burgher Lehrern: Wal- 
ker, Oehmler, Steiner, von Kunits. Er war 
M.kritiker am Pittsburgh Despaich u. Organist 
der East Liberty Presbyterian Church. Er 
gehort zu den amerik. Komponisten, die ihre 
Inspiration in indianischer Musik suchen; die 
ersten Spuren dieser Anregung finden sich in 
den Four Indian Songs op. 45 (1907), von denen 



94 



Cady— Cahn-Speyer, 



einer, The Land of the Sky-Blue Water, in 
Amerika von bedeutenden Sangern verbreitet 
worden u. sehr volkstumlich geworden ist. 
Nach seineni Wegzug von Pittsburgh war er 
Organist in Denver u. hat sich seitdem haupt- 
sachiich in Los Angeles aufgehalten. Er hat 
grofle Vortragsreisen gemacht, in den letzten 
Jahren zusammen mit einer indianischen 
Mezzosopranistin , Prinzessin Tsianina Red- 
feather; 1910 las er in Paris u. London uber 
indianische Musik. 

Nicht alle von C.s zahheichen Werken fallen 
unter die Rubrik indian. Musik; aber er halt 
uberall an einer verhaltnismaflig einfachen 
Schreibweise fest. Sein bedeutendstes Werk 
ist die lakt.Oper Shanewis (The Robin-Woman), 
New York. Metrop. Op. 23. III. 1918. Eine 
friihere 3akt. Oper, The Land of the Misty 
Water (Daoma), 1912 vohendet, u. eine spatere, 
lakt., The Garden of Mystery, haben es zu 
keiner Auffuhrung gebracht. AuBerdem: 

To a Vanishing Race, Streichquartett (1917, John 
Church Co.); The Vision of Sir Launfal, Kantate f. 
M.Ch. (1910, Schirmer); Kl.trio D-dur op. 50, 1914; 
The legend of the Canyon i. V. n. Kl. op. 6S ; 1920; 
Idealised Indian Themes op. 54, 1912; KJ.sonate A dur 
op. 58, 1915; Thunderbird Suite i. Kl. op. 63, 1917; 
Kl. suite The Rubdiydt of Omar Khayyam op. 75, 1921; 
Four Indian Songs op. 45, 1908; From Wigivam and 
Tepee, indian. Liederzyklus op. 57, 1914; Sayonara, 
japan. Liederzyklus, 1913; The Willow Wind, chines. 
Liederzyklus, 1922; Orch .suite The Thunderbird (ur- 
sprUnglich geschricben als Szenenmusik zu Norman 
Bel Geddes' gleichnamigem Drama, 1917); Oriental- 
Suite Omar Khayydm, 1922. Das meiste veroffentlicht 
bei White — Smith Co., Boston. Andere Kl.stucke 
bei Presser, Hatch, Willis; andere Lieder bei Presser; 
Willis, Ditson, Summy. 

Er schrieb : The „Jdealization it of Jndian Music 
(Mus. Quarterly 19J5). 

Cady, Calvin Brain erd, amerik. Padagoge, 
geb. 21. Juni 1851 zu Barry (Illinois), be- 
suchte 1871—72 die Kons. zu Oberlin (Ohio) 
u. Leipzig (1872-74), 1874-79 Lehrer am 
Kons. zu Oberlin, 1880 Uni v. -M. lehrer zu 
Michigan, 1888 Lehrer am Kons. zu Chicago, 
lebte seit 1894 in Boston als Dir. einer musi- 
kalischen Erziehungsanstalt u, hielt dort 
m.padagogische Vorlesungen an der Univ. u. 
andern hoheren Anstalten. 1901—07 lebte er 
in Boston als Privatlehrer, 1907—10 las er an 
der Columbia-Univ. in New- York, 1908—13 
am Inst, of Musical Art. C. gab 1902—07 ein 
dreibandiges Werk Music Education heraus, 
sowie ein Compendium Student's reference work; 
er strebt eine umfassende Wiirdigung" der 
Musik als Teil der Erziehung iiberhaupt an. 

Caecilienverein, Der ,,C. fur Lander deutsch. 
Zunge", 1867 in Regensburg durch Franz 
Witt gegriindet u. 1870 durch papstl. Breve 
bestatigt, hat die Pflege des kirchlichen A 
cappella-Gesangs zum Ziel u. hat fiir die 
Wiederbelebung der altklassischen Kirchen- 
musik des 16. Jahrhunderts durch Neuaus- 
gaben u. Auffuhrungen sehr viel geleistet. 
Prasidenten: 1867 Witt, 1888 Fr. Schmidt, 



1899 Fr. X. Haberl, 1910 Hermann Muller- 
Paderbom. Seinen heftigen Kampf gegen die 
mit Instrumenten begleitete Kirchenmusik, 
auch die der Klassiker Haydn, Mozart, Beet- 
hoven, hat er besonders seit dem Wiener musik- 
wiss. KongreB 1909 theoretisch etwas gemildert. 
Die prinzipielle Ablehnung der kirchhehen 
Instrumentalmusik u. der modernen Kunst 
ist auch unhaltbar, wie Bruckner's Kirchen- 
musik beweist: die Unkirchlichkeit kann nur 
im Geistigen, nicht in den Mitteln liegen. 

Cahen, Albert, franz. Komp., geb. 8. Jan. 
1846 zu Paris, gest. im Marz 1903 zu Cap d'Ail, 
Schiiler von Frau ClauB-Szarvady u. Cesar 
Franck. 

Opern: Jean le precurseur (Poeme biblique, Paris 
1874); Le bois (kom. Oper, 1880); Endymion (Poeme 
niythologique, das. 1875); La belle au bois dormant 
(Feerie. Genf 1886); Le Venitien (4akt. Oper, Rouen 
1890); La fleur de neige (Ballett. Genf 1888); La femme 
de Claude (kom. Oper, Paris 1896); Lieder (Marines). 

Caheer Madame Charles, geb. Sara Jane 
Layton-Walker, Tochter des Generals J. N. 
Walker, amer. Opern- u. Konzertsangerin 
(M. S.), geb. zu Nashville, U. S. A.; stud, erst 
in Amerika, dann bei Jean de Reszke in Paris, 
Konzertgesang bei Gustav Walter in Wien u. 
Amalie Joachim in Berlin; seitdem auf aus- 
gebreiteten Gastspiel- u. Konzertreisen , im 
Winter in Amerika, im Fruhjahr u. Herbst in 
Europa; vor dem Kriege hatte sie ihren Wohn- 
sitz mehrere Jahre in Munchen. HauptroUen: 
Amneris, Azucena, Dalila, Carmen, Santuzza, 
auch Wagnerrollen ; ein internationales Ora- 
torium- u. Lieder-Repertoire (Mahler's Lied 
von der Erde). 

Cahnbley, Ernst, deutscher V. cellist, geb. 
3. Sept. 1875 zu Hamburg, Schiiler des Ham- 
burger Kons., spater Hugo Becker's, seit 1909 
Lehrer am Kgl. Kons. zu Wiirzburg, seit 1918 
Mitglied des Schorg- Quartetts , 1919 Prof. 

Lieder; Cellostiicke; Neuausg. klassisclier Yortrags- 
n. Ktiidenwerke fiir Cello. 

Cahnbley-Hinken, Tilly, deutsche Oratorien- 
u. Liedersangerin (Sopran), Gattin von Ernst 
Cahnbley (s. d.), geb. 12. Juni 1880 in Bremen, 
stud, dort (Bufijager, RoBler) u. am Kolner 
Kons. (Wolff, Wiillner), 1914 Herzog. Sachs. 
Kammersangerin , seit Herbst 1921 Lehrerin 
f . Sologes. am Kons. zu Wiirzburg. 

Cahnbley, Max, deutscher Dirig. u. Komp., 
geb. 1. Okt. 1876 in Altona, Schiiler des Ham- 
burger Kons. , wurde nach langerer Wander- 
schaft als Theaterkm. 1907 stadt. KM. in 
Bielefeld; seit 1919 dortDirektor u. 1. Opernkm. 
des Stadttheaters, 1912 Kgl. PreuB. MD. 
lakt. Oper Ein Schlump (Dorpat 1903). 

Cahn-Speyer, Rudolf, deutscher M.forscher, 
geb. 1. Sept. 1881 in Wien, war zum Chemiker 
bestimmt u. stud. 1899 zu Wien u. 1900—1906 
zu Leipzig Naturwissenschaften, trieb aber 
(bereits als Gymnasiast) in Wien unter H. 
Gradener u. in Leipzig unter Jadassohn, St. 
Krehlj Riemann (an der Univ.) u. Nikiscb 



Cairos-Rego— Cametti. 



95 



(Dirig.) Musik, schrieb auch Referate fur die 
N. Zeitschr, f. Musik, Erst 1906 machte er 
das M.studium zum Lebensberuf, bezog die 
Univ. Munchen, wo er 1908 promovierte u. 
unter L. Thuille u. Ant. Beer-Walbrunn seine 
theoretische Bildung weiter forderte. Nach 
einigen Jahren praktischer Dirig.-Tatigkeit an 
den Stadttheatern zu Kiel (1908) u. Hamburg 
(1909 — 11) lieB er sich in Berlin nieder u. wurde 
Lehrer am Klindworth-Scharwenka-Kons. 1913 
leitete er voriibergehend die Volksoper in 
Budapest, seit 1913 ist er als Vorsitzender im 
Verwaltungsrat des Verbandes der konzer- 
tierenden Kiinstler Deutschlands organisato- 
risch tatig. 

Franz Seydelmann als dram. Komponist (Br. u. H., 
1909); Zur Opernfrage. Das Wesen der Oper und ihre 
Entwicklung in der Gegenwart (Berlin 1913); ferner 
ein iiber die bloB technischen Probleme weit hinaus- 
fiihrendes Eandbuch des Dirigierens (Br. & H. 1919); 
Artikel f. Zeitschriften. 

CairOS-RegO, Rex de, austral. Komp., 
geb. 25. Sept. 1886 in Sydney, Lehrer in Sydney. 

Viele Lieder; Kl.soli; Humoreske f. V. u. Kl. (alle 
bei Shrimpton & Sons, London); Sonate f. V. u. Kb 
(ms); 3Tantasie-Sonate in 1 Satz f. Vc. u. KL; Ballade 
Killed at tlie Ford (Longfellow) f. IVf.Ch. u. Orch. 

Caland, Elisabeth, deutsche Kl.padagogin, 
geb. 13. Jan. 1862 zu Rotterdam, wo sie ihre 
erste Aus bildung erhielt, war 1884—86 Schii- 
lerin von Ludw, Deppe in Berhn (Kl.) u. 
1895—96 von J. Rebicek (Theorie). Seit 1898 
lebte sie als Kl.lehrerin in Berlin, seit 1915 
in Gehlsdorf in Mecklenburg-Schwerin. 

Die Deppesche Lehre des Klavierspiels (Stuttgart 
1897, 4. Aufl. 1912, auch in franz., engl., noil., russ. 
Ausgabe); Technische Ratschlage fur KlavierspieUr 
(das. 1897, 4. Aufl. 1912, auch engl. u. russ.); Die Aus- 
nutzung der Kraftquelten usw. (das. 1905); Das kiinst- 
lerische Klavierspiel in seinen physiologisch-physi- 
kalischen Vorgangen (das. 1910, 2. Aufl. 1919); in- 
haltspunkte zur Konirolle zweckmdpiger Armbewegungen 
beim k-unstlerischen Klspiel (1919); Praktischer Lehr- 
gang des kiinstlerischen Kl.spiets (2 Teile, das. 1912, 

2. Aufl. 1919); Fur Deppes Funffingerubungen (1900- 

3. Aufl. 1919) usw.; Vorubungen zum schnellen Oktaven- 
spiel; Neuausgabe von Stiicken C. Ph. Em, Bach's (1924). 
(Alles bei Heinrichshofen , Magdeburg.) 

Calleja, Gomez Rafael, span. Komp., 
geb. 23. Dez. 1874 zu Burgos, Chorknabe an 
der dort. Kathedrale, dann Schuler am R.Cons. 
de Mtisica in Madrid, wo er sich als Kompos.- 

SchulerArrieta'sauszeichnete. Zuverschiedenen 
Zeiten war er an fast alien fuhrenden Theatern 
Spaniens , Portugals u. des Lat. Amerikas 
tatig. AuBer Werken iiber den nationalen 
Volksgesang, Orch.- u. Vokalwerken, hat er 
287 Musiklustspiele u. Revuen geschrieben, die 
alle zur Auffiihrung gelangten. Lebt in Madrid. 
Volksliedersammlung aus der Provinz Santander; 
desgl. aus Galizien u. Asturien; Sinf. Dichtung Cantos 
de la Montafia; Musiklustspiele u. Bevuen: El Arbol 
de Bertoldo; Las Alondras; El As; Aires Nacionales; 
El Abanico de la Pompadur; La Arana Azul; Las Bri- 
bonas; El Conde de Lavapvis; Copito de Nieve; Frou- 
Frou; El Genio de Velasquez; La Ilustre Fregona; La 
Maja Desnuda; Maese Figaro; El Principe Carnaval; 
El Mozo Cruo usw. Veroffentlicht bei: Uni6n Musical 
Espaftola; Faustino Fuente; Riccardo Rodriguez; 
Antonio Matamala (Madrid); Salabert (Paris). 



Calm US, Georgy, deutsche M.forscherin, 
geb. 10. Sept. 1874 zu Berlin, 1893—97 V.- 
schulerin Joachim's an der kgl. Hochschule, 
stud. M.wissenschaft (Kretzschmar, Fried- 
laender, Fleischer, J. Wolf); lebt in Berlin. 

Die ersten deutschen Singspiele von Standfufi u. 
Hiller (Br. & H. 1908). 

Hrsg. : Lesage's Parodieoper Tilemaque (Paris 1715) 
u. Gay's Beggar's Opera (London 1728, Berlin, L. Liep- 
mannssohn); Artikel uber die Oper in England in 
den SIMG. 

Ca!v6, Emma, franz. Opersangerin , geb. 
1864 von franz, Eltern in Madrid, Schulerin der 
Marchesi u. von Puget, deb. in einem Wohl- 
tatigkeitskonzert in Nizza; Operndeb. als Mar- 
guerite in Briissel 1882; Gastspielreisen in 
Rom, Paris, London, Amerika; eine Schau- 
spieler-Sangerin hohen Rangs, beruhmt vor 
allem durch ihre Verkorperung der Carmen. 

CaBvoCOressi, Michael D., M.kritiker, geb. 
2. Okt. 1877 in Marseille von griechischen Eltern, 
erzogen in Paris; stud. Harmonielehre bei Xav. 
LerouxamPariserCons. ,im iibrigen Autodidakt; 
Liter, stud, er bei Gabriel Vauthier, Philo- 
sophie bei Andre Lalande. Ende 1901 begann 
er seine kritische Tatigkeit; 1905 — 14 hielt er 
an der PariserEcole des Hautes Etudes Sociales 
Vorlesungen iiber moderne Musik, wo bei er 
in seinen Erlauterungen in viele Werke ver- 
schiedener Schulen einfuhrte (Bartok, Kodaly, 
Strawinski, Schonberg, Wellesz); auch Vor- 
lesungen iiber M.kritik; 1914—19 im engl. 
Militarnachrichtendienst. Er iibersetzte zahl- 
lose Werke verschiedener Komponisten ins 
Englische, Franz, u. Deutsche, ebenso Biicher; 
Mitarbeiter von Morning Post, Daily Telegraph, 
Musical Times, Monthly Mus. Record, Glasgow 
Herald, Music and Letters u. a. Er hat sich 
der Propaganda fur zeitgenoss. Musik, insbe- 
sondere fiir russ., franz., engl. u. ungarische 
gewidmet; 1907—10 war er Mitarbeiter von 
Diaghilew. 

Biicher (franz.): Liszt (Laurens 1905); Mussorgsky 
(Alcan 1908); engl. 1917; span. 1919; deutsch 1922 
(Wten, E. P. Tal), ital. 1925; Glinka (Laurens 1911); 
Schumann (Michaud 1912); Streitschriften iiber Russ. 
Musik (1907) u. Engl. Musik (1911). (engl.): The 
Principles and Methods of Musical Criticism (1923, 
H. Milford); Musical Taste and how to formit (1925 id.)- 

Cametti, Alberto, ital. Miorscher, geb. 
5. Mai 1871 zu Rom, Schuler des Liceo di S. 
Cecilia, Organist, jetzt KM. der franz, Ludwigs- 
kirche, Mitglied der Gregorianischen Gesellsch. 
u. der von Pius X. ernannten kirchenmusika- 
lischen Kommission. 1919 war er als Fiihrer 
eines Vokalquartetts in Amerika u. Canada. 
Sein Hauptverdienst beruht auf seinen Studien 
iiber die Musik in Rom. 

Cenni biografici di G. P. da Palestrina (Bicordi 
1895); I melodrammi biblici all* ospizio di S. Michele 
in Roma (Boll. mus. rom . 1899) ; II poeta melodrammatico 
Jacopo Ferretti (1898); Bellini a Roma (Biv. mus. 
1900); Donizetti a Roma (das. 1904 — 07, auch separat); 
Mozart a Roma (das. 1907); Frescobaldi a Roma (das. 
1908); Saggio cronologico delle opere teatrali (1754 — 94) 
di N. Piccini (Biv. mus. 1901); Critiche e satire teatrali 
romane del seitecento (das. 1902); II Guglielmo Tell 
in Italia (das. 1899); II testamento di Jacobella Pier- 



96 



Campanini— Canal. 



luigi (1903); Cristina di Suezia; Varte musicale e gli 
speUacoli in Roma (Nuova Antologia, 1911); Documenti 
inediti su Luigi Rossi (SIMG 1912); Chi era I'Ippolita 
del cardinale di Montalto? (1913 i. d. lliv. mus. ital.); 
Orazio Michi (das. 1914); Organi, organisti ed organari 
del Senato e Popolo Romano in Santa Maria in Ara- 
coeli 1583 — 1848 (das. 1919); La scuola dei pueri cantus 
di S. Luigi dei francesi in Roma ex suoi principals 
allievi (das. 1915); Le$ Rossiniens d' Italic (in Lavig- 
nac's Enzyklopadie, Paris 1913); La musica teatrale 
a Roma cento anni la (liber llossini's Cenereniola 1917); 
im Druck: 7 musicisti ital. dalV inizio del medioevo 
ai nostri giorni. Audi hat er vicle kirchliche u. welt- 
]iche Kompisitionen herausgegeben. 

Campanini, Cleofonte, ital. Dirig., geb. 
1. Dez. 1860 in Parma, gest. 19. Dez. 1919 
in Chicago, Schuler des Kons. in Parma, aus 
dem er ausgestofien wurde, dann fast ganz Auto- 
didakt, mit Ausnahme des Kp.-TJnterrichts 
bei Giovanni Rossi; begann seine Laufbahn 
1883 als Operndirig. in Parma, wo sein Bruder 
Italo, der beriihmte Tenor, wirkte; 1884 als 
Orch. dirig. auf der Turiner Weltausstellung ; 
seitdem ein Operndirig. von internationalem 
Ruf: an der Scala, in Nizza, Buenos Aires, 
Barcelona, Lissabon, Madrid, Neapel, Co vent 
Garden, New York. 1913 leitete er die Verdi- 
Jahrhundertfeier in Parma. Sein Name ist 
mit dem McCormack-Preis verkmipft: 1914 
stiftete Edith McCormack dem Kons. in Parma 
eine Summe fur die beste ital. Oper (1914: 
Erica von Pennacchio; 1917 La figlia del Re 
von Lualdi). Wahrend seiner letzten Lebens- 
jahre war C. kunstl. u. administr. Leiter der 
Chicago Opera Association, u. hat als solcher 
viel fur die Verbreitung der ital. Oper getan. 
Er war mit der Sopranistin Eva Tetrazzini 
verheiratet. 

GampbelE, George, schott. Baritonist, ge- 
schatzter Konzert- u. Or atoriens anger, geb. 
1873 zu Westmorland; Chorknabe an Carlisle 
Cath., stud. Gesang bei Hugo Beyer, Kl. bei 
W. Thomson, Orgel bei Scott Jupp. Jahrelang 
war er Chorleiter an St. Peter's R. C. church 
u. Organist an Kirchen in Edinburgh; 1886 
trat er in die M.handlung von Messrs. Townsend 
& Thomson, eins der altesten Geschafte in Edin- 
burgh, und wurde 1894 alleiniger Eigentiimer. 

Campbell Mclnnes, James, engl. Baritonist, 
geb. 23. Jan. 1874 zuHolcombe, Lanes.; Schuler 
des R.C.M. London, auch von Bouhy in Paris, 
von Georg Henschel, Ch. Santiey u. Will. 
Shakespeare in London; deb. in St. James's 
Hall. 1899 erregte er durch seinen Vortrag 
Brahmsscher Lieder die Aufmerksamkeit von 
Jos. Joachim, der ihn sehr iorderte; spater 
wurde er einer der besten Bachsanger. Nach 
mehreren Jahren Kriegsdienst nahm er 1919 
seinen Beruf in Toronto (Canada) wieder auf, 
wo er jetzt lebt. Dank seiner Vielseitigkeit 
hat er auch dem modernen engl. Lied vielfach 
zu Gehor verholfen; viele der bezeichnendsten 
engl. Lieder sind fur ihn komponiert u. ihm 
gewidmet. Griindungsmitglied der Soc, of 
Eng. Singers, London. 



CampO y Zabaleta, Conrado del, span. 
Komp., geb. 28. Okt. 1879 in Madrid, einer 
der bedeutendsten Vertreter der modernen 
span. Musik; erhielt seino erste musikal. Er- 
ziehung am Real Cons. , wo er bald tiber den 
Schulrahmen hinauswuchs, dennoch seine 
Studien glanzend abschloB; nach seinem Aus- 
tritt, als er seiner Individuality die Ziigel 
schieBen liefi, ward er bald als ein Abtriinniger 
von der span. Tradition u. fanatischer Partei- 
ganger der deutschen Schule erklart — eine 
ungerechte Anklage, denn die Ar bei ten seiner 
fortgeschrittensten Schuler zeigen, dafi er mit 
dem Stil der modernen franz. Komposition 
nicht weniger vertraut ist. Man kann ihn als 
Romantiker u. als den span. Rich. StrauB be- 
zeichnen, nur daB er trotz all er Forts chrittlichkeit 
doch alle Extravaganzen u. artistischen Spiele- 
reien verabscheut. Er ist Lehrer fur Harmonie 
am R. Cons., Privatlehrer f. Kompos., Mitglied 
des Cuarteto Frances, des Quinteto de Madrid, 
u. war viele Jahre Solobratschist im Madrider 
Opernhaus u. im Orquesta Sinfonica, zu dessen 
Grundern er gehort; ist auch ein glanzender 
M.schriftsteller. 

Opern: La Dama Desconocida, 3akt. (Text v. Tom&3 
Borras); Leonor Teller (Text v. M. Mezquita); Don 
Alvaro, 4akt.; Tragedia del Reso, 2akt.; Romeo y 
Julieta, 4akt.; Dies Irae, 4akt.; ArapUs (zasamm. 
mit Angel Barrios); La Culpa (unaufgef.); La Flor 
del Agua (in Vorbereitung). Orch.: La Divina Comedia; 
Granada; Danza del Niaou; Kasida: Don Juan de Lspana 
(Suite nach der Szenenmusik zu clem gleichen Spiel 
von Sierra). Aires, Airinos. Aires f. Soli, Ch. u. Orch.; 
Messe f . Doppelch. it. Orch . ; Strcichquartette : Asturiano; 
Cristo de la Vega (mit Rczitation, nach der Dichtung 
von Jose Zorrilla); Caprichos romdniicos; Oriental; 
2 Quartette E-dur u. C-moll; Las Moras de Nietzsche, 
(Union Mus. Espanola; Schott). 

CampOQOniCG, Armanda, argent. Sangerin, 
geb. zu Rosario; stud, in Mailand bei Ben- 
venuti u. in Brussel bei Warnotz u. begann 
ihre Opernlaufbahn zu Barcelona als Dalila. 
Nach Engagements in Italien u. Rutland ging 
sie 1900 nach Siidamerika zuruck; jetzt ist sie 
Lehrerin am Kons. von Buenos Aires. 

Camussi, Ezio, ital. Komp., geb. 16. Jan. 
1883 in Florenz, stud, in Rom u. Bologna, 
dann bei Massenet in Paris. Von seinen Opern 
haben La du Barry und / Fuochi di San Giovanni 
(nach Sudermann's Drama) einen gewissen Er- 
folg errungen. 

Orchestervverke: fiinf pezzi lirici (Mailand, Carisch). 
Opern: La Du Barry (Mailand, 1912, T. Lirico); 

I Fuochi di San Giovanni (Mailand 1920, Dal \erme): 

II Donzcllo; Scampolo (nach dem Lustspiel von D. 
Niccodemi), Triest 1925. 

CanaE, Marguerite, franz. Komponistin, 
seit 1903 Schulerm des Pariser Cons. (Paul 
Vidal), gewann 1920 den ersten Rompreis fur 
ihre dramatische Tondichtung Don Juan, auch 
Preise fur Harmonielehre, Begleitung u. Fuge; 
seit 1919 Titularprof. am Cons. 

Gegen 100 Lieder; 5 V.stiicke; einige Kl.stiicke; 
Vc.stiicke; Sonate f. V. u. Kl.; Don Juan i. Orch. 
(alle veroffentl. bei Jamin). 



Canal es — Cappelen. 



97 



Canales, Martha, chileii. Violinistin und 
Komp., stud, in Chile, wo sie im Konzertleben 
einen hervorragenden Platz einnimmt, be- 
sonders als Komponistin mit einem Trauer- 
marsch u. einer Berceuse. 

Orchesterwerke; Stiicke f. V. u. Kl.; Chore u. a. 

Ganonica, Pietro, ital. Bildhauer u. Komp., 
geb. 1. Marz 1869 zu Turin, trieb musikaiische 
Studien mit Cravero u. Veneziani. 

Romanzen; Chore; Ave Maria f. V. u. Org. Opern: 
Tempesta (nach Shakespeare, 3akt., 1917, noch un- 
aufgefiihrt); La spo?a di Corinto (nach Goethe, 3akt.; 
Horn 1918, T. Argentina). 

CantelOUbe, Jean, franz. Komp., geb. 
21. Okt. 1879 zu Annonay (Ardeche); Schuler 
von d* Jndy an der Schola Cantorum; einer der 
, ,Heimatsmusiker" von der Art des Deodat de 
Severac, der seine musikalischen Wurzeln in 
den Volksliedern der Languedoc sucht. 

Viele Lieder; Melodien; eine sehr graziose, volks- 
maBige 3akt. Oper Le Mas; eine Opera buffa Les 
Noces d'Emeraude; fur Orch.: Vers la princesse loin- 
taine; Poeme heroi'que; Chorwerke; Kl.stticke; Hrsg.: 
Chants populaires de Haute-Auvergne et de Haut- 
Quercy. 

Cantrelie, William, franz. VioUnist, geb. 
20. Nov. 1888 in Paris; Schuler von Remy am 
Pariser Cons., 1905 1. Preistrager. Er machte 
sich zuerst in den Concerts Rouge bekannt, 
die auch das Debut von Jacques Thibaut ge- 
sehen hatten; wirkte hier als Solist 1908—12, 
erschien dann 1913— 21 in den Concerts Touche, 
war Solist in den 1917 u. 1918 vereinigten 
Colonne- u. Lamoureux-Orchestern; 1922 Solist 
in den Concerts Colonne. Er ist Virtuose u. 
Kunstler zugleich u. gehort auf eine Stufe mit 
Thibaut, Capet u. Boucherit. 

Capell, Richard, engl. M.kritiker, geb. zu 
Northampton, seit 1911 Kritiker der Daily 
Mail, ein Kritiker mit fesselndem Stil u. ein- 
dringlicher Kenntnis, Forderer der engl. 
, jHeimatskunst". 

Oapellen, Georg, deutscher M.theoretiker, 
geb. 1. April 1869 zu Salzuflen (Lippe), stud, 
in Tubingen, Gottingen u. Berlin zuerst Philo- 
sophic, dann Jura, machte die beiden Staats- 
examina u. war 2% Jahre als lippescher Be- 
amter tatig, ist aber seit 1901 als M.theoretiker 
an die Offentiichkeit getreten, der vor allem 
den exotischen Stil fruh ins Licht der Unter- 
suchung gestellt hat. Er lebt in Hannover. 

Sarmonik u. Melodik bei Richard Wagner (Bay- 
reufcher Blatter 1901); Ist das System S. Sechters ein 
geeigneter Ausgangspunkt fiir die theoretiscJie Wagner- 
for&chungl (1902); Die musikaiische Akustik als Grund- 
lage der Harmonik u. Melodik (1903); Vie Freiheit 
oder Unfreiheit der Tone u. Intervalle als Kriterium 
der Stimmfuhrung (1904, mit Grieg-Analysen als An- 
hang); Die Abhdngigkeitsverhdltnisse in der Musik 
(1904, iiber Figuration, Sequenz u. symmetrische 
Umkehrung); Die Einheiilichkeit u. Relativitat der 
Versetzungs-, Oktaven- u. Schliisselzeichen ohne 
Anderungen am Noten- u. Liniensystem (i. d. ,, Musik" 
1904); Die Unmoglichkeit u. Vberflussigkeit der dua- 
listischen Molltheorie Riemanns (JSTeue Zeitachr. f. 
Musik 1901, !Nr. 44—50); Die Zukunft der M.theorie 
(Dualismus oder Monismus, 1905); Ein neuer exotischer 
M.stil (1906) ; Fortschrittliche Harmonie- u. Melodie- 
lehre (Leipzig 1908); auch hat er japanische Volks- 

Ein stein, Mnsiklexikon. 



musik in Kl.bearbeitung u. Alte Volksweisen in neuem 
Gewande f. 5st. Chor herausgegeben. 

Capet, Lucien, franz, Geiger- u. Quartett- 
Primarius, geb. 8. Jan. 1873 zu Paris, Schuler 
des Cons, seit 1888 (Maurin), 1893 erster Preis- 
trager, erst (seit 1896) Sologeiger im Orch. 
von Charles Lamoureux , von 1899— 1903 
Lehrer am Cons, de S.-Cecile von Bordeaux, 
seit 1907 Leiter einer Kammermusik-Klasse 
am Pariser Cons. 1924 wurde er zum artisti- 
Schen Direktor des Institut de Violon zu Paris 
ernannt. 1903 grundete er, nachdem er schon 
1893—98 mit Giron, H. Casadesus u. Furet 
(spater Carcanade) private Quartettabende ver- 
anstaltet hatte, mit Tourret, H. Casadesus 
(seit 1905 Bailly) u. Hasselmans sein beruhmtes 
Streichquartett, mit dem er 1904 hervortrat 
und Triumphe in ganz Europa erntete; 1910 
hatte es die Zusammensetzung : C. , Hewitt, 
H. u. M. Casadesus; 1917 wieder umgeformt, 
besteht es jetzt aus den Herrn C, C. Delo belle, 
Henri Benoit u. Maurice Hewitt. Als Solist 
ist C. 1921 zum letztenmal aufgetreten. Sein 
Partner am Klavier ist Paul Loyonnet; beim 
Triospiel zieht er Andre Levy hinzu. Sein 
Spiel zeichnet sich, bei hochster technischer 
Vollendung, durch eine Abgeklartheit aus, die 
inn, nach Joachim's Tod, zum bedeutendsten 
Interpreten der letzten Quartette Beethovens 
gemacht hat. 

1. Streichquartett (Mathot); 2. Streichquartett 
(Senart); 3. Streichquartett (ms,); La technique su- 
perieure de I'archet (Senart); 6 Etiiden f. V. (Hamelle); 
Devant la mer i. Ges. u. Orch. (Mathot); Poime f. if. 
u. Orch. (id.); Aria f. V., Va. u. KJ. (id.); Sonate f. 
V. u. KL (id.); Les 17 quatuors de Beethoven (ms.); 
Psalm XXIIIf. SoU, Ch. u. Orch. (ms.); Sinf. Dichtung 
Le Rouet (ms.); Prelude religieux i. Orch. (ms.); 
Sonate f. V. u. Kl. (ms.). 

Caplet, Andre, franz. Komp. u. Dirig., 
geb. 27. Nov. 1879 zu Le Havre, gest. 24. April 
1925 in Paris; begann in Le Havre bei Henry 
Woollett Musik zu studieren u. trat 1897 ins 
Pariser Cons. , wo seine Lehrer Leroux u. 
Lenepveu waren. 1901 R-ompreistrager; da- 
mals schon hatte er sich als Dirig. hervor- 
getan (am Odeon). Nach seiner Ruckkehr aus 
Rom erweiterte er seine Wirksamkeit nach 
Deutschland, spater nach Amerika (Oper in 
Boston) u. England (Covent Garden). Seine 
Kompositionen zeigen sowohl Erfindung, eine 
ursprungliche Phantasie , wie technisches 
Konnen. Als schopferischer Musiker hat er 
viel mit der Schule von Gabriel Faure gemein. 

Kl.quintett; Legende f. Harfe u, kl. Orch. nach 
Poe's Masque of the Red Death; Suite persane f. Holz- 
blaser; Septett f. 3 Frauenstimmen u. Streicher; 
Messe f. 3st. FrCh.; Sonate f. Singstimme, Vc. u. Kl.; 
Le Miroir de J6sus, 15 Stucke f. Soli, Ch. u. Orch.; 
eine Anzahl Lieder u. ChOre. 

Vgl. das C. gewidmete Heft der Revue musicals 
Jul! 1925. 

Cappelen, Christian, norweg. Komp. u. 
Organist, geb. 26. Jan. 1845 zuDrammen, gest. 
11. Mai 1916 zu Christiania, 1860—63 Schuler 
des Leipziger Kons. u. der Dresdener M. schule; 



98 



Capra — Carl. 



dann Organist in Drammen. Seit 1887 war er, 
als Nachfolger von L. M. Lindeman, Organist 
an der Erloserkirche in Christiania u. errang 
sich den Namen des groBten norweg. Kirchen- 
musikers nachst Lindeman; als Improvisator 
von tiefem religiosem Gefiihl hatte er bescn- 
deren Ruf. Als Komponist gehort er zur 
alteren Schule, aber seine 32 Werke zeigen 
alle Geschmack, gerundete Form u. geschickte 
Arbeit, bei maBvolIer Charakteristik. 

Kantaten; Orgelstiicke; gem. Chore a cappella (6 
geistliche Lieder, aufgefiihrt in Leipzig); Kl.stiicke; 
Lieder. 

Capra, Mar cello, ital. Verleger, geb. 1862 
zu Turin, war Offizier in der ital. Armee, ging 
aber 1889 zur Musik iiber, war 1895 noch 
Schuler von Haberl, Haller u. J. Renner j. 
an der Regensburger Kirchenmusikschule u. 
grtindete 1896 einen sich schnell entwickelnden 
Musikverlag in Turin (Edizione Marcello Capra, 
seither in eine Aktiengesellschaft umgewandelt 
als Societa Tipografica Edi trice Nazionale). 
Seit 1899 gibt C. die M.zeitung Santa Cecilia 
heraus. C. redigierte den Bericht des 7. Kirchen- 
musikalischen Kongresses (1905). Seit 1914 
pflegt C. als Verleger das Gebiet der Kl.pada- 
gogik u. schrieb: 

Psicofisiolouia del pianoforte; Tobia Matthay (Turin, 
S. T. E. N. 1920); u. hat Arbeiten von Matthay, Stein- 
hausen u. Al. Kitsch 1 tibersetzt. 

CarabelEa, Ezio, ital. Komp. , geb. 3. Marz 
1891 in Rom; dort Schuler von R. Storti u. in 
Mailand von Vincenzo Ferroni, von Falchi 
an S. Cecilia in Rom, endlich des Liceo 
Rossini in Pesaro. 

Impressions sinfonira f. kh Orch. (Itom, Augusteo 
1913); Pieludio f. er. Orch. (id. 1916); Variazioni 
Sinfoniche (id. 1921, llicordi); Szenenmusik zu V. Fra- 
schetti's Komodie FortuneUo (Rom, T. dei Piccoli. 1921); 
Don Gil dalle cake verdi, Operette (Rom 1922); 
Barnbit,. Operette (Florenz 1923); la Unea del cvorc, 
Operette (Horn 1924) u. a. 

Carhonell de Viliar, Manuel, span. Sanger, 
geb. 1856 in Alicante; stud, bei Fasenga am 
Madrider Kons. , u. bei Antonio Selva in Padua; 
deb. am Dal Verme in Mailand in La Favorita, 
u. trat dann 30 Jahre lang in Europa u. Amerika 
auf. Nach seinem Abgang von der Buhne 
wurde er Gesangslehrer am R. Cons, zu Barce- 
lona, spater am Kais. Kons. in Petersburg. 
1900 kam er nach Buenos Aires, wo er eine 
bliihende Gesangsschule ins Leben rief. Er 
schrieb ein Werk iiber die Laufbahn hervor- 
ragender Opernsanger u. ein andres iiber 
Operninszenierung u. -spielleitung. 

Caer&Sfi, Emma, ital. Sopranistin, geb. 
12. Mai 1877 in Neapel als Tochter des Komp. 
u. Gesangs-Padag. Beniamino C. (1833—1921), 
Schulerin ihres Vaters, deb. bei der Mercadante- 
Jahrhundertfeier, errang aber nationalen Ruf 
1899 am T. Costanzi in Rom in Colonia Libera 
von Floridia, sang neben Caruso in der zweiten 
Fassung von Mascagni's Iris u. kreierte fur 
ItaUen die Elektra von StrauB. Mit 35 Jahren 
zog sie sich von der Szene zuriick, um mit 



ihrem Gatten Walter Mocchi Theaterunter - 
nehmerin zu werden: lange Jahre hatte sie die 
Impresa des T. Costanzi in Rom, dann des 
T. Colon in Buenos Aires u. brasilianischer 
Opernbuhnen. 

Carey, Francis Clive Savill, engl. Komp. 
u. Bassist, geb. 30. Mai 1883 zu Sible Heding- 
ham, Essex, erzogen an den Sherborne u. 
Clare Coll. zu Cambridge; stud, am R.C.M. 
bei Sir Charles Stanford (Kompos.); Gesang 
bei James H. Ley in London u. Jean de Reszke 
in Nizza; Lehrer fur Operngesang am R. C. M. 
und Mitglied des Ensembles „Tke English 
Singers") ein guter Sanger u. verstandiger 
Darsteller. 

Szenenmusik zu The Blue Lagoon (London 1920); 
The Wonderful Visit (London 1921); AM Fool's Day 
(Glastonbury 1921); Lieder (Sta'ner & Bell; Boosey; 
W. Rogers); 10 English Folk-Songs (Curwen); Arrange- 
ments von Volksliedern u. Tanzen in: The Bsperance 
Morris Books (2 Bde., Curwen). 

CarHEo, Julian, mexik. Komp., geb. 1875, 
hat Opern, Sinfonien, Kammer- u. Chormusik 
komponiert u. einen Tratado sinteiico de Har- 
monia (1913—15) geschrieben. 
CariUon s. Glocken. 

CariflGfl-r^USik, Musik fur Glockenspiel- 
werke. Veroffentlicht ist an C.-M. sehr 
wenig; das meiste ist nur hands chr if tlich 
vorhanden. Ein wertvolier Band mit einer 
Auswahl von Praludien, Fugen, Menuetts usw. 
aus den Werken von Matthias van den Gheyn 
(1721-85) wurde 1S62 bei Schott von X. van 
Elewyck zusammen mit Lemmens heraus- 
gegeben, ist aber vollig vergriffen. Ein Zeit- 
genosse von van den Gheyn war Potthof in 
Amsterdam; in neuerer Zeit haben Josef 
Denijn u. J. A. F. Wagenaar Musik speziell 
fur das C. geschrieben. Sir Edward Elgar hat 
1923 ein besonderes Memorial Chime (Glocken- 
spiel) fur die Einweihung des Glockenspielwerks 
von Loughborough geschrieben. 

Die Erfordernisse der Kompos. fur C. sind: 

genaus Kenntnis der besonderen Eigenschaften 

des Glockentons u. Vorsicht im Technischen. 

Zweistimmigkeit u. harmonische Kiarheit 

verbiirgen die groBte Wirkung ; in den 

oberen Oktaven konnen auch Akkorde mit 

drei Tonen gebraucht werden, dann aber sollte 

der BaB Abstand halt en. Eine Schule fur das 

I Spiel auf dem C. mit dreijahrigem Kursus ist 

, 1922 zu Mecheln mit Josef Denijn als Direktor 

I eroff net worden ; einen ahnlichen Kurs halt 

: Granville Bantock an der Univ. Birmingham. 

Cafl, William Crane, amerik. Organist u. 

1 Padagoge, geb. 2. Marz 1865 zu Bloomfield, 

| N. Y. ; stud, hauptsachlich in New York, war 

| dann zwei Jahre lang Orgel- u. Theorieschuler 

| von Guilmant in Paris. 1882—90 war er Orga- 

| nist der ersten Presbyt. Kirche in New York; 

| grundete 1899 die Guilmant Organ School, die 

i er noch jetzt leitet, war einer der Gr under der 

' Americ Guild of Organists u. hat ganz Amerika 



Carlsen — Cairaud. 



99 



bis Klondike als Virtuose bereist. 1911 Mus, 
Doc. h. c. der New Yorker Univ. 

Master-Pieces for the Organ; Thirty Pcstludes; No- 
velties for the Organ, 2 Bde.; Eeclesiae Organum; Festival 
Music, 5 Bde.; Master-Studies for the Organ; Historical 
Album of Organ Music (Schirmer; Boston Music Co.; 
Ditson). 

Carfsen, Camillo Alphonzo Johannes Peter, 
dan. Organist u. Kornp., geb. 19. Jan. 1S76 in 
Kopenhagen. Schuler des dort. Kons.. sowie 
als Ancker- Stipendiat in Leipzig, wirkte 1900 
bis 1911 als Organist, Kantor u. M.lehrer in 
Kopenhagen u. seitdem als Domorganist in 
Roeskilde. 

Orgel- u. Kl.sachen; Lieder; 3 Streichquartette; 
1 Kl.quintett; Motetten; Kantaten; Davids 80. Psalm 
fur Solo, Chor, Cello u. Orgel u. a. 

CarEsheim-GyHsaiskold, Sigrid, sehwed. Pia- 
nistin, geb. 9. Mai 1863 in Vajo, Schulerin des 
Stockholmer Kons. (Hilda Thegerstrom) u. 
Leschetizky 's (Wien ) , griindete 1899 das 
,, Stockholmer Musikinstitut", das sich eines 
hohen Rufs erfreut. 1912 Mitglied der KglM. Ak. 
in Stockholm. 

Carison, Bengt, finn. Komp. u. Chorleiter, 
geb. 26, April 1890 in Ekenas, Schuler des 
M.inst. in Helsingfors u. von V. d'Jndy in 
Paris. Seit 1920 leitet er den Sehwed. Stu- 
dentenchor (Akademiska Sangforeningen) u. 
neuerdings den sehwed. Oratorienchor in 
Helsingfors. 

Kammermusik; Chorlieder u. a. 

Carnegie United Kingdom Tiisst, eine engl. 
Musik-Administration rait dem Sitz in Dun- 
fermline, 1916 gegriindet u. dctiert ven Andrew ' 
Carnegie (geb. 25. Nov. 1837 zu Dunfermline 
in Schottland, gest. 11. Aug. 1919 in Lenox, 
Mass.), die zum Zweck hat: 1. die Publikation 
von modernen engl. M.werken jeder Art, und 
zwar mindestens 6 im Jahre; 2. Ausgaben ! 
alterer Musik (Tudor Music Editions), bis jetzt j 
Werke von Taverner u. Byrd; 3. Organisation 
von Konzerten u. dramat. (mus.) Auffuhrungen ! 
auf dem Lande; 4. Unterstiitzungen aller Art j 
xur Beforderung mus. Kultur (Leihbibl. ftir 
kleinere Orchester; Bericht uber engl. Musik 
1921 von Sir Henry Hadow). 

CarnevaES, Vito, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 4. Juli 1888 zu Rom; Schuler des Liceo 
di S. Cecilia (Kl. bei Bajardi u. Sgambati, 
Kompos. bei Falchi u. Respighi), vortrefflicher 
Konzertspieler, auch Operndirigent. Er lebt 
jetzt in New York. 

Kl.konzert; Sinf. Dichtung; Streichquartett; 
Scherzo e Notturno f. V.; Kl.stiicke. 

Carol- Berard, franz. Komp., geb. 1885, 
Schuler von Albeniz, befafite sich besonders mit 
chines., arab. u. Negermusik, u. sucht das Ge- 
rausch des modernen Lebens fiir die Musik zu 
verwerten, hat auch zahlreiche Artikel zur 
Verteidigung seiner Theorien veroffentlicht, 
z. B. Couleur en Mouvernent in der Revue 
Musicale u. Instrumentation par le Systeme des 
Bruits Enregistres. Unter dem Namen Olivier 
Realtor ist er auch als Dichter u. Essayist 



hervorgetreten, ist Mitgriinder der Union 
Syndicale des Compositeurs de Musique, deren 
Generalsekretar er ist, u. plant die Schaffung 
einer Maison des Musiciens. Sein sehr um- 
fangreiches u. fast ganz unveroffentlichtes 
Schaffen umfaBt: 

Eine Synipkonie dansee; Suite: Provence; Biihnen- 
musik zu Peladan's Scmiramis; ein kleines Ballett 
Les Amants de Tong-ho; Ein Stiick L'Oiseau des lies; 
Bruchstiicke fur ein en Film La Terrasse de Babylone; 
viele Kl.stiicke u. Lieder. 

Carpenter, John Alden, amerik. Komp., 
geb. 28. Feb. 1876 zu Park Ridge (Chicago), 
111.; stud. Kl. bei Amy Fay, spater bei Seebceck 
in Chicago; seine theoretischen Studien setzte 
er an der Harvard Univ. bei J. K. Paine fort. 
Nach seinem Baccalaureat 1897 trat er in 
das vaterliche Geschaft (George B. Carpenter 
cfc Co.) u. wurde 1909 Vizepras. des von seinem 
Vater begriindeten Konzerns, unter brach je- 
doch nie seine musikalischen Studien: 1906 
kam er in Rom mit Edward Elgar in Beriihrung, 
1908 u. 1912 arbeitete er musiktheoretisch bei 
Bernhard Ziehn in Chicago. Seine ersten ver- 
ofi Werke von einiger Bedeutung waren: 
Improving Songs for Anxious Children (Schirmer 
1907); eine Sonate f. V. u. Kl. (erste Auff. 1912 
in New York); bekannter wurde er durch den 
Liederzyklus nach Tagore Gitan]'ali (1914); 
eine humoristische Orch. suite Adventures in a 
Perambulator (Chicago 1915); eine I. Sinfonie, 
geschrieben 1916—17 (1917 Norfolk, Conn.); 
Ballett-Pantomime nach O. Wilde The Birthday 
of the Infanta (Chicago Opera Co. 1919); Jazz- 
Pantomime Krazy Kat (Chicago Orch. 1921). 
1922 machte ihn die Harvard Univ. zum Mag. 
artium h. c. Als Komp. ist C. ganz modern 
gerichtet, ohne noch den aufiersten Ultra- 
mo der nismus erreicht zu haben, seine Orch.- 
behandlung ist sehr mannigialtig u. geschickt. 

Adventures in a Perambulator f. Orch. (1917); Con- 
certino f. Kl. u, Orch. (1920); Krazy Kat, Ballett; 
Kl.Arrangem. vom Komp. (1922); Sonate f. V. u. Kl. 
(1913); GitanjaM: Song-Offerings (1914); Water-Colours-. 
4 chines. Tondichtungen (Gesange, 1916); 24 Lieder; 
Kl.stiicke. A lies bei Schirmer. 



i, Fernando, ital. Operntenor, geb. 
1881 in Florenz; stud, in Bologna gleichzeitig 
Jura u. Musik (Masetti u. Martucci) u. eroberte 
sich bald die europ. u. amerik. Opernbuhnen 
durch seinen hellen lyrischen Tenor. Haupt- 
rollen: Rigoletto, Bar bier, Sonnambula, Don 
Pasquale, Elisir d'amore, Scheme, Manon 
(Massenet), Meistersinger, Mignon, Traviata, 
Favorita, Mefisiofele, Tosca u. a. 

CarrSUCfi Gas ton, franz. Komp. u. Kritiker, 
geb. 1869 zu Paris, gest. das. 1920; 1890 Rom- 
preistrager; hat, ahnlich wie Emile Vuillermoz, 
immer zwischen Kompos. u. Kritik geschwankt, 
bis endlich die Kritik siegte. Er schrieb 20 Jahre 
lang mit Freirnut, historischem Sinn u. echtem 
Talent fur La Liberie. 

Buch: Alberic Magnard, Paris 1921. Lieder: Soirs 
moroses, 1891; sinf. Dichtung La ChevaucMe de le 
Chimere, 1905 ; dramat. Sinfonie Buona pasqua. 

7* 



100 



Carreno — Casals. 



CpjrSilO; Teresa, siidamerik. Pianistin, geb. 
22. Dez. 1853 zu Caracas (Venezuela), wo ihr 
Vater Finanzminister war, gest. 12. Juni 1917 
in New York; Schulerin von L. Gottsehalk 
in Caracas u. spater noch von G. A. Matthias 
in Paris, endlich noch von Rubinstein. Als 
neunjahriges Kind erschien sie als Pianistin 
in New Yorku. bereiste die Ver. St.; 1865—74 
konzertierte sie in Europa; ihr Ruf als eine der 
glanzendsten u. machtvollsten Pianistinnen 
datiert jedoch erst seit ihrer europ. Tournee 
1889—1890. Eine erste Ehe ging Frau C. 1872 
mit dem Violinvirtuosen Emile Sauret (1875) 
ein, eine zweite mit dem Baritonisten Giovanni 
Tagliapietra (ihr entstammt die Pianistin 
Teresita C.-Tagliapietra); 1892—95 war sie die 
Gattin E. d' Albert's; 1902 die von Arturo 
Tagliapietra. 

Ein Streichquartett von Frau C. erschien bei 
E. W. Fritzsch in Leipzig, auch gab sie eine 
Reihe brillanter Kl.sachen heraus. Frau C. 
war 1875—82 auch Sangerin, u. sah sich als 
Unternehmerin einer ital. Oper zeitweilig sogar 
gezwungen, den Dirigentenstab zu schwingen. 
Zuletzt lebte sie meist in Berlin. 

Carol I, Walter, mus. Berater des Erziehungs- 
rats zu Manchester seit 1918, geb. 4. Juli 1869 
zu Manchester, wo er studierte u. 1900 den 
Doktorhut errang; vorher Lehrer f. Harm., 
Kcmpos. u. Padagogik am dort. Coll. of Music, 
u. Dozent u. Examinator an der Univ. Er 
hat die Stellung der Musik in der Schule u. die 
Methode der M.padagogik in England sehr 
gehoben. 

Eine grofie Masse von Musik fur Kinder (1909—23, 
Forsyth); Buch: The Training of Children's Voices. 

Carse, Adam, engl. Komp., geb. 19. Mai 
1878 zu Newcastle-on-Tyne, stud. 1893 in 
Deutschland, 1894—1903 am R.C.M. in London 
bei Corder u. Burnett; war 1909—22 Hilfs- 
M.lehrer am Winchester Coll., seitdem Lehrer 
fur Harmonie u . Kompos, an der R . A . M . 
in London. Er pflegt als Komp. eine gefallige 
u. gerundete Schreibweise u. strebt mehr nach 
gefestigtem Bau als nach originellen oder stim- 
mungsmaBigen Wirkungen. Er hat viel Musik 
fur Lehrzwecke geschrieben. 

Orch, : Miniature Suite Boulogne (J. Williams) ; 
The Merry Milkmaids (1922, Augener); Barbara Allen, 
Variationen f. Streichorch. (Novello); Sinfonie G-moll 
(ms„ London 1908); Sinfonie G-moll (ms. ( Newcastle 
Festival 1909); Variations f. Orch. (London 1911); 
The Death of Tintagiles (London 1902); Norwegian 
Fantasia f. V. u. Orch. (J. Williams); 2 Skizzen f. 
Streichorch. (1923, Augener); Sonate C-moll f. V. u. 
Orch. (id.); Judas Iscariot's Paradise, Ballade f. Ch., 
Baritonsolo u. Orch. (1922, id.); The Lay of the Brown 
Rosary dram. Eantate (Novello); viele Chore; zahl- 
reiche Lieder; KL-, V.- u. andere Stiicke; Kl.Etuden 
u. Schulwerke, 

Bficher : Summary of the Elements of Music (Augener); 
Practical Hints on Orchestration (id.); Harmony Exer- 
cises, 2 Bde. (1923, id.); The History of Orchestration 
(1925, Regan Baul). 

Caruso, Enrico, ital. Operntenor, geb. 
25. Feb. 1873 zu Neapel, gest. das. 2. Aug. 1921. 



Der beruhmte Kiinstler, der namentlich in 
Nordamerika einenbeispiellosen Grad von Ruhm 
erlangte, hat sehr bescheiden u. unsicher be- 
gonnen. Als Zehnjahriger sang er auf Kirchen- 
choren, studierte dann bei verschiedenen 
Lehrern, deren keiner seine Stimmfahigkeiten 
erkannte, bis er in Lamperti, Concone u. Lom- 
bard! Meister fand, die ihn auf den Weg einer 
kiinstlerischen Schulung brachten. Er begann 
seine Laufbahn 1895 in seiner Vaterstadt, 
erschien dann, mit lautem Erfolg, am T. Lirico 
in Mailand; seitdem wuchs sein Ruf unauf- ■* 
horlich. An den ersten Auff. von Fedora (Gior- 
dano) u. Germania (Franchetti) war er be- 
teiligt. Mit dem strahlenden Adel des Organs 
verband sich bei ihm auBerste Einfachheit 
u. Kultur des Vortrags; sein Repertoir um- 
faBte fast alle lyrischen u. dramatischen Rollen 
der ital. u. franz. Oper, von Sonnambula bis 
zur Afrikanerin, von Dora G*ovarcni'( Don Ottavio) 
bis Troubadour) von Elisir a" amor e bis Cavalleria 
u. Pagliacci; von La Gioconda bis Boheme 
u. Fanciulla del West; von Samson bis Faust u. 
Manon (Massenet). Er hatte auch als Sammler 
kunstlerischen Blick u. war ein geschickter 
Karrikaturenzeichner (s. Caruso's Book, being 
a collection of caricatures and character- studies 
irom original drawings of the Metr. Op. Comp. , 
1906). Er schrieb eine kleine Gesangslehre : 
Wie man singen soil. Praktische Winke (1914, 
Schott). 
I Vgl. J. K. Wagenmann, E. C. und das Problem der 
i Stimmbildung; Onorato Boux, E. C. in: Illustri italiani 
i contemporanei (Florenz Bemporad) ; Pierre V. R. 
Key u. Bruno Zirato, E. C. (London 1923, Hurst 
& Blackett; deutsch von C, Thesing, Munchen 1924, 
Buchenau * Reichert), 

Caryll, Iwan (wirkl. Name Felix Tilkin), 
Komp. u. Dirig., geb. 1861 zu Luttich, gest. 
28. Nov. 1921 in New York; Schuler des Lut- 
ticher Cons. ; schrieb leichte Opern. 

Duchess of Danizig, 1903; Earl and the Girl, 1904; 
New Aladdin, 1906; Our Miss Qibbs, 1909; The Pink 
Lady, 1911 u. a. 

CasadOSUS, Francis, Louis, franz. Komp., 

geb. 2. Dez. 1870 in Paris, Dirig. in Paris, 

1918—22 als Vorganger von Max d'OHone 

technischer Direktor des amerikanischen Kons. 

von Fontaine bleau, 1923 dessen Ehrendirektor. 

Mit Andre Messager ist er der Begrunder einer 

i Academic Internationale des Beaux Arts. 

I Siikt. lyrlsches Drama Oachapres, 1914; Lc Moisson- 

| neur (5akt., 1918); die lakt. musikal. Allegorie Au 

! beau jardin de France; La Chanson de Paris, 3akt. 

i lyr. Drama, 1924, Trianon Lyrique; eine Sinfonie in 

! E-moll u. viele andre sinf. Werke; popular gewordene 

Lieder. 

Casals Enrique, span. Violinist u. Komp., 
geb. zu Vendrell, Barcelona; Leiter des Pau 
Casals-Orch. in Barcelona. Als Komp. pflegt 
er die catalonische Volksmusik u. ist am be- 
kanntesten durch seine sardanas geworden. 
Er ist ein Bruder von Pablo C. 

Casals, Pablo, span. V.cellist u. Dirig., 
geb. 30. Dez. 1876 zu Vendrell, Katalonien, 



Casaux — Casimiri. 



101 



wo sein Vater Organist war. Er lernte zuerst j 
von diesem verschiedene Bias- u. Streich- ! 
instrumente, die er mit dem V.cell. vertauschte; ' 
nahm Unterricht bei Jose Garcia u. betrat 
1889 das Podium zu Barcelona, wo er bis zu ' 
seinem 17. Jahr blieb. Die Konigin Maria 
Cristina ermoglichte ihm den Besuch des 
R.Cons. deMusicain Madrid, wo er die Kammer- 
musikklasse von Monasterio absolvierte; mit 
19 Jahren war er kurze Zeit am Bnisseler Cons. , 
ohne wirklichen Unterricht zu nehmen, kehrte 
nach Barcelona zuruck, wo er 1897 Lehrer 
am Kons. wurde u. mit dem belg. Geiger Crick- 
boom ein Streichquartett griindete. 1898 deb. 
er in Paris (Lamoureux-Conc.) u. London. 1919 
rief er in Barcelona das Orquesta Pau Casals ■ 
ins Leben. Er ist unbestritten nach Technik 
u. grandios-einfacher Musikalitat der grofite 
V.cellist unter den Lebenden, ein kraftvoller 
Dirigent, bemerkenswerter Pianist, auch Kom- 
ponist von Orch.- u. Kammermusikstucken. 
1906—1912 war er mit Ghuilhermina Suggia 
(s. d). verheiratet, 1923 heiratete er die Sangerin 
Susan Metcalfe. 

Casaux, Juan, span. V.cellist, geb. 28. Dez. 
1889 zu San Fernando (Cadix), Schiiler des 
Cons, zu Paris; erster Lehrer am R.Cons. de 
Musica in Madrid. 

Casella, Alfredo, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 25. Juli 1883 in Turin als Sohn eines 
Lehrers am dort. Liceo, stud. Kl. erst mit seiner 
Mutter, ging dann aber als 13jahriger nach 
Paris, wo er am Cons, bei Diemer Kl. u, bei 
Faure Kompos. studierte. Er konzertierte 
dann als Pianist, dirigierte 1912 die Concerts 
Populaires des Trocadero in Paris u. leitete 
drei Jahre lang eine Kl.klasse am Pariser Cons. 
1915—23 war er Lehrer am Liceo mus. di S. 
Cecilia in Rom. Er war u. ist M.kritiker des 
Monde Musical, der S. I. M., des Homme En- 
chaine; ital. Korrespondent des Courrier Musical 
(Paris) u. von Musical America (New York). 
1917 griindete er in Rom die Societa Nazionale 
di Musica (spater die Societa Italiana di Musica 
Moderna, 1923 als Corporazione delle Musiche 
Nuove ital. Sektion der Intern. Ges. f. zeit- 
genoss . Musik neugegr undet) . C. ist der 
Typ des europaischen Musikers , der alle 
Stile kennt u. sich ihrer gelegentlich mit 
Virtuositat bedient. Er hat die gegensatz- 
lichsten Einflusse auf sich wirken lassen — 
Debussy, Mahler, Ravel, Strawinski u. Schon- 
berg — , u. man kann sie in all seinen Werken 
wieder erkennen ; besonders seine Jugend- 
arbeiten (Sinfonie; V.cell. Sonate; Suite in C; 
Le Couvent sur Veau; Notte di Maggio) haben 
manchen veranlaBt, ihm urspriingliches Talent 
iiberhaupt abzusprechen. Doch ist eigene 
Personlichkeit auch in seinen ersten Werken 
zu spiiren, u. sie dringt in seinen neueren 
durch: Pagine di guerra; Elegia eroica; V Adieu 
a la vie (auf Dichtungen von Tagore) ; A notte 



alia (Kl.konzert). Er zeigt hier eine von nacht- 
lichen Gesichten verdiisterte Seele u. driickt 

' inneuer u. eigener Art ein Gefuhl des Mystischen 
u. Jenseitigen aus. In einigen seiner Werke 

' zeigt sich auch besonderer Humor u. ein wahr- 
haft wilder Sinn fur das Groteske. Vom rein 
technischen Gesichtspunkt ist er zweifellos 

[ der begabteste der modernen italienischen 
Komponisten; besonders seine Elegia eroica 
u. seine Pagine di guerra enthuilen eine iiber- 
raschende Orch.- Virtuositat. 

Buch: Vevoluzione delta musica (ital., franz., engL; 
Chester London). 

KL: Toccata, 1904 (Uicordi); Berceuse triste, 1909 
(Mathot Paris); Barcarola, 1910 (Ricordi); Sarabanda, 
1910 (Mathot); Nove pezzi, 1914 (Uicordi); Pagine 
di guerra, 1915 (id., u. Chester); Pupazzetti, 4hdg. 

1916 (id.); Sonatina, 1916 (Iticordi); A notte alta, poema, 

1917 (id.); Inezie, tre pezzi facili, 1918; Deux contrastes: 
Grazioso — Hommage a Chopin Antigrazioso, 1918 
(Chester); Tre pezzi per Pianola: Preludio, Valse: 
Rag-time, 1918 (Aeolian Comp., London): 11 pezzi 
infantili, 1920 (Un.-Ed.); Fox-trott, 4hdg., 1920 
(Un.-Ed.). 

Lieder: Cinque liricke, 1903 (Mathot); Soleils cou- 
chants, Soir paten, En ramant, 1906 (id.); Sonnet, 1910 
(id.); II bore (Carducci), 1913 (Iticordi); L'adieu a la 
vie, 1915 (Chester). 

Kammermusik: Barcarola e scherzo f. FL u. KL, 
1904 (Mathot); Sonate f. Vc. u. KL, 1907 (id.); SieUiana 
e burlesca f. V., Vc. u. KL, 1914 (Ricordi); Cinque 
pezzi f. Streichquartett, 1920 (Un.-Ed.). 

Orch.: 1. Sinfonie E-moll, 1905 (Mathot); 2. Sin- 
fonie D-molL 1908 — 10; Italia, Bhapsodie nach sizil. 
u. napol. Them en, 1900 (Un.-Ed.); Suite C-dur, 1909 
(id.); Notte di Maggio (Carducci) f. Singstimme u. 
Orch., 1913 (Ricordi); Le Couvent sur Veau, 1911 — 12, 
sinf. Suite nach dem gleichnamigen Ballett (Uicordi, 
Mailand ; Scala 1924); Elegia eroica, 1916 (Un.-Ed.); 
Pagine di guerra, 1917 (5 „iilms", Chester); Pupazzetti, 
1920, 5 Stiicke f. Marionetten (id.); La giara {Der 
grofie Krug), lakt. Tanzkomodie nach Pirandello (Paris, 
Dresden); Concerto Romano f. Org., 3 Trompeten, 
3 Posaunen, Streicher u. schlagzeug (1925); Be- 
arbeitungen; Neuausgaben. 

Vgl. Guido M. Gatti, A. C. (Critica Musicale, Elorenz 
Juli 1918; u-. Mus. Times, London, Juli 1921); M. Castel- 
nuovo-Tedescho, A.G.e il suo ,,terzo stile" (II Piano- 
forte, Aug. (Sept. 1925). 

Casimiri, Raffaele Casimiro, ital. Komp., 
M.forscher u. Chorleiter, geb. 3. Nov. 1880 zu 
Gualdo Tadino(Umbrien), Schuler von Bottazzo 
in Padua; 1899 Lehrer an der Schola cantorum 
des Seminars von Nocera Umbra, 1901 in Rom 
Leiter der Zeitschr. Rassegna Gregoriana, 
1903—04 Km. an den Seminarien u. Kirchen 
von Calvi u. Teano, dann von Capua, 1905 von 
Perugia, 1909—11 von Vercelli; seit Dez. 1911 
Km. an S. Giovanni in Later ano in Rom, zu- 
gleich Lehrer an der Scuola Superiore di Musica 
Sacra u. Mitglied verschiedener Kommissionen. 
Seit 1919 hat er mit dem Chor der Societa 
polifonica romana in Amerika u. Europa Kon- 
zertreisen gemacht. Sein Vortrag alter a cappella 
Kirchenmusik setzt an Stelle des ,,nazareni- 
schen" Ideals mit Recht auBerste Bildhaftig- 
keit u. Lebhaftigkeit des Ausdrucks. 

Aufier einer groBen Zahl von Kirchenwerken 
(Messen, Litaneien, Motetten, Offertorien usw.) 
schrieb C. 2 Oratorien (San Pancrazio u. Santo 
Stefano) y Madrigali e Scherzi f. gem. Chor; 



102 



Caspar — Castillon. 



ist aber vor allem als Wiedererwecker der klas- 
sischen Kirchenmusik hervorgetreten. Er 
grundete 1907 die Monatsschrift Psalterium 
(Perugia, seit 1912 in Rom), das Jahrbuch 
Sacri Concentus u. die Bibliotechina Ceciliana; 
gab als Anhang zum Psalterium den Tesoro 
delle melodic religiose popolari del sec. XV e XVI 
herau.s, grundete 1924 wieder eine neue, der 
Erforschung der alteren K.musik gewidmete 
Vierteljahrsschrift Note d'Archivio u. ver- 
offentlichte auBer vielen Zeitschriften-Artikeln: 
G. P. da Palestrina, Nuovi documenti biografici 
(1918 u. 1922); II codice 59 delV archivio mus. 
lateranense, antografo di . . . Palestrina (1919); 
Orlando di Lasso . . . 1553 (1920); M., F. e. 
G. Fr. Anerio (1920); Ercole Bernabei (1920); 
Firmin le Bel (1922); Cantantibus Organisl . . . 
(Aufsatz-Sammlung, 1924). 

Caspar, H e 1 e n e , deutsche Kl.padagogin , 
geb. 3. Sept. 1857 in Zittau, gest. im Jul! 1918 
in Leipzig, Schulerin (1874—77 u. 1880—81) 
des Leipziger Kons. (Reineeke, Weidenbach, ! 
Wenzel, Jadassohn, Piutti), M.lehrerin in' 
Zittau u. (seit 1885) Leipzig, wo sie noch bei 
Alex. Winterberger ihre pianistischen Studien 
fortsetzte. 

Technische Studien, filr den modernen El .unterricht 
zusammengestellt (1901); Moderne Beivegungs- u. An- 
schlagslehre im Tonleiter- u. Akkordstudium (1910); 
Praktischer Lehrgang des Kl.spiels filr den Elemental 
unterricht mit Anwendung der modernen Bewegungs- 
u. Anschlagslehre (2 Bde., mit Erlauterungen fur den 
Lehrer); Kl. unterricht, ein Wegweiser u. Batgeber fur 
Lehrende «. Lernenda (1914). 

Gassadd, Gaspar, span. V.cell. -Virtuose, 
geb. 1898 in Katalonien; Schiller von Pablo 
Casals; bereisfce Spanien, Frankreich, Deutsch- 
land u. Osterreich. 

Cassadd, Joaquin, span. Komp., geb. in 
Katalonien; lebt in Barcelona. 

Lyrisch. Drama Lo Monjo Negre; Vc.konzert; Sin- 
fonla Macarena; Hispania i. Kl. u. Orch.; kleinere 
"Werke f. Orch., Yc. xi, a. 

Cassirer, Fritz, deutscher Dirig. u. M.schrift- 
steller, geb. 29. Marz 1871 in Breslau, besuchte 
das Gymnasium in Berlin, stud, 1889—92 in ; 
Berlin u. Freiburg i. B. Philosophic (Simmel, ! 
Gizycki, Riehl), ging aber 1894 zur Musik 
uber u. stud, bei M. E. Sachs in Munchen Har- . 
monie u. Kp., 1897—98 am Sternschen Kons. | 
in Berlin Kompos. bei Piitzner, Orch.direktion ! 
bei Gustav Hollaender u. Kl. bei Virgil. In 
Berlin grundete er einen Orch.verein, wirkte 
dann als Operndirig. 1898—1900 in Liibeck, 
1900—01 in Posen, 1901—03 in Saarbrucken, 
1903—05 in Elberfeld, u. 1905-07 an der Ber- 
liner Kom. Oper unter Gregor, mit dem ernach 
London ging. Dort blieb er 1905—07 als Kon- 
zertdirig. , zog sich dann aber aus der Offent- 
lichkeit zuruck um philosophischen Studien zu 
leben. Er lebt in Munchen, wo er nur gelegent- 
lich (1917) noch als Dirig. hervorgetreten ist. 

Edgar. Eine Vichtung (1894 Munchen, E. Albert); 
Beethovens Briefe. Ein Essay (1909 in ,.Die Musik" 
Schuster & Lceffler); Helklunkle Weltgediehte (1020, 
Bruno Cassirer) (Pseudonym: juried rich Leopold); 



Beethoven und die Gestalt. Ein Kommentar (1925), 
Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt). 

Castberg, Torgrim, norweg. Violinist, geb. 
1874 zu Skien; stud. 1893—96 in Paris, 1896 
bis 1900 in Berlin. 1905 grundete er mit Hilfe 
des Kunstgonners Frithjof Sundt u. mit Unter- 
stiitzung von Edvard Grieg, J. L. Mowinckel, 
Joachim Grieg u. Unterstaatssekretar Haugen, 
die Musikakademie in Bergen, die er seitdem 
leitet. 

Gasteinuovo-TedescQ, Mario, ital. Komp. 
u. Pianist, geb. 3. April 1895 in Florenz, wo er 
am R. Ist. Cherubini Kl. bei Del Valle u . 
Kompos. bei lid. Pizzetti studierte. Er gehort 
zu den feinsinnigen u. gemaBigteren jungital. 
Modernen; ist auch als Schriftsteller tatig. 

Kl.: Quesio fu il carro delta morte, 1913; 7/ raggio 
verde, 1916 (Forlivesi, Florenz); Alghe, 1919 (id.); 
I naviganti, 1919 (id.); Cantico, 1920 fid.); Wiener 
llhapsodie. 

V. u. Kl.: Signorine — 2 Profili, 1918; Tre Canti 
all' aria aperta, 1919; Ritmi, 1920 (Forlivesi); Capitan 
Fraeassa, 1920 (id.). 

Liedcr: Fuori i Barbari, 1915 (Forlivesi u. Eicordi); 
Le Boy Loys, 1914; Ninna Nanna. 1914 (Forlivesi); 
Stelle cadenti, 1915 (id.); Coplas. 1915 (id.); Briciole, 
1915; Cera vertjine, 1916; II libro di Dolcina, 1917; 
Girotondo dei golosi. 1920 (Forlivesi); Star, 1920; 
5 Songs of Shakespeare (Chester). 

Fiir Ges. u. Orch.: Due liriche, 1917 CTagore); Tre 
Fioretti di San Francesco. 1919. 

Orch.: Cielo di Settembre, 1910. 

4-stimmige Chore a cappella: Due madrigali a Galatea, 
1914; Due canii grcci, 1917. 

Vgl. Guido M. Gatti, Musicisti moderni d* Italia 
e di fuori (Bologna 1920. Pizzi). 

Castera,Rene d'Avezac, de, franz.Komp., 
geb. 3. April 1873 zu Dax (Landes), absolvierte 
die Landwirtschaftsschule zu Grignon, ging 
aber 1897 zur Musik uber u. trat als Schiiler 
in die Pariser Schola cantor um (d'Indy, La 
Tombelle, Guilmant, J. Albeniz), betatigte 
sich schriftstellerisch an der Tribune de St. 
Gervais u. begriindete 1902 den Autorenverlag 
Edition muhielle, der meist die Arbeiten der 
Zoglinge der Schola cantorum umfaBt (u. a. 
Werke von Ch. Bordes, J. Albeniz, Ern. Chaus- 
son, Alb. Dupuis ? La Tombelle, Castera, E. de 
Polignac, A. Serieyx, B. Selva, G. Bret, J. Rye- 
landt, V. Vreuls, Bl. Lucas, Severac, A. Mag- 
nard, L. Saint-Requier, Breville, Tournemire, 
Jongen usw.). 

Kl.trio D-dur; V.sonate E-moll; Jour de fete au 
pays Basque i. Orch.; Kl.stiickc; Lieder. Fin lakt. 
Ballett Nausicaa u. eine 4akt. Oper Berteretche harren 
der Auffuhrung. 

Casii E ion, Alexis, de ( Vicomte de Saint- 
Victor), franz. Komp., geb. 13. Dez. 1838 zu 
Chartres, gest. 5. Marz 1873 zu Paris, ging von 
der militarischen Laufbahn (Saint-Cyr) zum 
Studium der Musik iiber, zuerst unter V. Masse, 
dessen handwerksmaBige Lehrweise ihn aber 
abstieB, so daB er unter Cesar Franck, auf den 
ihn Henri Duparc hinwies, nochmals von 
neuem anf ing , alle f riiheren Kompos . ver- 
nichtete u. ein neues op. 1 (Kl.quintett) unter 
Franck's Augen schrieb. C. ist mit Duparc 
u. Saint- Saens Griinder der Societe nationale 



Castro — Celansky . 



103 



de musique. Sein fruher Tod machte seinem 
Schaffen, das zuerst die ernste Hinwendung 
der Franzosen zur Pflege der Orch.- u. 
Kammermusik zeigt, ein vorzeitiges Ende. 

Kl.quintett; 2 Streichquartette; Elquartett; 2 
KLtrios; V.sonate; ein Kl.konzert (das Saint-Saens 
in Pasdeloup's Konzert spielte, aber mit ganzlichem 
HIBerfolg, bo daB er es nicht zu Ende spielen durfte); 
Sinfonische Skizzen; Skandinavischer Marsch; 2 
Orch.suiten; Ouverttire zu Torquato Tasso: Psalm 84 
f. Soli, Ch. u. Orch; Kl.stucke (Pieces dans le style 
ancien; 2 Suiten; 6 Valses humoristiques; Pensees 
fugitives); Lieder. 

Vgl. Hugues Imbert, Profils d'artistes contempo- 
rains, 1897. 

Castro, Ricardo. S. Mexikanische Oper. 

Catalan!, Alfredo, ital. Opernkomp., geb. 
19. Juni 1854 zu Lucca, gest. 6. Aug. 1893 zu 
Mailand, Schuler der Kons. zu Paris u.Mailand 
(Bazzini). Er war ein geschatzter Lehrer am 
Mail. Kons., u, sein Schaffen hat Mascagni, 
Puccini u. a. wesentlich beeinflufit. 

Opern: La falce (Mailand, Kons. 1875); Elda (Turin 
1880); Dejanire (Mail. 1883); Edmea (das. 1886); Loreley 
(Umarbeitung von Elda, 1890); La WaUy (1892); 
Sinf. Dichtung Hero u. Leander (1895). 

Cathie, Philip, engl. Violinist, geb. 1874 
zu Manchester; stud, an der R.A.M. in London 
bei Sainton u. Sauret, deb. schon als Wunder- 
knabe; spater, 1891, mit Goldmark's V.konzert 
in St. James' Hall. 1897 wurde er Lehrer 
an der R.A.M.; seit 1914 war er Dirig. an 
verschiedenen Londoner Theatem. 

Catoire, Georg Lwowitsch, russ. Komp., 
geb. 27. April 1861 zu Moskau, dort Schuler 
von Klindworth u. Willborg, u. nach Absol- 
vierung seiner Universitatsstudien (Mathe- 
matik) von Rufer in Berlin u, Ljadow in Peters- 
burg; Lehrer am Kons. Moskau fur Kompo- 
sition. Seine ersten Werke erregten Tschai- 
kowsky's Aufmerksamkeit u. verraten auch 
dessen EinfluB, allmahlich aber entwickelte 
er einen personlichen Stil, eine feinsinnige, 
reife Schreibweise, besonders in seinem Kl.- 
quartett op. 31, Quintett op. 28, u. seinen 
Liedern op. 32 u. 33 (alle Russ. Staats- 
verlag). 

Sinfonie C-moll op. 7; die sinf. Dichtung Mzyri 
(nach Lermontow) op. 13; eine Kantate Russalka 
(Lermontow) op. 5; Kl.trio op. 14; 2 V.sonaten op. 15 
u. 20; Streichquintett op. 16; Streichquartett op. 23; 
Kl.quintett op. 28; K.quartett op. 31; Klkonzert 
Es-dur op. 21; Kl.stucke; Lieder op. 19, 22; Frauen- 
chore op. 18. 

Cattelani, Ferruccio, argent. Violinist, 
geb. 1867 zu Parma; stud, am dort. Kons. bei 
Mantovani u. Dacci, wurde 1897 Konzert- 
meister an der Oper u. im Colon-Th. in Buenos 
Aires u. war 14 Jahre lang V.lehrer an dem von 
Pallemaerts geleiteten Argent. Kons. der Musik. 
Die undankbare Aufgabe der Erziehung des 
argent, M.geschmacks versuchte er zu losen 
durch Grundung (1897) des Cattelani- Quartetts 
(C. , Alessio Morrone, Jose Bonfigholi, Tomas 
Marenco) u. (1900) einer Symph.-Konzert- 
Gesellschaft, die sich nach vier Jahren wieder 
auflosen mufite, aber nach drei Jahren wieder 



auflebte u. jetzt jahrlich vier erfolgreiche 
Konzerte gibt. 

Oper: Atahualpa, 4akt.; Sinfonie E-dur; Oktett; 
Quintett; V.stiicke; zahlreiche Lieder; 6 V.etuden t 

Catterall, Arthur, engl. Violinist, geb. zu 
Preston, Lanes., stud. 1894 bei Willy Hess, 
1895 bei Adolph Brodsky am R. Manchester 
Coll. of Music; 1902 in Bayreuth; 1909 Dirig. 
der Queen's Hall-Promenadekonzerte; 1912 
V.lehrer am R.Manchester Coll. of. M. ; Dirig. 
des Halle-Orch. u. bis 1925 Fuhrer eines Streich- 
quartetts (C, John S. Bridge, Frank S. Park, 
Johan C. Hock). 

Caischie, Itfaurice, franz. Literar- -u. 
M.historiker, geb. 8. Okt. 1882 zu Paris. Nach 
wissenschaftlichen (phys. u. chem.) Studien 
trat er in den Staatsdienst u. ist Haupt- 
redakteur einer technischen Monatsschrift. 
190 J — 14 nahm er an der kiinstlerischen 
Leitung des Cercle musical von Annecy teil 
u. verhalf uberhaupt alter Musik (besonders 
Lully) zu Neuauffuhrungen (Concerts Pas- 
deloup); seit 1917 widmete er sich der Lite- 
ratur- u. M.geschichte. 

Documents pour servir a I'histoire litteraire du XVII e 
sieclc (1924, Champion); kritische Ausgabe der Epistres 
en vers von Bois-Robert, u. a. Artikel iiber Ockeghem, 
das Odhecaton, Attaingnant, Janequin, die Familie 
Boesset, Couperin im Bulletin de la Soc. jr. de musicO' 
logie u. der Revue de musicologie. 

Neuaugaben von 2 5 st. Chansons des Janequin 
(Rouart Lerolle, 1924); Quinze Chansons jraneaises 
du XVI e siecle a 4 & 5 voiz (1925). Er bereitet eine 
M.geschichte der Renaissance u. eine Gesamt- Ausgabe 
von Janequin vor. 

Caudeila, Eduard, ruman. Komp., geb. 
3. Juni 1841 zu Jassy, wo sein Vater, der 
Violoncellist Franz C. (gest. 1868) Direktor 
des Kons. war, 1853 V. schuler von Hubert 
Ries in Berlin, 1855 von Alard u. Massart in 
Paris, 1860 noch von Vieuxtemps in Drei- 
eichenhain bei Frankfurt, 1861 V.lehrer am 
Kons. zu Jassy u. 1894 bis 1901 Direktor der 
Anstalt. 

Opern: Petru Raresch, Text von Theob. Rehbaura; 
Orch.phantasien; V.sachen; Kl.stucke op. 18. 25 — 29; 
Lieder usw. 

Gelansky, Ludvik Vitezslav, tschech. 
Komp. u. Dirig. geb. 17. Juli 1870 in Wien, 
war zuerst Lehrer, bezog 1892 das Prager Kons. 
(Stecker) u. stud, an einigen Gesangsschulen. 
Er war Dirig. an verschiedenen Theatern (Pilsen, 
Agram, Lemberg, Prag) u. bei verschied. Orch. 
(Prag, Lemberg, Warschau, Kiew), deren er 
manche selbst zusammenstellte , ohne sie jedoch 
lange weiterzufiihren. 1907—08 war er Opern- 
leiter des Stadttheaters Weinberge in Prag, 
hierauf eine Zeitlang in Paris (Chatelet); 1918 
bis 1919 wieder bei der tschech. Philharmonie 
in Prag, wo er jetzt lebt. Er ist einer der besten 
tschech. Dirig. u. zeichnet sich durch besondere 
Verve u. Intensitat des Vortrags aus. 

Oper Kamila (1907); Melodramen mit Orch. Vie 
Erde; Die Ballade vom Tode Jan Neruda's; Die Glocken; 
Sinf. Trilogie Adam, Noe, Moses; Die Euldigung an 
die Sonne {Hold slunci)i 



104 



Celesta — Chabrier. 



Vgl. die ihru gewidmete Festschrift Kpadesattfm 
narozenindm C. V. Celanskeko, Prag 1920. 

Celesta, Musikinstrument, im modernen 
Orchester mit Vorliebe verwendet bei Widor, 
Charpentier, Tschaikowsky, Leoncavallo, Puc- 
cini, G. Mahler, Rich. StrauB u. v. a.; ein Stahl- 
stabklavier, seit 1886 gebaut von Aug. Mustel 
in Paris, Umfang der Notierung C— c . (Klang 
eine Oktave hdher). 

Celli, Edoardo, ital. Pianist, geb. 2. Feb. 
1888 in Rom; Schuler von Giov. Sgambati am 
Liceo di S. Cecilia bis 1904, dannin den Schulen | 
von Sauer u. Leschetizky in Wien; konzertierte I 
in Rom (Augusteo), Paris t Boston u. New York, 
wo er zwei Jahre lebte. 

Celiier, Alexandre, franz. Komp. u. Orga- 
nist, geb. 1883 zu Molieres sur Ceze (Gard), 
Schuler von Diemer, Leroux, Guilmant u, 
Widor; seit 1910 Organist u. Chorleiter 
an der reformierten Kirche de TEtoile in 
Paris. 

2 Sinf. Siiiten i. Orgel; 2 Streichquartette; KLquin- 
tett; Impromptus f. Kl.; Sonate f. Vc. u. KL; Sonate 
f. Va, u. KL; Paysages cevenols f. 2 Kl. Buch: 
L'Orgue moderne, Paris 1913, Delagrave. 

Celiier, Laurent, franz. Komp., geb. 1887 
zu Metague, gest. Ende Mai 1925 in Paris; 
Schuler von Roger-Ducasse, Gedalge, Vierne; 
Sammler von etwa 1200 bretonischen Gesangen 
im Morbihan. 

4hdge. Kl.stiicke; Prelude . KL; Barcarolle f. KL; 
Monograplrie liber seinen Lehrer Koger-Bucasse (1 920, 
Durand). 

GentdEa,Brnesto, ital. Violinist, geb. 2. Marz 
1862 zu Salerno, Schuler des Kons. zu Neapel, 
1884 Leiter der V.schule in Corfu, nach weiteren 
Studien (1887 in Berlin) auf Reisen als Violinist 
u. 1889 Lehrer am Lie. mus. zu Turin, 1893 
bis 1897 im Orch. des S. Carlo Theaters in 
Neapel, dann Leiter einer M.schule in Kon- 
stantinopel. Jetzt lebt er wieder in Neapel. 

Stiicke f. KL u. V.; V.^tudien. 

Cesar i, Gaetano, ital. Miorscher, geb. 
24. Juni 1870 in Cremona, Schuler des Kons. 
in Mailand, dann KontrabaBspieler in ver- 
schiedenen ital. Opernorch. 1895 wurde er 
Schuler von Arnold Krug in Hamburg, dann 
in Miinchen von Mottl an der Akad. der Ton- 
kunst u. von Sandberger u. Kroyer an der 
Univ. , wo er promo vierte. Nach Italien zuriick- 
gekehrt war er erst Lehrer f. M.gesch. am 1st. 
sup. Alessandro Manzoni in Mailand; wurde 
dann Bibliothekar am Liceo G. Verdi, ist 
Kritiker am Corriere delta Sera, u. seit 1915 
Mitglied der standigen Kommission fur Musik 
im Unterrichtsministeriunx Er ist der fiihrende 
italienische Miorscher deutscher Schulung. 

Die Entstekung des Madrigals im 16. Jahrh. (deutsch, 
Cremona 1908, ital. It. m. it. 1912); Giorgio Giulini 
musicista (Mail. 1916 K. m. it. 1917); Musica e musi- 
cisti alia Corte Sforcesca (id. 1922, reich ill. auch in: 
La corte di Lodovico il Moro von Er. Malaguzzi Valeri 
1923, Ulr. Hoepli); L'Orfeo di Claiodio Monteverdi 
(R. m. it. 1910); Sei Sonate notturne diG. B. Sammartini 
(id. 1917). C. bereitet eine Gesamtausgabe der Werke 
Monteverdi's vor. 



Cesi, B en j amino, ital. Pianist, geb. 6. Nov. 
1845 zu Neapel, gest. das. 19. Jan. 1907; aus- 
gezeichneter Konzertspieler u. Lehrer fast 
aller lebenden Pianisten der napolit. Schule. 
Er war erst Schuler seines Vaters, dann von 
Albanesi, endlich privatim von Thalberg, wurde 
mit 20 Jahren Lehrer am Cons, di San Pietro 
a Majella; war 1885—91, von Ant. Rubinstein 
berufen, Lehrer am Kons. in Petersburg, bis 
ihn Lahmung der linken Hand zur Ruckkehr 
zwang. 1894 begann er trotzdem wieder seine 
Lehrtatigkeit am Kons. von Palermo, u. , wenige 
Jahre spater, in Neapel, wo er bis zu seinem 
Tod eine Kammermusikklasse leitete. 

Metodo per pianoforte, 3 Teile (Riccrdi); Neuaus- 
gaben. VgL Al. Longo, B. C. in: J/arte pianistica, 
1. Jan. 1914). 

Cesi, Cecilia, ital. Pianistin, geb. Dez. 1903 
in Palermo, Tochter u. Schulerin von Napoleone 
C. (s. d.); deb. mit sechs Jahren u. gab mit 
acht ein eigenes Konzert in der Sala Maddaloni 
zu Neapel; in Italien geschatzte Spielerin. 

CeSB, Napoleone, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 6. Aug. 1867 zu Neapel, altester Sohn 
von Beniamino C. , dessen Schuler er war, 
stud, auch bei Martucci, Lauio Rossi u. Serrao; 
gediegener Pianist u. Lehrer. 

Opern; darunter: Cecilia 1904; sinf. Dichtungen 
Alia primavera; La Leggenda d'Ulisse; Konzertstiick 
f. KL il. Orch.; ein fur seine Tochter Cecilia geschrie- 
benes Kl.konzert; eine Menge Kl.stiicke (Ricordi; 
Izzo. Neapel; Calace, Neapel; Carisch; Schmidl u. it.). 

Cesi, Sigismondo, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 24. Mai 1869 in Neapel, zweiter Sohn von 
Beniamino C. , dessen Traditionen er wie Napo- 
leone C. wahrte; griindete 1898 zusammen mit 
Ernesto Marciano das Liceo mus. di Napoli, ein 
Privatinstitut. 

Biicher: A.ppunti di storia e letteratura del piano- 
forte (Iticordi); Prontnario di musica (id.); eine Menge 
Studienausgaben. 

Chabrier, Alexis Emmanuel, franz. Komp. 
geb. 18. Jan. 1841 zu Ambert, gest. 13. Sept. 
1894 in Paris; erhielt wahrend seiner Studien- 
zeit in Paris Kl.unterricht von Eduard Wolf, 
Harmonielehre u. Kp. von Semet u. Hignard, 
kam auch in Beriihrung mit dem Kreis Cesar 
Franck's. 1877 machte er mit dem Erfolg seiner 
Operette L'Etoile (Bouffes-Parisiens) den ersten 
Schritt in seiner kunstlerischen Laufbahn, 
dem ein zweiter, bemerkterer, mit der Operette 
V Education manquee (1879) folgte. Eine Reise 
nach Miinchen, in Gesellschaft von Duparc, 
brachte ihm die Bekanntschaft mit der Musik 
Wagners, die entscheidenden Eindruck auf 
ihn machte. Bald darauf hatte er das Gliick, 
bei Charles Lamoreux eine Steile als Hilfs- 
chorleiter zu finden u. sich ganz der Musik 
widmen zu konnen. Der Reihe nach kamen 
dann unter Lamoreux zur Auffuhrung: seine 
Orch.-Rhapsodie Espaiia (1883); La Sulamitc I. 
Mezzos, u. FrCh. (1885), u. Bruchstiicke aus 
seinem Hauptwerk, der Oper Gwendoline; andre 
Werke, wie seine 10 Pieces pittoresques f. Kl. 



Chadwick — Chamberlain. 



105 



(1881) u. Valses romant iques f . zwei Kl. (1883) 
wurden inzwischen veroffentlicht. 

Gwendoline erlebte 1886 in Briissel nur wenige 
Auffuhrungen infolge des Bankerotts des 
Unternehmens ; ein Jahr spater wurde seine 
kom. Oper Le Roi malgre lui an der Op. com. 
in Paris genau eine Woche vor der Zerstorung 
des Theaters durch Feuer aufgefiihrt. Beide 
Werke gelangten nach Deutschland (Le Roi 
malgre lui 1889 nach Dresden): in Paris wurde 
Gwendoline erst Ende 1893 gegeben, als Ch.s 
Gesundheit bereits wankte. 

Seine spateren Werke waren eine Bourree 
fantasque f . Kl. , einige Lieder, u. eine Chorode 
A la Musique. Die Vollendung einer Oper 
Briseis (Konzertauff. des 1. Akts in den Con- 
certs Lamoureux, 1897; in der Oper 1899 , ge- 
druckt bei Enoch) verhinderte der Tod. Ch. 
starb, bevor er, der mit einer ursprunglichen 
Phantasie begabt war, sein eigenes MaB er- 
reichte; in malerischen u. humoristischen Wir- 
kungen bleibt er unubertroffen. Er ist eine 
der bezeichnendsten Musikerpersbnlichkeiten 
seiner Zeit u. hat betrachtlichen EinfluB auf 
die zeitgenbss. franz Musik geiibt. 

Vgl. J. Desaymard, E. Ch. (Clermont F errand, 
1908); It. Martineau, E. Ch. (Paris 1910); G. Ser- 
vieres, E. Ch. (Alcan 1911); A. Sandberger, E, 
Ch.s Gwendoline (1892); 0. S6re\ Musiciens francais 
d'aujourd'hui (1911). 

Chadwick, George Whitefield, amerik. 
Komp., geb. 13. Nov. 1854 in Lowell (Massachu- 
setts), spielte schon mit 15 Jahren die Orgel 
in einer Kirche zu Lawrence, Mass., trat in 
seines Vaters Versicherungsgeschaft, war aber 
daneben Schuler von Eugen Thayer, Dudley 
Buck u. George E. Whiting am New England 
Cons. Boston. Nachdem er ein Jahr, 1876, am 
Olivet Coll,, Michigan, als Lehrer gewirkt, 
besuchte er das Leipziger Kons. (Richter, 
Reinecke, Jadassohn) u. kurze Zeit (1879) das 
Miinchener (Rheinberger); brachte beim Ab- 
gange vom Leipziger Kons. seine Ouverture 
Rip van Winkle zur Auifuhrung, die bei seiner 
Riickkehr nach Amerika auch von der Handel- 
u. Haydn- Society zu Boston unter seiner 
Leitung gespielt wurde. C. blieb nun (1880) in 
Boston als Organist der Johanniskirche, u. 
Kompos.lehrer am New England-Cons., dessen 
Direktor er 1897 wurde (Hor, Parker, A. Whiting, 
W. Goodrich, F. Sh. Converse gehoren zu 
seinen Schulern). In demselben Jahre ernannte 
ihn die Yale-Univ. zum Mag. art. u. 1905 das 
Tufts-College zum Dr. der Rechte. C. ist 
Mitglied der Bos toner Akademie der Kunste 
u. Wissenschaften. Auch leitete er die M.feste 
von Springfield u. Worcester (Mass.). Be- 
deutungsvoll ist seine Organisation des Cons.- 
Orch., das 1902 offentliche Konzerte zu geben 
begann; 1919 legte er den Taktstock nieder. 
1901 machte er eine Studienreise nach England, 
1905 nach dem Kontinent. 



Ch. ist ein Typus des echten amerikanischen 
Komponisten, der, wie MacDowell, obwohl in 
Europa gebildet, durch Ursprunglichkeit u. 
technische Meisterschaft eine eigene Schule 
begrundete. Obwohl den Prinzipien der nach- 
klassischen u. romantischen Schule folgend, hat 
er sich in seinen spateren Werken der neuen 
Bewegung nicht ganz versperrt. Unbefangen 
u. beweglich im Geschmack, sind seine Haupt- 
vorzuge fliefiende melodische Erfindung u. fein- 
sinnige Beherrschung der klassischen Formen. 

3 Sinfonien C-moll 1881, B-dur 1885, F-dur 1894 
(Schmidt 1896); 7 Ouverturen: Rip van Winkle (ms.), 
Thalia 1882, The miller's daughter 1884, Melpomene 
1886 (Schmidt 1891); Pastorales Praludium 1861 
(ms,), elegische Ouverture Adonais 1900, Euterpe 
1904 (Schmidt 1916); Serenade F-dur 1890; Orch .suite 
A-dur 1896; Sinfonietta 1904; sinf. Dichtung Cleo- 
patra 1904; 4 Sinf. Skizzen 1907 (Schmidt 1907); 
Variationen f. Orgel u. Orch. 1908; Noel (Weihnachts- 
pastorale 1909); Ballade Aghadoe (1911); Sinf. Fantasie 
Aphrodite (1912); Suite symphonique (1913); Musik 
zu Every woman (a morality play); Tarn O'Sfianter, 
sinf. B a 1 lade (Boston music Co, 1917); 5 Streich- 
quartette G-moll 1878, C-dur 1879, D-dur 1885; E-moll 
1896, D-moll 1898; Kl.quintett Es-dur 1887; Chor- 
werke mit Soli u. Orch.: The viking's last voyage 1880; 
Tlie pilgrims 1883; Lovely Rosabelle 1889; Phoenix 
exspirans 1891; The lilynymph 1895; Dedication-Ode 
1883; Columbian Ode 1892; Ecce jam nactis f. die Yale 
Univ. 1897; Musikdrama Judith (Worcester, Mass., 
1900); kom. Oper Tabasco (Boston 1893); trag. Oper 
Tlie Padrone; Operette The quiet lodging (Boston 1892 
privatim), dazu eine Beihe Lieder (Ballade Lochinvar 
f. Bariton u. Orch.); Mannerchore; Frauenchore; Kl.- 
sachen; Orgelstucke; auch Kirchenmusik. Manual of 
Harmony (Boston 1897, B. F. Wood). 

ChaiHey, Marcel, franz. Violinist, geb. 1881 
zu Paris; Schuler von Berthelier am Cons., 
das er 1902 mit einem Preis verlieB. Seit 1905 
hat er sich ausschliefllich dem Kammermusik- 
spiel gewidmet; sein Quartett, in der Zu- 
sammensetzung mehrmals wechselnd, besteht 
jetzt aus Ch., Guilevitch, Pascal u. Diran 
Alexian; es ist, mehr als in Frankreich, in 
Holland u. Brasilien bekannt. Ch. ist mit der 
Pianistin Celiny Richez verheiratet, einer der 
Lieblingsschulerinnen von Raoul Pugno am 
Cons. 

Chaix, Charles, franz. Komp., geb. 26. Marz. 
1885 in Paris, ein Jahr lang, 1903, Schuler der 
Ecole Niedermeyer zu Paris, trat dann ins 
Genfer Kons. (Orgel), an dem er seit 1909 
Theorielehrer ist. Seine Kompos., dichterisch 
empfunden u. bewundernswert klar in der 
Gestaltung , zeigen den Einf lufi der Cesar- 
Franck- Schule. 

Scherzo f. Orch. op 2 (Schweiz. Nat.-Ausg.); Sin- 
fonie D-dur op. 3 (Genf, A. Henn); 6 figurierte Chorale 
i. Orgel op. 1 (Leuckart); 2 Motetten a cappella op. 4 
(Paris, Huguenin); Pobme junebre f. Soloquartett, 
Ch. u. Orch. op. 5 (geschrieben in Mazedonien wiihrend 
des Kriegs, Bern 1925). 

Chamberlain, Houston Stewart, Schrift- 
steller, geb. 9. Sept. 1855 zu Portsmouth, Sohn 
des Admirals Ch. , wurde zu Versailles erzogen, 
besuchte aber dann das Cheltenham College 
zu London. Der militarischen Laufbahn ent- 
sagte er wegen dauernder Kranklichkeit. 1870 
verlieB er England u. wurde zuerst durch Pro\ 



106 



Chaminade — Chapi. 



Otto Kuntze in Stettin mit deutschem Wesen 
vertraut gemacht, verheiratete sich 1878 (1908 
geschieden u. vermahlt mit R. Wagner's Tochter 
Eva), stud. 1879—81 in Gent Naturwissen- ; 
sehaften (bei Ad. Ruthardt Musik) u. erlangte [ 
1881 das Baccalaureat (Dissert. : Recherches ! 
sur la seve ascendante 1897). 1885 siedelte er ! 
nach Dresden, 1889 nach Wien uber u. lebt ', 
seit 1908 in Bayreuth. Seit seinen Notes sur \ 
Lohengrin (1885 in der Revue Wagnerienne) \ 
erregte er schnell Aufsehen als Wagner- Sohrift- i 
s teller (1888 in der Allg. M.ztg. uber Die Syr ache \ 
im Tristan u. seither viele Aufsatze in Zeitungen j 
u. Zeitschriften). Seine Ansicht von der Kultur- ! 
mission der germanischen Volker fand ihren ' 
Ausdruek in seinem ersten Hauptwerk Die ; 
Grundlagen des 19. Jahrh. (2 Teile, Miinchen 
1899—1901, 13. Aufl. 1919). Weitere Wagner- 
Schriften sind: Das Drama Richard Wagners 
(1892, 5. Aufl. 1914, umgearbeitet franz. 1894); j 
Richard Wagners echie Briefe an Ferd. Prdger \ 
(mit Vorwort von H. von Wolzogen 1894, 

2. Aufl. 1908); Richard Wagner (groBe Ausgabe 
in 4 > 1896, kl. Ausg. 6. Aufl. 1907, illustr. Ausg, 
1911, engl. 1897, franz. 1899); 
20 Jahre der Bayreuther Festspiele (1898); j 
Parsifahnarchen (1900, 3. Aufl. 1916) u. die die \ 
Musik nicht angehenden Werke Worte Christi 
(1901, 6. Aufl. 1915); 3 BiihnendicMungen ; 
(1915); Heinrich von Stein (1905 mit F. Poske), ! 
/. Kant (1905, 3. AuEl. 1916), Goethe (1912, 
1916) u. Indoarische Weltanschauung (1901, 

3. Aufl. 1916); Lebenswege meines Denkens 
(1919), u. eine Reihe politischer Aufsatze (samt- 
lich bei Bruekmann, Miinchen). Vgl. L. 
v. Schroeder, H.St.Ch. (Miinchen 1918). 

Chaminade, Cecile, franz. Komponistin, 
geb. 8 Aug. 1857 zu Paris, Schulerin von 
Le Couppey, Marsick, Delsart und A. Savard, 
bekannt hauptsachlich durch eine groioe Reihe 
— uber 200 — von Salonstucken f. Kl. Doch 
hat sie auch Werke groBeren Formats ge- 
schrieben : 

Baliet CallirhoS; drama t. Sinfonie f. Orch., Soli u. 
Chor Les Amazones, Werke f. FrCli. u. Orch.; Konzert- 
stiick f. K\. u. Orch.; zwei Kl.trios u. a. 

Gh^ntavome, Jean, franz. M.forseher, geb. 
17. Mai 1877 in Par.s; stud. Philosophic u 



Pochharamer), 1911; Liszt, (Alcan 1012. 4. Aufl.); 
Musiciens et Poeles (Alcan 1912); De Couperin a Debussy 
Alcan 1921); Munich (3. Aufl. Laurens); Ausgabe der 
12 Orch.menuette Beethoven's von 1799 (Heughel); 
Uber set zunge.n von Cosl fan tutte, Parsifal (Rlcordi), 
Rosenkavalier, Tristan u. Isolde (zus. mit M. Lena). 
Ghapl, Ruperto, span. Komp. , geb. 23. Marz 
1851 zu Villena, gest. 25. Marz 1909 zu Madrid. 
Sohn eines Bar biers, begann er seine Laufbahn 
als Pikkolo- Spieler in Villena, wurde dann ein 
vortrefflicher Kornett-B laser, u. kam 1867 
nach Madrid, wo er ins R. Cons, de Miisica 
eintrat. 1872 wurde er Militarism., gewann 
1873 den Rompreis der Acad, de Bellas Artes; 
1878 ein besonderes Stipendium zum Studium 
in Pari;, auf das er 1879 verzichtete um heim- 
zukehren. 1881 leitete er die Soc. Artistico 
Musical; 1882 tat er den ents:she:denden Schritt 
zum Ruhm mit seiner Zarzuela La Tempestad, 
deren Stoff dem Polnischen Juden von Erck- 
mann-Chatrian entnommen ist. Bis 1895 focht 
er, u. a. durch eine eigene Veriagsgriindung, 
| siegreich einen Kampf gegen die Theater- 
| unternehmer, die die span. Opernrechte mono- 
i polisiert hatten, aus: seinen Erfolg bezeichnen 

n . Al "5- i ai e Zarzuelas Muier y reina. 1895, u. El Tambor 
Vie ersten i , ~ , J 

1 de Granaaeros. 

Fast gleichzeitig mit seiner Veriagsgriindung 
griindete er die Sociedad de Compositores y 
Editores Propietarios de Obras Musicales, 
die 1893 als Soc. de Autores, Composi- 
tores y Editores de Miisica auch die dramat. 
Autoren bei sich aufnanm. Unter Mithilfe 
das Schriftstellers Sinesio Delgado wurde 
1899 das Ziel des Verein3, alle Arten der Au- 
torenrechte zu schiitzen, erreicht durch Er- 
richtung der Soc. des Autores E;panoles, die 
1901 samtliche span. Schrifts teller u, Komp, 
vereinigte. 1899 wurde Ch. zum MitgHed der 
Ac. de Bellas Artes gewahlt, lelmte die Ehrung 
aber ab. 

Seine Schatzung als Musiker ist sehr be- 
sfcritten. Wahrend inanche ihm in der span. 
M.gesch. den Platz von Albeniz einraumen, 
u. ihn den Griinder der span. Oper nennen, der 
mit seinen etwas ernsteren Opern Carro Vargas, 
Circe u. Margarita la Tornera den Faden der 
deutschen Oper aufgenommen habe, nennen 
■hn andre einen lasherlichen Vielschreiber. In 



1898 sowle 1901—02 in Berlin bei Friediaender . derTathac ermiteiner Schubertschen Leichtig- 
M.gesch., war 1903 — 1920 M.referent der Revue \ keit produziert, aber nirgends ist seine nationale 
Hebdomadaire, 1911—1921 auflerdem des Ex- [ u - psrsonliche Note zu verkennen. Von seinen 



celsior u. a, Zeitschrnten, vor aliem des Mene- 
strel. 1921—23 lebte er als Mitglied der Inter- 
alliierten Kommission fur die Rheinprovinz in 
Wiesbaden; seit 1923 ist er Genaralsekretar 
des Pariser Cons. Er leitet die Sammlung 
Les Maitres de la musique (Paris, A 1 can) 
u ; war 1911—13 Mitredakteur des Jahrbuchs 
Vannee musicale; er isb einer der be:onnenscen 
u. geistvoilsten franz. M.schriftsteller. 

Correspondance de Beethoven (1901, Caiman Levy, 
4. Aufl.); Beethoven, 1915 (Alcan, 11. Aufl.); Nibe- 
lungen Rinj (Obersetzung der Erlauteruagen von 



j 168 Biihnenwerken seien genannt: 

! Opera lalct. : Las naves de CorUs; La hija de Jefti:. 

1 La muerte de Garcilaso; La serenata: liakt. : Roger de 

Ftor; La Bruja; Circe; Margarita la Torn ra. Zarzuelas 

in 1 Akt: Musica cldsica; La; doce y media y sereno; 

; Los alojados; Las tentaciones de S.di Antonio; Xa leyenda 

i del Monje; Las canvpanadas; La czarina; El tambor 

'■, do granaderos; L,a giianilla; La revoltosa; Pepe GaUardo; 

! La chavaia; El punao de rosas; La venta de Don Quijote; 

' El amor en solfa; La patria chica; 2 akt. : Los lobos ma- 

'■ rinos; Las hijas del Zebedeo; 3 akt.: Dos huerfanas: 

j La tempastad; El milagro de la Virgen; El rey que rabid; 

Mujer y reina; Curro Vargas; La cortijera. Orch.: 

Muurische Phantasie La Corte de Granada; Sinf. D-moll; 

sinf. Legende Los Gnomos de la Alhambra; sinf. Dichtung 



Chaplin — Chausson. 



107 



Escenas de capa y espada; Scherzo auf eine Episode 
des Don Quixote; Polaca; Fantasie: Recuerdo a 
Gazia7nbi.de; Marcha de rezepcidn; Jota f. V. u. Orch. 

Kammermusik: 4 Streichquartette G-dur, F-dur, 
D-moll, D-dur; Allegro u. Scherzo f. Kl.trio; Pvomanze 
f. V. u. Kl. 

KI.: Zarabanda; Danza Morisca; Marchz dz los 
trovadores; Hoja de Album. 

Lieder: Seis melodias; Oratorio, Los Angeles; 7st. 
Motette; Veni Creator f. Doppelch. u. Orch.; Ave Maris 
Stella f. Ch. u, Orch. Fur Militarmusik: Marcha heroica; 
Himno militar. (Union Mus. Esp.; Faustino Fuentes, 
Madrid.) 

Chaplin, Kate, engl. Spielerin der Va . 
d-amore u. Violinistin, geb. 3. Juli 1865 zu 
London; stud, bei Adolph Pollitzer an der 
Lond. Acad, of Music, spater beiEugenYsayein 
Brussel. Ihr Instrument stammt von G. Saint- 
George. 

Chaplin, Mabel, engl. Gambistin u. V> 
cellistin, geb. 19. Okt. 1870 in London; stud, 
bei Pezze an der Lond. Acad, of Music, dann 
drei Jahre lang bei E. Jacobs am Briisseler 
Cons. Die Viola da gamba erlernte sie selb- 
standig; ihr Instrument stammt von Barak 
Norman 1718. 

Chaplin, Nellie, engl. Harpsichord-Spielerin, 
geb. 11. Febr. 1857 zu London, stud, an der 
Lond. Acad, of Music bei Dr. Wylde; ferner 
nach dem System Deppe bei Frl. Timtn u. 
nach System Virgil bei A. P. Virgil. Sie war 
die Vorkampferin bei der Wiederbeiebung der 
alten Tanzsuite, vor allem der engl. Volkstanze 
nach Playford's Dancing-Master. 

Playford's Dances, with Steps (Curwen); Court 
Dances (id.); Music and Steps of the Dances of Vie Suite 
(id.) u. a. 

GhappeEl & Co., Londoner Verlag, gegriindet 
1812 durch Samuel C, Jean Baptist Cramer 
u. F. T. Latour; Cramer trat 1819 aus, Latour 
1826; nach dem Tode Samuel Chappell's (1834) 
wurde sein Sohn William (geb. 20. Nov. 1809, 
gest. 20. Aug. 1888 zu London) Chef. Dieser 
rief die Musical Antiquarian Society ins Leben 
(1840), fur welche erDowland's Gesange u. 
eine Sa-mmlung alterer engl. Airs redigierte, 
die sich 1855 bis 1859 zu der Popular music 
of the olden time erweiterfce (2 Bde. , Harmoni- 
sierung von G. A. Macfarren; neue Ausgabe 
mit teilweiser Neuharmonisierung u. Auf- 
nahme vieler schottischer Lieder von E. H. 
Wooldridge 1892). Von einer History of music 
srschien der 1. Band (Altertum) 1874. Ein 
jungerer Bruder, Thomas C. (geb. 1819, gest. 
im Juli 1902 in London) griindete die popu- 
laren Montags- u. Samstagskonzerte, die unter 
Direktion des j iingsten Bruders Samuel 
Arthur C. (geb. 1834, gest. 21. Dez. 1904 
zu London) im Londoner M . le ben immer 
starker hervortraten. 

Chapuh, Auguste, franz. Komp. u. Or- 
ganist, geb. 20. April 1863 zu Dampierre-sur- 
Salon (Haute Saone); Schuler von Dubois, 
Hassenet u. Cesar Franck, 1832—87 Organist 
-anNotre-Dame-des-Champ3, hierauf an Saint- 
-Roch in Paris, seit 1894 Lehrer fiirHarmonie 



am Cons.; mehrmals Laureat des Cons. u. 
des Inst. 

Enguerrande, bom. Oper. Paris 1882; Les Demoi' 
settes de St.-Cyr, Monte Carlo 1921; Yannel, 3akt. 
lyr. Drama. 

Orch.: Sinfonie; Fantasie; u. a. Stiicke; Sonate 
f. Vc. u. KL; Sonate f. V. u. Ki. (Durand); Streich- 
quartett; Kl.trio; Kl.werke (Esquisses flamands); 
Lieder; Chore; Messen; ein Oratorium Die sieben Worte; 
20 Bde. Solfeggien. 

Charpentier, Gustave, franz. Komp., geb. 
25. Juui 1860 zu Dieuze (Lothringen), Schuler 
der Sukkursale zu Lille u. mit Unterstiitzung 
der Stadt Tourcoing, die ihm ein Jahres- 
stipendium von 1200 fr. bewilligte, seit 1881 
des Pariser Cons. (Massart, Pessart, Massenet), 
Romerpreis von 1887 (Kantate Didon, aufgef. 
1889 zu Brussel). 1900 griindete Ch. ein Volks- 
kons. (Cons. pop. de Mimi Pinson), dessen 
Direktor er ist. Die Kunst Ch.s richtet sich un- 
mittelbar ans Volk; ihre Gnmdlage ist ein 
naturaUstischer Asthetizismus; er sucht die 
sozialeu Fragen auf mus. Gebiet zur Sprache 
zu bringen. Auch Spuren eines emphatischen 
RomantizisnuB sind bei ihm zu entdecken, 
ebenso wie eines oft wortreichen, aber stets 
i feurigen u. uberzeugten Lyrismus. 
I Orch.suite Impressions d'ltalie, 1890; La vie des 
I poetes f. Soli. Chore u. Orch. (Sinfonie-Drama in 4 
• Abteil., eigene Dieht., 1892); Les fleurs du mal, Ge- 
sange mit Kl. (Orch.) nach Dichtungen Baudelaire*s, 
zum Teil mit Chor; Impressions fausses (1895, nach 
; Verlaine, f. Chor u. Orch.); die auch in Deutschland 
j bekannt gewordene Volksoper (Roman musical) Louise 
! (Paris 1900, 500. Auff. im Jan. 1921); das 5akt. lyr. 
Drama Julien (Paris, 2. Jirni 1913, Opera comique). 
Ein weiteres Volksstiick ia 3 Abteil. (L'Amour aux 
faubourgs; Comddiants; Tragediants) hat C. geplant. 
Vgl. Octave Sere, Musiciens d'aujourd'hui (1911); 
Alfred Bruneau, La Musique francaise, 1901; Andre - 
Himonet, Louise de Ch., 1922; D. C. Parker, G. CA., 
Mus. Opinion, Okt. 1915 u. Mus. Standard, 23. Sept. 
1916. 

CSiaumont, Emile, belg. Violinist, geb. 
29. Marz 1878 in Liittich; trat zuerst ins Lut- 
ticher Cons. u. erhielt 1896 eine Auszeichnung, 
war dann noch zwei Jahre in Berlin als Schuler 
von Halir u. Bruch; war eine Zeitlang Konzert- 
meister der L amour eux-Konzerte in Paris u 
ubersiedelte endlich als Virtuos u. Lehrer nach 
Brussel. 1909 war er Lehrer am Lutticher, 
1919 am Briisseler Cons. 

36 Etuden von steigender Schwierigkeit; einige 
Lieder mit KL 

Chausson, Ernest, franz. Komp., geb. 
21. Jan. 1855 zu Paris, gest. 16. Juni 1899 
auf seiner Besitzung Limay bei Mantes durch 
einen Unglucksfall, kam ziemhch spat zur 
Musik, nachdem er seine juristischen Studien 
absolvierfc, Schiller Massenet's am Cons. u. 
spater Cesar Franck's, war langere Zeit Sekretar 
der Societe nationale de musique. In der 
Gruppe von Ces. Franck's Schiilem besaB er 
die f einste Sensibilitat ; seine Sinf onik , be- 
merkenswert durch echte Empfindung, verrat 
Spuren des Einflusses von Franck u. Wagner. 
Sinfonie B-dur 1890; sini. Dichtung Viviane 1832; 
Veda-Hymnus (mit Chor); Poeme d'amour et de la 
mer (Ges. mit Orch.) op. 3 (ms.); Kl.konzert op. 21; 



108 



Chavanne — Chilesotti. 



V.konzert Es-dur (Boeme) op. 25, 1896; Streichquartett 
C-moll op. 35 (nicht beendet); Kl.quaitett op. 30; 
KLtrio; Musik zu Shakespeare's Sturm u. M. Bouchor's 
Cdcilienlegende; Lyr. Szene Jeanne D' 'Arc; Opern: 
Helene 2akt.; Le roi Arthus, Karlsruhe 1900 (unter 
Mottl), Briissel 1903, Text vom Komp.; eine Anzahl 
Lieder; (die bekanntesten: Le Colibri; La Caravane); 
Khstiicke; auch einige Motetten (Chant nuptial; Chant 
junebre) . 

Vgl. Octave Sere, Musiciens d'aujourd'hui (1911). 

Chavanne, Irene von, osterr. Altistin, geb. 
18. April 1868 in Graz, Schulerin del* Wiener 
Akademie (Resz), nach kaum dreijahrigem 
Studium an die Dresdener Hofoper engagiert, 
der sie seitdem ununterbrochen angehorte; 
1894 Kammersangerin. Hauptroilen : Dalila, 
Orpheus, Fides, Azucena, Ortrud, Klytam- 
nestra, Waltraute. 

ClielsilSj Oskar, von, deutscher Komp. , geb. 
28. Juli 1859 zu Mannheim (ein Enkel des 
beriihmten Heidelberger Chirurgen Max Joseph 
v. Ch.), gest. 12. Juni 1923 zu Miinchen; in der 
Musik Schuler von Emil Steinbach in Mann- 
heim, Symots in Heidelberg, ReiI3 in Cassel 
u. Jadassohn in Leipzig, trat dann in die 
Armee, war 1906—11 Kommandeur der Leib- 
husaren zu Potsdam , 1911 G eneralmaj or, 
Fliigeladjutant des Kaisers, 1914 Militar- 
attache der deutschen Botschaft in Petersburg. 

Lieder; Kl.sachen; V.sonate; sinf. Dichtung Vnd 
Pippa tanzt (nach Gerh. Hauptmann); Opern: Easchisch 
(Dresden 1897, lakt.); Die vernarrte Prinzess (Wies- 
baden 1905, Text von O. J. Bierbauin); Magda-Maria 
(Dessau 1920); Requiem (Hebbel) i. Chor u. Orch. 
u. Psalm 121 (dgl.). 

Gftenai, Mar the, franz. Opernscpran, geb. 
24. Aug. 1881 zu Saint-Maurice (Seine); stud. 
1901 am Cons, bei Martini u. Melchissedec; 
deb. 1905 an der Oper als Brunehilde in Sigurd, 
dann als Agathe, Elsa, Margarethe, Ariane. 
1908 ging sie an die Opera comique, sang in 
Aphrodite, Tosco, Le Roy d'Ys, Sanga (1909), 
On ne badine pas avec V amour (1910); kreierte 
Partien in Bacchus Triomphant (Bordeaux 
1909); La Sorciere (Op. com. 1912); L'Aube 
Rouge (Rouen 1912); Le Tambour (Op. com. 
1915); Goyescas (Opera 1919); Les Trois 
Mousquetaires (Cannes 1921); La Meg ere 
apprivoisee (Op. 1922). 

Ghessm, Alexander Borissowitsch , russ. 
Birigent, geb. 19. Okt. 1869 in Petersburg, ab- 
solvierte 1893 das juristisehe Studium, besuchte 
bis 1895 das Kons. (Solowiew) u. brachte eine 
Kantate Die Zigeuner zur Auffuhrung. Darauf 
ging er nach Leipzig, um sich unter Nikisch 
als Dirig. auszubilden. Ch. dirigierte seit 1901 
alljahrlich einige Konzerte der K.R.M.gesell- 
schaft inPetersburg u. seit 1903 diePhilh. Kon- 
zerte in Moskau, war 1908—11 Dirig. der 
Petersburger K.R.M.gesellschaft u. leitete 
dann die Sinfonie-Konzerte des Grafen Schere- 
metjew in Petersburg. 

Chester J. & W. Ltd. , engl. Verlag, gegriindet 
1860 in Brighton; eroffnete 1915 ein Haus in 
London als Mittelpunkt fur moderne Musik 
und auslandische Veroffentlichungen. Die von 



G. Jean-Aubry geleitete Zeitschriit der Fiima, 
The Chesterian, seit 1919, ist das englische 
Hauptorgan der internationalen Musikpropa- 



ChevaEley, Heinrich, deutscher M.schrift- 
steller, geb. 19. Mai 1870 zu Dusseldorf , machte 
seine ersten mus. Studien wahrend der Gym- 
nasialzeit in Konstanz bei KM. Handloser u. 
MD. Liebe; wurde 1889 Schuler des Kons. in 
Leipzig (Kl. bei Ruthardt, Kompos. bei Jadas- 
sohn, Ensemblespiel bei C. Reinecke, M.ge- 
schichte bei Kretzschmar). Seine ersten 
Arbeiten schrieb er im Sinn der damaligen 
neudeutschen Richtung am Mus. Wochenblait, 
wahlte die musikschriftstell. Tatigkeit, er- 
muntert durch Martin Krause u. Arthur Seidl, 
als Hauptberuf u. war 1895 Mitbegrunder u. 
Mitleiter der Redenden Kiinste. 1896 siedelte 
er nach Hamburg liber, 1897 Kritiker u. Red. 
am Hamb, Fremdenblait; seit 1920 Hrsg. der 
Monatsschrift Die Musikwelt. 

Opernfiihrer zu Carmen, Fra Diavolo, Teufels An- 
teil, Schwarzer Domino, Stumme von Portici (See- 
mann); Hrsg. eines Gedenkbuchs f. Arthur Nikisch 
(Berlin 1922,' Bote & Bock). 

Ghevilf&rti, Camille, franz. Komp. u. Dirig,, 
geb. 14. Okt. 1859 zu Paris, gest. das. 30. Mai 
1923. Sohn von Alexandre Ch. (Lehrer f . V.cell. 
am Cons. u. Grunder der Soc. des Derniers 
Quatuors de Beethoven, 1811—1877); KL 
schuler von G. Mathias, Chorleiter der Lamou- 
reux-Conzerte, Schwiegersohn von Lamou- 
reux, dessen Nachfolger als Dirigent er 189$ 
wurde. Im gleichen Jahr griindete er die 
Societe de Fondation Beethoven, u. 1903 das 
Trio Ch., Hayot u. Salmon. 1907 wurde er 
Lehrer einer Ensemble-Klasse am Cons., 1914 
M.chef der Opera. 

Ballade symphonique op. 6; sinf. Dichtung Xe Client 
et le Roseau, op. 7. 3890; Fanlaisie symphonique, op. 10,. 
1893; KJ.quJntett cp. 1; K^.trio op. 3; Streichquartett 
op. 16; Senate f. V. u. Kl. op. S; Stucke f. Kl. u. Va. 

Vgl. Bomain B.olland, Mvsiciens d'aujourd'hui, 
1908; engl. Kegan Paul 1915; deutech. Gg. Miiller 
1925); D. Sordet, Doiize Chefs d'orchestre. 

ChUeSGttf, Oscar, ital. M.forscher, geb. 
12. Juli 1848 zu Bassano (Veneto), gest. das. 
20. Juni 1916, Jurist, auf dem Gebiet der 
M.forschung Spezialist fur Lautenliteratur, die 
er durch Studien u. Neuausgaben reichlich 
erschlossen hat. 

Hrsg,: Capricci armonici zepra la Chitarra spa- 
gnuola del Conte Ludoxico Rom all 1692 (1881); Biblio- 
ieca di rarita musicaii: 1. lid. Tiinze frns dem 16. .Talirh., 
aus Caroso's Nobilld di dame 1602 u. Trombone's Gratis- 
d'amore 1604 (1883); 2. Bd. Balli d/aipicordo v. Gio- 
vanni Picchi, 1621 (1884); 3. Bd. AtfeUi amorosi v.. 
Giov. Stefani 1624 (1885); 4. Bd. Khaut-zug v. Bened. 
Marcello's Intreccio Arianna 1727 (H86); 5. Bd. Orazio- 
Vecchi's Arte, Canzoneite e Balli. 3 — 5 v. con liuto 1590' 
(1892): 6. Bd. Partite di Girolamo Zrescobaldi; 7. Bd. 
Airs de court del Thesaurus hm motdcus di J. B. Besard; 
8. Bd. Mmica del passaio (da intavolature antichej- 
(meist Tanzc f. Laute, 16.— 18. Jahih., f. Kl. iiber- 
tragen); 9. Bd. Madrigali, Vilanelle ed Arie di danza 
del Cinquecenlo (dalle epere di J. B. Beeaid}. Da un 
codice "Lauteribuch" del Cinquectnto (Br. & H. 1890); 
Lautenspieler des 16. Jahrh. (id., 1891); Canzonette- 
del XVI secolo ad una roce con accomp. di pianoforte,. 



Chitz — Chorvereine. 



109 



ricostruite datta intavolatura di liuto (1896); Studien: 
I nostri maestri del passato, Note biografiche . . . da 
Palestrina a Bellini (1882, auch deutsch); uber Mar- 
cello's kritischen Brief gegen Lotti (1885); Saggio svMa 
melodia popolare del Cinquecento (1889); uber G. B. 
Besard u. seinen Thesaurus harmouicu3 (1888, franz. 
mit Zusatzen von H. Welter 1901); SuUe gamme e sui 
suoni di combinazione (1898); Note circa alcuni liutisti 
italiani (1902); L'evoluzione nella musica (appunti 
sulla teoria di H. Spencer, Turin, Bocca, 1911); in der 
Rivista musicale: Di Hans Newsiedler e di una antica 
intavolatura tedesca (1898, 1901); II I. libro di liuto di 
V , Galilei; Canzonette del seicento con la Chitarra; La 
rocca e 7 fuso (1912); Di Nicola Vicentino e dei generi 
greci secondo V. Galilei; G. Gorzanis, liutisia del Cin- 
quecento (1914); in den Sammelbanden der IMG Delia 
scala arabo-persiana e indu (1902): tiber Francesco 
da Milano (1903); in der Bevue d'histoire et de critique 
musicale: Chansons francaises du XVI siecle en Italie 
(1902). Auch verfaBte er fur die von Lavignac redi- 
gierte Encyclop&iie de la musique des Pariser Cons, 
den Teil: Notes sur les tablatures de luth et de guitare, 
Chitz, Arthur, tschech. M.forscher u. Dirig., 
geb. 5. Sept. 1882 zu Prag, stud. Naturwissen- 
schaft u. Musik in Wien, Prag u. Dresden 
(Dipl.-Ing.), promovierfce zum Dr. phil. unter 
Heinrich Rietsch auf Grund der Arbeit Die 
Hofmusikkapelle Kaiser Rudolf II. , war in der 
Kompos. Schuler von V. Novak u. Fr. Spilka, 
im Kl.- u. im Geigenspiel von J. V. Holfeld, 
Marak u. Bandler; lebt gegenwartig als aus- 
iibender Musiker u. Lehrer fur Theorie u. Ge- 
schichte der Musik in Dresden; seit 1918 KM. 
am staatl. Schauspielhaus. 

Buhnenmusik zum Kaufmann von Venedig; zu 
Macbeth; Turandol; Vasaniasena; Nibelungen (Hebbel) 
u. a.; Orch.musiken zu Domroschen; Christkinds 
Schleier; Puppenschuster. 

Volksweisen aus dem Schlesischen; Lieder aus 
alter Zeit (Anton J. Benjamin). 

Studien: Beethovens Kompos. f. Mandoline (Merker); 
Vne ceuvre inconnue de Beethoven (Bevue Mus. S. J. 
M. 1912); Beethovens Prager Aufenthalt i. J. 1796 
(Deutsche Arbeit, Prag). 

Chlubna, Oswald, tschechoslow. Komp., 
geb. 22. Juli 1893 in Briinn, Schuler von Leos 
Janace„k, Lehrer am Brunner Kons. 

Orch.: Do pohddky; Dv& pohddky (Mdrchen); Risen 
mi touhy (Lied der Sehnsucht). Chor u. Orch.: TicM 
usmifeni (Trostung); Sumafovo diU (Musikanten- 
Jcind); Oper: Pomsta Catullova (Catulls Rache, Text 
von Vrehlikcy), eine weitere Oper Aladina a Palomid. 
Chojnacki, Roman, poln. Theoretiker u. 
Schriftsteller, geb. 1880 zu Warschau; Schuler 
von Noskowski am Warschauer Kons., Lehrer 
der mus. Theorie; Hrsg. der Warschauer M.zeit- 
schriften Nowa muzyka u. Przeglad mu- 
zyczny. 1918 wuTde er Impresario des War- 
schauer Philh. Orch. (s. Orche^ter). 

Chop, Max (pseudonym: M. Charles), deut- 
scher M.schriftsteller, geb. 17. Mai 1862 in 
GreuBen (Thuringen), wuchs in Sondershausen 
auf u. erhielt friih M.unterricht, stud. Jura, 
ging aber bereits 1885 auf Liszt's Rat ganz zur 
Musik iiber, und zwar zunachst als feuille- 
tonistischer Schriftsteller (1885—88 in Berlin, 
sodann in Neuruppin als Redakteur der Mar- 
kischen Zeitung, seit 1902 wieder in Berlin). 
Seine Gattin Celeste Chop-Groenevelt, geb. 
in Neuorleans als Tochter des holl. Vio- 
Jinisten Edouard Groenevelt (Schulers von 



Ferd. David), ist Pianistin, Schulerin von 
Leschetizky u. Moszkowsky. 

Zeitgenossische Tondichter (1888 — 90, 2 Bde.); 
A. Bungert (1899 u. 1916); F. Delius (1907); Analysen 
Lisztscher sinf. Dichtungen u. Wagnerscher u. Bungert- 
scher Musikdramen; Fuhrer durch die M.geschichte 
(1912); Fuhrer durch die Opcrnmusik (1912); Vade- 
mecum fiir den Eonzertsaal (1904ff.); R. Wagner im 
Spiegel der Kritik seiner Zeit (190G); Verdi (1913 in 
Beclam's Univers.-Bibl.) u. vor allem die weitverbrei- 
teten Brlauterungen zu Meisterwerken der Tonkunst 
in 30 Banden in Beclam's TJniv.-Biblioth., gab dort 
auch Nohl's M,geschichte 1919 neu heraus. Von 1911 
bis 1915 redigierte Ch. das Organ des Bungert-Bundes 
(,.Der Bund"), seit 1920 leitet er als Nachfolger A. 
Spanuth's die Berliner M.wochenschrift Die Signale. 

Ghormusik in England, Frankreich usw., s. 
Engl., Franz, usw. Chormusik. 

Ghorvereine: Australian. 1. Melbourne 
Philh. Soc, gegr. 1853, Leiter z. Z. Alberto 
Zelman. Vgl. George Peake, Historical Sou- 
venir, Melbourne 1913, Peacock Bros. 

2. Royal Victorian Liedertafel, ent- 
standen Aug. 1905 durch Verschmelzung der 
Melbourne Liedertafel u. Royal Metropolitan 
Liedertafel. Leiter z. Z. Mansley Greer. 

Canada. — Die Chorvereine sind im canad. 
M.leben der wichtigste u. ursprunglichste 
Faktor. 

1. Die Vormachtstellung des Mendels- 
sohn Choir of Toronto ist in erster Linie 
das Verdienst seines Gr under s u. Leiter s Dr. 
A. S. Vogt, der 1895 mit A cappella-Werken 
begann , bald aber durch die Mitwirkung 
amerik. Orch. die 4—5 Februarkonzerte des 
Chors zum Mittelpunkt des M.lebens in Toronto 
machte, Nachfolger Vogt's 1917; H. A. Fricker. 

2. National Chorus of Toronto, um 
1904 gegr. u. geleitet von Dr. Albert Hain; in 
letzter Zeit meist A cappella-Konzerte. 

3. Oratorio Society in Toronto, 1898 
gegr. u. geleitet von Dr. Edward Broome; 
2 — 3 Konzerte mit meist modernen Werken. 

4. Elgar Choir in Hamilton, Ontario, 1905 
von Bruce Carey ins Leben geruf en ; 1922 
Leiter W. H. Hewlett. 

5. Winnipeg Male-Voice Choir, Leiter 
Hugh Ross. 

6. Orpheus Soc. in Toronto, seit 1921, 
Leiter Dalton Baker. 

7. Toronto Male-Voice Choir, geleitet 
von E. R. Bowles. 

Danemark, — 1. Dan. Chorverein, 
Kopenhagen; Leiter Georg Hoeberg. 

2. Studenter-Sangforeningen, Kopen- 
hagen;, Leiter: Roger Henrichsen. 

Dents chland. — Eine auch nur annahernde 
Aufzahlung der deutschen Chorvereine ist 
unmoglich, ihre Zahl ist zu groB: besitzt doch 
z. B. Berlin allein iiber 80 gem. Chore, etwa 
60 MChore, 16 Fr. Chore, u. es gibt Stadte, 
die im Verhaltnis zu ihrer Einwohnerzahl noch 
chorfreudiger sind. Nur die altesten u. be- 
deutendsten Vereinigungen seien genannt; 
doch sind auch die kleineren und kleinen, 



110 



Chorvereine, 



u. gerade diese, wenn sie in kunstlerischem 
Geist geleitet werden, die starkste Stiitze der 
deutschen Musikkultur. 

Berlin. 1. Sing-Akadernie, 1790 von 
Karl Fasch als , , Verein zur Pflege des hoheren 
Chorgesangs" gegr., seit 1792 ,, Singakademie" 
Dirigenten: 1800 K, Fr. Zelter. 1833 Rungen- 



3. DreiBigsche Singakademie, K. 
Hosel. Vgl. Otto Schmid, Gesch. der Breifiig- 
schen Singakademie, 1907. 

4. Sinfoniechor: Karl Pembaur. 
Miinchen. 1. Lehrergesangverein, durch 

seine Dirigenten (Mottl, Bruno Walter) mit 
der Mus. Akademie (dem Orch. des Staats- 



hagen; 1851 E. A. Grell; 1876 Martin Blumner; : theaters) verbunden. Dir. bis 1925 Robert 
1900 Georg Schumann. ! Heger, seitdem Ed. Zerjgerle. 

Vgl. H. Lichtenstein, Zur Gesch. der Sing- j 2. Konzertgesellschaft f . Chorgesang; 
akademie in Berlin, 1843; M. Blumner, Gesch. i 188^ durch Heim\ Porges begrihidet, spater 
d. Berliner Singakad. 1891; H. Kawerau, Die j geleitet u. a, von Ludw. HeB, Rud. Siege!, 
Sdkularfeier der Singakad. in Berlin, 1891. ; u. (bis 1923) Eberh. Schwickerath , seitdem 

2. Akademischer Chor der Berliner ! von Hanns Rohr. 
Hochschulen, 1920 aus dem beruhmten, 3, Bach-Verein: Ludwig Landshoff. 
von Siegfried Ochs gegr. u. geleiteten Phil- | Frankfurt a. M. 1. Frankf. Sing- 
harm. Chor hervorgegangen. Vgl. R. Stern- j akademie: Prof. Gamke. 



feld, Chronik des philh, Chors in Berlin zu 
seinem 25 jahr. Bestehen (1907), u. S. Ochs. 
Geschehenes , Gesekenes (1922). 

3. Verein fur klass. Kirehenmusik, 
Leiter Prof. Dr. Carl Thiel. 

4. Bruno Kittelscher Chor, gegr. 1904 
u. geleitet von Dr. Kittel. 

5. Berliner Volkschor, geleitet von 
Dr. E. Zander. 

Hamburg. 1. Sankt Michaelis-Kircheii- 
chor, 1912 von Alfred Sittard gegr. u. geleitet. 

2. Sing-Akademie, geleitet von Eug. 
Pabst. 

3. Sing-Ak. Altona, geleitet von Felix 
Woyrsch. 

Kcln. 1. Chor der Konzertges., Dir. 
Herm. Abendroth. 

2 Koiner Volksch., gel. von E. J. Mulier. i 

3. Koiner M.gesang verein, einer der ; 
bedeut. Deutschiands, 1892 — 1925 geleitet von j 
Prof. Jos. Schwartz ; seitdem von Rich. | 
Trunk. I 

Leipzig. 1. Thomaner, Chor der Thomas- 
schule, deren kiinstl. Gesch. bis ins Mittelalter j 
zuruckreicht; Kantor z. Z. Karl Straube. \ 
Vgl. Wustmann, M. gesch. Leipzigs (Teubner, i 
1909) u. Lampadius, Die Kanioren der ! 
Thomasschule (1902). 

2. Riedel-Verein, 1854 von Carl Riedel 
gegr., z. Z. geleitet von Max Ludwig. Vgl. 
A. Gohler, Der Eiedelverein zu Leipzig, 1904. 

3. Chorvereinigung des Gewand- 
hauses, Dirig. Karl Straube. 

4. Leipziger Madriga-lchor, Leiter Alb. 
Kranz . 

5. Chor der Pauliner. Leiter Friedr. Brandes. 
Vgl. R. Kotzschke, Gesch. d. Univ. -Sanger - 
schafi zu Sankt Pauli in Leipzig 1822-1922. 

Dresden. 1. Kreuzschule, seit dem 
13. Jahrh. bestehend (vgl. Held, Das Kreuz- 
kantorat zu Drsden, Vierteljahrschrift f. MW. 
1894); Leiter z. Z. Otto Richter, mit Samstags- 
vespern, ahnlich wie die Thomaner. 

2. Dresdener Singakademie. Dirig. Dr. 
H. Knoll. 



2. Riihlscher Gesangverein: Hermann 
Scherchen. 

AuBerdem befinden sich vor allem in den 
Rheinlanden, aber auch in Liibeck, Hannover, 
Kiel, Konigsberg usw. Chorvereinigungen , die 
den hochsten Aufgaben gewachsen sind; 
Kirchenchore vom Range des Regensburger 
Domchors; Stadt. Singschulen, wie die Augs- 
burger von Albert Greiner usw. usw. 

England. — 1. Royal Albert Hall 
Choral Society, London; Leiter Sir Hugh 
Allen. 

2. Bach Choir, Leiter Dr. Vaughan 
Williams. 

3. London Choral Society, Leiter Arthur 
Fagge. 

4. Oriana Madrigal Choir, Leiter C. 
Kennedy Scott. 

5. Philharmonic Choir. 

6. Novello Choir, Letter Harold Brooke. 

7. South London Philharmonic So- 
ciety, 1912 gegr., Leiter z. Z. William H. 
Kerridge. 

Daneben gibt es groSe Chore im Dienst der 
M.feste von Birmingham, Leeds, Sheffield, der 
Three Choirs (Gloucester, Worcester, Hereford); 
groBe Chorvereine zu Bradford, Cambridge 
| Halifax, Huddersfield, Nottingham, Newcastle* 
1 Oxford (Bach Choir u. a.), Wolverhampton ;> 
| in Manchester (in Verbindung mit dem Halle 
; Orch.) u. Liverpool (Philharmonic; Welsh 
j Choral Union, Leiter T. Hopkin Evans). 
I V i ivnl an <] , — 1 . Chorverein S uo m e n 
i Laulu in Helsingfors, Leiter H. Klemetti (s. 
Id.), der auch den Studentenchcr Ylioppi- 
: laskunnan Laulajat leitet. 
| 2. Schwed. Oratorienchor, Helsingfors; 
; Leiter B. Carlson (s. d.). 

3. Kansallis-Kuoro, Helsingfors; Leiter 
A. Maasalo (s. d.). 

| Fmnkreick-. — 1. Les Chant eurs de 
[ Saint- Gervais, ein 1892 von Charles Bordes, 
I dem Kantor von St. Gervais in Paris ins Leben 
; gerufener Chorverein; seit 1909 von Leon Saint- 



Chorvereine. 



Ill 



Requier geleitet. Der Chor, aus 60 Mitgliedern 
bestehend, singt in St. -Gervais nur sechsmal 
jahrlich, hat aber daneben uber 600 Konzerte 
gegeben u. unendlich viel zur Erneuerung des 
Sinns fur polyphone Kunst in Frankreich bei- 
getragen. 

2. Concerts Spiritueis de la Sorbonne, 
1898 in Paris von P. de Saunieres gegriindet 
u. geleitet. 

3. Manecanterie des Petits Chanteurs 
a la Croix de Bois, 1907 in Paris gegr., 
liturg. Singschule u. christl. Erziehungsanstalt; 
Leiter Abbe Rebufat. 

4. Chorale Universitaire, 1918 von 
Mile. Bonnet, Leiterin des Studentinnenhauses 
gegr. , mit H. Expert als Chorleiter u. E. Borrel, 
Prof, an der Schola Cantorum. Erst nur 
Madchenchor, vereinigte er sich 1920 mit 
einem Jimglingschor zum gem. Chor; er bringt 
nur alte Musik aller Nationen. President: 
H. Lichtenberger. 

5. Chceur Mixte de Paris, 70 Stimmen, 
gegr. 1921 von M. de Ranse, Prof. a. d. Schola 
Cantorum, u. von ihm geleitet. Altere u. 
mod erne Musik. 

6. Societe Griset-Saintbris, 1865 in 
Paris gegr., Leiter z. Z. Etienne Millot; 110 
Stimmen, 2 Konzerte jahrlich. 

Holland. — 1. Madrigaalvereeniging: 
A cappella-Chor von 9 Stimmen, 1914 von Sem 
Dresden gegr.; 1. Konzert 8. Nov. 1915 Amster- 
dam, 100. am 13. Okt. 1922. 

2. Chor der Ges. z. Forderung der 
Tonkunst, Leiter W. Mengelberg. 

3. Oratorien-Verein; Leiter J. Schccder- 
beek; u. v. a., ebenso wie im Haag, in Rotter- 
dam, Utrecht, Arnheim. 

Irlaud, — 1. University of Dublin 
Choral Soc, gegr. 1837; sang zuerst nur 
Handel, 1845 Mendelssohn's Antigone. Erster 
Leiter Joseph Robinson, bis 1847, bis 1894 Sir 
Robert. Stewart; bis 1920 C. Marchant; z. Z. 
Dr. G. P. Hewson, Organist an St. Patrick's 
Cath. Bis 1870 sangen die Chorjungens der 
beiden Kathedralen den Sopran, seitdem 
Damen. 

2. Hibernian Catch Club, der alteste 
noch bestehende M.verein in Europa, 1679 von 
den Chorvikaren der Kath. St Patrick u. 
Christchurch gegriindet. 

Italien. — 1. Accademia di Canto 
Corale Stefano Tempi a in Turin, eines der 
altesten u. beruhmtesten Chorinstitute in 
Italien, 1875 gegr. von Stefano Tempia, der 
es bis zu seinem Tod leitete; nach ihm kamen 
als Dirig. Giulio Roberti, Delfino Thermignon, 
Michele Pachner u. Ettore Lena. Bis 1922 234 
regelmaBige u. 68 besondre Konzerte. 1923 
wurde es mit dem j linger en Turiner Chor- 
verein, Palestrina, verschmolzen; seitdem 
heifit es Societa Corale Stefano Tempia- 
Palestrina. 



2. Orfeonica, Bologna, M.Ch., 1868 gegr. 

3. Euridice, Bologna, M.Ch., 1880 gegr. 

4. Euterpe, Bologna, M.Ch., 1905 gegr. 

5. Guido Monaco in Livorno, M.Ch., 
Leiter D. Alaleona. 

6. Societa Polifonica Romana, Rom 
(s. Casimiri). 

7. Coro di Varese, Mailand; Leiter Romeo 
Bartoli. 

Jngoslavien. — Gem. Chor Kolo m 
Agram; Leiter Oskar Smodek. 

Norwegen. — Die bedeutendsten M. Chore 
in Christiania sind: Akad. Chorverein, gegr. 
1845, Leiter z. Z. Emil Nielsen; Chorverein 
der Kaufmannsgesellschaft, gegr. 1845 
(oder 1847), Leiter z. Z. Leif Halvorsen; Hand- 
werker-Chorverein, gegr. 1845, Leiter z. Z. 
Eyvind Alnaes; Arbeiter-Chorverein, gegr. 
1864, Leiter z. Z. Alfred Rutf; Guldberg's 
Chor, 1916 gegr., Leiter Ansgar Guldberg. 
Gem. Chore: Caecilienverein, gegr. 1896, 
Leiter z. Z. Leif Halvorsen; Holter's Chor, 
gegr. 1898, Leiter z. Z. Eyvind Alnaes. Frauen- 
chore: Akad. Fr.Ch.-Verein, gegr. 1895, 
Leiter z. Z. Per Winge. 

Bergen: Chorverein, 1891 von Ingolt 
Schjott gegr. 

Osterreicln — Wien. 1. Wiener Sing- 
akademie, gegr. 1858; Dir. Paul v. Kleno.u. 

2. Wiener Oratorien-Vereinigung; 
Dirig. Rudolf Nilius. 

3. Singverein der Ges. d. M.freunde, 
gegr. 1858. 

4.Manner-GV. Wiener Schubertbund, 
gegr. 1863; Dir. Viktor Keldorfer. 

5. Bach-Gemeinde; Dir. A. Wunderer; 
auBerdem eine Reihe bedeutender Kirchen- 
musikvereine. 

Graz. Oratorien-Verein, Dirig. Karl 
Auderieth. 

Innsbruck. Oratorienverein, lange von 
Jos. Pembaur sen. geleitet, jetzt von Emil 
Schennich. 

Scbottland. — 1. Edinburgh Royal 
Choral Union, 1858 gegr, erster Dirig. 
Charles J. Hargitt; Begihn mit Sterndale Ben- 
nett's May Queen. Leiter: 1862—64 James 
Shaw, 1864—66 William Howard, 1866—83 
Adam Hamilton, 1883—1913 Gottlieb Feuer- 
berg, 1915 W. Greenhouse Allt. 

2. Glasgow Orpheus Choir, einer der 
bedeutendsten Chore des vereinigt. Konig- 
reichs; Leiter Hugh S. Roberton. 

3. Glasgow Choral Union. 
Schweden. — 1. Musikforeningen, 

Stockholm, 1880 von Ludwig Norman u. Vilh. 
Svedbom gegr. ; Leiter Victor Wiklund. 

2. Musikaliska Sallskapet, Stockholm, 
gegr. 1908, neu organisiert 1915; Leiter David 
Ahlen. 



112 



Chorvereine. 



3. Stockholms Madrigalsallskap, gegr. 
1917; Leiter Felix Saul. 

4. Stockholms Allmanna Sangforening. 

5. Sjung, sjung, M.Chor in Stockholm. 

6. Glee-Verein Par Bricole, Stock- 
holm. 

7. Philh. Sallskapet, Sundsvall, 1922; 
Leiter A. Wahlberg. 

8. Motett- och Musikforernng Christian- 
stad; Leiter 0. Wadborg. 

9. Musikforening, Falun; Leiter Joel 
Olsson. 

10. Allmanna Sangforeningen der Stu- 
-denten von Upsala; Leiter der jeweil. Univ.MD. 

11. Gota Par Bricole: Glee-Verein in 
Gothenburg. 

12. Lunds Student sangforening: 
Leiter der Univ.MD. 

13. Svenska Sangarforbundet, ein 
nationaler Verband von 22 Provinz-Glee-clubs, 
etwa 6000 Sanger umfassend. 

Scliweiz. — Basler Gesangverein, 
der bedeutendste in der Schweiz, gegr. 1824. 
Dirig. Ferd. Laur 1824—45; E. Reiter 1845 
— 1875; Alfred Volkland 1875—99; Hans 
Huber 1899—1903; bis 1925 Hermann Suter; 
j etzt Hans Munch. Vgl. die Festschrift 
(anonym 1899); R. Thommen, Festschrift 1924. 

2. Basler Liedertaf el, bester Schweizer ' 
M.Chor, nur aus 180 Berufssangern gebildet, 
gegr. 1852; Leiter: E, Reiter 1852—75, A. Volk- 
land 1875-1902, bis 1925 H. Suter, jetzt ; 
Hans Munch; jahrlich eio A cappella Konzert 
u. eins mit Orch. 

3. Cacilienverein Bern, Leiter Fritz Brun. 

4. Soc. de Chant du Cons, in Genf; 
Leiter F. Hay. 

5. Soc. de Chant Sacre, Genf; Leiter 
O. BarblaD. 

8 Gem. Chor. Zurich: Leiter: Voikmar 
Andreae. Im ubrigen ist die Schweiz reich an 
Vereinen, die ihr Chorwesen in hoher Bliite 
zeigen (Winterthur, mit W. Reinhardt als 
Ohor leiter; St. Gallen mit dem M.Chor-Dirig. 
H . Heusser ; Luzern ; Schaf f hausen u . a. ) . 

Spanien. — Der Chorgesang ist in Spanien 
verbreiteter als allgemein angenommen wird, 
obwohl seine Ubung sich zumeist auf die bas- 
kischen u. katalonischen Provinzen beschrankt. 

1. Sociedad Coral, 1922 von der Aso- 
■ciacion General de Proiesores de Orquesta 
in Madrid gegr., Leiter Julio Frances. 

2. Orfeo Catala in Barcelona, 1891 gegr. 
u. geleitet von Luis Millet, ein Chor von hbch- 
»3tem, u. a. durch Rich. Straufi u. d'Indy an- 
erkanntem Rang. 

3. Sociedad Coral in Bilbao, 1886 als 
Orfeon Bilbaino gegr., erst M.Chor, 1906 
gem. Chor; Dirig. 1886— 99 Zabala, dann Aure- 
liano Valle, seit 1910 der Komp. Jesus Guridi. 
1907fuhrte eiFianck's Beatitudes, 1913 Brahms' 



Deutsches Requiem auf u. hat sich seitdem fur 
die Baskischen Opern von Usandizaga, Guridi 
u. a. eingesetzt. 

4. Orfeon Donostiarra in San Sebastian, 
1896 gegr. von seinen Dirigenten Norberto 
Luzurriaga u. Miguel Onate, seit 1902 geleitet 
von Secundino Esnaola (s. d.); bis 1906 M.Chor. 

5. Coros Clave (s. Clave). 

6. Die wichtigsten ubrigen Chorvereine sind: 
Orfeo Manresa; Orfeo Gracienc; Orfeo 
Tarragoni; Orfeo Villafranqui; Escola 
Coral; Orfeon Euskaria. 

Tschechosl<nvakei. — Prager Lehrer- 
gesangverein (Pevecke sdruzeni praz- 
skych ucitelu), 1908 von Franz Spilka(s. d.) 
gegr., seit 1922 Leiter Method Dolezil, der 
vorher einen Lehrerinnengesangverein leitete. 

2. Mahrischer Lehrergesangverein in 
Briinn, 1903 von Ferdinand Vach (s. d.) gegr. 
Seit 1914 ist ein Lehrerinnengesangverein 
mit ihm vereinigt. 

3. Smetana Chor, Prag; Leiter K. Cenry, 
an Bedeutung dem Lehrergesangv. nahe- 
konmiend. 

4. Mannerchor Krizkovsky, Prag. 

5. Chorverein Hlahol in Prag, gegr. 1861, 
z. Z. geleitet von A. Herle. 

Yerein. Staaten von N.-Amerika. — 

Auch in Amerika, besonders in New England, 
kann das Chorwesen als alteste M. betatigung be- 
trachtet werden; seit dem Ende des 18. Jahrh. 
standen die Kirchenkonzerte in Bliite. 

1. Stoughton Mus. Soc. in Stoughton, 
Mass., 1786 von dem Gerber-Komp. William 
Billings eingerichtet u. noch heute bestehend. 

2. Handel and Haydn Soc. in Boston, 
1815 gegr. mit Thomas S. Webb als MD. Die 
starkste Personlichkeit unter ihren Dirig. war 
Lowell Mason (1792—1872), der sie 1827—32 
leitete; spatere Dirig. : Carl Zerrahn, 1854—95, 
B. J. Lang 1895-97, R. L. Herman 1898—99, 
seitdem Emil Mollenhauer. 

Vgl. Charles G. Perkins u. John S. D wight, The 
History of the Handel and Haydn Society (Boston 1893). 

3. Cecilia Soc. of Boston, gegr. 1874 
als Hilfsinstitut der Harvard Mus. Association, 
seit 1876 selbstandig. Leiter: B. J. Lang 
1874—1907; Wallace Goodrich 1907—10; Max 
Fiedler 1910—11; Arthur Mees u. Henry Gideon 
1911—15; Chalmers Clifton 1915—17, u. dann 
in rascher Folge Arthur Shepherd, Ernest 
Mitchell u. Georges Longy. 

4. Oratorio Soc, der bedeutendste Chor- 
verein in New- York City, 1873 von Leopold 
Damrosch gegriindet. Leiter: L. Damrosch 
1873—85; Walter Damrosch 1885—99; Frank 
Damrosch 1899—1912; Louis Koemmenich 
1912—17; Walter Damrosch 1917— 21; seitdem 
Albert Stoessel. 

Vgl. H. E. Krehbiel, Notes on the Cultivation of 
Choral Music and the Oratorio Society of New York 
(New York 1894); weitergefuhrt in der Festschrift 



Chorvereine — Chrysander. 



113 



5. Mus. Art Soc. in New York, 1894 von 
Frank Damrosch ins Leben gerufen, mit er- 
lesenen Berufssangern, zur Pflege der alten A 
cappella-Musik. 1920 stellte sie ilire Tatigkeit ein. 

6. Schola Cantorum in New York, 1909 
von Kurt Schindler ursprunglich unter dem 
Namen The MacDowell Chorus begrundet, 
seit 1912 mit der jetzigen Bezeichnung. 

7. Unter den M.Choren waren die beiden 
deutschen viele Jahre im M.leben New Yorks 
fuhrend. Der Liederkranz, 1847 gegr., 
besaB als letzte Dirig. R. L. Herman, 1884 
— 1889, Heinrich Zoellner 1890—98, Paul 
Klengel 1898—1903, Arthur Claassen 1903—14, 
Otto Graf 1914-17, E. Klee 1917—20 u. O. 
Wick seit 1920. 

8. Der Arion, 1854 gegr., wurde durch 
Leopold Damrosch (1871— 84) zu kunstlerischer 
Hohe gefuhrt; Frank van der Stucken (1884 
bis 1894) unternahm 1892 eineVereinsfahrtnach 
Europa: nach ihm folgten 1895 — 1911 Julius 
Lorenz, 1912 R. Trunk, u. 1913—18 Carl Hahn. 
1920 vereinigte sich der Verein mit dem Lieder- 
kranz. 

9. Mendelssohn Glee Club, inNewYork, 
M.Chor, gegr. 1866. Unter seinen Dirig. waren 
Edward MacDowell 1897—99; Arthur Mees 
1899—1909 ; Frank Damrosch 1904—09; 
Clarence Dickinson 1909— 13 ; Louis Koem- 
menich 1913—19, seitdem N. P. Coffin. 

10. St. Cecilia Club, Fr.Chor, seit 1902 
geleitet von Victor Harris. 

11. Rubinstein Club, eine ahnliche Ver- 
einigung, geleitet von William R. Chapman. 

12. Brooklyn Oratorio Soc, gegr. 1893 
u. seitdem geleitet von Walter Henry Hall; 
zwei Konzerte jahrlich. Der Apollo-Club 
(M.Chor) von Brooklyn, gegr. 1877 von Dudley 
Buck; seit 1903 ist sein Nachfolger als Dirig. 
J. H. Brewer. 

13. Oratorio Soc. von Newark, 1878 gegr. 
von Louis Arthur Russell, der sie noch heute 
leitet. 

14. Mendelssohn Club von Philadelphia, 
seit 1874; Leiter W. W. Gilchrist, dem 1916 
N. Lindsay Norden folgte. Seit 1879 gem. Chor. 

15. Oberlin (Ohio) Mus. Union, seit 
1860; 1871—1900 geleitet von Fenelon B. Rice, 
seit 1900 von George W. Andrews. 

16. Apollo Mus. Club von Chicago, seit 
1872, geleitet von Silas G. Pratt u. George 
P. Upton; erst M.Chor, dann gem. Chor. 1875 
bis 1898 war Leiter William L. Tomlins, seit- 
dem Harrison M. Wild. 

17. Mendelssohn Club (gem. Chor) in 
Chicago, erster Leiter (1894—95) Frederick 
W. Root, seitdem Harrison M. Wild. 

t)ber Bethlehem Bach Choir;. Hampden County 
Mus. Association; Litchfield County Choral Union s. 
Musikfeste in den V. St. v. A. Vgl. auch Aeolian 
Choir. 

Christiansen, Christian, dan. Pianist, geb. 
20. Dez. 1884 zu Hillerod, Schiiler des Kons. 

Einstein, Masiklexikon. 



zu Kopenhagen sowie von R. M. Breithaupt 
in Berlin: Kl.lehrer am kgl. Kons. in Kopen- 
hagen und Organist an der Jesuskirche; auch 
Vorsitzender der dan. Sektion der Intern. 
Gesellschaft f. Moderne Musik. 
V.sonate; Lieder. 

Christiansen, F. Melius, norweg.-amerik. 
Dirig. u. Komp. , geb. 1. April 1871 zu Eidsvold; 
Schuler von Oscar Hansen (Organ, u. Dirig. 
in Larvik), kam 1888 nach Amerika, machte 
1894 die Aufnahmsprufung am Northwestern 
Cons. u. stud. 1897—99 u. 1906—07 nochmals 
am Leipziger Kons. Seit 1903 ist er MD. am 
St. Olaf Coll. in Northfield, Minnesota, u. 
Leiter des Studenten(Blech-)Orch. Seine 
hauiigen Konzertfahrten mit dem St. Olaf 
Choir in die nordlichen Staaten haben dort die 
offentliche Teilnahme am Kirchengesang sehr 
gehoben. 

Practical Modulation, 1916; Reformation Cantata, 
1917; Kantate The Prodigal Son, 1918; St. Olaf Choir 
Series (I. 1920, meist klasa. Werke, auch einige nor- 
wegische; II, 1921, meist eigene Kompos,: Minne- 
apolis, Augsburg Publ. House). 

Christie, Winifred, engl . Pianistin , trat 
mit sechs Jahren schon offentlich auf, stud, 
dann an der B-.A.M. bei Oscar Beringer, Theorie 
bei Stewart Macpherson, Kl. dann noch bei 
Harold Bauer. Sie bereiste Deutschland , 
England, Holland, Frankreich, 1915— 19 Ame- 
rika, u. a. mit dem Boston S. Orch. 1921 propa- 
gierte sie in London Em. Moor's Duplex Coupler- 
Kl. Sie ist mit Em. Moor verheiratet. 

Chrysander, Karl Franz Fried rich, deut- 
scher M.forscher, geb. 8. Juli 1826 zu 
Ltibtheen (Mecklenburg), gest. 3. Sept. 1901 
in Bergedorf bei Hamburg, stud, in Rostock 
Philosophie u. promo vierte dort 1852 zum 
Dr. phil. Nachdem er verschiedentlich seinen 
Aufenthalt gewechselt, auch langere Zeit in 
England gelebt hatte, nahm er seinen dauernden 
Wohnsitz in Bergedorf bei Hamburg. Chrysan- 
der's gauzes Leben war der Wurdigung der 
Grofie Handel's geweiht. Schon seine Disser- 
tation tlber das Oratorium (1853) zeichnet die 
B-ichtung vor, in welcher sein Forschergeist 
sich zeitlebens betatigen sollte. Die monumen- 
tale Gesamt-Ausgabe der Werke Handel's in 
100 Banden (1859 bis 1894) (als Supplement 
I— V von Handel benutzte Werke von Erba, 
Urio, Stradella, Clari, Muff at) ist sein Werk; 
als die von ihm mit G. G. Gervinus 1856 ins 
Leben gerufene Deutsche Hdndelgesellschaft 
nach kurzer Scheinexistenz einging, verkor- 
perte sich das Unternehmen in ihm allein. 
1894 nahm Chr. noch eine neue fur die Praxis 
der Gegenwart bearbeitete gekurzte Ausgabe 
ausgewahlter Oratorien in Angriff, zu deren 
Ermoglichung unter dem Protektorat der 
Kaiserin Friedrieh eine Neue Handel- Ge- 
sellschaft in London ins Leben trat, welche 
Chr.s grofie Ausgabe ankaufte. Seine Bear- 
beitungen Handelscher Oratorien erstreben 

8 



114 



Chubb— Cilea. 



die schlagendste dramatische Fassung u. 
geraten dadurch allerdings mit dem rein musi- 
kalischen Aufbau der Originale oft in Wider- 
spruch. 

Neb en den Handel- Ausgaben stelit erganzend 
die leider nicht zu Ende gefiihrte Biographie 
Handel's (zwei Bde. u. ein Halbband 1858 u. 1867, 
bis 1740 reichend; Br. & H.) u. Ildndels biblische 
Oratorien in gesehichtlicher Enhvicklung (1896, 2. Aufl. 
1906). Wertvolle Spezialstudien gab Chr. noch in 
den von ihm begriindeten Jahrbuchern fur M.- 
wissenschaft (1863 u. 1867) u. in der 1868—71 
u. 1875 — 82 von ihm redigierten Allg. Musikal. 
Zeit. (Gesch. des M.drucks, 1879, Die Hamburger 
Oper, 1678—1738; 1878) u. a. Wie die Jahr- 
biicher als Vorlaufer der von Chr. mit S pitta 
u. Adler begriindeten Vierieljahrsschrift /. MW., so 
sind Chr.s Denk-maler der Tonkunst Vorlaufer der 
seit 1892 folgenden Denkmaler deutscher Tonkunst 
(der en Komitee Chr. ebenfalls angehorte), so daB man 
auf Chr.s Anregungen den lebhaften Aufschwung 
zuriickfiihren muB, den die musikhistorische Forschung 
in neuerer Zeit genommen hat. Eine Broschure mit 
den Studien Vber die Molltonart in V olksgesdngen 
u. der Dissert. Vber das Oratorium erschien 1853, zwei 
Aufsatze liber Musik a. Theater in Mecklenburg 1854 
u. 1856 (im Mecklenburger Archiv fiir Landeskunde), 
andere wertvolle Studien in der Vierteljahrsschr. i. 
MW. (L. Zacconi als Lehrer des Kunstgesangs 1891 
u. a.), dem Petersjahrb. 1895 (Die Originalstimmen 
von Hdndels Messias) usw. Endlich hat Chr. auch 
Bach's Klavierwerke (1856) herausgegeben. 

Vgl. Emil Krause, Monatsh. f. MG. 1904, 3—4; 
die polemischen Studien von J. S chaffer; Er. Yol- 
bach, Die Praxis der Bandel-Auffuhrung (1899, 
Dissert.); H. Kretzschmar, Einige Bemerkungen 
ilber den Vortrag alter Musik (Jahrb. Peters 1900); 
W. Weber, Erlauterungen von Eandels Oratorien in 
Chrvsanders neuer Vbersetzung u. BearbeiUing (Augs- 
burg, 1898—1902. 3 Hefte). Vgl. auch die ISekrologe 
vonOskar Fleischer (Zeitschr. der IMG. Ill S. 43ff. 
(Okt. 1901), H. Kretzschmar (Jahrb. Peters 1902) 
u. G-. Adler (Bettelheims Biogr. Jahrbuch 1904). 

Chllbb, John Frederick, engl. Organist, 
geb. 1885 zu Hastings; gebildet hauptsachlich 
an St. John's Choir School, St. Leonards u. in 
Cambridge. 1898—1903 Organist an St. John's, 
St. Leonards; 1903—06 Hilfsorganist an Ely 
Cath.; 1906—10 an Christ's Coll. Cambridge; 
1910—12 an Christ Church, Harrogate. 1912 
ging er nach Canada, u. ist seit dem Organist 
an Christ Church in Vancouver, B. C, wo er 
das M.lehen sehr gehoben hat. B. A. Cantab. 
u. Mus. Bac. Oxon. 

Chueca, Federico, span. Komp., geb. 
5. Mai 1848 zu Madrid, gest. das. 20 . Juni 1908, 
als Musiker kaum gebildet, ein bloBer ,,Melo- 
dista", die M Drehorgel" seiner Generation, 
Aus Mangel an Konnen verband er sich zur 
Kom position seiner Zarzuelas stets mit dem 
Musiker Joaquin V a 1 v e r d e . Mit seiner revue- 
artigen Zarzuela La Gran Via eroberte er 
nicht nur Spanien, sondern auch, obwohl das 
Stuck rein Madrider Stadtangelegenheiten 
satirisch behandelt, auch andre Lander (darin 
die Melodie Jota de los Ratas); ein Marsch aus 
seiner Zarzuela Cadiz wurde zur Nationalhymne 
erklart. 

La Abuela; A la exposition; El ano pasado par 
agua; Los Arrastraos; Cadiz; La Gran Via; Los Barrios 
Bajos; El Bateo; La Cancion del Amor; Los Caramelos: 
La caza del oso e el tendero de comestibles; La Corrida 



de Tows; De Madrid a Paris; Lection conyugal; El 
Chaleco Blanco (Union Musical Espanola, Madrid). 
Qftvala, Emanuel, tschech. Kritiker u. 
Komp., geb. 1851zuPrag, gest. das. 28. Okt. 
1924, stud, bei Josef Forster u Zdenko Fibich. 
Uber 30 Jahre iang war er (bis 1917) einer der 
angesehensten tschech. Kritiker, u. wurde ins- 
besondere von deutschen Musikern (Bulow) 
hoehgeschatzt. Er schrieb tschech. in die 
Ndrodni Politica u. deutsch in die Politik, 
spater in die Union. Im Privatberuf war er 
Bahnbeamter; er lebte in Prag. 

Selbstandig publizierte er : Ein Vierteljahrhundert 
bohmischer Musik (1886). 

Hauptwerke: Streicbquartett; Lieder; Sousedske 
f. Orch.; Ouverture Bei der Eirchweih (O posviceni)', 
Oper: Zdboj. 

Ghybinski, Adolf, poln. M.forscher, geb. 
29. Marz 1880 zu Krakau, besuchte dort Gym- 
nasium u. Univ. (Germanistik u. klass. Philo- 
logie) u. war Kl.schuler von Drozdowski, setzte 
1901—02 in Miinchen seine Studien fort (Sand- 
berger, Lipps, Christ, Wolfflin, Paul), war 
1902—03 als Gymnasiallehrer zu Krakau an- 
gestellt, widmete sich aber seitdem ganz dem 
Studium der M.wissenschaft unter Kroyer 
u. Sandberger in Miinchen, wo er 1908 zum 
Dr. phil. promovierte (Diss.: Beitrage zur Ge- 
schichte des Taktschlagens, 1912 erschienen). 
1905—07 war er noch Theoriesehuler von L. 
Thuille. 1912 habilitierte er sich als Dozent 
an der Univ. Lemberg (Die Mensaraliheorie 
in der polnischen M. liter aim der 1. Halfte des 
16. Jahrh., polnisch), wurde 1921 ordentl. 
Prof. , u. ist auch Theorielehrer an der Kasparek- 
schen Kl.schule. Seit 1924 ist er Mitglied des 
Poln. Staats- u. Kuns urates. Seine Arbeit en 
gehen hauptsachlich die Geschichte der pol- 
nischen Musik an (polnisch): 

Bogurodzica in musikhist. Beziehung (Krakau 1907); 
Die Beziehungen der poln. Musik zur abendldndisehen 
im 15. u. 16. Jahrh, (Krakau 1908); Materialien zur 
Geschichte der Rorantisten-Hofkapelle 1540—1700 auj 
dem Kgl. Schlo/J Wawel zu Krakau (2 Telle 1910—11); 
Neue Materialien . . . (Lemberg 1925); Die Orgel- 
tabulatur des Johannes de Lublin 1540 (2 Bde. 191 2 if.); 
Joh. Seb. Backs Leben u. Werke (2 Bde. 1913); 
Chopin u. Delacroix (poln., Lemberg 1907); Vber 
die Methoden der Ordnung von Volksmelodien (Lem- 
berg 1908); Richard Wagners Meistersinger von N urn- 
berg (Warschau 1908) ; Vber die poln. mehrstimmige 
Musik des 16. Jahrh. (1909 in der Bieniann -Fest- 
schrift); Die M .instrumente des poln. V dikes in Pod- 
hale (Tatragebirge), Krakau 1924; Anmerhungen zum 
Sanimeln von Volksmelodien (Posen 1925), sowie Aut- 
satze in poln. u. deutschen Zeitschr. Gh. war 1905ff- 
Ucfcrent iiber poln. M.literatiir f. die Zeitschr. der 
inter national en M.gesellschaft. Er arbeitet mit Heinr. 
Opienski an einer ausfuhr lichen Geschichte der poln. 
Musik u. tiber setzte mit J'. W. ReiB Hausegger's 
Musik als Ausdruck ins Polnische (1913). 

CHea, Francesco, ital. Komp., geb. 26. Juli 
1866 zu Palmi; Schiiler von Beniamino Cesi 
(Kl.) u. Paolo Serrao (Kompos.) am Kons. iu 
Neapel, 1890—92 Lehrer fur Kl.spiel an dieser 
Anstalt, 1896—1904 Lehrer fur Harmonie 
u. Kp. am Ist, mus. in Florenz, 1913 Direktor 
des Kons. V. Bellini in Palermo, seit Marz 
1916 Dir. des Kons. S. Pietro a Maiella in 



Cimbal — Cleather. 



115 



Neapel. Als Komp. gehort C. der veristischen 
Schule der Mascagni u. Puccini an. 

Opera: Gina 1889 (T. del Cons, in Heapel); Tilda 
(3akt. Florenz, 1892, T. Pagliano; Arlesiana. 3akt M 
Mailand 1897, T. Lirico; Adriana Lecouvreur, 4akt., Mai- 
land 1902, T. Lirico, mit groBem Erfolg; Gloria, 3akt., 
Mailand 1907, Scala. AuBerdem: Kl.trio, 1886; Suite 
f. Orch. 1887; Sonate D-dur f. Vc. u. Kl., 1888; Poema 
auf Text von Sem Benellif. Ch. u. Orch., Genua 1913; 
KL- u. V.stucke; Lieder (Bote & Bock, Sonzogno, 
Bicordi). 

Cimbal, s. ung. Musikinstrumente. 

Ciurlionis, Mikalojus Konstantinas, 
Htauischer Komp., geb. 10. Sept. 1875 zu 
Varena im Gouv. Wilna, gest. 28. Marz 1914 
bei Warschau; Sohn eines Organisten, trat 
als 14jahriger in das Privatorch. des Fursten 
Oginski zu Plunge, dann ins Kons. zu Warschau, 
Schuler von Noskowski in der Kompos. 1901 
erhielt er einen Preis fur seine sinf. Dichtung 
Miskas (Der Wald; 1921 in Kowno aufgef.), 
fur sein Orch.werk Polonez einen zweiten, mit 
dem er ein Jahr lang bei C. Reinecke am Leip- 
ziger Kons. studierte. Er kehrte dann nach 
Warschau zuriick, war Privat-M.lehrer, ver- 
brachte ein Jahr (1903—04) an einer Kunst- 
schule u. schrieb die sinf. Dichtung Jura (Das 
Meer). Eine Opernfassung dieses Werkes 
(Jurata) (Die Meerkonigin) blieb unvollendet. 
In seinen spateren Jahren lebte er in Wilna 
u. schrieb meist Kl.stiicke u. -chore (Kantate 
De Profundis, 1899—1900). Mit den Malern 
A. Zmuidzinavicius u. P. Rimsa griindete er 
in Wilna einen litauischen Kunstverein, in 
dem er selbst viele Bilder ausstellte. 

Vgl. daruber Bosa Newmarch, The Russian Arts 
(Jenkins). 

Clarke, Rebecca, engl. Komponistin u. 
Bratschistin, geb. 27. Aug. 1886 zu Harrow, 
England; stud. Kompos. bei Sir Charles Stan- 
ford am R.C.M., u. betrieb auf seinen Rat das 
Viola- Spiel ; 1916 kam sie als Solistin u . Kammer- 
musikspielerin nach New York. 

Sonate f. Va. u. Kl. (Chester) 1919; Kl.trio 1921 
(Murdoch; 2. Coolidge-Preis) ; Sonate f. Vc. u. Kl.; 
2 Lieder (Winthrop Bogers). 

Clarke, Robert Coningsby, engl. Lieder- 
komp., geb. 17. Marz 1879 zu Old Charlton, 
Kent; erzogen in Marlborough Coll., Schuler 
von Sir F. Bridge an Westminster Abbey; 
Organist am Trinity Coll. Oxford; 1902 B. A. 
(Jurisprudenz). 

Populare Lieder u. Balladen; Kl.stiicke (Chappell; 
Boosey; Cramer; Church; Newman; Ascherberg u. a.). 

ClaruS,Max, deutscher Komp., geb. 31. Marz 
1852 zu Muhlberg a. d. Elbe, wo sein Vater 

stadt. M.direktor war, gest , Schuler 

des Kgl. Inst. f. Kirchenmusik in Berlin (Haupt, 
Schneider, Loschhorn), bekleidete verschiedene 
Km.stellen, zuletzt an KrolTs Theater in Berlin, 
seit 1882 am Braunschweiger Hoftheater, 
an dem er 1900 Hofmusikdirektor wurde; 
dirig. auch mehrere Vereine. 

Opern: Des Konigs Rekrut (Braunschweig 1889); 
Prinzessin Use (das. 1895); die Marchenspiele (f. Kinder) 
Her Wunschpeter; Sans Ddumling; Zwerg Nase (Braun- 



schweig 1910 — 12); mehrere Balladen (Ritter Diet, 
richs Brautfahrt) u. besonders Mannerchore mit Orch. 
u. a cappella. 

Clausetti, Carlo, ital. Schriftsteller, Dr. jur., 
geb. 17. Okt. 1869 in Neapel, 1903—09 for- 
derndes Mitglied der von G. Martucci ge- 
grundeten Konzertgesellsch. , die das M.leben 
in Neapel auf eine neue Hohe hob (1905 Auff. 
der IX. Sinf. Beethoven's), nach Martucci's 
Tod selbst Griinder der Societa del Quartetto 
u. einer Societa di Concerti Giuseppe Martucci, 
einer Zeitschrift Symphonia. Ende 1912 verlieB 
CI., schon damals Direktor der Firma Ricordi, 
Neapel, u. zog nach Mailand, seit 1919 zu- 
sammen mit Renzo Valcarenghi Inhaber des 
Hauses. Die Neapolitaner Societa di Concerti 
loste sich 30. Nov. 1915 auf. 

Zwei Studien liber Wagner's Tristan u. Goiter- 
dammerung (Ricordi); Textbuch Sumitra (leggenda 
monomimica) f. B. Pick Mangiagalli u. a. 

ClauBnitzer, Paul, deutscher Komp., geb. 
9. Dez. 1867 zu Niederschona bei Freiberg, 
gest. 6. April 1924 in Borna bei Leipzig, be- 
suchte das Seminar zu Nossen u. das Dresdener 
Kons. (Draeseke u. Schulz-Beuthen), wurde 
1889 Seminarmusiklehrer zu Grimma, 1894 zu 
Nossen u. 1910 kgl. M.direktor u. Prof, am 
Seminar Borna. 

Komp. f. Orgel: Sonate Zur Totenfeier t Choral- 
vorspiele: 27 Einzelhefte die als 100 Choralvorspiele auch 
in 5 Bdn. erschienen; 50 Choralvorspiele; 80 Orgel- 
stiicke; 60 Choralbearbeitungen u. 100 Orgelstucke; 
Kl.stiicke ( Trauermarsch) ; Mannerchore ; Lieder 
(2 Hefte Kinderliedcr) ; Hrsg. : Volksliedcrschatz f . 
Singst. mit eigener Kl.begleit. (3 Bde.); insgesamt 
54 Opuszahlen. Auch bearbeitete C. Merkel's Orgel- 
schule, Brosig's Orgelkompositionen, Bd. 1 — 3, den 
Prakt. Organist von Korner (im Verein mit Karl Straube) 
u. je ein Merkel-Album (Vor- u. Nachspiele, Konzert- 
stiicke). 

Clave, Jose Anselmo, span. Musiker, 
geb. 21. April 1824 zu Barcelona, gest. das. 
Ende Febr. (1872?) 1874, hatte ein Handwerk 
erlerntj das er aber wegen Kranklichkeit auf- 
geben muflte, wandte sich dann der Musik zu 
u. gelangte trotz mangelnder Fachbildung zu 
groBer Popularitat als Komp. volkstumlicher, 
jetzt veralteter Lieder u. Chore (auch einiger 
Zarzuelas). C. ist der Begriinder der Manner- 
gesangvereine in Spanien nach dem Muster 
der franz. Orpheons (seit 1851). Schon 1860 
veranstaltete er zu Barcelona ein erstes Sanger- 
fest mit 200 Sangern, 1864 aber eins, an dem 
57 Vereine mit iiber 2000 Mitgliedern teil- 
nahmen. 

Vgl. Apeles Mestres, J. A. C. (1876). 

Clavior, kleiner Apparat aus Aluminium, 
um die Hand zu strecken; im Juli 1922 von 
Ennemond Trillat erfunden. 

Cleather, Gabriel Gordon, engl. Paukist, 
geb. 3, Mai 1846 zuManchester; 1882 Generaldir. 
von Cristal Palace, London; Spieler u. Vor- 
tragender uber sein Instrument; spielte das 
Konzert f. sechs Pauken von Tausch mit dem 
Thomas Orch. in New York. 



116 



Clegg — Closson. 



Clegg, Edith Kate, engl. Opernsangerin, 
geb. in London ; stud, bei Hermann Klein 
in London, bei Bouhy in Paris, bei John Acton 
in Blackburn; deb. in Liza Lehmann's Vicar 
of Wakefield, sang an Covent Garden, in Austra- 
lien, in Canada mit der Quinlan Co.; Mitglied 
der Beecham Opera Co., jetzt der Brit. Nat. 
Op. Co. Rollen: Suzuki, Maddalena (Rigo- 
letto) u. a. 

Clemens, Charles Edwin, engl.-amerik. 
Organist, geb. 12. Marz 1858 zu Devonport, 
Schuler von Weeks, Martin u. Ernst Pauer 
amR.C.M., 1889 Organist der engl. Kirche zu 
Berlin u.Lehrer am Scharwenka-Kons. , siedelte 
1896 nach Cleveland (Ohio) uber als Organist 
an St. Paul's, Vereinsdirig. u. Lehrer an der 
Western Reserve Univ. (seit 1899); 1916 Mus.D. 
Gab heraus: 

PedaUTechnik (2 Bde., 1894 ; Br. & H.); The Modern 
school tor the Organ (1903, Schirmer). 

Clemens, Clara, s. Gabrilowitsch. 

Clemens, Johannes, deutscher Komp. , 
geb. 16. Jan. 1893 in Lobau (Sachsen) als Sohn 
des Kantors Max C, Schuler seines Vaters, 
1909 — 12 des Lehrer- Seminars, dann Max 
Reger's in Leipzig. Seit 1916 ist er zweiter, 
seit 1918 erster Km. in Dobeln (Sachsen). 

Lieder; Faschingsspuk in drei Satzen 1 groBes 
Orch. 

Clerice, Justino, argent, Komp., geb. 
16. Okt. 1863 zu Buenos Aires, gest. Sept. 
1908 in Toulouse, Schuler des Pariser Cons. 
(Pessard, Delibes), Komp. zahlreicher kom. 
Opera, Operetten u. Vaudevilles. 

Le Meunier d'Alcald (Lissabon, Trinidad Th. 1887, 
3akt.); Figarella, lakt.; Monsieur Huchot, lakt,, 
Paris 1889; Au -pays noir, 2akt. Ballett, Antwerpen 
1891; Le 3e Houssards, 3akt., Paris 1894; Les CEujs 
de Pdgues; Colibri, Ballett (gemeinsam mit Noel); 
La petite Venus, 3akt.; Margarred, 4akt.; Flagrant 
Dilit, kom. Oper; La Dame de Cceur, 2akt. Bailett 
(mit Mars); Ordre de I'Empereur; Au temps jadis, 
2akt., Monte Carlo 1905; viele Lieder u. Kl.stucke. 

Cleve, Berit Winderen, norweg. Pianistin, 
geb. 10. Feb. 1878 zu Vestre Aker bei Chri- 
stiania; stud. Kl. in Christiania bei Ida Lie, 
in Berlin bei Raif, Jedliczka, u. der Careno. 
1902 deb. sie in Christiania. 1904 heiratete 
sie den Komp. Halfdan Cleve. 

Gieve, Halfdan, norweg. Komp. u. Pianist, 
geb. 5. Okt. 1879 zu Kongsberg, einer M.familie 
entstammend, Schuler seines Vaters u. Otto 
Winter-Hjelm's in Christiania, 1898—1903 noch 
von O. Raif u. den beiden Scharwenka in 
Berlin weitergebildet, 1902 deb. er als Komp. in 
Berlin mit zweien seiner Kl.Konzerte, u. lebte 
bis 1909 in Berlin; er steht in der ersten Reihe 
der jungeren norweg. Komp. 

Kl.konzerte B-dur op. 3; B-moll op. 6; Es-dur 
op. 9; A-moll op. 12; iiber 20 Kl.sachen; Gesange 
mit Orch.; ein 5. Kl.konzert u. a. 

Clewing, Carl, deutscher He ldentenor, geb. 
22. April 1884 in Schwerin, verlebte seine 
Gymnasialzeit in Linz a. Rh. u. Neuwied; 
ging 21jahrig zur Buhne u. war erst jugend- 
licher Held in Bromberg, StraBburg, am 



Berliner Theater u. 1911—20 am Kgl. Schau- 
spielhaus in Berlin, wurde aber auch Schuler 
Francesco d'Andrade's, machte 1916 nach der 
Heimkehr aus dem Felde Gesangsstudten bei 
| Wilh. Griming, afcsolvierte 1920 seine ersten 
Operngastspiele u. gehort seit 1922 der Ber- 
liner Staatsoper an, auch 1924 u. 25 den 
Bayreuther Festspielen. Er ist daneben als 
Forscher u. Dozent iiber das deutsche Volks- 
lied tatig. 

Ciiffe, Frederick, engl. Pianist u. Komp., 
geb. 2. Mai 1857 zu Lowmoor bei Bradford, 
entwickelte sich friih zum Kl.- u. Orgelspieler 
u. bekleidete bereits Organistenposten vor 
seinem Eintritt in die National Training School 
of Music, an der er 1873—76 Schuler von Sul- 
livan, Stainer, Prout u. Franklin Taylor war. 
1883 wurde er Kl.lehrer am R.C.M., versah 
aber auch fortgesetzt Organistenamter an 
Kirchen, in Konzerten (1888—94 in denen des 
Bach Choir) u. im Theater u. machte erfolg- 
reiche Konzerttouren als Pianist auBerhalb 
Europas. 

2 Sinfonien C-moll op. 1, 1889 u. E-moll, 1892; 
sinf. Dichtung Cloud and Sunshine; Violinkonzert 
D-moll, 1896; Coronation March; The Triumph o; 
Alcestis f. Alt u. Orch. (Norwich 1902); Ode to North- 
East Wind i. Cli. u. Orch. (Sheffield 1905) u, andere 
Gesangssachen , auch kir chliche . 

Clifford, Julian, engl. Komp., Dirig. u. 
Pianist, geb. 28. Sept. 1877 zu London, gest. 
27. Dez. 1921 zu Hastings; stud, am Leipziger 
Kons.; auch bei Sliwinski u. Sir W. Parratt; 
Dirig. des Birmingham Symphony Orch., des 
Yorkshire Permanent Orch. zu Leeds; MD. der 
Harrogate Corporation u. Eastbourne Corpo- 
ration; dirig. haufig auch in London; besonders 
begabt fur Tschaikowsky's Sinfonik. Sein Sohn 
folgte ihm als Dirig. in Eastbourne. 

Orch.stucke; Kantate; Kl.stucke; Lieder (Schott). 

Clifton, Chalmers, amerik. Dirig. , geb. 
30. April 1889 zu Jackson, Miss., stud. 1903 
bis 1908 am Kons. zu Cincinnati, trat dann zu 
Harvard ein, wo er 1912 mit hochster Aus- 
zeichnung graduierte; 1910 leitete er bereits 
das erste MacDowell-Fest in Peterboro, N.H. 
1912—14 war er als Sheldon Fellow von Har- 
vard noch Schuler von d'Indy u. Gedalge in 
Paris, 1913 war er einige Monate in RuBland. 
Im Juli 1914 nach Amerika zuruckgekehrt, 
leitete er wieder das MacDo well-Fes t in Peter- 
boro, u. a. Veranstaltungen in Boston u. 
Cincinnati, komponierte u. leitete die Musik 
fur die Lexington (Mass.)-Festspiele 1915; 
1915—17 war er Dirig. der Cecilia Soc. in 
Boston; dirigierte 1919 in Paris, 1921 das 
Plymouth-Festspiel; jetzt ist er Leiter der 
Amerik. Orch. Soc. in New York. 

Adagio f. Orch. (Schirmer); 2 BXsonaten; The 
Poppy, Tondichtung f. T, u. Orch.; Lieder. 

ClOSSOn, Ernest, belg. M.forscher, geb. 
12. Dez. 1870 zu St. Josse ten Noode (Brussel), 
Hilf skonservator des Instrumentenmuseums , 
seit 1913 auch Lehrer der Kunstgeschichte am 



Clutsam — Coerne. 



117 



Cons, zu Briissel. AuBer manchen Beitragen 
fur M.zeitungen veroffentlichte C. die Schriften: 

Chansons populaires des provinces beiges (1905); 
20 Noels francais anciens (1911); Siegfried de Wagner 
(1891); E. Grieg (1892); Le Manuscrit dit „des Basses 
dances" de la bibliotheque de Bourgogne (1912); Notes 
sur la Chanson populaire en Belgique (1913); Elements 
d'estJiitique musieale (1916); Esthdtique musieale (1921). 
Als Komponist trat er mit kleinen Vokalsachen hervor. 

Clutsam, George H., austral. Komp. u. 
M.kritiker, geb. 1866 zu Sydney, Neu S. Wales; 
bereiste als Wunderkind Neu-Seeland, 1890 
Indien, China, Japan, und iibersiedelte dann 
nach London, wo er sich als Begleiter rasch 
einen Namen machte; 1908—18 M.kritiker des 
Observer. 

Opern: The Queen's Jester (Der Nan der Konigin). 
Leipzig 1896; A Summer Night, lakt, (London 1910); 
The Quest of Rapunzel, Eantate (Queen's Hall, 1911); 
After a Thousand Years, lakt. (Tivoli); The Pool, 
phantast. Melodram (Alhambra); Konig HarleJcin 
(Berlin, Nov. 1912); Young England (mit Hubert 
Bath), 1916. 

Operetten: Gabrielli, mit A. Joyce, 1921; The Little 
Duchess, 1922; Lilac-Time (nach Schubert), Lyric 
Th. 1923. 

Orch.suiten; KLmusik; viele Lieder. 

Coates, Albert, engl. Dirig., geb. 23. April 
1882 in Petersburg von engl. Eltern, seit 
seinem 12. Jahr in Liverpool erzogen, seit dem 
18. wieder in Petersburg, dann am Leipziger 
Kons., 1904 in Nikisch's Dirigentenklasse u. 
Assistent am Stadttheater; KM. in Mannheim 
u. Dresden, 1909 (1911?) an der Kais. Oper in 
Petersburg, 1914 an Covent Garden, 1917 
wieder in Petersburg; seit 1919 Operndirig. bei 
Beecham u. an der B. Nat.Op.Comp. 1923 u. 
24 leitete er Dirigierklassen am Eastman Inst, 
in Rochester, U. S. A. Er gilt in England als 
einer der besten Opern- u. Konzertdirigenten. 

Goates, Eric, engl. Komp., geb. 27. Aug. 
1886 zu Hucknall, Notts.; stud, in Nottingham 
bei Georg EUenberger (V.) u. Dr. Ralph Horner 
(Kompos.); 1906 mit Stipendium an der R.A.M. 
London, Viola bei Lionel Tertis, Kompos. bei 
F. Corder. 1907 bereiste er mit dem Hambourg- 
Streichquartett Siidafrika, war gleichzeitig 
Mitglied des Cathie- u. des Walenn-Streichquar- 
tetts; 1912 fur einige Jahre erster Violaspieler 
im Queen's Hall-Orch. , wahrend welcher er 
mehrere leichte Orch.stucke komponierte, die 
er in den Promenade- Konzert en selbst vor- 
fuhrte. Seit 1918 widmet er sich nur mehr der 
Komposition. 

Miniature Suite (Boosey); Countryside Suite (Haw- 
Ices); Summer-Lays Suite (Chappell); Joyous Youth 
Suite (id. 1921); The Merry-makers, Miniature- Ouver- 
tiire (id. 1923); Moresque, Dance Interlude (id.); kleiner 
Walzer: Wood-Nymphs (id.). 

Lieder-Zyklen mit Orch.: Lace and Porcelain 
(Boosey); 4 Shakespeare Songs (id.); The Mill o' Dreams 
(Chappell); ferner zahlreiche Lieder. 

Coates, John, engl. Lieder- u. Operntenor, 
geb. 29. Juni 1865 bei Bradford; stud, in 
Yorkshire bei J. G. Walton, Rob. Burton, Dr. 
J. C. Bridge; in London bei W. Shakespeare 
u. T. A. Wallworth; in Paris bei Bouhy. 1894 
trat er in London am Savoy Theater als Bari- 



tonist auf , sang 5 Jahre in England Operetten- 
rollen; als Tenorist zum ersten Male am Globe- 
Th. in London, 1901 als Faust an Covent 
Garden; seit demselben Jahr auch in Deutsch- 
land u. Frankreich u. an alien engl. Festen u. 
Opernunternehmungen. Seit 1919 lebt er in 
London dem Lehrberuf u. Konzertgesang; er 
vereinigt mit schoner Stimme hone Knltur, 
vollendete Deklamation u. dramatische Ge- 
staltungsgabe. 

Cobbett, Walter Willson, engl. Musik- 
Mazen, Iiebhabergeigeru. Kammermusikspieler, 
geb. 11. Juli 1847 in Blackheath. Seinen ersten 
Preis von 50 £ stellte er 1905 fur eine neue, 
kurzere Form des Streichquartetts, Phantasy, 
das moderne Gegensttick zur alten Fancy; 
Gewinner W. H. Hurlstone. 1908 fur ein 
Phantasy-Trio; Gewinner Frank Bridge. 1909 
(international, 134 Bewerber) fur eine Sonate 
f. V. u. Kl.; Gewinner John Ireland mit seiner 

I. Sonate (Augener); 1914 fur ein Streich- 
quartett; Gewinner Frank Bridge. 1916 fur 
eine Folk- song- Phantasy; Gewinner J. Cliff e 
Forrester fur ein Trio u. H. Waldo Warner fur 
ein Quartett. 1918 Gewinner York Bowen fur 
eine Phantasy f. Va. u. Kl. 1919 Gewinner 
C. Armstrong Gibbs fur eine Dance Phantasy 
f. KLquintett. 1921 stellte C. Preise fur 
Schuler u. Exschuler der R.A.M. u. des R. CM. 
usw. Er ist Mitarbeiter von Grove's Dictionary 
u. plant (1924) eine Internationale Enzyklo- 
padie der Kammermusik. 

Cocchi de Sanctis, Eduardo, ital. Komp., 
geb. 1868 in Rom; stud, bei Serrao am Kons. 
in Neapel u. bei De Sanctis am Liceo mus. di 
S. Cecilia in Rom. 1906 kam er nach Buenos 
Aires, wo er ein Kons. begriindete, das er noch 
heute leitet. 

Requiem f. Carlo Alberto, aufgef. im Pal. della 
Superga; Marsche f. Orch. Tripoli u. Libia; Kirchen- 
werke; Kammermusik. 

Cochrane, Sir Stanley H., Bart., irischer 
M.mazen in Dublin, geb. 19. Sept. 1877; en- 
gagierte 1913— 14 das London Symphony 
Orch. unter Hamilton Harty fur Konzerte auf 
seinem Sitz Woodbrook bei Dublin u. richtete 
dort Kammermusikkonzerte ein ; auf seine 
Veranlassung fuhrte die Quinlan Opera Co. 
1914 inDublin den vollstandigen i?ing Wagner's 
auf. Mit Esposito grundete er die ,,C. & E. 
Edition" als M.verlag. 

CocorasCU, S carl at s. Rumanische Oper. 

Cocq-Weingand, Amelia, chilenische Pia- 
nistin; geb. 1884, stud, zuerst in Santiago, 
kam 1900 nach Paris, wo sie Schulerin von 
Raoul Pugno wurde. 1905 kehrte sie nach 
Chile zuriick, konzertierte erfolgreich u. iiber- 
siedelte 1914 mit ihrem Gatten, dem Geiger 
Edmundo Weingand, nach Buenos Aires, 

Coerne, Louis Adolphe, amerik. Komp. f 
geb. 27. Feb. 1870 zu Newark (N. J.), gest. 

II. Sept. 1922 in Boston, Mass. ; als Kind von 



118 



Ceeruy — Coleridge-Taylor. 



6—10 Jahren in Stuttgart u. Paris ausgebildet 
(Violinist), dann Schuler von J. K. Paine u. 
Fr. Kneisel in Boston, u. Rheinberger am 
Mtinchener Kons. (1890-93). 1894—97 war 
er Chordir. u. Kirchenorganist in Buffalo, N. Y., 
1897—99 in Columbus, Ohio, kehrte dann 
wieder nach Deutschland zuriick, wo er bis 
1902 blieb. 1903—04 war er associate- prof, of 
music am Smith Coll., Northampton, Mass., 
widmete sich dann an der Harvard Univ. der 
M.wissenschaft. 1905 als erster dieser Anstalt 
promoviert zum Dr. phil. 1905 — 07 verbrachte 
er zwei weitere Jahre in Deutschland; seine 
Oper Zenobia in Bremen war die erste eines 
Amerikaners, die in Deutschl. zur Auffuhrung 
gelangte. 1907—09 war er MD. in Troy, N. Y. , 
1909—10 Dir. des Cons, des Olivet Coll. in 
Michigan (Mus.D. 1910). Seit 1910 Universitats- 
MD. u. Dozent f. M.wissenschaft zu Madison 
(Wise.), u. von 1915 bis zu seinem Tod Prof. d. 
Musik am Connecticut Coll. fur Frauen zu 
New London. Ein fleiBiger Komp. alterer 
Schule — er hat ca. 200 opera komponiert, 
von denen die Halfte gedruckt ist — sind seine 
groBeren Kompositionen in Amerika nur selten 
zu Gehor gelangt. 

Opern: Zenobia op. 66 (Bremen 1905, Berlin 1907); 
A Woman of marblehead op. 40; sinf. Dichtung op. 18 
Hiawatha, 1894; Schwedische Somte op. 60 f. Kl. u. A r . 
(Hofmeister); Messe D-moll op. 53 (Leuckart); Melo- 
dram Sakuntala op. 67; patriotische Hynine op. 41 
f. Chor u. Orch.; Jubilaumsmarsch op. 20; Orgelstucke; 
Kl.trios op. 62 n. 64 (Bosworth); Kantaten (alle bei 
Ditson); Until the Day Break op. 124; A Song of Victory 
op. 125; Skipper Ireson's Ride op. 131; The Landing 
of the Pilgrims op. 135; The Man of Galilee op, 141 
(Schirmer). 

Schrieb: The Evolution of modem Orchestration 
(New York 1908, Macmillan; Dissertation). 

Coeuroy, Andre (eigentlich Jean Belime), 
franz. M.forscher, geb. 24. Feb. 1891 zu Dijon; 
Schuler der Ecole Normale Superieure, Paris 
u. Max Reger's in Deutschland, promo vierte 
1919 als Agrege der Pariser Univ. u. trug 1920 
als Redaktionssekretar zur Grundung der Revue 
Musicale (Leiter: Henry Prunieres) bei, deren 
Mitarbeiter erist; danebenM.kritiker der Revue 
Universelle. Seine schriftstellerische Tatigkeit 
gilt insbesondere der vergleichenden Forschung 
der europaischen Musik u. Literatur. 

La Musique francaise moderne (1922, Delagrave); 
Studien liber Wagner's WalHlre u. Puccini's Tosca 
(Mellottee, 1923); Essais de Musique et de Litterature 
comparees (Blond & Gay 1923, mit Vorrede von Maurice 
Barres); Weber (Alcan, 1924). 

Kompos. (unter dem Namen Jean Belime): Trio 
f. El., Va. u. Klar.; Quintette Minuscule i. Streicher 
u. Klar.; Prelude et Gigue f. Harfe u. V. 

Cohen, Dulcie M., austral. Komponistin, 
lebt in Sydney. 

Zuleika, f. kl. Orch.; Chanson d'Eviradmis, Ton- 
dicht. f. Singst. u. Orch.; Kantaten; Kl.- u. Kanmier- 
musik f. den Unterricht; viele Lieder. 

Cohen, Harriet, engl. Pianistin; geb. zu 
X-ondon; stud, an der R.A.M. bei Tobias 
Matthay, trat z. ersten Male im Juni 1920 in 
Wigmore Hall (mit John Coates) auf; machte 



weite Konzertreisen u. trat besonders firr die 
Kl.werke von Arnold Bax ein. 

GoiacO, Alexandre Rey, portug. Pianist 
u. Padagoge, geb. um 1850; stud, am Kons. 
zu Madrid u. in Paris bei G. Mathias u. T. 
Hitter, ebenso kurze Zeit in Berlin bei Barth 
u. Rudorff (Kl.), Hartel (Kompos.) u. Spitta 
(M.gesch.). Lange Zeit war er in Lissabon der 
begehrteste Kl.lehrer u. eine Hauptkraft des 
Kons.; zur Einfuhrung des Kammermusikspiels 
in Lissabon hat er viel beigetragen. Er kom- 
ponierte zahlreiche fados u. andre populare 
Lieder. 

Vgl. Encyclopedic de la Musique (Paris 1920, Dela- 
grave). 

Coleridge-Taylor, Samuel, engl. Komp.. geb. 
15. Aug. 1875inHolborn, London, gest. 1. Sept. 
1912 zu Croydon; Sohn eines aus Sierra Leone 
stammenden Arztes (Neger) u. einer Eng- 
landerin; trieb friihe bei Joseph Beckwith in 
Croydon das Geigenspiel, stud. 1890—97 am 
R.C.M., zuerst V. als Hauptfach, dann, auf 
einen Wink von Sir Charles Stanford, Kompos. 
1893 gewann er ein Stipendium von 3 Jahren, 
das ein Jahr verlangert wurde. Seine eng- 
lischen u. deutschen Erfolge — Joachim fiihrte 
1897 in Berlin sein Klar.quintett op, 10 auf — 
wurden durch einen Besuch in Amerika 1904 
gekront. Unter seinen Werken finden sich 
neben dem Gold auch Schlacken; er suchte das 
Elementar-Volksliedhafte in der Musik zur 
Geltung zu bringen u. fur die Negermusik das 
zu erreichen, was Dvorak fur die tschechische, 
Grieg fur die norweg. Musik getan hatten. So 
ist die Ouvertiire zu seinem Song of Hiawatha 
aufgebaut auf der Weise der Jubilaums- Sanger: 
Nobody knows the trouble I see, Lord\ 

Op. 1 Kl.qnintett G-moll (ms.); op. 2 Nonett F-nioll 
f. KL, Str. u. Bl. (ms.); op. 3 Suite de Pieces i. V. u. 
Org. (Schott); op. 4 Ballade D-moll f. V. u. Orch. 
(Novello); op. 5 Fantasiestiicke f. Streichquartett; 
op. 6 Little Songs for Little Folk (Boosey); op. 7 Zara's 
Ear-rings f. Oes.u. Orch. (Imperial Inst.); op. 8 Sinf. 
A-moll (U. C. M., St. James Hall, 1896); op. 9 Zwei 
romant. Stiicke (Augener) ; op . 10 Qnintett A-dur 
(Br. & H.); op. 11 Dream-Lovers, Opern-Koman (Boo- 
sey); op. 12 Southern Love-Songs (Augener): op. 13 
Streichquartett D-moll (ms.); op. 14 Legende f. V. 
u. Orch. (Augener); op. 15 Land of the Sun, gem. Ch. 
(id,); op. 16 Hiawathan Sketches f. V. u. Kl. (id.); op. 17 
African Romances f. KL (id.); op. 18 church service 
in F (Novello); op. 19 2 Moorish Pictures f. Kl. (Au- 
gener); op. 20 Gipsy Suite f. V. u. Kl. (id.); op. 21 
Chore f. 3 st. FrCh. (id.); op. 22 4 Walzer f. Orch. 
(Novello); op. 23 Valse-Caprice (Augener); op. 24 
In Memoriam f. Singstimmen u. Kl. (id.); op. 25 i'ehlt; 
op. 26 Gitanos, Kantate-Operette (id.); op. 27, 28 
fehlen; op. 29 Lieder (Augener); op. 30 Song of Hia- 
watha (Novello); op. 31 Humor esken (Augener); op. 32 
fehlt; op. 33 Ballade A-moll f. Orch. (Novello); op. 34 
fehlt; op. 35 African Suite f. Kl. (Augener); op. 36 
Nourmahal's Song and Dance i. KL (id.); op. 37 6 Lieder 
(id.); op. 38 Silhouetten f. KL (id.); op. 39 Romanze 
G-dnr f. V. u. Orch. (Novello); op. 40 Solemn Prelude 
f. Orch. (id., Wore. Fest. 1899); op. 41 Scenes from 
an Everyday Romance f. Orch. (Novello; Philh. Soe. 
1900); op. 42 The Soul's Expression t Alt u. Orch. 
(Novello, Leeds Fest. 1901); op. 44 Idyll f. Orch. (No- 
vello); op. 45 American Lyrics i. Ges. (id.); op. 46 
Toussaint L'Ouverture (id., Queen's Hall 1901); op. 47 
Biihnenmusik zu Herod (Augener); op. 47, II Hemo 



Colleges of Music — Combarieu. 



119 



Dance f. Orch. (Novello); op. 48 Meg Blane, Kantate 
(id., Sheffield Fest. 1902); op. 49 Musik zu Ulysses; 
op. 50 Song-Poems (Enoch); op. 51 Ethiopia saluting 
the Colours, Marsch (Augener); op. 52 Novel etten f. 
Streichorch. Tamburin u. Triangel (Novello); op. 53 
The Atonement, Kantate (id., Hereford Fest. 1903); 
op. 54 Chorballade f. Bariton, Chor u. Orch. (Br. & H.); 
op. 55 Moorish Dance (Angener); op. 56 Cameos f. Kl, 
(id.); oo. 57 6 Sorrow Songs (id.); op. 58 4 African Dances 
f. V. ii. Kl. (id.); op. 59 24 jNTeger-Melodien (Ditson, 
Boston); op. 60 Komanze i. V. u. Kl. (Augener); op. 61 
Kubla Khan, Kantate (Novello), (Handel Soc, London 
1906); op. 62 Musik zu Nero (Novello); op. 63 sinf. 
Variationen iiber ein afrik. Lied f. Orch. (id.); op. 64 
Scenes de ballet f. Kl. (Augener); op. 65 Endymion's 
Dream, Oper lakt., Brighton Fest. 1910, (Novello); 
op. 66 Waldszenen f. Kl. (Augener); op. 67 gem. Chore 
(id.); op. 68 Bon-Bon Suite f. Ch. u. Orch. (Novello); 
op. 69 Seadrift, 8st. a cappella (id.); op. .70 Musik zu 
Faust (Boosey); op. 71 Valse Suite f. Kl. (Augener); 
op. 72 Oper: Thelma (MS.); op. 73 Ballade G-moll 
f. V. u. Kl. (Augener); op. 74 Szenen aus einem idealen 
Ballett f. Kl. (Schirmer); op. 75 The Bamboula (Haw- 
kes, Norfolk Fest. Conn. U. S. A. 1911); op. 76 Kantate 
A Tale of Old Japan (Novello) ; op. 77 Suite de Concert 
(Hawkes); op. 78 3 Impromptus f. Orgel (Weekes); 
op. 79 Musik zu Otello (Metzler); op. 80 V.konzert 
G-moll (id.); op. SI 2 Lieder, Waiting (Boosey), Red 
o'the Dawn (Augener); op. 82 Hiawatha, Ballett f. 
Orch. (ms.); auBerdem verschiedene Stucke ohne 
Opuszahl u. zahlreiche Bearheitungen. 

Vgl. W. C. Berwick Sayers, S. C.-T. (Cassell 
1915). 

Colleges Of Music, s. Akademien. 

Colles, Henry Cope, engl. M.kritiker, geb. 
20. April 1879 zu London; stud, am R.C.M. , 
am Worcester Coll. zu Oxford (Orgelschuler); 
1905 M.kritiker an The Academy, 1906 Hilfs- 
kritiker, u. 1911 als Nachf olger von I. A. Fuller- 
Maitland Hauptkritiker an den Times ; zugleich 
Lehrer fur M.- u. Formengeschichte am R.C.M. 
seit 1919; seit dem gleichen Jalir M.dir. am 
Cheltenham Ladies' Coll. Er ist ein gesund- 
denkender, gediegener Kritiker. 

Bucher: Brahms (1908, deutsch v. A. W. Sturm 
1913); The Orotvth of Musik: (1. Teil 1912, 2. Teil 
1913, 3. Teil 1916. Mili'ord); Hrsg. einer Festschrift 
zu Ehren Parry's (1920). 

Collet, Henri, franz. M.forscher u. Komp., 
geb. 5* Nov. 1885 zu Paris, stud, dort u. in 
Madrid bei M. Pidal span. Literatur (Dr. es 
lettres) u. Musik bei Jos. Thibaud, Bares u. 
Ferd. Olmeda. Als Forscher widmet er sich 
ausschlieBlich der span. M.gesch., wie auch 
seine Kompositionen dem span. Stil folgen. 

Bucher: Le Mysticisme musical espagnol au XVI e 
siecle (Alcan, 1913); Victoria (id., 1914). Kompos.: 
Sinf. Dichtung El Escorial; Suite f. Kl.quintett (beide 
Madrid, Dotesio); Impressions i. Streichquartett; 
Lieder; Sonate Castillane f. V. u. Kl. (ms.). 

Collinson, Thomas H., schott. Organist u. 
Dirig., geb. 1858 zu Alnwick, Northumberland; 
schon als Knabe Organist, kam 18T1 zu Dr. 
Armes, dem Organ, der Durham Cath. , in die 
Lehre u. stud, dort auch bei Dr. Dykes. 1877 
Mus. Bac. Oxon; seit 1878 Organ, u. Chordir. der 
neuen Episkopalkirche St. Mary in Edinburgh; 
31 Jahre lang auch Dirig. des Chorvereins u. 
24 des Liebhaber-Orch. in Edinburgh; seit 
1898 Organ, der Univ. 

Viele Services; Anthems; Orgelstiicke. 

ColllSSOn, Rev. William Alexander 
Houston, irischer Komp., geb. 20. Mai 1865 



zu Dublin, gest. 31. Jan. 1920 zu Hawarden; 
erzogen im Trinity Coll, zu Dublin, 1884 Mus. 
Bac, 1890 Mus. Doc; 1881 Organist an St. 
Patrick's, Trin.; dann in Stellung in Rathfarn- 
ham u. an St. George's in Dublin. Dank seiner 
Tatkraft wurden 1885 die popularen Konzerte 
in Dublin eingerichtet, wie er auch einige in 
Belfast u. London zustande brachte. 1898 
nahm er die Weihen, wurde 1899 Hilfsgeist- 
licher an St. Tudy's, Cornwall u. ging 1901 
von da nach London, wo er seine ganze freie 
Zeit der Kompos. widmete. Er hat viele volks- 
tumliche Lieder humoristischen Charakters ge- 
schrieben. 

Kom. Opern: The Knight of the Road; Strongboiv; 
Midsummer Madness. 

\ Kantaten: St. Patrick; The Game of Chess; Samhain. 

| Operette : Noah's Ark; Irische Suite : Rosaleen; 

; Lieder (Maguire's Motor-Bike, Mountains of Mourne 
usw.). 

Buch: Dr. Collinson in and on Ireland. 
Colonne, Edouard Judas, franz. Dirig., 
geb. 23. Juli 1838 zu Bordeaux, gest. 28. Marz 
1910 in Paris; Schuler des Pariser Cons., 1873 
Griinder des Concert National, das bald den 
Namen Concerts Colonne annahm (s. u.). 
Colonne- Konzerte , Paris , gegrtindet am 

2. Marz 1873 im Odeon-Theatre durch Edouard 
Judas C. , der sich besonders den Werken von 
Beethoven u, Berlioz widmete — dessen 
Damnation de Faust iiber 200 mal aufgeftihrt 
wurde, Nach C.'s Tod, 1910, wurde Gabriel 
Pierne Dirigent. Die Konzerte finden jetzt 
am Samstag- u. Sonntagnachmittag im Theatre 
du Chatelet statt; das Publikum besteht haupt- 
sachlich aus Studenten u. Geschaftsleuten. 

Colonnese, Elvira, ital. Sopranistin, geb. zu 
Neapel; Schiilerin des dort. Kons.; deb. an der 
Scala in den Hugenotten u. sang seitdem 
20 Jahre lang auf alien grofien europaischen 
Biinnen. 1887 kam sie nach Montevideo u. 
Buenos Aires u. begrundete in Buenos Aires 
eine Meistergesangsschule. Ihre beste Rolle 
war Verdi's Desdemona; Franchetti ubertrug 
ihr die Konigin Isabella in seinem Christoforo 
Colombo. 

Combarieu, Jules, franz. M.schriftsteller, geb. 

3. Feb. 1859 zu Cahors (Lot), gest. 1916 zu 
Paris; stud, in Paris u. bei Ph. Spitta auch in 
Berlin, wurde Prof, am Lyceum Louis le Grand 
in Paris u. war 1904—10 Dozent f. M.gesch. 
am College de France u. amtlicher Inspektor 
des Lizeal-Chorwesens; besonders tatig fur die 
Forderung des Chorgesangs, hat er viele Lieder- 
sammlungen fur den Schulgebrauch veroffeni^ 
licht. Als Schuler von Langlade an der Ecole 
Niedermeyer u. von Spitta war ihm das Fehlen 
einer ausreichenden m.wissenschaftlichen Be- 
lehrung an der franz. Univ. besonders schmerz- 
lich; zur Behebung dieses tJbelstands nahm er 
an der Griindung der Revue Musicale teil, 
deren Herausgeber er 1904 wurde. 

Les Rapports de la Musique et de la Poisie, consi- 
direes au point de vue deV expression (Diss. Paris 1894 . 



120 



Combe — Converse. 



Alcan); Be parabaseos partibus et origine (1S94); Theorie 
du rythme dans la composition musicale moderne (Paris 
1897, Picard); Moments de grammaire musicale histo- 
rique (Revue Musicale, 1905 — 06); Le Chant Choral 
(Paris, Hachette); La Musique, ses his, son Evo- 
lution (Paris 1907, Flammarion; Engl. London, Kegan 
Paul); La Musique et la Magie (Picard); Histoire de 
la Musique, 3 Bde. (Paris, A. Colin) usw. 

Combe, Edouard, schweiz. Komp. u. M.- 
forscher, geb. 23. Sept. 1866 zu Aigle; Schiiler 
von Guilmant in Paris, wo ei* 1891—93 Sekre- 
tar von Lamoureux war. Dank seinen An- 
strengungen wurde 1899 der Schweizerische 
Tonkiinstlerverein gegriindet, dessen Vorstands- 
mitglied er 18 Jahre lang war. 1902—14 Dozent 
fiir M.geschichte in Lausanne; jetzt Heraus- 
geber u. M.kritiker der Tribune de Geneve. 

Sinf. Dicht. Les Alpes; Serenade u. Ouverture 
(Wilhelm Tell) f. Orch.; Ode: Moisson (Verlaine) f. 
Ch., Orch. u. Orgel; zahlreiche Chore a cappella; 
Lieder (Lausanne, Fcetisch). 

Comettant, Oscar, franz. M.forscher, geb. 
18. April 1819 zu Bordeaux, gest. 24. Jan. 1898 
zu Montivilliers bei Havre , Schiiler von Elwart 
u. Carafa am Pariser Cons., lebte 1852—55 in 
Amerika, seitdem in Paris, u. hat sich weniger 
durch seine Kompos. (Mannerchore , Kl.phanta- 
sien, Etiiden, einige Kirchengesange) , als durch 
seine schriftstellerische Tatigkeit einen Namen 
gemacht. C. vertrat als M. referent des Steele 
u. Mitarbeiter einer ganzen Reihe andrer 
Blatter (besonders M.zeitungen) eine den 
neuesten Stromungen abholde Richtung. Mehr 
als 10 Jahre lebte er zurxickgezogen zu Monti- 
villiers. Er war mehr ein glanzender Chronist 
als ein geborener M.forscher. 

Histoire d'un inventeur au XIX e siecle: Adolphe 
Sax (1860); Musique et Musiciens (1862); La musique, 
les musiciens et les instruments de musique chez les 
diffirents peuples du monde (1869, auf Grand der Pariser 
Ausstellung v. J. 1867); Les musiciens, les philosopkes 
et les gaietis de la musique en chiffres (1870); Francis 
PlanU (1874); Vn nid d'aufographes (1885/1886); Pleyel, 
Wolff & Cic; Histoire de ceni mille pianos et d'une 
saUe de concert (1890); La musique de chambre, recueil 
des concerts de la salle Pleyel (mit Henry Eymieu u. 
H. Gauthiers-Viilars 1893 bis 1899, 7 Bde.) usw. 

Goncerta! s. Mustel. 

Concerts Rouge, Paris, gegr. 1889, zur Ver- 
mittlung klassischer Musik bei biliigen Ein- 
trittspreisen. Im Quartier latin veranstaltet, 
bestand ihr Publikum zum groBten Teil aus 
der Studentenwelt. Zurzeit eingestellt, sind 
sie durch Konzerte hoheren Niveaus, in Paris 
u. den Provinzen, durch den Dirig. Leon Loicq, 
ersetzt worden. 

Conn, John Peebles, schott. Violinist, 
Pianist u. Dirig., geb. 15. Sept. 1883 zu Peni- 
cuik, Midlothian; stud, bei MacKenzie in 
Townsend u. Prof. Niecks in Edinburgh, ge- 
wann 1902 das Bucher-Stipendium u. besuchte 
1905—06 das Kolner Kons., wo Eldering u. 
Steinbach seine Lehrer waren ; war endlich 
noch Schiiler von Sevcik in Prag. Er war 
Konzertmeister des Dortmunder Philh. Orch., | 
1909—14 Konzertmeister u. zweiter Dirig. des | 
Stadt. Orch. in Bielefeld; wahrend des Kriegs ! 



Gefangener in Ruhleben; 1919—22 Vize-Kon- 
zertm. des Schottischen Orch. , jetzt Lehrer am 
Athenaeum in Glasgow u. Dirig. der Dilettanten- 
orch. von Greenock u. Glasgow. 

Conradi, Johan Gottfried, norweg. Komp. , 
Dirig. u. Forscher, geb. 7. April 1820 zu Tons- 
berg, gest. 29. Nov. 1896 in Christiania; stud, 
anfanglich Medizin, ging aber bald . zur Musik 
iiber, griindete 1843 einen Singverein von 
Studenten u. Handwerkern u. 1845 den 
Handwerkergesangsverein in Christiania ; er 
teilt so mit Johan D. Behrens den Ruhm, 
den 4st. M.gesang in Norwegen in Flor ge- 
bracht zu haben; war 1853—54 MD. am 
Nordischen Theater, machte 1855— 56 mit 
Staatsstipendium in Deutschland weitere 
Studien, leitete 1857 — 58 die Abonnements- 
konzerte in Christiania u. 1875 — 1893 den 
Chorverein des Gewerkschaftsbundes. 

Musik zu mehreren Schauspielen (Gudbrandsdolerne 
von Chr. Monsen); Lieder; Mannerchore; Geschicht- 
licher Vberblick iiber die Entwicklung u. gegenwdrtige 
Lage der Musik in Norwegen (Christiania 1878, Carl 
Wannuth). 

Ccnservatorten s. Konservatorien. 

CcnsoIOj Ernesto, ital. Pianist, geb. 15. Sept. 
1864 zu London, Schiiler von Sgambati am 
Liceo di S. Cecilia in Rom u. von C. Reinecke 
in Leipzig, lebte vor dem Kriege bei Lugano 
u. war Lehrer am Genfer Kons., z. Z. Lehrer 
am 1st. mus. zu Florenz. Er hat mit dem Geiger 
Arrigo Serato viel konzertiert u. ist besonders 
fiir die Werke von Sgambati eingetreten. 

Kl.stiicke. 

CORUS, Georg Eduardowitsch, russ. 
Komp., geb. 1. Okt. 1862 in Moskau, Schiiler 
seines Vaters, eines Kl.lehrers u. des Moskauer 
Kons. (Tanejew, Arensky); 1891—99 Lehrer der 
Harmonie u. Instrumentation an demselben 
Institut, seit 1902 Prof, der freien Kompos. an 
der Opernschule der Moskauer Philh. Geseil- 
schaft, dann Lehrer u. Dir. am Kons. zu Sara- 
tow. Nach der Revolution von 1918 kehrte er 
nach Moskau zuriick, ist jetzt Lehrer am 
dort. Kons. u. Dekan der theoretischen Fakul- 
tat, Mitglied der Russ. Ak. der Kiinste u. 
Wissenschaften u. des Staatsinstituts f. M.- 
wissenschaft. Er ist ein begabter Theoretiker, 
mit eigenen Gedanken iiber die metrisch- 
technische Analyse der mus. Form. Seine 
Hauptwerke dariiber sind noch nicht ver- 
offentlicht. 

Orchesterwefke: sinf. Dichtungen Aus dem Reiche 
der lllusionen op. 23 u. Der Watd rauscht op. 33, nach 
Korolenko; Ballett: Daita; Aus dem Kinderleben i. 
Chor u. Orch. op. 1; Kl.stiicke; Lieder. 

Aufgabenbuch der Instrumentationslehre (3 Teile, 
deutsch von O. von E,iesemann); Handbuch der 
Harmonielehre, 1894; 1001 Ubungen in der musik. 
Theorie, mit Beispielband; russ. Ubersetzung von 
Guiraud's Instrumentationslehre, 

Converse, Frederick Shepherd, amerik. 
Komp., geb. 5. Jan. 1871 zu Newton, Mass., 
besuchte dort die Harvard Univ. u . war 
in der Musik Schiiler von Paine, dann von 



Conze — Corbellini. 



121 



Karl Barmann u. -Chad wick zu Boston bis 
1896, sodann noch von Rheinberger inMunchen 
bis 1898, war darauf bis 1901 Theorielehrer am 
New England-Cons, zu Boston, von 1901— 04 
Musiklehrer, von 1904—07 Hilfsprof. an der 
Harvard-Univ. , u. ist jetzt Kompos.lehrer 
wieder am New England Cons. 

Opera: The Pipe of Desire, lakt. Boston 1906); 
Tlie Sacrifice, 3akt. (Boston 1911); The Immigrants; 
Oratorium Job, op. 24, Worcester, Mass;, 1907; Szene 
Hagar in der Wiiste op. 26; eine Sinfonie D-moll 
op. 7; (1907); sinf. Dichtung Ormazd (Cincinnati 1912) 
u. Ave atque Vale (1917); die Konzertouvertiiren Youth 
op. 6 ii. Euphrosyne op. 15; Orch.romanzen Festival of 
Pan op. 9 u. Endymion's Narrative op.10; Orch.fantasie 
The Mystic Trumpeter op. 19; Festmarsch op. 8; Night 
and Bay (Tondichtungen f. Kl. u. Orch.) op. 11; 
V.konzert op, 13, 2 Streichquartette op 3 u. op. 18 
(A-moll); V.sonate op. 1; Kl. suite op. 2; 4hdge. Walzer 
op. 4 u. op. 5; Ballade La Belle Dame sans Merci f, 
Bariton u Orch. op. 12; einige Lieder u. KLstticke 
(erschienen meist bei H. W. Gray). The Pipe of Desire 
ist das erste Werk eines amerik. Komp., das am Metrop. 
Opera House (1910) aufgefuhrt wurde. 

Conze, Johannes, deutscher Komp., geb. 
29. Mai 1875 zu Lippstadt (Westfalen), be- 
suchte die Kirchenmusikschule , , Gregorius- 
haus" in Aachen (Boeckeler, Nekes, Hansen) u. 
das Seminar zu Riithen u. nach kurzer Tatig- 
keit als Lehrer 1903—05 mit Stipendium die 
Kgl. Hochschule zu Berlin (H. v. Eyken, K. 
Heymann, C. L. Wolf, Hausmann, Stange, 
C. Krebs) u. weiter bis 1911 die Meisterschule 
Fr. Gernsheim's u. blieb dauernd in Berlin 
(Charlottenburg), ist Lehrer am Luisen-Kons. , 
Mitarbeiter der AUg. MZig. und Stimme. 

Messen ftir den kirchlichen Gebraueh; in Sammel- 
werken u. Zeitschriften kleinere kirchl. Gesange u. 
Orgelstucke; Basso ostinato u. Quadrupelfuge liber ein 
Thema von Beethoven op. 12 i. Kl. (Simrock); Vorspiel 
u . Choralfuge iiber Christ ist erstanden op. 13 f. Org, 
(id.); einige MChore (Dem Kaiser Heil: Gotenscklacht) ; 
Lieder. Im ms. Orch.sachen (sinf. Phantasie Sappho, 
1914); Kammermusikwerke (V.Solosonate; Cellosonate; 
3 Streichquartette; 1 Kl.quartett; Orgelsonate iiber 
BACH); grfiBere Gesangssachen : Klage der Ceres 
(Schiller) f. Alt mit Orch.; Eolumbus i. MCh. u. Bariton- 
solo; 8st. Sanctus u. Benedictus mit Soli. 

Cook, Edgar Thomas, engl. Organist, 
geb, 18. Marz 1880 zu Worcester; wurde 1904 
Hilfsorganist an der Worcester- Cath. , unter 
Sir Ivor Atkins, u. ist seit 1907 Organist u. 
MD. an der Southwark Cath. in London, an 
der er Oratorienauffuhrungen alter engl. u. 
moderner Musiker eingerichtet hat. 

Anthems; Services; Chorlieder (Weekes; Stainer & 
Bell; Faith Press; Uovello). 

Coolidge-Preis s. Musikfeste in den V. St. 

v. N. A. 

Cools, Eugene, franz. Komp., geb. 27. Marz 
1877 in Paris, Schuier von Gedalge, Faure 
u. Widor am Pariser Cons. , gewann 1906 fur 
eine Sinfonie den Prix Cressent. Von 1907 
—1923 war er Assistent von Gedalge am 
Cons., seit 1919 ist er Lehrer an der E3cole 
Normale de Musique. Er ist M.Kritiker an 
Le Monde Musical. Seine Musik ist im Stil 
modern gerichtet, aber grundet sich auf festem 
klassizistischem Boden. 



Biihnenwerke: Musik zu Hamlet, 1920; Le Juge- 
ment de Midas, 1922; Opera buff a La Mandragore; 
Drama Kymris u. a.; eine Keihe Orch.^erke, darunter 
eine Sinfonie C-moll, 2 Suiten, eine Poeme f. Kl. u. 
Orch.; Kammermusik; darunter Streichquartett op. 62, 
Kl.quintett op. 76, Sonate f. V. u. Kl. op. 79, Sonate 
f. Fl. u. Kl. op. 64, eine groBe Heine Kl.stiicke, 
Lieder, einige Chore (Andrieu; sonst alles bei Eschig), 
im Ganzen iiber 110 Opera. 

Coomaraswamy, Ananda K., Kunst- u. 
M.schriftsteller; Kustos fur indische u. muha- 
medanische Kunst am Museum in Boston, 
Mass. Erzogen am Wycliffe Coll., Stonehouse, 
Glos.; Univ. Coll. zu London; D. Sc. London; 
1910 Mitgrunder der indisch. Gesellschaf t ; 
Dozent der indischen Kunstgesch. , der all- 
gemeinen Asthetik, Soziologie u. Metaphysik; 
Verf. vieler Bucher. 

Coquard, Joseph Arthur, franz. Komp., 
geb. 26. Mai 1846 zu Paris, gest. 20. Aug. 1910 
zu Noirmoutiers (Vendee), 1862—66 Schuier 
Cesar Franck's, stud. Jura, promovierte 1870 
u. nahm nach dem Deutsch-Franz. Krieg, den 
er mitmachte, seine M.studien wieder auf. C. 
war M.referent der Verite, der Quinzaine u. 
zuletzt des Echo de Paris, Vizeprasident der 
Societe des Compositeurs de musique u. der 
Association de critique dramatique et musicale 
u. schrieb eine kleine Biographie Cesar Franck's 
sowie De la musique en France depuis Rameau 
(preisgekront). Als Komp. ist er ein sentimen- 
taler, auch das Malerische nicht verschmahender 
Klassizist. 1875 deb. er als Komp. mit einer 
Ballade des VEpees (f. Bariton u. Orch.) in 
Colonne's Konzerten, brachte 1884 in Angers 
seine erste Oper L'Epee du Eoi (2 Akte) heraus, 
der weiter folgten Le mari d'un jour (Paris, 
Opera comique, 1886, 3 Akte), Voiseau bleu 
(das. 1894), La Jacquerie (1. Akt v. Ed. Lalo 
(nachgelassen), (1895 in Monte Carlo, sowie in 
verschiedenen franz. Stadten, 1896 auch an 
der Kom. Oper in Paris), Jahel (Lyon 1902) u. 
La troupe Jolicoeur (Paris, Kom. Oper, 1902). 

Zahlreiche gr&Bere Chorwerke (auch kirchliche); 
Gesange f. eine Stimme mit KL; eine Orch.suite; Orqti.- 
werke: Ossian, mit oblig. Harfe, 1880; Edro, 1881; 
Cassandre; Hai-Luli; Andromaque; Christophe Colomb; 
Jeanne d' Are; Le Meurtrier; eine V.legende; eine Cello- 
serenade u. a 

Corbach, Karl, deutscher Violinist u. Dirig., 
geb. 16. Marz 1867 zu Lutgendortmund bei 
Dortmund, Schuier von O. v. Konigslow u. 
G. Hollander am Kolner Kons., trat 1890 in 
das Laube-Orch. (Hamburg), wurde 1891 Hof- 
konzertmeister zu Sondershausen u. Lehrer am 
Kons., 1910 Prof. u. 1911 Hofkm. u. Dir. des 
Kons. 

Corbani, Francisco, ital. Padagoge u. 
Komp., geb. 1871 zu Cremona, stud, am Kons. 
zu Bergamo, kam 1896 nach Buenos Aires, wo 
er an der Nat. Blindenschule Singlehrer wurde. 

Kl.iibertragung von Giordano's Andrea Che'nier. 

Corbellini, Cesar, ital. Dirig. u. Padagoge, 
geb. 1856 in Genua, gest. 1912 in Buenos Aires; 
stud, am Stadt. M.institut zu Genua, leitete 
Ceferino Alassio's Oper II Sindaco Babbeo in 



122 



Corder — Coronaro. 



Genua; kam 1884 nach Buenos Aires, trat dort 
in das Inst. Santa Cecilia u. grundete eine mus. 
Akademie in Barracas, die er bis zu seineni 
Tode leitete. 

Gcrder, Frederick, engl. Komp. u. Kompos.- 
lehrer, geb. 26. Jan. 1852 zu London, trat zu- 
erst in ein kauimannisches GescMft, wurde 
dann aber Schiiler der R.A.M. ; erbieit das 
Mendelssohnstipendium u. stud. weiter bei 
Ferd. Hiller in Koin. Nach seiner Ruckkehr 
wurde er KM. am Brighton-Aquarium (1880 
bis 1882), lebte dann zu Eastbourne u. Brighton 
u. wurde 1889 Kurator u. 1890 Lehrer an der 
R.A.M. , hielt Vortrage iiber Wagner, Berlioz 
u. Liszt, schrieb auch Analysen Wagnerscher 
Opern, iibersetzte die Meistersinger u. Eienzi 
u. war Mitarbeiter von Grove's M.Iexikon. 1905 
begriindete er die 1915 aufgeloste Soc. of 
British Composers, u. hat eine ganze Reihe 
engl. Komp. herangebildet. 

4 Operetten: Philomel 18S0: A storm in a tea-cup 
1880; The Nabob's pickle 1883; The noble savage 1885; 
2 Opcrn: La morte d' Arthur 1878 u. Nordisa, 1887 in 
Liverpool mit groBem Erfolg aufgef.; Kaiitaten: 
Die Cyklopen 1881; The Bridal of Trier-main (Wolver- 
liampton 1886, Novello): The Sword of Argantijr (Leeds 
1889, Forsyth); Margaret, f. Fr. Ch. (Williams, 1888); 
Tramnlancl (Chor u. Orch. 1883); The blind girl of 
castle Cuille (1888, FrCh); mehrere Werke f. Dekla- 
mation u. Orch. (The minstrel's curse 1888; True 
Thomas [1895] u. The tvitch's song [Hexenlied], 
1902); die Ouverturen Ossian (1882) u. Prospero 
(1885. Nbvello); Ouverture, Entr'actes usw. zu Parker's 
The Termagant (1898); Ouvertiire u. Inzidenzmusik 
zu The black tulip (1899); Orch.satze zu Shakespeare's 
Sturm (1886); Evening oti sea-shore (Orch. idyll, 1876); 
eine Rumdnische Suite (1887); Suite Im Sclmarz- 
wald 1876 ;_ Nocturne f. Orch. 1882; Elegy i 24 V. 
u. Orgel (isovello 1908); Pippa passes (dram. Orch.- 
szene 1897); Rumdnische Tanze f. Kl. u. V. (1883, 
Er. & H.); auch eine Motette Sing into God f. 5 Frauen- 
stimmen. Orgel, Harfe. Trompete u. Pauken: River 
songs (Terzette f Fr.stimmen, 1881). 

Theoretische Werke: The Orchestra (Curwen 1S95); 
Modern Composition (id. 1909); History of the Royal 
of Music (Anglo-Fr. Co. 1922). 



Corder, Paul W., engl. Komp., geb. Dez, 
1879 zu London; Sohn von Frederick C; 
stud, an der R.A.M. als Pianist u. Komp., 
seit 1907 Lehrer fur Harmonie u. Kompos. an 
der Anstalt. 

2 Opern (ins.); Dross, Musikdrama ohne Worte; 
Ballette; A Song of Battle i. Chor u. Orch.; 4 Sea-Songs 
i. Bariton u. Orch.; Kl.stucke; Transmutations eines 
eigenen Themas; 9 Preludes; Heroic Elegy u. a. (Ricordi; 
Anglo-Fr. Co., u. a.)- 

Cords, Gustav, deutscher Komp., geb. 
12. Okt. 1870 zu Hamburg, Sohn eines Cellisten 
am Hamburger Stadt-Theater, nach vor- 
bereitendem Privatunterricht 1887—91 Schiiler 
Riemann's an den Kons. zuHarnburg, Sonders- 
hausen u. Wiesbaden, 1894—1911 Violinist im 
Theaterorch. zu Wiesbaden, lebt seit 1911 als 
President des Allg. DeutschenMusikerverbandes 
in Berlin. 

Lieder; instruktive Vortragsstiicke f. V., Kl. u. 
Kornet a Piston; Kl.quartett; Trio f. 3 V. op. 46 
(Yieweg); Orch.: Sinfonie A-moll; 2 Ouverturen; sinf. 
Dichtung Gudrun: sinf. Phantasie Hellas (4 Satze); 
Zwolf Variationen und SchluBfuge iiber ein eigenes 
Them a op. 58; Oper: Sonmvendnacht (Uurnberg 1919). 



Cornells, Evert, holl. Dirig. u. Pianist, geb. 
5. Dez. 1884 zu Amsterdam; Schiiler des dort. 
Kons. (Kl. u. Org. bei de Pauw), 1904 mit dem 
Prix d' excellence fur Orgelspiel ausgezeichnet; 
1910 — 19 zweiter Dirig. des Concertgebouw 
Orch., seit 1912 Leiter des Stadt. Orch. zu 
Utrecht. Er war Leiter des Concertgebouw- 
Sextetts (s. Kammermusik-Vereinigungen) u. 
Organist an der lutheran. Kirche zu Amster- 
dam. Als Pionier moderner Musik hat er in 
Holland, Belgien, Frankreich, Deutschland, 
Osterreich, Indien u. Austr alien konzertiert. 

Cornelius, Peter, deutscher Dichter-Komp. , 
g&h. 24. Dez. 1824 zu Mainz, gest. das. 26. Okt. 
1874. Die PersSnlichkeit dieses feinen Dichter- 
musikers, der so lange im Schatten eines 
GroBeren , Wagner's , stand , ist nach ihrem vollen 
Gehalt erst nach seinem Tod erkannt worden. 
2ium Verstandnis seiner geistigen Bedeutung 
hat vor allem die Veroffentlichung seiner litera- 
rischen Werke (Br. &, H.) beigetragen: Band I 
u . II Gesammelte Brief e (herausgegeb . von 
seinem Sonne Karl C); III Aufsatze iiber 
Kunst u. Musik (E. Istel); IV Gedichte (Ad. 
Stern); zu der seiner musikalischen die von 
Max Hasse besorgte Gesamtausgabe seiner 
Musikal. Werke (5 Bde., Br. & H.), die z. e. M. 
den Barbier von Bagdad in seiner urspriinglichen 
Gestalt zeigten u. manches ungedruckte Stuck 
aus dem Nachlafi brachten. Vertieft worden 
ist diese Erkenntnis dann noch durch Max 
Hasse's Monographie Der Dichtermusiker P. C. 
(2 Bde., Br. & H. 1923), die neue Schopfungen 
besonders aus der Lehrzeit C.s bei S. W. Dehn 
ans Licht brachte. Breite der Wirkung ist dem 
Musiker u. Dramatiker C. versagt; seine har- 
monische u. kontrapunktische Gewahltheit ist 
Sache des Kenners; auch die Reinheit, Zart- 
heit u. der leise Humor seiner Personlichkeit 
haben in der dramatischen Kompos. keine 
Nachfolge gefunden. 

Cornelius, Peter C, dan. Opernsanger 
(Tenor), geb. 4. Jan. 1865 zu Labjerggaard bei 
1 Fredensborg, Schiiler von Nyrop u. Rosenfeld 
I in Kopenhagen, deb. nach weiteren Studien 
i in Paris u. Berlin 1892 im Kopenhagener 
| Kgl. Theater als Toreador in Carmen, sang 
| spater auch Don Juan, entwickelte aber nach 
! erneuten Studien sich zum Tenor; sang auch 
j in Bayreuth 1906 u. London 1907—12 u. 1908 
in Stockholm, war Mitbegrunder des Kopen- 
hagener Wagnervereins u. besonders gefeiert 
als Wagnersanger. Er wirkte an der Kopen- 
hagener Oper bis 1924. 

Coronaro, Gaetano, ital. Komp. u. Lehrer 
am Mailander Kons., geb. 18. Dez. 1852 zu 
Vicenza, gest. 5. April 1908 zu Mailand. Er 
gehort einer Famine namhafter Musiker an — 
auch seine Brlider Antonio (geb . 1850) u . 
Gellio-Benvenuto (geb. 1863) sind Komponisten. 
Seine besten Opern sind: Un Tramonio, 1873; 
La Creola, 1878; Enoch Arden; Malacarne, 



Corti — Costa Carrera. 



123 



1894; er schrieb auch sinf. Werke u. Kammer- 
musik. 

Vgl. Elisabetta Oddone, G. C. (Rom 1922, Au- 
sonia). 

Corti, Mario, ital. Violinist, geb. 9. Jan. 
1882 in Guastalla; war Schuler von Massarenti 
(V.) u. Martucci u. Bossi (Kompos.) in Bologna, 
wurde Primarius im Quintett von Bruno Mugel- 
lini, 1906 Lehrer am Kons. von Parma, 1914, 
als Nachfolger von Arrigo Serrato, am Schar- 
wenka-Kons. in Berlin, im Okt, 1915 am Liceo 
di S. Cecilia in Rom, wo er noch heute wirkt. 

Hrsg : Classici violinisti italiard (Carisch, Mailand). 

CortoleziS, Fritz, deutscher Dirig. u. Komp., 
geb. 21. Feb, 1878 in Passau, war 1897—1901 
Offizier, stud. 1899—1902 unter Ludw. Thuille 
in Munchen M.theorie u. unter BuBmeyer Kl.- 
spiel, wurde 1903 Solorepetitor am Hof theater 
in Schwerin, 1904 Chordir. am Nationalth. zu 
Berlin, 1905 1. KM. in Regensburg, 1906 in 
Ntirnberg u. 1907 auf Mottl's Emp±ehlung 
Hofkm. in Munchen, sowie Dirig. des Lehrer- 
gesang-Vereins u. des Akademischen Gesang- 
vereins. 1911 ubernahm er die Leitung der 
grofien Wagner- Straufi-Tournee in England, 
wurde 1912 1. KM. an der Kurfiirstenoper in 
Berlin u. war 1913—24 auffuhrungsfreudiger 
u. kiinstlerisch gesinnter 1. KM. (GeneralMD.) 
am Hof theater zu Karlsruhe. 

3akt. Operette Rosemarie (Bremen 1919); kom. 
Oper Das verfehmte Lachen (Rostock 1924). 

Cortot, Alfred, franz. Pianist, geb. 26. Sept. 
1877 in Nyon bei Genf ; kam als Kind nach 
Paris, wo er am Cons, erst bei Deeombes 
(Schtiler Chopin's), dann bei Diemer studierte; 
wurde, als begeisterter Wagnerianer, Kor- 
repetitor in Bayreuth, griindete nach seiner 
Riickkehr eine Konzertgesellschaft, deren Orch. 
er dirigierte, u. fiihrte 1902 am Th. du Chateau 
d'Eau Gotterdammerung, Tristan, Parsifal, 
Beethoven's Messe, Liszt's HI Elisabeth u. 
Brahms' Requiem z. e. M. auf. 1905 verband 
er sich mit Jacques Thibaud u. Pablo Casals 
zu einem Trio; 1907 folgte er Pugno als Lehrer 
am Cons. Nach dem Kriege erschien, nach 
neuem Studium, sein Spiel geistiger u. feiner; 
seine Programme bevorzugen jetzt die franz. 
Schule: Franck, Debussy, Faure, Ravel. In 
jedem Fruhjahr gibt C. einen Interpretations- 
kurs an der Ecole Normale de Musique. 

Artikel tiber Kl.Tverke von Debussy u. Faure' (Rev. 
Mils. Dez. 1920 u Okt 1922). Ausgabe von Chopin's 
Etiiden (Senart). 

Cossart, Leland A., Komp., geb. 1877 auf 
Madeira als Sohn einer deutschen Mutter u. 
eines engl. WeingroBhandlers, Schuler von 
Gayrhos am Kons. in Lausanne u. (1897—1901) 
von Draeseke am Dresdner Kons., lebt nach 
voriibergehender Tatigkeit als Korrepetitor u. 
2. KM. am Magdeburger Stadttheater der 
Komp. u. dem M.unterricht in Dresden. 

Lieder; Suite f. 10 Blasinstrumente u. Harfe op. 19; 
Nokturno f. Engl. Horn u. Kl. op. 8; Bomanze f. Kl., 
V. u. Vc, op. 6; Feierstunde des Meeres f. Sopran- 
solo, MCh. u. Orch. op. 20; 2 Konzertetuden op. 15; 



4 Praludien op. 25 f. KL; Vortragsstiicke f. Oboe u. 
KL op. 23 u. a, 

Costa, Alessandro, ital. Komp., geb. 
19. Marz 1857 zu Rom, dort Schuler des Isti- 
tuto tecnico, dann des Liceo mus. di S. CeciUa 
als Schuler von Eugenio Terziani. Schon als 
Schuler schrieb er ein Kl.quintett (Kistner); 
1880 f uhrte er in der Sala Dante Bach's Magnifi- 
cat u. H-moll-Messe auf, dirigierte 1885 ein 
Konzert mit eigenen Kompositionen (Fantasia 
f. Orch.; Visione t Soli, Chor u. Orch. auf 
eigenen Text) ; aus einer Auff uhrung seiner 
Leggenda delVAnima f. Sopran, FrCh. u. Orch. 
im Oratorio di Via Belsiana erwuchs die Grim- 
dung der Societa Bach, die wahrend der Zeit 
ihres Bestehens durch Auffuhrung alterer 
Musik sich um das rom. M.leben aufs hochste 
verdient machte. Nach ihrem Eingehen wid- 
mete sich C. , der mehrere Jahre auch Lehrer 
fur Harmonie u. Kompos. an S. Cecilia ge- 
wesen war, in Mompeo (Umbrien) philos. u. 
buddhistischen Studien. 

2 Sinfonien; ein zweites Kl quintett; Voi'spiel zu 
Shakespeare's Richard III; La Leggenda delVAnima 
(Kl.-A bei P. Cristiano, Kom); Danza degli scheletri 
f. T. u. Orch. (Bologna, Tedeschi); Allegretto aus einer 
Eantasie f. Orch. (Cristiano); Presso una fontana i. 
Ges. u. Kl. (Simrock); Canzone della Bajadera, aus 
seiner Oper Sumitri (Tedeschi); Ondine, i. Ges. u. Kl. 
(id.)- 

Schriften: Pensieri suUa storia della musica (Turin 
1900, Bocca); Coscienza e progresso (Kom 1885); Buddha 
e la sua dottrina (Bocca, 1903); Filosofia e Buddhismo 
(id. 1913). 

Costa, Pasquale Mario, ital. Komp., geb. 
24. Juli 1858 in Neapel; stud, am dort. Kons. 
bei Paolo Serrao u. seinem Oheim Carlo C. 
Kompos.; bei Martucci u. Palumbo Kl. u. bei 
Scafati Ges. Romanzenkomponist seit seiner 
Jugend, schrieb er 1885 die napol. Canzone 
Caruli , unter den hunderten von ihm ge- 
schriebenen eine der besten; andre, meist auf 
Texte von Salvatore di Giacomo , sind : 
Luna nova, Napnlitanata, Era de maggio, 
Caiaro, Un organetto suona per la via, Biondina, 
In alto mare, Scetatef Non v'o mat vista, A'fran- 
gesa, O'capo figlio, A'retirata, Serenata napoli- 
tana, Serenata medioevale, 1881 ging er nach 
London u. machte dort sein Gliick als Sanger 
dieser Kanzonen, kehrte 1885 nach Italien 
zuriick, f uhrte 1889 in Neapel sein Marionetten- 
spiel Le disilluse (lakt., Text von Roberto 
Bracco) auf. 1893 schrieb er in zwolf Tagen, 
in einer schwierigen Situation, seine armisante 
Pantomine VHisioire d'un Pierrot (T. Dejazet), 
weiter die Pantominen Modele Bene (Paris), 
Une nuit de noce (Dieppe); La Dame de Pique 
(London); die Operetten II Capitan Fracassa 
(Turin 1909), II Re di Chez Maxim (Rom 1919) ; 
Posillipo (Rom 1921) u. Scugnizza (Turin 1922). 
Er lebt jetzt in Rom u. hat aufierdem un- 
zahlige Walzer, Marsche u. a. Stucke fur Kl. 
geschrieben. 

COSta Carrera, Francisco, span. Violinist, 
geb. Feb. 1891 in Barcelona, stud, an der dort. 



124 



Costanzi- Theater — Cowen. 



stadt. Schule u. wurde 1908 mit einem Stipen- 
dium ans Cons, zu Briissel geschickt, deb. 1914 
in einem Konzert, das Granados leitete, war 
eine Zeitlang Konzertmeister in Pierre Ivlonteux' 
Orch. Konzert en zu Dieppe u. lebt jetzt in 
Barcelona. Er hat Amerika, Agypten, Spanien 
viel bereist. 

Oostanzi-Theater in Rom, s. Opernhauser. 

Gotcgnt, Antonio, ital. Baritonist, geb. 
1. Aug. 1831 in Rom, gest. das. 15. Okt. 1918, 
einer der groSten und volkstunilichsten ital. 
Opernsanger in der 2. Halite des 19. Jahrh., 
gleichbedeutendals Sanger u.Daxsteller: Schuler 
erst der M.sehule des Ospizio di S. Miehele in 
Rom, dann vonFaldi, Capocei, Mustafa, Aldega, 
Salesi u. a., trat 1851 in Capocci's Oratorium 
Sanf Eustackio in S. Ma. in Vallicella zuerst 
vors Publikum, sang dann an vielen ital. Tliea- 
tern, 1859 in Nizza, nach 1868 abwechsemd 
in Petersburg (26 Saisons), London (23) u. 
Spanien. Sein Repertoire umfaBte 157 Rollen, 
seine beste Verdi's Don Carlos. Vier Jahrelang, 
bis 1869, leitete er auf Wunseh A. Rubinstein's 
eine Gesangsklasse am Petersburger Kons. 
1904 verlieB er die Biihne u. leitete die Ge- 
sangschuie am Liceo di S. Cecilia in Rom. 

Vgi. Kino Angelucci, Ricordi di un artista: A. G. 
(Rom -Ma Hand 1007, Soc. Ed. Teatrale); Onorato 
Rous, A. C,j in: Illustri italiani coniemporanei 
(Florenz, Bemporad). 

0@urvcisi@r, Walter, schweiz. Komp., geh. 
7. Feb. 1875 zu Riehen bei Basel, stud, nach 
Absolvierung des Gymnasiums daselbst 1893 
bis 1899 Medizin, promo vierte 1900 zum Dr. 
med. u. wurde Assistent der chirurg. Khnik, 
entschlofl sich aber noch 1902 die Musik zum 
Lebensberufe zu machen, in welcher ihm s. Z. 
Selmar Bagge der erste Fiihrer gewesen war. 
Er wurde nun Pri vats chiller L. Thuille's in 
Munchen bis zu dessen Tode (Feb. 1907) — 
er ist Schwiegersohn Thuille's — u. blieb dann 
als Theorielehrer in Munchen, wo er Ende 1907 
Mitdirig. der Volks-Symphoniekonzerte des 
Kaimorch. war u. 1910 Nachfolg. von M. E. 
Sachs als Lehrer an der Munchener Akad. der 
Tonkunst wurde (1919 Prof.). C. ist em sehr 
geschatzter Padagoge; als Komp. pflegt er die 
harmonische Gewahltheit der ThuihVsehen 
Schule; seine Hauptstarke Uegt im Stimmungs- 
haf ten , Elegischen , zu dessen Erzielung er 
f-ich auch moderner, impressionistischer Mittel 
bedient; in Lied u. Kammermusik liebt er 
archaistische Wendungen. 

Lieder (op. 1—3, 4, 6—9, 13—19 23 (samtlich 
Hies & Erler), 27 (52 geistliche Lieder); kleine Lieder 
op. 28 (T. & J.); Passacaglia und Fuge 13-moll f. 
Kl. op. 20 (Verlagsanst. dcutsch. Tonkunstier); j 
Orch.lied Die Muse op. 4 ; gem. Chore mit Orch. j 
op. 5 (Gruppe aus dem Tartarus) u. op. 11 {Der Dinur- j 
strom); Mannerchor mit Orch. op. 12 Las Schlacht- \ 
schiff Teme'raire (Text von D. v. Liliencron); ToUn- \ 
jeier (spater mit dem Titel Auferstehung) f. Soli. Chor j 
Orch. u. Orgel op. 26; slnfonischei Prolog zu Spitteler's | 
Olympischer Fruhling op. 10; Variationen u. Fuge j 
iiber ein eigenes Thema i. Kl. op. 21 (Hies & Erler); j 
C Suiten f. V. allein op. 31. Sein Musikdrama Lancelot '■ 



und Elaine op. 25 (Text v. Walter Bergh (Pseudo- 
nym) wurde 1917 in Munchen aufgefuhrt; eine lakt. 
Komodie Die Krahen (Text v. Alois Wohlmuth^ 
ebenda 1921. 

CouttS D. d«, Prof, i Musik an der Univ. 
Melbourne (Australien); gest. 1923. 

Orch.: Ouvertiire; Kantate Lord JJUin's Daughter 
f, Ch. u. Orch.; Lieder-Album von 5 Stticken (Allan 
& Co., Melbourne); 3 Lieder von J. E. Brown (F. 
Harris Co., London); vieie Kl.stiicke. 

Covent Garden, s. Opernhauser. 

Covtsiio. Ambrose r engl. Pianist , geb. 
30. Jan. 1887 zu London, stud, bei Oscar 
Beringer u. Frederick Corder an der R.A.M., 
gewann das Thai berg- Stipendium u. die Mac- 
farren-Medaille. 1914 Prof., 1922 Fellow der 
E.A.M. 

Artikel fur Music Student, 1920; Monthly Musical 
Record 1921/22 u. a. 

Coward, Henry, engl. Chorerzieher u. Chor- 
dirig., geb. 26. Nov. 1849 zu Liverpool, durch 
Privatunterricht zum Musiker gebildet, be- 
gann mit 18 Jahren Singklassen zu erziehen 
u. leitete mit 19 sein erstes Konzert; wurde mit 
22 Schullehrer, verlieS denLehrberuf aber 1888; 
hielt Vortrage liber Musik am Firth Coll. 
zu Sheffield, dingier te dort seit 1880 den 
M.verein u. dasTonkunstlerorch., promov. 1889 
zum Bacc. mus., 1894 in Oxford zum Mus.Dr., 
wurde 1897 Dirig. des Caecilienvereins zu 
Barnsley, sowie in der Folge Leiter verschie- 
dener Chorvereine zu Leeds. Huddersfield 
(1901), Newcastle, Glasgow, Hull, Derby u. 
Chester (1902), ist Dirig. des M.Chorvereins 
zu Sheffield (er brachte die M.feste von Shef- 
field zu ho hem Ansehen, war mit diesem Chor 
auch zweimal in Deutschland, mit dem York- 
shire-Chor in Canada u. auf einer Weltreise) 
u. seit 1904 Dozent fur M. an der Univ. Shef- 
field. 

Kantaten f. Soli, Chor u. Orch. {The story of Be- 
thany, The king's error, Magna charta, Heroes of faith) ; 
fur ifrCh. u. Orch. (The fairy mirror); Tubatkain (Chor 
u. Orch.); Anthems; G-lees; Lieder usw. 

Biicher: Choral Technique and Interpretafio?i (No- 
vello 1914) ; Reminiscenses (Curwen 1919) ; viele Artikel in 
M.ze tschr. 

Vgl. J. A. U o d g er s , The Pioneer Choirmaster 
(J. Lane, 1911). 

Cowen, Sir Frederic Hymen, engl. 
Komp. u. Dirig. , geb. 29. Jan. 1852 zu Kingston 
auf Jamaica, wurde als vierjahriger Knabe 
von semen Eltern nach England gebracht u. 
durch Benedict u. Goss zum Musiker gebildet. 
1865—88 machte er noch weiter Studien in 
Leipzig (Moscheies, Reinecke, Hauptmann) u. 
Berhn (Kiel). Er trat dann, zunachst ohne 
feste Anstellung, als Dirig. besonders seiner 
Werke in England u . auf dem Kontinent 
auf, war MD. der Ausstellung zu Melbourne 
1888, dirig. 1888 — 92 u. wieder 1900—07 die 
Londoner Philh. Konzerte u. wurde 1896 Halle's 
Nachfolger als Dirig. der Philharmonie in 
Liverpool u. der Hallekonzerte in Manchester, 
1897—1915 aber Dirig. der M.feste des Chor- 
vereins u. des standigen Orch. zu Bradford, 



Craft — Crome. 



125 



u. Ende 1899 Dirig. der Philh. Gesellschaft zu ; 
London u. 1900—10 des Schott. Orch. zu 
Glasgow. 1888 war er Dirig. der Hundertjahr- 
Ausstellung in Melbourne. 1900 ernannte inn 
Cambridge, 1910 die Univ. Edinburgh zum 
Ehrendoktor der Musik. 1911 wurde er vom 
Konig geadelt, Als Komp. hat er gern das 
leichtere Genre gepflegt; immer gewahlt ist 
seine Instrumentation. 

Opera: Pauline (London 1876); Thorgrim (London 
1890); Signa (Mailand 1893); Harold (London 1895); 
2 Operetten: Garibaldi (I860); One too many (1874); 
Monica's Blue Boy, Spiel ohne Worte von Pinero 
(London 1917); Musik zur Jungfrau von Orleans; die 
Kantaten The Rose Maiden (1870); The Corsair (Bir- 
mingham 1876); The Sleeping Beauty (Birmingham 
1885); St. John's Eve (1889); The Water Lily (Nor- 
wich 1893); die Oratorien The Deluge (Brighton 1878); 
St. Ursula (Norwich 1881); Ruth (Worcester 1887); 
The Transfiguration (Gloucester 1895); John Gilpin 
(Cardiff 1904); The Sleep (id. 1907); The Veil (Cardiff 
1910); Song of Thanksgiving (Melbourne 1888); eine 
Jubilaumsode (1897); Ode to the Passions (Leeds 1898); 
Kronungs-Ode (1902); mehrere Kantaten fur Frauen- 
stimmen: Der Traum des Endymion (Tenor u. Orch.), 
1897; Nights of music (Duett mit Orch.); a cappella- 
Chdre; ca. 300 Lieder; 6 Sinfonien I. u. III. (skandi- 
navische) in C-moll, II. u. V. in F-dur, IV. (welsh) 
in B-dur, VI. (idyllische) in E-dur; 3 Orch.suiten {The 
Language of Flowers; In the olden time; In Fairy- 
land); eine Indian Rhapsody (1903); 4 Ouverturen: 
D-moll, 1868; Festouvertiire 1872; Niagara 1881; 
Schmeiterling shall 1901 ; A phantasy of Life and Love; 
eine Sinfonietta; mehrere Orch.marsche u. andre kleine 
Stiicke fur Orch.; daranter 2 Folgen von 4 Old English 
Dances (1896, 1905); Kl.konzert A-moll (1869); Kon- 
zertstiick (1900); Streichquartett C-moll; Trio A-dur 
Ballett: Cupid's Conspiracey (London 1917) usw. 

Schrieb: My art and my friends (1913, Autobio- 
graphic), 

Craft, Marcella, amerik. Opernsopranistin, 
geb. 11. Aug. 1880 in Indianapolis; stud, seit 
1897 bei Charles R. Adams u. sang als Konzert- 
u. Oratoriensangerin in ganz New England, kam 
1901 nach Europa, wo sie bei Guagni (Ges.) 
u. Mottino (Darstellung) in Mailand weiter- 
studierte; betrat 1902 in Morbegno die Buhne 
u. sang dann drei Jahre lang an ital. Theatern. 
1905—07 in Mainz, 1907—09 in Kiel, 1909—14 
in Munchen an der Hofoper; dann wieder in 
Amerika, unter anderm 1917— 18 als Gast an der 
San Carlo Opera Comp. u. der Soc. of American 
Singers in New York; seit 1923 wieder als 
Gastsangerin in Deutschland mit dem Wohnsitz 
in Munchen. Sie ist eine Sangerin von hoher 
ital. Gesangskultur. 

Cras, Jean, franz. Komp., geb. 1879 zu 
Brest; stud. Kompos. bei Henri Duparc, dessen 
Freund er ist. Das Meer hat seine Poeten nicht 
nur in der franz. Literatur (mit Loti, Farrere 
u. Avesnes) sondern auch in der Musik: Albert 
Roussel, Bloch, Mariotte u. Jean Cras. 

Streichquartett; Sonate f. Vc. u. Kl.; 3 Samm- 
lungen kleiner Stiicke; 3 Sammlungen Lieder; Sinf. 
Dichtung: Ames d'enfants. Seine Oper Polypheme 
(4 a., nach Albert Samain) erhielt 1922 den grofien 
Preis der Stadt Paris (Op. Comique 1922), 

Cremonini, Eligio, ital. V.cellist, geb. 1854 
zu Persiceto; stud, bis 1874 V.cello am Lie. zu 
Bologna bei Serato, war 16 Jahre lang Lehrer 
in Modena u. wurde 1895 Lehrer am Lie. mus. 



zu Turin, 1896 aber am Lie. Rossini in Pesaro 
Er war Mitglied des TrioPesarese mit Raffaello 
Frontali (V). u. Mario Vitali (Kl.), war in den 
groBten Orch. Europas tiitig u. hat eine Menge 
tiichtiger Schuler gebildet. 

Cressenf, Anatole, geb. 24. April 1824 zu 
Argenteuil (Seine-et-Oise), gest. 28. Mai 1870 
als Advokat in Paris; Musiker u. Musikfreund. 
Er setzte in seinem Testament ein Legat von 
100000 Franken aus (dem seine Er ben weitere 
20000 beifugten) zum Zweck einer Doppel- 
konkurrenz fur die Dichter von Libretti u. die 
Komponisten von Opern (Concours C). Der 
Preis, bestehend aus denZinsen des Kapitals, 
wird alle drei Jahre vergeben. Der ersfce 
Sieger (1875) war William Chaumet mit seiner 
kom. Oper Batfiylle. 

Creutzburg, Harald, Dirig. u. Komp. geb. 
29. Sept. 1865 in Goldingen (Kurland), Schuler 
von W. Bergner in Riga, des Leipziger Kons., 
spater noch von H. Riemann, lieB sich 1897 
als M. lehrer in Riga nieder, wurde 1906 Or- 
ganist am Dom (Nachfolger von W. Bergner) 
u. Leiter des Domchors. 

Lieder; geistUche Chorlieder (Psalmen, Motetten); 
Orgel- u. Orch.sachen (Suite, Pastorale) usw. (groBen- 
teils ms). 

Crickboom, Mathieu, belg. Violinist u. 
Komp. , geb. 2. Marz 1871 zu Hodimont (Lut- 
tich), Mitghed des Ysaye- Quartetts 1888—94; 
1894—96 Primarius eines Quartetts der Pariser 
SocieteNationale(unter Leitung von V. d'Indy) ; 
1896—1905 war er Konzertmeister der mus. 
Akad. u. der philh. Gesellsch. zu Barcelona, 
1910 V.lehrer am Liitticher, u. 1919 am Briis- 
seler Cons. Als Geiger ist er ein vollendeter 
Techniker u. poetischer Interpret. Seine Lehr- 
werke sind Muster ihrer Art : 

Le violon iMorique et pratique, 5 Bande; La Tech- 
nique du Violon, 4 Bde. Als Komp. ohne groBe Ur- 
sprunglichkeit, zeigt er doch eine gewisse ernsteEleganz. 

V. u. KL: Esquisses (Baudoux); Sonate (Schott, 
Briissel); Romance; Ballade; Poeme. 

Vc.u. Kl.: Chant 4Ugiaque; Lieder. 

Crimi, Giulio, ital.Buhnentenor, geb. 10. Mai 
1885 zu Paterno (Catania); stud. Gesang bei 
Matteo Aderno in Catania, deb. am T. Sociale 
in Treviso u. erschien dann auf alien grofien 
Buhnen Europas, Nord- u. Siidamerikas. 

Cristiani, Giuseppe, ital. Pianist, geb. 
19. Marz 1865 zu Anagni; stud. 1879—85 am 
Lie. mus. di S. Cecilia in Rom bei Eugenio 
Terziani (Kompos.) u. bei Mazzarella u. Sgam- 
bati (Kl.), gewann 1886 einen Preis der Societa 
orchestrale romanafiir eine Sinfonieu. grundete 
u. leitete das beriihmte Quintetto romano (mit 
Zuccarini, Tignani, Rosa u. Magalotti), das 
den Romern die erste Kenntnis vieler moderner 
Werke vermittelte. Seit 1915 ist er Kl. lehrer 
am Lie. mus. di S. Cecilia. 

Sonate f. V. u. Kl. (Leipzig, Juxgenson); Bomanze. 

Crome, Fritz, dan. Komp., Padagoge u. 
Schriftsteller, geb. 6. Mai 1879 in Kopenhagen, 
vaterlicherseits aus lubeckscher FamiUe, ging 



126 



Crusi us — Oulwick . 



erst nach Ausbildung als Techniker zur Musik 
iiber (KI. bei Louis Glass; Kompos. bei 0. 
Mailing u . Hortense Panum) , seit 1902 in 
Berlin am Stern'schen Kons. bei E. Jedliczka 
u. Loewengard u. Pfitzner, dann noch in Paris 
bei M. Moszkowsky. C. wirkte darnach einige 
Jahre als Kl.lehrer am Stern'schen Kons., be- 
gann seine m.kritische Tatigkeit am Reichs- 
anzeiger u. den Signalen, siedelte aber 1917 
nach Kopenhagen iiber, wo er als Kl.lehrer 
am Kons. wirkt. 

Sonate f. V. u. Kl. op. 3 (W. Hansen, 1904); Kl.trio 
op. 17; Kl.stucke op. 4; zahlreiche zum Teil ge- 
dmckte Lieder (W. Hansen u. Skandinavisk Musik - 
forlag, Kopenhagen); ein Chorwerk (FrCh.) Helene 
op. 27; ein historisehes Melodram Tordenskjold mit 
Orch. op. 31 usw. 

GrusJUS, Otto, E., deutscher Komp., geb. 
1. April 1892 zu Tubingen als Sohn des Philo- 
logen Otto Crusius (1857—1918, selbst als 
Liederkomp. hervorgetreten); seit 1898 in 
Heidelberg, seit 1903 in Mimchen, wo er erst 
Mathematik u. Physik stud., spater, nach 
dem Kriege, Philosophie; daneben Musik bei 
J. Stoeber; endgiiltig bei Geierhaas u. an der 
Akademie der Tonkunst (Courvoisier, Walters- 
hausen). ] 

Lieder u. Gesange (einige gedr. im Eunstw-art); j 
Kl.stiicke (auch atonale); Kl.sonate; 2 Streich- j 
quartette; mehrere Buhnemrmsiken; Marchenoper. ; 

Gubanasche Oper, s. mexikanische u. kuba- ; 
nische Oper. i 

Gubites, Jose, span. Pianist, geb. 1896 zu | 
Cadiz, Schiiler von Pilar de la Mora in Madrid ] 
u. von Diemer in Paris; Prof, des R. Cons, de I 
Musica in Madrid. i 

GuCueS, Georges, franz. M.forscher, geb. \ 
14. Dez. 1884 zu Dijon, gest. 28. Okt. 1918 zu \ 
Grenoble, Schiiier Romain Holland's an der 
Sorbonne zu Paris, promovierte 1913 zum 
Dr.es lettres u. ging 1914 mit Staatssubvention 
zu m.wissenschaftlichen Studien nach Italien. 
Aufier kleineren Aufsatzen schrieb er: 

La vie parisienne des princes de Wurtemberg-Beliard 
(1912); La Poupliniere et la musique de chambre an 
XVIII e siecle, ein fur die Entstehungsgeschichte der 
nenen Sinfonie sehr wertvolles Werk (Fischbacher, 
1913); Etudes sur un orchestre (1913); Les createurs 
de V opera francais (Alcan. 1914); Sources et documents 
pour servir a Vhistoire de V opera comique en France 
(1913 in L'annee musicale III). Er plante eine Ge- 
schichte der ital. Opera buff a. 

Cui, Casar Antonowitsch, russ. Komp., 
geb. 18. Jan. 1835 zu Wilna, gest. 14. Marz 
1918 zu Petersburg, besuchte zuerst das 
Gymnasium, dann die Ingenieurschule u. 
-Akademie zu Petersburg u. wurde zu- 
nachst als Repetitor, dann als Lehrer, Ad- 
junktprof. u. Prof, der Fortifikation an der 
Akad. angesteilt. Er stieg bis zum Range 
eines Generalleutnants auf u. schrieb ein , ,Lehr- 
buch der Feldbefestigungen" (3. Aufl. 1880) 
u. einen kurzgefaBten UmriG der Gesch. der 
Fortifikation. In der Musik war C. Schiiier 
des poln. Komp. Moniuszko u. von Balakirew. 
1864—68 war er musikalischer Mitarbeiter 



der russ. St. Petersburger Zeitung u, verfocht 
warm die Sache Schumann's, Berlioz'su. Liszt's; 
1878— 79 veroffentlichte er in der Pariser Revue 
et Gazette musicale eine Serie von Artikeln: 
La musique en Russie (separat Paris 1880, 
Fischbacher). C. ist als Komp. an bedeutendsten 
auf vokalem Gebiet. Er wird zwar zu den sog. 
,,Novatoren" (jungruss. Schule: Rimski- 
Korssakow, Mussorgski, Dargomyschski) ge- 
zahlt, schrieb aber nicht wie diese nationalruss. 
Musik, wenn er auch manchmal Dargomyschki's 
melodischer Rezitativtechnik folgt. 1m all- 
gemeinen ist seine Musik oft geistreich u. an- 
mutig, verrat aber einen geringen Grad schopfe- 
rischer Phantasie. 

Hauptwerke: die Opern Der Gefangene im Eaukasus 
(1857, 1881—82 umgearbeitet); Der Sohn des Man- 
darins (1859); William Ratcliff (1868); Angelo, nach 
Victor Hugo (1S76); Der Flibustier, von Bichepin 
(1889); Mamzelle Fiji, nach Maupassant (1900); Der 
Sarazene, nach Dumas (1889); Matteo Falcone, nach 
Merimee (Moskau 1908); nicht aufgef. wurde Die 
Tochter des Kapitdns, nach Pnschkin. 

2 Scherzi u. 4 Suiten f. Orch.; Streichquartett 
C-moll op. 45); iiber 200 Lieder; Salonstiicke f. Kl., 
Vc. ti. V. 

Vgl. Comtes&e Mercy-Argenteau, C. C, Esquisse 
critique (Paris 1888); Weimarn, C. C. als Lieder- 
komponist (russ., Petersburg 189G); Koptjaew, C. C. 
als KLkomponist (russ., Petersburg 1895). Ein Katalog 
der Werke C.s von Pindeisen erschienl894 in Peters- 
burg. 

CliSbertSOn, Sascha, geb. 29. Dez. 1893 in 
Nordamerika, erhielt den ersten V.unterricht 
von einem Kosaken im Kaukasus (die Mutter 
war eine Russin), 1902 Schiiier des Kons. zu 
Rostow am Don, 1905—08 Schiiier Sevdik's 
in Prag, trat zuerst 1906 in Prag offentlich auf, 
1908 in Wien u. machte sich schnell einen 
Namen als hervorragender Violinist. 

Gulp, Julia, holl. Konzertsangerin (Mezzo- 
sopran), geb. 1. Okt. 1881 in Groningen, 
Schulerin des Amsterdamer Kons., konzertiert 
seit 1900, hervorragend besonders als Oratorien- 
sangerin u. im Vortrag der Brahms' schen Lyrik. 
Seit 1919 ist sie mit dem Wiener Industriellen 
Wilh Ginski verheiratet. 

Gulwick, James C. , engl. Organist u. Dirig., 
geb. 28. April 1845 zu West Bromwich (Stafford- 
shire), gest. 5. Okt. 1907 in Dublin, erzogen als 
Chorsanger u. Hilfsorganist an der Kath. zu 
Lichfield, 1866 Organist zu Parsonstown, 
seit 1881 Organist der Kgl. Kapelle zu Dublin, 
Kl. u. Theorielehrer am Alexandra Coll. u. 
Dirig. des von ihm zu besonderer Hohe ge- 
fuhrten Chorvereins Orpftews das. , 1893 Mus. Dr. 
hon. c. (Dublin). Nach seinem Tode ubernahm 
seine Tochter, Miss Culwick, die Leitung des 
Orpheus. 

Anthems ; Psalmen ; Services ; Tedeum ; dram . 
Kantate Die Legende torn Stauffenberg (1890); Kl.- 
quartett; Orgelsonaten; mehrere Kl.sachen (Suite 
op. 1). 

Theoretische Schrrften: Rudiments of music (2. Aufl. 
1882) ; The study of music and its place in general edu- 
cation (1882); The work of Sir Ii. Stewart (1902); Di- 
stinctive Characteristics of Ancient Irish Melody: the 
Scales (Dublin 1897, Ponsonby); auch eine Broschiire 
iiber die erste Auff. des Messias u. a 



Cumberland — Curwen. 



127 



Cumberland, Gerald, engl. Kritiker u. 
M.schriftsteller, geb. 7. Mai 1881 zu Eccles; 
1909—12 M. kritiker des Manchester Courier, 
1912—15 des Daily Citizen, frucht barer Mit- 
arbeiter an engl. u. amerik. Zeitschriften. 
Imaginary Conversations with Great Composers 
(W. Reeves); Set Down in Malice (1918, Grant Ri- 
chards); Written in Friendship( id. 1923); Herausgabe 
der Musician's Handbook Series (id.). 

Cumeyas Ribd, Jose, span. Komp. von 
Chor-, Kirchen- u. Volksmusik, geb. 1875 zu 
Barcelona; Dirig. des Orfeo Catala, Chordir. an 
der Kirche San Felipe de Neri in Barcelona. 

CummingS, William Hayman , engl. 
Tenorist, geb. 22. Aug. 1831 zu Sidbury (Devon), 
gest. 10. Juni 1915 inDulwich, sang zuerst im 
Chor der Paulskirche u. an Temple Church, 
wurde spater Organist an Waltham Abbey, 
Tenorist an der Westminsterabtei u. in der Kgl. 
Vokalkapelle u. Solist vieler M.feste, trat seit 
1865 auch an Londoner Operntheatern auf u. 
machte Gastspielreisen nach Amerika. 1879 
— 96 war er Gesanglehrer an der R.A.M. 1882 
wurde er zweiter, 1886 erster Dirig. der Sacred 
Harmonic Society (1892—96) u. war 1896 bis 
1910 Direktor der Guildhall M.schule. 1900 
wurde er von der Univ. Dublin zum Mus. 
Dr. hon. c. ernannt. C. hat als M.historiker 
Verdienste (Vorlesungen an der Royal Insti- 
tution 1894, an der London Institution 
1900), redigierte die Publikationen der 
Purcell-Gesellschaft, schrieb auch eine Purcell- 
Biographie (fur Huf f er ' s Great Musicians) , 
eine Elementaxm.schule {Rudiments of Music, 
bei Novello), ein Biographical Dictionary of 
music (1892), Arne and Rule Brittania (London 
1912), war Mitarbeiter an Grove's Lexikon u. 
mehreren andern Enzyklopadien u, komponierte 
selbst Anthems, Tedeum in F, Service in D, 
Chorlieder, Lieder, ein Chorwerk The Fairing, 
Legende fur V. mit Orch. usw. 

Cundell, Edric, engl. Komp. u. Dirig., geb. 
29. Jan. 1893 zu London, begann als Hornist 
u. war Orch.mitglied an Covent Garden in der 
Opernsaison 1912, war dann Kl.schuler am 
Trinity Coll. of Music, dem er seit 1914 als 
Lehrer angehort. Seit 1920 ist er Dirig. der 
Westminster Orch. Soc. 1920 gewann er die 
Hammond- Stiftung (200 £) fur Kompos. Als 
Komp. bemuht er sich, ,,sich von der Kon- 
ventionalitat der Moderne zu bef reien , un- 
konventionell zu sein, u. zu einer grofieren 
Lauterkeit des Ausdrucks zuruckzukehren, 
ohne in Romantik zu verfallen," 

Suite f. Streichorch. (Goodwin); sinf. Dichtung 
Serbia (1919, Rob. Goodwin Libr.); sinf. Dicht. The 
Tragedy of Deirdre op. 17 (1922, ms.); Sonnet f. T. 
n. Orch. Our Dead (Goodwin Libr.); Kl.quartett op. 15 
(1922, ms.); Streichquartett op. 18 (1922 Goodwin); 
Valse Fantasque f. Kl, op. 16 (1922, Paxton); The 
Water Babies, 2 Teile (Kl.stiicke f. Kinder; Paxton); 
Kl.konzert (ms.); Suite f. Orch. (For a Comedy, ms.); 
Variationen iiber ein Thema von Bach f. Kl. (ms.); 
viele Lieder (Chappell). 

Curtis, Natalie (Mrs, Paul Burlin), Schrift- 
stellerin uber indianische u. Negermusik, geb. 



zu New York, gest. 23. Okt. 1921 in Paris; 
stud. Kl, in New York bei Arthur Friedheim, 
dann noch bei Busoni in Berlin, Giraudet in 
Paris, Wolff in Bonn u. Kniese in Bayreuth. 
Als Pianistin nach Amerika zuruckgekehrt, 
f afite sie auf einer Reise nach Arizona Interesse 
fur Indianermusik, die sie in den Lagern stu- 
dierte; die erste Frucht ihrer Bemuhungen ist 
ihr Indians' Book, eine Sammlung von 200 Ge- 
sangen von 18 Stammen. IhrErfolg veranlaBte 
sie, ahnliche Forschungen uber Negermusik 
anzustellen, hauptsachlich unter den Studenten 
am Hampton (Va.) Inst. u. anderwaxts. 1917 
heiratete sie den Maler Paul Burlin. 

Songs of Ancient America (Schirmer 1905); The 
Indians' Book (Harper 1907); Negro Folk-Songs, 4T 1 olgen 
(Schirmer 1919 — 20); Songs and Tales from the Dark 
Continent (id. 1920); Lieder u. Chore (Wa-Wan Press; 
Schirmer; Dilworth). 

Curwen, Annie Jessie, engl. padag. Schrift- 
stellerin, geb. 1. Sept. 1845 zu Rathmines, 
Dublin; stud, an der R. Irish Acad, of Music, 
Dublin, bei Joseph Robinson, Fanny Robinson 
u. Sir Robert Stewart. Sie hat den elementaren 
Kl.unterricht in England auf ein hoheres Niveau 
gehoben, u., durch Anwendung der gleichen 
Erziehungsgrundsatze, dasselbe fur den Kl.- 
lehrer zu leisten gesucht, was Joh. Curwen fur 
den Schulgesanglehrer getan hat. Sie ist die 
Gattin von John Spencer Curwen. 

The Child Pianist (jetziger Titel: Curwen Piano- 
forte Method), prakt. Kurs in den Elementen der Musik 
(Curwen 1886); Psychology applied to Music Teaching 
(id. 1920). 

Curwen, J. & Sons, Ltd., engl. Veriag, 
gegr. nm 1850 von John C. in London, dem 
1881 John Spencer C, u. 1916 Kenneth C. 
nachfolgte. Ursprungliche Absicht des Ver- 
lags war, Musik in Tonic- Solfa-Notation zu 
veroffentlichen. Spencer C. dehnte sie nach 
der Seite der Choral- u. padagogischen Musik 
aus, die Kenneth C. weiterpf legte , aber um die 
Forderung des Schaffens der jiingsten engl. 
K omponistengeneration bereicherte. Die Firma 
gibt zwei Zeitschriften heraus: die Wochen- 
schrift Musical News & Herald, u. die Monats- 
schrift The Sackbut; ist auch englische 
Agentur der Universal-Ed. in Wien. Im Jan. 
1924 nahm sie die Firma F. & B, Goodwin in 
sich auf. 

Curwen, John Kenneth, engl. M.verleger, 
geb. 1881 zu Upton, Essex; erzogen zu Abbots- 
holme u. im New Coll. Oxford. 1914 Leiter des 
Verlags J. Curwen & Sons; seit 1919 vorsitz. 
der Tonic Solfa Ass.; 1922—24 Herausgeber 
der Wochenschrif t : Mus. News & Herald, 

Curwen, John Spencer, engl. Schrif t- 
steller, geb. 30. Sept. 1847 zu Plaistow, Essex, 
gest. 6. Aug. 1916 zu London; stud, an der 
R.A.M. bei Ebenezer Prout, Sullivan u. Mac- 
farren. Seine Krafte widmete er der Tonic 
Solfa-Bewegung, der Pflege des Schulgesangs 
(Singen nach Noten) u. der allgemeinen Ent- 
wicklung des Chorgesangs; worin er das Werk 



128 



Curzon — Danische Musik, 



seines Vaters, Rev. John G. fortsetzte. 1880 
Vorsitzender der Tonic Solfa-Ges.; 1883 Orga- 
nisator des ersten Miestes (einer Heriiber- 
nahme der wallisischen Eisteddfod) zu Stratford, 
London, E. Er besuchte u. prufte die be- 
deutendsten kontinentalen, canadischen u. 
amerik. Schulen u. fbrderte die Tagungen der 
M.iehrer in ganz GroBbritannien. Seit 1866 
gab er den Musical Herald heraus. 

Curzon, Emanuel Henri Parent de, franz. 
M.forscher, geb. 6. Juli 1861 zu Havre, Sohn 
des Malers Alfred de C., Dr. phil., Archivar 
am Staatsarchiv zu Paris, M.kritiker der Ga- 
zette de France (seit 1889), Mitarbeiter des 
Guide musical, des Bulletin de la Soc. de Vhist. 
du Theatre (1902—22) u. der Revue Inter- 
nationale de musique. 

La Legends de Sigurd duns VEdda; I'opera d'E. Reyer 
(1890); Musiciens du temps passe (1893, liber Weber, 
Mozart, Mehul u. E. T. A. Hoffmann); Croquis d'ar- 
tistes (1397 iiber Faure, Lasalle, Maurel, Isaac, van 
Zandt, Vergnet, Renaud, Saleza, Fug ere, sowie die 
Viar dot- Garcia, Carvalho, Nilsson, Krauss, Caron, 
Galli-Marie); Les dernieres annees de Piccini a Paris 
(1890); Les Lieder de Franz Schubert (1899); Les Lieder 
et airs detaches de Beethoven (1905); Documents inHits 
sur le „Faust" de Gounod (mit Albert Soubies, 1912, 
Fisclibacher); Eiat sommaire des pieces et documents 
concernant le theatre et la musique, conserves aux Archives 
Rationales (1899); Guide de l' amateur d'ouvrages sur 



la musique (1901); Revue critique des ouvrages relatifs 
a W. A. Mozart (1906). Eine Biographie critique de 
Fr. Schubert erschien 1899 in der Revue des etudes 
historiques, ein Lebensbild Gretry's 1907 u. Meyer- 
beer's 1910 in den Musiciens celebres, eine Monographie 
iiber Mozart 1914, fiber Rossini 1920 in den Maltres 
(■ela musique. Auch iibersetzte;C. Briefe Mozart's (1888, 
Nachlese 1898), Hoffmann's Phantasiestucke in CaUots 
Manier u. eine Auswahl von Schumann's Schriften 
ins Franz. 

Guypers, Hubert, holi. Komp. , geb. 26. Dez. 
1873 zu Roermond (Limburg), Schuler von 
Bernard Zweers in Amsterdam. Seine drei 
Melodramen: Terwe (Weizen); Die Walljakri 
nach Kevlaar (Heine) u. Das klagende Lied 
sind in Holland sehr viel aufgefuhrt. 

Gzarniawski, Cornelius, ruthen. Komp., 
geb. 30. Marz 1888 zu Czernowitz (Bukowina); 
Schuler des Wiener Kons. ( Schenner , Ro b. 
Fuchs, Rud. Dittrich) u. Leschetizky's, zeit- 
weilig dessen Assistent, wirkte 1913 — 19 in 
I Wiesbaden als Kl.lehrer am Spangenbergschen 
I Kons., seitdem als freier konzertierender 
Kunstler u. Komp. in Wiesbaden. 

Sinfonien Fis-moil op. 6 u. E-moll f. Soli, Ch.. 
; Orch. u. Org. op. 31; Sinf. Legende nach Gogol's 
': Zauoerer op. 32; "Kl.quartett op. 7; Sonate F-dur f. 
1 2 Vc. op. 10; Kl. Konzert Es-dur op. 14; Sonate f. 
'. Va. u. Kl. op. 21; 2 Kl.sonaten; Kl.stiicke; Sonate 
. f. El. u. XL, Kl.sextett mit Horn op. 26. 



D. 



DaniSChe ftSuSik. — Die Entwicklung der 
neueren danischen Musik laBt sich ungezwungen 
in der Aufeinanderfolge von vier Generationen 
darstellen. Die erste dieser Generationen be- 
stand aus einigen norddeutschen Musikern, die 
mit ihrer Verpflanzung nach Danemark in- 
stinktiv den spezifischen Ton trafen, den man 
als danisch bezeichnen kann : die — im Vergleich 
zur Liebe des Deutschen zu Tonika und Domi- 
nant — altertumlichere Harmonik, die schein- 
bar unsinnlichere Melodik, den verhalteneren 
Ausdruck uberhaupt: es waren der deutsche 
Liedmeister J. A. P. Schulz, der 1787—1795 
Hof kapellmeister in Kopenhagen gewesen ist; 
F. L. A. Kunzen, der mit seinem Holder Danske 
eine der ersten danischen Opera geschrieben 
hat; Friedrich Kuhlau, ebenfalls ein Opern- 
mann, und der echt danische Lyriker C. E. F. 
Weyse. Auf diese „Klassiker u folgt Niels 
W. Gade (1817 — 90), der trotz seiner volligen 
Hingegebenheit an die Leipziger Romantik 
seine ,,nordische w Eigenart stets leise betont; 
er hat die Musik in Kopenhagen wahrend der 
ganzen Halfte des 19. Jahrhunderts fast aus- 
schlieBlich beherrscht und kaum die nationalere, 
tiefer im Volkstum verwurzelte Opernmusik 
seines — allerdings auch deutschblutigen — 
Schwiegervaters J. P. E. Hartmann (1805 — 1900) 
(Volksoper Klein- Kir sten), oder die feine Lyrik 
P. A. Heise's (1830—79) zur vollen Nach- 
wirkung kommen lassen. 



Wie ,,europaisch (i , in ihrer Allgemeingultig- 

keit die Kunst dieser zweiten Generation ist, 

zeigt diejenige des Hauptvertreters der dritten 

Generation, Carl Nielsen (geb. 1865). Er ist 

in einem aufierlichen Sinn Schuler Gade's 

gewesen und steht damit neben einigen alteren 

Musikern, von denen Jorgen Mailing (1836 bis 

1905), Asger Hamerik (1843—1923), Otto 

j Mailing (1848—1915), V. Bendix (geb. 1851) 

und G. Helsted (1857 — 1924) genannt seien — 

| fast lauter tiichtige Musiker, die sich in der 

Art der deutschen Mendelssohn- und Schumann- 

j Nachfolge auf den Gebieten der Sinfonie, 

;' Kammermusik, des Chorstiicks ergangen haben; 

1 freier sind nur P. E. Lange-Mulier (geb. 1850) 

■ und C. F. E. Horneman (1840—1906). In 

Nielsen's Werk, vor allem seiner Sinfonik, 

tritt eine musikahsche Urkraft zutage, die inn 

zum bedeutendsten nordischen Musiker seiner, 

unserer Zeit uberhaupt macht; in der Unab- 

hangigkeit, Naivitat und Kraft, mit der er sein 

thematisches Material erfindet, gegeneinander- 

fuhrt und rein sinfonisch ausspinnt, in der 

Freiheit von deutschen, russischen, franzosischen 

Vorbildern ist er der starkste Vertreter seiner 

Nation, ohne je das Nationale hervorzuheben. 

I Sowohl sein Altersgenosse Louis Glass, wie der 

etwas jiingere Hakon Borresen haben, jener in 

J der Sinfonie, dieser in der Oper, das ? ,Nor- 

! dische" etwas bewuBter betont, ohne damit 

i ihr Fers6nlieh.es zu steigern. Um diese drei 



Danische Volksmusik — Dalla Rizza. 



129 



Musiker gruppieren sich einige weniger spezi- 
fisch danische Gestalten, der Opernkomponist 
August Enna (I860), der sein italienisches Blut 
in seinem etwas bunten Buhnenwerk keines- 
wegs verleugnet; der kaprizidse Fini Henriques 
(1867), Rudolph Bergh (1859—1924), Alfred 
Tofft, Ludolf Nielsen. 

Die jungere und jiingste Generation folgfc teils 
mehr paneuropaischen Idealen, wie Paul 
v. Klenau, der ssin Danentum fast nur mehr 
stofflich betont und nach Deutsehland und 
Osterreich tendiert;. oder neigt zu einer zart 
nordisch schattierten Neuromantik, wie der 
Kammermusik-Komponist Viggo Brodersen, 
oder endlich zum kultivierten Pariser Im- 
pressionismus und Neuklassizismus, zu welchem 
dem Kopenhagener Danentum der Zugang 
ebenfalls offen ist. Nur einige Namen seien 
genannt: J. L. Emborg; Peder Gram; Emilius 
Bangert; Adolf Riis-Magnussen; Poul Schier- 
beck; Rud. Simonsen; Rud. Langgaard. 

VgL Knud Jeppesen in Adler's Eandb. der M.geseh. 
<1924). 

Danische Volksmusik, s. Laub; Thuren. 

D'AglliilO, Corradino, argent. Komp., 
geb. 1868 zu Agnone, Campo basso (Italien); 
stud, am Sons, zu Neap el, kam 1888 nach 
Buenos Aires, wo er am Politeama seine Oper 
11 Leone di Venezia zur Auff. brachte; kehrte 
dann fur 4 Jahre nach Italien zuriiek, um 
endgiiltig wieder nach Buenos Aires zu kommen, 
erst als Lehrer f. Kompos. u. Harmonie am 
Cattelani-Kons. , jetzt am Santa Cecilia-Inst. 
Seine zweite Oper La Zingara, ist ein Ein- 
akter, Text von seinem Oheim, dem Dichter 
Nicolas d'Aguillo. 

Daff ner, Hugo, deutscher M.schrif tsteller 
n. Komp., geb. 2. Juni 1882 zu Munchen, 
Schuler der Mimchner Kgl. Akad. (Thuille, 
Schmid-Lindner) und Universitat (Sandberger, 
Kroyer); promov. 1904 zum Dr. phil., war 
auch noch Privatschuler von Max Reger 
u. Stavenhagen, wirkte 1904 bis 06 als KM.- 
volontar bzw. -assistent an der Miinchener 
Hofoper, war 1907—09 M.referent der Allg. 
Zeitnng in Konigsberg, 1909 — 10 der Dresdener 
Nachrichlen, lebte dann wieder in Konigsberg, 
seit 1924 in Berlin. Kurze Zeit war er Hrsg. 
des Dante-Jahrbuchs. 

Die Entwicklung des Klkonzerts bis Mozart (Br. & H.); 
Masikwissenschaft u. Universitat (id. 1910); Salome, ihre 
■Gestalt in Geschichte u.Kunst (1912) : Francesco, da Rimini 
in der Musik (1912), aucli gab er Friedrich Nietzsche's 
Randglossen zu Bizets Carmen (Regensburg, G. Bosse. 
1912) neu heraus. Opern; sinfonische u. Kammermusik; 
Xyrik. 

Dahl, Viking, schwed. Komp., geb. 8. Okt. 
1895 zu Osby; stud. Musik an den Kons. zu 
Malmo u. Stockholm, dann in London u. Paris 
<(bei Vidal, Ravel, Vines); auch Tanz bei Isadora 
.Duncan. Er komponiert in sehr modernem 
Stil u. befaBt sich besonders eifrig mit der 
ITanzpantomime . 

Einstein, Musiklexikon. 



Ballett: Orientalische Suite, 1917 (Stockholm 1919); 
Maiso'n des fous, Ballettpant., Paris 1920, Th. des Champs - 
Elisees, London 1921; Pastorale, Konzertstiick f. Ob. 
u. Orch., Kopenhagen 1922; Sinfonietta;Streichquartett; 
Kl.trio; Suite f. V. u. Kl.; Etiiden; Lieder; KXstucke. 
Oahlke, Ernst, deutsch. Herausgeber, geb. 
19. Marz zu Grimewald (Pommern) als Sohn 
eines Lehrer-Organisten; machte 1897 die 
Lehrerprufung, 1912 die staatl. akad. Gesangs- 
lehrerprufung, amtiert als Oberrealschulmusik- 
Iehrer in Dortmund und ist Schriftleiter der 
Halbmonatsschrift fixr Schulmusikpflege. 

Bearbeitung von Liedern zur Laute; Hrsg. von 
Lautenmusik alter Meister; Liederhueher (Das deutsche 
Lied); Neubearbeitung des Sdngerhain von Erk-Greef 
u. a. Gesangslehrbucher. 

Dahms, Walter, deutscher M.schrif tsteller, 
geh. 9. Juni 1887 in Berlin, war zunachst 
Orch.geiger u. stud, autodidaktisch u. dann 
von 1907 — 10 unter Adolf Schultze in Berlin 
Kompos. u. Kl. spiel, wirkte kurze Zeit als Chor- 
dirig. u. 1912 als M.kritiker am Kleinen Journal. 
D. lebte in Berlin, war 1919—20 noch Schuler 
von Otto Vrieslander u. lebt seit 1922 in Italien. 
Lieder; Chore; ^vicher : Schubert (1912 Deutsche V. A.); 
Schumann (1916 id.); Mendelssohn (1919 id.); Die Off en- 
barung der Musik. Eine Apotheose Fr. Nietzsehes (Munchen 
Musarion-Verl. 1922); Musik des Siidens (1923; Deutsche 
Verlagsanstalt) ; Chopin (Miinchen 1925, Halbreiter). 
Daino, s. Litauische Musik. 
D Albert, Eugen, s. Albert. 
Dal Croze, s. Jaques-Dalcroze. 
Dale, Benj amin James, engl. Komp. , 
geb. 17. Juli 1885 zu Crouch-Hill (London), 
Schuler der R.A.M. (H. Lake u. H. Jones 
fur Kl., Lemare u. Richards fur Orgel, Fr. 
Corder fur Kompos.), Organist an St. Lukas 
(W. Holloway), Komp. neuromantischer Rich- 
tung, dessen bekann testes Werk die Kl.sonate 
op. 1 (Novello) ist. 

Op. 2 Suite f. Va. u. Kl. (Novello); op. 3 Night Fan- 
cies f. Kl. (Uicordi); op. 4 Phantasy f. Va.u. Kl.(Schott); 
op. 7 Before the Paling of the Stars, i. Ch. u. Orch. (No- 
vello, Hereford Fest. 1921); op. 9 2 Lieder aus dem 
Sommernachtstraum f. MCh. mit oblig. Va. (Novello); 
op. 10 English Dance f. V. u. Kl. (Anglo-Fr. Co.); op. 11 
V.sonate (Augener) ; op. 12 Song of Praise f . Ch. u. Orch. 
(Novello); Prunella f. V. u, Kl. (Augener); zusammen 
mit K. Dale: 6 Stiicke von Couperin, frei bearb. f. V. 
u. Kl. (id.); op. 6: Carols: In Bethlehem (Novello); The 
Holy Birth (id.); The SJiepherd and the Mother (Stainer 
& Bell). Ms.: op. 5 Fantasia f. 6 Violen. 

Dal helm (d'Alheim), Pierre, Baron, geb. 
8. Dez. 1862 zu Laroche (Dep. Yonne), franz. 
Journalist u. Romanschrif tsteller, machte in 
Frankreich eifrig Propaganda fur russ. Musik, 
speziell fur Mussorgski, iiber den er eine Mono- 
graphie geschrieben hat (3. Aufl. 1896). Seine 
Gattin Marie Olenina, geb. 1872, ist eine 
durch ihren hinreifienden Vortrag Mussorgs- 
kiseher Lieder bekannte Sangerin. Sie sehrieb 
Les legs de Mussorgski (Das VermUchtnis M.s r 1908 
mit franz. Ubersetzung der russ. LiedeT); russ. 1910. 
Dalla Rizza, Gil da, ital. Opernsopran, geb. 
1892 zu Verona; stud, in Bologna in der Schule 
Ricei u. Vittorio Orefice u. deb. auch, kaum 
20jahrig, in Bologna, in Werther; sie ist haupt- 
saehlich in Rom u. in Sudamerika aufgetreten 
u. kreierte die Sopranrollen in Puccini's La 

9 



130 



D alley-Scarlett — Damrosch. 



Rondine , Suor Angelica , Gianni Schicchi 
(1. ital. Aufi), sowie in Mascagnfs II Piccolo 
Marat u. Zandonai's Giulietta e Romeo. 

Dalley-Scarlett, Robert, austral. Organist 
u. Komp, , geb. 16. April 1887, lebt als Lehrer 
in Brisbane, Queensland. 

Cantaten mit Orch.: Christmas Cantata; The Arma- 
da; Psalm XX] V; Hesse in Es;. Anthems; Ch5re; 

2 Sonaten f. V. u. Kl. D-dur u. A-dur; viele Lieder u. 
Kl.stttcke, alles Ms. 

Dallier, Henri, franz. Organist u. Komp., 
geb. 1849 zu Rheims; im Alter von 16 Jahren 
schon Organist an der Kathedrale; stud, bei 
Bazin u. C. Franck am Pariser Cons., 1908 
daselbst Lehrer f. Harmonie, 1878—1905 
Organist an St. Eustache, seitdem als Nach- 
folger von G. Faure Organist an der Madeleine. 

Allegro {Pari?, Mennesson); Andante in G (Ledue); 
Offertorien; Preludes f. alle Festtage. u. a.; 2 Messen; 

3 Kantaten; Chfire ; Kammermusik, darunter ein Kl.trio 
C-moll (Fromont); Stiicke f.V.u.Kl.u.a. 

Dameck,Hjalmar von, dan. Geigenpadag. , 
geb. 24. Marz 1864 in Kopenhagen; besuchte 
das Leipziger Kons. von 1879—1882 (H, Schra- 
dieck, F. Hermann im V. spiel, F. W. Rust 
in der Theorie) ; studierte dann noch bei 
H. Petri. 1882—92 war er erster Geiger im 
Leipziger Gewandhaus- u. Theaterorch., 1888 
— 92 zugleich auch Mitglied des Gewandhaus- 
Quartetts. 1892 ging er als Konzertmeister 
nach Barmen u. siedelte 1902 nach New York 
uber, wo er bis 1910 V. lehrer am Deutschen 
Kons. u. 1904—10 zugleich auch Lehrer am 
Coll. of Music war. 1910 zog er nach Berlin 
u. war von 1911—17 V'lehrer am Stern'schen 
Kons. In seinen Berliner Kammermusikabenden 
brachte er uber 50 Werke alter er Meister zur 
Auffuhrung. Er edierte Werke alterer Meister 
sowie V.konzerte u. Studienwerke f. dieVer- 
leger: Br. & H., Peters, Simrock, Raabe & 
Plothow, Benjamin usw. 

Damerini, Adelmo, ital. Schriftsteller u. 
Komp., geb. 11. Dez. 1880 zu Cormagnano 
(Florenz), erst Autodidakt, dann Schuler von 
Binelli u. Giannotto Bastianeili. Er lebt in 
Rom als Gesangslehrer am Am eric. Methcdist- 
Inst. 

2 st. Messe mit Strcichquintett (Pistoia 1909); Mo- 
tetten; Psalmen; Hymnen; Sequenzen; Humoresque 
sinfonica (Pistoia 1912); La Parlenza { Pasco li) f. MCh. 
(1914); Lieder (1915); Kl.- u. V. stiicke. 

AuBer vielen Artikeln in Iiiforma musicals (Turin), 
Musica (Pom) u. a.: elne Studie uber Jacopo Melani's 
(1623 — 76) Ercole in Tebe (Bolletino storico pistoiese 
XIX, 1 — 2); iiber Lorenzo Perosi (Nuova Musica, 
Plorenz, Juni 1917); L'Oriyine e lo svolgimento della 
sinfonia (Pistoia 1920, Pagnini). 

Damrosch, Frank Heino, amerik. Dirig. 
u. Padagoge, Sohn von Leopold D. (1832 
— 1885) u. Bruder von Walter D. , geb. 22. Juni 
1859 zu Breslau, Kl.schiiler von Joseify, 
Dionys Pruckner, Jean Vogt u. Von Inten, 
Kompos. schuler seines Vaters u. Moritz Mosz- 
kowski's, sollte Kaufmann werden ; war aber 
bereits 1882 Vereins dirig. , Schulmusiklehrer 
u. Organist mehrerer Kirchen in Denver 



(Colorado) u. ubernahm beim Tode seines 
Vaters 1885 die Chordirektorstelle an der 
Deutschen Oper in New York (bis 1891). 
1885 — 1887 leitete er auch die Newark 
Harmonic Soc; 1897—1905 war er Gesangs- 
inspektor der offentlichen Schulen von New 
York, ubernahm 1898—1912 als Nachfolger 
seines Bruders Walter die Leitung der von 
seinem Vater 1873 begrundeten Oratorio Soc. 
u. leitete auch mehrere auswartige Vereine. 

1892 rief er Volkssingvereine ins Leben, welche 
sich schnell zu grofiem Umfang entwickelten. 

1893 grundete er die Mus. Art. Soc, eine 
Vereinigung von gegen 60 Fachsangern, die 
die Kunst des a cappella-Gesangs alter u. 
neuer Musik aui eine in Amerika unerhorte 
Hohe brachten: aus Mangel an Unterstiitzung 
1920 eingegangen. 1898—1918 leitete er die 
Sinfoniekonzerte fur die Jugend. 1905 wurde 
er Direktor des durch die Stiftung von James 
Loeb ins Leben gerufenen New Yorker Kons. 
groBen Stils, des Institute of Musical Art. 
1904 Mus. Dr. h. c. der Yale-Univ. Als Komp. 
trat er nur mit einigen Liedern u. Choren 
hervor. 

Popular Method of Sight-Singing (Schirmer 1894); 
Some Essentials in the Teaching of Music (id. 1916). 

Damrosch, Walter Johannes, amerik. 
Dirig. u. Komp., geb. 30. Jan. 1862 zu Breslau ? 
Sohn von Leopold D., Bruder von Frank D. 7 
kam als 9jahriger Junge mit seinem Vater 
nach Amerika , wurde in der of f entlichen 
Schule zu New York erzogen, stud. Kl. bei 
Von Inten, Boekelmann u. Pinner in New 
York, Theorie bei seinem Vater, dann bei 
Kischbieter u. Draeseke in Dresden, spater 
bei Urspruch in Frankfurt a. M. u. bei Bulow. 
Noch ein junger Mann, fungierte er als Hilfs- 
dirig. seines Vaters am Metrop. Op. House 
in New York. Als Leopold D. 1885 starb, 
f iel die Last der Fortf uhrung seines Werks nicht 
allein an der Oper, sondern auch der Oratorio 
Soc. u. Symphony Soc. in New York, auf 
seinen 23 j ahrigen Sohn , der die Oratorio 
Soc. 1885—98 u. wieder 1917—21 leitete. 
1895 rief er die Damrosch Opera Co. ins Leben, 
die das Land 4 Jahre lang durchzog u. als erste 
Wagner's Opern in Amerika wirklich bekannt 
machte, mit der er auch seine eigene Oper 
The Scarlet Letter (Boston 10. Febr. 1896) 
auffuhrte. Eine andre Oper, Cyrano de Ber- 
gerac, wurde an der Metrop. Op. 27. Febr. 1913 
aufgefuhrt. Sein Hauptruhm kniipft sich 
an seine Tatigkeit mit dem Orch. der Sym- 
phony Soc. Seit 1885 ist er ihr Leiter gewesen 
u. ist so der alteste der amerik. Dirig. Mit 
diesem u. dem Institut der Orat. Soc. brachte 
er Wagner's Parsifal in Amerika zur ersten 
Aufi in Konzertiorm (1896); ebenso hat er 
Tschaikowsky's V. u. III. Sini, Brahms' IV. , 
Elgar's I. u. II., Sibelius' IV. u. d'Indy's III. 
Sinl , Elgar's Falstaff, Ravel's Daphnis «. 



Danckert — D'Arienzo. 



131 



Chloe, Delius* Sommernacht am Fluff u. On 
Hearing the First Cuckoo in Amerika ein- 
gefuhrt. 1920 besuchte er mit dem Symph. 
Orch. Europa. 1902—03 leitete er auch die 
Konzerte des New Yorker Philh. Orch.; 1900 
— 02 die Wagner-Opern am Metrop. O.H. 
unter Grau's Direktorat. Im Juni 1921 diri- 
gierte er ein amerik. Programm am British 
Music Soc. Congress in London. Mus. D. h.c. 
Columbia Univ. New York 1914 usw. 

Opem: The ScarUt Letter (Br, & H. 1896); Cyrano de 
Bergerac (Schirmer 1913); Kom. Oper The Love of Peace 
(id. 1912); Manila Te Leum f. Cn. u. Orch. (J. Church 
Co. 1898); The Virgin Mary to the Child Jems, 2 6stim- 
mige Motetten a cappelia (id. 1899); Sonate f. V. u. EJ. 
op. 6 (id. 1899); viele Lieder, danuiter das populfire 
Danny Deever op. 2, Nr. 7 (Church 1897); Musik zu 
Medea u, Iphigenia in Aulis des Euripides (1915) u. zur 
Elektra des Sophokles (1917). Schrieb: My Musical 
Lite (Scribner 1923). 

Danckert, Werner, deutscher M.forscher, 
geb. 22. Juni 1900 zu Erfurt, stud, zunachst 
Naturwissenschaften u. Mathematik in Jena, 
dann in Leipzig unter Riemann, Schering, 
Abert M.wissenschaft; ist seit 1922 Assistent 
G. Becking's am M.wissenschaftlichen Seminar 
der Univ. Erlangen. Promotion 1923 mit einer 
Geschichte der Gigue, die 1924 in Buchform 
(Kistner & Siegel, Leipzig) erschien. 

Aufsatz: Die A-dur-Suite in Friedemann Loch's 
Klavierbuch in der Zeitschr. f. MW, Feb. 1925; eine 
grOBere Arbeit uber Personate Typen des Melodiestils 
u. eine Anthologie alter RLmusik befinden sich in 
Vorbereitung. 

D 'Andrea, Cav. Gennaro, argent. Pianist, 
geb. 1860 in Neapel; stud, bei Cesi (der ihm 
in seinen Appunti di Storia e Letteratura del 
Pianoforte hohes Lob spendet) am dort. Kons., 
begann lSjahrig zu konzertieren, spielte 1896 
in Paris, Nizza, Monte Carlo u. kam 1898 
nach Buenos Aires, wo er soviel Erfolg hatte, 
dafi er als Lehrer sich niederiiefi. Mit Fracassi 
griindete er ein Kons. 

Daneatl, Nicolas Adolphe Gustave, 
belg. Komp., geb. 17. Juni 1866 zu Binche; 
stud, an der Akad. zu Charleroi, dann am 
Genter Kons., erhielt 1895 den 2. Rompreis. 
1896 wurde er Dir. der Akad. d. Musik zu 
Tournai u. wurde 1919 Nachfolger von Van 
den Eeden am Kons. zu Mons. 

3akt. lyr. Oper: Linario (Tournai 1906); 4akt. 
Opernidyll Myrtis; 3akt. Oper Die Sphynx; 3akt. lyr. 
Vaudeville Chasse du Roy; lakt. Oper La Brute; Chor- 
werke f. MCh.; Lieder; Kl.stucke; Streichquartett; 
Streichquintett u. a. 

D'Angeli, Andrea, ital. M.forscher u. 
Kritiker, geb. 9. Nov. 1868 zu Padua, wo er 
studierte; erst Prof, fur Literaturgesch. am 
Liceo zu CagUari, jetzt Lehrer der M.gesch. 
am Liceo zu Pesaro u. Dozent an der Univ. 
Padua. 1907—14 leitete er die Zeitschrift 
Cronaca musicale, die er mit wertvollen Bei- 
tragen versah. 

La Musica nel dramma greco (Turin, ;Loescher); La 
Musica in Dante (Tip. dell' Unione Sarda, Sassari); 11 
melodramma neUa Gerusalemme liberata (Tip. Gallina, 
Padua); Q. Verdi (Formiggini); u. a., aufierdem eine An- 
zahl Libretti. 



Oper: L'innocente (Noxi Ligure 1896); II Negromante, 
3&kt.;Alridottodi Venezia, lakt.; Eomanzen, Canzonen, 
Hymnen (Schmidl; Bicordi; Brocco, Venezia; Zanlbon, 
Padua). 

Daninger Josef, Georg, osterr. M.forscher, 
geb. 23. Marz 1880 zu Wiener-Neustadt 
(N.-O.), stud, neben Mathematik u. Physik 
M.theorie u. M.wissenschaft in Wien u. Prag 
(Dr. phil.), war 1905—19 Mittelschulprof . , 
1916—19 zugleich Privatdozent fur Theorie 
u. Asthetik der Tonkunst an der deutschen 
Univ. in Prag, die er nach dem Umsturz im 
Herbst 1919 verliefi. Seitdem lebt X>. in Wien 
als Realschulprof. u. als Privatgelehrter der 
M.asthetik. 

Sage u. Marchen im Mmikdrama (1916); Anton 
Bruckner (Wien 1924) u. a. 

Dannreuiher, Gustav, amerik. Violinist, 
geb. 21. Juli 1853 zu Cincinnati, gest. 19. Dez. 
1923 zu New York, Bruder von Edward D. 
(1844— 1905), auf dessen Veranlassung er 
1871—73 Schuler von Joachim u. de Anna an 
der Kgl. Hochschule zu Berlin wurde, lebte bis 
1877 in London , kam dann nach Boston, 
spielte 3 Jahre lang mit dem Mendelssohn 
Quintet Club u. wurde 1880 Mitglied des neuen 
Bostoner Sinfonieorch. Von 1882—84 war er 
Leiter der Philh. Soc. (Kammermusik) zu 
Buffalo, N. Y. ; begrilndete 1884 das Beethoven- 
Quartett zu New York, das 1894—1917 (wo es 
aufgelost wurde) als ,,D.-Streichquartett" be- 
kannt war, u. wax 1886—89 Konzertmeister 
der Symph. Soc. u. der Oratorio-Soc. daselbst. 
Von 1889 ab widmete er sich nur mehr dem 
Spiel in der Kirche u. dem Lehrberuf u. war seit 
1907 Lehrer am Vassar Coll., Poughkeepsie 
(N. Y.). 

Tonleiter- u. Akkord-Studien f. V. {Br, & H.), 

DarbO, Erica, norweg. Opern- u. Operetten- 
sangerin, Sopran, geb. 23. Mai 1891 in Christi- 
ania; Schulerin von Ellen Gulbranson in 
Chxistiania (1914) u. Mme. Cahier; deb. 1913 
als Konzertsangerin in Christiania, wo sie dann 
an verschiedenen Theatern u. 1919 — 21 an der 
Kom. Oper engagiert war; spater am Mayol- 
Operettentheater. 1921 — 22 gastierte sie in 
Kopenhagen. 

D'Arienzo, Nicola, ital. Komp. u. Kompos.- 
Lehrer, geb. 23. Dez. 1842 (24. Dez. 1843?) 
zu Neapel, gest. das. 25. April 1915; Schuler 
von V. Fioravanti u. Sav. Mercadante, 1872 
M.lehrer am R. Albergo dei poveri zu Neapel, 
1877 Kontrapunkt- u. Kompos.lehrer am Kgl. 
Kons. daselbst, 1879 Direktor der Anstalt, 1904 
Lehrer fur M.geschichte. 

Kom. Opern: La jidanzata del parrucchiere, Neapel 
1860; / due mariii 1866; Le rose 1866; II cacciatore deUe 
Alpi 1869; 11 cuoco 1873; La figlia del diavolo (Opera 
seria, 1879) ; Lafiera 1887 ; I viaggi, Mailand 1875. Nicht 
aufgefuhrt sind die Opern Lesbo di Rodio u. Capitan 
Pracassa. 

2 Quartette; Quintett; Nonett; 2 Cellokonzerte ; 
kanonische Kl.sonate u. a. Kl.sachen; 5stimm. Miserere 
a cappetta-, Sstimm. Stabat Mater mit Or gel u. Streich- 
orch.; Cruto sullacroce f. Soli, Chor n. Orch.; 2 Sinfonien; 
Stticke i. Orch.; Chore mit Orch. auf Texte aua Tasso's 

9* 



132 



Darke— Davico. 



Befreitem Jerusalem.; Gesangsstiicke im Kammerstil u. a. 
Sehriften: II sistema tetracordale nella munca moderna 
(1878); Scuola di composizione musicale (1899); his tor. 
Studien : Tin predecessor -e di At. Scarlatti (uber Gesnaldo 
di Venosa, 1891); DelV opera comica dalle origini a 
G. B. Pergolesi (1887, deutsch von F. Lugscheider 1902); 
11 melodramma dalle origini al sec. XVIII (1900); val- 
vatore Rosa musicista (S-iv. mus. 1891); La musica in 
Kapoli (1900); Die moderne Oper (in der Deutsclien 
Thalia. Wien 1902). Za A.s Schiilem zahlen Leoncavallo. 
de JTardis, van Westerhout, L. Filiasi. La Rote Ha, 
Saras ta . 

Darke, Harold E., engl. Organist u. Komp., 
geb. 29. Okt. 1888 zu Highbury, London, 
Schuler des R.C.M. bei Sir Walter Parratt 
(Orgel), Sir Charles Stanford (Kompos.) u. 
Herbert Sharpe (Kl.), 10 Jahre lang Hilfs- 
organist an Temple Church, jetzt Organist an 
St. Michael's, Cornhill u. Leiter der ,,St. 
Michael's Singers", eines Chorvereins von 
Stadtgeistlichen (100 Stiinmen); Lehrer fur 
Harmonie, Kompos. u. Vokalensemble am 
R.C.M. 1919 Mus, Doc. Oxon. Er hat Konzert- 
reisen als Bachspieler gemacht u. viele moderne 
engl. Chorwerke aufgefiihrt, 

Chorkantate The Kingdom of God (S tainer & Bell); 
Kantaten.As the Leaves fall f. Sopr., ErCh. n. kl. Orch.; 
The Beatitudes; Ye Watchers f. FrCli. u. Orch. (1923, 
Stainer & Bell); gem. Chore (Stainer & Bell; Kovello; 
Curwen): 5 Miniaturen f. Kl: (Stainer & Bell); Rhap- 
sody i. Orgel (id.); 3 Choralvorspiele i. Orgel (Novello); 
Morgen- n. Abend anit in L (Stainer & Bell); Sinfonie 
Switzerland: Konzertouverture; Suite i. kleines Orch.; 
3 Sonaten f. V. u, KL; Licder: Uphill; Three Songs 
of Innocence; Baby Songs (id.). 

Damns, E rn i Is , lettischer Komp. , geb. 
3, Nov. 1875 in Jaun-Piebalga (Lettland), 
gest. 4. Sept. 1910 zu Riga; stud, am Peters- 
burger Kons. Orgel (L. Homilius) u. Kompos. 
(N. Solowjeff) u. war seit 1912 in Riga als 
M.referent, Lehrer u. Chordirigent tatig; Mit- 
schopfer u. For der er einer lettischen National- 
musik. 

Lieder; Chore; kleine Orch.stucke u. eine unbe- 
endigte Oper Rozainas dienas (Sonnige Tage). 

D'Atri, Nicola, ital. M.kritiker, geb. zu 
Foggia, war, von der Grundung des Blattes bis 
1914, der geachtete u. einfluBreiche M.kritiker 
des rom. Giornale d' Italia; hielt 1908 Vortrage 
uber den ,,Zukunftigen Genius der ital. Oper", 
1913 uber G. Verdi; Rat der Acad. mus. di 
S. Cecilia, Mitglied des Konzertausschusses des 
Augusteo u. der stand. Kommission fur Musik 
im Unterrichtsministerium. 

D'AuriaC, Lionel Alexandre, franz. M.- 
forscher, geb. 19. Nov. 1847 zu Brest (Finis terre) , 
wo er seine Studien absolvierte u. 1871—79 als 
Lehrer der Philosophie am Lyzeum wirkte; gest. 
21. Jan. 1923 zu Paris. 1878 promo v. er an der 
Sor bonne zum Dr.es lettres mit den Ar bei ten 
De Heraclito Ephesio u. Les notions de Mali ere 
et Force dans les sciences de la nature, u. wurde 
nun Dozent fur Philosophie an der Univ. Lyon. 
1881 wurde er als Prof, der Philosophie nach 
Montpellier berufen. 1895 siedeltc er nach Paris 
uber, wo er an der Sorbonne 1898—1903 liber 
Asthetik u. Tonpsychologie las (wie auch schon 
in Montpellier). D. war der erste Vorsitzende 



der Pariser Sektion der International M.- 
gesellschaft (SIM) u. seit 1907 ihr Ehrenprasi- 
dent. AuBer phiiosophischen Arbeiten fur 
Renouvier's Critique philosophigue , Pilot's 
Revue philosophique u. Sillon's Annie philo- 
sophique schrieb D.: 

Introduction a la psychologie du r,msicien (1891): 
La psychologie dans V opera francais (Paris 1897); Les 
orgu.es de Fribourg (3898); Essai sur V esprit musical 
(1904); Rossini, biographic critique (in Les musiciens 
ee'i&bres Laurens 1905) u. lie musicien-pocte Richard 
Wagner {Etude de psychologie musicale av.ee une biblio- 
graphie raisonnee des ouvrages consultes. 1908). 

Dave 111, Marthe, franz. Opernsopran, geh. 
zu Lille; stud, bei Duvernois, deb. 1912 an 
der Op. comique als Tosca u. hat dort eine Reiho 
von Rollen kreiert; 1922 an der GroBen Oper. 
Mit einem schonklingenden Organ begabt, ist 
sie obendrein eine fahige Dars teller in. 

Da Venezia, Franco, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 2. Nov. 1876 zu Venedig, Schuler von 
Frugatta (KL), Gaili, Ferroni (Kompos.); 
1904—07 Kl, .lehrer am Lieeo mus. zu Turin, 
seitdem dort Leiter einer Privat-Kl.sebule. 
1904 gewann er den Preis Sonzogno mit der 
Oper II Domino Azzurro (Mailand, Teatro 
Lirico), dgl. 1808 mit seinem Orch.werk Tema 
e variazioni. 

Kl.werke; Cellosonate; Y.sonate; 2 Konzert-AIle^ros 
f. Kl. u. Orch.: Kl.konzert; Fantasie f. 2 Kl. u. Orch.: 
Suite veneziana i. Orch.; sinf. LMchtung La tempesta; 
Intermezzi zu Gozzi's L'amore delle tre melarancie. Auch 
als Schriftstellcr ist er hervorgetreten. 

Dave y, Henry, engl . M . historiker , geb . 
29. Nov. 1853 zu Brighton, war zuerst im Kauf- 
mannsberuf u. erhielt bis zum 21. Jahre keine 
weitere musikalische Vorbildung als Tonic 
Solfa-Schulgesangsunterricht u. einige Ele- 
mentar-Kl.stunden, besuchte aber dann 1874 
bis 1877 das Leipziger Kons.. hauptsachlich 
Theorie studierend (Reinecke, Jadassohn, Rich- 
ter, Weidenbacli). D. war dann lange in Brigh- 
ton als Lehrer tatig, zog sich aber 1903 von der 
Ausubung der Musik zuriick; er schrieb auBer 
nicht musikalischen Arbeiten (Shakespeare- 
Studien), eine wertvolle, auf Quell ens tudium 
beruhende, aber nur die neuere Zeit (seit 
Purcell) behandelnde History of English music 
(Curwen 1895, erneuert 1921), weleher ein Ab- 
riB vorausging: The student's musical history 
(id. 1891, 8. Aull. 1920); Handel (in Master- 
pieces of music, 1912), war Mitarbeiter des 
Dictionary of National Biography u, an musikal. 
Zeitschriften (1899 schrieb er im Kirchen- 
musi kalis c hen Jahrbuch uber Die katholischen 
Komp. des 10. u. 17. Jahrh. in England), u. 
lief erte Nachtrage zu Eitner's Quellen-Lexikon. 

DaviGO, Vincenzo, ital. Komp. , geb. 18. Jan. 
1889 zu Monaco; stud, erst bei Cravero in Turin, 
dann bis 1911 am Leipziger Kons. (Kompos. 
bei M. Reger); einer der fruchtbarsten u. be- 
; kanntesten unter den jungital. Komponisten. 
Er lebt in Paris. 

lakt. Oper: La Dogaressa, 1915 (Monte Carlo 1920); 
/ Fahhi; Ora tori urn La Tenia zione di St. Antonio f. 



David— Davies. 



133 



Soli, Ch. u. Orch. (1919); sinf. Suiten: La principessa 
ontana 1911 (Eschig); Jmpressioni romane, 1913 u. 
Impressioni pagane (id.); Poema erotico f. Orch.. 1912; 
Impressions antiques, 1916 (Eschig); Impressions 
d'interieur; Impressions crepusculaires: Impr. nostal- 
giqv-es (Williams), Polifemo (impress, sinfonica, 1920); 
Impressions d'automne, 1915; Trio F-moll; Bomanza 
L Yc. u. Orch. 1915; Poemetii Pasiorali f. Streicher, 
Kl.-n.Harfe, 1921 (Eschig); viele Gesange mit Kl., 
daiunter Trots Quatrains d'Al-Ghazali (Paris 1920, 
Rouart-Lerolle), Deux Elegies a leslos; llequiem f. 
4 Stimmen (1917) u. a. 

Ygl. Elpidio Jence, V. D. (Taccuini delta ,,Diana'\ 
ISFeapel 1917); Massimo Gaglione, V .D. (in: I giovani); 
G. M. Gatti , I giovani sinjonisti (Orfeo, Rom) ; G . 
Franchi, V.D. (Kouart & Lerolle 1924). 

David, Karl Heinrich, schweiz. Komp., 
geb. 30. Dez. 1884 zu St. Gallen; verlebte seine 
Jugendzeit in Basel; stud, in Koln u. Miinchen 
(Thuille) u. war 1910—14 Lehrer am Easier 
Kons., 1915 — 17 in Deutschland, dann wieder 
in seiner Heimat. 

Schnitterlied f. Chor u. Orch.; Gessnerlieder i. S. u. 
Orch.; Gesange f. ErCh.u. Orch. op. 21; Streichquar- 
tett B-dur op. 40; ein zweites in E-dur; Quartett f. Fl., 
V., Va, u. Vc; Rcmische Suite f. Orch. op. 26; Oper: 
Tredeschin (Text von G. Bundi); dramat. Miirchenspiel 
Aschenputtel (Basel 1921); musikalische Komodie Der 
Sizilianer (Zurich 1924). 

DavidOW, Alexei, russ. Komp., Neffe des 
V.cellisten Carl D. (1838—89), geb. 4. Sept. 1867 
in Moskau, stud, gleichzeitig Mathematik an der 
Petersburger Univ. u. V.cellospiel (bei Wersch- 
bilowitsch) u. Kompos. (beiRimski-Korssakow) 
am Kons. 1891 erhielt er den von Belajew aus- 
geschriebenen Preis fur ein Streichquartett. 
Seine Oper Die versunkene Glocke gelangte 1903 
zur Auffuhrung in Petersburg (deutsch 1908 
in Mainz). 

Davies, Ben (eigentlich Benjamin Grey D.), 
engl. Tenorist, geb. 6. Jan. 1858 zu Pontardawe 
bei Swansea (Wales), Schuler von Randegger 
u. Fiori an der R.A.M. in London, gefeierter 
Sanger, trat zuerst in BaHVs Zigeunermadchen 
als Taddeus im Kgl. Theater zu London auf, 
war 3 Jahre Mitglied der Carl Rosa Opera Co. , 
sang aber spater auch mit grofitem Erfolge im 
Konzert (1892 in Cardiff in Dvorak's Stdbat maier) 
u. machte sich seither auch auf dem Kontinent 
u. in Amerika einen Namen. 1885 verheiratete 
er sich mit der Sangerin Clara Perry. 

Davies, E. T., wallis. Organist, geb. 1879 zu 
Dowlais, S. Wales; stud. Kl., Orgel, Direktion; 
bereiste 1900 die Ver. Staaten mit einer kleinen 
Konzertgesellschaf t ; Konzertsp ieler auf der 
Orgel. Er hat uber 100 neue Orgeln in Wales 
eingeweiht, wurde 1906 Nachfolger von Harry 
Evans in Merthyr Tydfil, 1920 Dir, des Mus. 
Univ. College in Bangor, leitete 1921—22 das 
M.fest zu Anglesey u. 1922, zusammen mit 
Sir Walford Davies, das M.fest zu Harlech. 
Er ist ein begeisterter Apostel des Volksgesangs 
u. der Anwendung der wallis. Sprache u. Dich- 
tung in der Musik; in den leichteren Formen 
der Instr.- u. Vokalmusik auch ein erfolgreieher 
Komp. 

Folgen von Welsh miniatures i. V., Vc, Kl.; auch f. 
Streichquartett; sehr populare Chorlieder: When Sum- 



mer's Merry Days; Y deryn Fur (Das artige Tauhchen); 
The Winds. 

Davies, Fanny, engl. Pianistin, geb. 27. Juni 
(Juli?) 1861 zu Guernsey, stud, erst privat in 
Birmingham, 1882 am Leipziger Kons. (Rei- 
iiecke u. Oskar Paul), 1883—85 am Hochschen 
Kons. zu Frankfurt a. M. (Clara Schumann), 
trat zuerst 1885 im Kris tallp alas t zu London 
auf u. spielte seither auch in Deutschland 
(Berlin, Leipzig), Italien, Wien, Paris, Holland,, 
Prag, Spanien mit grofSem Erfolg. Sie pflegfc 
vor allem Beethoven, Schumann, Brahms, hat 
aber auch als erne der ersten Debussy u. 
Skrjabin in London eingefuhrt. Auch als 
Schriftstelxerin ist tie hervorgetreten. 

Davies, Harold E. , Mus. Doc, Bruder von 
Sir Walford D. , Organist u. Lehrer an der 
Univ. Adelaide, Siidaustralien, u. Vorstand des 
dort. Kons. , Griinder u. Leiter des S. Australian 
Orch. seit 1922. 

Anthems; Lieder (jSovello). 

Davies, Sir Henry Walford, engl. Komp., 
geb. 6. Sept. 1869 zu Oswestry (Shropshire), 
1882 Chorknabe in der Georgskapelle zu Wind- 
sor, 1885—90 Schuler u. Organistassistent von 
Sir Walter Parratt, 1890—94 Kompos.-Frei- 
schiiler am R.C.M. , wo er bei Parry, Rockstro 
u. Stanford studierte, 1890 — 91 an St. Anne's, 
Soho; 1891—98 an Christ Ch. Hampstead; 
graduierte 1892 zum Bakk. u. 1898 zum Doktor 
der Musik zu Cambridge, war 1895—1903 
Kontrapunktprof. am Royal Coll., 1898—1919 
Organist an Temple Church u. ubernahm 1903 
bis 1907 die Leitung des Bach Choir. Seit 1919 
Prof, der Musik am Univ. Coll. of Wales , Aberyst- 
wyth, u. Vorsitzender des Nat. Council of 
Music, Univ. of Wales; 1922 geadelt. 1924 
wurde er Nachf. Parratt's als Organist der St. 
Georgs-Kapelle zu Windsor. Der grofite Teil 
seines Schaffens gilt dem Oratorium u. der 
Kantate; seit 1902, als sein The Temple in 
Worcester aufgefuhrt wurde, hat er regelmaBig 
die engl. M.feste mit bedeutenden Chorwerken 
versorgt. The Temple zeigte inn zuerst als 
Meister des Aufbaus, u. zuerst seine Eigentum- 
lichkeit in der Verwendung des Solo-Streich- 
quartetts. Besonders begabt ist er als Kinder- 
Lieder-Komp.; gewisse Formen (6 Pastorals f. 
Gesangsquartett, Streichquartett u. Kl., 1904) 
hat er zuerst angewandt. Die organische 
Form hat er nie zugunsten des Programms preis- 
gegeben, ohne deskriptive Neigungen (Peter 
Pan-Suite) zu unterdrucken. 

Orch.: Variationen As-dur, 1891; Dedication Over-, 
ture G-dnr , 1893 ; Sinf . D-dur , 1894 ; Oirverture A Welsh- 
man in London 1889; Holiday Times (1907, Curwen); 
Solemn Melody (1908, Novello); Festal Overture in 
4 Satzen, 1910 (Goodwin Ms. Library); Parthenia Suite 

1911 (id.); Sinfonie G-dur, 1911 (id.); Wordsivorth Suite, 

1912 (id.); Memorial Suite in 1923 , (id.); Conversations- 
i. Kl. u. Orch. 1914 (id.). 

Chor n. Orch.: The Future, 1S89, Nativity, 1892; 
Music (Ode), 1893; Herve Pdel 1894 (Novello); Days of 
Man, 1897; God created man, Motette f. Boppelchor, 
Orgel oder Orch. 1898 (Novello); Jovial Huntsmen 1902, 



134 



Davis — Dearth. 



(id.)i The Temple, 1902 (id.); Everyman 1904 (id.); Lift 
up your Hearts 1906 (id.); Ode on Time 1908 (id.); Noble 
Numbers 1909 (id.); Sayings of Jesus 1911 (Curwen); 
St. Francis 1912 (Curwen); Heaven's Gate 1916 (id.); 
Dante Fantasy 1914, (id.); Kl. u. Chor: Jovial Huntsmen 
(1902, Novello) ; Humpty Dumpty (1907 id.) ; Aferry ffearf 
(1910 Curwen); JMtfM Nursery Rhymes (1905 Boosey); 
.tfew Nursery Rhymes (1908 Chappell). 

Kammermusik : Streichquartette D-moll 1890: D-dur 
1892; Kl.quartette Bs-dur 1893; D-moll 1893; Streich- 
quartett C-dur 1895; Kl.quartett C-dur 1895; Peter Pan- 
Quartett (1909 , Curwen) ; Kl.trio C-dur 1897 ;Quiet Turns 
f. Kl.trio 1906; Songs of Nature (1909, Goodwin Ms. 
Library); Kl.stucke; Suite G-dur f. 2 El.; 6 Sonaten f. 
V. u. Kl.: G-dur 1889, Es-dur 1893, A-dur 1893, E-moll 
1894 (Novello), D-moll 1896 (id.), F-dur (3 Satze, 1899 
bis 1902); Sonate P-dur f. Kl. u. Horn, 1891; Prospice, 
Quintettf. Gesangsstimmen u . Streicher (1894,Novello); 
Psalm XXIII f . T ., Harfe u . Str., 1896 (id.) : Psalm XXIX 
f. T., Harfe u. Str. (1896); Six Pastorals f. 4 Stimmen, 
4 Streicher u. Kl. (1897 Curwen); Psalm XIII f. T., 
Harfeu. Streicher, 1898 ; Songs of a Day, Gesangsstimmen 
u. Instr., 1908; iiber 100 Lieder; zahlreiche Chore. 

Hrsg.: Fellowship Song Book (1915, Curwen); Thirty 
Songs Old and New (1915, id.); Fifty -two Hymn Tunes 
(1915, id.); Hymns of the Kingdom u. Students' Hymnal 
(beide Oxford Univ. Press. 1923). 

Davis, John David, engl. Komp. u. Pianist, 
geb. 22. Okt. 1869 (1870?) zu Edgbaston, 
Warwickshire, wurde 1885 nach Frankfurt a. M. 
geschickt, urn sich fur den kaufmannischen 
Beruf vorzubereiten, trat aber zugleich ins 
Raff-Kons. em, wo Max Schwarz sein Lehrer 
war, ging 1886 nach Brussel zur Erlernung der 
franz. Sprache, stud, aber ebenfalls zugleich am 
Cons. (Jules de Zarembski, Leop. Wallner, Ar- 
thur de Greef , F. Kufferath) u. erlangte endlich 
die Erlaubnis der Eltern, die Musik zum Lebens- 
beruf zu machen. 1889 kehrte er nach Bir- 
mingham zuruck als Komp. u. M.lehrer, war 
auch 1893 bis 1904 Lehrer am Midland-In- 
stitute, endlich Lehrer fur Theorie u. Solfeggie- 
ren am j etzt verschwundenen International 
Cons., London. Eine Oper The Zaporognes 
wurde 1903 in Antwerpen als Die Kosaken 
aufgefuhrt. 

Fur Orch.; Sinf, Variationen u. Finale (1905); sinf. 
Ballade The Genci; sinf. Dichtung The maid of Astolat 
(Novello); Pro Patria Marsch (id.); Ouverttire Germania; 
Orch.suite Miniatures; Vorspiel zu Maeterlinck's Vin- 
truse; Elegie u. Abendlied (Song of Evening) f. Streich- 
orch.; Kronungsmarsch (1902); Streichquartett G-moll 
(Hawkes); 2 V .sonaten; Stiicke f. Kl. u. V.; Kl.sonate; 
Vc.konzert op. 73 (ms.); Kl.trio op. 76 (ms.); Sonate f. 
Vc. n. Kl. op. 74 (ms.); Fantasie u. Fuge f. Org. (No- 
vello); auch Lieder u. 3stimmige Chorgesange. 

DavJSSOII, Walther, deutscher Geiger, geb. 
15. Dez. 1885 in Frankfurt a. M., 1900—06 
Schuler des Hochschen Kons. (Naret-Koning, 
Knorr, Rebner), 1906—13 Sekundarius des 
Rebner- Quartetts, 1908—18 Lehrer fur V. am 
Hochschen Kons. , seit 1. Okt. 1918 Nachfolger 
von Becker u. Havemann am Kons. der Musik 
zu Leipzig. 

D. yeroffentlichte Y.stndien u. gah zusammen mit 
Paul Klengel die beiden V.kon2erte Bach's neu heraus 
(Br. & H.). 

Davy, Ruby C. E., austral, Komp., brieflich 
Schuler von Dr. A. Eaglefield-Hull; Mus. Doc. 
an der Univ. Adelaide. 

OuvertOre B-dur; Kl.konzert C-moll; Streichquartett 
A-moll; Oratorium; Kl.quartett C-dur; Kl.trio B-dur; 



Sonate f. V. u. Kl.; viele Kl.stucke; Lieder it. a. (alles 
ms.). 

Dawson, Frederick H., engl. Pianist, geb. 
16. Juli 1868 zu Leeds, erhielt den ersten Unter- 
richt von seinem Vater, der selbst ein tiichtiger 
Kl.spieler war, spater von Ch. Halle, trat schon 
als Kind offentlich auf, in Halle's Konzerten 
zu Manchester zuerst 1890, in den Londoner 
popularen Montagskonzerten 1893 , 1895 im 
Kristallpalast u. s. f. Er halt Vortrage iiber 
Musik u . ist ein b egeisterter Apostel von 
Debussy, Ravel u. Skrjabin; Freund u. Spieler 
der Werke des verstorbenen William Baines. 

Dawson, Peter, Baritonist, geb. 13. Jan. 
1882 zu Adelaide, Australien; 1903—07 Schuler 
von Sir Charles Santley, bekannter Opern- u. 
Konzerts anger. 

Dayas, Karin Elin, Tochter von William 
H. D M geb. 13. Mai 1892 zu Helsingfors, Schu- 
lerin der GroBherzogl. M.schule in Weimar u. 
des Kolner Kons. (Friedberg), lebt seit 1914 als 
feinsinnige, in Deutschland, England, Rutland 
anerkannte Pianistin u. Spezialistin moderner 
Kl.musik in Berhn. 

Dayas, William Humphrey, amerik. 
Komp., geb. 12. Sept. 1863 (1864?) in New 
York, wo er schon mit 14 Jahren als Organist 
f unktionierte , gest. 3. Mai 1903 zu Manchester; 
stud. 1881 noch unter Haupt u. Ehrlich u. 
wurde 1890 Nachfolger Busoni's als Kl.lehrer 
am Kons. zu Helsingfors, ging aber bereits 1893 
nach Dusseldorf, war 1894 einige Zeit Lehrer 
am Kons. in Wiesbaden, lebte dann zunachst 
in Amerika u. war seit 1896 Lehrer am Musical 
Coll. zu Manchester. 

2 Orgelsonaten ; 2 Kl .sonaten ; Streichquartett ; Sonate 
f. V. u. Kl.; Sonate f. Vc. u. Kl.; vierhandige Walzer 
f. Kl. usw. 

De AngeliS, Alberto, ital. M.schriftsteller, 
geb. 4. Sept. 1885 in Rom, widmete sich dem 
Journalismus (Red. der Tribuna), hat aber 
auch fur ital. M.zeitschriften, u. a. fur die 
R.M.I, viele Beitrage geliefert. Seit 1919 gibt 
er im Verlag Ausonia, Rom, eine Reihe anek- 
dotisch-kritischer Musiker-Biographien heraus. 

L' Italia musicale d'oggi — Dizionario dei musicisti 
(Bom 1918, Ausonia, 2. Aufl. 1922). 

De AngeliS, Nazareno, ital. Bassist, ge- 
ringer abruzzesischer Abkunft, geb. 17. Nov. 
1881 zu Rom , sang als Chorknabe 3 Jahre lang 
unter Leitung von Mustafa in der Sixtin. 
Kapelle u. 3 weitere unter Salvatore Meluzzi in 
der Cappella Giulia, wurde nach der Mutation 
Schriftsetzer, dann aber Schuler von Signora 
Ricci, Giuseppe Fabri, ist in der Hauptsache 
aber AutGdidakt; deb. zu Aquila in Linda di 
Chamounix u. sang spater u. a. in Chile, an 
der Scala u. am Costanzi in N.-Amerika u, 
Buenos Aires. Hauptrollen: Mefistofele, Mose, 
Wotan, Nabucco, Kardinal (Jiidin) u. s. f. 

Dearth, Harry, engl. Bassist, geb. 1876 in 
London; stud. Gesang am R.C.M.; 14 Jahre 
lang erster Bassist an Westminster Abbey; 



de Boeck — Debussy. 



135 



3 Jahre Mitglied der Beecham Opera Co.; 
3 Jahre Operettensanger zusammen mit dem 
verstorbenen George Edwardes u. Robert 
Courtneidge; Sanger in alien groBen engl. 
Konzerten. 

de Boeck, Auguste, belg. Komp,, geb. 
9. Mai 1865 zu Merchtem (Brabant), wo sein 
Vater Organist war, erhielt seine hohere Aus- 
bildung am Briisseler Cons. (Mailly, Jos. 
Dupont, F. Kufferath), Organist der Karme- 
liter- u. der Bonifacius-Kirche u. Orgellehrer am 
Cons, zu Briissel, seit 1908 Theorielehrer am 
Antwerpener Kons., endlich Dir. der M.schule 
in Mecheln. Von echt flam. Temperament, 
farbenfroh u. Orch.effekten geneigt, ist sein 
Ungestiim nicht immer durch Selbstkritik ge- 
ziigelt; er ist im Grunde ein Theatermusiker, 
der das Bewegte u. das Malerische liebt. 
Wagnerische (u. gelegentlich russ.) Eindriicke 
haben ihn gehindert seinen Gedanken eine 
wirklich ursprungliche Pragung zu geben. 

Opern: Thiroigne de Mericourt, Antwerpen 1901; 
Een W inter rmchtsdroom, dgl, 1903, auch Briissel; De 
Rijndwergen, dgl. 1906; Eeinaert de Vos, dgl. 1909; 
Ballette: La Phalene. Briissel 1914; La Route d'Mmeraitde 
(Gent 1921); CendriUon, Scenarium von Paul Gilson; 
Biihnenmusiken; Sinfonie; Rfiapsodie dakome'enne f. 
Orch.; Cellosonate; V.sonate; V.konzert; Messen; 
Motetten; ChSre; Kantaten; Orgel u. Kl.werke; Lieder. 

Debogis, Marie Louise, schweiz. Sopra- 
nistin, geb. 15. Aug. 1879 zu Genf; stud, dort 
bei Leopold Ketten Gesang, nachdem sie zu 
Lyon einen 1. Preis fur Kl.spiel gewonnen; deb. 
an der Genfer Oper u. errang, nach Berliner 
Konzerten, rasch einen Namen. 1909 engagierte 
Siegfried Wagner sie fur Bayreuth. Sie lebt 
in Genf. Natiirliche Musikalitat, Stimme, ein- 
dringlicher Vortrag verbinden sich bei ihr zu 
einem Ganzen. 

De Bondt, Louis, belg. Komp., Organist, 
Lehrer u Theoretiker, geb. 5. Juli 1877 zu 
Puers,gest. 23. Sept. 1920 zu Briissel, stud, 
am Briisseler Cons. , wo er 1899 Hilfslehrer fur 
Harmonie, 1903 fur Orgel u. 1910 Prof, wurde; 
1901 Organist u. Chordirektor an Notre-Dame 
in Laeken bei Brussel. Er war Inspektor fur 
M.erziehung in den staatlichen Volksschulen u. 
Lehrer an der Kirchen-M.schule in Mecheln. 

Musik zu dem Drama Robrecht van Eyne; Marche 
religieuse f. Orch.; Messe. 

Vorber. Kurs /. Harmonielehre (Br. & H.); Vollst. Kurs 
der Harmonielehre. 

DebrnOV, Pseudonym f. Josef Srb (s. d.). 

Debussy, Claude Achille, franz. Komp., 
geb. 22. Aug. 1862 zu St. Germain-en-Laye bei 
Paris, gest. 26. Marz 1918 zu Paris; aus einer 
vollkommen unmusikahschen Familie stammend. 
Seine Begabung zeigte sich jedoch bald, u. 
seine Eltern schickten ihn mit 11 Jahren aufs 
Cons., wo er mehrere Preise fur Kl.spiel u. 
Begleitung erhielt u. 1884 unter Leitung von 
Massenet fur seine Kantate L'Enfant Prodigue 
den Rompreis davontrug. Im Schatten der 
Villa Medici begann er iiber seine Kunst nach- 
zudenken. Er versuchte die gelernten Formeln 



zu vergessen u. sich die Form fur die Forde- 
rungen des eigenen Temperaments zu schaffen. 
Man findet in seinen fruhesten Kompositionen 
die Spuren des Einflusses von Massenet, 
Wagner u. spater von Mussorgski, Lalo u. 
Chabrier. Die Arbeit, die er von Rom aus heim- 
sandte, eine Orch.suite Printemps, erregte im 
Institut wegen ihrer harmonischen Kuhnheiten 
einen wahren Skandal. La Demoiselle filue 
(Rossetti's Blessed Damozel), entstand um die- 
selbe Zeit (1887), wurde aber erst 5 Jahre 
spater aufgefuhrt. 

Bei seiner Ruckkehr nach Paris bemuhte sich 
D. mit der Sicherheit des Instinkts um die Er- 
werbung der literarischen Kultur, die ihm f ehlte. 
Er wurde unmittelbar von der Schule der Sym- 
bolisten angezogen u. besuchte das Haus von 
Mallarme. Zweifellos hatten kunstlerische Dis- 
kussionen iiber Symbolismus u. Impressionis- 
mus sehr groBen EinfluB auf ihn, aber er hatte 
einen yiel groBeren Weitblick als Mallarme, 
der tief im Kult des Wagnertums steckte. D., 
gleich Erik Satie, empfand, dafi die Musik eine 
der Literatur u. Malerei parallele Entwick- 
lung nehmen u. unter Verzicht auf die Rhe- 
torik der Romantiker, unmittelbarere Mittel 
fiir die Wiedergabe von Eindriicken u, Empfin- 
dungen finden musse. Diese innere Entwick- 
lung seiner Ideale vollzog sich unmerkbar, ohne 
dafi D. sich ihrer bewuBt ward. Wahrend er noch 
nach Ausdrucksmitteln tastete, schuf er seine 
Ariettes oubliees, die erste Sammlung der FStes ' 
galantes auf einige Zeilen von Verlaine, seine 
Cinq Po ernes de Baudelaire, u. fur Kl. seine 
Arabesques u. Suite Bergamasque. 

Zwischen 1892—1894 komponierte D. das 
Vorspiel zu UApr&s-midi d'un Faune, eine 
durch eine Ekloge Mallarme's angeregte sinf . 
Dichtung. Das war in seiner Art ein ebenso 
originelles u. epochemachendes Werk wie die 
Phantastische Sinfonie Berhoz's von 1829. 
D. fuhrte damit nicht nur Kompositionsmittei 
ein, die ganzlich neu waren, sondern sein Har- 
moniestil, seine Instrumentierung, sein Rhyth- 
mus, kurz das Ganze fuhrte in eine bisher un- 
bekannte Welt. Dies war eine gliihende, sinn- 
liche, eindrucksvolle Musik, die nicht in den 
Schranken eines gegebenen Dogmas sich 
entwickelte, sondern einfach u. naturlich fiir 
ihren Trieb den Ausdruck fand. 

Seit dieser Zeit folgte in rascher Reihe ein 
Werk dem andern; 1893 ein Quartett, vollig 
neu in der Form u. doch klassisch in Ton u. 
Eingebung; 1894 die Proses lyriques, zudenen 
D. selbst den Text geschrieben hatte; 1898 
die ChansoTis de Bilitis u. die Nocturnes f. 
Orch. , eine Reihe impressionistischer Tonbilder 
von einem Empfindungsausdruck, dessen die 
Musik bisher nicht fahig war. 1902 endlich 
brachte die Opera Comique sein Pelleas et 
Melisande vor ein lachendes u. hohnendes 
Publikum; wenige Jahre spater war es ein 



136 



Decaux — Decsey. 



popularer Erfolg, Die altere Form der Oper u. 
des Wagnerschen Dramas aufgebend kehrte D. 
instinktiv zur Uberlieferung des franz. M.- 
dramas, die Luily angebahnt hatte, zuruek, 
nach der das Rezitativ aus einfacher aber deut- 
lich gepragter Deklamation bestelien sollte, 
indes das Orch. um die Handlung eine Atmo- 
sphare von Melodie webt. Von Anfang an ge- 
lang es D. , ein vollkommenes Gleichgewicht 
zwischen Dichtung u. Musik zu schaffen. Er 
verstand mit einer Art feiner Keuschheit die 
schmerzlichsten Erregungen der menschlichen 
Seele zu treffen; er vermochte durch die ein- 
fachsten Mittel die zartesten Eindriicke, die 
fliichtigsten Sensationen zu erwecken — den 
Duft der Blumen, die Kiihle des Abends, das 
Schweigen des Wassers. 

Trotz mehreren Versuchen sollte D. keine 
zweite Oper hinterlassen. Er schrieb fur die 
Biihne nur mehr die Musik zu d'Annunzio's 
Martyre de Saint Sebastien u. ein Ballett, Jeux, 
fur DiaghileWs Truppe: das ebenfalls zu seinen 
besten Eingebungen gehort. Sich der Orch.- 
u. Kammermusik widmend, schuf er nachein- 
ander La Mer, Rondes de printemps, Iberia, 
verschiedene Folgen von Liedern u. Kl.stiicken, 
Sonaten u. a. 

D. vollbrachte eine vollige Umwalzung in 
der Tonkunst. Er beendete die Reform der 
Harmonik, die mit Chabrier, Lalo u. Gabriel 
Faure begonnen hatte; er erf and neue Akkord- 
Verbindungen die bisher als Dissonanzen ge- 
golten hatten u. er loste die verschiedenen 



Vokalquartett, Trois chansons (19C8). 

Gcs. u. Orch.: Le Jet d'eau: Beux proses lyriqites. 

Kammermusik: Streichquartett (1893); Sonate f. V. 
u. Kl.: Sonate f. Vc. u. Kl.; Sonate f. Fl„ Viola u. 
Harfe; Rhapsodie f. Klar. u. Kl. (1910). 

Orch.: Prelude a I'Apres-midi d'un Faime (1802); 

3 Nocturnes {Nuages\ Fetes; Sirenes (mit FrCh.) 1899; 
Danse profane. Danse sacree f. Harfe u. Orch, 1904; 
La Mer (1905); Images (3. Folge) 19G9; Cantate (FrCh.> 
La Damoiselle Elue (1887). 

Musik zu : Le Martyre de St. Sebastien (rVAnnunzio) 
1911. 

Opern : L' Enfant Prodigue (1884): Pdleas ei Melisande 
(Durand, 1902); Jeux, Ballett (1912). 

Vgl.: Louis Laloy, CI. D. (Dorbon): La Revue 
Musicale: Debussy- Kumnier , Dez. 1920 (Suares, 
Robert Godet. Cortot, Laloy etc.); Romain Holland, 
Musiciens d'aujourd'hui (Hachette; engl. Kegan Paul);. 
G. I.-Aubry, La Musique et la Nature (Chester); L. Fa- 
bian, D. (Miinchen 1923, Drei Masken Verl.); A. Lualdi, 
CI. D., la sua arte e la sua -parabola (R. mus. it. XXV, 
1918); G- M. Gatti. L'opera pianistica di CI. D. (id. 
XXVII. 1920); L. Perracchio, L'opera pianistica di 
CI. D. '(Mailand 1924 ; Bottega di Poesia); L. Saba- 
nejew, CL D. (Moskau 1922, russ.). D.s eigene Artikel 
sind 1923 (Dorbon; auch Nouvelle Rev. Franc,) er- 
schienen unter dem von ihm gewahlten Titel: M. 
Croche anti-dilettante. 

Decaux, Abel, franz. Organist, geb. 186$ 
zu Auffay (Seine Inferieure); stud, am Pa-riser 
Cons., dann bei Alex. Guilmant an der Schola 
Cantorum; seit 1898 an diesem Institut Orgel- 
lehrer. Von 1903 an ist er auch Organist an 
Sacre-Coeur, Montmartre. 

La Lime blanche, Lied (1899. Senart); Clairs de lime 

4 KLstucke (Paris 1900—07', Chapelier); Fughette 
iiber Ave Maris Stella (in: Maitres contemporains de 
Vorgue, hrsg. von Abbe Joubert). 

Dechert, Hugo, deutscher V. cellist, geb. 
16. Sept. 1860 zu Dresden, gest. 8. Nov. 1923 
in Berlin, Schuler seines Vaters, von Heinrich 



Klangfarben des Orch. so voneinander, daB i * , , _ .. TJr , , . _ , , 

eine den Farbenwert der andern hob, anstatt I £ letz u " an der B ^ rll ^ r Hochschule von Robert 
sie zu dicken Massen zu verbinden. Sein Ver- j Hausmann, maehte Konzertreisen durch RuB- 
fahren gleicht darin dem eines impression!- | ^ nd ;. T^Tllj* ^ & fr + U , T f' t^i 
stischen Malers, der die primaren Farbwerte ! ^f ^, seit 1894 Solocel hst des Berhner Kgl. 
nebeneinander auf der Leinwand wirken laBt, ! °^' ^.f T^f "u?' ^ ^ H 
statt sie auf der Palette zu vermischen. Kur Z ; | %^f^ Mltghed deS Habr " U * dann deS HeSS " 
D. verletzte alle konventionellen Formeln u. er- [ ^ Uar e S * 



setzte sie durch neue, nicht weniger berechtigte 
u. viel geeignetere zum Ausdruck der fliichtigen 
Empfindungen u. zarten Erregungen, die er zu 
schildern iiber alles liebte. Seine Ausdrucks- 
macht ist darum daB sie stets gedampft u. 
jeder Ubertreibung abhold ist, nicht weniger 
wirklich, aber ihre Wirkung liegt unter der 
Oberflache. 

K].: 2 Arabesques (1888. Durand); Ballade (1890. 
Fromont); Danse (1890); Suite Bergarnasque (1890k 
Pour le Piano (1901): Estampes (1903): L'Isle Joi/eme 
(1904); Masques (1904); Images (1 . Folge , 1905; 2. Folge. 
1907); Children's Corner (1908): La plus que lente (1910); 
12 Preludes (1910); 12 Preludes (1913): La Boite 'a 
Joujoux (1913); Berceuse Mreique (1914); 12 Etudes 
(1915); Kl. zu 4 Hd.: Marche ecossaise (1891): Petite 
Suite (1894) ; 6 Epigraphes antiques (1915) : 2 Kl. (4bdg,) : 
En blanc et noir (1915); Ges. u. KL: Ariettes ouhliees 
(1888); Cinq Poemes (Baudelaire. 1890); Mandoline 
(1890): Petes galantes (1892 n. 1904); Proses lyriques 
(1893); Chansons de Bilitis (1898): Trois chansons de 
France (1904); Trois ballades de Francois Villon (1910): 
Le Promenoir des deux Amants (1910): Trois poemes 
(Mallarnie). 1913; Noel des enfants qui n'ont plus de 
maison (1915). 



Deckert, Willy, deutscher V. cellist, geb. 
4. Juni 1870 zu Naumburg a. S., gest. im Febr. 
1923 zu Berlin, Schuler von Louis Schroder, 
Friedr. Griitzmacher in Dresden u. Jul. Klengel 
in Leipzig, 1. Cellist des Leipziger Lisztvereins 
u. der Akadem. Orch.konzerte, dann an der 
Berliner Kom. Oper, reiste als Virtuose, schrieb 
in Euting's M.instrumentenzeitung iiber die 
Verbesserungen der Cremoneser Instrumenten- 
bauer u. a. u. gab altere Cellowerke in t)ber~ 
tragungen u. Eearbeitungen heraus. 

Decsey, Ernst, csterr. M . schrif tsteiler u. 
Kritiker, geb. 13. April 1870 zu Hamburg, am 
Wiener Kons. bis 1893 Schuler von Anton 
Bruckner, Rcb. Fuchs, J. N. Fuchs u. Willi. 
Schenner, promov, 1895 in Wien zum Dr. jur. 
Seit 1899 war D. M.referent der Tagespost in 
Graz, seit 1908 deren Chefredakteur; seit 1921 
Kritiker des Neuen Wiener Tagblatts. D. ist. 
ein glanzender Schrif tsteiler, dem Musik durchs. 
Wort zu fassen im besonderen MaB gelingt.. 



Deetjen — De Koven. 



137 



Hugo Wolfs Leben u Schaffen (1903—06. 1 Bde.); 
6. Aufl. in 1 Band 1919. feeitdem folgte eine Reihe 
von Romanen , dann wieder eine Monographic liber 
Anton Bruckner (1920); Johann Strauft (1922); Franz 
Lehar (1924. Drei Masken YerlagWien); die iibrigen 
Biicher alle Deutsche Yerlagsanstalt). 

Deetjen, Gottfried, deutsch. Organist, 
geb. 16. Juni zu Hamburg, dcrt Schiiler von 
Emil Krause und Arnold Krug; 1907 — 12 
Schiiler der Leipziger Kons. (v. Bose, Krehl, 
Sitt, Straube), 1910—12 Assistent Straube's 
an der Thomaskircbe. 1912 wurde er Lehrer 
an der Steierm. M.schule in Graz, 1913 Or- 
ganist an der evangelischen Kirche und Dirig. 
des gemischten Chores in Lyck, OstpreuBen; 
1914—20 Domorganist in Verden (Aller) und 
Dirig. des Oratorienvereins, Organist der 
Philharmonie in Bremen; 1920 Organist an 
der Alten Kirche in Barmen, Dirig. des 
Bachvereins und des Wupperfelder Kirchen- 
chores. 

De FilippiS, Eduardo Angel, argent. Vio- 
inist, geb. 1887 zu Santa Fe, Argentina; stud. 
am Cons. Santafecino in Santa Fe, wo er jetzt 
Dir. des von ihm gegriindeten Cons. Mozart ist. 

Handbuch des V. spiels. 

Degner, Erich Wolf, deutscher Komp. u. 
Padagoge, geb. 8. April 1858 zu Hohenstein- 
Ernstthal, gest. 18. Nov. 1908 in Berka bei 
Weimar, besuchte das Gymnasium zu Chemnitz, 
die GroBherzogl. M.schule zu Weimar u. die 
Kgl. M.schule zu Wiirzburg u. wirkte dann als 
Lehrer an M.schulen zu Regensburg u. Gotha, 
wurde 1885 Dir. der M.schule des M.vereins zu 
Pettau ( Steiermark) , 1888 Lehrer an der 
Grofiherzogl. M.schule zu Weimar, 1891 Dir. 
der M.schule des Steiermark. M.vereins zu 
Graz u. 1902 Dir. der GroBherzogl. M.schule 
zu Weimar, Lehrer fur Kirchengesang am Semi- 
nar u. MD. der Hauptkirchen . 

Sinfonie E-moll f. Orgel u. Orch.; Ouverture E-moll 
f. Org. u. Orch.; Serenade f. kl. Orch.; Maria u. die 
Mutter (Baumbach) f. Soli. Chor u. Orch.; Thema 
u. Variationen f. Orgel; Chora Ivariationen f. Orgel; 
Lieder; Chorlieder; Kl.sachen. Eine groCere Anzahl 
Werke folieb Ms. Anleitungen u, Beispiele zum Bikhn 
von Kadenzen (1. Teil 1902). 

A r gl.: U. v.Mojsisowicz,.E. W.J). (1909). 

De Greet, Arthur, belg. Pianist u. Komp., 
geb. 10. Okt. 1862 zu Lowen, Schiiler von 
L. Brassin am Brusseler Cons., u. von Liszt in 
Weimar; 1885 Lehrer fur Kl. am Brusseler Cons. 
Er konzertierte in England, Frankreich, 
Holland , Deutschland , Spanien , RuBland , 
Schweden u. Norwegen. Als Pianist vereinte er 
Kraft u. Grazie, Ausdruck u. Stil, mit Vorliebe 
spielte er Grieg, dessen personlicher Freund er 
war. Hauptspieler in den vor dem Krieg von 
Felicien Durant in Briissel begriindeten Durant- 
Concerts. Als Komp. verbindet er flamische 
Einfallsfulle mit romanischer Stilfeinheit. 

Ballade in Variationenform f. Streichorcb. (Peters); 
Eantasie f. Kl. u. Orch.; Orch.-Suite; Sinfonie; Four 
old Flemish Songs f. Orch. (Chester); Chants d' Amour 
f. Gesang u. Orch.: Menuet varie u. Ifonzert 0-dur f. 
Kl. n. Orch. (Queen's Hall 1921); Kl.stiicke; Lieder u. a. 



De Srigoyen, Bernardo Manuel, argent. 
V.cellist, geb. 1883 in Buenos Aires, stud, in 
Europa u. war, solange er in Briissel war, 
Mitglied des Van Necke-Quartetts; in Argen- 
tinien als Konzertspieler geachtet. 

Deiters, Hermann Clemens Otto, deut- 
scher Philologe u. M.schriftsteller, geb. 27. Juni 
1833 zu Bonn, gest. 11. Mai 1907 in Coblenz, 
stud. Jura, spater Philologie, promov. 1854 zum 
Dr. jur. u. 1858 zum Dr. phil. u. war nachein- 
ander tatig als Gymnasiallehrer zu Bonn (1858), 
Diiren (1865) , Gymnasialdir. zu Konitz in 
WestpreuBen (1874), Posen (1878) u. Bonn 
(1883); 1885 wurde er als Provinzialschulrat 
nach Coblenz versetzt u. 1891 zum Geh. 
Regierungsrat ernannt. Seit Okt. 1903 lebte 
er im Ruhestand in Coblenz. In dem einstigen 
Kampf Wagner-Brahms war er einer der ent- 
schiedensten Parteiganger von Brahms. Aufter 
vielen Zeitschriftenartikeln schrieb er: 

Brahms (in Graf Waldersee's Sammhmg musika- 
Hscher Vortrage, 1880, 2. Teil 1898); Ludwig van Beet- 
hoven (id. 1882). D. redigierte auch die 3. (1889) u. 
4. Aufl. (1905) von Otto Jahn's Mozart u. bearbeitete 
A. W. Thayer's Beethoven nach dem engl. (damals noclx 
nicht gedruckten) Originalmanuskript (Bd. 1 1866 um- 
gearb. 1901, II 1872, III 1879; der bei seinem Tode- 
bereits im Druck fertige 4. Band erschien mit Vorwort,. 
Erganzungen u. Register von H. Riemann 1907, 
der als Manuskript vorliegende 5. Bd. (SchhiB) ebenso- 
1908; Br. & H. 

de Koven, Reginald, amerik. Komp., geb. 
3. April 1859 in Middletown (Connecticut), 
gest. 16. Jan. 1920 in Chicago, absolvierte 
1879 das St. John's Coll. zu Oxford, war 
dann Schiiler des Stuttgarter Kons. (Lebert, 
Pruckner) u. Hauff's in Frankfurt a. M., stud, 
noch Gesang bei Vannuccini in Florenz u. 
Opernkompos. unter Genee in Wien u. Delibes 
in Paris. Seit 1891, nach einjahriger m.kri- 
tischer Tatigkeit an der Evening Post in Chicago, 
lebte er in New York als M.referent der New 
York World (1891-97), dann (1898-1900)- 
des Journal u. 1907—12 wieder der World. 
1902 rief er in Washington ein Philh. Orch. 
ins Leben, das er bis 1905 leitete. Er besafi 
eine leichte melodische Ader u. hat sie reichlich 
flieBen lassen: seine Opuszahlen gehen bis 
zu 411, darunter iiber 130 Lieder, nicht weniger 
als 20 kom. Opern, die erfolgreichste Robin 
Hood. 

Orch.suite; Kl.sonate; Ballade f. MCh., T. u. KL 
King Witlafs Horn (Church 1915); Operetten: The- 
Begum (Philadelphia 1887); Don Quixote (Boston 1889);. 
Robin Hood (Chicago 1890, London 1891 unter dem 
Titel Maid Marion); The fencing master (Boston 1892);. 
The Knickerbockers (Boston 1893); The Algerian (Phila- 
delphia 1893); Bob Boy (Detroit 1894); The Tsigane- 
(New York 1895); The Mandarin (Cleveland 1890);, 
The Highway man (Newhaven 1897); fiir Kew York:. 
The three dragoons (1899); The red feather (1903), Happy 
Land (1905), Student King (1906), The golden butterfly 
(1907), The beauty spot (1909), The wedding trip (1911),. 
Her little Highness (1913) (bis 1897 bei Schirmer, seit- 
dem bei Harms, Stern, Remicku. Schubert); die grofie 
Oper The Canterbury Pilgrims (New York, Metrop. 
Op. 1917): Bip van Winkle (Chicago Op. Co. 1919);. 
sein beliebtestcs Lied ist O Promise Me op. 50 (Schirmer,.. 



138 



Delacroix — Delcroix. 



1889); sehr popular 1st auch seine Kompos. von Kip- 
ling's Recessional f. M.- u. gem. Chor (Church). 

Delacroix, Auguste, franz. Komp., geb. 
.■27. Dez. 1871 zu Marseilles; Schuler von 
Taudou u. Guiraud. 

Mehrere Lieder; sinf. Bichtung Les Eoses. 

Delage, Charles Maurice, franz. Komp., 
•geb. 13. Nov. 1879 zu Paris, stud. Harmonie, 
Kompos. u. Kp. bei Maurice Ravel, auf einer 
Reise nach dem Osten erschloB sich ihm die 
indische Musik; seine Musik ist von groBem 
Farbenreiz. 

Zwei Bucher Lieder; Quatre Poernes Mndous f. Ges. 
u. kl. Orch.; Ragamalika f. Ges. u, gr. Orcli.; Schumann, 
f. Kl. (alles bei Durand). 

Ms.: Tanzdichtung uber indische Themen; Ton- 
dlchtung ConU par la Met. 

De Lamarter, Eric, amerik. Kritiker u. 
Dirig., geb. 18, Febr. 1880 zu Lansing, Mich.; 
stud. Kl. bei Mary Wood Chase in Chicago, 
Orgel bei G. H. Fairelough in St. Paul u. 
bei Middelschulte in Chicago, war 1901—02 
endlich noch Schiiler von Guilmant u. Widor 
in Paris. Bis 1912 war er Organist der New- 
England Congregational Ch. in Chicago, 
1908—09 Kritiker des Chicago Record-Herald, 
dann der Tribune u. nach 1910 des Inter- 
Ocean. 1911— 13 leitete er die Mus. Art. 
Soc. u. war 1918—19 Hilfsdirig. des Chicago 
Symph. Orch., als Vertreter Stock's. 

Sinfonie B-dur (Chicago 1914); Serenade f. Orch. 
<1915); Ouverturen; Suiten; 2 Orgelkonzerte (1920 
u. 22); Kammermusik u. a. 

De Lange, Daniel, holl. M. kritiker, Bruder 
von Samuel de L., geb. 11. Juli 1841 in Rotter- 
dam, gest. 31. Jan. 1918 zu Point Loma (Cali- 
fornien), 1855—56 Schuler von Ganz u. Servais 
(Cello) sowie Verhulst u. Damcke (Kompos.), 
1860—63 Lehrer an der M.schule zu Lemberg, 
stud, dann noch in Paris bei Frau Dubois 
Klavier u. bildete sich daneben zum Org el- 
spieler aus, wurde Organist der evangel. Ge- 
meinde von Montrouge, der Freien Gemeinde, 
u. Dirig. der Deutschen Liedertafel. 1870 
(wahrend des Krieges) siedelte er nach Amster- 
dam uber als Lehrer am Kons. , wurde Sekretar 
der Maatschappij tot bevordering van Toon- 
kunst, war langere Zeit Stell vertreter Coenen's 
a,ls Dirig. von Amsters Mannenkoor, dann 
Dirig. mehrerer Gesangvereine zu Leyden u. 
Amsterdam, mit denen er vielfach (auch 1888 
in London u. 1892 in Deutschland usw.) alt- 
niederlandische a cappella-Musik zur Auf- 
fuhrung brachte. 1895—1913 war er Direktor 
des Kons., auch lange Jahre M. referent des 
Bet Nieuws van den Dag; 1914 ging er nach 
■Californien. 

2 Sinfonien C-dur op. 4 (Hamelle) u. D-dur; mehrere 
Kantaten; Oper De Val van Kuilenburg; Ouvertiire 
WiUem van EoUand; Musik zu Eernani; Inzidenz- 
musik zu Frederik van Eeden's lAoba, 1905; Messe 
a cappella; Requiem; Psalm 22 f. Soli, Ch. u. KL; 
Oellokonzert; Lieder usw. 

Als Theoretiker deb. er 1908 mit einem Expose 
d'une theorie de la musique. 

Ygl. Henry Viotta, Onze hedendaagsche toonkunst- 
enaars (Amsterdam 1894, Van Holkema & Waren- 



dorf); Ant. Averkamp, Levensberigt van D. d. L. 
(Leyden, 1918, Brill): ferner Theosophical Field, 
Marz 1918. 

De Lange, Samuel, holl. Organist u. Komp., 
geb. 22. Febr. 1840 zu Rotterdam, gest. 7. Juli 
1911 in Stuttgart, Sohn des gleichnamigen 
Organisten an der St. Lorenzkirche u. Lehrers 
an der M.schule der Gesellsch. z. Beford. d. 
Tonkunst zu Rotterdam (1811—84), erhielt 
von diesem den ersten Unterricht u. wurde 
spater von Verhulst (in Rotterdam), A. Winter- 
berger (Wien), Damcke u. Mikuli (Lemberg) 
weiter ausgebildet. De L. konzertierte als 
Orgelvirtuose 1858—59 in GaUzien, hielt 
sich dann vier Jahre in Lemberg auf, wurde 
1863 Organist zu Rotterdam u. Lehrer an 
der M.schule der Maatschappij tot bevordering 
van Toonkunst, konzertierte von dort aus 
in der Schweiz, in Leipzig, Wien, Paris usw., 
wirkte 1874—76 an der M.schule zu Basel 
u. wurde nach kurzem Aufenthalte in Paris 
1877 als Lehrer ans Kons. zu Koln berufen, wo 
er auch als Dirig. des Kolner Mannergesang- 
vereins sowie des Gurzenieh-Chors tatig war. 
1885 ubernahm er die Direktion des Oratorien- 
vereins im Haag u. einiger kl einer er Vereine. 
Im Sept. 1893 folgte er einem Rufe ans Stutt- 
garter Kons. als Stellvertreter (1894 Nach- 
folger) J. FaiBt's in der Orgel- u. Kontra- 
punkt-Professur, ubernahm auch den Chor- 
gesang u . die Vortrage uber M . geschichte 
u. wurde 1900 Direktor der Anstalt, 1895 
auch Dirig. des Vereins fur klass. Kirchen- 
musik, des Lehrergesang vereins u. des Orch.- 
vereins. 1908 trat er in Ruhestand. 

8 Orgelsonaten; Kl.quartett; Kl.quintett; 4 Streich- 
quartette; Trio; 4 V.sonaten; 2 Cellosonaten; Cello- 
konzert op. 16 C-moll; Serenade f. kl. Orch,; mehrere 
Kantaten f. Ch. u. Orch.; Mannercttorlieder; 3 Sin- 
fonien; Ballade Eines Konigs Trane f. Sopran, gem. 
Ch. u. Orch. 

De Lara (Cohen), Isidore, engl. Komp., 
geb. 9. Aug. 1858 zu London, trat mit 13 Jahren 
als Pianist an die Offentlichkeit, stud, mit 
15 in Mailand bei Mazzucati Kompos. u. 
bei Lamperti Gesang u. ubersiedelte als Sanger, 
Komp. u. Dirig. nach London. 1915/16 gab 
er eine groBe Reihe engl. Kammermusik- 
Konzerte. Sein Opernstil grundet sich auf 
denjenigen von Saint- Saens u. Massenet. 

Opern: The Light of Asia (London 1892); Amy Jiobsart 
(London 1893); Moina (Monte Carlo 1897); Messalina 
(das. 1899); Le reveil de Bouddha (Gent 1904); Sanga 
(Nizza 1906); Solea (Koln 1907); NaU (Paris 1912); 
Les trois masques (Marseille 1912, Diisseldorf 1913); 
Ijes trois musquetaires (Cannes 1920). 

Delcroix, Leon, belg. Komp., geb. 15. Sept. 
1880 zu Brussel; Schuler von Josef Wieniawski 
(Kl.), Alphonse Mailly (Org.), V. d'Indy u. 
Theo Ysaye (Kompos.); 1911 Orch.leiter am 
Theatre Royal zu Gent, 1912 am Theater 
zu Tournai; jetzt am Trocadero in Briissel. 
Seine Arbeiten zeigen eleganten u. graziosen 
Stil. 

Orch.: Sinf. Suite op. 18; Sinfonie op, 19 (1909 
von der belg. Akad. preisgekront); Sinf. Dichtungen: 



Delhasse — Delius. 



139 



Le Roi Harald op. 26; Cimdcepa op. 65; Soir d'Me a 
Lend op. 66; Rhapsodic aus der Languedoc op. 27. 
Kammermusik: KLquartett op. 1 (1903 preisgekront) ; 
Streichquartett op. 35; Trio op. 4 (Schott, Briissel); 
Qulntett op. 23; Sonate f. V. u. Kl. op. 34 (Paris, 
Evette & Schaeffer); Sonate f. Vc. u. Kl. op. 67. Oper: 
Le Petit Poucet (Tom Thumb), Briissel 1913; Ballett 
La Bacchante (Gent 1912). 

Delhasse, Felix, belg. M.forscher, geb. 
5. Jan. 1809 zu Spa, gest. 4. Nov. 1898 in 
Briissel, erst Kaufmann, der Begrunder (1854) 
u. langjahrige Leiter (bis 1887) des Guide 
musical, Mitarbeiter einer groBen Zahl anderer 
Zeitungen u. Fachschriften, wie Diapason, 
La France MusicaU, 1839—47 Hsgb. eines 
Biihnenkalenders (Annuaire dramatique, mit 
biograph. u. anekdot. Notizen), Gahrie de 
portraits oVartistes musiciens du royanme de 
Belgique (1842-^3, Folio; Portraits u. bio- 
graph. Notizen uber Vieuxtemps, Fetis, Hann- 
sens, deBeriot, Servais, Prume u. a.), Ad. Jullien 
(1884) u. kleinerer Aufsatze. Er hat, reich u. 
freigebig, manchem Kunstler u. Forscher seine 
Stellung gesehaffen; Gregoir, Van der Straeten, 
Kufferath, Pougin sind ihm fur Material zu 
Dank verpflichtet. 

Delibes, Leo, franz, Komp., geb. 21. Febr. 
1836 zu St. Germain du Val (Sarthe)j gest. 
16. Jan. 1891 in Paris; wurde 1848 Schuler 
des Pariser Cons, (speziell von Le Couppey, 
Bazin, Adam u. Benoist), 1853 Akkompagnist 
am Theatre lyrique u. Organist der Kirche 
St. Jean et St. Frangois. 1855 kam seine erste 
einakt. Operette: Deux Sous de Charbon am 
Theater Folies nouvelles zur Auffuhrung, 
welcher einige weitere in den Bouffes parisiens 
folgten. Das Theatre lyrique brachte die ein- 
akt. kom. Opern: Maitre Griff ard 1857 u. 
Le jardinier et son seigneur 1863. 1865 wurde 
er zweiter Chordirektor der GroBen Oper, gab. 
indes diese Stellung auf, als seine Erfolge sich 
dauernd steigerten (1872); 1866 brachte die 
Grofie Oper das Ballett La Source, das D. 
in Kompanie mit Ludwig Mincus komponiert 
hatte; 1870 folgte das Ballett Copp&ia oder 
Das MMchen mit den Glasaugen, das sein 
grdfiter Erfolg blieb, u. 1876 das Ballett 
Sylvia oder Die Nymphe der Diana. 1873 
war inzwischen die kom. Oper Le Roi Va dit 
mit grofiem Erfolg zur Auffuhrung gelangt; 
die weiter folgenden kom. Opern Jean de 
Nivelle (1880) u. Lakmi (1883) vermochten 
dagegen nicht festen FuB zu fassen. Seine 
unvollendet hinterlassene Oper Kassya, be- 
endet u. instrumentiert von Massenet, wurde 
1893 in Paris aufgefuhrt. Erganzend sind 
noch zu nennen eine Ballettmusik als Einlage 
in Adam's Korsa (1867), Inzidenzmusik zu 
Le roi s' amuse (1882), die dramat. Szene 
La mort aVOrph ie (1878) u. eine Anzahl 
Romanzen. 1881 wurde D. Nachfolg. Reber's 
als Kompos.prof. am Cons. u. 1884 Mit- 
glied der Akad. (Ersatz fur Masse). D. ver- 
wirklichte in der Musik, was Groncourt 



in der Literatur zur Mode gemacht hatte: 
die ecriture artiste. Seine Musik, ganz auf der 
Oberflache schwimmend, ist grazios u. auBerst 
elegant. Er kennt alle Arten des Raffinements; 
seine leichte Musik scheint wahrhaft be- 
schwingt u. folgt ganzlich dem Muster des 
klass. Balletts. Die Generation Gabriel Faure's 
hat er stark beeinfluBt; noch heute zahlt 
ihm Henri Rabaud in Marouf seinen Zoll. 
Delius, Frederick, engl. Komp., geb. 
29. Jan. 1863 zu Bradford, Yorkshire, Sohn 
deutscher Eltern (Jul. Delius, der sich 1850 
zum Englander naturalisieren lieB); erzogen 
1876—79 in der Bradf order Schule u. am 
Internat. Coll. zu Spring Grove , Isle worth. 
Der Widerstand seiner Eltern verhinderte 
ihn zuerst sich ausschlieBUch der M. zu widmen; 
nach einigen Jahren kaufmannischer Tatig- 
keit im Norden Englands, die durch gelegent- 
liche Ausfluge nach Skandinavien erleichtert 
wurde, uberredete er seinen Vater eine Orangen- 
plantage in Florida zu erwerben. Hier hatte 
er reichliche MuBe sich seinen Neigungen 
hinzugeben; nach 6 Monaten der Einsamkeit, 
die er als die entscheidende Periode seiner 
Laufbahn ansieht, hatte er das Gliick an 
einen vortref flichen Musiker zu geraten : 
Thomas F. Ward, der ihm Gesellschaft leistete 
u. sich sowohl als Freund wie als trefflicher 
Lehrer erwies. D. begann jedoch bald das 
Bedurfnis nach einer entschieden musikalischen 
Umgebung zu fiihlen u. bat seinen Vater 
nach Deutschland gehen zu diirfen. Seine 
Bitte ward abgeschlagen. Im Aug. 1885 
verlieB er die Plantage u. nahm einen Posten 
als M. lehrer in Danville (Virginia) an, mit der 
Absicht, wirtschaftlich unabhangig zuwerden. 
Er hatte Erfolg u. sein plotzliches Verschwinden 
aus Florida schien seine Eltern von der Aus- 
sichtslosigkeit ihres Kampfes gegen seine 
Neigung zu uberzeugen. Im folgenden Jahr 
kam er nach Leipzig, wo er zwar nichts am 
Kons., um so mehr aber von Grieg lernte, 
der damals dort lebte . 1888 iibersiedelte 
er nach Paris, wo sein Schaffen vollkommen 
ignoriert wurde (u. noch wird), da er sich 
niemals irgendeiner M.cUque oder -koterie an- 
schloB. Die Offentlichkeit jedoch bedeutete 
nichts fur ihn; er schrieb viel, veroffentlichte 
aber nichts u. brachte kein Werk zur Auf- 
fuhrung, bis er seine Reife erlangt hatte. 1893 
zog er im letzten Augenblick aus reinen Grun- 
den der Selbstkritik ein Werk zuruck, das 
in Weimar angenommen war, u. wagte erst 
1899 ein Konzert mit eigenen Werken zu 
geben. Es fand in London in der alten St. 
James's Hall statt; trotz der groBen Aufmerk- 
samkeit , die es erregte , fand erstaunlicher- 
weise in den nachsten 8 Jahren keine Auf- 
fuhrung irgendeines seiner Werke mehr in 
England statt; viel tatiger war Deutschland 
in der Anerkennung seines Schaffens. Hans 



140 



Delmas — Be Lucia. 



Haym in Elberfeld, Jul. Buths in Dusseldorf 
u. Busoni, Oskar Fried u. Fritz Cassirer in 
Berlin bezeugten ihren Glauben an ihn durch 
Auffuhrungen seiner Orch. werke, u. sein An- 
sehen stieg noch durch die Auff. seiner Appa- 
lachia am Niederrheinischen M.fest 1905 u. 
seiner Sea-Drift beim Tonkunstlerfest des 
Allg. deutschen M.vereins 1906. In England 
hat vor allem Sir. Thomas Beecham fur die 
Verbreitung seiner Werke gesorgt. D. lebt 
in Grez-sur-Loing, Seine-et-Marne , Frankreich. 
D. ist einer der wenigen Komponisten, 
die viel von Wagner gelernt haben, ohne 
von ihm uberwaltigt zu werden. Seine fruhen 
Werke sind deutlich wagnerisch, mit An- 
klangen an Chopin u. Grieg. Aber von allem 
Anfang an steckt in ihn en mehr Delius als 
Wagner u. die Spuren des auBern Einflusses 
verschwinden allmahlich, bis um 1900 seine 
Individualitat sich vollkommen bezeugt. Er 
verkorpert den Sonnenuntergang dieser ro- 
mantisch gerichteten Zeit, von der Wagner 
als der Spatnachmittag angesehen werden 
mag. D.s Kunst ist zuriickschauend , in dem 
Sinne, daB sie zusammengesetzt ist aus ,,Er- 
regung, die sich in der Ruhe entwickelt". 
Sie ist dagegen der Gegensatz zum Impressio- 
nismus. Die Natur wird nicht als erne Folge 
auBerlicher Erscheinungen wiedergegeben, son- 
dern als ein Bestandteil des Seelischen. Weder 
in seinen Orch.werken, noch in seinen Opern 
u. andern Kompos., die auf einer dichterischen 
Grundlage sich aufbauen, findet man ein 
andres als ein rein seelisches Programm. Mit 
seinem Text als Ausgangspunkt entnimmt 
D . seinem Stoff e das Allgemeine aus den 
Einzelheiten u. erstaunt durch die Sicherheit 
mit der er Einzelheiten in einer umfassenden 
Synthese zur Vereinigung u. zum person- 
lichen Ausdruck bringt. Sein bedeutendstes 
Werk, Eine Messe desLebens, durch Nietzsche's 
Zarathustra angeregt, ist eins der wesentlich 
religiosesten Werke unserer Zeit. In seiner 
Technik stiitzt sich D. hauptsachlich, dcch 
keineswegs ausschlieBlich auf einen kaleido- 
skopischen Wechsel der Harmonien. Mogen 
Historiker einerseits ihn mit Gesualdo ver- 
gleichen, auf der andern mit einigen Kom- 
ponisten unsrer Zeit, so triigt sein Schaffen 
doch keine Spur von zeitgenossischem Ein- 
iluB , u . seine individuellsten Eigenschaf ten 
sind ungreifbar u. entziehen sich der Analyse. 
Aber seine Personlichkeit tritt ebenso klar 
umrissen hervor in einem kleinen a cappella- 
Chor wie On Craig Ddu wie in den Opern 
u. den grofien Werken iur Chor u. Orch. 

Phantasie-Ouvertiire Over the hills (Elberfeld 1897); 
Xorwegische Suite i. gr. Orch. (Entr'acte zu Heiberg's 
Folkeraadet, 1897 in Christiania) ; Kl.konzert C-moll 
(1904 von Buths in Elberfeld gespielt. in umgeartciteter 
Gestalt 1907 gedruckt); Musikdrama Koanga (1897. 
Elberfeld 1904); Romeo u. Julia uuf dcm Doric (Text 
vom Komp. nach Keller. 1901, Berlin 1907); Mar got j 
la Rouge (einakt., noch nicht aufgef.); Fennimore j 



u. Gerda (nach Kiels Lylme von Jacobsen), 1910; 
1919 in Frankfurt a. M. aufgef.; eine Szenenmusik 
zu James Ehvy Flceker's Hassan, 1923 Darmstadt; 
Paris (Nachtstiick f . Orch.) ; Lebenstanz f. Orch. ; Legende 
f. V.u. Orch.; Appalachian Orch. variationen mit Schlufi- 
chor (1902, Elberfeld 1905); Sea-drift (Im Mecrestreiben) 
f. Bariton, Chor u. Orch. 1903 (Essen 1906); Bine 
Messe des Lebens f. Soli, Chor v. Orch. 1905; Orch.- 
Rhapsodie Brigg Fair, 1907 (Zurich 1910); Songs of 
Sunset f. Soli.' Chor u. Orch.; The Song of the High 
Hills (f. Orch. mit SchluBchor), 1912. Orch.stiicke: 
In a summer-garden 1908. Dance Rhapsody 1908; On 
hearing the First C-ucoo in Spring 1912; North Country 
Sketches 1914: Eventyr 1917; Summernight on the river 
(1913); Y.konzert 1916; Ycell-Konzeit 1921; Boppel- 
konzert f. V. u. Yc. 1916; Bieder u. wenige Chor lieder 
(hauptsachlich Un. -Ed. u. Augener). 

Vgl.: M. Chop, F. D. (1907); Ph. Heseltine, 
F. D. (London, J. Lane, 1913). 

Delmas, Jean F r a n co rs , franz. Opern- 
bassist, geb. 14. April 1861 zu Lyon, Schuler 
der Cons, zu Lyon u. zu Paris (Busine, Aubin), 
seit 1886 an der GroBen Oper, wo er eine groBe 
Reihe von Rollen kreierte u. wo sein Gesangs- 
stil als Muster musikal. Deklamation gilt, 
Vgl. Curzon, Croquis d'artistes (1898). 
Delmas, Marc, franz. Komp., geb. 28. Marz 
1885 zu St. Quentin; Schuler von X. Leroux, 
Caussade, Lenepveu u. Paul Vidal; 1019 
Rompreistrager. Mit seiner lyrischen Legende 
Anne-Marie gewann er 1911 den Rossini- 
preis; mit seiner sinf. Dichtung Les Deux 
Routes den Arab. Thomaspreis; der Chartier- 
preis wurde ihm 1919 zugesprochen fur seine 
Kammermusikwerke: ein Trio C-moll (Ledue),. 
Legende et Danse f, Streichquartett, Kl.stiicke, 
(Impressions d?Ariege; Nostalgie; Suite frangaise; 
der Prix Cressent fur seine lyr. Oper Iriam 
(Bordeaux 1921); der Preis der Stadt Paris 1925< 
fur seine Oper Cyrca, Er ist der typische preis- 
gekronte Komponist. 

Opern; Jean de Calais. 1907: Stephanie, 1.910: La'is\ 

1909; Cyrca, 1920; Camille, 1921; Anne-Marie, 1922. 

La Giaour (1925). Sinf. Musik: Les Deux Routes 1913;. 

Au pays watton 1914; Le Poete et la Fee 1920; J)u 

Rem au Souvenir 1919; Be Bateau Fere; Paithesilee; 

Rhapsodie ariegeoise f. Yc. u. Orch. 

De Lorenz-Fabris, Ausonio, ital. Komp.,. 
geb. 18. Jan. 1861 zuMontebelluna, Schuler des 
Liceo Benedetto Marcello zu Venedig, Kom- 
ponist der in Venedig, Mailand, Florenz u. 
Triest mit Erfolg aufgefuhrten Opern (auf 
Texte von Taddeo Wiel): 

Gli adoranti del ftwco; Maometto II; II re si anno'ia;. 
Oratoriuni Refugiurn peccatorum. 

Weitere Opern: Giv.ditta; Sorella (noch nicht auf- 
gefuhrt). 

De Luca 5 Giuseppe, ital. Bariton , geb. 
25. Dez. 1S76 in Rom; Schuler von Venceslao 
Persichini sm Liceo di S. Cecilia, deb. 1897 
zu Piacenza in Faust, seitdem einer der ge- 
feiertsten Baritonisten in Italien. Europa, 
Amerika. Hauptrollen: Jago, Mefistofeles- 
(Fausis Verdammung); Rigcletto, Rene, Aibe- 
rich, Amfortas u. a. 

De Lucia, Fernando, ital. Tenorist, geb. 
11. Okt. 1860 in Neapel, gest. das. 2. Marz, 
1925. stud, am dort. Kons. . deb. 1883 an San 
Carlo in Faust \ seitdem ein Sanger ("Dekla- 



Del Valle de Paz — De Nardis. 



141 



mator) u. Darsteller (Don Jose; Pescatori di 
Perle; Iris) von besonderer Eigenart. Er 
lebte zuletzt als Lehrer fur Gesang am Kons. 
di San Pietro a Maiella in Neapel. 

Del Valle de Paz, Edgar do, ital. Pianist, 
geb. 18. Okt. 1861 in Alexandria (Agypten) 
von ital. El tern; gest. 5. April 1920 in Florenz; 
Schuler des Kons. in Neapel (Serao, Benia- 
mino Cesi), erfolgreicher Konzertspieler; letzte 
Konzertreise mit Cesar Thomson 1886; dann 
Lehrer am 1st. mus. in Florenz, wo er 1896 
die Zeitschr. La Nuova Musica grlindete, 
die er bis zu seinem Tod leitete. 

Opern: Barbarina; Oriana, einakt. (Florenz 1907); 
La Maupin, dreiakt. 

Fur Orch.: Ondina, Suite (Augener); Scenes de 
ballet (id.). 

F. Kl.: Soirees musicales (id.); Sonate f. Vc. u. KL; 
3 Capricci f. V. u. KL; Suite ira alten Stil (Ricordi) usw. 

Scuola pratica del pianoforte, 24 Hefte (Eratti, 
Florenz); Neuausgaben. 

Belvincourt, Claude, franz. Komp., geb. 
12. Jan. 1888 zu Paris; Schiiler von Widor 
am Cons., gewann 1913 glanzend mit seiner 
Kantate Faust et Helene (Legouix) den Rom- 
preis; hochbegabt, im Krieg mehrmals ver- 
wundet u. nach dem Verlust eines Auges 
nahm er nach achtjahriger Pause das Kom- 
ponieren wieder auf. 

Lieder ( Senart) ; Vokalquartette (Legouix) ; eine 
fesselnde Sonate f. V. u. Kl. (Senart 1923). 

Delune, Louis, belg. Komp., geb. 15. Marz 
1876 zu Charleroi, Schuler Tinel's am Briisseler 
Cons., erhielt 1900 den Akademiepreis fur 
ein Kl.konzert u, 1903 den Romerpreis fiir 
ein Chorwerk Der Tod des Konip Reynaud. 
Wie schon in Charleroi leitete D. auch in 
Briissel einen Orch.verein. 

V .sonate ; Cellosonate ; Gesang JDie Sckwane mit 
Cello u. KL; laeder. Unaufgef. ist die Oper Taina 
(Text von Victor Cyril). 

De Maleingreau, Paul, belg. Org. u. Komp., 
geb. 23. Nov. 1887 zu Trelon en Thierache, 
verlebte seine Jugend in Namur, widmete 
sich erst mit 18 Jahren der Musik u. machte 
seine Studien am Briissler Cons, unter Edgar 
Tinel. 1903 wurde er dort Lehrer fiir Har- 
monie, 1921 fiir Orgel; Konzert-, vor allem 
Bachspieler. Von seinen, unter dem EinfluG 
Bachschen Stils in mystischem Geist gesehrie- 
benen Werken seien genannt: 

Ftir Kl. eine groBe Suite op. 9; eine kl. Suite Les 
Angelus du Printemps op. 17; fiir Orgel ein Opus sacrum 
op. 10 (Chester); eine Symphonie de Noel op. 19; eine 
Symph. de la Passion; 20 lituigische Stiicke (Lauwerijns, 
Brussel); Suite op. 14 (Durand); Sonate f. Vc. u. Kl. 
(Lauwerijns). 

Demeny, Desiderius (Dezso), ungar. Komp., 
geb. 29. Jan. 1871 zu Budapest, absolvierte 
das Priesterseminar zu Gran (1893 Priester), 
wurde 1894 Konsistorialnotar zu Budapest 
u. 1897 kgl. Hofkaplan u. Gymnasialprof. 
Seit 1913 ist er Chordir. der St. Stephan- 
Basilika. D. ist in der Musik Schuler von 
Viktor Herzfeld u. Stephan von Bacho; drei- 
mal errang er den Geza Zichypreis fiir Orch.- 



werke (Ungar. Tanzsuite, Festouvertiire, Rhap- 

sodie); die Pester Phil. Gesellschaft fiihrte 
auf: eine Serenata sinfonica u. zwei Bilder 
aus Algier. Der Schwerpunkt von D.s Tatig- 
keit als Komp. liegt aber auf vokalem Gebiete: 
vier Messen (E-moll „Herzog Emerich" u. 
E-dur ^Elisabeth" gedruckt, Werke im 
a cappella-Stil); viele kleine Gesangssachen 
(76 Lieder mit deutschem Text, zwolf Blumen- 
lieder ungarisch u. deutsch); Kl.bearbeitungen 
ungar. Volkslieder; Operette: Der sieghafie Tod 
fiir Madchenpensionate ; vier Melodramen usw. 
1902 begriindete er eine M.zeitung (Zene- 
kozlony). 

Demest, Desire, belg.Tenorist, geb. 16. Sept. 
1864 zu Liittich; Schiiler von Bonheur u. 
Carman am Liitticher Cons., Konzert-, haupt- 
sachlich Oratoriensanger; Gesangslehrer am 
Briisseler Cons, seit 1893, wo er einige wohl- 
bekannte Kiinstler gebildet hat: Swolfs, 
Ansseau (Tenoristen) , Dufranne (Bariton) u. 
Huberty (B.). 

Eandbuch der Singiibungen (12. AufL). 
Oemetrlescu, Theophil, ruman. Pianist, 
geb. 12. April 1891 zu Bukarest; Schiiler von 
Vianna da Motta, Ansorge u. hauptsachlich 
von d'Albert; Virtuose von temperament- 
voller Spielweise. Er lebt in Berlin u, hat sich 
neuerdings besonders fiir Busoni eingesetzt. 
De IWol, Willem, belg. Komp., geb. 1. Marz 
1846 zu Briissel, gest. 7. Sept. 1874 zu Marseilles; 
ein hochst begabter Kiinstlei* aus Musiker- 
famihe; stud, am Briissler Cons., erhielt 
1871 den Rompreis fiir eine Kantate Co- 
lumbus Droom. Nach der vorgeschriebenen 
Reise kam er nach Marseilles, wo sein Bruder 
Frangois Marie (1844—83) Organist an der 
Karlskirche war u. wo er vorzeitig starb. 
Sinfonie La Guerre; Oratorien; Levenstijden; Laatsie 
Zonnestraal; Lieder auf flamische Dichtungen, darunter 
das popularste Ik Jcen een lied vol inelodij. 

De Muro, Bernardo, ital. Tenor, geb. 1881 
zu Tempio Pausania (Sardinien), am Liceo 
di S. Cecilia in Rom als Bariton ausgebildet, 
dann drei Jahre lang bei Sbriscia u. Alfredo 
Martino. 1900 deb. er am T. Costanzi; sang 
dann an der Scala, in Siid- u. Nordamerika. 
Demuth, Leopold, Bariton, geb. 2, Nov. 
1861 in Briinn, gest. 4. Marz 1910 zu Czerno- 
witz (wahrend eines Konzerts) , stud, am 
Wiener Kons . unter Josef Gansbacher u . 
wurde 1889 Mitglied der stadt. Oper in Halle 
a. S. Spater war er an den Buhnen in Leipzig 
u. Hamburg tatig u. seit 1897 gefeiertes Mit- 
glied der Wiener Hofoper, k. k. Kammersanger. 
De Nardis, Camillo, ital. Komp., geb. 
28. Mai 1857 zu Orsogna (Chieti); stud, bis 
1879 am Kons. zu Neapel bei G. Correggio 
(Harm.), u. N. d'Arienzo(Kompos.), wurde 1882 
Lehrer fiir Harmonie an dieser Anstalt, 1885 
Chorgesangslehrer am Collegio militare u. 
1886 am Albergo dei poveri Lehrer fiir Harm, 
u. Kp. 1892 war er Kp.lehrer am Kons. von 



142 



Denereaz — Dent. 



Palermo; seit 1907 ist er es am Kons. zu 
Neapel, zugleich Vizedirektor. 1888 war er 
auch Dir. von San Carlo u. 1889 als Vertreter 
G. Martucci's Dirig. des Orch. der Soc. del 
Quartetto in Neapel. Von seinen Kompo- 
sitionen fesseln besonders die durch Abruz- 
zesische Melodien angeregten Orch.werke, 

Opern: Arabella, dreiakt., 1877; Un bagno freddo, 
dreiakt., Operette, 1879; Bi ba bu, kom. Oper, 1880; 
Un bacio alia Regina, kom. Oper (Neapel 1890); Stella, 
dreiakt. (Chieti u. Mailand 1898); Camoens, vierakt. 

Oratoriura: / Turchi in Ortona (Ortona 1884). 

Orch.: Sogno d'un soldato; Scene abruzzesi, Suite; 
Ouverture eroica, 1911; Sinfonie A-dur; Ouvert. C-moll; 
Le campane, leggenda abruzzese-. auBerdem Kammermusik; 
Kirchenmusik u. a. 

Lehrbiicher u. Neuausgaben besond. von Opernmusik 
des 18. Jahrh. 

Denereaz, Alexandre, schweiz. Organist, 
Komp. u. M.forscher, geb. 31. Juli 1875 zu 
Lausanne, Sohn des M.lehrers u. Komp, von 
Chorgesangen Ch. Cesar D., Schiller von 
E. Blanchet u. sein Nachfolger als Organist 
an St. Francois zu Lausanne, nachdem er noch 
1891—95 das Dresdner Kons. besucht hatte 
(Draeseke, C. H. Doring, Janssen), seit 1896 
auch Dirig. eines Mannerchors u. Theorie- 
lehrer am Kons, zu Lausanne; seit 1918 Bozent 
an der Univ. 

3 Sinfonien C-dur, C-moll, E-moil (mit Org.); eine 
Ouverture; sinf. Dichtungen Le RHe u. Les Saisons; 
Epopee symphonique; eine sinf. Suite; sinfonische 
A r ariationen: Scenes de la tie de cirque; sinf. Stiicke 
Autouf du monde; V.konzert; Cellokonzert; Orch,- 
gesringe; Kantaten: Aurores lointaines ; La Chasse 
ma-udite; Cantate d* inauguration; Konzert B dur; 
2 Streichquartette E-dur u. JD-dur (Fcetisch); ein 
Concerto grosso fiir Orch. u. Orgel; Orgelsonaten; 
Musik zu La JMme von Morax. Mil huit cent trois, can- 
tate pairiotique (Lausanne, Walbach). 

Schrieb: L' evolution de Vart musical depute ses ori' 
gines jusqu'a Vipoqae moderne (Lausanne 1919); mit 
C. Bourgues: La Musique et la Vie interieure, Hist, 
psychologique de I'Art musieal (Paris, Alcan); als Supple- 
ment dazu: L'Arbre genealoyique de I'Art musical (id.). 

Denijn, Jef, belg. Glockenspieler, geb, 
19. Marz 1862 zu Mecheln, 1881 Nachfolger 
seines Vaters Adolphe D., als dieser erblindete, 
1887 von der Stadt angestellt; seit 1892 Ver- 
anstalter von Konzerten in Mecheln, den 
Niederlanden, in England; Komponist, Theo- 
retiker (Technique et mecanismes de carillon), 
Lehrer u. Verbesserer seines Instruments. 

DenijS, Thomas, holl, Baritonist, geb. 
3. Jan, 1877 zu Schagen in Nordholland, 
1896 — 99 Schuler von Daniel de Lange , 
V. Zweers, J. B, de Pauw u. Cornelie van 
Zanten (Ges.) am Amsterdamer Kons., stud, 
dann noch in Berlin u. Paris (Jules Algier); 
ab 1903 kurze Zeit Lehrer an der Rotter- 
damer M.schule, seit 1908 in Berlin, wo er ge- 
legentlich auch an der Oper auftrat ( Wolfram) ; 
seit dem Krieg im Haag; einer der gesuchtesten 
Konzert- u. Oratoriensanger Hollands. 

De Nito, Jose, argent. Komp., geb. 1887 j 
in Rosario de Santa Fe; Schuler des Kons, I 
in Neapel bei Serrao, De Nardis, Longo, ' 
Cotrufo u. Napoli, kehrte 1910 nach Argen- ! 



tina zuruck, wo er ein M.inst. begrundeter 
das er noch jetzt leitet, 

Kl.stucke; Stucke i. V. u. Kl.; Lieder. 

Denkmaler der Tonkunst Auch in den 
Neuausgaben spiegelt sich der Geist der Zeit, 
oder vielmehr sie sollten wenigstens die le- 
bendige Beziehung der Gegenwart zu den 

Schatzen der Vergangenheit wider spiegeln. 
In diesem Sinn seien hier die wichtigsten 
Denkmalerpublikationen, in denen sich die 
wertvollste Arbeit der heutigen M.wissenschaft 
konzentriert, kurz genannt: Denkmaler Deut- 
scher Tonkunst, seit 1892 mit mehreren Unter- 
brechungen bei Br. & H. hrsg., erst unter 
Leitung von R. v. Liliencron, dann der von 
H. Kretzschmar, seit 1925 der von Abert; bis 
jetzt 57 Bde. — Denkmaler der Tonkunst in 
Bayern, seit 1900 hrsg. von Adolf Sandberger, 
bis jetzt 32 Bde. — Denkmaler der Tonkunst 
in Osterreich, seit 1894 hrsg. von Guido Adler, 
bis jetzt 61 Bde. Urn ihre Einleitungen zu 
entlasten, gibt Adler seit 1913 Beihefte unter 
dem Titel Studien zur M.wissenschaft heraus 
(bis 1925 elf Hefte). — Uber Denkmaler franz. 
Tonkunst vgl. Expert. - — In England hat das 
Interesse fur die Musik der nationalen Ver- 
gangenheit so fruh eingesetzt, da£ eine um- 
fassende, staatlich untersttitzte Denkmaler- 
Ausgabe kein Objekt mehr fand; vgl. Fellowes. 
Als D. ital. T. muB vornehmlich Luigi Torchi's 
Arte Musicale in Italia gelten, die es leider nur 
auf 7 Bde. brachte (Ricordi); vgl. auch Chile- 
sotti. — D, niederl. Tonkunst sind die Ausgaben 
der Vereeniging voor Nederlands Muziek- 
geschiedenis, bis jetzt 38 Bde. — Uber D, span. 
T. vgl. vor allem Barbieri, Eslava, Pedrell, 
Mitjana. — Die Publikationen des Schwed. 
M.-Vereins (gegr. 1859) sind Ausgaben von 
Werken lebender schwed, Musiker, ahnlich 
denen des Schweizerischen Tonkiinstlerverems 
(seit 1908). Vgl. Gesamt-Ausgaben. 

Densmore, Frances, Schrif tsteller uber 
Indianermusik; Verfasser von: Chippewa Music 
(Bureau of American Ethnology, Washington, 
D. C. 1910); Teton Sioux Music (id. 1918); 
Northern Vie Music (id. 1922). 

Dent, Edward Joseph, engl. M.forscher, 
geb. 16. Juli 1876 zu Ribston (Yorkshire), 
erhielt seine musikalische Ausbildung als Schuler 
des Eton-Coll, von H. C. Lloyd u. als Student 
zu Cambridge von Ch. Wood u. Stanford, 
promov. 1898 zum Bachelor of arts, 1899 zum 
Bachelor of music. Seit 1900 widmete er sich 
ganzlich der hist. Forschung, wurde 1902 
zum fellow des Kings Coll. zu Cambridge 
ernannt fiir seine Forschungen iiber Al. Scar- 
latti: Alessandro Scarlatti, his life and works 
(E. Arnold 1905) u. im selben Jahre zum 
Magister artium promoviert. D. ist Mit- 
arbeiter der Encyclopaedia briiannica u. der 
2. Auflage von Grove's Musiklexikon; lieferte 
auBerdem fur Arthur Tilley's Modern France 



Benza— De Santi. 



14$ 



(Cambridge 1922) das Kapitel uber franz. 
Musik u. fur Adler's HB. d. M.geschichte 1924 
das uber die engl. seit 1880. Er schrieb noch 
A Jesuit at the Opera in 1680 (G. A. Maietta) 
(1909 in der Riemann-Festschrifi), Italian 
Chamber cantatas (1911) u. Mozart's Operas 
(1913, deutsch von Anton Mayer, Berlin 1923). 
Aufierdem lieferte er engl. tJbersetzungen der 
Zauberflote (1911) u. von Figaros Hoehzeit 
(1915, 1919 aufgefuhrt), von Don Giovanni 
1921 u. von Wagner's Liebesverbot 1922. Seit 
April 1919 war er Mitarbeiter der Zeitschrift 
Athenaeum. Er ist der Vorsitzende der Inter- 
national Gesellschaft fur Neue Musik. 

Denza, Luigi, ital. Komp., geb. 24. Febr. 
1846 zu Castellammare, gest. 1922 in London, 
Schuler von Mercadante u. Serrao am Kons. 
zu Neapel, brachte 1876 am T. Mercadante 
eine Oper Wallenstein mit mafiigem Erfolg 
zur Auffuhrung u. iibersiedelte 1879 nach 
London, wo er einer der Direktoren der Acad, 
of Music war; 1898 wurde er Gesangslehrer 
an der R.A. M. Seit 1869 widmete er sich 
ganz der Canzonen-Kompos. Zusammen mit 
Tosti, Rotoli u. a. ist er der fruchtbarste 
Vertreter dieser Neapol. Lieder, Von ihm 
stammt das rassige Funiculi, Funiculd (1880), 
das z. B. in R. StrauB' Aus Italien im Schlufi- 
satz seine Rolle spielt. 

Denzfer, Robert F., schweiz. Dirig. u. 
Komp., geb. 19. Marz 1892 in Zurich, Schuler 
von Volkmar Andreae u. des dortigen Kons., 
dann zur weiteren Ausbildung in Koln, wo er 
zugleich als Korrepetitor bei der Oper u. spater 
in gleichem Amt bei den Bayreuther Fest- 
spielen tatig war. 1912—15 stadt. M.direktor 
in Luzern, seit 1915 1. KM. der Zuricher 
Oper, seit 1918 daneben Dirig. des Lehrer- 
gesangvereins, 1921 auBerdem kunstlerischer 
Leiter des Zuricher Stadttheaters. Seine 
Frau Idalice, geb. Anrig, ist Opera- u. 
Konzertsangerin. Als Komp. zeigt D. den 
EinfluB von Rich. StrauB. 

Sinf. Dichtungen; Totentanz; Richraodis; Bergpsalm 
f. Ch., Soli u. Orch.; Suite f. gr. Orch.; Lieder, davon 
op. 2, 5, 12 gedr. (Hiini); op. 10, 4 Ges. f, hohe 
Stimme mit Orch. (id.); op. 11 Suite f. 2 Solo- 
Violinen (Hiini). 

Depanis, Giuseppe, ital. M.schriftsteller, 
geb. 5. April 1853 zu Turin als Sohn des Im- 
presarios des Teatro Regio, Giovanni D., von 
1884— 1896 Kritiker der Stampa u. der Wochen- 
schrift Gazzetta letter aria; Fbrderer der Sin- 
foniekonzerte der Tnriner Weltausstellungen 
1884, 1898, 1911, bei der en erstem 34 Orch. 
konkurrierten; Mitbegriinder der Societa dei 
Concerti, jetzt u. a. deren President . D. war 
einer der Vorkampfer von Wagner's Kunst 
in Italien u. der erste Forderer Toscanini's. 

I concerti populari ed il Teatro Regio di Torino 
1872—1896 (2Bde., Turin 1914/15, S. T. E. N.); Studien 
uber Lohengrin (1887), die MeisUr singer (1892) u.den 
Ntbelungenrinit ( Roux e Frassati, 1896). 



D6r6, Jean, franz. Komp., geb. 1886 zu 
Niort; Schuler von Diemer, Caussade u. Widor. 
Musik zu Marlowe's Dr . Fawtm; Gesanee; Kl.stficke. 
De Rensis, Raffaello, ital. M.schriftsteller, 
geb. 1880 zu Casacalenda (Campobasso) ; 
Jurist; 1908 Grunder der Zeitschrift Musica 
u. des gleichnamigen Verlags; Kritiker des 
Messaggero. 

Anime musicali, 1913; Rivendieazioni musicali, 
1917; Ercole Bernabei (1920). 

D'E danger, Baron Frederic, Komp., geb. 
1868 zu Paris, wo er seine liter, u. musik. 
Studien vollendete; lebt in seinem Adoptiv- 
land England; lange Jahre einer der Direktoren 
von Covent Garden. 

Opem: Jehan de Saintre, zweiakt. (Aix- lea-Bains, 
1893); Jnes Mendo : Tierakt. (id. 1893); Te&s, vierakt. 
ital., nach Hardy 'sNove lie (Neapel 1906); NoU, zweiakt. 
franz. (Nizza 1912). 

Orch.werke: V.konzert; Kl.konzert; Kl.quintett; 
Kl.stucke; V.stiicke; engl. u. franz. lieder u. a. (Schott; 
Augener; Bicordi; Bouart & Leroile). 

De ROgatis, Pascual, argent. Violinist u. 
Komp., geb. 1883 zu Neapel, kam als 
Kind nach Buenos Aires, wo er am Kons. 
studierte. 1906 gab das Kons. ein Konzert, 
das ausschlieBIich semen Werken gait. 

3 Orch.dichtungen: Marho y el Eada; Belkiss en la 
Selva; Zupay; Preludes; Suite arabe; Dama de las 
Driadas; Paisaje Otonal; Romanze f. V.; 2 V.konzerte; 
2 Veeil,konzerte; Lieder; Kl.stucke. 

De Rubertis, Oreste, ital. Pianist, geb. 
1893 in Neapel, Schuler von Fl. Rossomandi 
am Kons. bis 1909; geachteter Konzertspieler. 
Im Winter 1915/16 grundete er, neben der 
Societa del Quartetto, die Societa Amici deUa 
Musica, deren standiger Pianist er ist. Der 
Versuch, 1919 eine Societa orchestrale ins 
Leben zu rufen, hatte kurze Dauer; ebenso 
die Griindung einer Accademia italiana di 
musica. Seit 1921 ist er Kl.lehrer am Kons. 
in Palermo. 

Sonata f. V. u. Kl.; sinf. Dicht. Leggenda indiana; 
Aegyptia; Wstucke; Ges. mit Orch. u. a. 

De Sabata, Victor, ital. Komp. u. Dirig., 
geb. 1892 in Triest, 1902—10 Schuler des 
Mail ander Kons . ( Saladino , Or ef ice) . 

Opern: II Macigno, 1913 (Mailand 1916); Luutrata. 
2 Ouvertiiren; Suite f. gr. Orch.; Jnwntus, sinf. Dicht. 
(Eicordi); sinf. Gem aide: La notte di Platon; Gethse- 
mane; Quartette; Kl.stucke; Lieder. 

De Santi, P. Angelo, ital. Schriftsteller u. 
Kirchenmusiker, geb. 12. Juli 1847 in Triest; 
gest. 28. Jan. 1922 in Rom; musikaUscher Auto- 
didakt; trat sehr jung in den Jesuitenorden, 
promov. in Innsbruck, leitete in den verschie- 
denen Collegien, in denen er wirkte, die Kirchen- 
musik u. ward bei der von D. Guerrino AmeUi 
unternommenen Reform der ital. Kixchenmusik 
der eifrigste Heifer. Von Leo XIII. nach Rom 
berufen, um gregor. Gesang u. Musik an den 
beiden rom. Seminaren zu lehren, verlieB er 
nach wenig Jahren das Sem. romano, das sich 
seinen Bestrebungen feindlich zeigte u. richtete 
dafur im Sem. vaticano eine Schola Cantorum 
nach benediktinischem Muster ein; wurde 1904 
aus Rom verdrangt, von Leo XIII. aber noch 



144 



Desmond — Dett. 



im selben Jahr zuriickberufen u. erlebte den 
Sieg seiner Reform unter Pius X. — 1909, auf 
clem nationalen KongreB ftir Kirchenmusik 
in Pisa, wurde er zum Pres. gen. delf Associa- 
zione Ital. di S. Cecilia gewahlt; eroffnete 1911 
die Scuola superiore di musica sacra in Rom, 
die 1914 als papstliche Schule anerkannt wurde. 

II pr'upo decenmo delta Pont. Scuola avp. di music a 
sacra in Roma, 1920 ; viele Artikcl in der CiviliA Catiolica, 
in der Rassegna Gregoriana. 

Desmond, Astra, (Mrs. Thomas Neame), 
engl. Altistin, geb. 10. April 1893 zu Torquay; 
stud, bei Blanche Marehesi u. vollendete ihre 
Ausbildung 1914 am Westfield Coll. in London; 
dort u. in der engl. Provinz bekannte Sangerin, 
Interpretin besonders moderner engl. u. franz. 
Liedmusik . 

Dessau, Bernhard, deutscher Violinist , 
geb. 1. Marz 1861 in Hamburg, gest. im Mai 
1923, wuchs im Haag auf, stud, dann unter 
Schradieck (Hamburg u. Leipzig), Joachim u. 
Wieniawski, bekleidete nacheinander Konzerb- 
meisterstellen zu Goriitz, Gent, Konigsberg. 
Briinn, Prag u. Rotterdam (dort auch Lehrer am 
Kons.), Bremen (Philharmonic) u. war seit 1898 
Konzertmeister an der Kgl. Oper zu Berlin (war 
auch zeitweilig Lehrer am Sternschen Kons.), 
1906 Kgl. Prof. 

Komp. f, V.: op. 9 — 16, 20; V.konzert im alien 
Stil op. 55 (Simrock) it. a. 

Dessau, Paul, deutscher KGmp. , geb. 
19. Dez. 1894 zu Hamburg; konzertierte als 
Geiger schon mit 12 Ja-hren; ging 1910 an das 
Klindworth-Scharwenka-Kons. in Berlin, als 
Schuler von Florian Zajic, wandte sich 1912 
aber der Laufbahn als KM. zu. Er stud, noch 
ein Jahr Kl. u. Kp. bei Eduard Behm, kam 
1913 als Korrepetitor ans Hamburger Stadt- 
theater u. wurde Kompos. -Schuler von Max 
Loewengard; nach derRiickkehr aus demFelde 
1918 Dirig. u. Komp. an den Hamburger 
Kammerspielen, 1919—23 Korrepetitor u. 
spater KM. am Opernhaus in Koln, darauf ein 
Jahr lang I. KM. in Mainz. 

Kl.sonate, 1914; Kl.- u. Orch.lieder; Kantate f. 
Soli, MCh., Orch. u. Orgel, unaufgef.; Musik zu Lanzelot 
■■und Sanderein (HambuTg 1918); vier Marienliecler f. 
Gesang u. S Soloinstr.; Concertino f. Solo-A 7 . mit FL, 
Klar. u. Horn (preisgekront; Schottl925); Orch.werke. 

Dessoff, Margarethe, deutsche Chordiri- 
eentin, Tochter des Dirigenten Otto Dessoff 
{1835—1892), geb. 11. Juni 1874 zu Wien, 
Schulerin des Hochschen Kons. in Frankfurt 
a. M. (im Gesang von Otto Gunz), dann der 
Stockhausen- Schulerin Jenny Halm; Griinderin 
-erst eines privaten Frauenchores, der 1912 beim 
Brahms-Fest in Wiesbaden zuerst indie Offent- 
lichkeit trat; dann 1918 einer trefflichen 
Madrigalvereinigung. Von 1912—17 war sie 
Chorleiterin am Hochschen Kons. , von 1917 bis 
1920 provisorische Leiterin der Bachgemeinde 
in Frankfurt a. M. , 1923 ging sie nach Amerika. 

Dessoir, Max, Dr. ph.il. et med., Prof, der 
Plhlosophie an der Univ. Berlin, geb. 8. Febr. 



1867 in Berlin, hat in seinen ersten Werken sich 
vornehmlichmitPsychologie beschaf tigt, spater- 
hin aber der Asthetik u. dabei auch der M.- 
asthetik zugewenclet. Sein Hauptwerk ist: 
Asthetik u. aligemeine Kunstwissenschaft (1906). 
D. ist auch Herausgeber der Zeitschr. f. Asth. 
u. all%. Kumtwissenschafi, in der wertvolle Bei- 
trage zur M. asthetik erschienen. 1913 veran- 
lafite D. die Abhaltung eines Kongresses fur 
Aligemeine Asthetik in Berlin (Bericht u. Vor- 
trage gedr. 1914), der zur Organisation perio- 
disch sich wiederholender derartiger Veran- 
staltungen ftihrte. 

Dessoir, Susanne, Gattin von Max Dessoir, 
geb. Triepel, Liedersangerin, Sopran, geh. 
23. Juli 1869 in Griinberg in Schl. , war zuerst 
zur Pianistin bestimmt, bildete sich aber dann 
zur Oratorien- n. Konzertsangerin als Schulerin 
von Amalie Joachim aus; nach ihrer Verhei- 
ratung 1899 zog sie sich 1902 vom offentlichen 
Wirken zuruck, nahm dann aber bis 1912 ihre 
Tatigkeit als Liedersangerin wieder auf. Frau 
D. gab eine Sammlung vorschubertscher Ge- 
sange, Kinderlieder u. Volksweisen als Dessoir- 
Albuni heraus. 

Destinn, Emmy (Amalie Kittl), Biihnen- 
sopranistin, geb. 26. Febr. 1878 in Prag, stud. 
zuerst V. spiel, dann aber Gesang unter Marie 
Lowe-Destinn (der zu Ehren sie den Biihnen- 
namen D. annalrm), deb. 1898 als Santuzza an 
der Berliner kgl. Oper (Kgl. preufl. Kammer- 
sangerin), der sie bis 1908 als gefeiertes Mit- 
glied angehcrte. Sie sang 1901 in Bayreuth die 
Senta, 1907 in Paris die Salome (Straufi), trat 
auch in London auf u. ist seit 1908 im Winter 
Star der Metrop. Opera in New York u. im 
j Sommer auf Gastspielreisen. Sie lebt auf ihrem 
SchloI3 in Stra-z, Bohmen. Ihre Stimme zeichnete 
sich aus durch weiches, silbernes Timbre u. 
groBe Modulationsfahigkeit; hervorragende Ge- 
sangstechnik vereinte sich mit drainat. Ge- 
st altungskraft. Sie schrieb auch ein Drama 
Rahel, Gedichte, zwei Opernlibretti und No- 
vellen. 

v"«l. L. Brieger-'WasservogcI E. D, u. Maria 
labia (1903). 

Dett, Robert Nathaniel, amerik. (farbiger) 
Komp., geb. 11. Okt. 1882 zu Drummondville, 
Ontario, Canada; absolvierte 1903 das Niagara 
Falls Collegiate Inst. , erhielt seine erste musikal. 
Erziehung am Oliver Willis Halstead Cons., 
Lockport, N. Y., spater zu Oberlin, Ohio u. 
setzte bis 1915 seine Studien an der Columbia 
Univ. u. anderwarts fort. Er war MD. an ver- 
schiedenen Ersiehungsinstituten ftir Farbige: 
1898—1903 am Lane Coll., Jackson, Tex.; 
1908—11 am Lincoln Inst., Jefferson City, 
Miss.; seit 1913 lebt er am Hampton (Va.) Inst. 
u. leitet dessen ausgezeichneten Chorverein. 
Er gewann den Bowdoin-Preis der Harvard 
Univ. mit einem Essay: The Emancipation of 
Negro Music, 1920 u. den Francis Boott Prize 



Deutsch— Die deutsche Qrchester-Musik der letzten 40 Jahre. 



145 



zu Harvard fur erne Motette uber eine Neger- 
melodie Don't be Weary, Traveller. 

Magnolia Suite f. Kl. (1912, Suramy); Juba Dance 
(id. 1921); viele Motetten; geiatl. Negerlieder; Lieder; 
(Church; Schtrmer). 

DeutSCh, Piet Hermann, schweiz. Sanger, 
geb. 21. Febr. 1876 zu Richterswyl; begann erst 
1907 mit dem Gesangsstudium, nachdem er 
Jurispr. studiert und in Winterthur als Rechts- 
anwalt praktiziert hatte; Schuler von Paul 
Reimers in Berlin, wo er 1910 sein erstes Kon- 
zert gab. Seit 1914 wieder in der Schweiz, 
gelangte er bald zu Ansehen u. wurde Lehrer 
am Kons. zu Basel u. zu Winterthur; er ist ein 
ausgezeichneter Musiker mit bewundernswert 
gebildeter Stimme. 

Vber StimmbUdmg (Winterthur, A. Vogel). 

DeutSCh, Otto Erich, osterr. Schubert- 
forscher, geb. 5. Sept. 1883 zu Wien, stud. 
Kunst- u. Literaturgeschichte in Wien u. Graz, 
war 1908—09 Kunstkritiker der Wiener Zeit, 
1910—11 Assistent am kunsthistorischen Inst, 
der Wiener Univ., jetzt Privatgelehrter, zeit- 
weilig auch Buchhandler u. Verleger in Wien. 
AuBer kunst- u. literaturgeschichtHchen Ar- 
beiten uber Moritz v. Schwind, uber Ferdinand 
Kurnberger u. a. verfaBte D. Studien iiber 
Haydn, Mozart, Beethoven (B.s Beziehungen 
zu Graz, Graz 1907), Schumann u. Liszt u. be- 
sonders Schubert (Schubert- Brevier, Berlin 
1905): Monographien u. Aufsatze iiber Schubert 
in Journalen, Revuen, Fachzeitschriften u. 
Jahrbuchern u. veroffentlichte vor allem, erst 
mit Ludwig Scheibler, dann mit Willy Kahl u. 
Georg Kinsky: Franz Schubert. Die Dokumente 
seines Lebesn u. Schaffens (Munchen, Gg. Muller 
1913 f.), die Dokumente im Wortlaut u. in 
chronologischer Reihenfolge, alle historischen 
Bilder zu Schubert's Leben (diese beidenBande 
bisher erschienen), eine gemeinsam mit Scheib- 
ler verfaBte Biographie, eine bearbeitete t)ber- 
setzung des Schubert-Artikels in Grove's Dic- 
tionary (Hans Effenberger u, Scheibler) als 
Einleitung u. ein Thematisches Verzeichnis der 
Werke Schubert's (Scheibler) als AbschluB. 
AuBerdem veroffentlichte D. Franz Schuberts 
Briefe u. Schriften (Gg. Muller, 1919) u. eine 
Reihe Musikal. SeUenheiten (Facsimileausg. u. 
Neudrucke; Un.-Ed.). 
Die deutsche Orchester-Musik der letzten 

40 Jahre. Man begreift die Entwicklung der 
deutschen Orch.musik der letzten 40 Jahre 
am besten als den vollstandigen Sieg u. die 
spater ebenso vollstandige Niederlage der Pro- 
grammusik. Der Sieg war vorbereitet durch 
die Musik der neuromantischen, vor allem der 
neudeutschen Meister. — Berlioz hatte mit 
semen sinf onischen u. halbdramatischen Werken 
«eine eigentUche Wirkung nicht in Frankreich, 
sondern in Deutschland gehabt ; auf einem andern 
Gebiete, dem des Musikdramas, hatte Wagner 
gleichwohl fur die neue Sinf onik das gewaltigste 
Instrument, eine ganz neue Orch.sprache, eine 

Einstein, Musik lexikon. 



ganz neue Welt des Ausdrucks geschaffen; 
endhch hatte Franz Liszt fur die poetischen, 
philosophischen Ideen, die das Zeitalter auch 
in der Musik bewegten, den freien, wechselnden 
u. doch in jedem einzelnen Falle formvollen 
Rahmen gefunden. Kein Musiker der Zeit 
reprasentiert den Sieg der programmhaften sin- 
fonischen Dichtung vollstandiger als der erfolg- 
reichste, Richard StrauB. In klassizistischen 
Idealen aufgewachsen, deren Zeugnisse zwei 
Sinfonien u. eine Ouverture sind, wird er von 
Alexander Ritter, dem Neffen Rich. Wagner's 
u. Autor von sechs beachtenswerten sinf onischen 
Dichtungen, ftir das Programm u. die Freiheit 
der Form gewonnen. Er schreibt zuerst eine 
halb impressionistische , halb gefuhlhafte Sin- 
fonie oder Suite Aus Italien in alterer Form, 
dann aber die Reihe seiner sinf. Dichtungen 
vom Don Juan (1889) bis zur Alpen-Sinfonie 
(1915), in denen die Orch.kunst von Berlioz, die 
Beweglichkeit der Gestaltung Liszt's, die moti- 
visch-thematische Sprache Wagner's mit Tem- 
perament, Sinnlichkeit u. hochstem Talent zu- 
sammengefai3t u. weit iiberboten sind u. in 
denen die bewegenden Gedanken der Zeit (frei- 
Uch keine hoheren als die der Zeit) frisch u. keck 
ausgesprochen werden. Die Musiker, die sich 
neben StrauB behaupten, bewegen sich doch 
mit ihm in gleicher Richtung: Hugo Wolf 
(Penthesilea), Siegmund v. Hausegger (Bar- 
barossa, Wieland der Schmied), Reznicek (als 
einer der originellsten von alien), G. Brecher, 
der Schweizer V. Andreae, K. Bleyle, E. Boehe, 
H. G. Noren, Ehrenberg, P. Ertel, Aug. ReuB, 
G. Mraczek, O. Besch u. die hundert andern 
deutschen Komponisten von Ouverturen u. 
sinf. Dichtungen. In den letzten 20 Jahren aber 
hat man in wachsendem MaBe sich zwar die 
orchestralen, artistischen Errungenschaften der 
,, Neudeutschen" zu Nutzen gemacht, sie aber 
nicht mehr an illustrative, naturalistisch-pro- 
grammatische, ,,philosophische" Pro Heme ver- 
schwendet. Orch. komponisten wie E. Humper- 
dinck, Sekles, Kampf, Braunfels, H. Tiessen, 
P. Scheinpflug, Max Trapp sind mehr oder 
weniger StrauBisch den Mitteln, aber nicht 
mehr dem Gefuhl u. Geiste nach. Ihre 
Orch.-musik ist malerisch, manchmal auch 
impressionistisch angeregt, aber hat tieferen, 
geistigeren Ausdruckswert; sie verzichtet ebenso 
sehr auf den sinnlichen Gefuhlsrausch, auf 
Pathos u. Rhetorik, wie auf die iijsung 
aufiermusikalischer, nebenmusikalischer Pro- 
bleme. 

Im starksten Gegensatz zu diesen Musikern 
des , ,Fortschritts" stent die edle, den Klassizis- 
mus fast schon wieder zur Klassizitat steigernde 
Sinf onik von Johannes Brahms, dessen Gelt ung 
auch in Suddeutschland immer starker gewor- 
den ist u. den EinfluB vor allem des Sinfonikers 
Liszt heute fast vollstandig paralysiert hat. 
Die umgekehrte Richtung wie Rich. Straufi hat 

10 



146 



Das deutsche Lied der letzten 40 Jahre. 



der ursprunglich neudeutsche, spater immer 
konservativere Felix Draeseke, ganz ahnlich 
wie Felix Weingartner, eingeschlagen ; neben 
ihnen sind die vielen norddeutschen Akademiker 
wie Rudorff, Bruch, Gernsheim, Koch, Berger, 
unter denen Gg. Schumann, Kaun, Juon, 
Straesser durch starkere Eigenart hervorragen, 
zu nennen. Einen noch selbstandigeren Weg sind 
Felix Woyrsch, Hermann Zilcher u. vor aHem 
Max R e g er gegangen , der in seinen Orch. werken 
(Sinfonietta, Hiller-, Mozart- u. Beethoven- 
variationen, Ouverturen, Suiten, Konzerte) 
eine neue Synthese , ,absoluter" Musik in klassi- 
schem Rahmen, aber mit den kuhnsten Mitteln 
moderner Harmonik u. Polyphonie versucht 
hat. In einer spaten u. kurzen Periode seines 
Schaffens hat Reger, mit seiner Bocklin- u. 
Eichendorff- Suite, auch dem reinen Impressio- 
nismus gehuldigt, der in Deutschland aber nur 
wenig u. durchaus keine bleibenden u. konse- 
quenten Anhanger gefunden hat: man konnte 
hochstens Paul Graener (mit wenigen seiner 
Werke) nennen. Von Reger stammt wieder eine 
eigene Schule ab, unter ihnen teils Sinfoniker 
eigenen Charakters : der Romantiker Josef Haas , 
der begabte Gottfried Rudinger, Hermann 
Grabner. Reger, der , ,groBe Form" nicht mehr 
schaffen konnte, der eigentlich ein Miniaturist, 
ein Zersetzer des Ausdrucks war, beruhrt sich 
naturlich vielfach mit den Suchern expressio- 
nistischen Neulands in der Musik. 

Erst in die letzten 40 Jahre fallt auch, wenn 
auch nur ein Teil des Schaffens, so doch die 
machtige Wirkung Anton Bruckner's. In 
Bruckner's Sinfonien schien u. scheint noch 
heute die musikalische Sehnsucht der Zeit 
erfullt: reinste, absoluteste Musik aus dem 
Quell religioser Glaubigkeit, aus volkhaft ver- 
wurzeltem Musikertum ; modern u . doch 
klassisch in der Form, deren Einheit eifrige Ver- 
teidiger findet. Die talentvolleren Nachahmer 
Bruckner's in Deutschland sind H. Bischoff, 
Rich. Wetz, Paul Biittner, Wilhelm Petersen. 
Friedrich Klose, ein personlicher Schuler Bruck- 
ner's, ist doch starker von Berlioz cder 
Wagner beeinfluBt. Nur in einem auBerlichen 
Sinne der Schuler Bruckner's ist auch der 
bedeutendste u. geschichtlich wichtigste Sin- 
foniker der Moderne, Gustav Mahler. Mahler's 
Sinfonik, anfangs als , ,programmatisch" miB- 
verstanden, hat die Organe des Chors u. der 
Singstimme ihrem Ausdruckswillen dienstbar 
gemacht. Dieser Ausdruckswille strebt wie bei 
Bruckner immer zur Einheit; wahrend Bruck- 
ner's Religiositat u. starkes Musikertum sie 
findet, vermag Mahler den menschlichen u. 
kiinstlerischen Dualismus nicht zu iiberwinden, 
die Zerrissenheit seiner Personlichkeit u. seiner 
Zeit nicht mehr zur Harmonie aufzulosen, so 
wenig als Reger. 

Mahler ist, in seiner IX. Sinfonie auch im 
technischen Sinn , der Stammvater der deutschen 



musikalischen ,, Moderne". Die ,, Moderne" 
negiert heftig die Romantik, sie ist antiroman- 
tisch; sie perhorresziert das Programm, sie 
pflegt die M reine Musik"; sie verabscheut die 
iippigen orchestralen Mittel, u. bedient sich wie 
uberall in Europa, des ,,Kammerorchesters"; 
als erster in Deutschland wohl Rudi Stephan 
(Musik fur Orchester; Musik jiir Violine u. Or- 
chester). Sie sucht aus dem Pathos zur echten 
Expression, aus dem Dualismus zur Einheit, 
aus dem Raffinierten zur echten Primitivitat 
zu kommen. Sie stellt mit fanatischer, selbst- 
zerstorender, hohnvoller Grausamkeit das Ge- 
sicht der Zeit dar (E. Erdmann's Sinfonie; 
Hindemith's Musik 1921)) sie sucht Anlehnung 
in den Zeiten starkerer stilistischer Kraft: 
Busoni bei Bach oder denMeistern desRokoko; 
sie sucht in gesteigerter Polyphonie neue 
,,Gotik" zu verwirklichen : HeinrichKaminski 
oder Ernst Kfenek. Gefunden hat sie die Ein- 
heit noch nicht, so wenig sie in den andern 
j Landern, am wenigsten auf dem Nebenweg 
des Impressionismus, der ,,neuen Klassizitat" , 
' der Parodie, gefunden worden ist. 

Das deutsche Lied der letzten 40 Jahre. Die 
Entwicklung des deutschen Liedes in den letzten 
40 Jahren kann man von zwei Gesichtspunkten 
aus betrachten, vom kulturell-gesellschafthchen 
u. vom musikalisch-formalen. In beiden Fallen 
steht im Mittelpunkt das Liedschaffen von 
Johannes Brahms, das in gewissem Sinn als 
die Weiterfuhrung des grofien romantischen 
Erbes von Schubert u. Schumann zu betrachten 
ist u. das um 1880 ja noch keineswegs abge- 
schlossen war: die Liederhefte von op. 84 bis- 
zu den Vier ernsten Gesangen op. 121 fallen erst 
in diese spate Zeit. Das Lied von Brahms ist 
das Lied der Konzentration, der Innerlichkeit, 
des verhaltenen Gefuhls, des Hauses, hoch- 
stens des intimen kleinen Kreises. Es ist hochst 
bezeichnend, daB Brahms in seinen 1894 ver- 
offentlichten Deutschen Volksliedern durch seine 
kunstvolle Klavierbegleitung auch das einfache 
deutsche Volkslied, das entweder als unbe- 
gleiteter Gesang oder als Chorlied seine natur- 
lichen Daseinsformen hat, der Hausmusik 
gewann. So ergeben sich zwei Gegensatze zu 
dem intimen Gefuhlslied von Brahms; 
1. das Lied der Wanderung u. der freien Ge- 
selligkeit; 2. das Konzertlied. Es sei be- 
merkt, daB vielfaltige Faden von der einen 
Gruppe zur andern hin u. her laufen, daB ea 
zwischen denTypen eineUnzahl vonMischungen 
gibt. — Die Gattung, die wir das Lied der 
Wanderung (Freiluft) oder freien Geselligkeit 
genannt haben, ist eine spezifische Erscheinung 
der letzten drei Jahrzehnte. Aus der Liebe zum 
deutschen Volkslied hervorgegangen , ist es vor 
] allem Lauten- oder Gitarrenlied, ist es das Lied 
j der Jugend; neben die Reproduzierung u. 
| Adaptierung alter Weisen tritt bald das eigene 
i Schaffen, das durch Namen bezeichnet wird 



Das deutsche Lied der Ietzten 40 Jahre. 



147 



wie Robert Kothe oder Fritz Jbde. Charakteri- 
siert ist diese Gattung durch ihre schlichte, 
nationale Haltung. Hier anzureihen ware das 
deutsche Chorlied (gemischter Chor u. Manner- 
chor). Der gemischte Chor ist, soweit er nicht 
ebenfalls mit der Reproduzierung der Werke 
des 16. u. 17. Jahrhunderts, sowie der Romantik 
(Mendelssohn, Schumann, Silcher) sich be- 
gnugte, in der jtingsten Zeit nur von vielen 
kleineren Meistern gepflegt worden, iiber die 
Arnold Mendelssohn oder Erwin Lendvai hoch 
hinausragen. Der Mannerchor pflegt teils auch 
das schlichte Lied, teils, als Folge der Institution 
des Preis-Wettsingens, den raffiniert tonmale- 
rischenBalladenchorgesang, fur den derDeutsch- 
schweizer Friedrich Hegar die verbreitetsten 
Stiicke geliefert hat. Das ganze Repertoir des 
Chorlieds, wie es in Deutschland heute ge- 
sungen wird, ist vereinigt in den sogenannten 
Kaiser-Lie der biichern fur Mannerchor (1906) 
u. gemischten Chor (1915). — Dem Gefuhls- 
lied von Brahms tritt gegentiber das Konzert- 
lied, dessen erster grofier Vertreter Hugo 
Wolf war. Die lyrische Intimitat wird ver- 
drangt durch die Absicht auf dramatische Cha- 
r akteristik , die V o r t r a g verlangt u . ein 
Publikum braucht. VonHugo Wolf , derselbst 
schon eine Anzahl seiner Lieder instrumentiert 
hat, geht auch das Orchesterlied aus, das 
nach starker lyrischer oder pseudo dramatis cher 
Expansion strebt, sich an eine groBe Gemein- 
schaft wendet u. dem fast alle deutschen Sin- 
foniker (Mahler, StrauB, Hausegger, Pfitzner, 
Braunfels) sich zugewendet haben. In neuester 
Zeit ist die Vorliebe erwacht fur lyrische Ex- 
pression mit Kammermusikbegleitung, in zyk- 
lischer Form; der Sinn fur eine neue Intimitat 
ist wieder im Wachsen begriffen. 

Vom formal-musikalischen Standpunkt aus 
ist fur das deutsche Lied ebenso sehr der 
Gegensatz Brahms - Wolf maBgebend, wie. 
der Gegensatz Brahms-Liszt. Brahms hat 
prinzipiell am Strophenlied festgehalten, 
an der geschlossenen Liedmelodie mit BaB; 
die Begleitung hat stimmungsgebenden, aber 
nicht vordringlichen Charakter. Auch Hugo 
Wolf verwirft Liedmelodie u. Strophenform 
durchaus nicht, aber bei ihm erwirbt die Be- 
gleitung eine der Singstimme ebenbiirtige 
Funktion, sie ist motivisch-sinfonisch ge- 
staltet, sie dient ganz speziell der charakteri- 
stischen, tonmalerischen Absicht. Die Ge~ 
schlossenheit des Liedes wird nicht mehr ge- 
wahrt durch die Mel o die, sondern durch die 
motivische Einheit der Begleitung. Der 
EinfluB Richard Wagner's dringt ins deutsche 
Lied; auch in deklamatorischer u. harmonischer 
Richtung; fast jedes Lied von Wolf ist, obwohl 
Wolf nicht sein eigener Textdichter war, ein 
poetisch-musikalisches , , Gesamtkunstwerk" , 
das in der , ,Erlosung" eines Quarts extakkords 
gipfelt. In den starksten Gegensatz zu Brahms 



tritt Franz Liszt durch die Auflosung der Iaed- 
form, durch die rhapsodische Freiheit seines 
Lieds, die nur das Gesetz lyrischer Dekla- 
mation an Hand des Textes anerkennt. 

Alle drei Richtungen sind im deutschen Lied 
weiterentwickelt, wenn auch nicht rein er- 
halten, vielmehr stark gemischt worden. 
Direkte Nachahmer hat nur Hugo Wolf ge- 
funden (Josef Marx, Theodor Streicher, Otto 
Vrieslander u. a.). Dagegen ist die Eigenart 
des Lisztschen Lieds, auf dem Umweg tiber 
Alexander Ritter, der Lieder von starker 
Pragung bei aller deklamatorischen u. moti- 
vischen Einf achheit geschrieben hat , durch 
Rich. Straufi umgebildet worden: zum sinn- 
lichen Schwung der Melodie, zum koloristischen 
und motivischen Reichtum der Begleitung; in 
einigen seiner Ietzten Lieder hat Straufi den 
AnschluB an das koloraturhaft stilisierte 
Lied gesucht. Neben StrauB stent der Griinder 
der ,,Munchener Schule" Ludwig Thuille, in 
dessen Gefolgschaft sich Liedkomponisten wie 
Beer-Walbrunn, Schillings, Boehe, Walter 
Courvoisier, Heinr. Kasp. Schmid, Aug. ReuB, 
befinden. Ganz fur sich steht Max Reger, 
der eine direkte Illustrations- Begleitung ver- 
schmaht , eher eine (oft uberladene) organische 
Begleitung schreibt u. die Singmelodie in aus- 
drucksvolle melodische , ,Prosa" auflost. Ganz 
fur sich steht ebenfalls Hans Pfitzner, der 
auf die intime Lyrik Robert Schumann's zu- 
ruckgreift u. sie zu romantischer vergriibelter 
Ekstatik steigert. Bis auf die Schubertsche 
Liedhaftigkeit zuruck geht der Schweizer Oth- 
mar Schoeck, vielleicht die starkste lyrische 
Begabung von heute. Eine Art von Protest 
gegen die motivische, harmonische tJberfeine- 
rung u. Kompliziertheit des nachwagnerschen 
Lieds ist die prinzipielleRuckkehr zumStrophen- 
Lied u. seiner Einf achheit, wie sie bei Alfred 
Heuss, Armin Knab, Hermann Bischoff u. 
in bestimmtem Sinn auch bei G. Mahler zu 
finden ist. , ,Zwischen den Gattungen" stehen 
die unzahligen Liederkomponisten — u. es 
gibt ja keinen deutschen Musiker, der nicht 
Lieder geschrieben hatte — , die hauptsachlich 
das mehr oder weniger wirkungsvolle Vortrags- 
lied kultiviert haben u. von denen als die 
fruchtbarsten u. begabtesten Paul Graener, 
Felix Weingartner, Hermann Zilcher, Julius 
Weismann, Rich. Wetz, Erich J. Wolff, Hans 
Hermann, Rob. Kahn, H. Kaun genannt seien. 
Kennzeichnend fur das neue deutsche Lied 
ist seine Stellung zur neuen deutschen Dichtung. 
Hugo Wolf hat, im Gegensatz zu Brahms, der 
mit feinem Geschmack im Garten der ganzen 
deutschen Literatur gepfluckt hatte, sich nur 
wenigen Lieblingsdichtern (Morike , Goethe , 
Eichendorff, spanischer u. italienischer Volks- 
gesang) zugewandt; die Musiker- Generation urn 
Rich. StrauB ,,entdeckte" die moderne Lyrik 
der Richard Dehmel, Mackay usw. , indes Reger 

10* 



148 Die deutsche Kammermusik der letzten 40 Jahre — Deutsche Oper seit Wagner. 



wieder einem wahllosen Geschmack oder viel- 
mehr Ungeschmack verfiel. Der modernsten 
Dichtergruppe der Mombert, R. M. Rilke, Stefan 
George, Werfel, Trakl entspricht dann wieder 
die modernste Liedkomposition; deren erste 
representative Namen Conrad Ansorge, Rudi 
Stefan (f) u. Arnold Schonberg sind. Es geht 
hier nicht mehr um Gefuhlserregung u. Ge- 
fuhlsvertiefung, um Stimmung, die mit male- 
rischen oder illustrativen Mitteln der Harrnonik, 
Melodik, Rhythmik erreicht werden soil; die 
direkte Beziehung des Textes zur Musik ist 
aufgehoben. Der Text ist Anregung zu einer 
Art von absolutem musikalischen Geschehen; 
es entsteht die Mischgattung der Lyrik mit 
Kammermusik, der Kammermusik mit lyri- 
scher Spitze. Als Beispiel sei der Zyklus Die 
junge Magd von Paul Hindemith genannt. 

Die Deutsche Kammermusik der letzten 
40 Jahre, Die Entwicklung der deutschen 
Kammermusik hat sich weit kampfloser u. 
geradliniger vollzogen als die Entwicklung auf 
dem Gebiet der Oper oder Sinfonie. Die Neu- 
romantiker uberliefien die KM. als Domane den 
, ,Klassizisten", als deren Haupt sie Johannes 
Brahms ansahen; Brahms hat denn auch in 
seinen letzten 15 Lebensjahren noch eine Reihe 
seiner bedeutendsten KM.werke geschaffen: 
die Kl.trios op. 87 u. 101, die Quintette op. 88 
u. Ill, die beiden letzten V.sonaten op. 100 
u. 108; die zweite Sonate f. V.cello op. 99 u. 
seine letzten u. reifsten Werke op. 114 (Klari- 
nettentrio), 115 (Klar. quint ett) u. 120 (Klar.- 
sonaten), in denen er seine Form auf die reinste 
Formel, sein pessimistisches Lebensgefuhl zum 
reinsten Ausdruck gebracht hat. Nur wenige 
Musiker des , ,neudeutschen" Flugels haben sich 
mit der KM. uberhaupt befaBt. Richard StrauB 
hat sie nur mit einigen Jugendwerken bedacht, 
unter denen die V.sonate op. 18 u. das Kl.quar- 
tett op. 13 die bedeutendsten sind, u. hat das 
Gebiet dann ganzverlassen. Ebensoliegen von 
Hugo Wolf nur das D-moll-Streichquartett, ein 
sturmisches u. uberschwangliches Jugendwerk, 
vor; von Friedrich Klose ein Streichquartett 
Es-dur, von Schillings ein Streichquartett u. 
Streichquintett, indes ein Musiker wie Walter 
Braunfels die KM. im eigentlichen Sinn voll- 
standig ignoriert hat. Nur Hans Pfitzner 
hat von dieser Gruppe nicht bloB eine tiefere, 
sondern eine tiefe Beziehung zur KM.: er be- 
ginnt die Reihe seiner Werke mit einer Sonate 
fur Kl. u. Vc, u. sein Streichquartett, Kl.trio, 
Kl.-quintett (nicht ebenso seine V.sonate) ge- 
horen zu den starksten lyrischen Verdichtungen 
seines Schaffens. Neben Pfitzner sind als Neu- 
romantiker auf dem Gebiet der KM. haupt- 
sachlich die zur ,,Munchner Schule" gehorigen 
Ludwig Thuille , Aug. ReuB ( Quartette , Oktett) , 
Jul. Weismann, Heinr. Kasp. Schmid (Quar- 
tett, V.sonate, Kl.trio, Blaserquintett , Vc- 
Sonate) zu nennen. 



Die groBte Zahl der deutschen KM.kompo- 
nisten schlieBt sich an Brahms an u. fullt die 
klassizistische Form mit mehr oder minder 
romantisch-subjektiven Inhalt; ihre Namen u. 
Werke alle hier zuverzeichnen ist unmoglich, es 
mu8 geniigen die fruchtbarsten zu nennen: H. 
v. Herzogenberg , A. Mendelssohn, Rob. Kahn. 
Es gibt Nachfolger von Brahms strengerer 
Observanz wie Ewald Straesser, aber auch 
solche, die den intimen Ausdruck mit freieren, 
impressionistischen, klangpoetischen Elementen 
mischen wie Paul Graener u. Hermann Zilcher 
(Kl.quintett). Man konnte diese Epigonen 
auch nach ihrer regionalen Herkunft einteilen: 
eine allemannische Gruppe, der auch die 
Deutschschweizer mit ihrem hervorragendsten 
Meister H. Suter zuzurechnen waren, eine siid- 
deutsche , rheinische , sachsisch-thuringische , 
norddeutsche; mit ihren vielfachen Beziehungen 
zu slavischer Musik. Der bedeutendste Meister 
aber, der auf der Linie von Brahms weiter- 
gegangen ist, ist Max Reger; man kann sagen, 
daft die KM. ein Zentrum seines Schaffens ist, 
schon nach der Zahl der Werke (5 Streich- 
quartette, Streichsextett, 2 Kl.trios, 2 Kl.- 
quartette, Klarinettenquintett, 7 Sonaten f. 
V. u. Kl., 11 Solosonaten f. V.solo, usw.), dann 
aber auch nach ihrer harmonischen Sensibilitat 
u. Kuhnheit. Regers KM. ist ein Angelpunkt 
modernen Schaffens, als Zeugnis einer absoluten 
(nicht poetisierenden, auBermusikalisch ange- 
regten) Musik, als Grenzlinie atonalen (wenn 
auch immer noch harmonisch bestimmten) 
Ausdrucks. Reger hat eine Anzahl von direkten 
Nachfolgern gefunden, die teils wieder in den 
romantischen Stil einlenken (Jos. Haas), teils 
jene Grenzlinie uberschreiten (H. Grabner). 
Neben Reger leiten Arnold Schonberg u. auch 
F. Busoni die moderne KM. auf den Weg, auf 
welchem sie, ahnlich wie in RuBland,England, 
.Frankreich, zur reprasentativen Ausdrucks- 
form der Musik uberhaupt wird, als Tragerin 
des , ,Geistigen", Abstrakten, der , , Expression". 
Hierher gehoren die , , Jungen" : Heinrich 
Kaminski, der in seinem Quartett u. Quintett 
auch von Bruckner ausgegangen ist, Arthur 
Schnabel, H. Scherchen, Max Butting, Ludwig 
Weber, Frank Wohlfahrt, Paul Hindemith, Ed. 
Erdmann; wie dieser letzte den Deutschen zuzu- 
rechnen sind auch Phil. Jarnachu. Ernst Kfenek. 

Deutsche Oper seit Wagner. Es ist naturlich, 
daB eine so machtige Erscheinung wie Wagner 
zunachst das ganze deutsche Opernschaffen 
in ihren Bann zwang. Die achtziger u. neunziger 
Jahre waren die Zeit, wo fast jeder junge 
dramatische Komponist ,,Erlosungs a - u. Welt- 
anschauungsdramen schrieb, die den hochst 
personliehen Stil von Wagner's letzter Periode 
sich zu eigen zu machen suchten — ■ Weingartner, 
StrauB (Guntram) u. viele andre gehoren zu den 
Komponisten, die diesem MiBverstandnis unter- 
lagen, ganz abgesehen von den vielen kleineren 



Deutsche Musikgesellschaft— De Vocht, 



149 



NutznieBern des Wagnerschen Personliehkeits- 
stiles. Zu den besonnensten, wenn auch nicht 
originellsten Vertretern der nachwagner'schen 
Oper gehort der fnihere Max Schillings mit 
seiner Ingwelde u. seinern Pfeifertag; zur echten 
Nachfolgerschaft Wagner's freilich nur Hans 
Pfitzner mit seiner dramatischen Legende Der 
arme Heinrich, die trotz scheinbarer Abhangig- 
keit von der Tonsprache des Tristan ein hochst 
personliehes Werk ist, mit seiner Klangoper 
Die Rose vom Liebesgarten u. dem resignierenden 
u. asketischen Kunstlerdrama PaUstrina — 
drei Werke, mehr wagnerisch in der Gesinnung 
aJs im Pathos, freilich drei Werke des Ahschlusses 
u. der Riickschau. Ein andrer Weg fuhrt von 
Wagner zur sogen. Marchenoper, der en frucht- 
barster wenn auch schwachlicher Vertreter 
Wagner's eigener Sohn Siegfried ist, deren er- 
folgreichster Humperdinck mit Hansel u. Gretel 
u. Kbnigskinder. Von diesem letzten Werk 
fuhrt wieder eine Brucke zu den Marchenopern 
im ,,Jugendstil" wie Thuille's Lobetanz u. 
Gugeline mit ihrer ornamentalen Sentimentali- 
tat, u. von einigen ihrer burlesken Szenen 
wieder eine solche zu StrauB's zweiter Oper, 
Feuersnot, in der Wagnerisches u. Straufiisch 
Witziges und Schwungvolles sich seltsam 
vermischen, Ein paar der stilreinsten und 
eigensten nachwagnerschen Marchenkomodien 
in Musik hat wieder Alexander Bitter ge- 
schrieben. Ein ganzer Zweig der neudeutschen 
Oper geht ja aus vom Stamme der Meister- 
singer, z. B., trotz des spanischen Stoffes, der 
Corregidor von Wolf: keinem deutschen Kom- 
ponisten ist es eingef alien, uber Wagner's 
gefahrliches Vorbild hinweg auf die feinste 
deutsche heitere Oper, Cornelius' Barbier von 
Bagdad zuruckzugreifen — ist doch Cornelius 
selbst in seinen spiiteren Opern der tJbermacht 
Wagner's erlegen. Die deutsche Volksoper, wie 
der Evangelimann von W. Kienzl, fuhrt zu viel 
weniger lauteren Quellen zuruck u. es ist auch 
Bittner nicht gelungen, seine volkstumlichen 
Opern alle zu ganz reinem u, echtem Ausdruck 
zu steigern, hochstens sein Hbllisch Gold, 

Die Wagnerische Stromung wird gekreuzt 
durch den Erfolg der italienischen Veristen. 
Sie haben auch ihre deutsche Schule; ihr erfolg- 
reichster Vertreter ist d' Albeit mit Tiefland; 
indes der Halbitaliener Erm. Wolf-Ferrari da- 
neben auch Stilelemente der alteren OpeTa 
buff a, ja des alten Intermezzo sich u, der deut- 
schen Oper nutzbar macht. In diesen Kreis 
gehort unbedingt auch der Schillings der Mona 
Lisa, oder E, W. Korngold mit seinem Lust- 
spielchen Der Ring des Polykrates, mit den 
tragischen Opern Violanta u. Die tote Stadt) in 
dieser Riehtung bewegt sich die gangbare Oper 
von heute uberhaupt. Seinen besonderen Weg 
ist StrauB gegangen; aus seinen sinfonischen 
Dichtungen mit ihrem das Einzelnste malenden 
Programm hat ganz folgerichtig sich die Or- 



chesteroper der Salome, der Elektra entwickelt, 
von der ihn sein suddeutsches Naturell zur 
Musikkomodie des Rosenkavalier, seine Meister- 
schaft der Stilparodie zur Ariadne fuhrt; die 
Frau ohne Schatten wird zur auBeren Zusammen- 
fassung seines ganzen Konnens, das Intermezzo 
wird zum Schulbeispiel des neuen, leichten, 
im Rosenkavalier gewonnenen begleiteten Kon- 
versationsstils. 

Stofflich an jenen , , Jugendstil' ( des Marchens 
kmipft Franz Schreker an, nur dafi er, als ein 
skrupelloser Theatraliker, von vornherein das 
Erotische in den Mittelpunkt seiner Handlung 
stellt u. dafi er seine Stoffe, ausgehend meist 
von einer oszillierenden Klangvorstellung, 
musikalisch viel schwelgerischer u. schwuler 
ausdeutet; von der Kino- u, Kolportageoper 
Der jerne Klang, uber die psychoanalytischen 
Gezeichneten ist er zu den neuromantischen 
,, Musik- Opern" Der Schatzgraber u. Irrelohe 
nur in auBerlichem Sinn weitergeschritten. Die 
Verzweiflung der Gegenwart an echter Opern- 
gestaltung hat Busoni zu einer Art Erneuerung 
der Commedia dell' Arte gefuhrt, hat andre auf 
Nebenwege gelockt wie Braunfels in seinem 
lyrischen Kunstler-Bekenntnis in Opernform 
Die Vbgel. Die Vertreter der Neuen Musik — 
Hindemith, Kfenek — versuchen es teils mit 
primitiver ,, Expression", teils mit skurriler 
Parodistik: nirgends ist die Grundlage so zer- 
stort als auf dem Gebiet der deutschen Oper. 
Auch die neuesten Versuche, aus der Oper 
wieder ein Stuck „absoluter Musik* ( mit 
nebenhergehender Oder „paralleler" Hand- 
lung zu machen, sind weder ganz neu 
(Klose's M dramatische Sinfonie" lUebill) 
noch in eine fruchtbare, lebendige Zukunft 
weisend. 

Deutsche MusikgeseHschaft (DMG.), be- 
grundet 20. Jan. 1918 in Berlin unter Vorsitz 
von Hermann Kretzschmar, seit 1934 unter 
Vorsitz von Herm. Abert, gedacht als deut- 
scher Ersatz der 1914 zersprengten Internatio- 
nalen M.gesellschaft zur ZusammenschlieBung 
der deutschen Musikwissenschaft. Wie die IMG. 
wild auch die DGM. durch eine Monatsschrift 
reprasentiert, die seit 1. Okt. 1918 unter der 
Redaktion von Dr. Alfred Einstein (Munchen) 
bei Br, & H. erscheint. Ihren ersten KongreB 
hielt die DMG. vom 4. bis 8. Juni 1925 ab; 
sie hat in ihrem Programm seitdem auch die 
Herausgabe einer Reihe von Neudrucken alterer, 
meist mittelalterlicher Musik. 

De VOCht, Louis, belg. Komp. u. Dirig., 
geb. 21. Sept. 1887 zu Antwerpen; seit 1912 
Praecentor an der Antwerpener Kath., Dirig. 
des gem. Chorvereins Cecilia, Lehrer fur Har- 
monie amKons. u. seit 1921 Dirig. der Nouveaux 
Concerts. 

Avondschemering (Abenddammerung) ; Lentemorgen 
{Frilhlingsmcrgen); Meizangen (M allied) ; Ballingschap 
(Verbanmmg); sjnf. Dichtungen ; Chore; Lieder. 



150 



Diack — Diepenbrock. 



Diack, John Michael, schott. M.verleger, 
geb. 26. Juni 1869 zu Glasgow, Direktor der 
Verlagsabteilung Paterson Sons& Co., Glasgow. 

Vocal Exercises in Tone-Placing and Enunciation) 
Song Studies; Five Minutes Daily Exercises on Vocal 
Technique ; hrsg. New Scottish Orpheus, Bd. I (100 Lieder) 
u. The Burns Song Book (50 Lieder); Ubsrsetzimg 
von Bach's Bauern-Kantate (alles bei Paterson). 

Diaghilew, Serge Pawlowitsch, russ. 
Ballettschopfer, geb. 19. Marz 1872 im Gouv. 
Nowgorod; stud, in Petersburg Jura u. befaBte 
sich daneben mit M.theorie u. Gesang bei 
Cotogni, Sokolow u. Ljadow. Er begann 1897 
als Kritiker an der Zeitung Les Nouvelles, rich- 
tete im selben Jahre eine Ausstellung engl. u. 
deutscher Aquarellisten ein, 1898 eine Aus- 
stellung skandinav. Kunst. 1899 griindete er 
eine einilufireiche Zeitschrift: Die Welt der 
Kunst , die, von Nikolaus II. unterstiitzt, sich 
6 Jahre hielt. In den folgenden Jahren organi- 
sierte D. zahlreiche Ausstellungen in RuBland 
u. anderwarts; 1904 lieB er ein wertvolles Buch 
uber den Maler Lewitzky erscheinen. Seine 
Tatigkeit auf dem Gebiet des Theaters u. der 
Musik begann 1907: er brachte in Paris eine 
Reihe von Konzerten mit russ. Musik zustande, 
fuhrte 1908, mit Unterstutzung des GroB- 
fiirsten Wladimir, Mussorgski's Boris Godunow 
an der GroBen Oper auf, mit Schaljapin u. dem 
Chor der Kais. Oper zu Petersburg; 1909 gab er 
Rimski-Korssakow's Madchen von Pskow u. die 
erste Saison des Russ. Balletts mit Nijinsky, 
der Pawlowa, Karsawina, Fokin u. a. Mit 
diesen Auffuhrungen gab er den AnstoB zu 
einer wahren Renaissance der Ballettkunst, in 
deren Dienst er Komponisten , Maler, Dar- 
steller zog; seine Reisen vor u. nach dem 
Kriege haben diese Renaissance in beiden 
Weltteilen verbreitet. 

Dianow, Anton Michailowitsch, russ. 
Komp., geb. 19. Febr. 1882; Schiiler von G. 
Conus, Javorsky u. Koreschtschenko (Theorie), 
absolvierte 1912 die M.dramatische Schule der 
Moskauer Philh. , u. ist seit 1920 Direktor des 
Technikum's (M.schule, Stufe II), das zu 
Mussorgski's Ehren gegriindet wurde, in 
Moskau. 

Lyrische Fragments f. V. u. Kl. on. 10: El.sonate 
op. 12; Ivrische Suiten f. Kl. op. 6 ; Lieder op. 2, 3 ; 8; 
KLatticke op. 1, 4 ; 5, 7, 9, 11, 13, 14. 

Diaphonie, primitive Form der Harmoni- 
sierung einer Melodie durch parallele Folgen 
von Quarten oder durch Quinten. Die Be- 
zeichnung wird fur eine bestimmte technische 
Manier in der modernen Harmonik gebraucht. 

Dibbern, Karl, deutscher Komp. , geb. 
17. Juni 1855 zu Altona, Regisseur der nieder- 
landischen Oper in Amsterdam (vorber KM. 
in Liibeck u. Dresden), Dichter u. Komp. der 
Opern u. Operetten: 

Der Liebesdiplomat (Karlsruhe 1888); Der Bulgare 
(Magdeburg 1886); Mosjo Vbermut (Stralaund 1891); 
Kapitdn Sander (Dresden 1892): Am Magdalenenstein 
(einakt. Liibeck 1893): Attila (Dresden 1895, Text 



von D., Musik von Ad. Gunkel) u. die ernsten Opern: 
Erik Jensen (Amsterdam 1899) ; Odja (Amsterdam 1900). 

Dickinson, Clarence, amerik. Komp., geb. 
7. Mai 1873 zu Lafayette, Ind., erhielt seine 
mus. Erziehung bei W. Cuther, Wild u Weidig 
in Chicago, war Schiiler von Singer u. Reimann 
(Org.) in Berlin, u. spater von Guilmant (Org.), 
Moszkowski (Kl.) u. Vierne (Kompos.) in Paris. 
Er griindete die Mus. Art Association in Chicago 
u. dirigierte sie 3 Jahre lang; 1909 iibersiedelte 
er nach New York als Organist der Brick Pres- 
byterian Ch. und des Temple Emanu-El. 1912 
wurde er Lehrer fur ICirchenmusik am Gen. 
Theological Seminary, New York, wo seine 
histor. Konzerte u. Vortrage groBe Anziehungs- 
kraft ausiibten. Er gab Orgelkonzerte in den 
Ver. Staaten, Canada, Frankreich, England, 
Spanien. 

Operetten: The Medicine Man (Chicago 1905) u. 
Priscilla; Sinf. f. Org. Storm King, 1920; Chore; Hrsg. 
einer Reihe von Sacred Choruses; Historical Recital 
Series; Book of Eighty Amens; Book of Forty Antiphons. 

Biicher; Excursions in Musical History (1917. zu- 
saramen mit *einer Frau Helena Adele J).): Technique 
and Art of Organ Plaving. 19?1 ; Somis of the Troubadours, 
1920 (alles bei H. W. Gray, New York). 

Dickinson, Edward, amerik. Schrifts teller 
u. Padagoge, geb. 10. Okt. 1853 zu West 
Springfield, Mass., Schiiler von H. Parker u. 
Emery am New England Cons, in Boston, war 
Organist in Northampton, Mass. u. in Spring- 
field, 1883 bis 1892 M.direktor am Elmira 
Coll. u. war 1893 bis 1922 Lehrer fur M.ge- 
schichte u. Kl.spiel, seit 1905 aber speziell 
Prof, fur M.geschichte u. M.kritik am Oberlin 
Coll., machte zwischendurch mehrmals Studien 
in Berlin (1885—86, 1888—89 u. noch 1892—93 
bei Spitta u. Klindworth). 

Music in the History of the Western Church (Scribner 
1902); The Study of the History of Music (id. 1905, 
2. verm. Aufl. 1908; 3. Aufl. 1914); The Education 
of a Music-Lover (id. 3911); Music and the Higher 
Education (id. 1915). 

Didur, Adam, poln. Bassist, geb. 24. Dez. 
1874 zu Sanok, Galizien; stud. 1892 Gesang 
bei Wysocki in Lemberg, 1893 bei Emerich in 
Mailand, begann 1894 in Rio de Janeiro seine 
Opernlaufbahn, war dann in Cairo u. 4 Jahre 
lang an der Scala in Mailand, 1899—1903 an 
der Warschauer Oper, danach in Petersburg, 
Moskau, London, Barcelona, Madrid, Buenos 
Aires, endlich 1. Bassist an der Metrop. Op. 
in New York. Hauptrollen: Mephistopheles 
(Gounod), Mefistofele (Boito), Wotan, Boris, 
Kezal, Basiiio, Figaro u. a. 

D ieckmann, Ernst, deutscher Organist, 
geb. 17. Juli 1861 zu Stade, Schiiler von Haupt, 
Loschhorn u. Jul Alsleben am Kgl. akad. In- 
stitut fur Kirchenmusik, 1900 Domorganist in 
Verden (Aller) als Nachfolger von Gustav 
Jansen; Dirig. des Domchors u. eines Ora- 
torienvereins ; 1904 Orgelrevisor, 

Lieder u. Chorgesange. ' 

Diepenbrock, Alphons, holl. Komp., geb. 
2. Sept. 1862 in Amsterdam, gest. das. 5. April 
1921; der bedeutendste holl. Komp. zwischen 



Dieren — Dippen. 



151 



1890—1920; Autodidakt, Lehrer der klass. 
Literaturam Gymnasium zu Amsterdam. Seine 
ersten Werke verraten Wagnerschen EinfluB, 
sein spaterer Stil ist edel u. personlich, sein 
besonderes Kennzeichen der ununterbrochene 
melodisch-modulatorische Flufi, 

Messe f. MCh. u. Org.. 1891; Musik zu Joost van 
den Vondel's GijsbrecM mm Aemstel, 1890; Te Dexvm 
f. Ch. u. Orch., 1897; Stabat Mater dolorosa u. Stab. 
M. speciosa f. a cappella-Ch.; Chor: Die Elfen, 1897: 
Hymne an die Naclit f. Sopran u. Orch., 1899; Abend- 
mahlshymne f, Sopr. u. Orch,; Vondels Vaart naar 
Agrippina (Alberdingt Thijm) 1902 u. Im grofien 
ScJiweiyen (Nietzsche) 1904; Die Nackt (Holderlin) 
f. Alt u. Orch.; 2 Ges. f, Bariton mit Orch.; Hymne 
f. V. ii. Orch., 1905 I'iir Louis Zimmermann geschrieben; 
Hymne aan Rembrandt, 1906: Musik zu Balthazar 
Verhagen's Marsyas 1911; Musik zu Goethe's Faust; 
zu des Aristophanes Vthteln; zur Elekt.ra des Sophokles; 
zahlreiche Lieder, Die meisten seiner Werke sind bei 
Noske im Haag verSffentlicht, die systematieche Heraus- 
gabe seiner Werke ist geplant. 

Vgl. E. Adaiewsky, Le Tedeum d'A. D. (Kiv. 
mus. it. XIX., 1912); Missa in die iesto A. D. 
(Herzogenbusch 1921). 

Dieren, Bernhard van, holl Komp. , geb. 
27. Dez. 1884, von holl. Vater u. franz. Mutter, 
wandte sich erst der Wissenschaft zu, begann 
um 1904 sich jedoch ausschlielitlich der Musik 
zu widmen. 1909 kam er als M.referent des 
Nieuwe Rotterdamsche Courant nach London, 
wo er dauernd blieb. Seine Stellung als Komp. 
ist zwiespaltig: der Buchstabe seiner Musik 
stoBt die Neuklassizisten ab, in des ihr Geist 
einige Ultramodernisten beleidigt; die Viel- 
faltigkeit seines Stils enttauseht das Verlangen 
nach einem einheitlichen Personalstil. Er hat 
nicht, wie Schonberg oder Debussy, ein streng 
personliches Ausdruckssystem entwickelt, um 
dann dessen Sklave zu werden. Er richtet 
seinen Stll nach semen Eingebungen oder viel- 
mehr jede seiner Eingebungen erschafft sich 
ihren eigenen Stil. Vorzugsweise ein Kontra- 
punktiker, dessen Wege entgegengesetzt denen 
des Impressionismus laufen, hat er seine 
liarmonische Grundlage allmahlich einfacher 
gestaltet; all seine Werke enthullen die Tendenz 
nach organischer Entwicklung u. Einheitlich- 
keit. Seine von ihm als reif anerkannten 
Werke sind: 

6 Skizzen f. Kl. (1911, Un.-Ed.}; 4 Streichquartette 
1912, 1917, 1919, 1923; Sinfonie f. Soli, Ch. u. Orch., 
nach chinesischen Texten, 1914; Diaphome f. Bariton 
u. Kammerorch ., nach 3 Sonetten Shakespeares' ; 
Ouverture zu einer idealen Komodie f. Kammerorch. 
1910; dreiakt. Opera Hiffa The Tailor, Text von Kobert 
JSTichoHs, 1917; Les Propous des Beuveurs, introit f. 
gr. Orch. nach Rabelais (London 1921); Gesfinge mit 
Streiehquartett, KammeTorch. u.mit Kl. (eine Anzahl 
von ihnen 1925, Oxford Univ. Press); auch 2 Ge- 
dichte t. Sprechstimme u. Streichquartett (Ballade 
von Fr. Villon u. Sonett von Baudelaire). Van D. hat 
auch ein Buch liber den Bildbauer Jacob Epstein 
geschrieben (J. Lane). 

D iesterweg, Adolf, deutscher M. schrif tsteller , 
Enkel des gleichnamigen Padagogen, geb. 
31. Dez. 1869 zu Frankfurt a. M. ,als Student 
Schiller (Kl. u. Theorie) Wilh. Fehr's in Bonn, 
in der Kompos. Schuler von Reinhard Oppel. 
Nachdem er die juristische Laufbahn einge- 



schlagen, folgte er seiner Neigung zur Betatigung 
als M. schrif tsteller u, ist seit Herbst 1919 Mit- 
arbeiter u. Referent der Allg. Musikzeitung in 
Berlin. Von seinen Kompositionen sind ge- 
druckt: 

Ein Heft Fantasiestucke u. ein Scherzo f. Kl. 

Dieti, Johanna, deutsche Sangerin, geb. 
15. Sept. 1867 in Frankfurt a.M., stud, dort 
am Raff-Kons. , war kurze Zeit am Hoftheater 
in Darmstadt tatig, widmete sich aber dann 
speziell dem Konzertgesange u. war als Ora- 
torien- u. Liedersangerin geschatzt (Sopran). 
Sie lebt in Miinchen als Lehrerin fur Sologesang 
an der Akademie der Tonkunst. 

Dima, George, siebenbtirg. Komp., geb. . 
10. Okt. 1847 zu Kronstadt, gest. im Aug. 1925 
zu Klausenburg; besuchte das Polytech- 
nikum zu Karlsruhe, ging aber zur Musik 
iiber (Schuler von Giehne in Karlsruhe, Uff- 
mann in Wien, Thieriot in Graz u. des Leipziger 
Kons.). 1881 wurde er Dirig. des Ruman. 
M.vereins in Hermannstadt sowie Seminar- 
M.lehrer u. Kirchen-M.direktor, Gymnasial- 
M.lehrer zu Kronstadt u. Dirig. des Nikolaus- 
kirchenchors u, des ruman. Gesangvereins ; 
endlich Dir. des Kons. zu Klausenburg. 

Lieder; kirchl. u. weltl. Chore; Messen u. a. (Kahnt; 
Feder in Bukarest). 

dindy s. Indy. 

Di Pietro, Pio, ital. Komp. u. Gesangslehrer, 
geb. 3. Aug. 1862 in Rom, Schuler von Eugenio 
Terziani, aktives Mitglied der Soc. Mus. Romana, 
seit 1914 erfolgreicher Gesangslehrer an S. 
Cecilia. 

Requiem, 1889: Commedia lirica Pape Satanl; 
Kammermusik (Bicordi; Carisch & Janichen). Artikel 
in der B. M. it. 1898, 

Dippe, Gustav, deutscher Komp., geb. 
19. Sept. 1858 zu Tilsit, gest. 9. Sept. 1914 zu 
Bucko w, aus einer franz. Emigrantenfamilie 
(Dupuis) stammend, erst Jurist, dann Schuler 
der Kullakschen Ak. zu Berlin, vor allem Hein- 
rich Urban's, dann lange Zeit Lehrer f. Kl. u. 
Kompos. u. bis Schliefiung der Anstalt Juni 
1902 Direktor der Anstalt. 

Lieder (meist C. O. Challier, Berlin); Kl.stucke: 
Konzertwalzer (A. Stahl, Berlin); Serenade f. Streich- 
orch. op. 10 (Kreisler & Co., Hamburg). Kom. Oper 
Mondfinsternis, einakt . ; Hans der Fahnentrdger, vierakt. 
Cassel 1917; Die Lithe kdret nimmer entj. einakt., Cassel 
1901 (Texte von D. selbst). 

Dippel, Andreas, deutscher Buhnensanger 
(Tenor), geb. 30. Nov. 1866 in Cassel, Schuler 
von J. Hey (Berlin), Leoni (Mailand) u. Ress 
(Wien), war 1887—92 am Bremer Stadttheater 
engagiert, darauf nach einer amerik. Tournee 
kurze Zeit in Breslau u. gehorte 1893—98 der 
Wiener Hofoper an. 1889 sang er in Bayreuth, 
1897 in London in den Nibelungen. 1899—1900 
nahm er Engagement an der deutschen Oper in 
New York, 1900 an Co vent Garden in London, 
1910—13 war er Mitdirektor der Metrop. Oper 
zu New York. Seit 1913 gab er mit einer eigenen 
Gesellschaft Operetten. 



152 



Dite— Dobroven. 



Dite, Luis, 6s t err. Orgel virtuose u. Komp., 
geb. 16. Marz 1891 in Wien, besuchte das 
Wiener Kons., wo Gradener, Dittrichu. J. Hof- 
mann seine Lehrer waren. Erhielt 1912 das 
Akademie-Diplom, den Zubnerschen Lieder- 
preis u. das Gellersche Pramium; spielte in der 
Rudolf sheimer Kirche die Orgel, 1917 als Nach- 
folger Tolzer's zum Hoforganisten ernannt. 

5 Messen; 2 Litaneien; Gradualien u. Offertorien; 
Tntr., Pa?sacaglia u. Fuge iiber 2 Volkshymnen; Kl. 
sonate; Cel'osonate; Streichquartett; Lieder op. 12, 
13, 21—24, 29; Lautenlieder op. 18; M. Chore, Fr.- 
ChCre u. a. 

DitSOtl Company, Oliver, der alteste unter den 
bestehenden amerik. M.verlagen. Sein Grunder, 
Oliver D., geb. 20. Okt. 1811 in Boston, gest. 
das. 21. Dez. 1888, begann 1835 seine Verlags- 
tatigkeit, vereinigte sich aber 1836 mit einem 
alteren Bostoner Verleger, Samuel H. Parker 
(P. & D.), schiffte 1842 Parker aber wieder aus. 

1857 wurde die Firma, durch Hereinnahme von 
John C. Haynes, Oliver D. & Co. , nach D.s Tod 
wurde die Firma eine Gesellschaft, mit Haynes 
als Vorsitzendem, dem 1907, nach seinem Tod, 
Charles H. D., der Sohn von Oliver D. folgte. 
Eine noch existierende New Yorker Filiale wur- 
de 1867 unter dem Namen Charles H. Ditson 
& Co. errichtet. 

Die Firma hat mehrere Zeitschriften veroffentlieht: 

1858 uhernahm sie Dwvjki's Journal of Music u. fuhrte 
es bis 1878 fort; es wurde unmittelbar abgelCst von 
The Monthly Musical Record, das 1898 semen Namen 
in The Musical Record anderte. 1803—18 erschien 
bei L\: The Musician. Das neueste (1903 f.) Unter - 
nehmen ht die Veroffentlichung von Reihen klass. 
Vokal- u Instrumentalmu?ik unter dem Titel: The 
Musician's Library. 

Vgl. William Aims Fisher, Notes on Music, in Old 
Boston (Ditson 1918). 

Dittrich (Diettrich), Rudolf, F M osterr. 
Komp., geb. 25. April 1861 zu Biala (Galizien), 
gest. 16. Febr. 1919 in Wien, 1878—82 Schuler 
des Wiener Kons. (J. Hellmesberger sen. u. jun. , 
Schenner, Bruckner); 1888—94 artistischer 
Direktor der k. japanischen M.akademie zu 
Tokio, war seit 1901 erster Hof organist in 
Wien u. seit 1906 Orgelprof. an der k. k. Akad. 
der Tonkunst. 

Orgelsachen; Kl.stucke; Chore; BearbeitunEen 
japan. Volkslieder Nippon Gakafu u. Rakubai (FaUende 
Ptlaumenbinten) f. Kl. mit Text. Auch schrieb er fur 
die Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft f. Ost- 
asien Beitrage zur Kenninis der japan. Musik. 

Di Veroll, Manlio, ital. Pianist u. Komp., 
geb. 12. April 1888; stud, am Lie. di S. Cecilia 
bei Baiardi u. Sgambati (Kl), Renzi (Org.) u. 
Falchi (Kompos.); dirigierte im Augusteo u. 
Teatro Adriano einige Konzerte u. Opernauf- 
fuhrungen u. ging im selben Jahr nach London, 
wo er als Begleiter, Konzertspieler u. Komp. 
Fufi fafite. 

Oreh : Impressioni di paesaggio, 1910; Ouverlure 
romantica, 1911; 3 Impressioni; Seena drammatica f. 
Sopran u. Orch.: Streichquartett; u. vor allem be- 
hebte Romanzen auf ital., franz . u . engl. Text. 

Dixtuor Leo Sir, eine Vereinigung von 
zehn Streichinstrumenten , gebaut von dem ! 
Geigenmacher Leo Sir in Marmande, Frank- ' 



reich, mit der Absicht, eine voiikommene 
Familie von Streichern mit neuen Klang- 
far ben zu schaifen. Au8er V., Va., Vc. u. Kb. 
sind vorhanden: 1. Sursoprano, eine Quarte 
hoher gestimmt als die V.; 2. Mezzosoprano r 
gestimmt wie die V., aber mit Bratschenklang ; 
3. Contralto oder Haute-contre, mit neuer 
Klangfarbe, eine Oktav tiefer klingend als ge- 
schrieben; 4. Tenor u. 5. Baryton, beide eine 
Oktav tiefer als die Bratsche, 6. Sous basse, unter 
dem Vc., 2 Oktaven tiefer als die V. u. eine 
Quart hoher klingend als geschrieben; durch- 
dringend u. dumpf im Klang. A. Honegger, 
D. Milhaud, O. Ygouw haben fur das En- 
semble Suiten geschrieben. 

Dluski, Erasmus, poln. Komp., geb. 1858 
in Podolien, gest. 1922 in Warschau; 1877 
Schuler von Solowiew und Rimski-Korssakow 
am Petersburger Kons., an dem er 1882 den 
erst en Pre is errang. Er blieb in Petersburg 
als Lehrer fur Theorie, Gesang und Kompos. 
bis 1920 und war seitdem Prof, der Opern- 
klassen am Warschauer Kons. 

Opera: Romano 4akt. (1895), Urwasi, 2akt. (Lem 
berg und Warschau 1902); Die Br out von Eorinth: 
63 populare Lieder; 2 Kl.sonaten (von Rubinstein 
gespielt); Stuck e f. Vc,; sinf. Werke. 

Dobici, Cesare, ital. Komp. u. Padagoge, 
geb. 11. Dez. 1873 in Viterbo; stud. Musik 
erst bei Angelo Medori, dann bei dem Dir. 
der Cappella Giulia, Salvatore Meluzzi, endhch 
am Liceo di S. Cecilia bei Vitale, Renzi u. 
De Santis. Er wurde erst Dir. der Cappella 
in Viterbo u. Lehrer an der Chorschule Giosue 
Carducci, 1910 Lehrer an der Scuola Sup. 
di musica sacra in Rom, 1911 daneben noch 
Lehrer f, Kp. an S. Cecilia. 

5 Messen f. Chor mit Orgel; Psalmen; Hymnen; 
Lieder: Kammermusik u. eine Oper: Cola di Rienzo. 

Dobler, Josef, schweiz. Musikdirektor, 
Orgel- und Glcckenexperte, geb. 1875 im 
Waggithal , besuchte die Bezirksschule in 
Lachen, in Schwyz das Seminar, war dann 
kurze Zeit Lehrer, besuchte dann aber das 
Zuricher Kens, und die Choralschule zuBeuron, 
war 15 Jahre lang MD. am freien kathol. 
Lehrerseminar in Zug und ist seit 1913 MD. 
im Altdorf. 

Im Druck etwa 50 kirchl. u. weltl. Kompositionen; 
ISteubearbeitung von Carl Locher's Die Orgelregi&ter 
und ihre Klangfarbe (5. Aufl. 1923). 

Dobroven, Is s aye Alexandrowitsch, russ. 
Komp. u. Dirig,, geb. 27. Febr. 1893 zu Nishni- 
Nowgorod, Schuler des Moskauer Kons. 
( Jaroschewski, Igumnow, Tanejew), das er 1911 
mit der golden en Medaille absolvierte; seine 
pianistischen Studien setzte er bei Godowski 
in Wien fort. 1917 — 21 war er Prof, der Mos- 
kauer Philharmonie u. war seit 1919 Dirigent 
des Grofien (fruher Kaiserl.) Theaters inMoskau; 
seit 1923 lebt er in Deutschland u . betatigte sich 
in Dresden als Dirigent u. Inszenator (Boris 
Godunow an der Staatsoper, in Berlin els Diri- 
gent (fctaatsoper). 



LooDer — Dolmetsch. 



15a 



Zwei Kl.sonaten op. 5 u. op. 10 (dem Andenken 
SkrjabnYs gewidmet) ; V. sonate op. 15 ; Eebrdisehe 
Melodiei. Kl. u. V. op. 12; Marchenf. V. u. Kl op. 16; 
Kl.stticke op. 1, 2, 3, 4, 6, 13, 14; Etiiden op. 8; Lieder 
op. 7 ; Buhnenmusik za Pkilipp II von Verhaeren 
mus. Marchenspiel 1001 Nacht (Text von Ognew 
Moskau 1922). Samtl. Werke in der TJn.-Ed. 

Dcbber, Johannes, deutscher Komp. , geb. 
28. Marz 1866 zu Berlin, gest. 26. Jan. 1921 
in Berlin , Schuler des Sternschen Kons. , 
konzertierte anf anglich als Pianist , wurde 
aber Theaterkapellmeister u. wirkte als solcher 
in Berlin (Kroll), Darmstadt, Koburg u. 
Hannover , lebte seit 1908 als Komponist , 
Gesanglehrer u. M.referent der VolJcszeitung 
in Berlin. 

Opern: Dolzetta; Der Schmied von Gretna Green 
(Berlin 1893); Die Hose von Genzano (Gotha 1895); 
Die GriUe (Leipzig 1897); Die drei Rosen (Koburg 1902); 
Der Zauberlehrling (Braunschweig 1907); Tanzmarchen: 
Der verlorene Groschen (Hamburg 1804) ; Operette: 
Die MilHonevlirant (Magdeburg 1913). Eine weitere 
Oper Die Franzosenzeit (Text von A. Bobber nach 
Er. Renter) blieb unaufgefnhrt. Shtfonie op. 34 u. 
eine groBere Anzahl Lieder. 

Dobereiner, Christian, deutscher V.cellist 
u. Gambist, geb. 2. April 1874 zu Wunsiedel, 
wo sein Vater Stadtmusikus u. Stadtpfeifer 
war, 1889—95 Schuler der Akademie der Ton- 
kunst in Munchen (V. cello bei Jos. Werner, 
Theorie u. Kontrapunkt bei Rheinberger u. 
Thuille); 1895 Mitglied des Kaimorch., dann 
kurze Zeit im Hoforch. in Munchen, 1897/98 
Lehrer am Kons. in Athen, 1898 in Karlsruhe, 
seit 1899Hofmusiker inMunchen, 1908 Kammer- 
musiker. D. hat sich seit 1905 namentlich als 
Gambenspieler einen Namen gemacht; erst 
Mitglied der Deutschen Vereinigung fur alte 
Musik von Dr. Ernst Bodenstein, grundete er 
nach deren Auflosung eine eigene Munchener 
Vereinigung fur alte Kammermusik. 1921 — 24 
war er auch Lehrer fur Viola da gamba an der 
Akademie der Tonkunst. Herausgeber von 
Bearbeitungen, auch einer Celloschule (1. Teil 
1911). 

Dohnanyi, Ernst von, ungar. Komp., 
Pianist u. Dirig. , geb. 27. Juh 1877 zu PreB- 
burg, lernte Kl. erst bei seinem Vater Friedrich 
v. D., einem Gymnasialprof . , u. machte bald 
darauf Kompos.versuche; setzte dann sein 
Studium bei dem Domorganisten Karl Forstner 
fort. Als er 1893 in die Budapester Hochschule 
f. M. eintrat, brachte er bereits mit: drei 
Streichquartette, ein Streichsextett, eine Messe 
(fur das Gymnasium geschrieben), eine groBe 
Zahl Kl.stiicke u. ein Kl.quintett (aufgei 
Wien 1893, mit dem Komp. am Kl.). 1893—97 
stud, er in Budapest, Kompos. bei Hans 
Koessler, Kl. bei Stefan Thoman; im Sommer 
1897 empfing er einigen Unterricht von 
d' Albert; begann im Herbst Konzertreisen, 
die ihn erst nachOsterreich, Ungarn, Deutsch- 
land, Nordamerika, spater nach Skandinavien, 
Frankreich, Spanien, Italien, Rufiland fuhrten, 
1905 wuide er Lehrer f. Kl. an der Berliner 
Hochschule u. blieb bis 1915. Seither lebt 



■ er in Budapest, 1916—19 Kl.lehrer, eine 
Zeitlang auch Direktor der Hochschule. Seit 
I 1919 ist er Vorsitzender der Philh. Gesell- 
schaft; 1922 Br. phil. h. c. der Unrv. Kolczsvar; 
1925/26 Dirig. des S ate Symph. Orchestra in 
New York. 

op. 1 Kl.quintett; op. 2 Kl.stiicke; op. 3 Walzer 
vierhdg.; op. 4 Variationen u. Fuge f, Kl.; op. 5 Kl.- 
konzert (Bosendorferpreis 1899 ) ; op. 6 Passacaglia 
f. Kl.; op. 7 Streich(iuartett I (alles bei Doblinger, 
Wien); op. 8 Sonate f. Vc. u. Kl. (Schott); op. 9 Sinfonie- 
(id.); op. 10 Serenade f. Streichtrio (Doblinger); op. 11 
4 Khapsodien f. Kl. (id.); op. 12 Eonzertstuck f. Vc. 
u. Orch. (id.); op. 13 Winterreigen i. Kl. (id.); op. 14 
Lieder (id.) ; op. 15 Stieichqiiarlett II (Simrock) ; 
op. 16 Lieder (Doblinger); op. 17 5 Humoresken f. Kl. 
(Simrock); op. 18 Pan f omime Der Sckleier der Pierrette, 
Text von Arthur Schnitzler, Drceden 1910 (Doblinger); 
op. 19 Suite f. Orch. (id.); cp. 20 Tante Simona, einakt. 
kom. Oper, Text von Victor Heindl, Dresden 1912 
(Simrock); op. 21 Sonate f. V. n. £1. (id.); op. 22 Zwei 
Gesange f. Bariton u. Orch. (id.); op. 23 Drei Kl^tucke 
(id.); op. 24 Kl.suite im aiten Stil (id); op. 25 Varia- 
tionen fiber ein Kinderlied f. Kl. u. Orch. (id.); op. 2& 
Kl.quintett IJ (id.); op. 27 V.konzert (Alberti, Berlin); 
op, 28 Sechs Konzertstudien (K6zsavolgyi); op. 29 
Variationen fiber ein imgar. Volkslied f. Kl, (id.); 
op. 30 Oper: Der Turm des Woiwoden, Text von H. H. 
Ewers, Budapest 1922 (ms.): op. 31 Keatouvertiire 
(ms.) ; Euralia Eungariea op. 32 f. Kl., auch in Orchester- 
fassung, 7 Satze (1924, Bozsavolgyi); kom. Oper; 
Der Tenor, Text von E. Goth. 

DoflM, Georg, deutscher Pianist u. Dirig. T 
geh. 23. Mai 1867 zu Bahrendorf bei Magde- 
burg, absolvierte das Gymnasium zu Magde- 
burg u. Leipzig, stud, die Rechte in Leipzig T 
Munchen u. Berlin u. promov. zum Dr. jur., 
ging aber dann zur Musik uber u. besuchte 
noch 1891—95 das Kolner Kons., machte 
die Dirig.karriere mit den Stationen Munchen 
(1897 Korrepetitor der Hofoper), Flensburg 
(KM. am Stadttheater), Weimar (1898 stell- 
vertr. 2. KM.), Munchen (1899 2. Dirig. des 
Kaim-Orch.) u. ist seit 1901 in Breslau Dirig. 
des Orch.vereins u. der Singakademie. 

D'Oisly, Maurice, Operntenorist,